Russisch-orthodoxe Kirche zum Dialog mit dem Vatikan

Rom/Italien | 11.05.2006 | ANSA/APD | Ökumene

Der Moskauer Patriarch Alexi (Aleksij) II. hat der römisch-katholischen Kirche erneut vorgeworfen, in Russland Gläubige abzuwerben. Der Proselytismus "besonders bei schon getauften orthodoxen Kindern, die katholische Kindergärten besuchen", sei eines der größten Hindernisse der Ökumene, sagte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche in einem Interview für die italienische Nachrichtenagentur ANSA.

Er hoffe unter Papst Benedikt XVI. auf Fortschritte in den Beziehungen zu Rom, erwarte sich aber "konkrete Taten, um die bestehenden Schwierigkeiten zu lösen", betonte der Patriarch.

Moskau-Besuch möglich

Zu einem eventuellen Russland-Besuch von Benedikt XVI. sagte der Moskauer Patriarch, die russisch-orthodoxe Kirche habe die Möglichkeit eines solchen Treffens nie ausgeschlossen, zuvor müssten aber die drängendsten Schwierigkeiten überwunden werden. Eine solche Begegnung dürfe nicht nur ein rein protokollarisches Ereignis sein, sondern müsse zur Lösung jener Probleme beitragen, unter denen die Gläubigen litten. Auch hinsichtlich des Primatsanspruchs des Papsttums müsse man zu einer "gemeinsamen Sicht" gelangen, so Alexi II.

Vertrauen – nicht Konkurrenz

Die orthodoxe und die katholische Kirche haben nach den Worten des Patriarchen gemeinsam "eine große Mission zu erfüllen: den Menschen das Wort Gottes zu verkünden und vor unserer Gesellschaft die christlichen Werte zu bezeugen". Für eine wirksame Zusammenarbeit der Kirchen müssten christliche Liebe und wechselseitiges Vertrauen oberste Kriterien sein und nicht gegenseitige Konkurrenz.

Römisch-katholisch-/orthodoxer Dialog

In Wien hatte vergangene Woche eine Dialogtagung unter dem Motto "Europa eine Seele geben" stattgefunden, bei der die römisch-katholische und die russisch-orthodoxe Kirche ihren gemeinsamen Auftrag hervorhoben, die Position des Christentums in einem verweltlichten Europa zu stärken. An der Spitze der beiden Delegationen standen der Präsident der Päpstlichen Räte für Kultur und für den Interreligiösen Dialog, der französische Kurienkardinal Paul Poupard, und der Vorsteher des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill (Gundjajew) von Smolensk und Kaliningrad. Ungeachtet der teilweise gravierenden Spannungen der jüngeren Vergangenheit wurde das Gesprächsklima als "sehr freundschaftlich" geschildert.

Papst Benedikt XVI. hatte schon kurz nach seiner Wahl zu erkennen gegeben, welch großen Wert er den Beziehungen zu den Orthodoxen beimisst, deren Ehrenoberhaupt, den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel, er Ende November im Phanar in Istanbul besuchen will. Für den Papst ist die gemeinsame kanonische Tradition von Katholiken und Orthodoxen von herausragender Bedeutung.

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