Ökumenischer Studientag: „Hoffnung auf ewiges Leben?“
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Fribourg/Schweiz, 02.11.2017/APD – Am 3. November fand an der Universität Fribourg ein Studientag zur Glaubens- und Lebenspraxis verschiedener kirchlicher Traditionen statt. Die Tagung thematisierte die theologischen Grundlagen für den Umgang mit Tod und Sterben sowie der Hoffnung über den Tod hinaus. Der Anstoss zum Studientag sei aus einer Gesprächsgruppe der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) mit der Neuapostolischen Kirche (NAK) entstanden, sagte Claudia Haslebacher, Mitorganisatorin seitens der AGCK.CH.

Flyer der Studientagung: Hoffnung auf ewiges Leben?

Flyer der Studientagung: Hoffnung auf ewiges Leben?

© Grafik: Universität Fribourg / AGCK.CH

Hoffnung auf ewiges Leben – eine reformierte Perspektive
Ralph Kunz, Professor für praktische Theologie an der Universität Zürich, zitierte einleitend Wittgenstein: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Die Mehrheit der Reformierten würden zur Frage der letzten Dinge, wie „ewiges Leben“, schweigen. Bei Abdankungen werde nur vage eine Jenseitshoffnung vermittelt. Hinter der reformierten Zurückhaltung stehe die Sehnsucht dessen, was man nicht sehe. „Unsere Existenz mündet im Sein vor Gott“, so Kunz.

Bei der Frage nach ewigem Leben verwies Ralph Kurz auf Kurt Marti, reformierter Pfarrer und Schriftsteller, der gefragt habe: „Ist der Wunsch, ewig zu leben, nicht ohnehin der menschliche Urfrevel (1. Mose 3,5), so sein zu wollen wie Gott, der allein Ewige?“ Ewigkeit als unendlich ausgedehnte Zeit, könne nur als langweilig vorgestellt werden, so Kunz. Das habe nichts mit Hoffnung zu tun. Leben nach dem Tod zu definieren sei nicht möglich. Es gebe kein Denken oder Wissen für diesen Bereich: „Es gibt nur ein Glaubenswissen“, so Kunz. Deshalb heisse es im Apostolikum auch nicht „Ich weiss...“, sondern „ich glaube...“

Es gehe beim ewigen Leben nicht um eine Endlosschlaufe, sondern um einen Bund, um die Verbindung von Gott und Mensch. „Wir werden nicht zu unsterblichen Göttern“, sagte Kunz, aber wir werden in Ewigkeit mit ihm verbunden sein. In der christlichen Auferstehung gehe es um Gemeinschaft mit Gott.

Kunz schloss seine Ausführungen mit einem Text von Jochen Klepper, deutscher Theologe und Dichter, der 1937 gegen das „tausendjährigen Reich“ gedichtet habe: „Der du allein der Ewge heisst / und Anfang und Ende und Mitte weisst / im Fluge unsrer Zeiten: / bleib du uns gnädig zugewandt / und führe uns an deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.

Eine neuapostolische Perspektive
Reinhard Kiefer, Literaturwissenschaftler und Leiter der Theologischen Dienste der NAK International, erläuterte, dass das Entschlafenenwesen in der Neuapostolischen Kirche alles umfasse, was mit Verstorbenen zu tun habe. „Unsterblichkeit der Seelen ist Glaube der NAK“, führte Kiefer aus.

Der neuapostolische Glaube gehe nicht davon aus, dass mit dem Tod bereits alles entschieden sei. Die Taufe und Versiegelungen für Verstorbene seien von Apostel Schwarz gegen Ende des 19. Jh. eingeführt worden. Anstoss sei ein seelsorgerliches Handeln in einer tragischen Familiensituation gewesen, als ein Kind ungetauft verstorben sei. Das Wesen der sogenannte Vikariatstaufe für Verstorbene sei Stellvertretung. Später sei auch das Abendmahl für Verstorbene zugänglich gemacht worden.

Kiefer zeigte Verständnis dafür, dass es für viele andere Christen unverständlich sei, dass nach neuapostolischem Glauben auch Verstorbene Zugang zu den Sakramenten hätten. Die sakramentale Hinwendung zu den Entschlafenen dürfe aber nicht als Spiritismus verstanden werden, so Kiefer. Den Zustand der Toten umschrieb er so, dass die Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz zwar mit dem Tod beendet sei, die Personalität der Toten stehe aber in unauflösbarer Kontinuität zu ihrem Leben.

Eine freikirchliche Perspektive
Die Sicht der Freikirchen wurde von Stefan Schweyer, Assistenzprofessor für Praktische Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel), dargestellt. Schweyer ist Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG). Theologische Basis freikirchlicher Christen für die Sicht bzw. den Umgang mit den letzten Dingen sei die Bibel. Ausdruck finde dies im Weiteren im Apostolischen Glaubensbekenntnis, der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz sowie in der Lausanner Verpflichtung.

