APD-INFORMATIONEN 3/2016 - MÄRZ 2016

Sonntagsallianz will bei Bundesrat wegen Sonntagsschutz vorsprechen

Bern/Schweiz | 22.03.2016 | APD | Schweiz

Am 3. März, dem internationalen Tag des freien Sonntags, erinnerte die Sonntagsallianz daran, wie wichtig es ist, den Sonntag als gemeinsamen gesellschaftlichen Ruhetag zu schützen. Die Sonntagsallianz reagiert auf die Ausweitung der Sonntagsarbeit im Detailhandel seit Anfang 2016 und verlangt eine Anhörung beim Bundesrat, um ihre Bedenken bezüglich dieser Ausweitung vorzubringen. Die Sonntagsallianz Schweiz ist eine Koalition von 28 Organisationen, wie Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitsmediziner, die sich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags einsetzt.

Der arbeitsfreie Sonntag werde aktuell vor allem vonseiten des Detailhandels in Frage gestellt, häufig im Namen des Einkaufstourismus. So gebe es Ausnahmen vom Sonntagsarbeitsverbot im Einkaufszentrum Foxtown im Tessin aber auch im Outlet-Village in Landquart. In Bern fordere der Grosse Rat in einer Motion die Ladenöffnung im Stadtzentrum. Im Wallis sowie in Genf gäbe es Vorlagen für den Sonntagsverkauf an vier Sonntagen pro Jahr. Zudem habe die Schweizerische Post angekündigt einen Lieferservice per Taxi in mehreren Städten der Schweiz am Sonntag für Kunden von Coop@home und Nespresso zu prüfen. „Die Sonntagsallianz kann nicht akzeptieren, dass ein öffentlicher Dienstleister das Sonntagsarbeitsverbot umgehen will“, heisst es in der Medienmitteilung der Allianz. Es häuften sich die Ausnahmen auf dem Verordnungsweg.

Anhörung beim Wirtschaftsminister, Bundesrat Schneider-Ammann
„Die Sonntagsallianz ist beunruhigt über die Ausweitung der Sonntagsarbeit auf immer mehr Arbeitnehmende“. Sie fordert in einem am 3. März veröffentlichten Brief eine Anhörung bei Bundesrat Schneider-Ammann. Der freie Sonntag dürfe nicht den Wirtschaftsinteressen geopfert werden.

Der freie Sonntag hat wichtige Funktion für die Gesellschaft
Der Sonntag sei ein wichtiger Tag für das gesellschaftliche Zusammenleben, für kirchliche, soziale und familiäre Aktivitäten sowie für die Erholung und Gesundheit jedes einzelnen. Die Sonntagsallianz will mit einem Clip der Bevölkerung die Wichtigkeit der Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags in Erinnerung rufen:
https://www.youtube.com/watch?v=7OffH3xf2OA

"Das Hauptproblem ist die Tourismuslobby"
Harald Rein, Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK.CH und Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz, sagte am 18. Februar in einem Interview gegenüber kath.ch, dass die Tourismuslobby das Hauptproblem darstelle. Sie fordere für Einkaufszentren in der Nähe von Tourismusorten Sonderbewilligungen für Sonntagsarbeit.

Adventisten fordern Entgegenkommen für freien Samstag (Sabbat)
Die protestantische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten setze sich für die Religionsfreiheit aller Menschen ein, sagte Herbert Bodenmann, zuständig für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der Adventisten in der Schweiz. „Wir haben deshalb auch für Christen Verständnis, die den Sonntag als Ruhetag feiern und an diesem Tag nicht arbeiten möchten.“ Adventisten seien in der Christenheit eine Ausnahme, indem sie nicht den Sonntag, sondern den siebten Tag der Woche, den Sabbat (Samstag), den biblischen Ruhetag hielten, so Bodenmann. http://www.sabbatinfo.de

Kein Konsens bezüglich des Ruhetages
Die Forderung der Sonntagsallianz, dass der wöchentlich zur Verfügung stehende Ruhetag ein gemeinsamer sein soll, nämlich der Sonntag, sei problematisch. Dies schrieb der Jurist Dr. Harald Mueller, Leiter des Instituts für Religionsfreiheit an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg/Deutschland hinsichtlich der gleichen Forderung der Europäischen Sonntagsallianz. „Diese Vorstellung geht von einem in der europäischen Gesellschaft in Wahrheit nicht vorhandenen Konsens hinsichtlich des Wochentages aus und lässt völlig ausser Acht, dass es eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen gibt, die aus religiösen Gründen nicht den Sonntag, sondern einen anderen Tag als Ruhetag beachten. Die Muslime betrachteten den Freitag als hervorgehobenen Tag, die Juden und die Siebenten-Tags-Adventisten achteten den Samstag als Ruhetag, so Mueller.

