APD-INFORMATIONEN 7/2015 - JULI 2015

Schweizer Kirchen treten vor dem Bettag gemeinsam auf

Zürich/Schweiz | 21.07.2015 | APD | Schweiz

Verschiedene Kirchen und christliche Organisationen laden die Bevölkerung der Schweiz ein, am 19. September, dem Vortag des Bettags, in Bern öffentlich miteinander zu beten. Zum Anlass haben kirchliche Dachverbände zusammengefunden. Der Anlass auf der Grossen Schanze, über dem Hauptbahnhof Bern, findet nach 2013 zum zweiten Mal statt, heisst es in der Medienmitteilung der Trägerschaft.

Seit über 200 Jahren gibt es in der Schweiz einen Bettag, an dem Christinnen und Christen unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit von der Regierung aufgerufen werden, für das Wohl des Landes zu beten. Am Samstag, 19. September wollen sich Christen verschiedener Konfessionen und Gottesdiensttraditionen sowie aus allen Landesteilen auf der Grossen Schanze in Bern zu einer Gebetsveranstaltung treffen. Der Anlass dauert von 10.15 Uhr bis 12.15 Uhr.

Mit öffentlichen und stillen Geben wollten sie gemeinsam ausdrücken, dass sie gern bereit seien, die Verantwortung für Land und Leute mitzutragen, so die Initiatoren. Sie wollten für den Erhalt des Landes, die gesellschaftliche Entwicklung, die Politik, das kulturelle und wirtschaftliche Leben, den Erhalt des natürlichen Lebensraums, sowie für Frieden, Freiheit und Solidarität beten.

Während der Versammlung, die von einer interkulturellen Musikgruppe umrahmt werde, würden verschiedene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche kurze Statements zum Bettag abgeben.

Breite Trägerschaft
Gemeinsame Veranstalter sind die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kirchenbund (SEK) und der Bischofskonferenz (SBK), die Evangelische Allianz (SEA-RES), die Freikirchen Schweiz (VFG) und die Organisation „Gebet für die Schweiz“.
Website der Veranstalter: http://www.bettag-jeunefederal.com/

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Gottfried Locher wird neuer Vorsitzender des Rates der Religionen

Bern/Schweiz | 21.07.2015 | APD | Schweiz

Pfarrer Gottfried Locher wurde einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Schweizerischen Rates der Religionen ernannt. Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK wird Nachfolger von Hisham Maizar, der im Mai verstarb. Laut der SEK-Medienmitteilung wurde Montassar BenMrad von der Föderation islamischer Dachorganisationen, als stellvertretender Vorsitzender gewählt.

„Im Rat der Religionen arbeiten wir gemeinsam für eine Schweiz in Frieden“, betont Gottfried Locher. „Unser Land verändert sich, und mit ihm die religiöse Karte. Das verunsichert viele Menschen. Schwierige Fragen offen und ehrlich anzusprechen: Dafür steht der Rat der Religionen."

Die Auseinandersetzung mit anderen helfe, den eigenen Glauben besser verstehen und ausdrücken zu können. „Ehrlicher Dialog öffnet die Menschen dazu, trotz Meinungsverschiedenheiten den Frieden zu wahren“, fügt der Kirchenbundspräsident hinzu. An vielen Orten der Welt zeige sich aktuell die dringende Notwendigkeit, den religiösen Frieden zu fördern.

Gottfried Locher erinnert an das Erbe von Hisham Maizar. Der kürzlich verstorbene frühere Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz hat sich im Rat der Religionen viele Jahre lang dafür eingesetzt, die Muslime der Schweiz zu einen und ihnen eine Stimme zu verleihen. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger Dr. BenMrad", so Locher.

Schweizerischer Rat der Religionen
Der Schweizerische Rat der Religionen engagiert sich für den religiösen Frieden in der Schweiz und unterstützt den Dialog zwischen den Verantwortlichen der Religionsgemeinschaften. Er setzt sich zusammen aus den leitenden Persönlichkeiten der drei christlichen Landeskirchen, der jüdischen Gemeinschaft, der christlich-orthodoxen Gemeinde und islamischer Organisationen. Der Schweizerische Rat der Religionen, der auch Ansprechpartner für den Bundesrat und die Verwaltung ist, wurde 2006 auf Anregung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes gegründet.

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150 Jahre Heilsarmee - Jubiläumsfeier vom 1. bis 5. Juli in London

Köln/Deutschland | 21.07.2015 | APD | International

Ihren 150. Geburtstag feierte die international vertretene Heilsarmee („The Salvation Army“) vom 1. bis 5. Juli in der O2-Arena in London. Das Programm des Jubiläumskongresses bestand aus Ansprachen, Konzerten, Musicals, einem Filmfestival, Gebetstreffen und Seminaren.

Als eigentlicher Geburtstag der Heilsarmee gilt der 2. Juli 1865. An diesem Tag predigte der Methodistenpastor William Booth (1829-1912) erstmals im Rahmen einer Zeltmission der „Ostlondoner Christlichen Erweckungsgesellschaft“ in einem Armenviertel der britischen Hauptstadt. Sehr bald übernahm er gemeinsam mit seiner Frau Catherine die Leitung der Missionsbewegung, aus der später die in weiteren Städten aktive „Christliche Mission“ hervorging. „Booth wollte sich so effektiv wie möglich um die Menschen am Rand der Gesellschaft kümmern und legte entsprechend viel Wert auf eine straffe Organisation“, berichtete Andreas W. Quiring, Pressesprecher der Heilsarmee in Deutschland. Deshalb habe die Bewegung zunehmend militärische Züge angenommen und wurde 1878 schliesslich in „Die Heilsarmee“ umbenannt. Aus den Predigern wurden Offiziere, aus den Mitgliedern Soldaten, aus den Missionsstationen Korps und Vorposten.

„Die straffe Struktur sowie die revolutionären Methoden und auch die kompromisslose Hingabe der Salutisten, wie die Heilssoldaten auch genannt werden“, hätten laut Quiring zu einem stetigen Wachstum geführt. So dehnte sich bereits 1880 die Arbeit auf die USA und nach Australien aus. 1881 eröffnete die Heilsarmee ihr erstes Korps (erste Gemeinde) in Frankreich, seit 1882 ist sie auch in der Schweiz, seit 1886 in Deutschland und seit 1927 in Österreich aktiv.

„Suppe, Seife, Seelenheil“
Bereits während der Anfangszeit in den Elendsvierteln Ostlondons habe Booth erkannt, „dass man einem hungrigen Magen nicht predigen kann“. Deshalb hätte er unter anderem Suppenküchen, Notunterkünfte, Heime für Strafentlassene und ehemalige Prostituierte gegründet, informierte Andreas W. Quiring. Seitdem seien für die Heilsarmee Seelsorge und Sozialarbeit zwei Seiten einer Medaille: Wort und Tat, Glauben und Handeln, Spiritualität und dienende Hingabe wären gemäss dem alten Motto „Suppe, Seife, Seelenheil“ untrennbar miteinander verbunden. Ihren Auftrag sehe die Heilsarmee noch heute darin, das Evangelium von Jesus Christus zu predigen und menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen.

Heilsarmee weltweit aktiv
Inzwischen arbeite die Heilsarmee nach eigenen Angaben weltweit in 126 Ländern, verkünde das Evangelium in 175 Sprachen, habe über 1,7 Millionen Mitglieder und etwa 26.000 Offiziere (Geistliche). Weltweit unterhalte sie rund 450 Obdachloseneinrichtungen, 230 stationäre und 75 ambulante Sucht-Therapie-Programme, 1.350 Kindergärten und Tagesstätten, Kinderheime und Heime für Strassenkinder sowie Mutter-Kind-Häuser. Die Heilsarmee betreibe fast 700 Schulen und Universitäten, an denen etwa 19.500 Lehrer 686.000 Schüler unterrichten würden. In Deutschland zähle die Heilsarmee rund 1.300, in der Schweiz 4.100 und in Österreich 100 Mitglieder.

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Adventisten zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA

Silver Spring, Maryland/USA | 21.07.2015 | APD | International

Mit der landesweiten Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA am 26. Juni durch den amerikanische Supreme Court werden die Bundesstaaten verpflichtet, die Heiratsurkunden gleichgeschlechtlicher Paare, die in anderen Teilstaaten ausgestellt wurden zu anerkennen sowie auch im eigenen Staat gleichgeschlechtlichen Paaren Heiratsurkunden auszustellen. Der U.S. Supreme Court hat sich beim Urteil auf den 14. Verfassungszusatz, das Diskriminierungsverbot, berufen. Damit sind alle US-Bundesstaaten verpflichtet, den Entscheid umzusetzen. Die Kommunikationsabteilung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika hat dazu am gleichen Tag in einer Stellungnahme festgehalten, dass die Kirche an ihrer Glaubensüberzeugung festhalte, wonach die Ehe bei der Schöpfung durch Gott gestiftet sowie durch Jesus bestätigt wurde und in einer lebenslangen Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau bestehe.

“Obwohl die Kirche andere Auffassungen respektiert, wird sie weiterhin ihre biblisch begründete Überzeugung der Ehe, zwischen einem Mann und einer Frau, lehren und vertreten. Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist überzeugt, dass alle Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung Gottes Kinder sind und mit Zuvorkommen, Einfühlungsvermögen und christlicher Liebe behandelt werden sollen”, heisst es in der Stellungnahme.

Adventisten befürchten, das Urteil könne die Religionsfreiheit beeinträchtigen
Am 6. März 2015 hat die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten eine Eingabe (Amicus Brief) an den U.S. Supreme Court gemacht und für den Fall eines historischen Urteils zu Gunsten der gleichgeschlechtlichen Ehe gebeten, rechtlichen Schutz für religiöse Gemeinschaften vorzusehen. Diese könnten sonst nach dem Urteil, entgegen ihrer religiösen Überzeugung, an ihren Universitäten vor die Entscheidung gestellt werden gleichgeschlechtlichen Ehepaaren Wohnungen auf dem Campus zu vermieten oder Kapellen in Krankenhäusern für gleichgeschlechtliche Eheschliessungen zur Verfügung stellen zu müssen.

Es sei zwar sehr unwahrscheinlich, dass ein Urteil zu Gunsten der gleichgeschlechtlichen Ehe Pastoren, Imame und Rabbis zwingen könnte, solche Eheschliessungen zu vollziehen, sagte im März Todd McFarland, juristischer Berater der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten. Aus Sicht der Religionsfreiheit gebe es aber bei einem Urteil zu Gunsten der gleichgeschlechtlichen Ehe gravierende Bedenken für die die Adventistische Kirche, ihre Schulen, Krankenhäuser und Institutionen, wie die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA sowie die Adventistischen Gemeinschaftsdienste (Adventist Community Services), so McFarland.

Adventisten nahmen beim Prozess für keine der beiden Seiten Stellung
Da es bei diesem Urteil nicht direkt um Anliegen der Religionsfreiheit gehe, sondern um die zwei Fragen, ob die Bundesstaaten gleichgeschlechtlichen Ehepaaren Heiratsurkunden ausstellen müssen und ob in anderen Bundesstaaten geschlossenene gleichgeschlechtliche Eheschliessungen anerkannt werden müssten, habe die Kirche weder für die eine noch die andere Seite Position bezogen, heisst es in der nordamerikanischen Kirchenzeitschrift Adventist Review.

Stellungnahme der Adventisten zur Ehe, 1996 (Englisch): http://ow.ly/OV6s5

Amicus Brief (Eingabe) der Weltkirchenleitung der Adventisten und The Beckett Fund for Religious Liberty an den U.S. Supreme Court.
(Englisch): http://www.adventistreview.org/assets/public/news/2015-03/brief.pdf

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Frauenordination: Vorstände Deutscher Adventisten bedauern Entscheidung

Hannover u. Ostfildern/Deutschland | 21.07.2015 | APD | International

Die Vorstände des Nord- und Süddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten haben die Entscheidung der adventistischen Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) zur Frauenordination bedauert. Am 8. Juli hatte die Weltsynode in San Antonio, Texas/USA, mit 1.381 gegen 977 Stimmen den Vorschlag abgelehnt, es den 13 Divisionen, welche den Verbänden als Kirchenleitungen in den einzelnen Erteilen übergeordnet sind, zu überlassen, selbst zu entscheiden, ob sie Frauen zum Pastorendienst ordinieren.