Nach freikirchlichem Verständnis gebe es „ein Leben nach dem Tod in einem doppelten Ausgang: der ewigen Trennung von Gott oder der ewigen Gemeinschaft mit ihm“. Für die ewige Zukunft sei der Glaube an Gott vor dem Tod entscheidend. Wer an Jesus Christus glaube, könne damit auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben haben. Dieser Glaube finde seinen „stärksten Ausdruck in der Umkehr bzw. Bekehrung und einer auf Gottes Willens ausgerichtete Lebensführung“, so Schweyer. Die Auferstehung zum ewigen Leben beginne mit der Bekehrung, mitten im Leben, wenn sich der Mensch von Gottes Wirklichkeit erfassen lasse. Die eigentliche Auferstehung finde bei der Wiederkunft Christi statt.

Da freikirchlich orientierte Christen intensive Sozialkontakte pflegten, nähmen an Abdankungsgottesdiensten meist viele Mitchristen teil. Dabei werde das Leben, aber auch der Glaube des Verstorbenen gewürdigt und oft auch dessen Auferstehungshoffnung. Die Hoffnung auf ewiges Leben werde dabei „explizit verbalisiert“, sagte Schweyer. Es gebe aber keine Gebete für Verstorbene bei freikirchlichen Abdankungen.

Eine römisch-katholische Perspektive
Die römisch-katholische Sicht bezüglich Tod und ewigem Leben wurde von der Theologin und Spitalseelsorgerin in Lausanne, Annette Mayer-Gebhardt, dargestellt. Sie verteilte dazu einen Auszug aus dem Katechismus der römisch-katholischen Kirche. Demnach glauben römisch-katholische Christen an die Auferstehung der Toten, an ein ewiges Leben mit Gott, aber auch an eine abschliessende Läuterung, im Purgatorium [Fegefeuer] (1031). Bezüglich der Ablässe wird ausgeführt, dies sei ein „Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der Christusgläubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet“ (1471).

In weiteren Artikeln sind Ausführungen über Sündenstrafen enthalten. Demnach muss jede Sünde geläutert werden, was während dem Leben oder auch „nach dem Tod im sogenannten Purgatorium [Läuterungszustand]“ geschehen könne (1472). Verstorbenen Gläubigen, „die sich auf dem Läuterungsweg befinden“ könnten lebende Gläubige dadurch zur Hilfe kommen, „dass wir Ablässe für sie erlangen“ (1479). Nach römisch-katholischer Lehre erlässt Gott Sündenstrafen durch die Kirche.

Eine orthodoxe Perspektive
Die orthodoxe Position wurde von Augustin Sokolovsi, Theologe und Priester der Russisch-Orthodoxen Kirche dargestellt. Im Westen werde vieles bezüglich des christlichen Glaubens uminterpretiert. Orthodoxe Christen hätten kaum Probleme mit der Vorstellung einer körperlichen Auferstehung.

Organisatoren
Organisatoren der Tagung waren Claudia Haslebacher, Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH), Andreas Grossglauser, Neuapostolische Kirche in der Schweiz (NAK) sowie von Barabara Hallensleben, Professorin der Dogmatik und Theologie der Ökumene, Institut für Ökumenische Studien der Universität Fribourg.

Eine adventistische Perspektive
Adventisten verstehen den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist, der nur in dieser Ganzheitlichkeit existiert. Sie glauben nicht an eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod weiterlebt. Ihr Verständnis des Menschen im Tod kann mit „Seelenschlaf“, einer Bezeichnung, die von anderen Christen verwendet wird, dargestellt werden. Adventisten glauben an die körperliche Auferstehung des Menschen bei der realen Wiederkunft Christi. Sie glauben auch an einen doppelten Ausgang nach dem Tod, sei es in Form eines ewigen Lebens mit Gott, oder der Nichtexistenz, „ewiger Tod“. Adventisten glauben nicht an ein immerwährendes Leben in der Hölle.

Detaillierte Informationen zum adventistischen Verständnis bezüglich Tod und ewiges Leben sind in den 28 Glaubensüberzeugungen ausgeführt:
25. Die Wiederkunft Christi:
www.adventisten.ch/adventisten/ueber-gott-glauben/28-glaubensueberzeugungen/25-die-wiederkunft-christi/
26. Tod und Auferstehung:
www.adventisten.ch/adventisten/ueber-gott-glauben/28-glaubensueberzeugungen/26-tod-und-auferstehung/
27. Das Millennium und das Ende der Sünde:
www.adventisten.ch/adventisten/ueber-gott-glauben/28-glaubensueberzeugungen/27-das-millenium-und-das-ende-der-suende/

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