APD-INFORMATIONEN 5/2014 - MAI 2014

Glückskette: Wiederaufbau in den Philippinen nimmt Gestalt an

Genf, Lugano, Zürich/Schweiz | 22.05.2014 | APD | Schweiz

Die Glückskette hat von den 42,2 Millionen Franken an eingegangen Spenden für die Opfer des Taifuns Haiyan auf den Philippinen bereits 9,7 Millionen Franken in dreizehn Hilfsprojekte investiert, welche von acht Partnerhilfswerken der Glückskette ausgeführt werden. Bis Ende Jahr sollen 7.000 Häuser in traditioneller Bauweise und mit lokal vorhandenen Baumaterialien wieder aufgebaut werden. Sie sollen künftigen Naturkatastrophen besser standhalten, so die Glückskette in einer Medienmitteilung.

Die vor Ort tätigen Partnerhilfswerke hielten sich bei der Ausarbeitung ihrer Strategien an die Richtlinien der Glückskette, welche den Schwerpunkt auf den Wiederaufbau von Häusern für Familien, Schulen und Gesundheitseinrichtungen sowie auf einkommensschaffende Aktivitäten im Bereich der Land- und Forstwirtschaft legen. Die Stiftung konzentriere ihre Unterstützung auf die Opfer der Inseln Samar und Leyte, die durch die heftigen Winde und die vom Taifun ausgelösten Sturmfluten grosse Schäden erlitten hätten. Insbesondere Fischer und Bauern seien von den Folgen der Katastrophe betroffen.

Unterstützung privater Initiativen
Die Hilfswerke hätten Anfang 2014 unter Mitwirkung des Wissens und der Fähigkeiten der Einheimischen mit dem Wiederaufbau der Häuser begonnen. Dabei werde auf die Einhaltung der Normen für erdbeben- und wirbelsturmsicheres Bauen geachtet. Schutzbedürftige Menschen erhielten ein fertiges Haus. Parallel zum Wiederaufbau laufe in besonders stark verwüsteten Gebieten die Nothilfe weiter.

Nothilfeprojekt von ADRA Schweiz abgeschlossen
Dank Einsparungen bei Einkauf und Transport hätten mit dem Nothilfeprojekt der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz, in der Provinz Aklan/Philippinen, 700 Familien mehr mit Nahrungsmittelpaketen versorgt werden können als geplant. Das von der Glückskette mitfinanzierte Projekt sollte 3.500 Familien während zwei Wochen mit Esswaren versorgen, nun seien es 4.200 Familien gewesen, oder 19.852 Personen. Der Nährwert habe internationalem Standard entsprochen und die Pakete hätten unter anderem Reis, Sardinen, Nudeln, Öl, Mungo Bohnen und Erdnussbutter enthalten, wie das Hilfswerk mitteilte.

ADRA Schweiz statte in einem zweiten Projekt in der Provinz Aklan 550 Familien mit Bau- und Hilfsmaterialien sowie Werkzeug aus, damit sie ihre Häuser selbst reparieren könnten. Unterstützung erhielten sie dabei von zehn ausgebildeten Schreinern, welche eigens für dieses Projekt angestellt worden seien. In einem dritten Projekt plane ADRA einer noch grösseren Anzahl betroffener Familien zu helfen, ihre Häuser wieder aufzubauen.

Partnerhilfswerke der Glückkette auf den Philippinen
Von der Glückskette unterstützte Hilfswerke: Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA, Association des Amis de la Fraternité International des Prisons (kein Partnerhilfswerk), Caritas Schweiz, HEKS, Medair, Schweizerisches Rotes Kreuz, Solidar Suisse, Terre des hommes – Kinderhilfe sowie betroffene Schweizerinnen und Schweizer über die Auslandschweizer-Organisation.

(3085 Zeichen)

„Schuld und Versagen“ - Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Lüneburg/Deutschland | 22.05.2014 | APD | International

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland hat eine Erklärung zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren herausgegeben. Die Stellungnahme, welche die Ausschüsse des Süd- und Norddeutschen Verbandes der Freikirche am 6. und 13. April 2014 beschlossen, wurde in der Gemeindezeitschrift „Adventisten heute“, Mai 2014, unter dem Titel „Schuld und Versagen“ veröffentlicht.

In der Erklärung erinnern die beiden Vorsitzenden der Freikirche in Deutschland, die Pastoren Johannes Naether (Hannover) und Günther Machel (Ostfildern bei Stuttgart), daran, dass damals viele Adventisten im Ausbruch des Ersten Weltkriegs „ein Zeichen des Weltendes“ gesehen hätten. Während vor dem Krieg nicht wenige Adventisten den Dienst beim Militär am Sabbat (Samstag) verweigert und dafür teilweise drastische Strafen in Kauf genommen hätten, sei von manchen die Meinung vertreten worden, zur Vorbereitung auf die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft Jesu gehöre es, auch den Gebrauch der Waffe oder die Impfung beim Militär abzulehnen.

Doch kurz nach der allgemeinen Mobilmachung habe am 2. August 1914 die mitteleuropäische Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Hamburg in einem Rundschreiben den einberufenen Adventisten empfohlen, ihre „militärischen Pflichten freudig und von Herzen [zu] erfüllen“, von den Kriegswaffen Gebrauch zu machen und auch am Sabbat den Kriegsdienst zu versehen. Das Schreiben und weitere derartige Veröffentlichungen hätten in den Gemeinden einen vielschichtigen Protest hervorgerufen, der zu Spannungen und zur Spaltung geführt habe. Daraus hätte sich ab 1915 eine eigene Organisation mit der Selbstbezeichnung „Reformationsbewegung“ entwickelt, die ihrer Muttergemeinde, als sogenannter „grossen Gemeinde“, einen „babylonischen Abfall vom wahren Adventglauben vorwarf“.

„Heute erkennen und bekennen wir“, so die beiden deutschen Leiter der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, „dass unsere Väter in diesen Auseinandersetzungen oftmals nicht im Geist der Liebe und Versöhnung gemäss dem Vorbild Jesu gehandelt haben.“ Aus Sorge um den Bestand der Glaubensgemeinschaft seien Ratschläge erteilt worden, die dem Wort Gottes widersprochen und zur Spaltung sowie zu tiefgreifenden Verletzungen geführt hätten. Die damalige adventistische Leitung sei ihrer Verantwortung gegenüber den Gemeinden nicht gerecht geworden. Sie habe Glaubensgeschwister, die ihrer Meinung widersprachen, zu Unrecht des „Abfalls“ vom wahren Glauben bezichtigt und in einzelnen Fällen sogar von staatlichen Behörden verfolgen lassen.

Bereits während der Verhandlungen mit der Reformationsbewegung vom 21. bis 23. Juni 1920 in Friedensau habe Pastor Arthur G. Daniells, der Präsident der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten, die Stellungnahme der deutschen Leitung der Gemeinschaft zum Kriegsdienst beanstandet und betont: „Wir hätten eine solche Erklärung nicht abgegeben.“ Bei der Predigertagung, die unmittelbar vor den Verhandlungen in Friedensau stattfand, hätten auch die für die Schriftstücke Verantwortlichen ihre Erklärungen als „fehlerhaft“ zurückgenommen, und am 2. Januar 1923 erneut bedauert, „dass solche Dokumente herausgegeben worden sind“.

Für das damalige Versagen entschuldigen sich die Pastoren Naether und Machel im Namen ihrer Freikirche mit den Worten: „Auch wenn heute niemand der damals Beteiligten mehr am Leben ist, so bitten wir doch ihre Kinder und Nachkommen sowie die beiden existierenden Gruppen der Reformationsbewegung um Entschuldigung für unser Versagen. Wir haben aus unserer leid- und schmerzvollen Geschichte gelernt, dass Kinder Gottes berufen sind, Menschen des Friedens zu sein und jede Form von Gewaltanwendung gegenüber Unschuldigen abzulehnen. Wir glauben, dass Nachfolger Jesu den Aussagen der Heiligen Schrift am besten Folge leisten, wenn sie in ihrer Umgebung als Botschafter des Friedens und der Versöhnung wirken.“

Die beiden Freikirchenleiter erinnern an die „Erklärung zum Frieden“ des früheren Präsidenten der Generalkonferenz, Pastor Neal C. Wilson, vom Juni 1985: „In einer Welt voller Kampf und Hass, einer Welt ideologischer und militärischer Konflikte, möchten Siebenten-Tags-Adventisten als Friedensstifter bekannt werden und sich für weltweite Gerechtigkeit und Frieden unter Christus als dem Oberhaupt einer neuen Menschheit einsetzen.“

Die adventistische Reformationsbewegung
Als im August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges von den 15.000 deutschen Adventisten 3.000 Wehrpflichtige einberufen wurden, sei es unter ihnen zu einer unterschiedlichen Beurteilung gekommen, wie man sich in dieser Krisensituation zu verhalten habe. Während die Mehrheit dem durch ein Rundschreiben verbreiteten Aufruf ihrer Kirchenleitung folgte und der Einberufung zum Militär nachkam, äusserten Kritiker dieser Entscheidung deutlich ihr Missfallen.

Aus diesen Kritikern, die ihre Opposition teilweise damit begründeten, dass sie für den Frühsommer 1915 die Wiederkunft Jesu erwarteten, bildete sich im Laufe des Jahres eine feste Gruppe. Während einige Kritiker später wieder ihren Platz in den Adventgemeinden fanden, sammelte sich die Mehrheit der Widerständler in einer Gruppe, die sich selbst „Reformationsbewegung der Siebenten-Tags-Adventisten“ nannte und den Militärdienst schliesslich grundsätzlich ablehnte.

Das Rundschreiben vom 2. August 1914 wurde von der adventistischen Weltkirchenleitung mit Sitz in den USA kritisiert und mit ähnlichen Verlautbarungen von der deutschen Freikirchenleitung bereits 1920 und nochmals 1923 mit „Bedauern“ zurückgezogen. Doch das schlug genauso fehl, wie Versöhnungsversuche von beiden Seiten nach dem Ersten Weltkrieg. Schliesslich standen sich während der Weimarer Republik zwei adventistische Lager gegenüber: die traditionelle Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die Reformationsbewegung, die allerdings durch interne Auseinandersetzungen in verschiedene Gruppen zerfiel. Die meisten lösten sich noch vor Beginn der NS-Herrschaft auf. Die verbliebenen Gruppen kamen schon bald in das Visier der neuen Machthaber, da sie auch die Beteiligung an Wahlen ablehnten. 1936 löste die Gestapo die Reformationsbewegung auf. Für kleinere Gruppen kam das Verbot noch im gleichen Jahr, beziehungsweise 1937 und 1942.

