APD-INFORMATIONEN 9/2014 - SEPTEMBER 2014

„Ihr Elend schreit zum Himmel – und wir tun es auch“ - Ökumenisches Gebet für die Opfer von Krieg und Gewalt in Syrien und Irak

Bern/Schweiz | 29.09.2014 | APD | Schweiz

„Ihr Elend schreit zum Himmel – und wir tun es auch!“ So beschrieb die reformierte Pfarrerin Rita Famos das Schicksal der leidenden Bürgerkriegsopfer in Syrien und Irak und begrüsste die Anwesenden des nationalen Gebets. Sie seien gekommen, um ihre Solidarität mit den verfolgten, entwürdigten und terrorisierten religiösen Minderheiten im Nahen Osten auszudrücken, so Famos. Die ökumenische Feier fand am Nachmittag des 7. September in der christkatholischen Kirche St. Peter und Paul in Bern statt und wurde gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) sowie der Schweizerischen evangelischen Allianz (SEA) organisiert. Die Kirche war mit rund 600 Gottesdienstteilnehmer so voll, dass viele in den Gängen stehen mussten.

Unsere Mütter und Väter hätten die Religionsfreiheit, den Respekt und die Würde des Menschen in der Verfassung verankert, sagte Famos, Präsidentin der AGCK-CH. Diese Werte bildeten die Grundlage für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Famos forderte von den Landesvätern, dass sie sich für diese Werte auch im Ausland einsetzten.

„Wir erleben die Ausrottung unserer Brüder durch Barbaren“, sagte Isa Gürbüz, Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche, als er über die Lage der Christen in Syrien und Irak informierte. „Sie vollbringen diese Verbrechen im Namen Allahs“, so der Erzbischof. Das seien ethnische Säuberungen, gar ein Genozid. Er forderte die Zuhörer auf, gegenüber diesen „gottlosen Verbrechen“ nicht zu schweigen.“

Sie treten alles mit Füssen, was heilig ist, sagte im Klagegebet Pfarrer Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), über das verbrecherische Handeln der Mitglieder des IS und betete: „Mach ein Ende dieser Mordlust in ihren Herzen.“

In einer kurzen Besinnung erzählte der römisch-katholische Bischof Charles Morerod von seiner Begegnung mit einem Geistlichen aus dem Nahen Osten, der ihm auf seine Frage „Was sollen wir tun?“ aus tiefster Überzeugung erwidert habe: „Beten, - was sonst?“ Die Konfliktspirale könne endlos drehen. Der Beitrag der Christen bestehe darin, diese zu durchbrechen und zwar durch Vergebung, so Morerod.

Gottfried Locher hielt in einer Kurzansprache fest, dass Friede keine Tatsache, sondern ein Auftrag sei. Dies gelte auch in der Schweiz im Umgang mit Muslimen. Friede sei zweitens aber auch eine Verheissung. Der Same gehe vielleicht erst in der nächsten Generation auf. Und drittens sei Friede ein Bekenntnis, das in Christus begründet sei. Diesen Christus gelte es auch im Dialog mit Muslimen zu bekennen.

Umrahmt wurde der ökumenische Gottesdienst durch den Chor der syrisch-orthodoxen Kirche. Im Anschluss an die Feier wurden die Anwesenden von Rita Famos auf den Platz vor dem Rathaus eingeladen, um dort einen „Kreis des Schweigens“ zu bilden, der Ausdruck der Sprachlosigkeit, der Solidarität und des Protests sein solle. Den Schlusspunkt bildete das Singen des lateinischen Kirchenliedes „Dona nobis pacem“ – gib uns Frieden.

Am Gottesdienst wirkten mit:
Pfarrerin Rita Famos, Präsidentin der AGCK-CH; Majorin Hedi Brenner, Heilsarmee Schweiz; Stefan Gisiger, Bund Schweizer Baptistengemeinden; Erzbischof Isa Gürbüz, Syrisch-orthodoxe Kirche in der Schweiz; Pfarrerin Claudia Haslebacher, Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz; Pfarrer Martin Hirzel, Ökumene-Beauftragter des SEK; Pfarrerin Anne-Marie Kaufmann, Christkatholische Kirche der Schweiz; Pfarrer Gottfried Locher, SEK-Ratspräsident; Mgr. Charles Morerod OP, Vize-Präsident der Schweizer Bischofskonferenz; Matthias Spiess, SEA-Generalsekretär; Erwin Tanner, Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz.

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Adventisten kaufen historisches Gebäude in der Schweiz

Bern/Schweiz | 29.09.2014 | APD | Schweiz

Pastor Bruno Vertallier, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa (Intereuropäische Division, EUD), hat den Kaufvertrag für ein Gebäude in Tramelan (Tramlingen) im Berner Jura unterzeichnet, das den Adventisten in Europa den ersten offiziellen kirchlichen Raum (60 Quadratmeter) bot, in dem sie sich versammeln und Gottesdienste feiern konnten. Laut der EUD-Kommunikationsabteilung soll das Gebäude angemeldeten Besuchern offenstehen und als Gedenkstätte dienen.

Der kleine Holzbau im Heimatstil an der Grande Rue 171b ist vom Bernischen Amt für Kultur und Denkmalpflege im historischen Bauinventar erfasst und als bauliches, authentisches Zeugnis der Geschichte und Kultur von Tramelan unter Denkmalschutz gestellt worden. Da es als „erhaltenswertes Objekt“ (K-Objekt) eingestuft wurde, darf es nicht abgerissen werden.

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten war 1863 in den USA gegründet worden. Dort lernte der aus Polen stammende, ehemalige römisch-katholische Priester Michael Belina Czechowsky den adventistischen Glauben kennen. Bereits 1864 predigte er ohne Beauftragung durch die in den USA ansässige Kirche die Botschaft vom baldigen Kommen Jesu in Europa. Entlang des Neuenburgersees taufte er einige Personen, die sich den Adventisten anschlossen.

Nachdem Czechowski Richtung Osten weitergereist war, wuchs die Mitgliederzahl der Adventisten weiter und damit das Bedürfnis, einen separaten gottesdienstlichen Versammlungsraum nutzen zu können. Die adventistische Familie Roth finanzierte in Tramelan den Bau eines bescheidenen Holzgebäudes, das damals laut „Le Journal du Jura“ 3.300 Franken gekostet hatte. Der Versammlungsraum wurde am 25. Dezember 1886 in Anwesenheit von Ellen White, Mitgründerin der adventistischen Kirche, eingeweiht. In ihrer Predigt wünschte sie, dass „der Herr euer Werk segnen möge und dieses Haus sich als zu klein erweisen wird“. Gustav Roth schrieb über die Anfänge der adventistischen Kirche in Europa: „Tramelan war die Wiege der adventistischen Reformbotschaft in Europa. Unsere kleine Kirche wurde zur Ausbildungsstätte für Mitarbeiter, die später in der ganzen Welt dienten.“

Als Familie Roth von Tramelan wegzog, verkaufte sie das Gebäude. Die Adventisten konnten den Versammlungsraum aber weiterhin mieten und nutzten ihn, bis sie 1968 in ein grösseres Gebäude in der Nähe von Tramelan umzogen.

Weitere Informationen zum Gebäude in Tramelan (Französisch):
http://www.archivesadventistes.org/.services/blog/6a00e008c7fc5c883400e008c7fc5e8834/search?filter.q=tramelan

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Evangelisches Glaubensbuch: „Ein Buch für den Kopf und fürs Herz"

Bern/Schweiz | 29.09.2014 | APD | Schweiz

"Rede und Antwort stehen - Glauben nach dem Unservater" ist der Titel des evangelisches Glaubensbuchs, das der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK herausgibt. Es biete evangelische Positionen zu zentralen Glaubensthemen, wie Versuchung, Schuld und Freiheit, über Glaube und Unglaube, über das Böse, über Vertrauen und Treue, heisst es in der SEK-Medienmitteilung.

"Unser Glaubensbuch ist ein Gemeinschaftsbuch", so Kirchenbundpräsident Gottfried Locher. "Wer in ihm liest, bekommt etwas von anderen für den eigenen Lebensweg. Wer das Buch zur Hand nimmt, liest von Mut, Trost, und Hoffnung."

Sechs deutsch- und französischsprachige Theologinnen und Theologen diskutierten darin auf der Grundlage des Unservaters den christlichen Glauben aus evangelisch-reformierter Sicht. Jede Bitte werde in einem eigenen Kapitel behandelt, das die Brücke vom historischen Kontext zur Gegenwart schlage. Abschliessend werde jeweils nach den praktischen Konsequenzen für den Einzelnen und die Gemeinschaft gefragt. Das Glaubensbuch wolle zum eigenen und gemeinsamen Weiterdenken anregen.

"Im Glaubensbuch hat beides Platz, Hoffnung und Zweifel", ergänzt Gottfried Locher. "In diesem Buch wird nicht gefrömmelt. Unser Buch ist ein Buch für den Kopf und fürs Herz."

"Rede und Antwort stehen - Glauben nach dem Unservater", 300 Seiten, erschienen im TVZ-Verlag für CHF 36,--. ISBN 978-3-290-17766-9. Herausgegeben vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK mit einem Vorwort von Gottfried Locher. Erarbeitet von Pierre Bühler, Käthi La Roche, Frank Mathwig, Marie-Christine Michau, Otto Schäfer, Matthias D. Wüthrich.

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Freikirchen setzen sich für bedrohte Christen im Nahen Osten ein

Witten/Deutschland | 29.09.2014 | APD | International

Der „Höchste Rat der Protestantischen Kirchen in Syrien und im Libanon“ hat sich mit einem dringenden Appell an alle Geschwisterkirchen weltweit gewandt. Führende Persönlichkeiten der im Rat vertretenen Kirchen im Nahen Osten haben sich getroffen, um über die bedrängende Situation in ihren Ländern und dem Irak zu sprechen. Neben der humanitären Katastrophe für die Menschen der gesamten Region weisen sie auch auf die Gefahr hin, dass jegliche christliche Präsenz im Nahen Osten ausgelöscht werde: „Wir rufen den Ausnahmezustand aus, um die Präsenz der Christenheit im Nahen Osten zu bewahre und ihren kompletten Untergang zu verhindern.“ Ebenso seien andere religiöse und ethnische Minderheiten auf das Äusserste bedroht.

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland unterstreicht die Dringlichkeit dieses Appells. Sie bittet die politischen Verantwortungsträger, sich den Schrei der Verzweifelten zu Herzen zu nehmen. VEF-Präsident Ansgar Hörsting appelliert an die Verantwortlichen, hier schnell zu handeln: „Es muss etwas geschehen. Zuerst brauchen wir grössere Kontingente für Flüchtlinge in Deutschland. Allein der Libanon mit seinen vier Millionen Einwohnern hat 1,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Es muss uns beschämen, wie kleinlich wir demgegenüber in Deutschland sind.“

Darüber hinaus nimmt er die dramatische Situation in den betroffenen Ländern in den Blick: „Zugleich muss dem Morden Einhalt geboten werden. Es reicht nicht, die Verletzten zu pflegen. Der Aufruf unserer Geschwisterkirchen trifft uns hart und wir erklären uns solidarisch mit ihnen. Wir wollen nicht, dass er verhallt.“ Die in der VEF vertretenen Kirchen nutzen ihre Kontakte und ihre Hilfswerke in der Region, um sich der humanitären Katastrophe im Rahmen ihrer Möglichkeiten entgegen zu stellen. Zugleich bittet Hörsting die Freikirchen und ihre Werke, ihre Anstrengungen zu vergrössern.

Schon jetzt sollte eine langfristigen Strategie bedacht werden: „Muslimische Verbände, christliche Kirchen und politische Vertreter müssen sich zusammensetzen, um an der Zukunft der Region gemeinsam mitzuwirken. Die Ereignisse könnten dort wie auch in Europa leicht dazu missbraucht werden, Muslimen grundsätzlich feindschaftlich gegenüber zu treten.“

Minderheiten zu schützen und für ihre Rechte zu kämpfen sei eines der grossen Anliegen der VEF, betont Hörsting. Das sei auch deshalb der Fall, weil ihre Mitgliedskirchen selbst Erfahrungen als Minderheiten in ihrer jeweiligen Geschichte gemacht hätten.

