Regierungsgebäude am Kim Il Sung Platz, Pyongyang © Foto: APD Schweiz

Christenverfolgungs-Index: An der Spitze steht erneut Nordkorea

Kelkheim/Deutschland | 19.01.2011 | APD | Religionsfreiheit

Christen in Nordkorea leiden weltweit am meisten unter Verfolgung wegen ihres Glaubens. Wie aus einer Studie des international tätigen Hilfswerks für verfolgte Christen, „Open Doors International“, hervorgeht, führe das Land seit neun Jahren eine Liste von 50 Staaten an, in denen Christen verfolgt würden. Auf dem Index folgen nach Nordkorea der Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien, Somalia, die Malediven, der Jemen, Irak, Usbekistan und Laos. „Open Doors“ schätzt, dass weltweit rund 100 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Christen seien damit die grösste Gruppe aller aus religiösen Gründen Verfolgten.

Seit 1993 bewertet eine internationale Arbeitsgruppe von „Open Doors“ jährlich die Situation für Christen in Ländern mit eingeschränkter Religionsfreiheit aufgrund von veröffentlichten Berichten zu Übergriffen auf Christen, Informationen aus erster Hand durch eigene Befragung vor Ort und Einschätzungen von Experten.

Die Verfolgung der Christen in Nordkorea (Platz 1) halte an. Das abgeschottete Land sei tief von einem Personenkult geprägt, durch den der verstorbene Diktator Kim Il Sung quasi zu einem Gott erhoben werde. Jede andere religiöse Aktivität betrachte das Regime als Angriff auf die sozialistischen Prinzipien Nordkoreas. Christen hätten keinerlei Existenzberechtigung. Gläubige, die sich nur heimlich und in kleinstem Kreis im Untergrund versammeln könnten, stünden immer in der Gefahr, entdeckt zu werden. Ihnen drohe Gefängnis, Arbeitslager oder Hinrichtung. Im Berichtszeitraum zwischen dem 1. September 2009 und 31. Oktober 2010 seien Hunderte Christen aus verschiedenen Gründen verhaftet worden. Einige hätte man getötet, andere in politische Straflager deportiert. Derzeit seien nach Open Doors-Informationen rund 70.000 Christen in Straflagern Nordkoreas gefangen.

Auch der Iran verbleibe auf Platz 2 des Weltverfolgungsindexes. Im Berichtszeitraum sei es zu weiteren Verhaftungswellen von Christen gekommen. Viele Gottesdienste würden von der Geheimpolizei überwacht. Christen muslimischer Herkunft, die sich in Hausgemeinden engagierten, seien vernommen, verhaftet, misshandelt und ins Gefängnis gesteckt worden. Afghanistan habe Saudi-Arabien auf Platz 3 abgelöst. In Afghanistan könne die christliche Minderheit ihren Glauben nur im Untergrund leben. Im wahhabitischen Königreich Saudi-Arabien (Platz 4), in dem eine strenge Form des Islam gelte, sei es Bürgern verboten, zu einer anderen Religion als dem Islam zu konvertieren. Auf Konversion stehe laut Scharia auch in Somalia (Platz 5) die Todesstrafe. Mindestens acht Christen seien in dem ostafrikanischen Land aufgrund ihres Glaubens von radikalen Islamisten ermordet worden. Nach einem Jahr der anhaltenden Gewaltakte gegen Christen mit vielen Todesopfern und Verletzten rückte der Irak von Platz 17 auf Platz 8 vor. Der Islam ist in acht der ersten zehn Länder des Weltverfolgungsindex 2011 die Religion der Mehrheitsbevölkerung.

Open Doors wurde als christliche Stiftung 1955 von dem Holländer Anne van der Bijl gegründet, der als „Bruder Andrew“ oder „Der Schmuggler Gottes“ weltweit bekannt wurde. Als überkonfessionelles Hilfswerk unterstützt Open Doors heute in über 50 Ländern verfolgte Christen mit Bibeln und christlicher Literatur sowie mit Hilfe zu Selbsthilfe-Projekten, bildet Gemeindeleiter aus, engagiert sich für Gefangene und hilft Familien ermordeter Christen. Der Weltverfolgungsindex 2011 ist im Internet unter www.opendoors-de.org zu finden.

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