Heute gehören zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten weltweit über 18 Millionen erwachsen getaufte Mitglieder; in Deutschland sind es rund 35.000. Die Reformationsbewegung erlebte 1951 eine Spaltung, sodass es seitdem weltweit zwei Gruppen mit jeweils etwa 30.000 Mitgliedern gibt. In Deutschland zählt die „Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung“ (IMG) circa 350 Mitglieder. Die „Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung“ (STAR) ist mit etwa 200 Mitgliedern in der Bundesrepublik etwas kleiner. Weitere Informationen im Internet zur Freikirche unter www.adventisten.de, zur IMG unter www.reform-adventisten.net und zur STAR unter www.sta-ref.de.

(7123 Zeichen)

Siebenten-Tags-Adventisten im Ersten Weltkrieg - Wissenschaftliches Symposium der Theologischen Hochschule Friedensau

Friedensau bei Magdeburg/Deutschland | 22.05.2014 | APD | International

Das „Institut für Geschichte und Theologie“ der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg führte mit 50 Teilnehmern aus elf Staaten und 20 Referenten aus zwölf Ländern vom 12. bis 15. Mai das wissenschaftliche Symposium „The Impact of World War I on Seventh-day Adventism“ (Die Wirkung des Ersten Weltkriegs auf den Siebenten-Tags-Adventismus) durch. Dabei ging es um das Verhalten der internationalen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten vor einhundert Jahren im Ersten Weltkrieg.

Keine Pazifisten, sondern „Nichtkämpfer“
In seinem Einführungsreferat zur Thematik stellte Dr. George R. Knight (Rogue River, Oregon/USA), emeritierter Professor und Historiker, fest, dass das Verhalten der Adventisten zum Militär im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) geprägt worden sei. Damals habe es nur 3.500 Mitglieder gegeben, die ausschliesslich in den Nordstaaten (Unionsstaaten) lebten. Sie seien keine Pazifisten gewesen, sondern „Nichtkämpfer“ (noncombatant), das heisst, sie hätten auch waffenlose Dienste in der Armee akzeptiert. Pazifisten, die derartiges ablehnten, hätten sich nicht durchsetzen können. Eine Gruppe von ihnen habe 1866 unter Leitung des Predigers B. F. Snook die 1863 gegründete Freikirche verlassen und die Church of God (Seventh Day) gebildet.

Als Ellen G. White, Mitbegründerin der Freikirche, von 1885 bis 1887 in Europa war, sei sie laut Knight im September 1886 mit drei Mitarbeitern des adventistischen Verlagshauses in Basel konfrontiert worden, die zu einer dreiwöchigen Militärübung einberufen wurden, berichtete Knight. Ellen White hätte dieses Verhalten mit den Worten akzeptiert: „Sie haben sich diesen Dienst nicht ausgesucht, sondern haben sich nur den Gesetzes ihres Landes gefügt.“

Da die USA erst 1917 in den Krieg eintraten, habe die adventistische Kirchenleitung in Nordamerika mit der Regierung Nichtkämpferdienste in der Armee für ihre wehrpflichtigen Mitglieder vereinbaren können, so Dr. Douglas Morgan, Professor für Geschichte an der Washington Adventist University.

Adventisten und Wehrdienst in den USA
Der Historiker und Soziologe, Professor em. Dr. Ronald Lawson (Kew Gardens, New York/USA), ergänzte, dass während des Zweiten Weltkriegs etwa 12.000 Adventisten in den US-Streitkräften als unbewaffnete Sanitäter gedient hätten. Die Kirchenleitung sei dabei „sehr stolz“ auf ihr Mitglied Desmond Doss gewesen, das für die Rettung von 75 verwundeten Kameraden auf Okinawa am 12. Oktober 1945 von US-Präsident Harry S. Truman die Ehrenmedaille des Kongresses als höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten erhalten habe. Während des Koreakriegs (1950-1953) seien laut Lawson zwei Adventisten an der Front erschossen worden, weil sie sich geweigert hätten, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Etwa einhundert weitere wären wegen der Verweigerung des Waffendienstes oder des Dienstes am Sabbat (Samstag), dem biblischen Ruhetag, bis zu sieben Jahren im Gefängnis gewesen. Von 1954-1973 hätten etwa 2.200 Adventisten an dem „Project Whitecoat“ teilgenommen, um anstatt Waffendienst zu leisten, als Versuchspersonen Impfstoffe gegen Krankheitserreger möglicher biologischer Kampfmittel zu testen.

Seit 1951 gebe es laut George R. Knight in den US-Streitkräften auch adventistische Geistliche (chaplains). Während des Vietnamkriegs in den 1960er und 1970er Jahren hätten Adventisten erneut als Nichtkämpfer im Sanitätskorps gedient. Doch je länger der Krieg dauerte, hätten immer mehr junge Adventisten jeglichen Militärdienst verweigert, so Knight. Durch den Rückzug der USA aus dem Vietnamkrieg samt der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 1973 habe die Kirchenleitung keinen Beratungsbedarf mehr für junge Adventisten hinsichtlich Kriegsdienstverweigerung gesehen. So sei der Standpunkt der Kirche zum Waffendienst allmählich in Vergessenheit geraten, und immer mehr Adventisten, Männer und Frauen, meldeten sich inzwischen freiwillig ohne Einschränkungen zu den US-Streitkräften, um dadurch später bessere berufliche Perspektiven zu haben. „Durch diesen Wandel verlieren die amerikanischen Adventisten einen sehr wichtigen Aspekt ihres christlichen Erbes“, gab Knight zu bedenken.

Adventisten im Ersten Weltkrieg in Europa
Denis Kaiser, Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar der Andrews University, Berrien Springs, Michigan/USA, berichtete, dass die britische Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten im Ersten Weltkrieg ihren rund 130 wehrpflichtigen Mitgliedern empfahl, Nichtkämpferdienste zu leisten. In Frankreich habe es nur einige Dutzend wehrpflichtige Adventisten gegeben. Manche hätten Waffendienst geleistet, andere beim Militär ohne Waffe gedient.

In Russland seien während des Krieges deutschstämmige aber auch russische Adventisten mit ihren Pastoren nach Sibirien verbannt und Gottesdienste verboten worden, so Dr. Eugene Zaitsev, Rektor des Instituts für Geisteswissenschaften und Wirtschaftslehre in Zaoksky bei Tula/Russland. Etwa 500 Adventisten seien zur russischen Armee einberufen worden. Die meisten wären Nichtkämpfer gewesen. Etwa 70 von ihnen seien wegen ihrer Weigerung, eine Waffe in die Hand zu nehmen, ins Gefängnis oder in Arbeitslager geschickt worden.

Dänemark, Norwegen und Schweden seien während des Ersten Weltkriegs neutral gewesen. Die wenigen wehrpflichtigen Adventisten hätten Nichtkämpferdienste leisten können. Laut dem Historiker Dr. Richard Müller, Daugaard/Dänemark, habe der Süden von Jütland seit 1864 zu Deutschland gehört. Deshalb seien 1914 auch Dänen zum Kriegsdienst einberufen worden, darunter Adventisten, wovon einer 1917 als Soldat gefallen sei. Andere Adventisten wären unter Lebensgefahr ins „freie“ Dänemark geflohen, um der Einberufung zu entgehen.

Die Niederlande seien ebenfalls eines der wenigen Länder in Europa gewesen, das im Ersten Weltkrieg neutral war. Deshalb hätten die dortigen Adventisten nicht in den Krieg ziehen müssen, stellte Dr. Reinder Bruinsma, Zeewolde/Niederlande, fest. 1914 habe es in Italien nur einhundert Adventisten gegeben, informierte Dr. Tiziano Rimoldi von der adventistischen Hochschule „Villa Aurora“ in Florenz/Italien. Nur sehr wenige wehrpflichtige Mitglieder seien daher einberufen worden, unter ihnen Alberto Long. Da er den Waffendienst verweigert habe, wäre er immer wieder misshandelt und schliesslich zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Durch eine Amnestie sei er 1919 aus dem Gefängnis freigekommen.

Adventisten im Ersten Weltkrieg in Südafrika und Australien
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, habe es in Südafrika nur 1.450 Siebenten-Tags-Adventisten gegeben, so Dr. Jeff Crocombe, Professor an der Pacific Adventist University in Broko/Papua-Neuguinea. Die dortige Kirchenleitung habe ihren wehrpflichtigen Mitgliedern empfohlen, den Waffendienst in der Armee zu verweigern. In Südafrika und Australien hätten die Adventisten den Krieg als „Zeichen der Endzeit“ angesehen, sodass es die vordringlichste Aufgabe gewesen wäre, Menschen auf die Wiederkunft Jesu vorzubereiten, stellte Dr. Daniel Reynaud, Professor für Geschichte am Avondale College in Cooranbong/Australien, fest. Obwohl die australischen Streitkräfte nur Freiwillige in den Krieg nach Europa sandten, sei in der Öffentlichkeit starker Druck auf wehrfähige Männer ausgeübt worden, sich zu melden. Junge Adventisten hätten daher Zivildienst beim Roten Kreuz geleistet oder in der Armee als waffenlose Sanitäter gedient. Dabei wäre ihnen der dienstfreie Sabbat (Samstag) garantiert worden.

Die „Schlacht von Harmagedon“
Aufgrund ihrer Auslegung der biblischen Bücher Daniel und Offenbarung hätten die Adventisten einen grossen Krieg, bei dem sich die Völker zur „Schlacht von Harmagedon“ (Offenbarung 16,16) im Nahen Osten versammeln würden, erwartet, berichtete der Historiker Jón Hjörleifur Stefánsson, Reykajavík/Island. Danach käme Jesus wieder. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, habe es Spekulationen gegeben, dass die Russen Konstantinopel erobern würden, sodass die Türken ihre Hauptstadt nach Jerusalem verlegen müssten, ergänzte Bert Haloviak, Riverside, Kalifornien/USA. Obwohl dieser Auffassung in adventistischen Zeitschriften widersprochen worden sei, hätten viele Adventisten den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches mit der bevorstehenden Wiederkunft Christi erwartet, so auch Dr. Rolf J. Pöhler, Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Friedensau. Heute würden Adventisten in der „Schlacht von Harmagedon“ eher einen Konflikt zwischen den Mächten des Guten und des Bösen sehen, der bei der Wiederkunft Christi seinen Abschluss finde. Damit wären sie zu einer Auslegung zurückgekehrt, die bereits der Mitbegründer der Freikirche, James White (1821-1881) vertreten habe.