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zehn Mitglieds- und vier Gastkirchen an. Weitere Informationen: www.vef.de

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Verantwortungsvolle Forschung braucht ethische Position

München/Deutschland | 29.09.2014 | APD | International

Forschung braucht Freiheit und gleichzeitig die Erkenntnis, dass es Grenzen des Forschens gibt. So lautete das Fazit am ökumenischen „Tag der Schöpfung“, dessen bundesweite Feier die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am 5. September in München beging. Nach einem Gottesdienst in der Universitätskirche St. Ludwig und einer orthodoxen Wasserweihe im Englischen Garten diskutierten Experten zum Verhältnis von Glaube und Wissenschaft in der Katholischen Akademie in Bayern.

Die Schöpfung weise eindeutig auf einen Schöpfer hin, sagte Metropolit Augoustinos (Bonn), Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, in seiner Predigt in der Münchener Ludwigskirche. Diese Erkenntnis erfordere „Demut und Respekt“ sowie eine „liebevolle Einstellung zur eigentlichen Schönheit der Schöpfung“. In der Katholischen Akademie in Bayern diskutierten unter Moderation des baptistischen Theologen und Vorsitzenden des Ökumenischen Studienausschusses (DÖSTA), Uwe Swarat (Elstal bei Potsdam), Landesbischof Bedford-Strohm, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums und Transplantationsmediziner Eckhard Nagel und der Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Armin Grunwald, über Chancen und Risiken der Forschung.

Eine verantwortungsvolle Forschung brauche eine eindeutige ethische Position, sagte der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Heinrich Bedford-Strohm. Er machte deutlich, dass mit der Verwendung des Begriffs „Schöpfung“ in säkularen Kontexten bereits eine Ahnung vorhanden sei, dass die Theologie zu den Fragen des Lebens und der Welt etwas zu sagen habe. Er betonte, dass die Natur als Schöpfung eine eigene Würde besitze und nicht einfach den Bedürfnissen des Menschen nutzbar gemacht werden dürfe. Dieses Bewusstsein müsse man den Forschern auch zutrauen, sagte Eckhard Nagel, der auch im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages ist. Die Schöpfung habe letztlich „von Gott gesetzte Komplexitäten“, die der Mensch am Ende nicht verstehen könne. Daher habe er keine Angst, dass Wissenschaftler jemals eine Grenze überschreiten. Nagel forderte vielmehr eine grösstmögliche Freiheit der Wissenschaft, da sie letztlich dem Menschen und der Schöpfung diene.

Es komme darauf an, die schöpferischen Qualitäten des Menschen verantwortungsvoll einzusetzen, sagte Armin Grunwald. Erlösung durch Technik könne es nicht geben, weil die Technik meist nicht beabsichtigte Folgen mit sich bringe, zu deren Lösung es weitere Techniken bedürfe. Grunwald machte das am Beispiel der Atomenergie deutlich: „Wir beschäftigen uns jetzt mit den Abfällen dieser Technik und den Folgen, die sie in mehreren hunderttausend Jahren haben werden.“

Seit dem Jahr 2010 feiert die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland jährlich einen ökumenischen „Tag der Schöpfung“. Er geht auf eine Anregung des damaligen Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I. zurück, einmal im Jahr „gemeinsam zum Schöpfer zu beten“. Dieser Tag wird bundesweit begangen und regt dazu an, das Lob des Schöpfers gemeinsam anzustimmen und gleichzeitig die eigenen Aufgaben für die Bewahrung der Schöpfung in den Blick zu nehmen. Jeweils am ersten Freitag im September findet die bundesweite Veranstaltung an einem anderen Ort statt. Nach Brühl, Berlin, Nagold und München lädt die ACK im kommenden Jahr am 4. September 2015 nach Borna bei Leipzig ein.

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„MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer mulitreligiösen Welt“

Berlin/Deutschland | 29.09.2014 | APD | International

Was bedeutet christliche Mission heute? Wie können Christinnen und Christen in einer pluralistischen, multireligiösen Gesellschaft ihren Glauben bekennen, und welche Grenzen sind dabei zu beachten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der internationale Kongress „MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“, der vom 27. bis 28. August in Berlin stattfand. Die rund 250 Teilnehmer kamen unter anderem auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), des Evangelischen Missionswerkes (EMW), des Internationalen Katholischen Missionswerkes (missio) und der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) in die Bundeshauptstadt.

Das Dokument von 2011
Der Kongress befasste sich zunächst mit dem Dokument „Christliches Zeugnis in einer mulireligiösen Welt“, das nach fünfjähriger Arbeit am 28. Juni 2011 gemeinsam vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog (PCID), der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) veröffentlicht wurde. In dem Dokument geht es um missionarische Prinzipien. Dazu gehörten die Freiheit, den Glauben zu bezeugen, das Ablehnen von Gewalt in der Mission, gegenseitiger Respekt für alle Menschen ungeachtet ihrer Religion und Ehrlichkeit. So werden „Täuschung und Zwangsmittel“ bei der Mission als Verrat am Evangelium bezeichnet. Zudem spricht das Dokument den Austausch mit Menschen anderer Religionen und Kulturen sowie mit Nicht-Gläubigen an. Ziel sei es, den Einsatz der Kirchen für ein friedliches Miteinander der Religionen deutlich zu machen, ohne die Bedeutung des eigenen Glaubens zu schmälern. Als Orientierungshilfe sollte dabei immer Jesus Christus dienen: seine Verkündigung des Reiches Gottes, sein Dienst am Nächsten und seine Selbsthingabe.

„Den Fremden in seiner Fremdheit aushalten“
Die Delegierten des Berliner Kongresses besprachen zudem, wie die verschiedenen christlichen Traditionen angesichts der aktuellen Krisen in der Welt in grösserer Gemeinsamkeit für Werte wie Religionsfreiheit, soziale Gerechtigkeit und Frieden eintreten könnten. Der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, rief zu einem friedlichen Miteinander der Kulturen und Religionen in Deutschland auf. „Wir erleben gerade wieder schmerzlich, dass der Antisemitismus nicht überwunden ist“, beklagte er. Ziel müsse es sein zu lernen, „den Fremden in seiner Fremdheit auszuhalten, die Wahrheit des eigenen Glaubens selbstbewusst aber nicht aggressiv zu vertreten und über allem die demütige Erkenntnis, dass jede menschliche Wahrheitsvorstellung angesichts Gottes Grösse unvollkommen ist.“

Schneider nannte es eine der wichtigsten Herausforderungen für die Kirchen, die eigenen Gemeindemitglieder wieder auskunftsfähig hinsichtlich ihrer Glaubensüberzeugung zu machen. „Fremdenfeindlichkeit ist oft das Resultat einer unsicheren eigenen Identität. Wenn wir also die eigene Identität stärken und sprachfähig machen, dient das dem friedlichen Zusammenleben.“ Unverhandelbar sei für ihn im Gespräch mit anderen Religionen der Verzicht auf Gewalt und die Anerkennung der Menschenrechte, wie der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Religionswechsel in Indien für Hindus schwer
Vertreter verschiedener Länder berichteten über die heimische Situation im Hinblick auf Mission. Dabei sei die Lage in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. In Indien sehe sich die christliche Minderheit zahlreichen Einschränkungen ausgesetzt, beklagte der römisch-katholische Erzbischof der indischen Diözese Vasai, Felix Anthony Machado. Obwohl die Verfassung des Landes die Religionsfreiheit garantiere, gebe es in sieben von 29 Bundesstaaten sogenannte Antibekehrungs-Gesetze. Auch in den übrigen 22 Bundesstaaten seien Behinderungen zu erwarten, wenn Hindus ihren Glauben wechseln wollten. Die Religionsfreiheit sei unter anderem durch die gegenwärtig regierende Hindu-Partei BJP gefährdet. Radikale Hindus würden den Christen vorwerfen, die Mission mit unlauteren Mitteln zu betreiben. Der Generalsekretär der Asiatischen Evangelischen Allianz, Richard Howell, ergänzte, dass ein Glaubenswechsel für die vom hinduistischen Kastensystem ausgeschlossenen Dalits („Unberührbaren“) die einzige Möglichkeit sei, sich aus diesem diskriminierenden System zu befreien.

Keine Alternative zum friedlichen Miteinander der Religionen
In der Abschlusserklärung des Kongresses „MissionRespekt“ in Berlin heisst es: „Wir sind der Überzeugung, dass es keine Alternative zum friedlichen Miteinander der Religionen geben kann.“ Das verlange von Christen ein einladendes Bekenntnis des Glaubens, die respektvolle Zuwendung zu Menschen anderer religiöser Überzeugungen und Solidarität mit denen, welchen das Ausdrücken ihrer religiösen Überzeugungen verwehrt werde. „Menschen mit unterschiedlichen oder keinen religiösen Beheimatungen müssen gemeinsam jenen entschlossen entgegentreten, die Religion missbrauchen, um politische und soziale Konflikte auszutragen und Andersglaubende zu verfolgen.“

Adventisten zum Thema Religionsfreiheit, Evangelisation und Proselytismus
Pastor Bernhard Bleil (Ostfildern bei Stuttgart), Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau und Evangelisation des Süddeutschen Verbandes der Siebenten-Tags-Adventisten, meinte zur Abschlusserklärung des Kongresses, dass sich auch die weltweite Freikirche mit diesem Thema seit Jahren beschäftige. Schon in der „Stellungnahme zu Religionsfreiheit, Evangelisation und Proselytismus“ der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) vom Juli 2000 sei zum Ausdruck gebracht worden, dass für Adventisten die Religionsfreiheit ein mensch¬liches Grundrecht sei. Die Freikirche würde zwar die globale Mission und Evangelisation bejahen, doch evangelistische und missionarische Aktivitäten müssten die Menschenwürde respektieren. Verkündiger müssten wahrhaftig und durchschaubar sein, wenn sie es mit anderen religiösen Gruppen zu tun hätten. Es sollte eine Ausdrucksweise benutzt werden, die es vermeide, andere religiöse Gemeinschaften zu kränken. „Falsche oder andere Religionen lächerlich machende Aussagen sollten unterbleiben“, heisst es in der Stellungnahme.

Zudem betone die Erklärung, so Bleil, dass Bekehrung eine Erfahrung des Geistes sei und deshalb auf keinen Fall mit Vorteilen oder dem Erhalt materieller Anreize in Verbindung gebracht werden sollte. „Wenn auch das Recht zur Beteiligung an humanitären Aktivitäten voll anerkannt werden muss, sollten solche Aktionen niemals in irgendeiner Art und Weise mit Evangelisation verbunden sein. Menschen, die sich nicht wehren können, sollten nicht ausgenutzt werden, indem man ihnen finanzielle und materielle Anreize anbietet, um sie zum Religionswechsel zu drängen.“

Bereits 1926 habe die Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten „Richtlinien für die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen und religiösen Organisationen“ erlassen, informierte Pastor Bleil. Darin werde ebenfalls betont, dass bei der missionarischen Arbeit „jederzeit der Geist christlicher Höflichkeit, Offenheit und Fairness vorherrschen“ sollte. Da Religion „auf Gewissen und Überzeugung gründet“, dürfe „niemand aus egoistischem Interesse oder wegen vorübergehender Vorteile in unsere Freikirche gezogen“ werden. In den Richtlinien werde betont: „Wenn ein Gesinnungswechsel ein Mitglied unserer Freikirche zu dem Empfinden führt, nicht mehr mit dem Glauben und dem Gemeindeleben der Siebenten-Tags-Adventisten im Einklang zu sein, anerkennen wir nicht nur das Recht, sondern auch die Verpflichtung eines solchen Mitgliedes, dass es seine religiöse Zugehörigkeit entsprechend seiner Überzeugung wechselt, ohne ihm Böses nachzusagen. Wir erwarten von anderen religiösen Körperschaften, dass sie im gleichen Geist der religiösen Freiheit reagieren.“

Zwar könne die Freikirche „wegen ihres Verständnisses des ihr verordneten Evangeliumsauftrages“ ihre Mission nicht auf bestimmte geographische Gebiete begrenzen. Doch in den Richtlinien von 1926 werde ausdrücklich hervorgehoben: „Die Freikirche der Sieben¬ten-Tags-Adventisten erkennt auch das Recht anderer religiöser Überzeugungen an, ohne geographische Beschränkungen tätig zu werden.“

Die Aussagen in der Stellungnahme von 2000 und in den Richtlinien von 1926 seien sehr eindeutig. Es gelte jedoch, sie immer wieder vor Augen zu haben und in die Tat umzusetzen, gab Pastor Bernhard Bleil zu bedenken.