Entscheidung respektiert – Suche nach angemessener Lösung
In der Stellungnahme heisst es: „Eine positive Antwort wäre aus unserer Sicht angemessen und überfällig gewesen und hätte dem mutigen (Pionier-)Geist der Adventbewegung besser entsprochen.“ Die Erklärung wurde unterzeichnet vom Norddeutschen Verband in Hannover von den Pastoren Johannes Naether (Präsident) und Friedbert Hartmann (Generalsekretär) sowie von Finanzchef Günter Brecht und vom Süddeutschen Verband in Ostfildern bei Stuttgart von den Pastoren Rainer Wanitschek (Präsident), Jochen Streit (Generalsekretär) und Werner Dullinger (Finanzchef).

Die Vorstände fügen hinzu: „Gleichzeitig respektieren wir den Willen der Mehrheit der Vollversammlung der Generalkonferenz.“ Sie betonen: „Wir treten jedoch entschieden jeder Form der Diskriminierung von Frauen entgegen. Wir glauben, dass Männer wie Frauen mit denselben Gaben ausgestattet werden, die für den Dienst als Pastor/Pastorin erforderlich sind. Deshalb werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Frauen als vollbeauftragte Pastorinnen in unseren Gemeinden einzusetzen.“ Die deutschen Freikirchenleiter ermutigen junge Frauen, sich an der adventistischen Theologischen Hochschule in Friedensau bei Magdeburg zum Dienst als Pastorin ausbilden zu lassen.

„Während wir die Entscheidung der weltweiten Generalkonferenz achten“, heisst es in der Stellungnahme, „respektieren wir ebenso den erklärten Willen regionaler Delegiertenkonferenzen, die mit grosser Mehrheit für die Ordination der Frau zum Predigtamt gestimmt haben. Für die daraus erwachsenden Spannungen suchen wir nach angemessenen Lösungen.“ Die Stellungnahme der beiden deutschen Verbände endet mit den Worten: „Wir werden auch in Zukunft alle Möglichkeiten nutzen, um die Verkündigung des Evangeliums durch Männer und Frauen zu stärken, und wissen uns darin mit der weltweiten Freikirche verbunden.“

Der Wortlaut der Stellungnahme ist im Internet zu finden unter: http://www.advent-verlag.de/cms/cms/upload/spezial/2015-SanAntonio/Frauenordination-Stellungnahme-NDV-SDV-nach-San-Antonio.pdf

Keine unterschiedlichen Standpunkte zur Frauenordination
Bereits im April 2012 hatten die Delegierten des Norddeutschen Verbandes während ihrer Vollversammlung in Geseke (bei Paderborn) mit 160 Ja- und 47 Nein-Stimmen beschlossen, dass innerhalb ihres Verbandes auch Pastorinnen, wie ihre männlichen Kollegen ordiniert werden sollen. Allerdings wurde dort bisher keine derartige Ordination vorgenommen.

2012 hatten neben dem Norddeutschen Verband vier weitere überregionale adventistische Kirchenleitungen Beschlüsse zur geschlechtsunabhängigen Ordination gefasst: Die „Columbia Union Conference“ im Osten und die „Pacific Union Conference“ im Westen der USA sowie die Niederländische und Norwegische Union. Die dänischen Adventisten folgten im Mai 2013.

Die Delegierten des Süddeutschen Verbandes hatten dagegen bei ihrer Vollversammlung am 6. Mai 2012 in Darmstadt den Antrag Frauen zu ordinieren mit 101 Ja- und 128 Nein-Stimmen abgelehnt. Wie deren damaliger Präsident, Pastor Günther Machel, in der August-Ausgabe 2012 der Freikirchenzeitschrift „Adventisten heute“ erklärte, hätten inhaltlich die beiden deutschen Verbände keine unterschiedlichen Standpunkte zur Frauenordination vertreten. Er betonte: „Wir sind für die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frauen im Pastorenamt.“ Nur im Vorgehen habe der Süddeutsche Verband anders entschieden, um einem Beschluss in San Antonio nicht vorzugreifen.

Auch der Exekutivausschuss der Intereuropäischen Division, die adventistische Kirchenleitung in West- und Südeuropa, sprach sich in seiner Herbstsitzung im November 2013 in Madrid einstimmig dafür aus, Frauen zum Pastorenamt „unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der unterschiedlichen Länder/Verbände“ zu ordinieren.

Bisherige Beschlüsse zum Dienst von Frauen in der Kirche bleiben bestehen
Noch während der Generalkonferenz-Vollversammlung in San Antonio hatte am 10. Juli der Präsident der Weltkirchenleitung, Pastor Ted N.C. Wilson, klargestellt, dass bisherige Beschlüsse zum Dienst von Frauen in der Kirche durch das Nein zur Frauenordination nicht aufgehoben seien. Frauen könnten nach wie vor auch als ordinierte Gemeindeälteste und „beauftragte“ Pastorinnen in der adventistischen Kirche tätig sein.

1974 beschloss der Exekutivausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), dass Frauen als örtliche, ehrenamtliche Gemeindeälteste ordiniert werden dürfen. 1977 beschloss der Exekutivausschuss, dass „beauftragte“, aber noch nicht ordinierte hauptamtliche Pastoren auch Funktionen eines ordinierten Pastors, wie Taufe und Abendmahl, in einer Ortsgemeinde ausüben können, wenn sie als Gemeindeälteste ordiniert wurden. Dadurch erhielten auch als Gemeindeälteste ordinierte Frauen die Möglichkeit, als hauptamtliche Pastorinnen „beauftragt“ zu werden und bestimmte Funktionen in einer Ortsgemeinde auszuüben. Voraussetzung war, dass sie wie ihre männlichen Kollegen ein Theologiestudium absolviert hatten.

Die Weltsynoden 1985 in New Orleans, Louisiana/USA, und 1995 in Utrecht/Niederlande bestätigten diese Praxis. Die Weltsynode 2010 in Atlanta, Georgia/USA, beschloss zudem die Ordination von Frauen als Diakoninnen. Männliche und weibliche Diakone sind in den Ortsgemeinden ehrenamtlich tätig.

Segnung aber keine Ordination
Dagegen hatte die 55. Weltsynode 1990 in Indianapolis/USA sich mit 1.173 Nein- und 377 Ja-Stimmen deutlich gegen eine Ordination von Frauen als Pastorinnen ausgesprochen. Die 56. Weltsynode 1995 in Utrecht/Niederlande entschied sich ebenfalls mit 1.481 zu 673 Stimmen gegen die Ordination.

Frauen können auch künftig nach ihrem Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist ausserhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit 18,5 Millionen Adventisten leben, umstritten.

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Evangelische Kirche Deutschlands bedauert „Bildersturm“

Hannover/Deutschland | 21.07.2015 | APD | International

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bedauert die Zerstörungen von religiösen Bildern während der Reformationszeit. Das stellten Theologen der EKD im bilateralen Dialog mit Vertretern des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel der Orthodoxen Kirche fest, der in der Hamburger Missionsakademie stattfand.

EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber, die Leiterin der evangelischen Dialogkommission, betonte für die evangelische Seite: „Im Themenjahr 2015 der Lutherdekade zu ‚Bild und Bibel‘ stellen wir fest, dass die Bilder in vielfältigsten Formen seit langem Ausdruck evangelischer Frömmigkeit geworden sind. Die Zerstörung von Bildern lehnt die Evangelische Kirche ab“.

Im sogenannten „Bildersturm“ der Reformation waren Gemälde, Skulpturen, Kirchenfenster und Orgeln von den Anhängern der Reformation vor allem in Süddeutschland, der Schweiz, England und den Niederlanden aus den Kirchen entfernt und vielfach auch zerstört worden. Reformatoren wie Huldrych Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) lehnten die Bilder als Götzendienst ab und beriefen sich dabei unter anderem auf die Zehn Gebote der Bibel.

Die Delegationen des Ökumenischen Patriarchats und der EKD hatten sich auf Einladung des Rates der EKD zu ihrer 16. Begegnung in der Missionsakademie an der Universität Hamburg versammelt. Erstmals behandelten sie das Thema „Bild“ aus evangelischer und aus orthodoxer Sicht. Das Ökumenische Patriarchat hat den Ehrenvorsitz aller orthodoxen Kirchen weltweit inne. EKD und Ökumenisches Patriarchat führen ihren Dialog seit 1969.

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29,5 Prozent Katholiken in Deutschland

Bonn/Deutschland | 21.07.2015 | APD | International

Von den 81,1 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, waren Ende 2014 29,5 Prozent oder 23.939.472 römisch-katholisch. Damit sank die Zahl der Katholiken gegenüber dem Vorjahr um 231.273.

Laut der Arbeitshilfe 275 „Katholische Kirche in Deutschland. Zahlen und Fakten 2014/15“, herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, traten im letzten Jahr 217.716 Katholiken aus ihrer Kirche aus, 38.911 mehr als 2013. Die katholischen Bestattungen werden für 2014 mit 240.262 angegeben. Die Zahl der Taufen erhöhte sich leicht von 164.664 (2013) auf 164.833. Davon waren rund 3.000 Erwachsene. Im vergangenen Jahr konnte die katholische Kirche in Deutschland zudem 2.809 Eintritte, davon 2.359 Evangelische, und 6.314 Wiederaufnahmen verzeichnen.

Der Gottesdienstbesuch ist zwar mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 10,9 Prozent angestiegen, 2012 war er allerdings noch bei 11,7 Prozent. Die Gesamtzahl der Priester beträgt 12.219 (2013: 12.336). Die Zahl der Pastoralreferenten und -assistenten hat sich auf 3.171 (2013: 3.140) ebenso wie die Zahl der Gemeindereferenten auf 4.526 (2013: 4.470) leicht erhöht.

Die Arbeitshilfe 275 kann im Internet heruntergeladen werden: http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/AH_275_DBK_Zahlen-und-Fakten_final.pdf

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„Jan Hus war ein wichtiger Wegbereiter der Reformation“

Hannover/Deutschland | 21.07.2015 | APD | International

Vor 600 Jahren, am 6. Juli 1415, wurde der böhmische Reformator Jan Hus als „Ketzer“ in Konstanz hingerichtet. Die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Kässmann, nahm an den offiziellen Gedenkfeiern in Prag teil. Sie erinnerte, dass Jan Hus neben Martin Luther und Johannes Calvin zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Reformationszeit zähle.

Margot Kässmann: Reformation ein Prozess, der lange vor Luther begann
„Reformation war ein breites Geschehen, eine Erneuerungsbewegung, die von vielen getragen wurde und schon im 15. Jahrhundert begann“, betonte Kässmann. Deshalb werde es im Jahr 2017 auch „keinen deutschen Lutherkult geben, sondern ein internationales Reformationsjubiläum“. Reformation werde „als Prozess erkennbar, der lange vor Luther und seinen Mitstreitern begann und bis heute fortdauert“.

Die Theologin erinnerte an Gemeinsamkeiten zwischen Jan Hus und Martin Luther. Beide hätten in ihrer jeweiligen Landessprache gepredigt – das „war ein entscheidender reformatorischer Impuls.“ Auch hätten beide Kritik am Zustand der Kirche in ihrer Zeit geübt, „als sie Korruption und Ablasshandel anprangerten. Allein die Bibel sollte religiöse Autorität haben und allein Christus sollte im Zentrum des Glaubens stehen.“ Beiden sei es um das „an der Bibel geschärfte Gewissen des Einzelnen“ gegangen“, erklärte Kässmann.

Die EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 folgte einer Einladung der „Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder“ und der „Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche“. Bei der offiziellen Gedenkfeier auf dem historischen Platz Prags, dem „Altstädter Ring“, sprach sie im Namen der EKD ein Grusswort.

Kampf gegen eine verweltlichte Kirche
Jan Hus wurde um 1370 in Husinec in Südböhmen geboren. 1390 kam er als Student an die Karls-Universität Prag und erlangte 1396 den akademischen Grad eine Magister Artium. 1400 wurde er zum Priester geweiht. Er lehrte als Professor Theologie und Philosophie und war von 1409 bis 1410 Rektor der Universität.

Bereits ab 1398 wurde Hus durch Hieronymus von Prag mit den Lehren des Oxforder Theologen John Wycliff vertraut. Dieser forderte aufgrund des sittlichen Verfalls des Klerus, dass die Kirche auf Besitz und weltliche Macht verzichten solle. Ab 1402 predigte Jan Hus zehn Jahre lang in der Bethlehem-Kapelle in der Prager Altstadt und führte das gemeinsame Singen während des Gottesdienstes in der tschechischen Landessprache ein. Er kämpfte für eine Reformation der verweltlichten Kirche, forderte Gewissensfreiheit in Glaubensdingen und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen.