(8850 Zeichen)

Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Adventisten in Deutschland

Friedensau bei Magdeburg/Deutschland | 22.05.2014 | APD | International

Eine grosse Volkszeitung, der „Bayerische Kurier“, habe am 11. Februar 1914 behauptet, dass die Adventisten „mit ihrer Prophezeiung vom nahen Weltkriege im Anschluss an die türkische Verwicklung“ weite Volkskreise ernstlich beunruhigen würden, berichtete Dr. Johannes Hartlapp, Dekan des Fachbereichs Theologie der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, in seinem Referat beim internationalen wissenschaftlichen Symposium über den Ersten Weltkrieg, das vom 12. bis 15. Mai an der Hochschule stattfand.

Auch in anderen christlichen Kreisen sei gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Auslegung der biblischen Bücher Daniel und Offenbarung die Vermutung geäussert worden, dass die letzten Ereignisse der Weltgeschichte in unmittelbarer Beziehung mit dem erwarteten Ende des Osmanischen Reiches stehen würden. Dann, so nahmen sie an, werde es zu einem grossen Krieg kommen, in dessen Verlauf das Osmanische Kalifat sein Militärisches Oberkommando von Konstantinopel nach Jerusalem verlegen müsste. In die Enge getrieben, komme es schliesslich in Harmagedon zu der in Offenbarung Kapitel 16 beschriebenen Schlacht, die das Ende der Weltzeit und die Wiederkunft Christi einläute. So hätten auch adventistische Pastoren vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland öffentliche Vorträge gehalten, wie „Weltfrieden oder Weltkrieg?“ und „Das Ende der Türkei ist das Ende der Welt“. Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, sei deshalb vor allem das Verständnis der Wiederkunft Jesu und praktische Fragen des Verhaltens beim Militärdienst in den Mittelpunkt der adventistischen Gemeinden gerückt, betonte Hartlapp.

Militärdienst vor 1914 in Deutschland
Der Dekan wies darauf hin, dass Ellen G. White, die Mitbegründerin der Siebenten-Tags-Adventisten, während ihrer Europareise 1886 in Basel die Verabschiedung von drei jungen Männern des dortigen adventistischen Verlagshauses miterlebt habe, die zu einer dreiwöchigen Reserveübung eingezogen worden seien. Sie schrieb darüber: „Gerade haben uns drei unserer verantwortlichen Mitarbeiter für einige Zeit verlassen, weil sie von der Regierung zu einer dreiwöchigen Wehrübung einberufen worden sind. Für unser Verlagswerk ist das ein harter Schlag, aber die Regierung richtet sich natürlich nicht nach unseren Wünschen. Von den Wehrpflichtigen wird einfach verlangt, dass sie ihren Dienst in der Armee tun oder an militärischen Übungen teilnehmen. Wir wissen es zu schätzen, wenn junge Männer sich auch in Uniform als zuverlässig, treu und ehrenwert erweisen. Sie haben sich diesen Dienst nicht ausgesucht, sondern haben sich nur den Gesetzes ihres Landes gefügt.“

Je grösser die Mitgliederzahl der Adventisten in Europa wurde, umso relevanter wäre die Militärfrage laut Hartlapp für die Freikirche geworden. Auffallend sei dabei die Tatsache, dass vor dem Ersten Weltkrieg sich der Konflikt mit den Militärbehörden nicht wegen allgemeiner Dienstverweigerung oder Ablehnung des Waffendienstes entzündet habe, sondern wegen der Heilighaltung des Sabbats (Samstag). Wer an diesem Tag nicht dienstfrei bekam, hätte oft harte Gefängnisstrafen auf sich genommen. Nur wenigen sei es möglich gewesen, dem Wehrdienst durch Auswanderung in die USA zu entgehen. Alle anderen wehrpflichtigen jungen Adventisten wären ihrem Einberufungsbefehl gefolgt. Es sei kein Fall von grundsätzlicher Militärdienstverweigerung (Pazifismus) bekannt. Die einberufenen Adventisten hätten sich bemüht, als Nichtkämpfer, etwa als Sanitäter, Schreiber, Koch, Pferdepfleger oder Offiziersbursche, Dienst zu leisten. Wem das nicht gelang, der habe mit der Waffe gedient. Niemand sei deswegen aus seiner Ortsgemeinde ausgeschlossen worden.

In einem Beschluss vom 26. Juli 1913 habe die adventistische Freikirchenleitung in Deutschland empfohlen, den Militärdienst zu leisten, „[wir] ziehen aber den Samariterdienst vor“. Die Behörden sollten gebeten werden, Adventisten Nichtkämpferdienste bei dienstfreiem Sabbat zu ermöglichen. Eine entsprechende Eingabe vom 28. Januar 1914 an die zuständige Reichstagskommission sei aber wegen des Ausbruchs des Krieges nicht mehr behandelt worden.

Kriegswaffen gebrauchen und am Sabbat Kriegsdienst versehen
Unmittelbar nach der allgemeinen Mobilmachung habe der Sekretär der Adventisten, Pastor Guy Dail (Hamburg), am 2. August 1914 ein Rundschreiben als Orientierungshilfe an alle Adventgemeinden in Deutschland versandt. Darin hiess es unter anderem: „Soweit wir im Heer stehen oder ins Heer eintreten müssen, [sollten wir] unsere militärische Pflicht freudig und von Herzen erfüllen ... Aus Josua 6 ersehen wir, dass die Kinder Gottes von den Kriegswaffen Gebrauch gemacht und auch am Sabbat den Kriegsdienst versehen haben.“ Ähnliche Erklärungen seien später auch von anderen Freikirchenleitern in Deutschland abgegeben worden, ergänzte Hartlapp.

Widerstand und Endzeitspekulationen
Besonders die Bereitschaft, auch am Sabbat Militärdienst zu leisten, habe zu vielfältigen Protesten in den Gemeinden geführt. Hinzu seien Spekulationen über das Weltende und die Wiederkunft Jesu gekommen. So habe der am 3. August 1914 eingezogene Adventist J. Wieck aus Bremen zwar mit der Waffe gekämpft, da er aber die Impfung verweigerte, wäre er ins Militärgefängnis gekommen. Dort habe er am 21. Januar 1915 eine „Vision“ gehabt, in der ihm offenbart worden sei, dass Christus im Frühjahr 1915 wiederkäme, nämlich „wenn die Steinfrucht blüht“. Als die Freikirchenleitung sich energisch gegen derartige Spekulationen wandte, habe Wieck im März 1915 in einer Broschüre erklärt, dass die Freikirchenleitung vom „wahren Glauben abgefallen“ sei und sich die „wahrhaften Adventisten“ jetzt ausserhalb deren Gemeinden versammeln müssten. Einige adventistische Pastoren wären daraufhin gegen besonders aktive Mitglieder der Protestbewegung vorgegangen, indem sie diese bei den Behörden als „antimilitaristische Propagandisten“ anzeigten und bei Gerichtsprozessen als Zeugen auftraten, so Hartlapp. Unter diesen Umständen sei an eine Versöhnung nicht mehr zu denken gewesen.

Gegenseitig Abgrenzung
Verschärfend wäre hinzugekommen, dass die Protestler im Juli 1915 das anonyme Flugblatt mit dem Titel „Die letzte Gnadenbotschaft an eine gefallene Welt“ in einer Auflage von 100.000 Exemplaren in Deutschland verteilt hätten. Darin wäre behauptet worden, dass in Kürze das Osmanische Reich sein Hauptquartier nach Jerusalem verlege, sodass „die Zeit der Trübsal“ beginne. Auch eine Flut anderer Schriften habe immer wieder in der Öffentlichkeit zur Verwechslung mit der adventistischen Freikirche geführt. Um sich vor diesen Verwechslungen zu schützen, sei die Freikirchenleitung genötigt gewesen, sich auch von den pazifistischen Ideen und von den Wehrdienstverweigerern zu distanzieren und deren Argumente zu verwerfen, „so biblisch diese auch begründet sein mochten“, gab Hartlapp zu bedenken. Andererseits fänden sich etwa seit 1916 auch in den Reihen der Protestbewegung pazifistische Vorstellungen, „die es unter deutschen Adventisten vor dem Krieg wohl kaum gab“.

Die Protestler hätten sich ab August 1915 zu organisieren begonnen und sich schliesslich als „Reformationsbewegung“ unter den Siebenten-Tags-Adventisten verstanden, als „die kleine letzte Schar der Treuen“. Ihre Muttergemeinde habe dagegen als die „Untreue“ gegolten, als „Babylon“, das man verlassen müsse. Für Hartlapp liege die Entstehung der Reformationsbewegung vor allem in der Erwartung der Wiederkunft Christi aufgrund der damals aktuellen Deutung biblischer Aussagen in Bezug auf das Osmanische Reich begründet. Die Frage des Militärdienstes sei nur „das auslösende Moment für die Trennung“ gewesen, nicht aber das „entscheidende Motiv“. Die Entstehung der Reformationsbewegung in den Jahren 1915 und 1916 wäre auch kein typisch deutsches Problem. Die Bewegung hätte nach dem Krieg in wenigen Jahren in vielen Ländern unter Adventisten Fuss fassen können, obwohl dort die Freikirchenleitungen eine ganz andere Haltung zum Kriegsdienst eingenommen hätten als in Deutschland.

Erklärungen zum Kriegsdienst zurückgenommen
Pastor Holger Teubert (Ostfildern bei Stuttgart), Leiter des Referats Kriegsdienstverweigerung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, weist als Ergänzung zu den Aussagen von Dr. Johannes Hartlapp darauf hin, dass die umstrittenen Erklärungen zum Kriegsdienst von den deutschen Freikirchenleitern bereits im Juni 1920 während einer Pastorentagung in Friedensau bei Magdeburg als „fehlerhaft“ zurückgezogen worden seien. Ausserdem hätten sie am 2. Januar 1923 erneut ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, „dass solche Dokumente herausgegeben worden sind“.