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„Die Schöpfung feiern“ – adventistischer Studentenkongress in Lissabon

Lissabon/Portugal | 29.09.2014 | APD | International

Vom 10. bis 13. September fand der 6. internationale Studentenkongress der Siebenten-Tags-Adventisten in Lissabon statt. Etwa 140 angehende Akademiker trafen sich unter dem Thema „Die Schöpfung feiern“ zu Fachvorträgen, Diskussionen und Austausch. Ziel sei es gewesen, den Glauben an den Ursprung des Lebens und des Universums durch einen übernatürlichen Schöpfer zu stärken, teilten der Veranstalter mit.

Der Kongress habe zeigen wollen, dass es gute Gründe dafür gebe, die Komplexität und Schönheit des Lebens aus mehr als lediglich einem „Unfall“ zu erklären. Die Veranstaltung sei unter der Prämisse gestanden, dass sich Wissenschaft, Vernunft und Glaube nicht gegenseitig ausschlössen, sondern zusammen gedacht werden könnten. Adventistische Naturwissenschaftler und Akademiker aus den Bereichen Theologie und Gesundheitswissenschaften hielten Vorträge und Seminare; das Themenspektrum reichte von Campusdiensten für Studenten über Design in der Natur bis zur Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen. Veranstalter war die Jugend- und Bildungsabteilungen der Intereuropäischen Division, die Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa, mit Sitz in Bern.

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Adventisten bauen in der kleinsten Republik der Welt eine Kirche

Silver Spring, Maryland/USA | 29.09.2014 | APD | International

Im südpazifischen Inselstaat Nauru soll die erste Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten gebaut werden, wie „Adventist Review“ (AR) mitteilte. Der Inselstaat ist „nach Fläche [21 Quadratkilometer] der drittkleinste und nach Einwohnerzahl [10.100] der zweitkleinste anerkannte Staat, sowie die kleinste Republik der Erde“, so Wikipedia. Die Kirche, mit deren Bau im Oktober begonnen werden soll, ist nach Angaben von AR als zweistöckiges Gebäude mit Eingangshalle, Küche, Räumen für Kinder und Jugendliche im Erdgeschoss sowie dem Gottesdienstraum im Obergeschoss geplant. Zum Bau der Kirche würden noch Freiwillige gesucht, so AR.

Die 25 Adventisten auf der Insel versammelten sich gegenwärtig in einem gemieteten Raum, um samstags ihren Gottesdienst zu feiern, an denen bis zu 40 Personen teilnehmen würden, sagte Eparama Drou, stellvertretender Schatzmeister der regionalen Kirchenleitung der Sieben¬ten-Tags-Adventisten (Trans-Pacific Union Mission).

Im Mai habe Ribulik Naoero, Staatspräsident von Nauru, die Übertragung der Baurechtspacht eines Grundstücks des Adventisten Steve Mwea Amwano auf die Kirche gebilligt, damit diese darauf mit 99-jähriger Erbpacht das Gebäude errichten könne.

Laut Pastor Glenn Townend, Präsident der regionalen adventistischen Kirchenleitung, habe das Kirchenmitglied die Pachtüberschreibung des Grundstücks an die Kirche veranlasst, weil er als Jugendlicher die Navasau Adventist High School in Fiji besuchen konnte. Als Pachtausgleich wurde vereinbart, dass die Kirche Steve Mwea Amwano und seiner Familie auf einem anderen Grundstück in seinem Besitz ein Haus mit zwei Zimmern baut.

„Grundstücke sind in Nauru sehr teuer und können nicht leicht gekauft oder verkauft werden“, sagte Pastor Glenn Townend. So hätte 2011 der Baurechts-Pachtvertrag von der Besitzerfamilie auf das Kirchenmitglied übertragen werden müssen und dann auf die Kirche. Jeder dieser Schritte habe der Zustimmung des Parlaments und auch des Präsidenten bedurft. Zuvor habe aber die Kirche im Jahr 2013 staatlich registriert werden müssen.

Jeder 21. Bewohner gehört zu den Adventisten
Das Gebiet der adventistischen Kirchenregion Trans-Pacific Union Mission umfasst Fidji, Kiribati, Samoa-Tokelau, Salomon-Inseln, Tonga, Vanuatu sowie einzelne Kirchen auf anderen Inseln und hat 2,2 Millionen Einwohner. Es gibt in diesem Gebiet 103.000 Adventisten, die in 495 Kirchen Gottesdienst feiern. Jeder 21. Bewohner ist dort Adventist.

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Die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten lassen

Hannover/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Zweiter Weltkrieg

Anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnerte der Vorsitzende der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, Pastor Johannes Naether (Hannover), an die Erklärung der Freikirche aus dem Jahr 2005 zur NS-Zeit. Darin hätten die Adventisten betont, dass sie dafür eintreten wollten, dass nie wieder ein Krieg gegen andere Völker von Deutschland oder Österreich ausgehe und dass niemand aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität oder Geschlecht ausgegrenzt und benachteiligt werde. Ausserdem baten sie um Vergebung, „dass wir gegenüber dem jüdischen Volk, allen Verfolgten und vom Krieg Betroffenen und darüber hinaus auch gegenüber Adventisten in anderen Ländern durch unser Versagen schuldig geworden sind“. Diese Bitte sei von den Adventisten in den damals von Deutschen besetzten oder mit Deutschland im Krieg befindlichen Ländern „dankbar“ aufgenommen worden.

Leider gebe es bis heute immer noch Kriege und Konflikte, beklagte Naether; etwa im Irak, in Syrien oder in der Ukraine. Auch hier gelte es, für die in Not geratenen Menschen zu beten, als Friedensstifter zu wirken und humanitäre Hilfe zu leisten, wie es auch durch die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA geschehe.

In einer gemeinsamen Erklärung zum 60. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 hatten die Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und Österreich Stellung zum Verhalten der Freikirche im Dritten Reich genommen. Darin wird beklagt, dass auch Siebenten-Tags-Adventisten an „diesem furchtbaren Krieg beteiligt waren“. Der Charakter der NS-Diktatur sei nicht rechtzeitig und deutlich genug erkannt worden. In adventistischen Veröffentlichungen hätten sich Aussagen befunden, „die Adolf Hitler huldigten und der rassistischen Ideologie des Antisemitismus in einer Weise Ausdruck gaben, die aus heutiger Sicht unfassbar ist“. Deutsche und Österreicher seien zu „Komplizen des Rassenwahns geworden“; auch „viele Siebenten-Tags-Ad¬ventisten“ hätten „an der Not und dem Leid ihrer jüdischen Mitbürger keinen Anteil“ genommen, so dass sie „von uns ausgegrenzt und ausgeschlossen, sich selbst überlassen und so der Gefangenschaft, Vertreibung oder dem Tod ausgeliefert wurden“.

Auch hätten „wir als Siebenten-Tags-Adventisten in jenen notvollen Zeiten trotz unserer Erkenntnis aus der Heiligen Schrift und dem prophetischen Wort nicht mutiger und konsequenter gehandelt und so in der Nachfolge unseres Herrn versagt“. Adventisten seien denjenigen, „die in unseren Reihen mutig Widerstand geleistet haben und sich der Nazidiktatur weder gebeugt, noch mit ihr gemeinsame Sache gemacht haben, nicht mutig entschlossen genug gefolgt“.

Anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939, der weltweit rund 60 Millionen Tote gefordert habe, sollte die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten, hob Pastor Naether hervor. Wie es in der Erklärung von 2005 heisst, dürfe der Gehorsam, „den wir der staatlichen Obrigkeit schulden, nicht zur Preisgabe von biblischen Überzeugungen und Werten“ führen. Es gelte, die „Geister zu unterscheiden“ und den Glauben auch dann mutig zu bekennen und konsequent zu leben, „wenn wir unsererseits in die ‚Stunde der Versuchung‘ geraten“.

Der Text der „Erklärung der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und Österreich zum 60. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945" ist im Internet zu finden unter: http://www.adventisten.de/ueber-uns/dokumente-und-stellungnahmen/

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Freie evangelische Gemeinden im Zweiten Weltkrieg

Witten/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Zweiter Weltkrieg

Den Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 1. September 1939 in Polen habe die frühere Gemeindezeitschrift „Der Gärtner“ des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) ganz im Sinne der Nazi-Propaganda kommentiert, schreibt der Historiker und Pastor i. R. des BFeG Hartmut Weyel in seinem Artikel „Krieg und Kriegsgeschrei“ in der September-Ausgabe von „Christsein heute", der jetzigen BfeG-Zeitschrift.

Treue und Gehorsam gegenüber dem Führer
Danach habe Deutschland den Krieg nicht gewollt und Polen sei durch seine unnachgiebige Haltung selbst schuld an der Krise. Der Krieg wäre gerechtfertigt, weil sich England „um jeden Preis die Reste des Versailler Raubes sichern“ wolle und deswegen Polen zu seiner starren Haltung angestiftet habe. In Verkennung der Realitäten hätte „Der Gärtner“ behauptet, so Weyel, der Führer Adolf Hitler strebe keine Weltherrschaft an. Dass „er aber Lebensraum und Sicherheit unseres Volkes an der Ostgrenze“ beanspruche, sei „nicht mehr als billig“. So habe der Schriftleiter der Zeitschrift geglaubt, seine Leser beruhigen zu können: „Wir sind getrost und voll guter Zuversicht über den Ausgang dieses Krieges, der so ungerecht uns aufgezwungen worden ist. Wer beten kann, der gedenkt in treuer Fürbitte des Führers, der inmitten seiner tapferen Soldaten auf dem Kriegsschauplatz weilt. Auf seine Schultern ist von Gott eine ungeheure Verantwortung gelegt, die er im Bewusstsein eines guten Gewissens auf sich genommen hat.“

Nach der Besetzung von Dänemark, Norwegen, Holland und Belgien sowie der Kapitulation Frankreichs im Jahr 1940 sei auch „Der Gärtner“ begeistert gewesen und habe mit dem deutschen Volk gejubelt: „Der Herr hat Grosses an uns getan. Ehre sei Gott in der Höhe!“ Nun wachse in den Ländern, welche die deutsche Wehrmacht in deutschen Schutz genommen habe, eine „neue, bessere Ordnung, die auf eine höhere Gerechtigkeit gegründet“ sei. Im Kriegsgeschehen dürfe man „die Fussspuren Gottes in der Geschichte erblicken“. Als die deutschen Truppen im April 1941 den Balkan überrannten und bis nach Griechenland vordrangen, hätte „Der Gärtner“ erneut gejubelt über den „Führer des Grossdeutschen Reiches, dem unsere Herzen in besonderer Verehrung und Liebe entgegenschlagen. Wir geloben ihm unwandelbare Treue und unverbrüchlichen Gehorsam.“

Doch am 25. Mai 1941 habe „Der Gärtner“, laut Hartmut Weyel, seinen Lesern mitteilen müssen, dass „die Kriegswirtschaft stärkste Anspannung aller Kräfte erfordert“ und deshalb „Der Gärtner“ und alle übrigen Blätter des Bundes-Verlags bis auf weiteres ihr Erscheinen einstellen müssten. Man bringe aber diese Opfer „in der Zuversicht, dass diese Zusammenfassung aller Kräfte unserm Volk den Sieg verbürgt“. „Der Gärtner“ kam erst im Juli 1947 wieder auf den Markt. An seine Stelle trat vom Sommer 1941 bis März 1945 das „Amtsblatt des Bundes Freier evangelischer Gemeinden e.V.“.

