Windmühlen bei Alkmaar, Niederlande © Foto: APD Schweiz

Niederländische Kirchen fordern „sportlichen“ Wahlkampf

Amersfoort/Niederlande | 27.02.2017 | APD | International

Der Rat der Kirchen in den Niederlanden hat in einer „Botschaft“ zur Parlamentswahl am 15. März einen informativen und erhellenden Wahlkampf gefordert. Auch bei heftig geführten Debatten gelte es „sportlich“ zu bleiben. Die Wähler werden aufgefordert die Politiker kritisch zu anzuhören.

Den richtigen Ton wählen
Etwa 13 Millionen Niederländer sind am 15. März aufgerufen, die 150 Abgeordneten der „Zeiten Kammer der Generalstaaten“ zu wählen. Das Wahlrecht sei ein kostbares Gut und ein wertvoller Aspekt der Freiheit, mit dem es gelte vorsichtig und sorgsam umzugehen, so der Rat der Kirchen. „Es wäre bedauerlich, wenn die Form den Inhalt ersetzen würde.“ Das könne geschehen, wenn Verrohung und der Mangel an Respekt vor dem Gegner so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden, dass der Inhalt verloren gehe. Die Parteien und Politiker werden deshalb aufgefordert, „den Ton zu wählen der einer guten argumentativen Debatte angemessen ist“. Qualitativ starke Argumente hätten Überzeugungskraft. Schlagworte und Effekthascherei lenkten vom Inhalt ab.

Der Rat wendet sich auch an die „wachsende Gruppe unserer Landsleute“, die das Gefühl hätten, keinen Zugang zu den Autoritäten und Politikern zu haben. Trotz deren Frustration und Ärger wollten die Kirchen weiterhin in Solidarität und Verbundenheit mit ihnen Anwalt dieser Menschen und ihrer Gefühle sein und deren Stimme verstärken.

Eine neue Zweite Kammer
Die Kirchen hofften auf eine neue Zweite Kammer, die nicht in erster Linie von Vertretern mit Eigeninteressen bestimmt würden, sondern von „Volksvertretern im wahren Sinn des Wortes“. Der Rat habe Respekt vor „mutigen Politikern“, die bereit zur konstruktiven Gestaltung wären, ob in der Regierung oder in der Opposition. Es gehe nicht um kurzfristige Interessen von Gruppen, sondern um die Werte, „auf denen unsere Gesellschaft als Ganzes aufgebaut ist“. Dabei gehe es unter anderem um Freiheit im Allgemeinen, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, die Achtung der Privatsphäre und der Sicherheit, aber auch Solidarität, Gastfreundschaft und ein soziales Verhalten. All dies sollte im Mittelpunkt stehen, „wenn die wirklich langfristigen Probleme wahrgenommen werden“. Das gelte auch für Europa und die ganze Welt, von der die Niederlande ein Teil ausmachten.

Der Kirchenrat
Der Rat der Kirchen in den Niederlanden wurde 1968 gegründet und hat seinen Sitz in Amersfoort. Mitgliedskirchen sind die Alt-katholische Kirche, die Anglikanische Kirche, die Allgemeine Mennonitische Sozietät, die Heilsarmee, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Orthodoxen Kirche, der Bund der Freien Evangelischen Kirche, die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker), die Remonstrantische Bruderschaft, die Evangelische Brüdergemeinde, die Orthodoxe Kirche und die Neuapostolische Kirche. Zu den assoziierten Mitgliedern zählen die Basisbewegung von kritischen Gruppen und Gemeinden in den Niederlanden, die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die Freie Glaubensgemeinschaft (NPB).

Parlament mit zwei Kammern
Die 150 Abgeordneten der Zweiten Kammer des Parlaments werden in den Niederlanden alle vier Jahre vom Volk gewählt. Sie ist das eigentliche Gesetzgebungsorgan, während die Erste Kammer, auch Senat genannt, Gesetzentwürfe nur bestätigen oder ablehnen kann. Die 75 Senatoren werden ebenfalls alle vier Jahre von den Provinzparlamenten gewählt.

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