Adventistische Kriegsdienstverweigerer in West- und Ostdeutschland
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die Freikirchenleitung ihren wehrpflichtigen Mitgliedern in Westdeutschland in den Erklärungen vom 1. Dezember 1950, 25. April 1968 und Dezember 1983 empfohlen, den Wehr- und Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern und stattdessen den zivilen Ersatzdienst zu leisten. Fast alle hätten sich für den Zivildienst entschieden, so Teubert. In der früheren DDR habe es nur einen waffenlosen Dienst in der Armee als Bausoldat gegeben. Die meisten wehrpflichtigen Adventisten wären Bausoldaten gewesen, obwohl dadurch in der Regel der Ausschluss vom Hochschulstudium verbunden gewesen sei. Unter den bereits getauften adventistischen Jugendlichen habe es nur ganz wenige gegeben, die den Waffendienst in der Nationalen Volksarmee abgeleistet hätten; und sie meist im Sanitätsdienst. Aber selbst noch nicht getaufte Jugendliche hätten trotz offenkundiger Nachteile den Dienst als Bausoldaten vorgezogen.

(9842 Zeichen)

Freikirchen für gewaltfreie Mittel zur Lösung von Konflikten

Frankfurt am Main/Deutschland | 22.05.2014 | APD | International

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) kritisiert die von deutschen Politikern signalisierte Bereitschaft, dass sich Deutschland bei internationalen Konflikten aufgrund seiner Grösse und Verantwortung militärisch stärker einbringen solle.

In Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Aussenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen haben die in der VEF zusammengeschlossenen evangelischen Freikirchen ihre „ernsthafte Sorge“ über die Impulse zu stärkerem militärischem Engagement zum Ausdruck gebracht. Stattdessen müsste den Fragen Raum gegeben werden, „worin Deutschland stark ist“ und worin die Verantwortung der Bundesrepublik liege, für die „wir unsere volle Unterstützung einbringen wollen“. Ausdrücklicher Wunsch der VEF sei, „dass Deutschland sich engagiert für das Wohlergehen aller Menschen einsetzt“, so VEF-Präsident Ansgar Hörsting und Vizepräsidentin Rosemarie Wenner. Es gehe nicht um den Handel und Einsatz von Waffen, sondern darum, dass Deutschland „die Stärke ziviler Hilfe im Blick hat“. Eine Politik, die sich dem Globalwohl verschreibe, „können wir aus ganzem Herzen unterstützen“.

Anlass für die geäusserte Kritik und die Unterstützungsangebote der in der VEF zusammengeschlossenen evangelischen Freikirchen waren Äusserungen von Aussenminister Steinmeier und Verteidigungsministerin von der Leyen. Beide hätten im Februar bei der 50. Münchner Sicherheitskonferenz mit ihren Redebeiträgen weitreichende Überlegungen angestossen, wie Deutschland in Fragen internationaler Sicherheitspolitik und militärischen Engagements stärkeres Gewicht bekommen könnte.

Aussenminister Steinmeier habe einerseits intensiv dafür geworben, den „Instrumentenkasten der Diplomatie“ gut auszustatten und klug zu nutzen. Andererseits hätte er betonte, dass Deutschland zu gross sei, „um Weltpolitik nur von der Aussenlinie zu kommentieren“.

Im Schreiben an Steinmeier werde darauf verwiesen, dass Deutschland grosse Anerkennung für den selbstkritischen Umgang mit seiner Vergangenheit bekomme. Deutschland habe aus seiner Geschichte gelernt und daher militärisches Eingreifen nicht als Lösung akzeptiert. Es gehe darum, „auf gewaltfreie Mittel zur Konfliktlösung“ zu setzen. Deshalb begrüsse die VEF ausdrücklich „alle Bemühungen, im Miteinander der Weltgemeinschaft intensiv und kreativ alle Möglichkeiten zu nutzen, die geeignet sind, Krisen gewaltfrei zu lösen“. Die Diplomatie bleibe die „Königsdisziplin“, den Frieden zu suchen und zu gestalten. Dazu werde dem Aussenminister im Schreiben zugesichert: „Mit Nachdruck unterstützen wir Sie in all Ihren Anstrengungen.“

Verteidigungsministerin von der Leyen habe in ihrem Redebeitrag dafür plädiert, dass Deutschland und Europa im Rahmen der NATO stärker als bisher militärische Verantwortung übernehmen könnten. Deutschland stehe in der Pflicht, weil es als „bedeutende Volkswirtschaft und Land von erheblicher Grösse“ ein starkes Eigeninteresse zu vertreten habe.

Demgegenüber werbe die VEF dafür, „die weltweiten Fragen der menschlichen Sicherheit stärker in den Blick zu nehmen als die der nationalen Sicherheit“. Die Sorge für das „Globalwohl“ sei die „sinnvollere Friedensstrategie“, als die eigene Volkswirtschaft abzusichern und dafür gegebenenfalls militärische Einsätze zu erwägen. Es gehe darum, „die Sicherheit und die ausreichende Versorgung aller Menschen mit den zum Leben nötigsten Dingen zu ermöglichen“. Der Export militärischer Erzeugnisse sei kein probates Mittel, um die Probleme in Krisengebieten zu befrieden. Zivile Einsätze wären effektivere Massnahmen zu wirksamer Hilfe. „Dafür bieten wir Freikirchen gerne unsere Unterstützung in solchen Bemühungen an.“

In den Schreiben wird betont, dass die in der VEF zusammengeschlossenen evangelischen Freikirchen in Deutschland zwar eher klein seien, einige dieser Freikirchen weltweit jedoch zu den grössten protestantischen Kirchen gehörten. Ausserdem wären viele der Freikirchen in weltweiten Zusammenschlüssen organisiert. Dies führe dazu, dass Verantwortung nicht nur als nationale, sondern als weltweite Verantwortung gesehen werde. Ausserdem verbände die evangelischen Freikirchen eine eigene Tradition und Kompetenz in konfliktlösenden und friedensfördernden Massnahmen, besonders bei den sogenannten Friedenskirchen. Deshalb seien sie gerne bereit, ihre Erfahrung und Hilfe einzubringen.

(4505 Zeichen)

Unterschiedliche Finanzierung der Kirchen Europas gefährdet Seelsorge

Kopenhagen/Dänemark | 22.05.2014 | APD | International

Die Einwerbung von Finanzen für die kirchliche Arbeit sollte sich nicht mit dem seelsorgerlichen Handeln der Geistlichen vermischen. Das forderte Professor Dr. Arnd Uhle, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Öffentliches Recht an der Technischen Universität Dresden, bei der diesjährigen Konferenz des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) in Dänemark. Die Finanzierung der evangelischen Kirchen in Europa war das Thema des Zusammentreffens von 15 Konfessionkundlern aus neun europäischen Staaten vom 8. bis 11. Mai in Kopenhagen.

Einen fachwissenschaftlichen Überblick der verschiedenen Finanzierungsweisen bot Uhle, zugleich Leiter der Forschungsstelle „Recht und Religion“ an der Dresdener Universität. Er erläuterte die Anforderungen an ein System zur Kirchenfinanzierung, das sowohl verfassungsrechtliche Vorgaben, wie die Trennung von Staat und Kirche erfüllt, als auch den Kirchen angemessene Freiräume öffnet, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Das italienische Modell einer Kultursteuer, wie es seit 1990 mit dem „otto per mille“-System in Italien gelte und ähnlich auch in Spanien und Ungarn praktiziert werde, sah er kritisch. Dieses Modell besage, dass der Staat den hierzu berechtigten Religionsgemeinschaften 0,8 Prozent seiner Gesamteinnahmen aus der Lohnsteuer zur Verwendung überlasse. Dieser Beitrag sei für alle gleichermassen verpflichtend, könne aber durch Ankreuzen bei Abgabe der Einkommenssteuererklärung einer bestimmten Verwendung zugeführt werden. Allerdings könnten die Kirchen weder über die Höhe der Abgabe bestimmen, noch seien sie bei der Verwendung der Mittel frei. Die Kirchen müssten öffentlich nachweisen, für welche Sozialprojekte sie diese Mittel verwendet hätten. Auch führe das Modell zu Werbekampagnen und einer Konkurrenz im Werben um Zustimmung, die den eigentlichen geistlich-religiösen Auftrag der Kirchen in den Hintergrund treten liessen.

Das deutsche Modell der Erhebung von Kirchenbeiträgen durch staatliche Finanzbehörden, wie es auch in Finnland und in einigen Kantonen der Schweiz praktiziert werde, würdigte Uhle als gerecht, dem Auftrag der Kirchen gemäss, und sie habe durch die steuerliche Absetzbarkeit einen Nutzen für die Kirchensteuerzahler.

Die Einschätzung des Juristen Uhle wurde ergänzt von den Teilnehmerberichten, die in diesem Jahr aus Deutschland, Italien, Tschechien, Rumänien, Österreich, Ungarn, Luxemburg, der Slowakei und der Schweiz kamen. Auch die Gemeinschaft Europäischer Kirchen (GEKE) mit Sitz in Wien war vertreten. Träger des EAKE ist der Evangelische Bund in Deutschland und Österreich. Gastgeber war in diesem Jahr die Reformierte Kirche in Dänemark. Die 52. Jahrestagung werde vom 7. bis 11. Mai 2015 auf Einladung der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Prag stattfinden.

(2840 Zeichen)

CDU-Politiker zu „Christ und Politik“ an adventistischem Studententreffen

Friedensau/Deutschland | 22.05.2014 | APD | International

Unter dem Motto „Jesus for President!? – wenn Christen sich politisch und sozial engagieren“, fand vom 30. April bis 4. Mai auf dem Campus der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau das Studenten-Bundestreffen statt. Es wurde gemeinsam von Ruben Grieco und Bert Seefeld, Jugendsekretäre der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, organisiert.

Frank Heinrich, Mitglied des Bundestages (CDU), gab den rund 50 Teilnehmenden Einblick in seinen persönlichen und beruflichen Werdegang, in die Arbeitsweise der zwei Ausschüsse Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in denen er mitarbeitet. Der ausgebildete Sozialpädagoge und Theologe erläuterte den Unterschied zwischen Fraktionsdisziplin und Fraktionszwang und wie er als aktiver Christ mit Vorlagen umgeht, die er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann oder anderer Auffassung ist.