Obwohl im Dezember 1944 das Kriegsende und damit der Zusammenbruch des „Dritten Reichs“ bevorstanden, hätte der Schriftleiter des Amtsblattes dennoch beteuert, dass „die gläubige Gemeinde in ernster Fürbitte hinter unserem Volk und Führer“ stehe und Gott für alle Kraft danke, „die er unserer Führung und unserer Wehrmacht geschenkt hat, dass unsere kämpfenden Truppen an allen Fronten Wunder der Tapferkeit vollbringen“, berichtet Weyel.

„Busse ist das göttliche Gebot der Stunde“
Ein Jahr nach Kriegsende habe der Hamburger Diakoniedirektor und FeG-Gemeindeleiter Friedrich Heitmüller (1888-1965) eine „Klarstellung“ verfasst, in der er „mitten im Zusammenbruch unseres völkischen und nationalen Lebens“ die Frage stellte, „was Gott jetzt von uns erwartet?“. Seine Antwort lautet: „Busse! Busse ist das göttliche Gebot der Stunde.“ Heitmüllers Bussruf beziehe sich, so Weyel, vor allem auf die von ihm scharf kritisierte Haltung des FeG-Bundes und der Gemeinden in der politischen Situation des NS-Staates.
Zum Verhalten gegenüber Krieg und Kriegsdienst habe sich unter anderem der führende Gemeindeälteste aus Moers-Schwafheim, Heinrich Pannen (1897-1982), geäussert. Der ehemalige Kommandant eines Minensuchbootes betonte auf dem FeG-Brüdertag am 28. Mai 1948 in Lüdenscheid: „Jeder muss von seinem Gewissen her Stellung nehmen und entscheidend handeln. Wir haben zwei gewaltige Kriege erlebt. Mir ist klar, dass dieser letzte ein Werkzeug Satans war, auch die Waffen waren satanisch oder dämonisch. Dass wir nun mitgeholfen haben, ist unsere Schuld und Belastung. Wir müssen da Stellung nehmen, das ablehnen, unter Umständen auch den Waffendienst verweigern! Ich bin selbst Soldat gewesen und weiss, dass unsere Jugend beim Militär verdorben wird. Und wir sollen dazu schweigen? Für mich ist es klar, das kann ich nicht mehr tun!“

Die erste Freie evangelische Gemeinde entstand 1854 in Wuppertal. 20 Jahre später schlossen sich 22 Gemeinden zum Bund Freier evangelischer Gemeinden zusammen. Heute gehört der Bund zu den wenigen wachsenden Kirchen in Deutschland. Gegenwärtig zählt er 471 Gemeinden mit 40.323 Mitgliedern. Dazu kommen rund 15.500 „Freunde“ und 9.000 Kinder. Zum Bund gehören die Theologische Fachhochschule Ewersbach (Dietzhölztal), die Diakonischen Werke Bethanien (Solingen) und Elim (Hamburg), die Allianz-Mission (Dietzhölztal) und weitere soziale Initiativen. Die Bundeszentrale befindet sich in Witten an der Ruhr. Freie evangelische Gemeinden gibt es in über 20 Ländern. Mit ihren etwa 30 Mitgliedsbünden umfasst der Internationale Bund rund 450.000 Mitglieder.

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Schuldbekenntnis der FeG-Bundesleitung zum Nationalsozialismus

Witten/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Zweiter Weltkrieg

Statt als Christen politische Verantwortung im neutestamentlichen Sinne als “Salz und Licht der Welt” zu übernehmen, hätten Freie evangelische Gemeinden (FeG) zu den “bestialischen Morden” an unzähligen Juden und anderen Menschen geschwiegen, erklärten 17 Mitglieder der FeG-Bundesleitung in einem Schuldbekenntnis zum Versagen im Dritten Reich. Präses Ansgar Hörsting verlas das Bekenntnis auf dem diesjährigen Bundestag der Freien evangelischen Gemeinden am 20. September im Kronberg-Forum in Ewersbach (Dietzhölztal/Mittelhessen).

“Wir hätten gegen dieses Unrecht aufstehen müssen”, betonte Hörsting. Stattdessen habe man sich angepasst, um einen “Freiraum für das gemeindliche Leben zu bewahren”. Zwar habe es auch Mitglieder der Freikirche gegeben, die “widerständig gelebt haben”, doch wären etliche FeG-Vertreter und ihre Gemeinden – das sei der eindeutige Befund historischer Zeugnisse – auf der Welle des Nationalsozialismus mitgeschwommen. Hörsting mahnte allerdings vor Überheblichkeit aus heutiger Sicht, denn wahrscheinlich hätten viele sich unter ähnlichen Umständen entsprechend verhalten. Mit diesem Bekenntnis vor über 300 Delegierten des höchsten FeG-Gremiums griff die Bundesleitung frühere Schuldeingeständnisse auf, insbesondere das aus dem Jahr 1995 des damaligen Präses Peter Strauch.

Auch im Ersten Weltkrieg “Parolen der Machthaber nachgesprochen”
Die drei Jahrestage – 100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkrieges, 75 Jahre Beginn des Zweiten Weltkrieges und 25 Jahre Öffnung der Berliner Mauer – hätten den Anlass zu diesem Bekenntnis gegeben, erklärte Hörsting. Die Berichterstattung zu den Jahrestagen habe ihn tief bewegt, so auch die Artikel zum Verhalten Freier evangelischer Gemeinden und ihrer Leiter zu den beiden Weltkriegen in der FeG-Bundeszeitschrift “Christsein heute”. Zum Ersten Weltkrieg sagte der Präses: “Es ist zu erkennen, dass im Bund und in Gemeinden führende Personen die Parolen der Machthaber und Medien nachsprachen. Da es in der allgemeinen Meinung um eine gerechte Verteidigung Deutschlands ging, mit dem Ziel ausländische Aggressoren abzuwehren, konnte man dazu aufrufen, mit Begeisterung die Waffen zu ergreifen.” Es könne schnell passieren, dass Christen in das Horn stiessen, das politisch opportun erscheine, so Hörsting. “Wir können angesichts der Geschichte nur vertrauen, dass Gott vergibt und mit uns weitermacht.”

Mit positiven Kräften der Spirale der Gewalt entgegenwirken
Die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere der brutale Terror der Kämpfer für den “Islamischen Staat (IS)”, fordere auch die FeG heraus, mit allen positiven Kräften dieser Spirale von Gewalt entgegenzutreten. “Unsere Geschichte verpflichtet uns zu einem ernsthaften Engagement”, sagte Hörsting in seinem “Wort des Präses”. Das gleiche gelte für die gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Ukraine. Es reiche nicht aus, die Verletzten zu heilen und Flüchtlingen Unterkunft zu gewähren. So müsse man den Mördern auch mit Gewalt Einhalt gebieten. Militärgewalt sei dabei jedoch die “Ultima Ratio”, das letzte Mittel, wenn alle Verhandlungen und gewaltlosen Massnahmen versagten.

Hörsting forderte die FeG-Mitglieder auf, sich nicht in eine fromme Nische zurückzuziehen, sondern ihre Stimme für die Unterdrückten zu erheben. Er gab zu bedenken: “Ob ich wirklich für Religionsfreiheit und Menschrechte bin zeigt sich daran, ob ich die der anderen verteidige, denn für die eigenen einzustehen ist nicht schwer.”

Die erste Freie evangelische Gemeinde entstand 1854 in Wuppertal. 20 Jahre später schlossen sich 22 Gemeinden zum Bund Freier evangelischer Gemeinden zusammen. Heute gehört der Bund zu den wenigen wachsenden Kirchen in Deutschland. Gegenwärtig zählt er 471 Gemeinden mit 40.323 Mitgliedern. Dazu kommen rund 15.500 “Freunde” und 9.000 Kinder. Zum Bund gehören die Theologische Fachhochschule Ewersbach (Dietzhölztal), die Diakonischen Werke Bethanien (Solingen) und Elim (Hamburg), die Allianz-Mission (Dietzhölztal) und weitere soziale Initiativen. Die Bundeszentrale befindet sich in Witten an der Ruhr. Freie evangelische Gemeinden gibt es in über 20 Ländern. Mit ihren etwa 30 Mitgliedsbünden umfasst der Internationale Bund rund 450.000 Mitglieder.

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Kirchen keine Instrumente des Gegeneinanders, sondern Brückenbauer

Bonn/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Zweiter Weltkrieg

„Dass wir hier als Deutsche und Polen und vor allem auch als Christen gemeinsam in Gleiwitz, wo vor genau 75 Jahren der Zweite Weltkrieg begann, miteinander Eucharistie feiern, scheint vielen wie ein Wunder im Rückblick auf die schreckliche Epoche des 20. Jahrhunderts“, betonte der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in seiner Predigt zur Eucharistiefeier in der Kathedrale von Gleiwitz/Polen. Er stellte die Frage, wie es möglich gewesen sei, „dass in einem Land, das durchweg christlich geprägt schien, wo die überwältigende Mehrheit der Menschen getauft war, die Zehn Gebote und die Weisungen Jesu kannte, wie solche Verbrechen geschehen und ein mörderischer Krieg entfesselt werden konnte“. Dass dieser Krieg von Deutschland ausging, „erschüttert uns auch als Kirche in Deutschland bis heute“. Deshalb gelte es, niemals die eigentliche Sendung der Kirche zu vergessen, nämlich für das Heil aller Menschen einzutreten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz würdigte die Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und den Beitrag, den die Kirchen dazu geleistet hätten. Die Kirchen dürften niemals mehr Instrumente des Gegeneinanders der Völker sein, sondern Brückenbauer, Versöhner und Friedensstifter. Die aktuellen Erfahrungen von Krieg, Terror, Gewalt im Irak, Syrien und auch in der Ukraine, forderten Christen heraus, ein engagiertes Zeugnis für einen gerechten Frieden und die Achtung der Würde des Menschen zu geben.

In der gemeinsamen Gebetsveranstaltung beim ehemaligen Sender Gleiwitz erinnerten Vertreter der jüdischen Gemeinschaft, der evangelischen Kirche in Polen, der römisch-katholischen Polnischen und Deutschen Bischofskonferenz an die Ereignisse in Gleiwitz, die dem Beginn des Zweiten Weltkriegs unmittelbar vorausgingen. In allen Beiträgen wurde auch der Bogen geschlagen zu den heutigen Konflikten und Kriegen – vor allem in Syrien, im Irak und in der Ukraine. Frieden zu stiften und Aggressoren mutig entgegenzutreten, seien Lehren aus der unheilvollen Geschichte Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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EAK erinnert an Deserteure und Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg

Bonn/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Zweiter Weltkrieg

Vor dem Hintergrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren hat die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) an das Schicksal der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure erinnert. „Mehr als 30.000 Deserteure und Kriegsdienstverweigerer wurden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs zum Tode verurteilt. Nach dem Krieg fanden die wenigen Überlebenden kaum Anerkennung, sondern wurden als Feiglinge und Vaterlandsverräter beschimpft und bedroht“, so der EAK-Bundesvorsitzende Dr. Christoph Münchow. Erst 2002 seien die Urteile gegen die Deserteure der Wehrmacht gesetzlich aufgehoben und die wenigen Überlebenden damit rehabilitiert worden.

„Für viele war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit Diskriminierung und Erniedrigung verbunden“, meinte der EAK-Vorsitzende. Dabei hätten sie auf ihr Gewissen gehört und sich geweigert, an einem mörderischen Angriffs- und Vernichtungskrieg teilzunehmen, und damit eine Form des Widerstands geleistet. Es wäre wichtig, dass seit mehr als zehn Jahren im KZ Buchenwald ein Gedenkstein an diese Menschen erinnere, denen viel Unrecht geschehen sei.