1408 verbot der Erzbischof von Prag Jan Hus das Lesen der Messe und das Halten von Predigen. Doch der Reformator hielt sich nicht daran. Grosse Teile des Volkes standen auf seiner Seite. 1411 verhängte Papst Johannes XXIII. den Kirchenbann über Hus. Bald darauf erfolgte sein Ausschluss aus der Universität und Hus verliess 1412 Prag, um auf verschiedenen Burgen seiner adligen Unterstützer zu leben.

Hinrichtung in Konstanz
1414 reiste Jan Hus auf Drängen des böhmischen Königs Wenzel IV. und unter Zusicherung des freien Geleits durch den späteren Kaiser Sigismund zum Konstanzer Konzil. Dort traf er am 3. November ein, wurde jedoch schon am 28. November unter Bruch des freien Geleits eingekerkert. Seine Gegner versuchten Hus zum Widerruf seiner Lehren zu bringen. Doch der Reformator blieb standhaft.

Am 4. März 1415 verdammte das Konstanzer Konzil John Wyclif und seine Lehre. Da Wyclif damals aber schon 30 Jahre tot war, konnte das Urteil nicht mehr vollstreckt werden. Dafür wurde die Verbrennung seiner Gebeine angeordnet, was 1428 auch tatsächlich geschah.

Da Jan Hus davon überzeugt war, rechtgläubig zu sein und die Autorität des Konzils nicht anerkannte, wurde er am 6. Juli 1415 als Ketzer verurteilt. Er wurde der weltlichen Gewalt übergeben und am Nachmittag desselben Tages in Konstanz mit seinen Schriften verbrannt. Seine Asche streuten die Henker in den Rhein. Die Hinrichtung leitete Pfalzgraf Ludwig. Hieronymus von Prag, ein Schüler von Hus, wurde wegen Häresie am 30. Mai 1416 in Konstanz an der gleichen Stelle durch Verbrennen hingerichtet.

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Rund 62.000 Besucher bei adventistischer Weltsynode in San Antonio

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Mit dem Abendprogramm „Mission in Bewegung“ endete am 11. Juli die zehntägige 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio. Ein Filmrückblick stellte die weltweite Ausbreitung und Mission der Kirche seit der Gründung 1863 dar. Er wurde durch den Aufmarsch der entsprechenden Landesvertreter mit der Nationalflagge begleitet. Die Bürgermeisterin von San Antonio, Ivy R. Taylor, grüsste bei der Abschlussveranstaltung die Besucher im Alamodome und bedankte sich bei ihnen und den Veranstaltern für die gute Kooperation mit den Behörden. Am zweiten Samstag der Konferenz nahmen rund 62.000 Besucher am Gottesdienst teil, an dem auch ein Chor mit 1.200 Mitgliedern sang. Die Weltsynode stand unter dem Leitwort „Arise! Shine! Jesus is coming!“ („Mache dich auf! Werde Licht! Jesus kommt wieder!“).

Vom 2. bis 11. Juli nahmen die 2.482 registrierten Abgeordneten aus 164 Ländern Rechenschaftsberichte der vergangenen fünf Jahre entgegen, beschlossen Änderungen in der Gemeindeordnung und wählten die Verantwortungsträger der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) sowie der 13 Kirchenleitungen auf überregionaler oder kontinentaler Ebene (Divisionen). Die nur alle fünf Jahre stattfindende Weltsynode ist das oberste Entscheidungsgremium der protestantischen Freikirche. Die Delegierten tagten öffentlich und vertraten 18,5 Millionen erwachsen getaufte Adventisten.

Wahl der Weltkirchenleitung
Die Delegierten wählten mit dem US-amerikanischen Pastor Ted N. C. Wilson (65) den amtierenden Präsidenten der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) wieder. Er ist der 20. Präsident seit Gründung der Generalkonferenz im Jahr 1863. Sein Vater, Neal C. Wilson, war bereits von 1979 bis 1990 Präsident der Generalkonferenz. Im Amt bestätigt wurde auch der Generalsekretär der Weltkirchenleitung, Pastor G. T. Ng. Ferner wurde der aus der Dominikanischen Republik stammende Pastor J. R. Prestol-Puesán als neuer Finanzchef der Weltkirchenleitung gewählt. Er folgt auf den Kanadier Robert E. Lemon, der seit 2002 im Amt war und nun in Ruhestand geht.

Die Zahl der Allgemeinen Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) wurde von neun auf sechs reduziert und eine Frau sowie fünf Männer für diese Aufgaben gewählt. Die Allgemeinen Vizepräsidenten sind neben dem Präsidenten die höchsten Repräsentanten der adventistischen Weltkirchenleitung. Als Begründung für die Reduzierung gab Weltkirchenpräsident Ted Wilson an, dass die Aufgaben im Büro der Weltkirchenleitung auch von weniger Vizepräsidenten ausgeführt werden könnten.

Wahl der Kirchenleitung in West- und Südeuropa
Am 6. Juli war der portugiesische Pastor Mário Brito (60) zum neuen Präsidenten der Kirchenleitung in West- und Südeuropa (Intereuropäische Division, EUD) berufen worden, die ihren Sitz in Bern/Schweiz hat. Er tritt die Nachfolge von Pastor Bruno Vertallier (67) an, der in den Ruhestand tritt. Zum Generalsekretär wurde am 9. Juli Pastor Barna Magyarosi (41) aus Rumänien gewählt, der seit 2010 für die Abteilungen Bildung sowie Ehe & Familie in der EUD verantwortlich war. Magyarosi tritt die Nachfolge von Gabriel Maurer (58) an, der inzwischen über 17 Jahre in der Intereuropäischen Kirchenleitung in Bern gearbeitet hat. Als EUD-Finanzchef wurde Norbert Zens (49) wiedergewählt.

Berichte
Der Exekutivsekretär der Weltkirchenleitung, der aus Singapur stammende Pastor G. T. Ng, legte den Delegierten seinen Rechenschaftsbericht für die vergangenen fünf Jahre vor. Danach stieg die Mitgliederzahl der erwachsen getauften Siebenten-Tags-Adventisten weltweit seit Anfang 2010 von 16,3 Millionen auf 18,5 Millionen Ende 2014. Als Meilensteine erwähnte Ng die Taufzahlen im Jahr 2014: Es wurden 1,16 Millionen neue Mitglieder getauft. Im gleichen Jahr sind global auch 2.446 neue Kirchgemeinden gegründet worden sodass es Ende 2014 weltweit 78.810 adventistische Kirchgemeinden gab.

David Trim, Direktor des Büros für Archive und Statistiken der Weltkirchenleitung, ergänzte und kontrastierte den Bericht des Exekutivsekretärs: Mehr als 33 Millionen Menschen seien während der letzten 50 Jahren Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten gewesen, davon hätten aber mehr als 13 Millionen die Kirche wieder verlassen. Die Nettoverlustrate betrage 39 Prozent. Dies bedeute, dass während den letzten 50 Jahren vier von zehn Mitgliedern die Kirche verlassen hätten.

Robert Lemon, in den Ruhestand tretender Finanzchef, berichtete, dass das weltweite Zehntenaufkommen der Adventisten trotz Finanzkrise in den vergangenen fünf Jahren weltweit um 30 Prozent gestiegen sei: Von 1,74 Milliarden Franken im Jahr 2009 auf 2,25 Milliarden Franken im Jahr 2014.

Beschlüsse, Strategien und Initiativen
Die Delegierten haben am 8. Juli mit 1.381 gegen 977 Stimmen entschieden, dass es den weltweit 13 überregionalen oder kontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) auch weiterhin nicht gestattet sein soll, in ihrem Gebiet Frauen, die im Pastorendienst tätig sind, zu ordinieren (http://www.stanet.ch/apd/news/4486.html).

Ferner wurden Änderungen an einigen der 28 Artikel der „Glaubensüberzeugungen“ der Freikirche vorgenommen. Die meisten Anpassungen waren sprachlicher Natur. Grössere Veränderungen gab es bei Artikel 6 „Die Schöpfung“, sowie bei Artikel 18 „Die Gabe der Weissagung“, der die Bedeutung der Schriften der Mitgründerin der Kirche, Ellen Gould White, für die Adventisten beschreibt (http://www.stanet.ch/apd/news/4485.html).

Den Abgeordneten wurde die strategische Planung der Weltkirche für die Jahre 2015 bis 2020 vorgestellt: „Reach the World“ (Die Welt erreichen). Die strategische Planung hat drei Stossrichtungen: Stärkung der Gottesbeziehung, der Beziehungen in der Kirche sowie der Beziehungen zu Menschen ausserhalb der Kirche (http://www.stanet.ch/apd/news/4477.html).

Die adventistischen Kirchgemeinden erhielten in der Wahlperiode 2010 bis 2015 Anregungen für das geistliche Leben durch die Initiative der Weltkirchenleitung: „Erweckung und Reformation“. Für die nächsten fünf Jahre wurden am 10. Juli zwei Nachfolgeinitiativen lanciert: „Glaubt seinen Propheten“ (Believe his Prophets) und „Vereint im Gebet“ (United in Prayer). Es sind dies Bibellese- und Gebetsinitiativen mit denen die Mitglieder der Kirche ermutigt werden sollen, auch über Kontinente hinweg und mittels moderner Kommunikationsmittel, gemeinsam die Bibel zu lesen sowie miteinander zu beten.

Ehrengäste
Wie bei vorangegangenen Generalkonferenz-Vollversammlungen konnten auch diesmal wieder Ehrengäste begrüsst werden. Unter anderen waren Pfarrer César García, Präsident der Mennonitischen Weltkonferenz (MWC) und Pfarrer François Clavairoly, Präsident des Bundes der protestantischen Kirchen in Frankreich (FPF), nach San Antonio gekommen und richteten ein kurzes Grusswort an die Abgeordneten. Weitere Ehrengäste waren hochrangige adventistische Politiker aus unterschiedlichen Ländern, wie der Senatspräsident von Jamaika, Floyd Morris, und die US-Kongressabgeordnete Sheila Jackson Lee.

Ausstellung
Im angrenzenden Henry B. Gonzalez Convention Center stellten 372 adventistische Organisationen, Verlage, Hochschulen, Krankenhäuser, Fernseh- und Radiostationen sowie Sozial- und Missionswerke ihre Aktivitäten vor. Darunter waren aus Deutschland das Medienzentrum „Stimme der Hoffnung“, die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA, die Theologische Hochschule Friedensau, das Natur-Hotel „Die Arche“ und aus der Schweiz die Rehabilitations-Klinik „La Lignière“.

Sprachen
Für die Verständigung der Delegierten und Besucher sorgten 102 Dolmetscher durch Simultanübersetzungen in zehn Sprachen: Chinesisch, Deutsch, Französisch, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch.

Alters- und Geschlechterrepräsentanz
Obwohl schon die Delegierten früherer Weltsynoden bemängelten, dass unter den Abgeordneten zu wenige junge Menschen unter 30 Jahren vertreten seien, waren auch diesmal lediglich 6 Prozent der 2.566 zugelassenen Delegierten unter 30. Mit 35 Prozent waren die zugelassenen Abgeordneten im Alter von 50 bis 59 am stärksten vertreten, gefolgt von 26 Prozent der 40- bis 49-Jährigen. Mehrmals wurde von den Delegierten kritisiert, dass obwohl etwa 60 Prozent der Adventisten weltweit Frauen seien, sie in der Geschäftsstelle der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) und in den 13 Kirchenleitungen auf überregionaler oder kontinentaler Ebene (Divisionen) unterrepräsentiert seien. Unter den 2.566 zugelassenen Delegierten waren lediglich 17 Prozent Frauen.

Medien
Nachrichten und Einblicke in die Arbeit der Delegierten der 60. Weltsynode der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio, waren im adventistischen Fernseh- und Radioprogramm „Hope Channel“ in deutscher Sprache zu sehen und zu hören. Sie können in der Mediathek des Senders abgerufen werden: www.hopechannel.de/mediathek/.

Die nächste turnusmässige Weltsynode ist im Juli 2020 in Indianapolis, Indiana/USA, im Lucas Oil Stadium geplant.