„Die Stärke der Christen liegt im Umgang mit ihrer Schwäche“, sagte Heinrich, ehemaliger Heilsarmeeoffizier. Vergebung sei ein wichtiger Wert, nicht nur privat, sondern auch in der Politik. Man könne dadurch konstruktiv mit Verletzungen umgehen, sei selbst weniger belastet und trage anderen Personen nichts nach. Als Politiker und Christ gehe es darum, die eigenen Werte, wie Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Nachhaltigkeit, Solidarität ins Leben zu übersetzen und für sich eine Werterangordnung zu bilden. Als der Parlamentarier über die inhaltlichen, strukturellen und zeitlichen Herausforderungen eines Abgeordneten sprach, bat er die Anwesenden, für ihn und andere Politiker zu beten. In den Rückmeldungen der Jugendlichen kam Ernüchterung über den „Traumjob“ Politiker zum Ausdruck. Frank Heinrich machte den Jugendlichen Mut, in ihrer lokalen Umgebung soziale Projekte anzureissen oder sich in bestehenden zu engagieren. Dazu zeigte er auch mögliche Vorgehensweisen zur Realisierung auf. Der Parlamentarier stellte auch das Projekt „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ vor, dessen 1. Vorsitzender er ist. http://www.gemeinsam-gegen-menschenhandel.de/

„Es gibt weder DIE christliche Politik noch DIE christliche Partei“, sagte Herbert Bodenmann, zuständig für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der Freikirche in der Schweiz. Mit Bezug auf das Tagungsthema „Jesus for President!?“ hielt er fest, dass ein christlicher Staat aus adventistischer Sicht kein erstrebenswertes Ziel sei, da christliche Forderungen und Verhaltensweisen nicht per Gesetz dekretiert werden, sondern das Ergebnis einer freiwilligen Entscheidung und der individuellen Lebensführung sein sollten. Er stellte den Jugendlichen das Vorbild der Menschwerdung Jesu als Lebensmodell vor, der sich unterschieds- und selbstlos mit Armen und Reichen beschäftigt habe. Das Graffiti in einer Bahnhofunterführung „Mach’s wie Gott, werde Mensch“, drücke dies treffend aus. Christus habe durch seine bedingungslose Liebe zu überzeugen versucht, aber niemanden zu seinem Glück gezwungen. Deshalb könnten es sich auch seine Nachfolger leisten, den Staat nicht zur Durchsetzung ihrer Ziele einzuspannen. Adventisten seien aus Überzeugung entschiedene Vertreter der Trennung von Kirche und Staat.

Adventistische Christen forderten die Religions- und Weltanschauungsfreiheit für alle Menschen und nicht nur für sich selbst, so Bodenmann. Dies gebe jedem Individuum die Möglichkeit sein Leben in Freiheit und Selbstverantwortung zu gestalten. Durch Einblicke in die Geschichte der Freikirche sowie in seine Arbeit zeigte er auf, wie wichtig es für eine Kirche ist, mit Behörden, der Gesellschaft und anderen Kirchen ständig Kontakte zu unterhalten, transparent zu sein und sich nicht zu isolieren, sondern sich konstruktiv in der Gesellschaft zu engagieren.

Tobias Koch, Rechtsanwalt und Dozent für das Recht der Sozialen Arbeit an der Theologischen Hochschule Friedensau erläuterte den Studenten und Studentinnen das Vorgehen, wenn an ihrer Universität Prüfungen auf einen Samstag festgesetzt würden. Adventisten feiern im Gegensatz zu den meisten christlichen Kirchen den Samstag (Sabbat), den biblischen Ruhetag. Viele adventistische Studenten können deshalb aus Gewissengründen am Samstag keine Prüfungen schreiben. Koch wies darauf hin, dass nach der Publikation eines Prüfungstermins an einem Samstag sofort interveniert werden müsse, da die Universität genügend Zeit brauche, um eine terminliche Alternative anzubieten. Er sagte den Studenten fachlichen Beistand und die Unterstützung der Freikirche bei rechtlichen Schritten zu, sofern sie nicht vorgängig eine Lösung in bilateralen Gesprächen mit Universitätsvertretern fänden. Der Rechtsanwalt stellte auch ein Merkblatt in Aussicht, das auf dem Internet zugänglich sein soll, um über die Vorgehensweise bei Prüfungsterminen am Samstag zu informieren.

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, mit 34.901 erwachsen getauften Mitgliedern, betreut über 2.000 Kinder im Kindergottesdienst sowie durch die Adventjugend fast 8.000 Pfadfinder, Teenager und Jugendliche. Sie ist in jedem Bundesland eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und hat sieben regionale Kirchenleitungen (Vereinigungen), die zum Nord- und Süddeutschen Verband als überregionale Zusammenschlüsse gehören. Sie unterhält die Berliner Krankenhäuser „Waldfriede“ und „Nikolassee“ , die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg, das Schulzentrum Marienhöhe, Darmstadt, mit Gymnasium, Real- und Grundschule sowie sieben weitere Grund- beziehungsweise Realschulen, fünf Kindergärten und eine Heilpädagogische Tagesstätte für Vorschulkinder in Neuburg/Donau.

(5687 Zeichen)

Weitere Schweizer Kirchen unterzeichnen gegenseitige Taufanerkennung

Riva San Vitale/Schweiz | 22.05.2014 | APD | Ökumene

1973 haben der Vorstand des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, zu dem auch die Evangelisch-methodistische Kirche gehört, die Schweizer Bischofskonferenz und der Bischof der Christkatholischen Kirche in der Schweiz gegenseitig die Taufe anerkannt. Im Baptisterium (Taufkapelle) von Riva San Vitale/Tessin, dem ältesten christlichen Bauwerk der Schweiz (5. Jh.), haben am 21. April sieben Kirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK bei einer festlichen Vesper ein Dokument unterzeichnet, in dem sie gegenseitig die Taufe anerkennen.

Zur feierlichen Unterzeichnung sagte die Präsidentin der AGCK CH, Pfarrerin Rita Famos: „Damit drücken die Kirchen aus, dass sie zu einer Gemeinschaft in der einen Kirche Gottes verbunden sind. Dies ist ein starkes Bekenntnis zur Einheit der Kirche und ein deutliches Zeichen an die Welt, dass sie das Evangelium gemeinsam in Wort und Tat verkündigen wollen“.

Taufverständnis
Die unterzeichnenden Kirchen teilten ein gemeinsames Verständnis der Taufe, heisst es in der AGCK-Medienmitteilung. Darum verpflichteten sie sich, Menschen, die in einer Kirche getauft worden seien, beim Übertritt in eine andere nicht erneut zu taufen. In der Erklärung der Kirchen wird mit Bezug auf den Epheserbrief 4,3-6 „die Taufe als wesentliches Zeichen und Band der in Gott gründenden Einheit und Gemeinschaft der Kirche herausgestellt“, schreibt Professor Urs von Arx in der Osternummer 2014 der Schweizer Kirchenzeitung. Diese Gemeinschaft werde aber wegen der „bestehenden Differenzen und hingenommenen Trennungen noch unvollkommen bezeugt und gelebt“.

Das in der Erklärung kurz gefasste theologischen Grundverständnis der Taufe lautet: „Durch die Taufe werden Menschen mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes und Offenbarer seiner Liebe, so verbunden, dass sie in einer neuen Wirklichkeit leben. In der vom Geist Gottes gewirkten Neugeburt ist die Gottesferne der Sünder überwunden: Durch diese Gnade zu Söhnen und Töchtern Gottes geworden, sind die Getauften aufgerufen, die erfahrene Versöhnung allen Menschen zu bezeugen und weiterzugeben (vgl. 2Kor 5,17-19). Aufgrund der Teilhabe am Mysterium von Jesu Tod und Auferstehung werden sie eingegliedert in die Kirche, die Gemeinschaft des Leibes Christi, in der die Getauften aller Zeiten und Orte vereint sind.“

Taufvollzug
Diesem gemeinsamen Grundverständnis der Taufe werden in der Erklärung „deutliche Unterschiede“ in der Taufpraxis gegenübergestellt: „Vollzogen wird die Taufe nach dem Auftrag Jesu im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Mt 28, 19-20) zusammen mit der Zeichenhandlung des Untertauchens bzw. des Übergiessens mit Wasser. Sie ist im Leben eines Menschen einmalig und unwiederholbar. Dieses Grundverständnis der Taufe teilen wir gemeinsam, ungeachtet von deutlichen Unterschieden in der Taufpraxis.“ Die Unterschiede lägen unter anderem darin, dass in einigen Kirchen „nur Menschen, die für sich selbst ein Bekenntnis ablegen, getauft werden, in anderen auch kleine Kinder, für welche Eltern und Paten dies stellvertretend tun“.

Unterzeichnende Kirchen
Das Dokument haben für ihre Kirchen unterzeichnet: Bischof Dr. Charles Morerod Schweizer Bischofskonferenz; Pfarrer Dr. Gottfried Wilhelm Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischer Kirchenbunds; Bischof Dr. Harald Rein, Christkatholische Kirche der Schweiz; Elisabeth Benn, Präsidentin des Bunds der Evangelisch-lutherischen Kirche in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein; The Ven. Canon Peter M. Potter, Archdeacon der Church of England Archdeaconry of Switzerland; Bischof Dr. Patrick Streiff, Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz.

Unterstützung, aber keine Unterschrift von Baptisten, Heilsarmee und Orthodoxen
In einer Stellungnahme zur Erklärung begründen die Heilsarmee und der Bund der Baptisten, weshalb sie das Dokument nicht signieren können. Die Heilsarmee unterzeichne die „Erklärung zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe“ nicht, da sie dieses Ritual nicht anwende. Die Heilsarmee „ist aber weiterhin bestrebt, im ökumenischen Miteinander an der sichtbaren Einheit der Kirche Jesu Christi weiterzuarbeiten. Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus vereint uns und verbindet uns über das unterschiedliche Verständnis der Taufe hinaus.“

Als kongregationalistische Bewegung seien die Baptisten keine hierarchisch verfasste Kirche und hätten weder ein Lehramt noch für die Gesamtkirche bindende Dokumente. „Baptisten können der Erklärung insoweit zustimmen, als sie sich auf die Taufe der Umkehr und des Glaubens bezieht. Ein sakramentales Verständnis der Taufe, die an unmündigen Kindern vollzogen wird, können sie nicht mit ihrem Verständnis der Taufe im Neuen Testament in Einklang bringen. Ihm fehlen Umkehr, Glaube und Freiheit der Verantwortung als konstitutive Elemente“, heisst es in der Stellungnahme des Bundes Schweizer Baptistengemeinden, die in der Erklärung publiziert wurde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könnten die Baptisten diese Erklärung nicht unterschreiben, seien aber „im ökumenischen Miteinander bestrebt, an der sichtbaren Einheit der Kirche Jesu Christi weiterzuarbeiten“.