Nicht zuletzt durch die Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus sei im Grundgesetz das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen verankert. „Das ist gut so“, betonte Münchow. Allerdings seien Soldatinnen und Soldaten, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigerten, auch heute immer wieder Vorwürfen ausgesetzt. Dabei werde den Betroffenen unter anderem häufig unterstellt, dass ihre Anträge unglaubwürdig seien. „Anders ist nicht zu erklären, dass so viele Anträge auf Kriegsdienstverweigerung abgelehnt werden, obwohl die Soldatinnen und Soldaten in grosser Gewissensnot sind“, gab Christoph Münchow zu bedenken.

Auf Kritik stosse bei der EAK die heutige Behandlung der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung auch in anderer Hinsicht: Die Bearbeitung dauere häufig unverhältnismässig lange. Das scheine unter anderem daran zu liegen, dass Zuständigkeiten in der Personalbearbeitung innerhalb der Bundeswehr seit Aussetzung der Wehrpflicht teilweise nicht hinreichend geklärt seien. „Die Gewissensnot der Soldatinnen und Soldaten, die einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen, wird hier meines Erachtens nicht hinreichend ernst genommen“, kritisierte Münchow. Er forderte: „Wir dürfen als Gesellschaft nicht schweigend hinnehmen, dass ein Grundrecht Menschen so häufig aberkannt wird. Der Absatz drei des Artikels vier im Grundgesetz gilt.“

Um die nach wie vor aktuelle Frage der Kriegsdienstverweigerung wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, veranstaltet die EAK in Kooperation mit der Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche in Baden und dem Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen am 24. September im badischen Bühl den Studientag „Kriegsdienstverweigerung: Situation und Perspektiven in Deutschland und international“. Informationen unter www.eak-online.de

Zum 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs rief die EAK auch zu ökumenischen Friedensgebeten am 1. September auf. Dazu hatte die evangelische Friedensorganisation Textvorschläge für Gottesdienste und Andachten erarbeitet. Christoph Münchow: „Die Toten des Zweiten Weltkriegs mahnen, für den Frieden zu leben.“

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) ist der Dachverband für jene, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung (KDV) und Friedensarbeit zuständig sind. Bundesvorsitzender der EAK ist Oberlandeskirchenrat i.R. Dr. Christoph Münchow. Die EAK ist Teil der Friedensarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und beschäftigt sich mit Fragen der Friedenstheologie, Friedensethik, Friedens- und Gewissensbildung und Friedenspolitik.

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Karl Georg Harress – ein adventistischer Märtyrer

Friedensau bei Magdeburg/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Zweiter Weltkrieg

Vor 72 Jahren wurde Karl Georg Harress im schlesischen Konzentrationslager Gross-Rosen ermordet. Er sei jedoch einer der weithin vergessenen adventistischen Märtyrer, schreibt der Historiker und Dekan des Fachbereichs Theologie der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg, Dr. Johannes Hartlapp, in der Hochschulzeitschrift „Dialog“ 3/2014.

Karl Harress, geboren am 20. März 1887 im thüringischen Oberlind (bei Sonneberg), liess sich nach seiner Militärzeit, die ihn nach Schlesien verschlagen hatte, 1912 in Hirschberg (heute Jelenia Góra/Polen) taufen und wurde Siebenten-Tags-Adventist. 1913/14 erhielt er eine Ausbildung am Missionsseminar Friedensau und arbeitete anschliessend als Kolporteur (Buchverkäufer). Nach dem Ersten Weltkrieg, dessen Schrecken er als Sanitäter miterlebte, arbeitete er als Pastor in Lüdenscheid, Hannover, Kassel, Dortmund, Osnabrück und Oldenburg.

Hartlapp beschreibt Karl Harress als einen Mann, der eher vorsichtig und zurückhaltend gewesen sei. Seiner Frau gegenüber habe er einmal geäussert: „Wir gehen schrecklichen Zeiten entgegen, wie sie Deutschland noch nicht gesehen hat.“ Sein Gewissen hätte es nicht zugelassen, den Hitlergruss anzuwenden. Er habe mit „Guten Tag“ oder „Grüss Gott“ gegrüsst, selbst den Ortsgruppenleiter im Haus. Nach einem Umzug innerhalb von Oldenburg in ein Gebäude der adventistischen Grundstücksverwaltung, in dem Karl Harress zugleich als Verwalter fungierte, habe er sich nicht nur einmal den Zorn, ja die Feindschaft einzelner Mieter zugezogen. Es scheint, dass diese Mieter ihn auch bei der Gestapo denunziert hätten, so Hartlapp.

Anfang Dezember 1941 kamen drei Gestapobeamte in Harress‘ Wohnung, um ihn zu sprechen. Alle drei hätten bereits evangelistische Vorträge von ihm besucht. Da er nicht zu Hause war, wurde er zum Verhör einbestellt. Dort eröffnete ihm die Gestapo, dass ein Soldat, mit dem Harress nach einem seiner Vorträge gesprochen hatte, ihn wegen angeblicher Äusserungen angezeigt habe. Die Beamten der Gestapo liessen sich erklären, was Harress zum Schicksal der Juden zu sagen habe. Ihnen gefiel nicht, so Hartlapp, dass er im Gespräch nicht nur 5. Mose 28 (Ankündigung von Segen und Fluch über Israel), sondern genauso Sacharja 2,12f. (Gott spricht: „Wer Israel antastet, der tastet meinen Augapfel an“) nannte. Ein weiteres Thema waren seine theologischen Überzeugungen über das Ende der Welt. Nach mehrstündigem Verhör durfte er nach Hause gehen, wurde jedoch am nächsten Tag verhaftet und in einer Schule in der Nähe untergebracht.

Seine Frau habe acht Tage lang nicht gewusst, wo sich ihr Mann befinde. Als sie ihn nach vier Wochen besuchen durfte, sei er nur noch „ein Schatten seiner selbst“ gewesen. Die schwere Strassenarbeit, die er verrichten musste, habe ihn stark abmagern lassen. Er wäre bereits mehrfach umgefallen, die Füsse von den Holzpantinen ganz aufgescheuert. Während dieser Zeit in Oldenburg wurde das endgültige Gerichtsurteil gefällt: Haft im Konzentrationslager.

Nach dem Gerichtsurteil kam Karl Georg Harress im Februar 1942 ins KZ Sachsenhausen bei Oranienburg (Häftlingsnummer 1899), berichtet Hartlapp. Hier habe er einen Adventisten aus der benachbarten Adventgemeinde Hude getroffen, der allerdings später wieder aus dem KZ entlassen worden sei. Schliesslich verlegte man Harress einen Monat später ins KZ Gross-Rosen bei Breslau, einem ehemaligen Zuchthaus. Von dort sei es ihm gestattet worden, zwei Briefe pro Monat seiner Familie zu schicken. Für seine Frau wären es jedoch „vorgedruckte Feldpostbriefe“ gewesen.

Im Mai 1942 habe Harress die Briefe an seine Familie von einer andern Person schreiben lassen. Zu dieser Zeit war er laut Hartlapp bereits wegen seiner verletzten rechten Hand ins Krankenrevier eingeliefert worden. Als daraufhin seine Frau sich nach seinem Zustand erkundigte und um eine Besuchserlaubnis bat, erhielt sie zur Antwort: „Nach Rückfrage im Revier hat er eine Entzündung an der rechten Hand und kann deswegen nicht fliessend schreiben. Der Gesundheitszustand Ihres Ehemannes hat sich aber gebessert, und er hofft, in einigen Wochen wieder selbst schreiben zu können.“

Die Antwort auf die Bitte um Besuchserlaubnis habe auf sich warten lassen. Stattdessen wurde der Ehefrau am 6. Juli die Todesnachricht mitgeteilt: „Ihr Ehemann Karl Harress meldete sich am 9.5.42 krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im Krankenbau in ärztliche Behandlung genommen. Es wurde ihm die bestmöglichste medikamentöse und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. Ich spreche Ihnen zu diesem Verlust mein Beileid aus. Ihr Ehemann hat vor seinem Ableben keinerlei letzte Wünsche mehr gehabt.“

Ehefrau Frieda Harress meinte dazu: „Ich nahm es damals für bare Münze. Später erkannte ich, dass es purer Hohn war.“ Sie erhielt auch alles ungeöffnet zurück, was sie ihrem Mann an Briefen und Paketen geschickt hatte. Er habe nichts davon erhalten.

Es sei der Adventgemeinde Oldenburg und vor allem dem dortigen Pastor Ralph Eigenbrodt zu danken, dass das Erbe von Karl Harress nicht verloren ging, hebt Dr. Johannes Hartlapp hervor. Anfang Juli 2012 wurde eine „Stolperplatte“ in den Boden des Gehweges vor der Gemeinde eingelassen. Sie ziehe die Blicke der Vorbeigehenden auf sich und diene auf diese Weise den Nachgeborenen als Mahnmal.

Nach den Zeugen Jehovas und römisch-katholischen Priestern stellten Siebenten-Tags-Ad-ventisten die drittgrösste Märtyrergruppe im Kreis der verfolgten Christen während der NS-Zeit dar, berichtet Hartlapp. Die Mehrheit dieser Adventisten habe allerdings den im Ersten Weltkrieg entstandenen Reform-Adventisten angehört. Das Beispiel in Oldenburg sollte andere adventistische Gemeinden ermutigen, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

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Schweiz: AGCK-CH und Neuapostolische Kirche vertiefen Kontakte

Zürich/Schweiz | 29.09.2014 | APD | Ökumene

Am 9. April wurde in St. Gallen die Neuapostolische Kirche (NAK) von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH) als Gastmitglied aufgenommen. Dabei wurde festgelegt, dass die Zusammenarbeit während fünf Jahren durch jährliche Sitzungen der Kommission AGCK-NAK unterstützt werden soll. Diese Begleitung durch eine Kommission sei laut Christiane Faschon, AGCK-Geleralsekretärin, erstmalig. Nach fünf Jahren werde die AGCK wie auch die NAK den Prozess evaluieren und darüber entscheiden, ob und in welcher Form die Zusammenarbeit weiter geführt werden soll. Es gehe dabei im Besonderen darum, wie sich die Neuapostolische Kirche international, regional und in den Gemeinden entwickle. Für die Arbeit der AGCK-NAK Kommission hat die AGCK Schweiz ein neues Mandat erteilt.

An der ersten AGCK-NAK Kommissionssitzung, am 19. August, seien Kriterien entwickelt worden an Hand derer die Nachhaltigkeit der Entwicklung gemessen werden könne. Ausserdem seien die theologischen Fragen benannt worden, die im Laufe der fünf Jahre vertieft erörtert werden sollen. Dabei gehe es nach Angaben von Faschon primär um die neuapostolischen Sonderlehren. In der fünfjährigen Phase komme der verstärkten Information und Kommunikation innerhalb der AGCK-Mitgliedskirchen wie auch innerhalb der Neuapostolischen Kirche eine besondere Bedeutung zu.

Zusammensetzung der AGCK-NAK Kommission:
Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz:
Pfarrerin Claudia Haslebacher, Vorsitz, Evangelisch- methodistische Kirche, Vertreterin des Präsidiums der AGCK.
Dr. Urban Fink, Schweizer Bischofskonferenz, Experte. Kirchenhistoriker, Chefredaktor der Schweizerischen Katholischen Kirchenzeitung.
Pfarrer D. Martin Hirzel, Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund, Experte (ad interim). Bereich Ökumene, Interreligiöse Beziehungen, Beziehungen zu ÖRK, GEKE etc.
Christiane Faschon, Generalsekretärin der AGCK.

Neuapostolische Kirche Schweiz:
Apostel Volker Kühnle, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Kontakte zu Konfessionen und Religionen“ der Neuapostolischen Kirche International.
Apostel Heinz Lang, Leiter der NAK-Gesprächsdelegation, zuständiger Apostel für den Grossraum Zürich und die Ostschweiz, Vize-Kirchenpräsident der NAK-Schweiz.
Monika Rainer, Koordination und Administration von Aus- und Weiterbildungen der Bereiche Amtsträger, Musik, Unterricht und Öffentlichkeitsarbeit.
Apostel Jürg Zbinden, zuständiger Apostel für Italien und das Tessin.