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Weltsynode der Adventisten begrüsst Überwindung der Kirchenspaltung in Ungarn

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der vom 2. bis 11. Juli in San Antonio, Texas/USA, tagenden 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten haben die Überwindung der adventistischen Kirchenspaltung in Ungarn begrüsst. Sie hiessen eine Gruppe von Leitern der „Christlichen adventistischen Gemeinschaft“ (KERAK) herzlich willkommen.

Pastor Raafat Kamal, Präsident der adventistischen Kirchenleitung in Nord- und Südosteuropa, stellte die Leiter der Gruppe vor und sprach davon, dass Gott den Prozess gesegnet habe, die adventistischen Gläubigen in Ungarn wieder zusammenzubringen. Er forderte die Delegierten auf, „diese Brüder und Schwestern mit offenen Armen anzunehmen“. Der Präsident der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Adventisten, Pastor Ted N. C. Wilson, sprach ein Gebet und bat Gott, dass der Geist der Versöhnung, der sich in Ungarn gezeigt habe, auch an anderen Stellen der Welt wirksam werde.

Mit der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Vergangenheitsbewältigung und dem Aufbau einer vereinten Zukunft“ ging eine 40-jährige Kirchenspaltung der Adventisten in Ungarn zu Ende. Die dortige Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die „Christliche adventistische Gemeinschaft“ (KERAK) wollen Verletzungen der Vergangenheit heilen und miteinander ihre Zukunft gestalten. Die gemeinsame Erklärung wurde am 23. April 2015 in Pécel bei Budapest von Pastor Tamás Ócsau, Präsident der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ungarn, und von Pastor János Cserbik, Präsident der KERAK, unterzeichnet. Darin werde, so der Pressedienst der adventistischen Kirchenleitung in Nord- und Südosteuropa „tedNEWS“, die Aufforderung der Bibel zur Einheit und Vergebung hervorgehoben und für beiderseitiges Fehlverhalten um Entschuldigung gebeten. Beide Seiten verpflichteten sich gemeinsam an der Zukunft zu bauen, um Gottes Auftrag, den er der Gemeinde Jesu anvertraut habe, zu erfüllen.

Vorwurf der Kollaboration mit der Regierung
Laut „tedNEWS“ kam es 1975 während der Regierungszeit der Kommunisten zur Spaltung, als eine Gruppe junger Pastoren und Gemeindemitglieder die adventistische Kirchenleitung in Ungarn der Kollaboration mit der Regierung beschuldigte. Nach der Unruhe, welche die Kirche erschütterte, seien die meisten Mitglieder dieser Gruppe ohne stichhaltige biblische Gründe aus der Kirche ausgeschlossen worden. Während des Kommunismus organisierten sich die Ausgeschlossenen als Untergrundkirche. Nach der politischen Wende in Ungarn (1989) wurden die Schismatiker als religiöse Gemeinschaft staatlich anerkannt und hofften zunächst auf eine Wiedervereinigung mit der Mutterkirche. Doch die damals entstandene Christliche adventistische Gemeinschaft (KERAK) distanziert sich in den folgenden Jahren immer stärker von ihrer Mutterkirche.

Eine neue Generation erzielt den Durchbruch
Obwohl nach der kommunistischen Ära der Vorwurf der Kollaboration mit der Regierung nicht mehr erhoben werden konnte, so „tedNEWS“, entfernten sich beide adventistischen Gemeinschaften immer mehr voneinander. Jahrelange Bemühungen der Weltkirchenleitung und der Leitung in Nord- und Südosteuropa (TED) der Adventisten konnten die Spaltung nicht beheben. Zwar hätten sich etliche Ortsgemeinden und auch Pastoren der KERAK der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten wieder angeschlossen, doch die Leitung der KERAK sei selbst nach intensiven Gesprächen um Einigung auf Distanz geblieben. Erst Gespräche mit einer neuen Generation von KERAK-Leitern im Jahr 2011 hätten einen Durchbruch erzielt, sodass jetzt die gemeinsame Erklärung unterzeichnet werden konnte.

Die Christliche adventistische Gemeinschaft (KERAK) in Ungarn besteht aus sechs Verwaltungsregionen mit etwa 1.800 Mitgliedern. Davon hätten sich seit der Unterzeichnung der gemeinsamen Vereinbarung im April 2015 bereits 600 ihrer Mutterkirche angeschlossen.

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten wurde 1912 in Ungarn gegründet. Sie umfasste bisher 4.629 erwachsen getaufte Mitglieder in 104 Kirchengemeinden. Sie unterhält ein Theologisches Seminar, ein Verlagshaus sowie ein Alten- und Pflegeheim.

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Pastor Ted N. C. Wilson als Weltkirchenleiter der Adventisten wiedergewählt

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der vom 2. bis 11. Juli in San Antonio, Texas/USA, tagenden 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten haben den US-amerikanischen Pastor Ted N. C. Wilson (65) für eine weitere fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. Er ist oberster Repräsentant der weltweit 18,5 Millionen erwachsen getauften Siebenten-Tags-Adventisten in 215 Ländern und Territorien.

Die anwesenden Delegierten wählten Pastor Ted N. C. Wilson für die nächsten fünf Jahre auf Vorschlag des 252-köpfigen Nominierungsausschusses zum Präsidenten der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung). Die alle fünf Jahre stattfindende Weltsynode ist das oberste Entscheidungsgremium der evangelischen Freikirche.

Als Pastor begann Wilson seinen Dienst 1974 in New York. Von 1976 bis 1981 war er in der dortigen adventistischen Kirchenleitung Abteilungsleiter. Anschliessend wirkte er bis 1990 zunächst als Abteilungsdirektor und dann als Generalsekretär der westafrikanischen Kirchenleitung der Adventisten mit Sitz in Abidjan/Elfenbeinküste. 1990 kam er als assoziierter Sekretär zur Weltkirchenleitung nach Silver Spring, Maryland/USA. Zwei Jahre später wurde Wilson nach Moskau als Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in der ehemaligen Sowjetunion berufen. 1996 kehrte er in die USA als Geschäftsführer des adventistischen Review and Herald Verlagshauses in Hagerstown/Maryland zurück. Während der Weltsynode 2000 in Toronto/Kanada wählten die Delegierten Ted Wilson zu einem der Vizepräsidenten der Generalkonferenz. Sein Vater, Neal C. Wilson, war von 1979 bis 1990 Generalkonferenz-Präsident.

Pastor Ted Wilson ist mit Nancy Louise Vollmer, einer Physiotherapeutin, verheiratet, sie haben drei erwachsene Kinder. An der adventistischen Andrews Universität in Berrien Springs, Michigan/USA, erlangte Wilson den akademischen Grad Master of Divinity (MDiv) in Theologie und an der Loma Linda Universität in Kalifornien den Master of Science (MSc) im Gesundheitswesen. An der New York University promovierte er in Philosophie mit einer Arbeit über Religionspädagogik.

Ein Rückblick auf seine erste Amtszeit gibt der veröffentlichte Bericht des adventistischen Weltkirchenpräsidenten in Englisch: http://ow.ly/P7no4

Als die Generalkonferenz 1863 in Battle Creek, Michigan/USA, gegründet wurde, gehörten ihr sechs regionale Kirchenleitungen (Vereinigungen) mit 125 Gemeinden, 30 Pastoren und 3.500 Mitgliedern an, die alle in den Vereinigten Staaten lebten. Heute wohnen nur noch knapp sechs Prozent der weltweit 18,5 Millionen Mitglieder in Nordamerika. Die meisten leben in Afrika (rund 7 Millionen) und Lateinamerika (rund 6 Millionen), gefolgt von Asien (rund 3,5 Millionen), Nordamerika (1,2 Millionen), Australien/Ozeanien (429.000) und Europa (378.000). Das hat auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Delegierten bei der Weltsynode in San Antonio.

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Adventistische Weltsynode bestätigt Generalsekretär und wählt neuen Finanzchef

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der 60. Generalkonferenz-Vollversammlung (Weltsynode) der Siebenten-Tags-Adventisten haben in San Antonio Pastor G. T. Ng als Generalsekretär der adventistischen Weltkirchenleitung für eine zweite Amtszeit bestätigt. Als Finanzchef der Weltkirchenleitung wurde Juan R. Prestol-Puesán gewählt. Der Generalsekretär und der Finanzchef sind neben dem Generalkonferenz-Präsidenten und den Vizepräsidenten die höchsten Repräsentanten der adventistischen Weltkirchenleitung.

Der für weitere fünf Jahre wiedergewählte G. T. Ng stammt aus Singapur und war als Missionar im vom Krieg erschütterten Kambodscha tätig. Er erlangte einen Batchelor (B.A.) in Theologie vom Southeast Asia Union College in Singapur, einen Magister (M.A.) vom Adventistischen Theologischen Seminar auf den Philippinen und einen Doktorgrad (PhD) der Andrews Universität der Kirche in Berrien Springs, Michigan/USA. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Ng legte den Delegierten seinen Rechenschaftsbericht für die vergangenen fünf Jahre vor. Als Meilensteine der letzten Wahlperiode nannte er zum einen die Wachstumsrate der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten: laut einem Bericht von Christianity Today seien die Adventisten mit global 18,5 Millionen Mitglieder nach der römisch-katholischen, der orthodoxen, der anglikanischen Kirche und den Assemblies of God die fünftgrösste weltweit tätige Kirche. Als zweiten Meilenstein wies Ng auf die Taufzahlen hin: allein im Jahr 2014 wurden über 1,16 Millionen neue Mitglieder getauft. Der dritte Meilenstein betrifft die Neugründung von Kirchgemeinden: das Jahr 2014 erweise sich auch hier als Rekordjahr – es seien 2.446 neue Kirchengemeinden hinzugekommen. Seit dem Jahr 2000 seien laut Ng jedes Jahr mehr als 2000 neue Kirchgemeinden gegründet worden. Das Total der adventistischen Kirchgemeinden weltweit liegt Ende 2014 bei 78.810.

Als Finanzchef der Weltkirchenleitung wurde der in der Dominikanischen Republik geborene Juan R. Prestol-Puesán gewählt. Prestol-Puesán ist seit 2007 in der Finanzabteilung der Weltkirchenleitung tätig. Er löst Robert E. Lemon ab, der seit 2002 im Amt war und nun in den Ruhestand geht.

Lemon legte den Delegierten den Finanzbericht vor. Nach der Finanzkrise sind die freiwilligen Spenden der Adventisten in den letzten fünf Jahren weltweit stark ange-stiegen. Viele entrichten den biblischen Zehnten, das heisst zehn Prozent ihres Einkommens. Dazu kommen weitere freiwillige Spenden.

Während der vergangenen fünf Jahre sei das weltweite Zehntenaufkommen laut Lemon um 30 Prozent gestiegen: Von 1,85 Milliarden US-Dollar (1,74 Milliarden Franken / 1,6 Milliarden Euro) im Jahr 2009 auf 2,4 Milliarden US-Dollar (2,25 Milliarden Franken / 2,16 Milliarden Euro) im Jahr 2014. Die Spenden für die Weltmission hätten sich im gleichen Zeitraum von 64,2 Millionen US-Dollar (60 Millionen Franken / 57,7 Millionen Euro) auf 88,9 Millionen US-Dollar (83,5 Millionen Franken / rund 80 Millionen Euro) pro Jahr erhöht.

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Strategie der adventistischen Weltkirchenleitung für 2015 bis 2020

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Anlässlich der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der protestantischen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio, Texas/USA, wurde am 4. Juli die strategische Planung der Kirche für die Jahre 2015 bis 2020 vorgestellt: „Reach the World“ (Die Welt erreichen). Die strategische Planung hat drei Stossrichtungen: Stärkung der Gottesbeziehung, der Beziehungen in der Kirche sowie der Beziehungen zu Menschen ausserhalb der Kirche.

„Jedes Gemeindeglied wird ermutigt, sich seinen Gaben und Talenten entsprechend zu engagieren und sich zu fragen: Was kann ich tun, um den Auftrag der Kirche zu erfüllen?“, sagte Pastor Ted Wilson, adventistischer Weltkirchenpräsident, bei der Präsentation der Strategiebroschüre.