Die orthodoxen Kirchen in der Schweiz seien laut AGCK-CH an der Erarbeitung der Erklärung beteiligt gewesen. Sie könnten diese zur Zeit aus Rücksicht auf ihre Mutterkirchen aber nicht unterzeichnen. Ihre Situation als „Kirchen in der Diaspora“ erschwere eine gemeinsame Entscheidung. Die orthodoxen Kirchen der Schweiz würden aber in der Praxis die Taufe der unterzeichnenden Kirchen anerkennen.

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist Gastmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz und teilt das Taufverständnis der Baptisten. Die Adventisten sind im 19. Jahrhundert durch die Siebenten-Tags-Baptisten mit dem biblischen Taufverständnis und auch mit dem Samstag (Sabbat) als biblischem Ruhetag konfrontiert worden. Nachdem sie sich davon überzeugten, dass beides dem neutestamentlichen Vorbild entspricht, übernahmen sie die Taufe Glaubender und den Sabbat.

Das Baptisterium in Riva San Vitale
Das Baptisterium ist das älteste christliche Bauwerk der Schweiz. Es stammt aus dem fünften Jahrhundert und ist Johannes dem Täufer geweiht. Der Innenraum ist ein Oktogon (Achteck) mit mittelalterlicher Malerei. Sie zeigt Szenen aus dem Leben Jesu.

In der Mitte des Baus befinden sich die beiden Taufbecken. Sie sind übereinander angeordnet: Das erste, achteckige Becken ist in den Boden eingelassen und konnte über zwei Tritte erreicht werden. Dieses Becken wurde für die Erwachsenen zum Untertauchen benutzt. Das zweite, runde Taufbecken, mit 1,9 Meter Durchmesser, wurde zum Eintauchen verwendet. Es wurde auf das erste Taufbecken gesetzt, stammt aus der Zeit um 1200 und besteht aus einem Monolithen des Serizzo-Steins. Der dritte, ein Marmortaufstein, in einer Nische neben dem nördlichen Eingang, sei laut Wikipedia verwendet worden, „nachdem die Taufe nicht mehr durch Eintauchen, sondern durch Besprengung vorgenommen wurde“.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK habe dieses Baptisterium bewusst zur Unterzeichnung der gegenseitigen Taufanerkennung ausgewählt, heisst es in der Medienmitteilung. Die verschiedenen Taufbecken aus unterschiedlichen Epochen der Kirchengeschichte bezeugten die Entwicklung der Taufpraktiken während der Jahrhunderte, wie sie sich auch in den Mitgliedkirchen der AGCK niedergeschlagen hätten.

Zur Unterzeichnung ist eine Broschüre in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch erschienen: „Die gegenseitige Anerkennung der Taufe“ – Erklärung von Riva San Vitale 2014. Sie kann beim AGCK-Sekretariat bestellt werden: info@agck.ch

(7776 Zeichen)

Europäische Kirchen beraten Verbesserung der Lage der Roma

St. Gallen/Schweiz | 22.05.2014 | APD | Ökumene

Der Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) trafen sich unter der Ägide des EU Vorsitzes Griechenland in Athen zur Beratung von Verbesserungsmöglichkeiten der Situation der Roma in Europa. Die Beratung vom 5. bis 7. Mai fand auf Einladung des Ökumenischen Patriarchats statt, wie die CCEE in einer Medienmitteilung schreibt.

Am Treffen habe der Vize-Aussenminister Griechenlands, Kyriakos Gerontopoulos, die Teilnehmer begrüsst und die Bedeutung der “sozialen Integration der Roma, unter Wahrung ihrer kulturellen Traditionen und ihres Lebensstils“ unterstrichen.

Der Vorsitzende des Europäischen Forums der Roma und Fahrenden habe laut CCEE einen Überblick der derzeitigen Anliegen der Roma-Organisationen in Europa gegeben und auf die besorgniserregenden Formen von Zigeunerfeindlichkeit und Hasskampagnen gegen diese Volksgruppen in Europa hingewiesen.

Im Abschlusscommuniqué brachten CCEE und KEK besondes ihre Sorgen über die zigeunerfeindlichen Reden in Europa und den Ausschluss der Roma “seitens der Gesellschaft, insbesondere was Bildung, Arbeit, Unterkunft und Gesundheit betrifft“ zum Ausdruck. Sie erinnern daran, dass „die Roma Bürger der europäischen Staaten sind, mit Rechten und Pflichten. Bewegungsfreiheit, Niederlassungsfreiheit, das Recht sich dort für eine Arbeit zu bewerben, wo ein Angebot besteht“, seien Rechte aller Bürger der Europäischen Union und müssten daher auch für die Minderheit der Roma respektiert werden.

Die Teilnehmer hätten laut CCEE gefordert, dass Integration der Roma in die Gesellschaft nicht mit Assimilierung verwechselt werden dürfe. Gleichzeitig unterstrichen sie die wichtige Rolle der Kirchen für die Verbesserung der Situation der Roma in vielen Teilen Europas: „Die Gemeinden vor Ort bieten einen Raum für interkulturelle Begegnungen der verschiedenen Gemeinschaften und fördern so die Akzeptanz und das Vertrauen.“ Zudem könnten sie eine Kultur der Bildung und des Lernens unter den Randgemeinschaften fördern.

„Als Vertreter christlicher Kirchen bekräftigen wir unsere Überzeugung, dass jedes Menschenwesen zum Bild Gottes geschaffen ist und ungeachtet seiner ethnischen Identität Anteil an der gleichen Menschenwürde hat“, heisst es im Abschlusscommuniqué von CCEE und KEK. Sie wollten ihr Engagement verstärken sowie weitere wirksame Massnahmen erwägen, um die Situation der Roma in Europa zu verbessern.

(2461 Zeichen)

„Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht“

Bonn/Deutschland | 22.05.2014 | APD | Menschenrechte

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Bedeutung der Kriegsdienstverweigerung erneut unterstrichen. Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ist ein Menschenrecht und daher verbindlich zu gewährleisten“, betonte Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der EKD zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung am 15. Mai. Die evangelische Kirche unterstütze und berate daher auch weiterhin Soldatinnen und Soldaten, die den Kriegsdienst verweigern, machte Brahms deutlich. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die „wichtige Arbeit“ der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK).

Der EKD-Friedensbeauftragte machte darauf aufmerksam, dass auch nach Aussetzung der Wehrpflicht immer noch Soldaten aus Gewissensgründen in Deutschland den Kriegsdienst verweigern würden. „Dies wird in der Öffentlichkeit leider kaum wahrgenommen“, bedauerte Renke Brahms, der auch der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche ist. Im vergangenen Jahr hätten insgesamt 314 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade von diesem Recht Gebrauch gemacht. Das zeige dass dies kein Einzelfall sei.

Brahms hält es darüber hinaus auch für wichtig, dass es Soldatinnen und Soldaten möglich sein müsse, einen Einsatz aus Gewissensgründen zu verweigern. „Wenn Einsätze der Bundeswehr politisch umstritten sind, weil es möglicherweise unterschiedliche völkerrechtliche Beurteilungen gibt, dann muss ein Soldat hier auch Nein sagen können“, unterstrich der EKD-Friedensbeauftragte. Die evangelische Kirche halte eine solche situative Kriegsdienstverweigerung, die auch vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt werde, daher für wesentlich.

Nach Ansicht von Brahms müsse aber auch in der Europäischen Union das Recht auf Kriegsdienstverweigerung verbindlich gewährleistet werden. „Gerade in Griechenland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, werden Kriegsdienstverweigerer unwürdig behandelt, sitzen im Gefängnis und dürfen ihr Land nicht verlassen. Das muss ein Ende haben.“

(2084 Zeichen)

Methodisten in Deutschland fordern Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik

Frankfurt am Main/Deutschland | 22.05.2014 | APD | Menschenrechte

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) hat während ihrer Tagung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz in Oldenburg eine Resolution zur Flüchtlingspolitik verfasst. Darin wird die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, „dass die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik eine andere Ausrichtung braucht“.

„Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich an ihrem Umgang mit den Schwächsten“, schreibt die Bischöfin der EmK in Deutschland, Rosemarie Wenner, in ihrem Begleitschreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel, an die Fraktionsvorsitzenden des Deutschen Bundestages, den Innen- und Aussenminister sowie den Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie bittet die Angeschriebenen, „sich mit dem Inhalt der Resolution auseinanderzusetzen und durch politisches Handeln mit dazu beizutragen, dass die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik verbessert wird“.

Die Resolution fordert die Gestaltung einer „humanen Einwanderungspolitik, die sich an den Menschenrechten der Frauen, Männer und Kinder orientiert, die ihre Herkunftsländer verlassen, um in einem anderen Staat eine Existenz aufzubauen“. Weil erst die Abschottung der europäischen Grenzen das Geschäft professioneller Fluchthelfer ermögliche, müsse die „Wertegemeinschaft der Europäischen Union sicherstellen, dass alle EU-Länder die Menschenrechte der ankommenden Flüchtlinge wahren und Humanität walten lassen“. In drei Punkten beschreibt die Resolution die Bekämpfung der Fluchtursachen und die Überwindung der Armut, den Schutz der Flüchtlinge sowie die Verbesserung der legalen Zuwanderungsmöglichkeiten nach Deutschland.

Um neben den Forderungen an die Politik deutlich zu machen, dass auch die Kirche ihren Beitrag einbringt, nennt die Resolution anhand einiger Beispiele aus EmK-Gemeinden das praktische Engagement für Flüchtlinge und Asylsuchende. Darüber hinaus sei aber die Politik gefordert, dass es „keine Menschenrechte erster und zweiter Klasse geben darf“. Der Reichtum des Nordens sei ohne die Armut des Südens nicht denkbar. Deshalb „haben wir als Europäer eine Verpflichtung“.