Neuapostolische Kirche und Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich
Priester Dr. Walter Hessler, Kirchensprecher der NAK Österreich und für ökumenische Kontakte zuständig, wird als Gastmitglied (ohne Stimmrecht) in der schweizerischen AGCK-NAK Kommission den Kontakt zur NAK Österreich gewährleisten. In Österreich seien laut AGCK-CH ähnliche ökumenische Prozesse im Gang wie in der Schweiz. So haben der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Neuapostolische Kirche Österreich (NAK) im April 2014 gemeinsam eine "Orientierungshilfe für die Gemeinden" veröffentlicht und am 2. Juni 2014 wurde die Jugend der Neuapostolischen Kirche Österreich durch die Vollversammlung des Ökumenischen Jugendrats in Österreich (ÖJRiÖ) einstimmig als Vollmitglied aufgenommen.

Neuapostolische Kirche und Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland
Laut Pressereferent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Pfarrer Marc Witzenbacher, werden die Gespräche zwischen der ACK in Deutschland und der Neuapostolischen Kirche fortgesetzt. Am 3. Februar 2014 haben sich dazu Delegationen beider Seiten in der Ökumenischen Centrale, der Geschäftsstelle der ACK, in Frankfurt am Main getroffen. Grundlage für weitere Gespräche sei ein Beschluss der Mitgliederversammlung der ACK Deutschland. Die Arbeitsgruppe solle innerhalb von drei Jahren einen Vorschlag erarbeiten, wie künftig die Zusammenarbeit stattfinden könnte.

Neben der Neuapostolischen Kirche arbeitet auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten seit April 2012 als Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz mit.

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Weltweiter UNICEF Bericht macht Gewalt gegen Kinder sichtbar

Zürich/Schweiz, New York/USA | 29.09.2014 | APD | Menschenrechte

„Kinder und Jugendliche sind weltweit in ihrem näheren Lebensumfeld in erschreckendem Ausmass körperlichen, sexuellen und seelischen Misshandlungen ausgesetzt“, schreibt UNICEF zu seinem neuen Bericht „Hidden in Plain Sight“, der auf einer umfassenden Datensammlung aus 190 Ländern basiert. Bis heute seien Haltungen, die Gewalt rechtfertigten, diese stillschweigend hinnähmen oder als nicht schädlich ansehen würden, weit verbreitet.

„Es sind unbequeme Tatsachen – keine Regierung, keine Eltern hören sie gerne“, sagte UNICEF Exekutivdirektor Anthony Lake. „Aber wenn wir nicht die verzweifelte Wirklichkeit hinter den Statistiken zur Kenntnis nehmen, werden wir niemals die verbreitete Haltung verändern, dass Gewalt gegen Kinder normal und zulässig ist.“

Der Bericht mache das vielfach verdrängte und übersehene Leid der Kinder und die oftmals lebenslangen Folgen sichtbar. Kinder, die regelmässig Gewalt ausgesetzt seien, hätten häufig Lernprobleme, entwickeln nur ein geringes Selbstvertrauen und litten öfter unter Depressionen. Kinder setzten oft die erlernten Strategien in Konfliktsituationen später häufig gegen ihre eigenen Partner oder Kinder ein, schreibt UNICEF.

„Gewalt an Kindern gehört zu jenen Kinderrechtsverletzungen, die ein entscheidender Hemmfaktor für die körperliche, seelische und soziale Entwicklung des Kindes darstellen“, sagte Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin UNICEF Schweiz. „Gewalt kommt überall vor – offen oder verdeckt und häufig gesellschaftlich geduldet.“ Der Schutz von Kindern vor Gewalt gehöre daher zu den wichtigen Aufgaben einer Gesellschaft.

Die wichtigsten Ergebnisse des UNICEF Berichts:

Tödliche Übergriffe auf Kinder und Jugendliche
Im Jahr 2012 wurden weltweit rund 95‘000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren getötet. Die weitaus grösste Zahl von ihnen stammt aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Die drei Länder mit der höchsten Mordrate sind demnach El Salvador, Guatemala und Venezuela.

Gewalttätige Erziehungspraktiken
Schläge, Anschreien und andere Formen der Misshandlung wie Einsperren gehören für viele Kinder auf der Welt zum Alltag. Die Auswertung von Daten aus 58 Staaten zeigt, dass 17 Prozent der Kinder immer wieder schwere Prügelstrafen erhalten.

Haltungen zu körperlicher Züchtigung
Drei von zehn Erwachsenen weltweit sind der Meinung, dass körperliche Züchtigungen zur Erziehung dazugehören, um ein Kind zu disziplinieren und gut aufzuziehen.

Gewalt zwischen Kinder und Jugendlichen und in Beziehungen
Körperliche Auseinandersetzungen unter Heranwachsenden sind weit verbreitet. Weltweit erfährt jeder dritte Schüler regelmässig Mobbing – oft gepaart mit körperlichen Drangsalierungen.

Sexuelle Gewalt
Schätzungsweise jedes zehnte Mädchen auf der Welt macht in ihrem Leben die Erfahrung, zum Geschlechtsverkehr gedrängt oder gezwungen zu werden. Sexuelle Gewalt geht in den weitaus meisten Fällen von den Partnern, Ehepartnern oder Freunden aus und ist auch in Industrieländern verbreitet. Eine häufige Form sexueller Gewalt ist heute die Blossstellung oder Belästigung im Internet. Daten aus 30 Ländern dokumentieren, dass sieben von zehn Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt waren, niemals Hilfe gesucht haben.

Haltungen zu Gewalt
Die Hälfte aller Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren, rund 126 Millionen, sind der Meinung, dass ein Ehemann oder Partner berechtigt ist, seine Frau gelegentlich zu schlagen. Im südlichen Afrika, in Nordafrika und im Nahen Osten ist der Anteil noch höher.

Zentrale Strategien gegen Gewalt
UNICEF hebt sechs zentrale Strategien hervor, um Gewalt gegen Kinder zu bekämpfen. Dazu gehören Unterstützungsprogramme für Eltern, die Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindern, Aufklärungskampagnen, Gesetzesreformen und wirksame Kinderschutzsysteme. Eine kontinuierliche Überwachung und Dokumentation des Problems ist Voraussetzung für eine effektive Umsetzung.

enditnow
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat 2010 weltweit die Kampagne „enditnow“ lanciert, um gegen Gewalt an Frauen und Mädchen anzugehen. Die Abteilung Frauen der Kirche stellt dazu Material zum Download bereit.
Deutsch: http://www.sta-frauen.ch/enditnow; (Englisch: http://www.enditnow.org/)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland hat 2013 gemeinsam mit der mehrfachen Weltmeisterin im Kickboxen, Dr. Christine Theiss, eine Kampagne gegen häusliche Gewalt gestartet und einen Videoclip produziert:
https://www.youtube.com/watch?v=W3kZgu7cjdk&feature=youtu.be

Der vollständige UNICEF Bericht «Hidden in Plain Sight: A statistical analysis of violence against children» sowie Zusammenfassungen des Berichts (in Englisch und Französisch) stehen als Download bereit: www.unicef.ch.

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Erzwungene Rückbekehrung von Adventisten zum Hinduismus?

Silver Spring, Maryland/USA | 29.09.2014 | APD | Religionsfreiheit

Eine Rückbekehrungszeremonie am 26. August von Mitgliedern der protestantischen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zum Hinduismus, die im adventistischen Kirchengebäude im indischen Dorf Asroi stattfand, habe die adventistischen Kirchenleiter in Indien veranlasst, die Behörden um Abklärungen zu bitten, teilte Adventist News Network (ANN) mit. Die Kirchenleitung befürchte, dass fundamentalistische Hindus in Asroi bei Aligarh, 170 Kilometer südlich der Hautstadt Neu-Delhi, im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh, die Adventisten möglicherweise zum Glaubenswechsel gezwungen hätten.

„Wir haben einen Antrag an die lokalen und übergeordneten Behörden gestellt und um eine Untersuchung gebeten“, sagte Pastor T. P. Kurian, Kommunikationsdirektor der überregionalen Kirchenleitung der Adventisten in Südasien mit Sitz in Hosur, Tamil Nadu/Indien.

Die Adventgemeinde in Asroi wurde 2001 mit 33 Kirchenmitgliedern gegründet. 2004 sei das Grundstück gekauft worden, auf dem eine adventistische Freiwilligenorganisation aus den USA im Jahr 2005 das Kirchengebäude erstellt habe. 2007 hätten zwei Familien die Kirche verlassen, sodass noch 20 Mitglieder verblieben seien. Vor der Rückbekehrungszeremonie hätten jedoch nur noch fünf bis sieben Kirchenmitglieder die adventistischen Gottesdienste regelmässig besucht, so ANN.

Eine vierköpfige adventistische Delegation, habe nach der Zeremonie Asroi besucht. In ihrem Bericht hätte sie festgehalten, dass es Hinweise gebe, wonach fundamentalistische Hindugruppen die adventistischen Gläubigen gezwungen hätten, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren, sagte Pastor Mohan Bhatti, Kommunikationsdirektor der regionalen adventistischen Kirchenleitung in Nordindien mit Sitz in Neu-Delhi.

Tendenziöse Medienberichte?
Laut indischen Medienberichten hätten sich Dutzende von aktiven und inaktiven Adventisten bei der Zeremonie wieder zum Hinduismus bekannt. Zudem hätten hinduistische Fundamentalisten den adventistischen Gottesdienstraum in einen Tempel des Hindu-Gottes Shiva verwandelt und das Kreuz durch ein Götterbild ersetzt. Die adventistische Delegation habe bei ihren Untersuchungen aber nichts derartiges im Gottesdienstraum festgestellt, so ANN. „Es wurde dort weder ein Götterbild von Shiva gefunden noch ist die Kirche in einen Tempel umgewandelt worden“, heisst es im Bericht der Delegation. Es scheine, dass während der Zeremonie „ein Poster von Shiva“ für einige Momente an der Wand angebracht worden sei, um dies später mittels Video und Fotografie zu publizieren. Ausserdem heisse es im Bericht, dass das Gebäude unter polizeilicher Überwachung stehe, um jegliche Beschädigung zu vermeiden. „Wir haben weiterhin die Freiheit, unsere wöchentlichen Gottesdienste durchzuführen.“

Laut ANN sei unklar, wie viele ehemalige Adventisten sich wieder dem Hinduismus zugewandt haben. Indische Medien hätten mit Bezug auf Hindu-Aktivisten, die an der Zeremonie teilgenommen hätten, von 72 Adventisten gesprochen. Das stehe aber im Widerspruch mit den wesentlich fundierteren Mitgliederzahlen der Kirche, so ANN.

Der Verlust der letzten Kirchenmitglieder überrasche ihn, sagte Pastor S. P. Singh, Mitglied der adventistischen Delegation in Asroi. „Der Ortspastor, Vikas Paswan, hat die Kirche während zehn Jahren betreut“, so Singh. „Er führte regelmässig am Sabbat [Samstag] den Gottesdienst durch. Er hatte keinerlei Anlass anzunehmen, dass in Zukunft so etwas geschehen würde.“

Hindus bezeichnen die Rückbekehrung als freiwillig
Khem Chandra, der an der Rückbekehrungszeremonie teilgenommen hatte und Mitglied der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), einer nationalistischen Hindu-Gruppe ist, sagte gegenüber der „Times of India“, dass das Geschehene offensichtlich sei. Die Adventisten hätten zuvor den Hinduismus verlassen. Jetzt hätten sie ihren Fehler erkannt und wollten wieder zurückkommen. „Wir heissen sie willkommen.“ Der Hindu-Aktivist sagte auch, dass er im Laufe der Jahre acht adventistische Familien kennengelernt und besucht habe. Dabei habe er sie aufgefordert, ihren Glauben zu überdenken.

