APD-INFORMATIONEN 5/2015 - MAI 2015

Interreligiöser Dialog – Kardinal Koch und Rabbi Rosen im Gespräch - Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund - 110. Delegiertenversammlung

Basel/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Schweiz

Die Abendveranstaltung zur Eröffnung der 110. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG, am 13. Mai in der Grossen Synagoge Basel, war von den Themen „Dialog“ und „Sicherheit“ geprägt. Kurienkardinal Kurt Koch, Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum sowie Rabbiner David Rosen, Ehrenpräsident des Internationalen Rates der Christen und Juden, diskutierten in einem Podiumsgespräch zum Thema „Interreligiöser Dialog: Wohin?“

SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner begrüsste die Gäste aus den jüdischen Gemeinden, Vertreter anderer Religionen, Wirtschaftsvertreter sowie Politiker. Die antisemitischen Äusserungen im Jahr 2014 hätten gezeigt, dass „es wichtig ist, bei Anfeindungen Freunde um sich zu wissen“. Guy Rueff, Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), äusserte sich in seiner Begrüssung anerkennend für die Kampagne des Kantons "Basel zeigt Haltung: Für Offenheit und Fairness, gegen Fremdenfeindlichkeit“. Der Regierungspräsident des Kantons, Guy Morin, erwähnte diese Kampagne in seinem Grusswort als klares Zeichen gegen zunehmende Intoleranz und Antisemitismus. Yaron Nisenholz, IGB-Rabbiner, erwähnte das „Brachjahr“ - landwirtschaftliches Ruhejahr und Schuldenerlass – als biblisches Vorbild, um füreinander einzustehen und für Bedürftige zu sorgen.

Herbert Winter, Präsident des SIG, bezeichnete in der Tour d’horizon den Gemeindebund als „die Stimme der Juden in der Schweiz“. Globalisierung und Internationalisierung hätten die Interessensvertretung des SIG komplexer gemacht. Es gelte inhaltlich selbstbewusst, in der Form aber bescheiden aufzutreten. Der zunehmende Antisemitismus im 2014 sei nicht das Produkt einiger Wirrköpfe gewesen, dafür hätten sich zuviele beteiligt. Der SIG müsse den Dialog verstärken, fühle sich aber bezüglich Sicherheit manchmal im Stich gelassen. Winter verdankte die am gleichen Tag erschienene Stellungnahme der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission (JRGK) und der Evangelisch-jüdischen Gesprächskommission (EJGK). Diese enthält laut den Kommissionen einen von „Sorge und Solidarität“ geprägten Aufruf an den Bundesrat, „die konkreten Sicherheitsmassnahmen für die jüdischen Gemeinden und Einrichtungen, wie Synagogen und Schulen, in der Schweiz durch mehr Ressourcen und Koordination zu verbessern“.

Interreligiöser Dialog: Wohin?
Im Podiumsgespräch zum Thema „Interreligiöser Dialog: Wohin?“ fragte der Moderator Gabriel Strenger, Jerusalem, nach der Bedeutung der vom 2. Vatikanischen Konzil 1965 verabschiedeten Erklärung „Nostra Aetate“ (deutsch: In unserer Zeit). Darin erteilt die römisch-katholische Kirche unter anderem dem kirchlichen Antijudaismus eine Absage. Das Bedeutungsvolle des Dokuments liege in der Feststellung des gemeinsamen Erbes sowie der gemeinsamen Wurzeln von Juden- und Christentum, meinte Kurt Koch. Die Konzilserklärung stelle einen radikalen Wandel in der Einschätzung der Juden von „Verfluchten“ zu „älteren Brüdern“ dar, so Rabbiner Rosen.

Beschneidung
Antisemitismus zeige sich auch in versteckter Form, als Verbot der Beschneidung oder von koscherem Essen, warf der Moderator ein und bat, dies zu kommentieren. Religionsfreiheit habe in der heutigen Gesellschaft ein doppeltes Problem, so Kurt Koch: Es sei wenig Wissen über andere Religionen vorhanden und die Religionsfreiheit werde eher als sekundäres Menschenrecht und nicht als eines der grundlegenden Menschenrechte angesehen. Die Beschneidung sei Teil der jüdischen Identität. Wer sie verbiete, verbiete jüdische Identität.

Judenmission
Ob das römisch-katholische Christentum auf Grund des Dokuments „Nostra Aetate“ die Judenmission aufgegeben hätte, wollte der Moderator Gabriel Strenger wissen. Der Kurienkardinal hielt fest, dass seine Kirche keine organisierten Anstrengungen zur Judenmission betreibe. Es gäbe aber konservative Katholiken, die zu alten Positionen hinter „Nostra Aetate“ zurückkehren wollten. Diese Minderheit sei gleichzeitig auch gegen die Konzilserklärung zur Religionsfreiheit oder gegen die Kollegialität unter den Bischöfen. Die Päpste nach dem 2. Vatikanischen Konzil hätten die Kontakte mit dem Judentum gefördert, Konzentrationslager, die Gedenkstätte Yad Vasehm und die Klagemauer in Jerusalem sowie die Synagoge in Rom besucht. Franzislus habe gesagt, dass man nicht Antisemit und Christ sein könne. Die Konzilserklärung „’Nostra Aetate’ is a point of no return“, so Koch, an dem in Englisch geführten Gespräch.

David Rosen meinte, dass es auch „engstirnige“ Rabbis gebe, dass er aber unter seinen orthodoxen Kollegen feststelle, dass sie sich mehr und mehr dem Dialog mit den Christen öffneten. Der Dialog führe aber nicht zu einer Religionsvermischung, sondern man lerne den anderen und seine Sichtweise besser kennen und schätzen, waren sich die Gesprächspartner einig.

Jesus - Messias
Juden würden hin und wieder mit der Frage konfrontiert, was sie von Jesus hielten bzw. warum sie ihn nicht als Messias anerkennen würden, sagte der Moderator. Rabbiner Rosen bezeichnete Jesus als „loyalen Juden“, der ganz und gar Jude gewesen sei. Der Messias müsse, laut seinem Verständis der biblischen Texte, weltweiten Frieden bringen. Das sei mit Jesus nicht der Fall gewesen, weshalb er immer noch auf den Messias warte, so Rabbi Rosen.

Interreligiöser Dialog
Gefragt nach den persönlichen Auswirkungen des interreligiösen Dialogs meinte Rabbi Rosen, dass er alle verändere, die daran teilnehmen würden. Er sei durch Dialog zu einem „besseren“ Juden geworden, der sich der Stereotypen, die er über andere Religionen gehabt habe, bewusst geworden sei. Zudem habe ihn der Dialog für die Grösse Gottes geöffnet.

Auch er habe durch Dialog seinen Glauben besser kennen gelernt, sagte Kurt Koch und festgestellt, wieviel Altes Testament im Neuen enthalten sei und wie sehr das Neue Testament im Alten wurzle. Er sei durch Dialog ein „besserer“ Christ geworden.

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Ja zum Menschen - Nein zur Präimplantationsdiagnostik

Freiburg, Bern/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Schweiz

Die Schweizer Bischöfe, der Schweizerische evangelische Kirchenbund (SEK), die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA.RES), die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) sowie zwei christliche Parteien sind gegen die Änderung der Bundesverfassung in der Volksabstimmung vom 14. Juni, welche die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) möglich machen würde.

Die Ausgangslage sei tragisch, stellen die Schweizer Bischöfe in einer Medienmitteilung fest: Es geht um das Leid eines Paares, das voraussichtlich eine schwere Krankheit vererbt. Als Lösung für dieses Problem werde die Methode der Präimplantationsdiagnostik präsentiert. Doch schaffe diese Methode mehrere gravierende Probleme: „Mit der PID wird nicht die Krankheit behandelt. Diese wird umgangen, indem die Embryonen als Träger der Krankheit beseitigt werden.“ Das könne man nicht rechtfertigen.

Zudem benötige die PID eine unbeschränkte Produktion von Embryonen, damit eine Wahl unter diesen getroffen werden könne. Dies werde als „liberale Eugenik“ bezeichnet. Ausserdem sei die PID eine Selektionstechnik, bei der man sich das Recht anmasse zu entscheiden, wer es verdiene zu leben und wer nicht.

Der menschliche Embryo, der als eine Person betrachtet werden müsse, erhalte seinen maximalen Schutz am Besten durch die aktuell gültige Bestimmung der Bundesverfassung. Darin heisst es: „Es dürfen nur so viele menschliche Eizellen ausserhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden, als ihr sofort eingepflanzt werden können“ (Art. 119). Wenn dieser Verfassungsartikel dem Vorschlag des Parlaments entsprechend geändert würde, hiesse das implizit, dass das Einfrieren der Embryonen zugelassen würde. Diese Kryokonservierung würde schwerwiegende ethische Probleme mit sich bringen, denn sie verletze unmittelbar die Menschenwürde.

Ein Nein zur Änderung der Bundesverfassung und damit zur PID würde laut den Bischöfen bekräftigen, dass in der Schweiz die Menschenwürde eines jeden menschlichen Wesens respektiert und bewahrt werden müsse.

Die Bischöfe verweisen in diesem Zusammenhang auf das Faltblatt der Kommission für Bioethik der Schweizer Bischofskonferenz:
http://www.kommission-bioethik.bischoefe.ch/hier-aktuelles/volksabstimmung-zur-praeimplantationsdiagnostik-pid

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK) lehnt PID ab
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund lehnt die Verfassungsrevision und damit die Präimplantationsdiagnostik ab. Der Kirchenbund schreibt in der Medienmitteilung vom 5. Mai: „Die genetisch begründete Selektion von Embryonen stösst in den hoch sensiblen und problematischen Bereich der Eugenik vor, d.h. der künstlichen Selektion von Menschen. Deshalb muss eine klare und strikte rechtliche Regelung für die Anwendung von PID geschaffen werden. Die vorgelegte Revision erfüllt diese Forderungen nicht. Menschliches Leben darf keiner Qualitätskontrolle unterliegen.“

SEK-Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik: „Kinder sucht man sich nicht aus“:
http://ow.ly/MO2kM / SEK-Themenseite mit Videoclip zur PID: http://ow.ly/MO2dC

Schweizerische Evangelische Allianz lehnt die Präimplantationsdiagnostik ab
„Leben lieben, heisst Embryonen schützen“, schreibt die Evangelischen Allianz in ihrer Medienmitteilung. Der Umgang mit Embryonen, sei Umgang mit beginnendem menschlichem Leben.