Die Fünfjahresplanung der adventistischen Weltkirche „Reach the World“ stützt sich auf kircheninterne Forschungen und Befragungen, die zwischen 2011 bis 2013 mit 41.000 Kirchenmitgliedern, 1.000 ehemaligen Adventisten, 4.260 Pastoren und rund 1.200 Jugendlichen durchgeführt wurden. Laut der Broschüre gründet die Strategie theologisch auf der Gnade Gottes, wie sie in der Bibel zum Ausdruck kommt: „Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt.“ (2. Korintherbrief 5,19)

Im Bereich der Stärkung der persönlichen Gottesbeziehung der adventistischen Kirchenmitglieder sollen diese nebst anderen Umsetzungsschritten zu täglichem Bibelstudium sowie weiteren regelmässigen Andachtszeiten ermutigt werden.

Im zweiten Bereich der Stärkung der Beziehungen unter den Kirchenmitgliedern, sollen nebst gesellschaftlichen Anlässen auch Möglichkeiten geboten werden, dass sich Mitglieder und Jugendliche bei kirchlichen Initiativen engagieren können.

Die Stärkung der Beziehungen zu Menschen ausserhalb der Kirche soll weltweit durch erhöhte Präsenz von Adventisten vor allem im 10/40 Fenster als auch in den Grossstädten erreicht werden. Dabei ist geplant, dass vorwiegend Jugendliche, durch die Gründung von Kleingruppen, diesen Aspekt der Strategie umsetzen sollen.

Die strategische Planung der adventistischen Weltkirche für 2015 bis 2020 als Download in Englisch: http://ow.ly/PbtXa

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Adventistische Weltsynode reduziert Zahl der Allgemeinen Vizepräsidenten

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten haben in San Antonio, Texas/USA, die Zahl der Allgemeinen Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) von neun auf sechs reduziert und eine Frau sowie fünf Männer für diese Aufgaben gewählt. Die Vizepräsidenten sind neben dem Präsidenten Ted N. C. Wilson, die höchsten Repräsentanten der adventistischen Weltkirchenleitung.

Die Reduzierung der Zahl der Allgemeinen Vizepräsidenten wurde vom adventistischen Weltkirchenpräsidenten, Ted Wilson, damit begründet, dass die Aufgaben im Büro der Weltkirchenleitung auch von weniger Vizepräsidenten ausgeführt werden könnten.

Vier der neun bisherigen Allgemeinen Vizepräsidenten sind ruhestandshalber ausgeschieden. Ella Simmons, Pastor Arthur Stele und Pastor Geoffrey Mbwana wurden wiedergewählt. Die Pastoren Delbert Baker und Pardon Mwansa wurden nicht wieder nominiert. Neu gewählt wurden die Pastoren Guillermo Biaggi (Euro-Asien Kirchenleitung, Moskau), Abner De Los Santos (Mittelamerikanische Kirchenleitung, Sitz Miami/USA) sowie Thomas L. Lemon (Nordamerika).

Die Delegierten stimmten ebenfalls über die Besetzung weiterer Ämter in der Generalkonferenz-Geschäftsstelle ab: Myron Iseminger ist stellvertretender Generalsekretär; J. Raymond Wahlen II ist stellvertretender Finanzchef. Ferner wurden beigeordnete Sekretäre und beigeordnete Finanzverantwortliche gewählt, sowie vier Leiterinnen und acht Leiter der Abteilungen (Kinder, Kommunikation, Bildung, Ehe & Familie, Gesundheit etc.) der Weltkirchenleitung.

Der Anteil der Frauen in Führungspositionen der Generalkonferenz-Geschäftsstelle bleibt weiterhin deutlich unterrepräsentiert gegenüber weltweit rund 60 Prozent weiblicher Adventisten.

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Neuer Kirchenleiter der Adventisten in West- und Südeuropa gewählt

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten haben in San Antonio, Texas/USA, den portugiesischen Pastor Mario Brito (60), als neuen Kirchenleiter der Adventisten in West- und Südeuropa (Inter-Europäische Division) gewählt. Er tritt die Nachfolge von Pastor Bruno Vertallier (67) an, der für diese Aufgabe 2010 in Atlanta (Georgia, USA) gewählt worden war und nun in den Ruhestand tritt.

„Ich wünsche mir, dass unsere Kirchenregion zusammensteht, um den Auftrag gemeinsam zu erfüllen, den Christus uns anvertraut hat. Möge diese Aufgabe uns einen“, sagte Brito nach seiner Wahl.

Pastor Brito wurde 1955 in Praya, auf den Kapverden, geboren, wo er bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte. 1973 wanderte er nach Lissabon/Portugal aus. Er studierte zwei Jahre adventistische Theologie in Sagunto/Spanien, drei Jahre in Collonges/Frankreich und schloss das Theologiestudium an der Andrews University, Michigan/USA mit einem „Master of Divinity“ ab.

Brito arbeitete als Pastor und lehrte adventistische Theologie. 1997 wurde er zum Präsidenten der Siebenten-Tags-Adventisten in Portugal gewählt und 2005 zum Abteilungsleiter in der überregionalen Kirchenleitung in Süd- und Westeuropa (Inter-Europäische Division) mit Sitz in Bern/Schweiz. Pastor Brito ist mit Maria José Brito verheiratet. Das Ehepaar hat eine erwachsene Tochter.

Im Gebiet der Inter-Europäischen Kirchenleitung leben 178.460 erwachsen getaufte Adventisten, die in 2.529 Kirchen jeweils am Samstag, dem biblischen Ruhetag, Gottesdienst feiern. Es umfasst Andorra, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Portugal, Rumänien, die Schweiz, Slowakei, Spanien und Tschechien.

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Neuer Vorstand der Adventisten in West- und Südeuropa

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio, Texas/USA haben am 9. Juli den neuen Exekutivsekretär gewählt und den amtierenden Finanzchef der Adventisten in West- und Südeuropa (Inter-Europäische Division, EUD) im Amt bestätigt.

Der neue Präsident Pastor Mario Brito (60) folgt auf Pastor Bruno Vertallier, der in den Ruhestand getreten ist. APD-Meldung: http://www.stanet.ch/apd/news/4482.html

Der in Rumänien geborene Pastor Barna Magyarosi (41) ist neuer Exekutivsekretär. Er löst Pastor Gabriel Maurer ab. Magyarosi studierte am adventistischen Theologischen Seminar in Bukarest/Rumänien, an der Universität „Babes-Bolyai“ in Cluj-Napoca/Rumänien, der Andrews Universität, Berrien Springs,/USA und an der Universität von Bukarest. Er hat einen Doktorgrad in Theologie und ein M.A. in Religion.

Magyarosi arbeitete ab 1996 als Pastor in der regionalen Kirchenleitung Süd-Transsilvanien, Rumänien. 2001 übernahm er auch administrative Aufgaben in der regionalen Kirchenleitung. Ab 2003 unterrichtete er am adventistischen theologischen Institut in Cernika/Rumänien, dessen Leitung ihm 2005 übertragen wurde. Auf der Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) in Atlanta, Georgia/USA, 2010, wurde er zum Leiter der Abteilungen „Erziehung“ und „Ehe & Familie“ in der überregionalen Kirchenleitung (Inter-Europäischen Division) gewählt. Barna Magyarosi ist mit Noémi-Laura verheiratet. Sie haben eine Tochter.

Der wiedergewählte Finanzchef Norbert Zens (49), stammt aus Deutschland und hat an der Universität in Passau Wirtschaft studiert. Nach verschiedenen Anstellungen im privaten und öffentlichen Sektor wirkte er neun Jahre als Verwalter des adventistischen Seminars Schloss Bogenhofen/Österreich. Anschliessend arbeitete Zens als Buchprüfer des Auditing Services (GCAS Auditing) der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten. 2010 wurde er zum Finanzchef der Inter-Europäischen Division gewählt. Er ist mit Christine verheiratet.

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Artikel der adventistischen „Glaubensüberzeugungen“ überarbeitet

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio, Texas/USA, haben Änderungen an einigen der 28 Artikel der „Glaubensüberzeugungen“ der Freikirche vorgenommen. Die meisten Anpassungen waren sprachlicher Natur. Grössere Veränderungen gab es beim Artikel 6 „Die Schöpfung“ sowie beim Artikel 18 „Die Gabe der Weissagung“, der die Bedeutung der Schriften der Mitgründerin der Kirche, Ellen Gould White, für die Adventisten beschreibt.

Laut dem Präsidenten der weltweiten Kirche, Pastor Ted N. C. Wilson, wurde die Kirchenleitung von der Weltsynode 2010 in Atlanta, Georgia/USA, beauftragt, die 28 Artikel der adventistischen „Glaubensüberzeugungen“ sprachlich durchzusehen und gegebenenfalls Vorschläge für bessere und präzisere Formulierungen zu präsentieren. Die jetzt der Weltsynode vorgelegten Änderungsvorschläge sind nach Angaben von Pastor Artur Stele, einem der sechs Allgemeinen Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung, durch viele Gremien und in Konsultation mit allen dreizehn überregionalen Kirchenleitungen (Divisionen) besprochen und vorbereitet worden. Es gehe dabei ausschliesslich um sprachliche, nicht aber um inhaltliche Änderungen bisheriger Glaubensvorstellungen, sowie um Vereinheitlichung der Begriffe. So sei auch auf eine inklusive Sprache geachtet worden.

Glaubensartikel 6 „Die Schöpfung“
Grössere Eingriffe gab es in der sprachlichen Gestaltung von Artikel 6 „Die Schöpfung“. Eingefügt wurde die Formulierung, dass Gott die Erde in „einer jungen sechs-Tage-Schöpfung“ geschaffen habe. Weiter wurde klargestellt, dass der Sabbat ein Erinnerungszeichen des Werkes Gottes sei, das in „sechs buchstäblichen Tagen“ ausgeführt und vollendet wurde, „welche gemeinsam mit dem Sabbat die gleiche Zeiteinheit bilden, die wir heute als eine Woche bezeichnen“.

Für Adventisten hat der biblische Bericht der Schöpfung eine besonders hohe Bedeutung. Die wöchentliche Feier des Sabbats (Samstag) wird in den Zehn Geboten mit der Einsetzung des siebten Tages bei der Schöpfung begründet. Ferner werden wesentliche Glaubenslehren mit dem Schöpferhandeln Gottes verknüpft. So mache das Erlösungshandeln Jesu Christi nur auf dem Hintergrund Sinn, dass es auch eine Erschaffung und einen Sündenfall des Menschen gegeben habe, betonte Holger Teubert, stellvertretender Mediensprecher der Freikirche in Deutschland.

Glaubensartikel 18 „Die Gabe der Weissagung“
Viel diskutiert wurde die vorgeschlagene Änderung des Artikels 18 „Die Gabe der Weissagung“. Er beschreibt die Bedeutung der Schriften der Mitgründerin der Siebenten-Tags-Adventisten, Ellen Gould White, für die Adventisten. Der Änderungsvorschlag sieht eine klarere Formulierung der Unterscheidung der Rolle der Bibel und den, nach adventistischem Verständnis, prophetischen Schriften von Ellen White vor.

In der bisherigen Fassung von 1980 hiess es: „Ihre Schriften sind eine fortwirkende, bevollmächtigte Quelle der Wahrheit“. Nach Lothar Wilhelm, ehemaliger Präsident der adventistischen Kirchenregion Nordrhein-Westfalen, sei diese Formulierung missverständlich: „Weil Christen im Allgemeinen die Bibel als die ‚Quelle der Wahrheit’ betrachten, konnte durch diese Formulierung der Eindruck entstehen, dass Adventisten das Schrifttum Ellen Whites der Bibel gleichstellen. Wir glauben aber nicht an eine solche Gleichstellung. Sie wäre im Widerspruch zur Präambel und zu Artikel 1 der Glaubenspunkte“. Der neu formulierte Satz lautet: „Ihre Schriften sprechen mit prophetischer Autorität und geben Trost, Führung, Unterweisung und Zurechtweisung für die Gemeinde.“ Diese vorgeschlagene Textänderung wurde mit überwältigender Mehrheit von den Delegierten in San Antonio angenommen.

Rolle und Verständnis der adventistischen „Glaubensüberzeugungen“
In der verhältnismässig kurzen Geschichte der adventistischen Kirche (offizielle Gründung im Jahr 1863) seien die Glaubensartikel häufig und stark verändert worden, so Wilhelm. Das zeige, dass sie nicht als ein unveränderliches Glaubensbekenntnis (Credo) anzusehen seien, mit dem die biblische Wahrheit ein für alle Mal erfasst werden soll. Die Glaubenspunkte sollen Aussenstehenden eine Vorstellung von dem vermitteln, was Adventisten glauben, und Gemeindemitgliedern und Pastoren die Lehrpunkte für den Bibelunterricht zur Taufe vorgeben. „Richtschnur für den Glauben sind nicht formulierte Lehrsätze, sondern ist das ganze Wort Gottes“, betonte Wilhelm.