Die „Resolution zur europäischen Flüchtlingspolitik. Für eine Neuausrichtung der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik“ kann im Internet heruntergeladen werden unter:
http://www.emk-schweiz.ch/fileadmin/user_upload/News/Barbara_Streit/Dokumente/NJK_Dokument__Resolution_Fluechtlingspolitik.pdf

(2440 Zeichen)

Kuba: Gewalt gegen Bürgerrechtler - 905 Verhaftungen im April

Havanna/Kuba, Frankfurt am Main/Deutschland | 22.05.2014 | APD | Menschenrechte

Im April habe das kubanische Regime mindestens 905 Regimekritiker kurzzeitig festnehmen lassen, so ein Bericht des kubanischen Menschenrechtsverteidigers Elizardo Sánchez. Besorgt stellt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auch einen Anstieg der Gewalt während und nach Verhaftungen fest. Der ehemalige politische Gefangene Ángel Moya sei bei seiner Festnahme am 30. April von Polizisten fast stranguliert worden. Die IGFM fordert ein sofortiges Ende der Verfolgung von Andersdenkenden und der willkürlichen Gewalt gegen friedliche Kubaner, die lediglich ihr Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit einfordern.

Der ehemalige politische Gefangene Ángel Moya sei laut IGFM Mitglied der regimekritischen „Patriotischen Union Kubas (UNPACU)“, der derzeit grössten und aktivsten Bürgerrechtsorganisation Kubas und seine Frau, Berta Soler, Sprecherin der international bekannten „Damen in Weiss“. Am 30. April sei Ángel Moya innerhalb von zwölf Stunden zweimal festgenommen, geschlagen und misshandelt worden, weil er Fotos veröffentlicht habe, die belegten, wie kubanische Polizisten gewaltsam gegen die „Damen in Weiss“ und andere Regimekritiker vorgegangen seien.

Nach Angaben von IGFM sei Moya 2003 im Zuge einer gross angelegten Verhaftungswelle gegen Mitglieder der kubanischen Demokratiebewegung festgenommen und zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. 2011 hätten ihn die Behörden aufgrund des grossen internationalen Drucks mit einer so genannten „Extrapenalen Lizenz“ vorläufig aus der Haft entlassen. Diese Sonderregelung erlaube es dem kubanischen Regime, Ángel Moya jederzeit wieder ohne Angabe von Gründen zu inhaftieren.

„Die UNPACU wird vom Castro-Regime als wichtigste Oppositionsgruppe gefürchtet. Sie ist daher von den Repressionen des kubanischen Regimes besonders betroffen“, so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. „Fast jeden Tag werden Mitglieder der Organisation festgenommen, nur um ihre Treffen zu verhindern“. Deutschland und die EU-Partner müssten der kubanischen Regierung zeigen, dass das Regime von General Castro demokratisch nicht legitimiert, UNPACU dagegen aber eine bedeutende Stimme der Kubanerinnen und Kubaner sei.

(2231 Zeichen)

Hochwasser in Bosnien und Serbien - ADRA startet Hilfsmassnahmen

Weiterstadt/Deutschland, Wien/Österreich | 22.05.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Ab dem 13. Mai hat anhaltender, schwerer Regen auf dem Balkan riesige Überschwemmungen in Bosnien, Serbien und Kroatien verursacht. Mindestens 47 Personen sind nach Angaben von news.ch ums Leben gekommen und Tausende seien obdachlos. In Bosnien würden laut ReliefWeb, Katastropheninformationsdienst der UNO (OCHA) Obdachlose in Notkunterkünften oder Militärbaracken untergebracht. Das Wasser des seit 120 Jahren stärksten Regens in der Region sei zwar am abfliessen, habe aber vor allem auf dem Land für grosse Verwüstungen gesorgt, welche den Bauern in Bosnien die Aussaat verderben könnte, berichtete die Deutsche Welle. „Jetzt hat es schon fast vier Wochen geregnet - wenn die Saat nicht in den nächsten Wochen vorgenommen wird, dann werden die Bauern keine Ernte haben", sagt Fritz Neuberg von der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland.

Erdrutsche, zerstörte Brücken und Strassen, verunreinigtes Wasser und die aus dem Balkankrieg weggeschwemmten Minen trügen laut ADRA Deutschland zum Chaos und der Verzweiflung der Bewohner der Überschwemmungsgebiete bei.

ADRA Deutschland, Österreich und Schweiz engagieren sich und bitten um Spenden
Am 19. Mai habe ADRA Kroatien in Bosnien und Serbien erste Hilfspakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln an Bedürftige verteilt. ADRA Deutschland habe zwei Mitarbeiter in die Krisenregion entsandt, um die dort tätigen ADRA Teams aktiv bei den Nothilfemassnahmen zu unterstützen, so das Hilfswerk. Zudem werde ein Techniker einen LKW-Transport begleiten, der Gebäudetrockner liefere sowie eine Wasseraufbereitungsanlage, die täglich 25.000 Liter Trinkwasser bereitstellen könne, sagte Frank Brenda, Nothilfekoordinator bei ADRA Deutschland.

ADRA Österreich hat 17.800 Franken für erste Hilfsmassnahmen gesprochen. ADRA Schweiz kläre die Art des Engagements mit den anderen ADRA Landesbüros, wie Rachel Donald, Projektleiterin, sagte.

In der betroffenen Gebieten Südosteuropas sind die ADRA Büros von Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien sowie Serbien tätig.

Folgende ADRA Büros bitten um Spenden für die Opfer des Hochwassers auf dem Balkan:

ADRA Deutschland - http://www.adra.de/
Verwendungszweck: „Flut Balkan“
Konto-Nr.: 770 4000 / Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 660 205 00
SWIFT/BIC: BFS WDE 33 KRL - IBAN: DE87 660 205 00000 770 4000

ADRA Österreich - http://www.adra.at/
SWIFT/BIC: BKAUATWW
IBAN: AT37 1100 0086 1666 6700 / Verwendungszweck: „Bosnien/Serbien“

ADRA Schweiz - http://www.adra.ch/de/
PC 80-26526-3, Vermerk: „Überschwemmungen Europa“

(2571 Zeichen)

Damit der Teller nicht leer bleibt

Weiterstadt bei Darmstadt/Deutschland | 22.05.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Über ein Viertel der 16,4 Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes Burkina Fasos ist laut dem Welthunger-Index 2013 unterernährt. Die Ursachen hierfür seien vielschichtig. Neben langen Dürreperioden sorgten auch Nahrungsmittelspekulationen dafür, dass viele Teller leer blieben, teilte Mirjam Greilich, Mitarbeiterin der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, mit. Ein Hilfsprojekt von ADRA sichere dort 40.000 Menschen in den nächsten Monaten zwei Mahlzeiten am Tag.

Vor allem Flüchtlingsfamilien, die aufgrund des Militärputsches in Mali und den damit verbundenen Konflikten ihre Heimat verlassen hätten und nun in Flüchtlingscamps lebten, kämpften in Burkina Faso mit dem Hunger. Sie erhielten Nahrungsmittelpakete sowie Matten und Decken. Darüber hinaus wolle ADRA die Versorgung mit Nahrungsmitteln langfristig sichern. Daher lege die Hilfsorganisation zusammen mit Flüchtlingsfamilien und Anwohnern umliegender Dörfer drei Gemüsegärten an. Zusätzlich erhielten die Bauern Saatgut, das trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen gut gedeihe, sowie Schulungen im Gemüseanbau. Die gemeinsamen Aktivitäten stärkten die Verbindung zwischen den Einheimischen und den neu Zugezogenen und beugten Spannungen vor, so Greilich.

Auch stabile hygienische Bedingungen und die Verfügbarkeit von Trinkwasser seien wesentliche Faktoren, um die Entwicklung in Westafrika voranzutreiben. ADRA baue deshalb Duschen, Toiletten sowie Brunnen und führe Hygieneschulungen durch.

(1524 Zeichen)

Bischöfin Wenner beendet Amtszeit als Ratspräsidentin der Methodisten

Frankfurt am Main/Deutschland | 22.05.2014 | APD | Personen

Bei der Tagung des Internationalen Bischofsrats der United Methodist Church (UMC) in Epworth-by-the-Sea, St. Simons Island, Georgia/USA, hat Rosemarie Wenner (Frankfurt/Main), Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, die Präsidentschaft an Bischof Warner Brown übergeben. Damit endet ihre zweijährige Amtszeit als Präsidentin des Bischofsrats.

Rückblickend auf die beiden Jahre sagte Wenner, dass sie ihren Dienst als Vorsitzende unter dem Blickwinkel einer Christin ausserhalb der USA versah. Als Bischöfin aus Deutschland habe sie versucht, viele drängende Fragen mit einer weiten Perspektive anzugehen, um als Kirche in Vielfalt zusammenzuleben. „Ich bin voller Zuversicht, dass Bischof Brown diese Fragen aufgreift und zusammen mit dem Team der Bischöfe die Kirche darauf ausrichtet, die Gemeinden in ihrer Lebendigkeit zu fördern damit durch die Gemeinden die Welt verändert wird“, betonte sie. Auch ihr Nachfolger Warner Brown hob hervor, dass „wir als Kirche in Vielfalt voneinander viel zu lernen haben, um wirksam Kirche zu sein, Menschen in die Nachfolge Christi zu rufen, die Welt zu verändern, die Bedürfnisse der Menschen zu sehen und darauf zu reagieren. Deshalb müssen wir miteinander reden sowie ehrlich miteinander und voneinander lernen.“ Die offizielle Amtsübergabe mit der traditionellen Übergabe des „Sitzungshammers“ wird im Rahmen einer Feier bei der Tagung des Bischofsrats im November 2014 stattfinden.