Der Kinderwunsch von kinderlos gebliebenen Eltern sei verständlich und es sei auch legitim, dass Eltern medizinische Hilfe in Anspruch nehmen würden, um möglichst gesunde Kinder zu bekommen. Dieser Wunsch dürfe aber nicht isoliert von den grundlegend menschlichen Aspekten des Lebens gesehen werden. „Mit der möglich werdenden Auswahl von menschlichem Leben werden Grenzen überschritten, die nicht mehr kontrollierbar sind und die Entwicklung der Gesellschaft auf eine gefährliche Bahn bringen. Zudem bedeutet jede Vernichtung eines Embryos auch die Vernichtung von werdendem menschlichen Leben“, so die SEA-Medienmitteilung

Evangelisch-methodistische Kirche ist gegen die Präimplantationsdiagnostik
Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) spricht sich gegen die Präimplantationsdiagnostik aus: „Die PID ist aus Sicht der EMK ein Instrument der Selektion. Es schafft die Voraussetzung für eine Unterscheidung zwischen ‚lebenswerten’ und ‚nicht lebenswerten’ Menschen“, so die EMK in einer Medienmitteilung. Eine Annahme der Verfassungsänderung würde für die humane Zukunft der Gesellschaft „falsche Signale setzen“. Die Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen würde verringert, so die EMK und Eltern mit behinderten Kindern müssten sich vermehrt der Frage stellen, warum sie diese gezeugt hätten.

Stellungnahmen christlicher Parteien
Nach Aussagen von Marianne Streif, Parteipräsidentin der Evangelischen Volkspartei (EVP), gegenüber Radio Life Channel, lehne ihre Partei die PID klar ab, weil damit zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben entschieden werden müsse.

Auch die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) lehne die Verfassungsänderung massiv ab, sagte Parteipräsident Hans Moser im Interview mit Radio Life Channel. Er befürchte, dass mit der Annahme der Präimplantationsdiagnostik die vorgeburtliche Untersuchung auch für natürlich gezeugte Embryonen zum Regelfall würde und später, mit dem Argument der Kostenersparnis, zur Pflicht.

Beat Bloch, Vizepräsident der Christlich-sozialen Partei (CSP), sagte gegenüber Life Channel, dass der Parteivorstand die Verfassungsrevision nicht bekämpfe, dass es aber wahrscheinlich Mitglieder gebe, die sie ablehnen würden.

Am 25. April hat die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) an ihrer Delegiertenversammlung in Brugg/AG mit 120 zu 83 Stimmen die Ja-Parole zur Verfassungsänderung beschlossen.

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Interreligiöse Kommissionen fordern mehr Schutz für jüdische Gemeinden

Bern/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Schweiz

In der Schweiz und in Europa hätten 2014 antisemitisch motivierte Gewalttaten und Drohungen deutlich zugenommen, heisst es in einer Medienmitteilung der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission (JRGK) und der Evangelisch-jüdischen Gesprächskommission (EJGK). Sie richten in einer Stellungnahme vom April 2015, die am 13. Mai publiziert wurde, einen von Sorge und Solidarität geprägten Aufruf an den Bundesrat, „die konkreten Sicherheitsmassnahmen für die jüdischen Gemeinden und Einrichtungen, wie Synagogen und Schulen, in der Schweiz durch mehr Ressourcen und Koordination zu verbessern“.

Sorge aus Solidarität
„Die jüdische Gemeinschaft ist Bestandteil der Schweizer Gesellschaft und Geschichte“, heisst es in der Stellungnahme. Sie leiste einen wertvollen Beitrag zur Schweizer Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft, was zu Dank und Solidarität verpflichtet. Die jüdischen Bürger und Bürgerinnen sollten mit dem Gefühl von Sicherheit und mit dem Wissen um ihren staatlichen Schutz in der Schweiz leben können, so die Stellungnahme.

Die beiden Gesprächskommissionen (JRGK & EJGK) identifizierten sich mit dem Sicherheitsbedürfnis der jüdischen Gemeinden in der Schweiz und engagierten sich für die jüdisch-christliche Zusammenarbeit im Zeichen des gegenseitigen Respekts und der interreligiösen wie kulturellen Verbundenheit von Judentum und Christentum.

Antisemitismusberichte des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) und der Coordination Intercommunautaire Contre l’Antisémitisme et la Diffamation (CICAD). Massnahmen gegen Antisemitismus: www.antisemitismus.ch

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100. Jahrestag zum Genozid an den Armeniern - schwieriges Gedenken

Zürich/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Schweiz

Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen AGCK in der Schweiz zum 100. Jahrestag des Völkermordes an den Armeniern am 24. April 2015.

Der Mord an rund 1,5 Millionen Armeniern und Armenierinnen gilt als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts, heisst es in der AGCK-Medienmitteilung. Viele seien auch an den Folgen der grausamen Deportation, den Todesmärschen gestorben. Gleichzeitig hätten die türkischen Behörden eine Zwangsislamisierung an der zweitgrössten christlichen Minderheit im Osmanischen Reich betrieben.

„Die theologischen, sozialen, politischen und psychologischen Folgen dieses Genozids sind bis heute gegenwärtig“, so die Arbeitsgemeinschaft. Verstärkt werde das Gedenken durch die gegenwärtige Christenverfolgung in Syrien. Die historische Aufarbeitung sei schwierig, da sich die Türkei bis heute weigere, das damalige Geschehen als Völkermord zu anerkennen und um eine Entschuldigung zu bitten.

Es handelte sich bei den Getöteten und Deportierten nicht ausschliesslich um orthodoxe Christen, sondern auch um Protestanten, darunter 167 Adventisten, wie der Adventistische Pressedienst APD Schweiz bereits am 8. März meldete:
http://www.stanet.ch/apd/news/archiv/10270.html

Armenische Gemeinden in der Schweiz
In der Schweiz gibt es laut AGCK in mehreren Kantonen aktive armenisch-orthodoxe Gemeinschaften, die dort auch in den kantonalen AGCKs mitarbeiten.
Genf: www.religionenschweiz.ch/bauten/hagop.html / Zürich: http://hayastan.ch/

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„Wohnen im Alter“ - Tätigkeitsbericht 2014 der Stiftung Alters- und Pflegeheim Örtlimatt, Krattigen

Krattigen/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Schweiz

Die Stiftung Alters- und Pflegeheim Örtlimatt, Krattigen/BE, hat den Tätigkeitsberichts 2014 der sozialen Stiftung, deren Träger die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz ist, publiziert.

Der Stiftungsrat ist überzeugt, dass sowohl Bewohnerinnen und Bewohner, Nachbarn als auch die politische Gemeinde Krattigen davon profitieren, dass „in unserer Institution unterschiedliche Persönlichkeiten und Fachpersonen motiviert und zielgerichtet zusammenarbeiten“, schreibt Micheal Urbatzka, Stiftungsratspräsident im Vorwort des Tätigkeitsberichts 2014. So könnten die Nachbarn im Speisesaal der „Oertilmatt“ das Mittagessen einnehmen oder kulturelle Veranstaltungen besuchen. Krattigen habe mit rund 1.000 Einwohnern ein „attraktives und vielschichtiges Angebot im Bereich ‚Wohnen im Alter’, so Roland Kübler, Heimleiter.

Neues Mehrfamilienhaus mit Alterswohnungen errichtet
Demnach konnten im November 2014 die ersten Wohnungen im neu erstellten Mehrfamilienhaus bezogen werden, das auf der vom Heim gegenüberliegenden Seite der Leissigenstrasse erstellt worden war. Gesamthaft bietet die Institution laut Roland Kübler, nebst den Zimmern im Alters- und Pflegeheim weitere 30 Alterswohnungen an. Wichtig sei auch die Nachbarschaftshilfe, bei der sich die Menschen gegenseitig helfen würden. Alle Bewohnerinnen und Bewohner von Alterswohnungen stehe eine direkte Ansprechsperson seitens des Altersheims zur Verfügung, die darum bemüht sei, „dass die Bewohnenden möglichst lange in ihrer Wohnung bleiben können“, so Kübler.

Umweltfreundliche Holzschnitzelheizung
Der Bau des dritten Mehrfamilienhauses mit Alterswohnungen habe die Möglichkeit geboten, die Heizanlage auf Holzschnitzel umzustellen, die aus dem Berner Oberland bezogen würden. Dies sei eine erneuerbare Energie und damit wesentlich umweltfreundlicher als das Erdöl, so Heinz Blaser, Leiter Technischer Dienst. Per Fernleitung würden nebst dem neu erstellten Haus auch das Gebäude des Advent-Verlags, das Personalhaus mit neun Wohnungen, das Kirchengebäude sowie das ganze Alters- und Pflegeheim beheizt.

Mit Ausflügen, Aktivierungen, religiösen und kulturellen Veranstaltungen, auf die Jahreszeiten angepassten Dekorationen sowie einem Essen, das nicht nur der „Nahrungsaufnahme dient“, versuchten Angestellte und Freiwillige das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner zu bereichern, so der Bericht.

Der Tätigkeitsbericht 2014 der Stiftung Alters- und Pflegeheim Örtlimatt kann heruntergeladen werden: http://oertlimatt.ch/heim.html

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Adventisten in Ungarn überwinden Kirchenspaltung

Pécel/Ungarn | 19.05.2015 | APD | International

Mit der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Vergangenheitsbewältigung und dem Aufbau einer vereinten Zukunft“ geht eine 40-jährige Kirchenspaltung der Adventisten in Ungarn zu Ende. Die dortige Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die „Christliche adventistische Gemeinschaft“ (KERAK) wollen Verletzungen der Vergangenheit heilen und miteinander ihre Zukunft gestalten.

