Prof. Dr. Peter Zimmerling beim Vortrag © Foto: Jens Mohr/APD

Glaube ist vernünftig

Leipzig/Deutschland | 29.05.2016 | APD | International

Dem Thema „Glaube und Vernunft“ widmeten sich am 27. Mai drei Vorträge mit anschliessender Diskussion im Rahmen des 100. Katholikentags in Leipzig. Dabei standen auch die Rede von Papst Benedikt XVI., die er am 12. September 2006 in Regensburg gehalten hatte, und die Reaktionen darauf im Blickpunkt.

Glaube und Vernunft
Dr. Peter Zimmerling, Professor für praktische Theologie an der Universität Leipzig, zeichnete in seinem Vortrag die Geschichte des Spannungsfeldes zwischen „Glaube“ und „Vernunft“ nach. Die Vorstellung, dass sich die Vernunft in einem langen Kampf gegen den Glauben durchgesetzt hat, sei ein Mythos. Der moderne Siegeszug von Wissenschaft und Technik sei nur auf dem Boden der jüdisch-christlichen Weltanschauung denkbar, da sie die Voraussetzung für die Erforschung der Natur gegeben habe. Erst nach der Aufklärung habe die Entfremdung von Vernunft und Glaube eingesetzt, so Zimmerling.

Nach Zimmerling könne man neben religiösem Fundamentalismus auch „szientistische Fundamentalismen“ ausmachen; also Haltungen, die auf strenger Wissenschaftlichkeit gründen und die eigene Erkenntnis absolut setzen. Solche Haltungen böten die trügerische Sicherheit eines unbezweifelbaren Wissens und seien eine Antwort auf die postmoderne Orientierungslosigkeit.

Als Gegenmittel sprach sich Zimmerling für die Zusammengehörigkeit von Glauben und Vernunft aus: „Auch das Grundgesetz geht davon aus, dass Glaube und Vernunft keine feindlichen Schwestern sind, sondern auch in unserem Land aufeinander zu beziehen sind.“

Die Vernünftigkeit des Glaubens bei Papst Benedikt XVI.
Der in Münster lehrende Religionsphilosoph Professor Dr. Klaus Müller ging in seinen Ausführungen auf das Verhältnis von Glaube und Vernunft in den Schriften und Äusserungen Joseph Ratzingers / Papst Benedikt XVI. ein. Er stellte Wegmarken in der Entwicklung der Position des Papstes dar und unterzog sie einer kritischen Würdigung.

Ähnlich wie Klaus Müller nahm auch der emeritierte Professor für Philosophie, Dr. Jörg Splett, die Überlegungen von Papst Benedikt XVI. zum Ausgangspunkt seiner Darstellung. Er beleuchtete verschiedene Reaktionen auf die Rede des Papstes am 12. September 2006 an der Universität Regensburg, die dem Thema „Glaube, Vernunft und Universität“ gewidmet war. Spletts Definition von Wissen: „Wissen heisst, sagen können, dass man sagen kann, wie es ist.“

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