„Es ist das Recht jedes Einzelnen, sich der Religion seiner Wahl zuzuwenden, aber solche Massenkonversionen beinhalten politischen, sozialen und physischen Zwang sowie die Androhung von Gewalt“, sagte John Dayal, Mitglied des nationalen Integrationsrates gegenüber UCAnews.com, einer unabhängigen katholischen Nachrichten-Website.

Der Hindu-Aktivist Khem Chandra äusserte laut ANN die Hoffnung, dass bald ein erster Hindu-Tempel im Dorf eröffnet werden könne, vielleicht sogar im Gebäude der Adventisten. „Wir werden uns über die Kirche Gedanken machen. Sie gehört den Missionaren, aber der Boden, auf dem sie steht, gehört zu Hindustan“, sagte er. „Wir werden nicht auf unserer Dharti [Erde] Kompromisse eingehen. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern werden wir über den Tempel entscheiden“, erläuterte Chandra.

Adventisten für freie Wahl der Religion
„[Religiöse] Freiheit umfasst auch das Recht, die Religion zu wechseln und andere – mit allem Respekt – einzuladen, ebenfalls ihre Religionszugehörigkeit zu ändern“, steht in einer Erklärung der adventistischen Weltkirchenleitung von 1996 zur Religionsfreiheit.

In der adventistischen „Stellungnahme zu Religionsfreiheit, Evangelisation und Proselytismus“ aus dem Jahr 2000 heisst es: „Im Zusammenhang mit der Verbreitung von Religion stellt sich auch die Frage des ‚Proselytismus‘, der auf unterschiedliche Weise verstanden wird und zunehmend eine abwertende Bedeutung in Zusammenhang mit unmoralischen Überzeugungsmethoden, einschliesslich Gewalt, erhält. Die Siebenten-Tags-Adventisten verurteilen eindeutig die Verwendung solcher Mittel ... Evangelistische und missionarische Aktivität muss die Menschenwürde respektieren.“

Adventisten in Indien
In Indien, der grössten Demokratie der Welt, leben 1,237 Milliarden Menschen. Davon sind 1,538 Millionen Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten, die in 4.280 Kirchen samstags den Gottesdienst feiern. Die Adventisten unterhalten in Indien 106 Grundschulen mit 36.600 Schülern, 160 Sekundarschulen mit 134.000 Schülern, acht Hochschulen und eine Universität, zwölf Krankenhäuser, zwei Waisenhäuser und einen Verlag. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Indien war 2012 mit 111 Mitarbeitenden in 16 Projekten tätig und konnte 93.000 Bedürftigen helfen.

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Ukraine: Flüchtlinge finden Zuflucht im ADRA-Familienzentrum

Weiterstadt bei Darmstadt/Deutschland | 29.09.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Auch die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA leistet Hilfe für ukrainische Flüchtlinge, die innerhalb der Grenzen ihres Landes Zuflucht suchen, sowie für jene, die im Nachbarland Russland untergekommen sind, berichtet die Mitarbeiterin von ADRA Deutschland, Mirjam Greilich. Das unlängst fertiggestellte Familienzentrum in Kiew nehme Flüchtlinge aus den östlichen Teilen der Ukraine auf. Neben einer Unterkunft erhielten sie Hygieneartikel, Unterwäsche, Socken, Handtücher und Einweggeschirr, da viele mit ihren Kindern Hals über Kopf aus ihren Wohnungen geflohen seien und kaum etwas hätten mitnehmen können. Auch junge Mütter mit ihren Babys oder hoch Schwangere fänden im ADRA-Familienzentrum eine Bleibe.

Um den Flüchtlingen darüber hinaus zu helfen, verteile ADRA Nahrungsmittel, die ihnen die ersten Tage nach der Flucht erleichterten. Gemeinsam mit UN-Organisationen und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) könne ADRA mittlerweile Lebensmittel und andere Hilfsgüter auch in den umkämpften Gebieten wie Lugansk und Donetsk verteilen. Da das Kiewer Zentrum nur eine begrenzte Anzahl Hilfe Suchender aufnehmen könne, helfe das dortige ADRA-Büro beim Transport zahlreicher Flüchtlinge in nahe gelegene Camps, so Mirjam Greilich.

Nach und nach kehrten erste Flüchtlinge in die nicht mehr umkämpften Regionen der Ostukraine zurück. Dort fehle es aber an Elektrizität, Wasser, Gas, Beschäftigung und Einkommen. Zudem bräuchten viele Baumaterial, um ihre Häuser wieder zu reparieren oder aufzubauen.

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Nach der Flut auf dem Balkan beginnt der Wiederaufbau

Weiterstadt bei Darmstadt/Deutschland | 29.09.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Mehr als eine Million Menschen waren im Mai von der Flut auf dem Balkan betroffen. Die in Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kroatien Lebenden wären aber immer noch dringend auf Hilfe angewiesen, betonte Mirjam Greilich, Mitarbeiterin der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA.

Schon wenige Tage nachdem die Katastrophe ihren Anfang nahm, habe das ADRA- Netzwerk in den betroffenen Ländern mit ersten Hilfsmassnahmen begonnen. „Die Unterstützung von ADRA Deutschland konzentrierte sich besonders auf das schwer betroffene Bosnien und Herzegowina“, informierte Greilich. In Sarajevo und Doboj habe ADRA je eine Suppenküche eingerichtet, die Betroffene und vor allem obdachlos gewordene mit Nahrungsmitteln versorgte. Zusätzlich hätte ADRA mit Unterstützung Freiwilliger 170 Tonnen Hilfsgüter, bestehend aus Nahrungsmitteln, Wasser, Hygieneartikeln und Kleidung, verteilt.

Kerngebiet für die langfristigen Hilfseinsätze von ADRA in Bosnien und Herzegowina seien die Regionen Doboj und Olovo. In Olovo wären die Menschen nach dem Hochwasser tagelang ohne Wasserzufuhr gewesen. ADRA habe deshalb eine Wasseraufbereitungsanlage installiert, welche bis zur Instandsetzung des örtlichen Wassernetzes die etwa 600 Haushalte täglich mit sauberem Trinkwasser versorgte. Vier Freiwilligenteams hätten Familien beim Putzen ihrer oft völlig verschlammten Räume unterstützt. Zudem hätten Freiwillige von „Let‘s Do It“, des grössten Freiwilligenprojektes Bosnien und Herzegowinas, in Zusammenarbeit mit ADRA bei der Säuberung der Strassen und Parks in Odzak geholfen.

Der Wiederaufbau in den betroffenen Regionen werde sich noch lange hinziehen und viel Kraft und Geld kosten, befürchtet Mirjam Greilich. Um die Bevölkerung bei der Trocknung der Häuser zu unterstützen und die Entstehung von Schimmel in den Räumlichkeiten zu vermeiden, habe ADRA 350 Gebäudetrockner nach Doboj gebracht. So könnten die durch das Hochwasser feuchten Bauwerke möglichst schnell und fachgerecht trocknen und langfristiger Schaden am Mauerwerk vermieden werden. ADRA setze die Gebäudetrockner in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Gesundheitseinrichtungen ein. Mittlerweile habe das Hilfswerk auch Schulmobiliar in das Einsatzgebiet gebracht, damit auch die Bildungseinrichtungen möglichst schnell wieder voll genutzt werden könnten.

Greilich wies darauf hin, dass die Zerstörung nicht nur materiellen Schaden verursacht habe, sondern auch seelische Wunden zurückgeblieben seien. Zum Wiederaufbau gehöre deshalb auch die psychosoziale Betreuung der Betroffenen. Ein Team von Psychologen übernehme für ADRA diese Aufgabe. Zweimal in der Woche führten es Gruppensitzungen mit Erwachsen und spielerische Sitzungen mit Kindern durch.

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Hilfspakete für Flüchtlinge in der Ukraine

Wien/Österreich | 29.09.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA betreut in der Ukraine 1.000 Menschen in Donetsk, Shakhty und Gukovo mit dringenden Hilfsgütern, bis die Familien eine Unterkunft gefunden, einen Job oder offizielle Hilfe durch den Staat bekommen haben, teilte Corinna Wagner, Mitarbeiterin von ADRA Österreich mit. Priorität erhielten Familien mit Kindern unter drei Jahren.

Die Hilfspakete enthielten Grundnahrungsmittel für einen Monat, Wasser für Babynahrung, Hygieneprodukte wie Seife, Waschmittel, Zahnbürste/-paste, Hygienebinden und Babywindeln. Auch die Kosten für wichtige Medikamente könne ADRA dank Spenden übernehmen. ADRA Österreich habe für diese Hilfe 10.000 US-Dollar (9.500 Franken) zugesagt.

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Freiwillige von ADRA Italien helfen Bootsflüchtlingen auf Sizilien

Die ADRA-Ortsgruppe der Kleinstadt Lentini/Italien an der südöstlichen Küste Siziliens hat mit den Hafenbehörden der 20 Kilometer entfernten Stadt Augusta und dem Leiter des dortigen Aufnahmezentrums für Bootsflüchtlinge in der ehemaligen Schule „Giuseppe Verdi“ Kontakt aufgenommen. Dabei wurden die Bedürfnisse der Flüchtlinge festgestellt und Dank einer grosszügigen Spende eines Kaufmanns und vieler Privatspenden an 140 Jugendliche des Zentrums Kleidung verteilt. Das teilte die Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Italien mit.

Seit mehreren Monaten werde ein Teil der im Mittelmeer aufgegriffenen Flüchtlinge, die mehrheitlich aus Ägypten, Eritrea, Gambia, Mali und Nigeria stammten, in Augusta untergebracht. Dort würden sie von den Einwohnern mit grosser Solidarität betreut. Trotz der schwierigen Umstände im Zentrum, einer ehemaligen Schule, seien seit Jahresbeginn mehr als 1.500 Personen betreut worden.

Die Freiwilligen der ADRA-Ortsgruppe Lentini wollten die Jugendlichen im Aufnahmezentrum weiterhin unterstützen und ihnen neben der Bereitstellung von Alltagsgütern, wie Hygieneartikel und Unterwäsche, auch kulturelle, schulische und Freizeitveranstaltungen anbieten. Das Engagement der ADRA-Freiwilligen von Lentini erweitere das Angebot von ADRA Italien für Bootsflüchtlinge, das in Palermo auf Sizilien begonnen habe, so das Hilfswerk.

ADRA Italien unterhält landesweit 40 Ortsgruppen, die je nach lokalen Bedürfnissen und Möglichkeiten Beihilfen für benachteiligte Menschen zur Verfügung stellen, Kleidung, Medikamente und Lebensmittel verteilen, mit lokalen Behörden zusammenarbeiteten, Essen für ältere Menschen ausgeben, Unterhaltung für Patienten in Krankenhäusern bieten, erwachsene Ausländer in Lesen und Schreiben unterrichten, schulische Unterstützung für Kinder, soziale Aktivitäten, Hilfe für Flüchtlinge und Obdachlose anbieten sowie Rettungsmassnahmen nach Naturkatastrophen durchführen.

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Nepal: Projekt für Frauen in Bardiya kommt voran

Wien/Österreich | 29.09.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Frauen, ethnische Minderheiten und niedrige Kasten hätten in Nepal besonders schwere Lebensbedingungen, teilte Corinna Wagner, Mitarbeiterin der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich, mit. ADRA Österreich führe ein Projekt für Frauen im Distrikt Bardiya im Süden Nepals durch. Grosse Teile der Region seien zum Nationalpark erklärt worden, um Wälder und gefährdete Tierarten zu schützten. In der Region lebten sehr viele Menschen, die zu den Dalits, den „Unberührbaren“, gehörten. Sie seien früher an den Landbesitzer gebundene Arbeiter gewesen und erst vor wenigen Jahren frei gekommen. Sie hätten in den letzten Jahren ein kleines Stück Land von der Regierung erhalten, auf dem sie lebten und wo sie etwas anbauen könnten.