Die gemeinsame Erklärung wurde am 23. April in Pécel bei Budapest von Pastor Tamás Ócsau, Präsident der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ungarn, und von Pastor János Cserbik, Präsident der KERAK, unterzeichnet. Darin werde, so der Pressedienst der adventistischen Kirchenleitung in Nord- und Südosteuropa „tedNEWS“, die Aufforderung der Bibel zur Einheit und Vergebung hervorgehoben und für beiderseitiges Fehlverhalten um Entschuldigung gebeten. Beide Seiten verpflichteten sich gemeinsam an der Zukunft zu bauen, um Gottes Auftrag, den er der Gemeinde Jesu anvertraut habe, zu erfüllen.

Laut „tedNEWS“ kam es 1975 während der Regierungszeit der Kommunisten zur Spaltung, als eine Gruppe junger Pastoren und Gemeindemitglieder die adventistische Kirchenleitung in Ungarn der Kollaboration mit der Regierung beschuldigte. Nach der Unruhe, welche die Kirche erschütterte, seien die meisten Mitglieder dieser Gruppe ohne stichhaltige biblische Gründe aus der Kirche ausgeschlossen worden. Während der kommunistischen Ära organisierten sich die Ausgeschlossenen als Untergrundkirche. Nach der politischen Wende in Ungarn (1989) wurden die Schismatiker als religiöse Gemeinschaft staatlich anerkannt und behielten in der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit der Mutterkirche ihre adventistische Identität bei. Vor 25 Jahren entstand daraus die Christliche adventistische Gemeinschaft (KERAK), welche sich in den folgenden Jahren immer stärker von der Mutterkirche distanzierte.

Obwohl nach der kommunistischen Ära der Vorwurf der Kollaboration mit der Regierung nicht mehr erhoben werden konnte, so „tedNEWS“, entfernten sich beide adventistischen Gemeinschaften immer mehr voneinander. Jahrelange Bemühungen der Weltkirchenleitung und der Leitung in Nord- und Südosteuropa (TED) der Adventisten konnten die Spaltung nicht beheben. Zwar hätten sich etliche Ortsgemeinden und auch Pastoren der KERAK der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten wieder angeschlossen, doch die Leitung der KERAK sei selbst nach intensiven Gesprächen um Einigung auf Distanz geblieben. Erst Gespräche mit einer neuen Generation von KERAK-Leitern im Jahr 2011 hätten einen Durchbruch erzielt, sodass jetzt die gemeinsame Erklärung unterzeichnet werden konnte.

Die Christliche adventistische Gemeinschaft (KERAK) in Ungarn besteht aus sechs Verwaltungsregionen mit 79 Gemeinden und 1.620 Mitgliedern.

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten wurde 1912 in Ungarn gegründet. Es versammeln sich 4.684 erwachsen getaufte Mitglieder in 105 Kirchengemeinden zum Gottesdienst. Die dortigen Adventisten unterhalten ein Theologisches Seminar, ein Verlagshaus sowie ein Alten- und Pflegeheim.

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Evangelische Friedensarbeit: „Entrüstet Euch!“

Bonn/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

Zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und zum 60. Jahrestag des Beitritts Deutschlands zur NATO haben der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) zu einer entschiedenen militärischen Abrüstung und zur Stärkung des zivilen Friedensengagements aufgerufen. Die Konsequenz aus diesen Jahrestagen könne nur heissen: „Entrüstet Euch!“

Angesichts der mehr als 60 Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs, die gerade für Deutschland eine besondere Verantwortung bedeuten würden, aber auch einer aktuell zu beobachtenden Aufrüstung und wachsenden Militarisierung sei ein entschiedenes Engagement für gerechten Frieden nötig, heisst es in dem gemeinsamen Aufruf der evangelischen Friedensarbeit und des EKD-Friedensbeauftragten. Dabei kritisieren die Unterzeichner, neben Renke Brahms auch der AGDF-Vorsitzende Horst Scheffler und der EAK-Bundesvorsitzende Dr. Christoph Münchow, die Rüstungsproduktion wie auch die Rüstungsexporte Deutschlands. Wichtiger sei, in die Friedensbildung und in den Aufbau friedenspolitischer Strukturen im In- und Ausland zu investieren.

Der EKD-Friedensbeauftragte wie auch AGDF und EAK fordern von Bundesregierung und Bundestag eine politische Umkehr. Dazu gehört ihrer Auffassung nach ein entschiedener Einsatz für Abrüstung auch mit der Bereitschaft zu einseitigen Schritten, keine Erhöhung des Bundeswehretats, stattdessen eine deutliche Mittelaufstockung für zivile Konfliktbearbeitung, Friedensbildung, soziale Aufgaben und den Umweltschutz. Weitere Forderungen der evangelischen Friedensarbeit an die deutsche Politik sind effektive Schritte hin zu einer atomaren Abrüstung innerhalb und ausserhalb der NATO, keine weiteren Genehmigungen von Rüstungsexporten in sogenannte Drittstaaten oder den Export von Kleinwaffen, ausserdem den weiteren Auf- und Ausbau von Versöhnungsprojekten, die deutliche Erhöhung des humanitären Engagements in der Flüchtlingsaufnahme sowie eine aktive Entwicklungspolitik in Krisen- und Kriegsgebieten.

Friedenssicherung bleibe auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs der vorrangige politische Auftrag der Staatengemeinschaft, betonen der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms wie auch AGDF und EAK. Mit den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof, der Menschenrechtskommission und zahlreichen internationalen Verträgen zur Waffenächtung gebe es zahlreiche Friedensinstrumente, die einen Krieg als Mittel zur Lösung von Konflikten überflüssig machen würden. „Als Christinnen und Christen stehen wir für diesen Weg ein“, heisst es in dem gemeinsamen Aufruf, der von 20 Vertretern aus Landeskirchen, Freikirchen und Friedensorganisationen mit unterzeichnet wurde.

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Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz

Bremen/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

An die Opfer der NS-Militärjustiz erinnert der ehemalige deutsche Wehrmachtdeserteur und Friedensaktivist Ludwig Baumann in einer „Erklärung zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus“.

Insgesamt seien während des Zweiten Weltkrieges über 30.000 Deserteure zum Tod verurteilt und davon rund 23.000 hingerichtet worden. Mehr als 100.000 von der NS-Militärjustiz verurteilte Soldaten hätten KZ, Straflager und Strafbataillon nicht überlebt. Erst in seinem Grundsatzurteil vom 16. November 1995 habe der Bundesgerichtshof die Wehrmachtjustiz als eine „Blutjustiz“ gebrandmarkt, „deren Richter sich wegen Rechtsbeugung in Tateinheit mit Kapitalverbrechen hätten verantworten müssen“. Doch nicht einer der Wehrmachtrichter sei in der Bundesrepublik Deutschland jemals bestraft worden.

Nach dem Krieg wären die Opfer der Militärjustiz als Feiglinge, Kriminelle und Verräter beschimpft und bedroht worden. Als Vorbestrafte hätten sie keine Chance auf eine sichere Zukunft gehabt. „Viele sind gedemütigt und entwürdigt verstorben“, beklagt Baumann. Erst im Mai 2002 wurden die Urteile wegen Desertion aufgehoben und erst im September 2009 die Urteile wegen Kriegsverrat. Das sei gegen den Widerstand der Bundeswehr geschehen. Laut Baumann wäre auch heute Kriegsverrat „ein Beitrag für den Frieden und eine gerechtere Welt“.

Aufgrund des „deutschen Angriffskrieges“ von 1939 bis 1945 mit mehr als 50 Millionen Toten ruft der Friedensaktivist zu gewaltfreiem Handeln und Einsatz für Gerechtigkeit, das Leben und den Frieden auf. Seine Erklärung ist im Internet zu finden unter: http://www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Pressemitteilungen/LBErklaerung20150508.pdf

Wegen Fahnenflucht zum Tod verurteilt
Als 19-Jähriger wurde Ludwig Baumann zur Kriegsmarine eingezogen. Am 3. Juni 1942 desertierte er zusammen mit einem Kameraden bei Bordeaux in Frankreich, weil er erkannt habe, „dass es ein verbrecherischer, völkermörderischer Krieg war“. Am Tag der Desertion verhafteten ihn deutsche Grenzposten. Am 30. Juni 1942 wurde er wegen „Fahnenflucht im Felde“ zum Tod verurteilt. Davon, dass das Todesurteil in eine zwölfjährige Zuchthausstrafe umgewandelt wurde, erfuhr Bauman erst nachdem er Monate in Todesangst in der Todeszelle eines Wehrmachtsgefängnisses verbracht hatte. Er kam als Häftling ins KZ Esterwegen im Emsland und danach ins Wehrmachtsgefängnis Torgau. Er überlebte den Einsatz in der sogenannten Bewährungstruppe 500 in besonders gefährdeten Abschnitten an der Ostfront.

Deserteure rehabilitiert
Nach der Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft hatte er es schwer in einer Gesellschaft, in der Deserteure noch immer als „Feiglinge“ geächtet wurden. 1990 gründete er mit etwa 40 noch lebenden Wehrmachtdeserteuren sowie einigen engagierten Wissenschaftlern und Historikern die „Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz“. Ziel der Vereinigung war eine Aufhebung der Unrechtsurteile gegen Deserteure, „Wehrkraftzersetzer“, „Kriegsverräter“, Selbstverstümmler und andere Opfer der NS-Militärjustiz durchzusetzen sowie deren vollständige Rehabilitierung. Das wurde mit dem Änderungsgesetz vom 23. Juli 2002 und dem Zweiten Änderungsgesetz vom 24. September 2009 des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile (NS-AufhG) von 1998 erreicht.

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70. Jahrestag der Befreiung – Lichtreklame brachte Erleichterung

Lüneburg/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

Zwei Zeitzeugen berichten in der Mai-Ausgabe der Freikirchenzeitschrift „Adventisten heute“ von ihren Eindrücken und Gedanken zur Nazi-Zeit und zum Kriegsende vor 70 Jahren.