Siebenten-Tags-Adventisten unterscheiden zwischen den Lehren des Wortes Gottes und ihrem Verständnis dieser biblischen Lehren: „Niemand sollte das, was er aus dem Wort Gottes verstanden hat, für die ganze biblische Wahrheit halten“, so Lothar Wilhelm. Mit tieferem Verständnis der biblischen Wahrheit müssten auch die Formulierungen geändert werden. Dies entspreche der Präambel der „Glaubensüberzeugungen“.

Die bisherige Formulierung der adventistischen „Glaubensüberzeugungen“:
http://www.adventisten.de/ueber-uns/unser-glaube/unsere-glaubenspunkte/praeambel/

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Adventistische Weltsynode: Nein zur Frauenordination - Adventistischen Pastorinnen bleibt Zugang zur Ordination weiterhin verwehrt

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio, Texas/USA haben am 8. Juli mehrheitlich entschieden, dass es den weltweit dreizehn überregionalen Kirchenleitungen (Divisionen) auch weiterhin nicht gestattet sein soll, in ihrem Gebiet Frauen, die im Pastorendienst tätig sind, zu ordinieren.

Mit dem „Nein“ haben die dreizehn überregionalen Kirchenleitungen keine Möglichkeit zu entscheiden, ob sie die in ihrem Gebiet als Pastorinnen tätigen Frauen ordinieren oder nicht. Es ging bei dieser Abstimmung nicht um die Frage, ob Frauen als adventistische Pastorinnen tätig sein dürfen oder nicht. Frauen als Pastorinnen sind seit langem in jenen Kirchenregionen tätig, in denen dies aus kulturellen Gründen möglich ist.

Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist ausserhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit 18,5 Millionen Adventisten leben, umstritten.

Entwicklung der Frauenordinationsfrage
Die Weltsynode 2010 in Atlanta/Georgia hatte die Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) beauftragt, ein Studium der Ordinationsfrage durchzuführen. Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten setzte daher im Herbst 2012 eine 106-köpfige „Studienkommission zur Theologie der Ordination“ (Theology of Ordination Study Committee, TOSC) ein. Sie stand unter der Leitung von Pastor Artur Stele, einem der damals noch neun Allgemeinen Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung und Direktor des Bibelforschungsinstituts der Generalkonferenz. In dieser Studienkommission waren Frauen und Männer, Theologen, Wissenschaftler, Kirchenleiter, Pastoren sowie Kirchenmitglieder ohne Amt aus der ganzen Welt vertreten, die sich bis Sommer 2014 mit der Theologie der Ordination befasst haben. Es war beabsichtigt, dass die sich aus diesem grundsätzlichen Studium ergebenden Schlussfolgerungen auch Aufschluss über die bisher in der Kirche noch nicht mögliche Ordination von Pastorinnen geben sollten.

Die Ergebnisse der Studienkommission wurden im Sommer 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt. Dieser sollte der adventistischen Weltsynode 2015 in San Antonio Empfehlungen zur Abstimmung vorlegen. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil sich die Studienkommission nicht auf eine gemeinsame Empfehlung einigen konnte und auch der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung darauf verzichtete. Stattdessen wurden die Ergebnisse der Studienkommission (TOSC) allen Interessierten auf einer Webseite (englisch) zur Verfügung gestellt: www.adventistarchives.org/ordination

Diskussion und Abstimmungsverfahren
Artur Stele fasste die Arbeit der Studienkommission zur Ordinationsfrage am 8. Juli auf der Weltsynode in San Antonio zusammen: Trotz ausführlichem Studium und intensivem Gebet habe es am Schluss etwa drei gleich grosse Gruppen gegeben. Eine Gruppe der TOSC sei gegen die Frauenordination, eine andere dafür und eine dritte erachte die Frauenordination in der Kirche als möglich, obwohl sie davon überzeugt sei, dass Gottes „Modell“ das der männlichen Leiterschaft sei.

Den Delegierten der Weltsynode wurde folgende Frage zur Abstimmung vorgelegt: „Ist es akzeptabel, dass die Exekutiv-Ausschüsse der Divisionen, falls sie es für ihre Felder für angemessen halten, die Möglichkeit schaffen, dass Frauen fürs Predigtamt eingesegnet werden?“

In Diskussionsbeiträgen, die aufgrund der vielen Wortmeldungen auf zwei Minuten pro Redner beschränkt wurden, konnten die Delegierten ihre Meinung an sechs Saalmikrophonen äussern. Befürworter der Frauenordination waren sich einig, dass es sich nicht um eine Frage handelt, die in der Bibel klar angesprochen oder geklärt werde. Es gehe vielmehr um die Anwendung von biblischen Prinzipien in je gegebenen kulturellen Begebenheiten. Gegner der Ordination von Frauen führten Bibelstellen an, die ihrer Meinung nach ausschliesslich eine männliche Leiterschaft bezeugten.

Entscheidung
Von den 2.363 abstimmenden Delegierten aus 168 Ländern votierten 58,4 Prozent (1.381) gegen die Ordination, 41,3 Prozent (977) sprachen sich dafür aus. Bereits vor 20 Jahren, anlässlich der 56. Weltsynode in Utrecht/Niederlande, stimmte das Kirchenparlament auf weltweiter Ebene mit 1.481 Nein- und 673 Ja-Stimmen deutlich gegen die Frauenordination.

Mehr als 35 Pastorinnen in den USA bereits ordiniert - eine Pastorin in den Niederlanden
In den USA arbeiten 107 Pastorinnen. Trotz der ablehnenden Haltung der Weltkirche wurden davon bereits mehr als 35 ordiniert. Eine Pastorin wurde auch in den Niederlanden ordiniert. In folgenden Ländern bestehen Beschlüsse zur Ordinationen adventistischer Pastorinnen auf regionaler Ebene: Dänemark, Deutschland, Niederlande, Norwegen und Vereinigte Staaten von Amerika.

Frauenordination in anderen Kirchen
Die Ordination von Frauen zu Geistlichen wird auch von der römisch-katholischen Kirche abgelehnt. Alle im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) vertretenen orthodoxen Kirchen akzeptieren sie ebenfalls nicht; dagegen wird sie von mehr als der Hälfte der Mitgliedskirchen des ÖRK praktiziert. Nach Angaben von „ideaSpektrum“ gibt es in Deutschland ebenfalls keine Frauenordination in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), den Brüdergemeinden, in Russlanddeutschen Gemeinden und in einzelnen Gemeinschaftsverbänden.

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Adventistische Kirchenleiter zur Frage der Frauenordination

San Antonio, Texas/USA | 21.07.2015 | APD | Weltsynode 2015

Die Ablehnung der Frauenordination durch die Delegierten der 60. Adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) in San Antonio, Texas/USA hat vor allem bei Delegierten aus Nordamerika, Europa und Australien Enttäuschung hervorgerufen. Die Weltsynode hatte am 8. Juli bestimmt, dass es den weltweit dreizehn überregionalen Kirchenleitungen (Divisionen) auch weiterhin nicht gestattet sein soll, in ihrem Gebiet Frauen, die im Pastorendienst tätig sind, zu ordinieren.

Deutschland
Pastor Johannes Naether, Leiter der Adventisten im Norden und Osten Deutschlands, zugleich Vorsitzender der Freikirche in Deutschland, erläuterte kurz nach der Abstimmung, dass die Entscheidung der Delegierten die unterschiedlichen Auffassungen der Weltkirche in dieser Frage abbilde. Es sei wichtig, trotz unterschiedlicher Positionen weiter „in einem Dialog zu bleiben und das Thema der Vielfalt in Einheit weiter zu bearbeiten.“ Es gebe auch andere Fragen, welche die Weltkirche nicht einheitlich lösen werden könne. „Heute wäre die Gelegenheit gewesen, einen mutigen Schritt nach vorne zu gehen und einer regionalen Lösung in der Frage der Ordination der Frau zuzustimmen“, so Naether. „Dennoch wird uns Gott weiter begleiten.“

Pastor Rainer Wanitschek, Kirchenleiter der Adventisten im Süden Deutschlands wäre eine weltweite Einigung am liebsten gewesen, sodass „unsere Schwestern zum Pastorendienst ordiniert werden könnten“. Die Verantwortung für eine Anstellung von Männern oder Frauen als Pastoren werde innerhalb der regionalen Kirchenleitungen sehr sorgfältig wahrgenommen - auch in Bezug auf eine Ordination oder Segnung. „Es geht um den Auftrag Jesu, Menschen beider Geschlechter in die Nachfolge Jesu zu rufen, auszubilden“ und Pastoren und Pastorinnen mit Vollmacht auszusenden, sagte Wanitschek.

Deutschsprachige Schweiz
Günther Maurer, Präsident der Adventisten in der deutschsprachigen Schweiz, favorisierte den Vorschlag, die Frage der Frauenordination den überregionalen Kirchenleitungen (Divisionen) zu überlassen. Nach seinem Verständnis sei die Bibel zur Frage der Einsegnung von Frauen neutral. Er hätte bei einer Einführung der Frauenordination für Pastorinnen keine Uneinigkeit in der Kirche befürchtet, da schon seit Jahren Gemeindeleiterinnen (Älteste) auf lokaler Ebene eingesegnet würden. Die Entscheidung, ob eine Ordination von Pastorinnen zur Erfüllung des biblischen Missionsauftrages innerhalb ihres Verantwortungsbereiches hilfreich sei oder nicht, werde von regionalen oder nationalen Kirchenleitungen getroffen, welche dies gut abschätzen könnten. Hinzu komme, dass Adventisten nicht die Priesterschaft von Männern vertreten würden, sondern das „allgemeine Priestertum“, das auch Frauen einschliesse. „Für mich ist die Frage der Einsegnung keine vorrangige - vielmehr ob jemand entsprechende Gaben hat. Wenn ja, dann spielt das Geschlecht keine Rolle.“ Die Ordination gebe dann dazu die offizielle Bestätigung und Bevollmächtigung, so Maurer.

Österreich
Pastor Christian Grassl, Leiter der Adventisten in Österreich, hielt fest, dass die Kirche in Österreich die Frage der Frauenordination bisher nicht gross diskutiert habe. Grundsätzlich hielten sich die Adventisten in Österreich an die Vorgaben des Weltfelds. Von daher werde sich mit der getroffenen Entscheidung in Österreich nicht viel ändern.

Adventistische Kirchenleitung in West- und Südeuropa
„Ich fühle mit denen mit, die wegen des Ergebnisses gestern leiden”, sagte der neugewählte Präsident der Kirchenleitung in West- und Südeuropa (Intereuropäische Division, EUD), Mario Brito, am Tag nach der Abstimmung. „Übereinstimmung zu erzielen ist in einer weltweiten Kirche schwierig. Lasst uns dafür beten, dass Gott uns allen hilft, uns wie sein Volk zu verhalten. Lasst uns unseren Schwestern versichern, dass sie unserem Herzen nahe stehen, und, wie der frühere Präsident, Bruno Vertailler, gesagt hat: ‚Wir lieben euch!‘“

Adventistische Kirchenleitung für Nord- und Südosteuropa
Die Entscheidung sei für die Kirchenleitung in Nord- und Südosteuropa (Transeuropäische Division TED) eine Enttäuschung gewesen. Viele adventistische Jugendliche könnten nicht verstehen, weshalb die Frauenordination überhaupt diskutiert werde. Der Entschluss der Weltsynode sei eine „globale Entscheidung, welche einen lokalen Kontext betreffe“, sagte Pastor Raafat Kamal, Präsident der Transeuropäischen Kirchenleitung. Die Auswirkungen müssten nun auf lokaler Ebene angegangen werden. In seiner Kirchenregion arbeiteten mehr als 60 Pastorinnen und weitere 30 im administrativen Bereich der Kirche. Diese hätten die Diskussionen an der Weltsynode aufmerksam verfolgt. Es gehe nun darum, einen Weg in die Zukunft zu finden, mit dem sowohl die Pastorinnen, deren Kirchenleitungen als auch Kirchgemeinden unterstützt werden könnten, so Kamal.