Weltweit gehören über 80 Millionen Menschen methodistischen Kirchen an. Der Internationale Bischofsrat der United Methodist Church ist die Zusammenkunft aller aktiven und pensionierten Bischöfe der weltweiten UMC. Er vertritt 11,8 Millionen Kirchenglieder und trifft sich zweimal im Jahr. In der UMC gibt es 46 Bischofssprengel in den USA und 20 ausserhalb Nordamerikas. Der Präsident des Internationalen Bischofsrats leitet dessen Sitzungen. Er hat keine zusätzliche Autorität über die anderen Mitglieder des Rates. Die Amtszeit des Präsidenten dauert zwei Jahre. Dem Präsidium des Bischofsrats gehören neben dem Präsidenten auch der designierte Präsident, der Schriftführer, der Exekutivsekretär, der Beauftragte für Ökumene und der Vorsitzende der letzten Amtszeit an. Als Exekutivsekretär dient für eine vierjährige Amtszeit ein pensionierter Bischof. Das Büro des Rates befindet sich in einem UMC-Gebäude gegenüber dem Kapitol und dem Obersten Gerichtshof der USA in Washington DC. In Deutschland umfasst die Evangelisch-methodistische Kirche knapp 54.000 Mitglieder und Kirchenangehörige.

(2601 Zeichen)

Schirrmacher neuer Präsident der International Society for Human Rights

Frankfurt am Main/Deutschland | 22.05.2014 | APD | Personen

Der Internationale Rat der International Society for Human Rights (ISHR) hat den deutschen Menschenrechtler Thomas Schirrmacher (54) bei der zweitägigen Ratstagung in Bonn zum neuen ISHR-Präsidenten gewählt, teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit. Die IGFM ist die deutsche Sektion der ISHR. Schirrmacher ist reformierter Theologe, Ethiker, Religionswissenschaftler und Religionssoziologe sowie Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz.

Thomas Schirrmacher übernahm die Präsidentschaft vom Vorsitzenden der Sektion Usbekistan, Prof. Dr. Marat Zakhidov, der die International Society for Human Rights geschäftsführend für ein Jahr geleitet, sich aber nicht zur Präsidentenwahl gestellt hatte. Zakhidov bleibt Vizepräsident der ISHR. Die Amtsperiode des Rates dauert jeweils vier Jahre, derzeit 2012 – 2016.

Schirrmacher dankte Zakhidov dafür, dass er in einer schwierigen Situation ohne zu zögern kurzfristig eingesprungen sei. Zakhidov sei der lebende Beweis für viele Sektionen der ISHR, die aus Untergrundorganisationen zur Zeit der Sowjetunion in deren Nachfolgestaaten um 1990 offiziell gegründet worden seien. Der ISHR stehe ein Menschenrechtler gut zu Gesicht, der schon vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion aktiv gewesen sei, gelitten habe und in einem Land wirke, in dem es bis heute nicht ungefährlich sei, sich für alle Menschenrechte einzusetzen.

Schirrmacher sei aufgrund seiner Wahl zum ISHR-Präsidenten bei der Neuwahl des Vorstandes der deutschen IGFM im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Bonn nicht zur Wiederwahl gestanden, so die IGFM-Medienmitteilung. Er sei aber als Internationaler Präsident gemäss Satzung kooptiertes Mitglied des Vorstandes der Deutschen Sektion und werde auch weiterhin eng mit dieser zusammen arbeiten.

ISHR-Generalsekretär ist der französischsprachige Schweizer Michel Baumann, Genf/Schweiz, wo auch der Sitz des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen angesiedelt ist. Die ISHR/IGFM hat ECOSOC-Beraterstatus bei der UN, Associate Status beim Department of Public Information der UN und Konsultativstatus beim Europarat. Die ISHR hat Sektionen und Arbeitsgruppen in 37 Ländern auf allen Kontinenten, die im internationalen Rat vertreten sind.

(2281 Zeichen)

Michael Belina Czechowski - erster Verkünder der Adventbotschaft in Europa

Cornaux/Schweiz | 22.05.2014 | APD | Personen

Am 9. Mai wurde laut “CBS KULTUR INFO” am Gebäude des Hofes “Le Buisson” in der Gemeinde Cornaux im Schweizer Kanton Neuenburg/Neuchâtel eine einfache Gedenktafel enthüllt, welche an die erste Druckerei von Michael Belina Czechowski (1818-1876) erinnern soll, die er dort im Oktober 1866 eingerichtet hatte.

Vor 148 Jahren, im Oktober 1866, zog ein bis dorthin unbekannter protestantischer Missions-Pionier, der aus Polen stammende Michael Belina Czechowski, nach Cornaux in den Kanton Neuenburg. Dort gründete er die “Mission Evangelique Européenne et Universelle de la Seconde Venue du Sauveur” und richtete im Haus “Le Buisson” eine kleine Druckerei ein. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift “L’Evangile Eternel” (Das ewige Evangelium) verbreitete er über die Poststelle St-Blaise nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Italien, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Polen und Ungarn.

Michael Belina Czechowski machte eine erstaunliche Wandlung vom Mönch, Priester und Reformkatholiken zum Verkünder der “Adventbotschaft”, der Botschaft von der baldigen Wiederkunft Jesu, durch. 1856 schloss er sich in den USA den damals im Entstehen begriffenen Siebenten-Tags-Adventisten an. Als er 1864 nach Europa ging, geschah das nicht im Auftrag der gerade erst gegründeten adventistischen Kirchenleitung (Generalkonferenz).

Czechowski wollte keine organisierten Kirchengemeinden etablieren, sondern einfach zu den Menschen sprechen, damit sie sich auf Jesu Kommen vorbereiteten. Zur Vorbereitung auf dieses Ereignis gehörten nach seinem Verständnis die Glaubenstaufe (Erwachsenentaufe) durch Untertauchen, der Glaubensgehorsam (als Christ Gott gehorsam sein) und die Sabbatfeier (der biblische Ruhetag am Sabbat/Samstag). Czechowski trug als selbstunterhaltender Missionar wesentlich zur Entwicklung eines universalen Missionsverständnisses der 1863 gegründeten Freikirche der Siebenten-Tags- Adventisten bei.

Er war in den USA, Italien, der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Ungarn und Rumänien tätig. 1876 starb der unermüdliche Wanderprediger im Alter von 57 Jahren in Wien. Seit seinem Tod beschäftigten sich viele Historiker mit dem bewegten Leben und der einflussreichen Tätigkeit des ehemaligen katholischen Priesters.

Die Errichtung der Gedenktafel in Cornaux geht auf einen Beschluss eines internationalen Historikertreffens über das Leben und Wirken dieses Missionars zurück, das 1976 aus Anlass des 100. Todesjahres in Warschau/Polen abgehalten wurde.

Historischer Hintergrund

Kindheit
Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 kam es zur Zerstückelung seines Reiches. Durch die Wiener Kongress-Akte von 1815 beanspruchten Russland, Österreich und Deutschland (damals Preussen) jeder sein Stück Polen. Nur der durch die Akte neu geschaffene Krakauer Freistaat mit der Stadt Krakau war “frei”. Als Czechowski, 1818 in der Nähe von Krakau geboren, war sein Geburtsort auf russischem Gebiet. Seine Eltern hatten Napoleon unterstützt und dabei viel verloren. Denn unter Napoleon erwachte in Polen der Freiheitsgedanke und der Nationalismus. Die Enttäuschung über seine Niederlag war gross.

Jugend
Als Siebzehnjähriger trat Czechowski ins Franziskanerkloster von Stopnica ein und erhielt mit 25 Jahren in Warschau die priesterliche Weihe als Franziskanermönch. Er war auch politisch tätig und beteiligte sich an einem Putsch zur Befreiung Polens von der russischen Herrschaft. Wiederholt musste er wegen seiner politischen Agitationen fliehen. Noch im Jahr seiner Priesterweihe reiste er nach Rom mit dem Ziel, den Papst über die Missstände in den polnischen Klöstern zu informieren und Reformvorschläge zu unterbreiten. Zu jener Zeit herrschte in Italien politisches Chaos. Die Epoche der Nationalbewegung zwischen 1815 und 1870 ging als “Risorgimento” in die italienische Geschichte ein.

Erwachsenenalter
Als Dreissigjähriger hielt sich Czechowski in Paris auf. Wieder war es eine Zeit der Revolution. Auf der Strasse wurde er angehalten, es wurde ihm ein Gewehr in die Hand gedrückt und er sollte Wache stehen. Er schloss sich einer Freiwilligentruppe zur Befreiung Polens als Feldprediger an. 1848 was das Jahr der bürgerlich-revolutionären Erhebungen gegen die zu dieser Zeit in Europa herrschenden Mächte. Schliesslich kam er nach Genf. In der Schweiz war 1847 der Bürgerkrieg (“Sonderbundkrieg”) zu Ende. Als Ergebnis wurde durch die Bundesverfassung 1848 die Schweiz vom Staatenbund zum Bundesstaat geeint. Czechowski wirkte in der katholischen Kirche in Lancy für die polnischen Emigranten. Auch dort traf er auf Spaltung. Eifrige Katholiken unterstützten den Papst gegen eine Einigung Italiens, andere wollten Freiheit für Italien und Savoyen.

Im Jahre 1851, mit 33 Jahren, wanderte Czechoswki nach Nordamerika aus und blieb in den USA bis 1864, wo er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb. Es war eine Zeit der tiefen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spaltung zwischen den Nord- und Südstaaten. Er erlebte wiederum eine Umbruchzeit, denn von 1861-1865 herrschte Bürgerkrieg (Sezessionskrieg). Als er 1856 die Glaubensgemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten kennenlernte, entschied er sich bald, das “ewige Evangelium” − mit der Hauptbotschaft der bevorstehenden Wiederkunft Jesu − zu verkünden, und dies soweit möglich “allen Völkern, allen Nationen und in allen Sprachen”. Er wollte Europa auf die Wiederkunft vorbereiten.

Interview

Ein Interview mit dem Theologen Jacques Frei* über den “Ersten Siebenten-Tags-Adventisten” in Europa ist auf der APD-Website nachzulesen:
http://www.stanet.ch/apd/news/archiv/9719.html

* Jacques Th. Frei ist Pastor im Ruhestand und ausgewiesener Czechowski-Experte. Er hat verschiedene Beiträge und Bücher über das Leben und Wirken dieses Missions-Pioniers in Europa verfasst und an Czechowski-Symposien teilgenommen. Heute lebt er in Lopagno/Schweiz.

(5943 Zeichen)
© Nachrichtenagentur APD Basel (Schweiz) und Ostfildern (Deutschland). Kostenlose Textnutzung nur unter der Bedingung der eindeutigen Quellenangabe "APD". Das © Copyright an den Agenturtexten verbleibt auch nach ihrer Veröffentlichung bei der Nachrichtenagentur APD. APD® ist die rechtlich geschützte Abkürzung des Adventistischen Pressedienstes.