Nach der ersten Ruhe kam das Nachdenken
„Irgendwann kam der Tag, an dem Soldaten in amerikanischen Jeeps vorfuhren und unser Rathaus besetzten. Wir bauten die Verdunklung ab, die erste Lichtreklame leuchtete am Abend und es wurde in unserer Strasse hell. In meiner Erinnerung war das ein grosses Glück!“ So schildert Gerhard Rühle aus Leipzig wie er als Jugendlicher das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte. Es gab keine Angst mehr wegen der Luftlagemeldung am Abend, ob die Bomber kommen werden. Es gab kein Bangen mehr, wenn von der Front wochenlang kein Feldpostbrief von unseren Leuten kam. Die zurückkehrende, allabendliche Helligkeit der Strassenbeleuchtung sei wie eine Entwarnung gewesen. Doch nach der ersten Ruhe kam das Nachdenken über all das, was geschehen war.

Auch Gerhard Rühle habe es als Zehnjähriger kaum erwarten können, beim „Jungvolk“ mitzumachen. Nach einem Jahr Bewährung durfte er das Fahrtenmesser tragen. Der Einmarsch in Polen wäre mit Grenzschikanen begründet worden, die man nicht mehr hätte hinnehmen können. Er sah damals Kriegsgefangene bei Ausschachtungsarbeiten. Einem liess er einen Schuhkarton mit Kartoffeln zukommen, weil ihm der Gefangene so Leid tat. „Am nächsten Tag fand ich dort einen schönen Fingerring aus Aluminium, den er aus Schrott gebastelt haben musste.“

Von den KZs habe er erst gegen Ende des Krieges gehört. Doch damals habe es geheissen: „Wenn das der Führer wüsste, würde er aber aufräumen!“ Viele hätten damals Uniformen getragen. „Sie waren nicht mehr nur sie selbst, sie gehörten dazu.“ Man habe sich mehr oder weniger arrangiert. „Wir sassen im Boot und draussen war der Feind.“ Sein Freund Hartmut, neben dem er im Gottesdienst sass, sei eines Tages eingezogen worden und bald darauf „fürs Vaterland gefallen“. Solche Nachrichten hätten damals zum Alltag gehört, die beklommen machten. Bei der Mitteilung „Vermisst“ sei manchmal noch ein Funken Hoffnung geblieben.

Mit 120.000 anderen Soldaten im Kriegsgefangenenlager
Der Ruhestands-Pastor Rudolf Götz schreibt: „Der 8. Mai 1945 war für uns Soldaten ein Freudentag, denn uns war bewusst geworden, dass das Töten an der Front und die Bombennächte endlich ein Ende hatten.“ Als 19-Jähriger wurde er in die Wehrmacht eingezogen. Im März 1945 kam er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Das Gefangenenlager in Bad Kreuznach zählte 120.000 Soldaten. Nur wenige Soldaten kamen in einem Zelt unter. Rudolf Götz und viele andere lagen auf dem freien Feld bei Schnee, Nachtfrösten, Regen und Wind. Der Hunger plagte sie. Täglich starben etwa 135 Soldaten an Hunger, Kälte, Entkräftung und Verzweiflung. Sie wurden in einem Massengrab in der Nähe beigesetzt.

Nach dem 8. Mai 1945 begann man, Soldaten zu entlassen. Zunächst nur welche aus den drei Berufsgruppen Eisenbahner, Bergarbeiter und Landwirte. Am 6. Juni 1945 hörte Götz seinen Namen über den Lagerlautsprecher mit der Aufforderung, zur Entlassungsbaracke zu kommen. „Das war eine Riesenfreude! Niemals werde ich diesen Tag vergessen!“ Da er Landwirt war, wurde er verpflichtet, in einem landwirtschaftlichen Betrieb zu arbeiten. Trotz Verwundung an der Front in den Vogesen und Kriegsgefangenschaft „bin ich Gott dankbar für seinen Schutz und seine Bewahrung“.

Erklärung der Adventisten zur NS-Zeit
Bereits vor zehn Jahren, im Mai 2005 haben die Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und Österreich eine gemeinsame „Erklärung zum 60. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945“ veröffentlicht. Darin beklagt die Freikirche „zutiefst, dass von unseren Ländern dieser furchtbare Krieg ausgegangen ist, der unermessliches Leid über die Menschheit gebracht hat – und dass auch Siebenten-Tags-Adventisten daran beteiligt waren“. „Dass der Charakter der NS-Diktatur nicht rechtzeitig und deutlich genug wahrgenommen und das widergöttliche Wesen der NS-Ideologie nicht klar erkannt wurde.“ „Dass sich in manchen unserer oder von uns verbreiteten Veröffentlichungen Aussagen finden, die Adolf Hitler huldigten und der rassistischen Ideologie des Antisemitismus in einer Weise Ausdruck gaben, die aus heutiger Sicht unfassbar ist.“ „Dass auch viele Siebenten-Tags-Adventisten an der Not und dem Leid ihrer jüdischen Mitbürger keinen Anteil nahmen.“

Weiter heisst es: „Wir bekennen aufrichtig, dass wir gegenüber dem jüdischen Volk, allen Verfolgten und vom Krieg Betroffenen und darüber hinaus auch gegenüber Adventisten in anderen Ländern durch unser Versagen schuldig geworden sind. Dafür bitten wir Gott und die noch lebenden Betroffenen demütig um Vergebung.“

Adventisten wollen deshalb dafür eintreten, „dass nie wieder ein Krieg gegen andere Völker von Deutschland oder Österreich ausgeht und dass niemand aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität oder Geschlecht ausgegrenzt und benachteiligt wird“. „Dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, sondern als bleibendes Mahnmal uns auch heute vor Augen steht.“ „Dass wir dazu fähig sind, die ‚Geister zu unterscheiden‘ und unseren Glauben auch dann mutig zu bekennen und konsequent zu leben, wenn wir unsererseits in die ‚Stunde der Versuchung‘ geraten.“

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Interreligiöse Initiative ruft 191 UNO-Staaten zum Atomwaffenverbot auf

Genf/Schweiz | 19.05.2015 | APD | International

Atomwaffen sind mit den Werten unserer jeweiligen Glaubenstraditionen unvereinbar“, sagten Vertreterinnen und Vertreter von rund 50 christlichen, buddhistischen, muslimischen und jüdischen Organisationen am 1. Mai vor der UNO. Die interreligiöse Erklärung, die in der deutschen Fassung am 7. Mai publiziert wurde, richte sich als gemeinsamer Aufruf an die 191 Regierungen, die dem weltweit grössten Abrüstungsabkommen angehörten. Der Aufruf, mitgetragen vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), wurde an der Konferenz zur Überprüfung des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) in New York im Rahmen von Referaten der Zivilgesellschaft gemacht.

„Wir erheben unsere Stimmen im Namen unserer gemeinsamen Werte von Menschlichkeit. Wir lehnen die unmoralische Geiselnahme ganzer Bevölkerungen ab“, heisst es in der Erklärung, welche an den Vereinten Nationen von Dr. Emily Welty, Vizevorsitzende der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten, übermittelt wurde. „Es besteht keine ausgleichende Notwendigkeit, welche die andauernde Existenz [von Atomwaffen] rechtfertigen würde, und noch weniger deren Gebrauch“, sagte Welty.

Die Unterzeichnenden aus Europa, Asien und Nordamerika würden in der Erklärung versprechen, ihre jeweiligen Glaubensgemeinschaften stärker auf die unmenschliche Natur von Kernwaffen aufmerksam zu machen. Sie würden die Regierungen dringend aufrufen, die Stimmen von Atombomben-Überlebenden nicht zu überhören und in einem „Forum, welches allen Staaten offen steht und von keinem blockiert werden kann“ Verhandlungen zu einem Atomwaffenverbot einzuleiten.

Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki
Der 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki spielte an der diesjährigen Konferenz zur Überprüfung des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) eine grosse Rolle, heisst es in der ÖRK-Medienmitteilung. An Plenarsitzungen, Seminaren und an einer öffentlichen Kundgebung hätten Überlebende des Atombombenangriffs – die meisten bereits über 80 Jahre alt – ihren Ruf zum Atomwaffenverbot wiederholt.

Seit der letzten Überprüfung des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) im Jahr 2010 hätten neue Nachweise über die katastrophalen humanitären, ökologischen und anderen Auswirkungen von Kernwaffen die Kluft zwischen den wenigen Atommächten und den 186 Staaten, die versprochen haben, nie solche zu besitzen, vertieft. Mit aktiver Unterstützung der Zivilgesellschaft, darunter der Kirchen, wachse die Dynamik zur Verbreitung eines Verbots durch die Mehrheit der Nichtkernwaffenstaaten. ÖRK-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen aus sechs Kontinenten hätten ihre Regierungen aufgefordert, an der diesjährigen NVV-Konferenz ihre Unterstützung für ein solches Verbot kund zu tun.

Aufruf zu einer NVV-Erklärung „Faith Communities Concerned about the Humanitarian Consequences of Nuclear Weapons“ (englisch):
http://www.reachingcriticalwill.org/images/documents/Disarmament-fora/npt/revcon2015/statements/1May_Faith.Communities%20.pdf

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Chemiewaffen weltweit ächten

Bonn/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

Auf die nach wie vor bestehenden Gefahren von chemischen Waffen hat die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hingewiesen. Trotz internationaler Abkommen spielten in aktuellen Konflikten wie in Syrien oder dem Herrschaftsgebiet der Terrororganisation IS chemische Waffen immer noch eine unheilvolle Rolle, mahnte der EAK-Bundesvorsitzende Dr. Christoph Münchow (Radebeul).

Es habe den Anschein, dass die Gefahren von Chemiewaffen vielen Menschen in der Gesellschaft nicht bewusst seien, meinte der Geschäftsführer der EAK, Wolfgang Burggraf (Bonn). Darum wäre es wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, welche abscheulichen Auswirkungen chemische Waffen mit sich bringen würden. Noch heute seien beispielsweise weite Landstriche in Vietnam kontaminiert und die Menschen würden dort noch 40 Jahre nach dem Einsatz chemischer Waffen unter Missbildungen, Krebs oder Herz- und Gefässerkrankungen leiden.