Nordamerikanische Kirchenleitung
In Nordamerika arbeiten 107 Pastorinnen, von denen mehr als 35 bereits ordiniert worden sind. Das Ergebnis der Abstimmung der Weltsynode zur Frauenordination habe die Nordamerikanische Kirchenleitung (NAD) betrübt, heisst es in einer NAD-Medienmitteilung. Sie respektiere diese Entscheidung aber und wolle mit der Weltkirche weiterhin zusammenarbeiten.

„Wir bitten unsere Mitglieder, ihre Energie auf das zu fokussieren, mit dem wir übereinstimmen - dem Auftrag unserer Kirche“, sagte NAD-Präsident, Pastor Daniel Jackson. „Gott hat uns alle berufen, ihm zu dienen, ob die Kirche uns dafür anerkennt oder nicht. Die Nordamerikanische Kirchenleitung erkennt an, dass jede Person, unabhängig von ihrer Rasse, ihrem Alter oder ihrem Geschlecht eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Evangeliums spielt.“

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Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam als „Christusfest“ feiern

München/Deutschland | 21.07.2015 | APD | Ökumene

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die römisch-katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) wollen gemeinsam das Jubiläum 500 Jahre Reformation 2017 als „Christusfest“ feiern. Das gaben der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der DBK, Kardinal Reinhard Marx, bei einem Pressetermin in München bekannt. Auch andere christliche Kirchen und Konfessionen seien zum Mitfeiern eingeladen.

Die Jahrhundertfeiern zum Reformationstag wären bisher Anlass zur Abgrenzung der Konfessionen untereinander gewesen, so der EKD-Ratsvorsitzende. Das solle 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg im Jahr 2017 erstmals anders werden. Luther sei es bei der Reformation um das Evangelium von Jesus Christus gegangen, „wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den altkirchlichen Bekenntnissen ausgelegt wurde“, betonte Bedford-Strohm. Deshalb gehe es beim Reformationsjubiläum 2017 um „ein Christusfest, das die Botschaft von der freien Gnade Gottes ausrichten will an alles Volk“.

Nicht nur die evangelische und die römisch-katholische Kirche wollten dies gemeinsam feiern, sondern alle christlichen Kirchen und Konfessionen wären zum Mitfeiern eingeladen. Der Ratsvorsitzende nannte besonders die orthodoxe Kirche und die evangelischen Freikirchen, „selbst wenn sie ein anderes und kritischeres Bild von der Reformation und ihrer Wirkungen haben“. Dadurch könne das gemeinsame missionarische Zeugnis in einer säkularen Welt gestärkt werden.

Kardinal Marx würdigte die Einladung der EKD als „einen Ausdruck verlässlicher Beziehungen“. Sie zeige, dass die EKD ihr Reformationsjubiläum nicht feiern möchte, ohne ihre Dialogpartner mit einzubinden. Das gemeinsame Zeugnis für Jesus Christus sei heute in unserer Gesellschaft und bei der Suche vieler Zeitgenossen nach Halt und Orientierung von besonderer Dringlichkeit. Martin Luther bezeichnete der DBK-Vorsitzende als eine Persönlichkeit, die nicht nur für die Deutschen, sondern weltweit Bedeutung habe.

Besondere gemeinsame Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum
Vom 16. bis 22. Oktober 2016 werden Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD eine ökumenische Pilgerfahrt ins Heilige Land zu den gemeinsamen Quellen des Glaubens unternehmen. Dadurch könnten beide Kirchen „Zeugnis von der Hoffnung geben, die uns als Christen trägt“, so Kardinal Marx.

Ebenfalls für den Herbst 2016 ist eine gemeinsame Tagung zu den bis dahin abgeschlossenen Überarbeitungen der Heiligen Schrift geplant. Gemeint sind die Überarbeitung der Lutherübersetzung der Bibel und der katholischen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Dabei könne man die jeweils andere Bibelübersetzung schätzen lernen und für gemeinsame Gottesdienste einsetzen, gab Bedford-Strohm zu bedenken.

Am Vorabend des 2. Fastensonntags 2017 (11. März 2017) wollen beide Kirchen in einem gemeinsamen Versöhnungsgottesdienst in Berlin Busse und Vergebungsbitte mit Versöhnungsgesten verbinden. Der EKD-Ratsvorsitzende erinnerte daran, dass es sogar Religionskriege zwischen Evangelischen und Katholiken gegeben habe. Eine langanhaltende Polemik hätte bewirkt, dass der jeweils andere Christ nur verzerrt wahrgenommen worden sei. Um den Prozess der Heilung dieser unrühmlichen Vergangenheit gehe es in dem Versöhnungsgottesdienst, der auch auf regionaler Ebene in Deutschland „nachgefeiert“ werden könne.

Am 14. September 2017 will die EKD gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz und weiteren Kirchen einen „ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Festes der Kreuzeserhöhung“ feiern. Das Fest erinnere an das Auffinden des Kreuzes, an dem Jesus Christus gestorben sei, informierte Heinrich Bedford-Strohm. Dieser Feiertag werde nicht allein in der katholischen Tradition gefeiert, sondern auch in der orthodoxen, der anglikanischen und einigen evangelischen Traditionen.

Im Herbst des Jahres 2017 soll eine gemeinsame Tagung von EKD, Deutscher Bischofskonferenz, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag eine ökumenische Positionsbestimmung der Zukunft von Christen in einer zunehmend säkularen Gesellschaft vornehmen. Davon erhoffe sich Kardinal Marx „eine besondere missionarische Strahlkraft in die Gesellschaft hinein“.

Ausdrücklich möchten EKD und Deutsche Bischofskonferenz zu einer breiten regionalen Mitwirkung an den Aktivitäten im Jahr 2017 einladen. So etwa an der ökumenischen Ausgestaltung des „Europäischen Stationenweges“, eines Verbund-Projektes von heute bereits 67 Städten in 18 Ländern Europas, die sich gemeinsam auf den Weg in Richtung 2017 gemacht hätten.

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„Er folgte als Christ nur seinem Gewissen“ - Erinnerung an Hermann Stöhr und weitere Kriegsdienstverweigerer

Bonn u. Ostfildern/Deutschland | 21.07.2015 | APD | Menschenrechte

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) erinnern an Hermann Stöhr, der vor 75 Jahren am 21. Juni 1940 hingerichtet wurde, weil er aus Gewissensgründen den Wehrdienst abgelehnt hatte. Er ist der einzige bekannte Christ einer evangelischen Landeskirche, der als Kriegsdienstverweigerer vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt wurde.

„Hermann Stöhr ist als Christ nur seinem Gewissen gefolgt. Er hat sein Nein zum Dienst in Hitlers Wehrmacht mutig und konsequent zum Ausdruck gebracht und dafür mit dem Leben bezahlt“, unterstrich der EKD-Friedensbeauftragte. „Mit seinem christlichen Glaubenszeugnis und seinem unerschütterlichen Eintreten für Frieden und Verständigung zwischen den Völkern gehört Hermann Stöhr zu den Menschen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen“, betonte Renke Brahms.

„Heute ist in der deutschen Verfassung das Recht auf Kriegsdienstverweigerung verankert. Das geschah nicht zuletzt, weil im Dritten Reich Menschen, die aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe ablehnten, unerbittlich verfolgt und hingerichtet wurden. Zu diesen Menschen gehört Hermann Stöhr“, machte auch Dr. Christoph Münchow, der EAK-Bundesvorsitzende, deutlich. Darum sei es wichtig, sich an ihn zu erinnern und sein mutiges Handeln zu würdigen.

Hermann Stöhr hat schon früh den Irrweg des Nationalsozialismus erkannt
„Den Dienst mit der Waffe muss ich aus Gewissensgründen ablehnen. Mir wie meinem Volk sagt Christus: Wer das Schwert nimmt, soll durchs Schwert umkommen. So halte ich die Waffen-Rüstungen meines Volkes nicht für einen Schutz, sondern für eine Gefahr. Was meinem Volk gefährlich und verderblich ist, daran vermag ich mich nicht zu beteiligen.“ Das schrieb Hermann Stöhr im März 1939, als er zur Kriegsmarine einberufen wurde und den Kriegsdienst ablehnte. Weiteren Einberufungsbefehlen kam er nicht nach. Er wurde verhaftet, wegen Fahnenflucht zu Gefängnis verurteilt und, obwohl er sich zu einer Ableistung eines Arbeitsdienstes statt militärischer Übungen bereit erklärt hatte, wegen der Eidesverweigerung schliesslich am 16. März 1939 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt.

Der 1898 geborene Hermann Stöhr hatte sich nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg in der ökumenischen Bewegung und im „Versöhnungsbund“ engagiert. Bereits früh nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten klagte er die Verfolgung von Juden an und forderte seine Kirche auf, sich für die Menschen in den Konzentrationslagern einzusetzen.

„Hermann Stöhr hat schon früh den Irrweg der Nationalsozialisten erkannt und Widerstand geleistet. Umso beschämender ist es, dass er hier auch von seiner evangelischen Kirche im Stich gelassen wurde“, so der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms. Christoph Münchow beklagt: „Statt Hermann Stöhr nach dem Zweiten Weltkrieg für sein mutiges Bekenntnis zu würdigen, ist er in Vergessenheit geraten.“ Erst 1997 sei durch das Landgericht Berlin das Urteil des Reichskriegsgerichtes wieder aufgehoben und in Berlin ein Platz nach ihm benannt worden.

Der erste Kriegsdienstverweigerer, ein Zeuge Jehovas, wurde 1939 erschossen
August Dickmann wurde als erster deutscher Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg öffentlich hingerichtet, erinnerte Holger Teubert (Ostfildern bei Stuttgart), Leiter des Referats Kriegsdienstverweigerung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Dickmann war Zeuge Jehovas und auch nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft am 24. Juni 1933 missionarisch tätig. Deswegen verhaftete ihn die Gestapo. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und im Oktober 1937 in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Dort weigerte er sich den Wehrpass zu unterschreiben. Da er darauf beharrte, im Krieg nicht zu kämpfen, wurde der 29-Jährige zur Abschreckung vor den Augen aller Häftlinge, auch seiner Glaubensbrüder, am 15. September 1939 auf dem Appellplatz des KZs erschossen. Das war nur 14 Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Nach Angaben von Historikern wurden bis 1945 etwa 250 deutsche und österreichische Zeugen Jehovas vom Reichkriegsgericht wegen Kriegsdienstverweigerung zum Tode verurteilt und in der Regel durch das Fallbeil hingerichtet.

Römisch-katholische Kriegsdienstverweigerer
Michael Lerpscher war der erste in Deutschland wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtete Katholik, so Teubert. Der im Oberallgäu geborene Bauernsohn wurde im Frühjahr 1940 zur 188. Division in Graz einberufen. Dort verweigerte er den Fahneneid und den Kriegsdienst. Er kam in Haft und wurde am 2. August 1940 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Am 2. September überstellte man ihn ins Zuchthaus Görden bei Brandenburg, wo er am 5. September 1940 durch das Fallbeil starb. Namentlich sind elf römisch-katholische Kriegsdienstverweigerer bekannt, die im Zweiten Weltkrieg hingerichtet wurden. Der ebenfalls im Zuchthaus Görden am 9. August 1943 getötete Oberösterreicher Franz Jägerstätter wurde 2007 als Märtyrer von Papst Bendekikt XVI. selig gesprochen.

Siebenten-Tags-Adventisten und Reformadventisten
Aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gibt es laut Holger Teubert zwei namentlich bekannte Kriegsdienstverweigerer, die zum Tode verurteilt wurden: Franz Partes aus Wien kam wegen Kriegsdienstverweigerung in Olmütz vor ein Kriegsgericht, das ihn verurteilte. Er wurde in ein KZ eingeliefert, wo er starb. Der Schütze Dlugosch von der 10. Kompanie des Jägerregiments 653 hatte ebenfalls den Dienst mit der Waffe verweigert. Ein Feldkriegsgericht verurteilte ihn wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode. Das Urteil wurde am 11. Mai 1940 durch Erschiessen vollstreckt. Otto Gross aus dem Warthegau weigerte sich ebenfalls, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Nach seiner Verurteilung kam er ins Konzentrationslager Dachau, wo er von den Amerikanern befreit wurde. Ausserdem sind sieben Reformadventisten bekannt, die als Kriegsdienstverweigerer starben: Josef Blasi, Anton Brugger, Viktor Pacha, Günter Pietz, Gustav Przyrembel, Julius Ranacher und Leander Zrenner. Die Reformadventisten trennten sich im Ersten Weltkrieg von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.