ADRA arbeite seit fünf Jahren mit den Menschen in diesen Dörfern. Nach grossen Überschwemmungen, infolge derer ADRA Familien beim Wiederaufbau der Häuser unterstützte, begann ein langfristiges Ausbildungskonzept, um besonders die Frauen auszubilden und dadurch den Familien zu einem besseren Leben zu verhelfen, berichtete Wagner. In den Unterrichtsklassen hätten die Frauen nun lesen, schreiben und rechnen gelernt. Sie hätten sich gemeinsam zu Spar- und Kreditgruppen formiert. „Das funktioniert folgendermassen: Jede Woche treffen sich die Frauen und zahlen einen kleinen Betrag in den Sparfonds der Gruppe ein – das waren zu Beginn zum Beispiel zehn Cent“, informierte Wagner. Schon für diesen Betrag hätten sie bei ihren Männern um Geld bitten müsse. Langsam habe sich der Betrag gesteigert, da die Familien das Konzept des Sparens begriffen. In der Zwischenzeit hätten viele Gruppen Beträge von 600 bis 1.200 Franken angespart. Diese seien ständig in Form von Kleinkrediten an die Gruppenmitglieder im Umlauf. Die Frauen könnten sich Beträge von 25 bis 145 Franken ausleihen, um vor allem in einkommensfördernde Projekte zu investieren. So kauften sie zum Beispiel ein paar Ziegen, Hühner oder eine Nähmaschine, um damit Geld zu verdienen.

„Einige Frauen haben uns stolz erzählt, dass sie nun das Geld selber verdienen und nicht mehr ihre Männer oder Mütter um den regelmässigen Sparbetrag anfragen müssen“, betonte Wagner. Es gebe aber auch Männer, die ihren Frauen einen Teil des erarbeiteten Einkommens gäben, um noch mehr in die Sparkasse einzuzahlen. Die Kassenführerinnen hätten gelernt, wie man die Zinsen berechnet. Die Frauen wüssten, welchen Zinssatz sie für ihre Gruppe für Kredite festlegen könnten, der wiederum den Sparfonds ansteigen lasse.

Den Frauen sei die Problematik rund um den Klimawandel bewusst geworden. Sie wüssten, dass sie die gefährdeten Wälder rund um ihr Dorf schützten müssten, um auch ihre Felder vor Erosion zu bewahren und zu vermeiden, dass ihre Wasserquellen langsam austrockneten. Verschiedene Dorfbewohner und auch Leitungspersonen aus der Umgebung hätten an ADRA-Schulungskursen zur Weiterentwicklung von Dorf und Region teilgenommen. Im vergangenen Jahr seien zudem 900 Frauen im Anbau von Gemüse ausgebildet worden. Nun wüssten sie, wie sie in den Küchengärten hinter ihrem Haus wichtige Nahrungsmittel anbauen könnten, berichtete Corinna Wagner. Einige bebauten sogar als Gruppe gemeinsam grössere Flächen. Sie hätten durch den Verkauf ein eigenes Einkommen und könnten die Ernährung ihrer Familien deutlich verbessern.

ADRA Österreich habe im Mai 2014 gemeinsam mit einheimischen Kollegen die Frauen besucht, um mit ihnen zu besprechen, was verbessert werden könne und welche Probleme es noch gebe. Die Entwicklung, welche die Frauen gemacht hätten, sei beeindruckend, hob Wagner hervor. Die Frauen seien aus ihren früher verschlossenen Häusern herausgekommen, sie arbeiteten zusammen und wären neugierig, die Welt weiter zu entdecken. Sie tauschten ihre Erfahrungen aus und hätten heute eine Stimme in ihrem Dorf. Sie würden nun viel selbstbewusster für ihre Anliegen eintreten.

Doch manches müsste laut Wagner noch verbessert werden. Etwa die Vermarktung der Produkte, das unternehmerische Denken und die Vernetzung mit lokalen Dienstleistern und Kooperativen in der Region. Gewalt gegenüber Frauen in der Familie wäre immer noch ein Thema, stellte Corinna Wagner fest. Frauen bekämen erst langsam eine stärkere Stimme in der Dorfgemeinschaft. Ausserdem müsste die ökologische Nachhaltigkeit weiter betont werden, bis die einzelnen Aspekte in den Dörfern und von den lokalen Behörden umgesetzt würden.

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Medizinische Hilfe nach Überschwemmungen in Nepal

Wien/Österreich | 29.09.2014 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Mitte August kam es im mittleren Westen Nepals nach schweren Regenfällen zu Überschwemmungen. Über 100 Menschen starben und etwa 182.000 weitere verloren in den Regionen Banke, Dang, Bardiya und Kailali ihre einfachen Hütten samt Habe. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Nepal möchte 5.000 betroffene Familien (28.600 Personen) medizinisch betreuen, teilte die Mitarbeiterin von ADRA-Österreich, Corinna Wagner, mit.

Zwei Monate lang würden Ärzte und Krankenschwestern mit einer mobilen Klinik in die Dörfer kommen, bis die Gesundheitszentren vor Ort wieder in Betrieb seien. Schwere Fälle würden in Zusammenarbeit mit Ambulanzen in das Krankenhaus der Region gebracht, leichtere direkt betreut und mit den nötigen Medikamenten versorgt. Zudem sollten fünf zerstörte Gesundheitsposten Medikamente und eine medizinische Grundausstattung erhalten, um die Arbeit wieder aufnehmen zu können. An weiteren 45 abgelegenen Orten habe ADRA eine Erste-Hilfe-Ausrüstung stationiert und Verantwortliche ausgebildet, um kleinere Wunden behandeln zu können. ADRA Österreich unterstütze ADRA Nepal bei dem Vorhaben mit 24.000 Franken, so Corinna Wagner.

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Internet-Aktion „365 x Bild und Bibel“

Stuttgart/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Bibel

Ein Jahr lang, also 365 mal, jeden Tag ein Gemälde mit biblischem Motiv und einem Bibeltext dazu. Mit dieser Internet-Aktion startet die Deutsche Bibelgesellschaft am Reformationstag 2014 (31. Oktober) ins Themenjahr 2015 „Bild und Bibel“ der Lutherdekade. Auf der Startseite von www.die-bibel.de ist dann täglich in einem Vorschaufenster ein Ausschnitt vom „Bild des Tages“ mit der dazugehörigen Bibelstelle finden. Nach dem Anklicken des Vorschaufensters sieht der Betrachter das ganze Gemälde, erhält weitere Informationen dazu und den Bibeltext. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, eine kurze Bildeinführung zu lesen, das Bild noch einmal zu vergrössern und sich den Bibeltext vorlesen zu lassen.

Das Widget der Aktion „365 x Bild und Bibel“ könne von Kirchengemeinden sowie von anderen kirchlichen und kulturellen Einrichtungen in Deutschland kostenlos in die eigene Homepage eingebunden werden. Die Deutsche Bibelgesellschaft hat dazu die Lizenzen für die Darstellung der einzelnen Gemälde im Internet erworben – jeweils für die Dauer eines Tages. Das Widget lässt sich schnell und einfach in die eigene Website einbauen. Die Anleitung ist ab 1. Oktober 2014 bei der Deutschen Bibelgesellschaft unter www.die-bibel.de/bildundbibel zu finden.

Die europäische Kunstgeschichte kennt eine Vielzahl von Gemälden, in denen Bibeltexte ins Bild gesetzt werden. Vor allem die Reformation gab dazu einen starken Impuls. Die Bibel wurde als eine einzigartige und dauerhafte Inspirationsquelle für die bildende Kunst entdeckt. Neben christlich-religiösen Darstellungen widmeten sich die Künstler vermehrt einzelnen Motiven aus dem Alten und Neuen Testament. Dabei ist faszinierend zu sehen, wie die Inhalte der Bibel künstlerisch umgesetzt wurden: Eine biblische Geschichte wird in eine zeitgenössische Landschaft versetzt; eine Geste, eine Person, ein Geschehen wird in überraschender Weise fokussiert; eine Kernaussage der Bibel wird eigenwillig interpretiert.

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Deutsche Evangelische Allianz bestätigt Hartmut Steeb als Generalsekretär

Bad Blankenburg/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Personen

Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) hat auf seiner Sitzung in Bad Blankenburg den bisherigen Generalsekretär, Hartmut Steeb (60), einstimmig für eine neue Amtsperiode von sechs Jahren berufen. Steeb hat dieses Amt seit 1. April 1988 inne – zuerst in der damaligen Bundesrepublik Deutschland – und seit 1. April 1991 in der gemeinsamen Deutschen Evangelischen Allianz.

Hartmut Steeb ist Diplom-Verwaltungswirt (FH), hat nach seiner städtischen und staatlichen Ausbildung im Evangelischen Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gearbeitet, bevor er in den Dienst der Deutschen Evangelischen Allianz berufen wurde. In Verbindung mit seinem Amt in der DEA arbeitet Steeb in vielen bundesweit tätigen Vorständen der evangelikalen Bewegung mit, unter anderem als Vorstand der „Koalition für Evangelisation“ und als Vorsitzender des Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen.

Die Hauptvorstand genannte Mitgliederversammlung der Deutschen Evangelischen Allianz besteht aus 60 Mitgliedern, die in leitender Verantwortung in Kirchen, christlichen Gemeinden, Werken, Verbänden und örtlichen Allianzen stehen und jeweils für Amtsperioden von sechs Jahren gewählt werden. Sie kommen aus 13 verschiedenen Denominationen. Mehr als die Hälfte der Mitglieder, 31, gehören einer der Evangelischen Landeskirchen an. Der Geschäftsführende Vorstand besteht neben dem Vorsitzenden Dr. Michael Diener, dem 2. Vorsitzenden Ekkehart Vetter, dem Generalsekretär und dem Schatzmeister aus fünf weiteren Mitgliedern.

Die Evangelische Allianz hat sich 1846 als weltweiter Verbund in London konstituiert. Damit ist sie der am längsten bestehende Zusammenschluss evangelisch gesinnter Christen verschiedener Gruppen- und Gemeindezugehörigkeiten. Die Deutsche Evangelische Allianz versteht sich als ein Bund von Christusgläubigen, die verschiedenen christlichen Kirchen, Gemeinden und Gruppen angehören. Sie steht „unverkürzt zu den Heilstatsachen der Bibel und bekennt sich zur ganzen Bibel als Gottes Wort, ohne sich an eine bestimmte Inspirationslehre zu binden“. In Deutschland gibt es rund 200 selbständige diakonische, evangelistische, missionarische und seelsorgerliche Werke, die auf der Basis der Evangelischen Allianz überregional arbeiten, beziehungsweise sich mit ihr verbunden fühlen. Etwa 130 weitere Werke und Einrichtungen gehören zum Netzwerk der DEA.

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Langjähriger APD-Journalist geht in wohlverdienten Ruhestand

Ostfildern bei Stuttgart/Deutschland | 29.09.2014 | APD | Personen

Nach 28-jähriger Tätigkeit als Stellvertretender Chefredakteur der Zentralredaktion Deutschland der Nachrichtenagentur APD (Adventistischer Pressedienst) tritt Dr. phil. Wolfgang Tulaszewski zum 1. Oktober in den wohlverdienten Ruhestand. Der 1927 gebürtige Berliner promovierte 1955 an der Universität München in Germanistik und voluntierte anschliessend beim Evangelischen Pressedienst (epd) der bayerischen Landeshauptstadt. Viele Jahre war Tulaszewski Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung, wo er vorwiegend für den kirchlichen Bereich eingesetzt wurde. Beim epd übernahm er kurzfristig die Aufgaben eines Chefreporters. Anfang der 1970er Jahre absolvierte er nachträglich das Staatsexamen für den Höheren Schuldienst. Hier war er in Ingolstadt und München tätig.

Die Aufgaben von Wolfgang Tulaszewski beim APD umfassten lange Jahre die Berichterstattung des Deutschen Evangelischen Kirchentages, des Deutschen Katholikentages sowie der EKD-Synoden, Buchbesprechungen und Abschlusskorrekturen. APD-Chefredakteur Holger Teubert dankte dem Journalisten für seinen langjährigen, wertvollen und stets zuverlässigen Dienst. Sein Nachfolger ist der Diplom-Theologe Jens-Oliver Mohr (39).

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