Gerade Deutschland habe eine besondere Verantwortung, auf die Gefahren von chemischen Waffen hinzuweisen, betonte Christoph Münchow. Vor 100 Jahren, im April 1915, sei es Deutschland gewesen, das im Ersten Weltkrieg bei Ypern (Belgien) als erster Staat Giftgas in einem Krieg eingesetzt habe und damit den Tod von Tausenden von Soldaten verursachte, erinnerte der EAK-Bundesvorsitzende. Schon damals wäre dieser Giftgaseinsatz ein Kriegsverbrechen gewesen, und damals sei ein Tabu gebrochen worden. Für Münchow ist die Konsequenz eindeutig: Chemiewaffen gehörten geächtet und alle Chemiewaffenbestände, die es heute immer noch gibt, müssten schnellstmöglich vernichtet werden.

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Methodisten gegen Rassismus und für Menschlichkeit

Berlin/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

Mit einem eindringlichen Appell gegen den weltweit zunehmenden Rassismus endete in Berlin die Tagung des Internationalen Bischofsrats der United Methodist Church (UMC), welche im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) trägt.

„Wir haben es hier mit der Macht der Dunkelheit zu tun“, erklärte der Präsident des Bischofsrats, Bischof Warner Brown, angesichts rassistischer Gewalt in den USA und anderswo. „Deshalb dürfen wir nicht länger schweigen.“ In den USA waren in den vergangenen Monaten etliche unbewaffnete junge Afro-Amerikaner durch gewaltsame Polizeieinsätze zu Tode gekommen – meist ohne Folgen für die Polizisten. Zahlreiche UMC-Bischöfe hätten bereits öffentlich zu friedlichen Protesten aufgerufen. Es sei aber wirkungsvoller, wenn der ganze Bischofsrat eine Erklärung abgebe, sagte Bischof Gregory W. Palmer aus Ohio. Dem folgte der Rat in der Überzeugung, dass Schweigen angesichts von Rassismus und Angst alles nur noch schlimmer mache. In der Erklärung gegen Rassismus fordern die Bischöfe alle Menschen in der UMC/EmK weltweit dazu auf, „über die eigenen rassistischen Vorurteile und den Missbrauch von Privilegien Busse zu tun“. Weiter heisst es in der Erklärung: „Als Kirche verpflichten wir uns erneut dazu, uns gegen Rassismus und für Menschlichkeit zu engagieren.“ Menschliches Miteinander könne nicht im Hinwegsehen über kulturelle und ethnische Unterschiede entstehen, „sondern indem wir die Vielfalt achten und allen Menschen mit Wertschätzung begegnen“.

In Europa Angst vor Einwanderern überwinden
„Gewalt und Unruhen sind die Sprache der Ungehörten“, sagte Bischof Julius Calvin Trimble (US-Bundesstaat Iowa). In vielen amerikanischen Städten sei das Verhältnis zwischen der Polizei und schwarzen Jugendlichen schon lange gestört. Die Kirchen vor Ort müssten hier vermittelnd eingreifen und die Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Europa stehe dabei vor ähnlichen Herausforderungen wie die USA. „Es gibt immer mehr Einwanderer, und das macht den Menschen Angst.“ Hier müssten die Kirchen den Menschen helfen, Unterschiede zu verstehen, sagte Trimble.

Bischöfin Wenner: Veränderungen positiv mitgestalten
Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, zog eine positive Bilanz der ersten Sitzung des UMC-Bischofsrats in der Bundesrepublik. Vieles sei anders gewesen als bei früheren Treffen, „weil die meisten Bischöfe und Bischöfinnen in einem anderen Kontinent und einem fremden Sprachraum waren“. Besonders die Begegnungen mit Berliner Kirchengemeinden und ökumenischen Partnern seien „sehr bereichernd“ gewesen, und die besondere Woche mit der Erinnerung an das Kriegsende vor 70 Jahren „hat uns an die Teilung Deutschlands, aber auch an gelungene Versöhnungsprozesse erinnert“. All das habe dazu beigetragen, Veränderungen positiv mitzugestalten und sich entschieden gegen Rassismus und für Einheit in Vielfalt einzusetzen. „So kann unsere Kirche durch die Gemeinden in aller Welt Menschen in die Nachfolge Christi rufen und zu Veränderungen zum Guten beitragen.“

UMC International
Von den weltweit etwa 80 Millionen Methodisten zählen zur United Methodist Church (UMC/EmK) zwölf Millionen Kirchenmitglieder, davon 7,7 Millionen in den USA, 4,2 Millionen in Afrika, 145.000 auf den Philippinen und 64.000 in Europa und Eurasien. Davon leben in Deutschland rund 32.000 Kirchgenmitglieder, in der Schweiz 8.000 und in Österreich 1.500. Organisiert sind die Regionen weltweit in 66 Bischofssprengeln, davon 46 in den USA und 20 in Afrika, den Philippinen und in Europa. Zum Bischofsrat gehören die 66 aktiven Bischöfe, darunter 15 Frauen, und 89 im Ruhestand befindliche Bischöfe.

In der Regel kommt der Bischofsrat in den USA zusammen. Jährlich findet mindestens eine Sitzung statt. Alle vier Jahre wird eine Tagung ausserhalb den USA durchgeführt. Der Präsident des Bischofsrats leitet die Ratssitzungen, hat über die anderen Ratsmitglieder aber keine besondere Autorität oder Weisungsbefugnis. Präsident des Bischofsrats ist Warner H. Brown jun., Bischof der Kalifornien-Nevada-Konferenz. Seine Vorgängerin als Ratspräsidentin war Bischöfin Rosemarie Wenner.

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„Auf die Lehrer kommt es an!“ - Bildungskongress der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt/Deutschland

Darmstadt/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

Über 160 Lehrpersonen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen vom 14. bis 16. Mai am ersten adventistischen Bildungskongress im Schulzentrum Marienhöhe der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten teil. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Auf die Lehrer kommt es an!“. Sie wurde vom Verbund adventistischer Schulen in Deutschland (VaSiD) durchgeführt.

„Je mehr Beschränkungen, desto mehr Beschränkte“
„Wer den Menschen misstraut, dass sie selber die richtigen Entscheidungen treffen können, muss sie mit Warnhinweisen umstellen“, gab Pastor Johannes Naether, Hannover, Vorsitzender der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, zu bedenken. Eine Lehrkraft müsse sich deshalb die Fragen stellen: Sehe ich im Kind oder Jugendlichen einen Menschen, der das Potential zur Mündigkeit und Selbstverantwortung in sich trägt und dem ich die Begleitung zur Entfaltung dieser Möglichkeiten bereitstelle? Oder sehe ich im Schüler eher jemanden, der vor seiner Unvernunft und seinen latent angelegten Schwächen bewahrt und geschützt werden muss? Lehrkräfte sollten sensibel mit Vorschriften und Regeln umgehen. Naether formulierte es drastisch: „Je mehr Beschränkungen, desto mehr Beschränkte.“ Die Grundausrichtung Vertrauen oder Misstrauen sei entscheidend, um helfen zu können, die Persönlichkeit der Schüler und Schülerinnen herauszubilden.

Der Leiter des Schulzentrums Marienhöhe, Gunter Stange, ergänzte: Es gelte die Lehrpläne auf das „wahre Leben“ umzuschreiben, um den Lehrstoff einer künftigen Generation zu vermitteln.

Veränderungen sind möglich, wenn die Realität anerkannt wird
In einem Grundsatzreferat befasste sich Dr. Thomas Steininger, Darmstadt, mit der Frage: „Was macht eine für Schüler förderliche Lehrerpersönlichkeit aus?“ Der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut mit eigener Praxis, Schulpsychologe am Schulzentrum Marienhöhe sowie Professor für Kinder- und Jugendlichenseelsorge und Psychotherapie an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, ging von der Grundannahme aus: „Jeder Mensch hat im tiefsten Inneren den Wunsch, ganz und gar erkannt und trotzdem ganz und gar geliebt zu werden.“ Dazu gehöre, dass sich ein Kind mit einem reifen Erwachsenen identifizieren möchte, wenn dieser von den Wachstumsmöglichkeiten des Kindes überzeugt ist. Veränderungen seien nur möglich, wenn die Realität anerkannt werde wie sie ist und nicht, wie man sie gerne hätte.

Über Werte ins Gespräch kommen
Dr. Thomas Bürger, Oberstudienrat am Institut für Sozialpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Giessen, befasste sich mit der Rolle von Werten beim Unterrichten. Er stellte fest, dass ein Wandel von Werten gleichzeitig mit einem Werteverlust verbunden wäre. Werte seien aber auch kulturell bedingt. Die PISA-Studien zeigten für Deutschland, dass hierzulande Schüler bessere Leistungen erbringen würden, wenn die Distanz zum Lehrer geringer ausfalle, die Individualität des Lernenden gestärkt werde und eine klare Struktur im Unterricht vorhanden sei. Doch das gelte vor allem für Schülerinnen und Schüler aus der heimischen Mittelschicht. Bei Lernenden, etwa mit Migrationshintergrund, könne die Freiheit zur Individualität dahin führen, dass die Lernbereitschaft abnehme. Deshalb gelte es über Werte ins Gespräch zu kommen, denn sie hätten ihre Berechtigung in den jeweiligen Kulturen.

Ganzheitliche Bildung
Heinz Schlumpberger, Tübingen, Abteilungsleiter für Bildung des Süddeutschen Verbandes der Siebenten-Tags-Adventisten, stellte das Leitbild für adventistische Schulen in Deutschland vor. Die Grundlage von Bildung und Erziehung sei dabei das christliche Menschenbild. Die Bildungsverantwortung adventistischer Schulen leite sich aus der Würde eines jeden Menschen als einzigartigem Geschöpf Gottes ab. Dazu gehöre die Entwicklung der Fähigkeiten und Begabungen, die Gott als Schöpfer jedem Einzelnen verliehen habe. Diese Begabungen sollten an adventistischen Schulen ganzheitlich, das heisst in kognitiver, körperlicher, seelischer, spiritueller und sozialer Hinsicht entdeckt und herangebildet werden. So würden Kinder und Heranwachsende zu mündigen, werteorientierten und gebildeten Mitgliedern der Gesellschaft erzogen und zum Dienst für die Gesellschaft auf der Grundlage christlicher Werte befähigt.

Schlumpberger wies darauf hin, dass adventistische Schulen von Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis besucht werden könnten.