Baptisten und Gemeinschaft der Christadelphian
Am 25. Juni 1943 wurde der Baptist Alfred Herbst vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen Kriegsdienstverweigerung zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung des Urteils erfolgte am 20. Juli 1943 durch Erschiessen. Die Gemeinschaft der Christadelphian hatte während der NS-Zeit nur etwa 60 Mitglieder. Wegen Kriegsdienstverweigerung wurde Albert Merz am 4. April 1941 im Zuchthaus Görden bei Brandenburg hingerichtet. Seine beiden Brüder Rudolf und August kamen aus dem gleichen Grund in die Psychiatrie beziehungsweise ins KZ Sachsenhausen, wo sie den Zweiten Weltkrieg überlebten.

Vor seiner Hinrichtung in Halle/Saale am 29. September 1943 schrieb der damalige 18-jährige Adventist Günter Pietz an seine Eltern: „Wegen der Todesstrafe habe und mache ich mir gar keine Gedanken. Denn ich weiss, dass mir Gott beisteht, und so einen Frieden und eine Ruhe im Herzen habe ich nicht gehabt wie in diesen letzten Tagen. ... Weinet nicht über mich, denn ich bin gut aufgehoben. Wenn unser Heiland einmal kommt, um sein Volk zu erlösen, dann werden wir uns freuen. Und mein Wunsch ist es, Euch, liebe Eltern, dort zu sehen. Es soll uns nichts scheiden von der Liebe Gottes.“

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Bericht der Deutschen Regierung zur Religionsfreiheit: Ein wichtiges Mittel

Bonn/Deutschland | 21.07.2015 | APD | Religionsfreiheit

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), begrüsst den Beschluss des Deutschen Bundestages, die Bundesregierung zur Erstellung eines Berichts zur weltweiten Lage der Religions- und Glaubensfreiheit zu verpflichten.

„Ein solcher Bericht ist ein wichtiges Instrument, um systematisch die weltweiten und zunehmenden Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit zur Sprache zu bringen“, so der Bamberger Erzbischof. „Die Freiheit der Religion ist ein fundamentales Menschenrecht. Es wird heute in vielen Teilen der Welt mit Füssen getreten. Daher bin ich den Bundestagsabgeordneten dankbar, dass sie mit ihrem einhelligen Beschluss dieses wichtige Thema in die Mitte des politischen Diskurses rücken wollen.“

Erzbischof Schick erinnert an die verzweifelte Situation von Christen im Mittleren Osten und in einigen afrikanischen Ländern: „Sie werden wegen ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt oder gar getötet. Nicht nur wir Mitchristen, die in Freiheit und Sicherheit leben, sondern auch Anders- und Nichtglaubende sind aufgefordert, vor diesen skandalösen Zuständen die Augen nicht zu verschliessen. Auch insofern kommt der Bundestagsbeschluss zur rechten Zeit.“

Bundestag verpflichtet Bundesregierung
Der Antrag, die Bundesregierung zur Erstellung eines Berichts zur weltweiten Lage der Religions- und Glaubensfreiheit zu verpflichten, wurde am 2. Juli mit den Stimmen aller Fraktionen des Bundestags beschlossen. Bis zum 30. Juni 2016 muss die Bundesregierung dem Bundestag einen solchen Bericht vorlegen. Vorbild ist der jährliche Bericht zur Religionsfreiheit des US-Aussenministeriums.

Gemeinsam mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat die Deutsche Bischofskonferenz erstmals 2013 einen „Ökumenischen Bericht zur Lage der Religionsfreiheit von Christen weltweit“ vorgelegt. Die zweite Ausgabe dieses Berichts soll Ende 2015 veröffentlicht werden.

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Zum 100. Todestag der Mitbegründerin der Siebenten-Tags-Adventisten

Friedensau bei Magdeburg/Deutschland | 21.07.2015 | APD | Personen

In diesem Jahr erinnern sich die Siebenten-Tags-Adventisten an den Tod ihrer Mitbegründerin Ellen G. White vor einhundert Jahren. Sie starb am 16. Juli 1915 im Alter von 87 Jahren. Etwa ein halbes Jahr zuvor war sie in ihrer Wohnung gestürzt und hatte sich von dem Unfall nicht mehr erholt. Am 24. Juli 1915 wurde sie in Battle Creek, Michigan/USA, an der Seite ihres bereits 1881 verstorbenen Mannes James White zur letzten Ruhe gelegt.

Über sieben Jahrzehnte Einsatz für die adventistische Kirche
Ellen Gould Harmon wurde am 26. November 1827 in einem Farmhaus bei der Ortschaft Gorham, westlich der Stadt Portland im US-Bundesstaat Maine geboren. 1845 begegnete sie erstmals James White, damals 23 Jahre alt. Am 30. August 1846 heirateten sie. Angeregt durch eine Broschüre von Joseph Bates über den biblischen Ruhetag, begann das junge Ehepaar im Herbst 1846 den Sabbat (Samstag) als siebenten Tag der Woche, zu beachten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann setzte sie sich in den ersten Jahren ihrer Ehe oft unter grossen Entbehrungen und persönlichen Opfern für die anfangs kleine Gruppe der Adventisten ein, um sie zu ermutigen.

Obwohl sie nie eine offizielle Position in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten innehatte, wirkte sie über sieben Jahrzehnte für die Glaubensgemeinschaft. „Durch ihren Einfluss und ihre Visionen trug sie entscheidend zum Entstehen von Verlagen, Schulen und medizinischen Einrichtungen bei“, so Dr. Manfred Böttcher, von 1969 bis 1982 Präsident der Freikirche in der damaligen DDR und von 1982 bis 1991 Rektor des Theologischen Seminars Friedensau bei Magdeburg. Ellen White habe sich unter den Adventisten auch für die Beachtung der Grundsätze einer gesunden Lebensweise eingesetzt. Als sie 1915 starb war aus wenigen Dutzend Gläubigen eine weltweite Glaubensgemeinschaft mit über 130.000 Mitgliedern entstanden. In dieser Zeit schrieb sie etwa 2.000 Artikel für die adventistische Gemeindezeitschrift „Review & Herald“ und 26 Bücher.

Die Bibel der einzige Massstab
„In der Bibel sah Ellen White – und das hat sie vielfach bis an das Ende ihres Lebens bezeugt – den einzigen Massstab, an dem alle Weissagungen (prophetische Gabe) beurteilt werden müssen“, betonte Böttcher. „Ihre Schriften hat sie selber niemals als Ergänzung, Erweiterung oder Ersatz der Bibel gesehen.“ Bedauerlicherweise habe sich bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter Adventisten „ein unheilvoller Trend“, nämlich des unkritischen Umgangs mit dem Schrifttum von Ellen White entwickelt, bemängelte Böttcher. Dieser Trend habe sich nach ihrem Tod im Jahr 1915 noch verstärkt. Durch die Glorifizierung ihres Lebens und Dienstes sei die Meinung vertreten worden, alle ihre Gedanken und Ratschläge seien ihr durch direkte himmlische Offenbarung zuteilgeworden, sodass sie unfehlbar und wörtlich inspiriert wären.

In der Mitte des Weges bleiben
Andererseits stehe laut Manfred Böttcher fest, dass Ellen White durch ihr Schrifttum und ihren Rat entscheidend zum Wachstum der damaligen Adventisten beigetragen habe. „In Krisen, von denen die junge Kirche nicht verschont blieb, hat Ellen White gerade durch ihre Wegweisung geholfen, dass die Glaubensgemeinschaft nicht Opfer extremer Anschauung wurde, sondern Christus ihre ‚Mitte‘ blieb. Wenn es notwendig war, ermahnte sie selbst die für die Kirche Verantwortlichen, in der ‚Mitte des Weges‘ zu bleiben.“ Ein Rat, der auch heute nach über einhundert Jahren unter den veränderten äusseren Gegebenheiten in der Welt bleibende Gültigkeit habe, so Böttcher.

Ellen G. White zähle heute zu den meist gelesenen Autorinnen der Welt. Sie gehöre auch zu den am meisten übersetzten Schriftstellern, informierte Dr. Daniel Heinz, Leiter des Historischen Archivs der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa mit Sitz in Friedensau bei Magdeburg. Ihr Buch „Der Weg zu Christus“ („Steps to Christ“), bei dem es um die Nachfolge Jesu geht, gibt es in über 160 Sprachen.

Deutschlands Adventisten haben Ellen White viel zu verdanken
Auch die Adventisten in Deutschland hätten Ellen White viel zu verdanken, so Heinz. Im Mai 1887 besuchte sie anlässlich ihres zweijährigen Europaaufenthalts (1885-1887) die erste und damals neben Solingen einzige adventistische Gemeinde Deutschlands in Vohwinkel bei Wuppertal. Dort habe sie erstmals die Bedeutung von Kleingruppen für die europäische Mission in Europa betont. Die Gemeinden müssten eine geistliche als auch soziale Heimat bieten, in der die Mitglieder liebevoll und versöhnlich miteinander verbunden seien.

Als die 1899 gegründete adventistische Missionsschule in Friedensau ausgebaut werden sollte, hätten die Baukosten der „Alten Schule“ (1904) und des Altersheims in Friedensau (1907) teilweise durch den Verkauf der beiden Bücher von Ellen White „Christi Gleichnisse“ und „In den Fussspuren des grossen Arztes“ gedeckt werden können. Die Autorin habe dabei auf ihr Honorar verzichtet. Dass sie sich gerade für diese Schule einsetzte, habe einen besonderen Grund, vermutet Daniel Heinz: „Friedensau entwickelte sich als ‚Missions- und Industrieschule‘ ganz nach dem Vorbilde des ‚Avondale College‘ in Australien (1897), das White mit begründet hat und daher ihren ganzheitlichen pädagogischen Vorstellungen entsprach.“

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"Das Beste kommt noch"

Lüneburg/Deutschland | 21.07.2015 | APD | Medien

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Zeichen der Zeit“ erläutert William G. Johnsson, ehemaliger Chefradakteur der adventistischen Kirchenzeitschriften „Adventist Review“ und „Adventist World“, warum er an ein ewiges Leben glaubt. Das Heft ist kostenlos erhältlich.

Für Johnsson sei der Glaube an ein Leben in der Ewigkeit viel mehr als nur ein Wunsch oder eine vage Hoffnung. Er gründe sich vielmehr auf fünf Pfeiler. Den ersten Pfeiler stelle nach Johnsson die Tatsache dar, dass alles, was existiert, eine Ursache habe: die Naturgesetze, das Leben, die Zielgerichtetheit, die überall im Universum zu erkennen sei, deute nicht auf den Zufall, sondern auf die Existenz eines Gottes hin.

Musik sei der zweite Pfeiler, da sie über den Menschen selbst hinausweise. Obwohl sie im Sinne der Evolution nicht im Geringsten „nützlich“ sei, habe sie doch in allen Kulturen eine zentrale Bedeutung. Als dritten Pfeiler nennt Johnsson „Gerechtigkeit“: Wie für Musik gebe es auch für Gerechtigkeit keine gänzlich naturalistische Erklärung. Vielmehr müsse es ein ewiges Leben geben, weil die Gerechtigkeit erfordere, dass Unrecht gesühnt werde.

„Für einen gläubigen Menschen kommt der Himmel schon in diesem Leben herab und gibt einen Vorgeschmack dessen, was sein wird“, so beschreibt der Autor den vierten Pfeiler. Vor allem in Jesus von Nazareth (fünfter Pfeiler) gründe sich die Gewissheit eines Lebens, das sowohl von der Qualität als auch von der Dauer her ewig sei: „Weil Jesus lebt, können wir ihn erfahren.“

Ausgabe III 2015 behandelt weitere aktuelle Themen: Thomas Lobitz setzt sich in seinem Beitrag „Fliehkräfte zerren an Europa“ mit der Zukunft unseres Kontinents angesichts aktueller politischer Herausforderungen auseinander. Unter der Fragestellung „Droht Überfremdung?“ befasst sich der adventistische Historiker und Theologe Lothar Träder mit der Flüchtlingsproblematik.

„Zeichen der Zeit“ wird von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland herausgegeben. Das Heft erscheint vierteljährlich mit einer Auflage von 81.000 Exemplaren. Es kann kostenlos in fast jeder Adventgemeinde bezogen werden und steht auch auf www.advent-verlag.de unter dem Reiter „Periodika“ zum Download zur Verfügung.

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