In zehn Workshops hatten die Kongressteilnehmer die Möglichkeit, sich über neue Ideen und Anregungen im Schulalltag auszutauschen.

Adventistische Schulen weltweit
Die Siebenten-Tags-Adventisten unterhalten mit weltweit 7.842 Schulen – von der Grundschule bis zur Universität – das grösste protestantische Bildungsangebot einer Kirche.

Deutschland
In Deutschland betreibt die Freikirche die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg mit den Fachbereichen Theologie und Christliches Sozialwesen, das Schulzentrum „Marienhöhe“ Darmstadt, mit Gymnasium, Kolleg, Real- und Grundschule sowie Internate, die „Freie Adventschule Oberhavel“ Oranienburg-Friedrichsthal (Grundschule), die „Immanuel-Gesamtschule“ Oranienburg-Friedrichsthal, die „Andrews-Advent-Grundschule“ Solingen, die „Daniel-Schule“ Murrhardt/Baden-Württemberg (Grundschule), die „Elisa-Schule“ Herbolzheim-Tutschfelden/Baden-Württemberg (Grund- und Realschule), die „Josia-Schule“ Isny im Allgäu (Grund- und Hauptschule mit Realschulzweig), die „Advent-Schule“ Heilbronn (Grundschule) sowie die „Salomo-Schule“ Rastatt (Grundschule). Hinzu kommen fünf Kindergärten (Hamburg, Berlin, München, Fürth, Penzberg/Bayern) und eine Heilpädagogische Tagesstätte für Vorschulkinder in Neuburg/Donau.

Schweiz
In der Schweiz unterhält die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten die Privatschule „A bis Z“ in Zürich (Primar- und Sekundarschule) sowie die Privatschule Altavilla (Kindergarten und Primarschule) bei Murten im Kanton Freiburg.

Österreich
In Österreich gibt es an adventistischen Bildungseinrichtungen das Seminar Schloss Bogenhofen, St. Peter am Hart/Oberösterreich, Bezirk Braunau am Inn, mit Theologischem Seminar, Oberstufenrealgymnasium einschliesslich Instrumentalmusik und Sprachinstitut („Deutsch als Fremdsprache“). Privatschulen betreiben die Adventisten in St. Peter am Hart (Volks-/Hauptschule), Klagenfurt (Volksschule), Linz (Volks-/Hauptschule), Lustenau/Vorarlberg (Volks- und Neue Mittelschule) sowie in Wien (Volks-/Hauptschule).

Etliche dieser Schulen waren beim Bildungskongress in Darmstadt mit Informationsständen vertreten.

Die Freikirche unterhält ausserdem das Religionspädagogische Institut (RPI) zur Erstellung von Materialien für die Bereiche Kindergottesdienst und Religionsunterricht sowie zur Ausbildung von Familiendiakoninnen und -diakonen für deren Dienst in den Ortsgemeinden. Das Institut für Weiterbildung (IFW) ist der Theologischen Hochschule Friedensau angegliedert und richtet sich mit seinen Angeboten an Pastorinnen und Pastoren, an Führungskräfte und Personal in kirchlichen Dienststellen und Institutionen sowie an ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter in leitenden Aufgaben.

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„Lehrpersonen unter Druck“, „Medienscouts“, „Friedenspädagogik“ - Workshops beim adventistischen Bildungskongress

Darmstadt/Deutschland | 19.05.2015 | APD | International

Beim ersten adventistischen Bildungskongress vom 14. bis 16. Mai im Schulzentrum Marienhöhe der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt wurden zehn Workshops angeboten. Die mehr als 160 angereisten Lehrkräfte hatten so die Gelegenheit, sich über aktuelle Fragen ihres Berufsalltags auszutauschen.

Lehrpersonen unter Druck
Dr. Thomas Bürger, Oberstudienrat am Institut für Sozialpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Giessen, besprach mit Kollegen und Kolleginnen das Problem „Handeln unter Druck“. Lehrerinnen und Lehrer wollen Kinder fördern und unterstützen. Gleichzeitig müssen sie beurteilen und auswählen. Problematisch werde es, wenn Pädagogen unter Handlungsdruck gerieten und entscheiden müssten, welche Prioritäten sie setzen. Im Workshop waren sich die Teilnehmenden dieser Spannung bewusst und überlegten, wie sie auf der Basis christlicher Normen und Werte pädagogische Entscheidungen herbeiführen können.

Inklusion
Bei Hans-Jürgen Göbel, Förderschulkonrektor der Wichernschule in Mühltal bei Darmstadt, ging es um das Thema „Inklusion als Herausforderung für die Lehrer“. In einem inklusiven Bildungssystem lernen Menschen mit und ohne Behinderungen von Anfang an gemeinsam. Dabei wurden verschiedene Aspekte der Inklusion dargestellt und diskutiert.

Medienscouts
Wie „Medienscouts Orientierung im digitalen Dschungel“ bieten können, besprach die Diplom-Sozialpädagogin und Jugendreferentin der Adventjugend Mittelrhein, Dagmar Janssen, Darmstadt. Die zu Medienscouts oder –mentoren ausgebildeten Jugendlichen sollen Mitschülern und Freunden helfen, aufgeklärt und selbstbestimmt mit dem digitalen Netzwerk umgehen zu können.

Werte
„Zu welchen Werten und Verhaltensweisen ermutigt das Evangelium Lehrerinnen und Lehrer?“, fragte Dr. Christian Noack, Oberstudienrat mit den Fächern Religion und Geschichte sowie Pädagogischer Leiter am Schulzentrum Marienhöhe Darmstadt. Dabei brachte er die Begriffe Freude, Freiheit und Frieden ins Spiel.

Friedenspädagogik
„Friedenspädagogik in der Schule“ lautete das Thema von Dr. Horst Friedrich Rolly, Professor für Vergleichende Erziehungswissenschaften und Dekan für Sozialwesen an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg. Der Bogen spannte sich von der Gewaltbereitschaft in der Schule und Verhaltensregeln für Lehrerschaft und Schüler, über gewaltfreie Methoden der Konfliktbearbeitung, bis hin zur Mitwirkung von Jugendoffizieren der Bundeswehr im Unterricht.

Vorbild
„Wenn wir leben, was wir lehren, können wir andere lehren.“ Mit dieser Weisheit befassten sich Antje Schmidt, Fachleiterin Deutsch, und Frank Remke, Fachleiter Mathematik und Naturwissenschaften, an der adventistischen Immanuelschule in Oranienburg. Was Schüler von christlichen Lehrern an einer christlichen Schule erwarten, wurde anhand einer Umfrage unter Schülern dargestellt und diskutiert.

Bildungsaufsteiger
Auf die „Ungleichheit im Klassenzimmer“ wies Dr. Thomas Spiegler, Dozent für Soziologie und Sozialforschung an der Theologischen Hochschule Friedensau, hin. Der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg sei durch die PISA-Studien bekannt. Dennoch gebe es eine grosse Gruppe von Schülern, die trotz benachteiligter Ausgangsposition einen sehr erfolgreichen Bildungsweg vorzuweisen haben. Basierend auf den Daten einer umfangreichen Friedensauer Studie zu Bildungsaufsteigern wurde im Workshop der Frage nachgegangen, wie solche Wege zu Stande kommen und welche Rolle dabei Lehrerinnen und Lehrer spielen.

Achtsamkeit
„Wie lernen Kinder Vertrauen, Empathie und Solidarität?“ Mit dieser Frage befasste sich der Workshop von Dr. Thomas Steininger. Der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut mit eigener Praxis, Schulpsychologe am Schulzentrum Marienhöhe sowie Professor für Kinder- und Jugendlichenseelsorge und Psychotherapie an der Theologischen Hochschule Friedensau, bot die Gelegenheit, Konzepte der Achtsamkeit mit Kindern kennenzulernen und auszuprobieren.

Wertevermittlung
Um „Wertevermittlung und Lehrerpersönlichkeit an öffentlichen Schulen“ ging es Kathrin Weigert, Lehrerin für Deutsch und Englisch und Schulaufsicht am Klenze-Gymnasium in München. Dabei ging es um die Fragen: Welche christlichen Werte sind in der Gegenwart relevant für die Persönlichkeitsbildung der Heranwachsenden und für die Entwicklung unserer Gesellschaft im Ganzen? Wie können Lehrkräfte ganzheitlich orientierte christliche Werte vermitteln, ohne dabei subjektive Überzeugungen einseitig in den Vordergrund zu stellen? Welche Aspekte der Lehrerpersönlichkeit würden dabei die Werteentwicklung der Schüler besonders unterstützen?

Objektivität
Mit einem „Oder“ stellte Stefan Wilhelm, Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik am Schulzentrum Marienhöhe, die Behauptung infrage: „Lehrerpersönlichkeit in Mathematik und Naturwissenschaften. Bei uns zählen nur Fakten!“ Im naturwissenschaftlichen Unterricht würden einige Themen zwar existenzielle Fragen ins Spiel bringen, doch von der Lehrkraft werde erwartet, dass sie statt einer persönlichen Überzeugung den objektiven Blick behalte. Die Teilnehmer des Workshops tauschten sich darüber aus, ob und wie sich individueller Glaube und Werte mit wissenschaftlichem Anspruch vereinbaren liessen.

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Kirchliche Verkündigung in der säkularen Gesellschaft - Vom Beharren auf traditionellen Formen bis zum Aufgehen im modernen Humanismus

Bensheim/Deutschland | 19.05.2015 | APD | Ökumene

Die Kommunikation des Evangeliums in der säkularen Gesellschaft war das Thema der diesjährigen Konferenz des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) in Prag/Tschechien. Vom 7. bis zum 10. Mai kamen 25 protestantische Kirchenvertreter aus neun europäischen Staaten in der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder zusammen.

Tabita Landová, Dozentin am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Karlsuniversität Prag, zeichnete in ihrem Hauptvortrag zunächst das Bild der modernen Gesellschaften mit einer weltanschaulichen Multioptionskultur. Bildlosigkeit, Sprachlosigkeit und Gemeinschaftslosigkeit kennzeichne die Kirchgemeinden in der säkularen Gesellschaft. Landová unterschied anschliessend drei gängige Reaktionsmuster der Kirchen: Erstens das Beharren auf traditionellen liturgischen Formen und kirchlicher Praxis, die vor allem von katholischen, orthodoxen und teilweise auch lutherischen Theologen vertreten werde; zweitens ein evangelikaler Zugang, der die Moderne als gegensätzlich zu den christlichen Werten betrachte, sich zugleich jedoch moderner Kommunikationsformen bediene; und drittens ein „protestantischer Mainstream“, der methodisch und von den Verkündigungsinhalten her „in den humanistischen Tendenzen der Moderne“ aufzugehen drohe. Demgegenüber plädierte Landová dafür, Gottesdienste als „ein ausserordentliches Grenzereignis zu begreifen und zu gestalten“.

Zum Abschluss der Tagung am Sonntag feierten die Delegierten gemeinsam Gottesdienst in der deutschsprachigen evangelischen Kirche Sankt Martin in der Mauer unter der Leitung von Pfarrerin Andrea Pfeifer. Die Predigt hielt Professor Dr. Martin Friedrich, Studiensekretär der Gemeinschaft Europäischer Kirchen (GEKE) mit Sitz in Wien.

Die zur Tagung angereisten Delegierten kamen in diesem Jahr aus 14 unterschiedlichen protestantischen Kirchen in neun Ländern: Deutschland, Italien, Tschechien, Rumänien, Österreich, Ungarn, Finnland, der Slowakei und Frankreich. Träger des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) ist der Evangelische Bund in Deutschland und Österreich. Gastgeber war die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien. Die 53. Jahrestagung wird vom 21. bis 24. April 2016 bei der Evangelisch-Reformierten Kirche in Beregszász in der Ukraine stattfinden.

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Lutheraner und Adventisten initiieren in Rom einen Martin-Luther-Platz

Florenz/Italien | 19.05.2015 | APD | Religion + Staat

Zwei Jahre vor dem Reformationsjubiläum 2017 werde auch Rom einen Martin-Luther-Platz erhalten, meldete der Informationsdienst der evangelischen Kirchen in Italien, Notizie evangeliche NEV, in der April-Ausgabe. Der Platz soll an den Besuch des späteren Reformators in der ewigen Stadt erinnern.

Sechs Jahre nach der Eingabe an die Behörden im Jahr 2009 durch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien (CELI) und die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Italien (UICCA) habe der Stadtrat seine Zustimmung erteilt, in Rom einen Martin-Luther-Platz zu schaffen, so NEV. Die Kommission für Namensgebung habe bereits am 7. Juni 2010 eine zustimmende Antwort gegeben, nun sei aber auch die Örtlichkeit festgelegt. Im Monte-Quartier, im Stadtzentrum von Rom, soll im Colle Oppio Park, gegenüber vom Kolosseum, der „Martin-Luther-Platz – Deutscher Theologe (1483 – 1546)“ geschaffen werden.

Pastor Heiner Bludau, Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, sei erfreut, dass der Entscheid vor dem Jubiläum im Jahr 2017 gefasst worden sei, schreibt der Pressedienst NEV. Als über Luthers Besuch in Rom nachgedacht wurde, sei die Bedeutung dieses Aufenthalts in Rom für die Reformations- und die europäische Geschichte klar gewesen. „Einen Platz in Rom nach dem einflussreichen Reformator zu benennen, hat einen grossen symbolischen Wert“, sagte Pastor Bludau.

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Die vollständige Bibel ist jetzt in 542 Sprachen erhältlich

Biel/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Bibel

Laut dem aktuellen „Global Scripture Access Report“ des Weltbunds der Bibelgesellschaften (United Bible Societies, UBS) stellten im 2014 Übersetzungsteams der Bibelgesellschaften Bibelübersetzungen in 51 Sprachen fertig. Menschen aus 30 Sprachgebieten erhielten zum ersten Mal eine Bibel oder Bibelteile in ihrer Muttersprache.

Der Weltbund der Bibelgesellschaften wolle möglichst vielen Menschen die Bibel in ihrer Muttersprache zugänglich machen, so der Report. Demnach ist seit 2014 die vollständige Bibel in 542 Sprachen erhältlich, das Neue Testament in 1.324 Sprachen und einzelne biblische Schriften in 1.020 weiteren Sprachen. Damit gibt es in 2.886 Sprachen mindestens ein Buch der Bibel. Sprachforscher gingen von weltweit rund 6.900 lebenden Sprachen aus, das heisst von Sprachen, die von einer Sprachgemeinschaft verwendet werden.

Rekordjahr für die Bibelübersetzung
2014 sei für den Weltbund ein „Rekordjahr“. 51 Erst- und Neuübersetzungen sowie Revisionen von Bibeln oder Bibelteilen wurden im letzten Jahr von den Bibelgesellschaften fertig gestellt. Diese 51 Sprachen würden von insgesamt mehr als 1,3 Milliarden Menschen gesprochen, so der Report, davon seien rund 1,2 Milliarden Chinesen und 146 Millionen Angehörige anderer Sprachen. Eine Studienausgabe des Neuen Testaments in Hochchinesisch, Mandarin, habe somit die grösste Sprachgruppe erreicht.

Diese Fortschritte waren nach Angaben der Schweizerischen Bibelgesellschaft nur durch die Unterstützung vieler Spenderinnen und Spender möglich. Mit Spenden aus der Schweiz seien unter anderen Übersetzungen in den Ländern Georgien, Indien und Kambodscha unterstützt worden. Für 1,3 Milliarden Menschen weltweit gibt es laut dem Weltbund der Bibelgesellschaften noch keine vollständige Bibel in ihrer Muttersprache.

Erst- und Neuübersetzungen
Menschen aus 30 Sprachgebieten erhielten 2014 zum ersten Mal eine Übersetzung. Davon haben 18 Gebiete nun eine Vollbibel. Die grösste Sprachgruppe bei den Erstübersetzungen erreicht 3,1 Millionen Menschen in Malawi, welche die Bibel in der Bantusprache Yao erhielten.

21 weitere Übersetzungen, die 2014 abgeschlossen wurden, seien Neuübersetzungen oder Revisionen von vor Jahrzehnten übersetzen Bibeltexten. Da sich jede Sprache im Verlaufe der Zeit verändert, muss die Bibel immer wieder neu übersetzt oder revidiert werden. Bei Neuübersetzungen werde auf den Urtext zurückgegriffen und von Grund auf neu übersetzt. Der Übersetzungstyp werde dabei auch neu bestimmt, entweder nahe am Urtext oder eine eher kommunikative Übersetzung.

Weltbund
Der Weltbund der Bibelgesellschaften zählt 146 Mitglieder und ist in mehr als 200 Ländern aktiv. Zu den Mitgliedern gehört auch die Schweizerische Bibelgesellschaft. Aufgaben sind die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Bibel. Zurzeit arbeiten Bibelgesellschaften weltweit in mehr als 400 Übersetzungsprojekten der Bibel.
Weitere Informationen: www.die-bibel.ch

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„Flying Bible distribution“ - 60. Mitgliederversammlung der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB)

Egerkingen/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Bibel

Unter dem Motto „face THE book – 60 Jahre Schweizerische Bibelgesellschaft“ eröffnete Reto Mayer, SB-Präsident, am 12. Mai die jährliche Mitgliederversammlung in der reformierten Pauluskirche Egerkingen/SO. Die rund 45 Teilnehmenden waren mehrheitlich Delegierte von reformierten Kantonal- oder von Freikirchen sowie Einzelmitglieder.

In der zweistündigen Geschäftssitzung am Morgen wurde der Jahresbericht sowie die Jahresrechnung 2014 angenommen, welche mit einem Defizit von 44.792 Franken abschloss. Damit musste das zweite Mal in Folge auf die Reserven zurückgegriffen werden. Die Bibelgesellschaft stehe vor finanziellen Herausforderungen, heisst es im Bericht auf der SB-Website. 2014 ist ein Legat von 223.800 Franken eingegangen, die Einzelspenden sind jedoch tiefer als im Vorjahr ausgefallen.

„Flying Bible distribution“
Eva Thomi, Geschäftsleiterin der Schweizerschen Bibelgesellschaft, berichtete von einem „ungeplanten“ Projekt im Begegnungszentrum „Living Stones“, in Palästina, wo sich junge Menschen zum Bibelstudium und zur Freitzeitgestaltung treffen. Dort stellten die Leitenden des Zentrums fest, dass immer wieder Bibeln definitiv aus dem Büchergestell verschwinden, die nie mehr zurückgebracht würden. Man gehe davon aus, dass Jugendliche zu Hause ungestört die Bibel lesen wollten, so Thomi. Intern spreche man deshalb von diesem ungeplanten Teil des Projekts als von der „Flying Bibel distribution“ (Fliegende Bibelverteilung).

Orthodoxe Bibelübersetzung auf Deutsch
Gängige deutschsprachige Bibelübersetzungen fussten auf dem Text von Nestlé-Aland, der in den orthodoxen Kirchen als Vorlage für Übersetzungen nie verwendet worden sei, erläuterte Karl Klimmeck, stellvertretender Geschäftsführer der SB. In der orthodoxen Kirche werde immer die byzantinische Textfamilie verwendet, auf der auch die Liturgie und Theologie der Kirche fusse. Deshalb werde an einer orthodoxen Bibelübersetzung auf Deutsch gearbeitet. Zielsetzung sei vorerst ein „Evangeliar“, Text mit den vier Evangelien, herauszugeben.

Wahlen in den Vorstand
Neu in den Vorstand gewählt wurden Dr. theol. Soham Al-Suadi (34) und der evangelisch-reformierte Pfarrer Jakob Bösch (66). Frau Al-Suadi ist theologische Projektleiterin der Evangelisch-reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz und Assistentin für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Bern. Pfarrer Jakob Bösch ist Präsident der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Thurgau. Von 2004 bis 2013 war er Präsident der Schweizerischen Bibelgesellschaft.

Strategie der Schweizerischen Bibelgesellschaft
Die vom SB-Vorstand für 2012 bis 2016 ausgearbeitete Strategie der Bibelgesellschaft werde überprüft und hinsichtlich der abnehmenden Bedeutung der Bibel in der heutigen Gesellschaft angepasst, erläuterte Vize-Präsident, Martin Vogler. Es würden Ausstellungen durchgeführt, um die Bibel auch jungen Menschen bekannt zu machen oder zu aktuellen Problemen aus biblischer Sicht Stellung zu beziehhen, wie mit der Migrationsausstellung "Gott hat den Fremdling lieb". Zudem werde die SB am Jugendkongress "Explo" 2015 in Luzern mit einem Stand vertreten sein.

Im weiteren Sinne um die Strategie der Bibelgesellschaft ging es in der Podiumsdiskussion am Nachmittag. Unter der Leitung von Sonja Hasler, TV-Moderatorin in Auszeit, diskutierten Dr. theol. h.c. Peter Schmid, SEK-Vizepräsident; Pfarrer Heinz Bichsel, Leiter Fachstelle OeME-Migration der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn; Hansjürg Mark Wiedmer, Theologe und Chefredaktor der Reformierten Presse; sowie Karl Klimmeck, Theologe und stellvertretender Geschäftsführer der SB.

Ob es nach 60 Jahren des Bestehens die Bibelgesellschaft überhaupt noch brauche, war eine der Fragen. Heinz Bichsel fand, dass das Abnehmen der Relevanz der Bibel spürbar sei, es aber falsch wäre, wenn sich die Bibelgesellschaft zurückziehen würde, zumal dies den bereits jetzt sich ausbreitenden religiösen Analphabetismus in der Gesellschaft weiter fördern würde. Peter Schmid versteht die abnehmende Relevanz der Bibel als Kulturverlust. Trotzdem müsse sich die SB "massvoll entstauben". Es sei wichtig, dass die Bibel verantwortlich vermittelt werde, meinte Bichsel. Die Teilnehmer waren sich einig, dass dies vornehmlich die Aufgabe der Kirchen sei, die mit der Bibelgesellschaft zusammenarbeiten müssten.

Jahresbericht der Schweizerischen Bibelgesellschaft als Download:
http://ow.ly/MTsxa

Über die Schweizerische Bibelgesellschaft
Die Schweizerische Bibelgesellschaft wurde am 26. November 1955 in Aarau als Nachfolgerin des Bundes der Schweizerischen Bibelgesellschaften gegründet. Heute zählt sie 45 Kollektivmitglieder; darunter evangelisch-reformierte Kantonalkirchen, die Christkatholische Kirche, evangelische Freikirchen, kantonale Bibelgesellschaften, und christliche Gemeinschaften und Werke in der Schweiz, mit denen sie die Verantwortung für die Verbreitung der Bibel teilt. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist seit 1982 Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft.

Die Schweizerische Bibelgesellschaft ist ein Kompetenzzentrum für die Bibel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Sie unterstützt und fördert die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung von Bibeln, Bibelteilen und biblischer Literatur im In-und Ausland. Sie engagiert sich mit über 146 im Weltbund der Bibelgesellschaften (United Bible Society) zusammengeschlossenen nationalen Bibelgesellschaften dafür, die Bibel in verständlichen, modernen und den Bedürfnissen angepassten Formen zu den Menschen zu bringen.

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Grosse Schäden nach zweitem Erdbeben in Nepal

Kathmandu/Nepal | 19.05.2015 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Pastor Umesh Pokharel, adventistischer Kirchenleiter in Nepal, berichtete, dass das zweite Erdbeben von heute, 12:35 Uhr lokaler Zeit, mit einer Stärke von 7,3 auf der Richterskala, in der Hauptstadt Kathmandu grosse Schäden verursacht habe. Laut Medienberichten wurden Dutzende Tote und rund 1.000 Verletzte gemeldet.

Gegenüber der nordamerikanischen Kirchenzeitschrift Adventist Review AR erläuterte Umesh Pokharel, dass er mit lokalen Gemeindeleitern die geleisteten Nothilfeeinsätze des ersten Bebens vom 25. April, mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala, bei dem mehr als 8.000 Menschen gestorben sind, evaluiert und die nächste Phase der Hilfseinsätze besprochen habe. „Auf einmal bebte die Erde wieder und wir gelangten irgendwie ins Freie,“ so der nepalesische Kirchenleiter. „Wir werden Draussen übernachten“, so Pokharel. „Das Beben hat soviel zerstört!“

Nebst dem Hilfswerk der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Nepal, hat auch die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Nepal den Erdbebenopfern geholfen. Der nepalesische Kirchenleiter habe laut AR mit seinen Teams in entfernten Gebieten des Landes hunderte Zelte, Reissäcke, Instant-Nudeln und andere Hilfsgüter an adventistische Kirchenmitglieder und deren Nachbarn verteilt.

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ADRA verteilt Lebensmittel, Zelte und Zeltplanen in Nepal

Wien/Österreich | 19.05.2015 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Mitarbeiter der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Nepal haben 1.000 Nahrungsmittelpakete mit Reis, Linsen, Nudeln, Zucker, Salz und Öl an Familien in entlegenen Dörfern des Distrikts Dhading verteilt. Ein Paket reicht aus, um eine sechsköpfige Familie für zwei Wochen satt zu machen, informierte Marcel Wagner, Direktor von ADRA Österreich.

Ausserdem verteilte ADRA rund 2.200 Zeltplanen und 90 Zelte in Lalitpur, Stadt neben Kathmandu, in Dhading, Tal nordwestlich der Hauptstadt und in Kavre, Gebiet östlich der Metropole. Es sei dringend nötig, so Wagner, dass die betroffenen Familien jetzt genügend Material für den Bau von Unterkünften bekämen, da bald der Monsun beginne und es dann drei Monate ständig regne.

Zelte für Gesundheitsposten
Etwa 80 bis 100 Prozent der Gesundheitsposten in den vom Erdbeben betroffenen Gebieten seien zerstört. In Zusammenarbeit mit „GlobalMedic“ würden Grosszelte als Notbehelf für die zerstörten Gesundheitsposten zur Verfügung gestellt, damit das dortige Gesundheitspersonal weiterhin die Verletzten und Kranken betreuen könne und Geburten unter medizinischer Obhut stattfinden könnten.

ADRA organisiere gemeinsam mit dem adventistischen Scheer Memorial Hospital in Banepa mobile Gesundheitscamps. Das Gesundheitsteam dieser Camps werde von Dorf zu Dorf reisen und dort besonders schwangere Frauen betreuen und solche, die gerade ein Baby zur Welt gebracht haben. Zudem würden Laboruntersuchungen durchgeführt und Patienten psychosoziale Betreuung angeboten. Patienten, die eine komplexere Behandlung benötigten, würden ans Scheer Memorial Hospital weitergeleitet und dort behandelt.

„Ja, wir stehen unter Stress und haben selber auch Angst vor weiteren Nachbeben. Aber wir tun alles, um denen zu helfen, die alles verloren haben“, sagte Yuba Raj Chaudhary, interimistischer Direktor von ADRA Nepal.

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Dr. Hisham Maizar unerwartet gestorben

Zürich/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Personen

Dr. Hisham Maizar, Vorsitzender des Schweizerischen Rats der Religionen SCR und der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz FIDS, ist laut einer Medienmitteilung am Morgen des 14. Mai unerwartet gestorben.

„Mit grosser Bestürzung und Trauer haben wir erfahren, dass unser geschätzter Vorsitzender, Dr. Hisham Maizar, unerwartet gestorben ist“, so die SCR-Mitteilung, in der auch den Angehörigen das Beileid ausgesprochen wird. „Sein Tod ist ein grosser Verlust für den Schweizerischen Rat der Religionen“.

Hisham Maizar habe sich seit der Gründung des Rats im Jahre 2006 mit Herz, Bedacht und Engagement für den interreligiösen Dialog in der Schweiz eingesetzt. Ein besonders grosses Anliegen sei ihm der Einsatz für den religiösen Frieden gewesen.

„Wir verlieren mit ihm einen umsichtigen, humorvollen und liebenswürdigen Vorsitzenden, der sich klug, hartnäckig und immer respektvoll für die Ziele des Schweizerischen Rates stark gemacht hat.“ Maizar werde in guter Erinnerung bleiben, so der SCR.

Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz FIDS
“Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück (Quran 2/156)“, heisst es zum Abschied auf der Website der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz FIDS, deren Präsident Hisham Maizar war.

„Mit tiefster Traurigkeit müssen wir mitteilen, dass Dr. Hisham Maizar, im Alter von 73 Jahren von uns gegangen ist. Sein Tod ist nicht nur für die Familie, sondern für uns alle ein grosser Verlust. Möge ALLAH ihm einen schönen Platz im Paradies zuteilwerden und ihm Seine Barmherzigkeit erweisen. Amin“, so die Mitteilung auf der FIDS-Website.

Infos zum Schweizerische Rat der Religionen SCR: www.councilofreligions.ch
Infos zur Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz FIDS: www.fids.ch

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Neuer Verantwortlicher für Bildung und Theologie bei BROT FÜR ALLE

Bern/Schweiz | 19.05.2015 | APD | Personen

Pfarrer Jan Tschannen hat Anfang Mai 2015 die Nachfolge von Siegfried Arends als Verantwortlicher für Bildung und Theologie bei Brot für alle angetreten. Zu seinem Aufgabengebiet gehören auch sämtliche theologischen Bildungsaufgaben innerhalb der Ökumenischen Kampagne.

Jan Tschannen (30) hat ein Theologiestudium mit Vertiefung in Religious Studies absolviert. Danach leitete er die OeMe-Fachstelle (oekumenemissionentwicklung) des Kantons Aargau. 2013/14 sammelte er als Zivildienstleistender im Dienst von DM – échange et mission, einem Partnerwerk von Brot für alle, in Madagaskar Erfahrungen in der Animation und Betreuung von Jugendlichen und geistig behinderten Menschen. Jan Tschannen engagierte sich während zehn Jahren sowohl in der kirchlichen wie auch in der ausserkirchlichen Jugendarbeit.

Bis Ende Juni 2015 nimmt er ausserdem eine Stellvertretung als Pfarrer in der reformierten Kirche Thun-Strättligen wahr.

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