Einigkeit bei Achtung religiöser Überzeugungen und Gewissensanliegen
„Adventisten stossen sowohl im Arbeitsleben, bei Prüfungen in Schulen oder bei beruflichen Weiterbildungen an Samstagen auf grosse Schwierigkeiten, wenn sie ihrer Überzeugung gemäss an ihrem Ruhetag nicht arbeiten können“, erläuterte Bodenmann. Das Menschenrecht der Religions- und Weltanschauungsfreiheit gelte für alle Menschen, sei aber für Minderheiten und deren Anliegen besonders relevant. Wer an Samstagen oder Sonntagen aus religiöser Überzeugung nicht arbeiten, nicht an Weiterbildungen teilnehmen oder keine Prüfung schreiben könne, dessen Gewissensanliegen gelte es zu achten, so Bodenmann, ohne dass den Betroffenen daraus Nachteile im Berufsalltag oder im Studium erwachsen sollten. Die Gemeinsamkeit liege nicht im Einhalten des gleichen Ruhetags, sondern in der Achtung der religiösen Überzeugung des Einzelnen. „Wir haben volles Verständnis für die Forderungen unserer Mitchristen für den freien Sonntag, wünschen uns aber auch Verständnis und Entgegenkommen für unseren Ruhetag, den freien Samstag“, forderte Bodenmann.

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Schweiz: Adventisten segnen Pastorin und ordinieren drei Pastoren

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | Schweiz

Am 5. März versammelten sich im Kongresshaus Zürich rund 1.300 Personen zur 114. Jahreskonferenz der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz zum Thema: „Blockiert – Motiviert“. Die beiden Referenten sprachen Blockaden an, die hinderlich sein können, um die Gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben und wie diese überwunden werden können. Am Nachmittag wurden vier Pastoralassistenten, darunter eine Frau, zum Pastorendienst segnend beauftragt beziehungsweise die Männer ordiniert.

Der Lobpreis im Gottesdienst am Samstagmorgen wurde gemeinsam mit vielen Kindern begonnen und von der Band Crossroads begleitet. Anschliessend wurden die Kinder in Nebenräumen den ganzen Tag altersgerecht betreut.

Menschen nahe sein: Sie sehen, bewegt werden, ihnen helfen
In der Predigt ging Pastor Klaus Popa Bibeltexten im Neuen Testament nach, in denen Jesu Empfinden bei Begegnungen mit Menschen als „innerlich bewegt“ beschrieben wird. Popa ist Leiter des adventistischen Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“/„Hope Channel“, in Alsbach/Deutschland. Demnach war Jesus innerlich bewegt als er armen, hungrigen, hilflosen, akut sowie chronisch und psychisch kranken Menschen begegnete. Ihr Schicksal habe ihn berührt. Um Blockaden bei der Verbreitung des Evangelium zu lösen, empfehle er das Beispiel Jesu, so Popa: „Wer Menschen nahe ist, sieht sie, wird bewegt, kann helfen und heilen.“

„Mission ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde, sondern ihr Wesen.“
Mit dem Zitat von Arno Backhaus „Mission ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde, sondern ihr Wesen“, leitete der Moderator Christian Frei das Referat von René Gehring zur „(Un)Möglichkeit heutiger Mission“ ein. Dr. Dr. Gehring ist Pastor der Adventgemeinde Bogenhofen und Dozent am Theologischen Seminar am gleichen Ort in Oberösterreich.

Laut Gehrings Ausführungen sind Familie, Verwandte und Freunde die wichtigsten Einflussfaktoren, dass Menschen in einer postmodernen Gesellschaft zum christlichen Glauben finden. Postmoderne Menschen liessen sich nicht durch Theorien oder Wahrheiten überzeugen. Was sie aber beeindrucke, seien Menschen, deren Leben echt sei und die sich ihnen persönlich zuwenden würden. Für die christliche Verkündigung sei dies Dilemma und Chance gleichzeitig. „Postmoderne Menschen haben Respekt für Menschen, die persönlich und für etwas einstehen.“ Am Beispiel von Gideon, Richter im Alten Testament, zeigte Gehring in sieben Schritten auf, wie ausweglos erscheinende Situationen deblockiert werden können.

Segnungs- und Ordinationsfeier zum Pastorendienst: Eine Frau - drei Männer
In der zweiten Nachmittagsstunde wurde eine Frau für den Pastorendienst gesegnet und drei Männer ordiniert. Die Ordination (ordained Minister), bedeutet in der adventistischen Kirche eine Einsegnung für eine weltweite pastorale Tätigkeit. Pastorinnen können laut dem Beschluss der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) vom Sommer 2015 nicht ordiniert werden, sondern werden segnend beauftragt (commissioned Minister). Die segnende Beauftragung für adventistische Pastorinnen „ist die vollständige Beauftragung innerhalb der zuständigen“ regionalen Kirchenleitung (Vereinigung), sagte Pastor Günther Maurer, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz, bei der Feier. Gemäss einem Beschluss vom Dezember 2015 der Kirchenleitung in der Deutschschweiz sind gesegnete Pastorinnen ihren ordinierten Kollegen bezüglich Kompetenzen und Pflichten mit Ausnahme minimer Differenzen gleichgestellt. Pastorinnen können Hochzeiten, Beerdigungen, das Abendmahl und Taufen durchführen und werden auch lohnmässig wie die ordinierten Pastoren eingestuft.

Die Einsegnung sei die anerkannte Form der Amtsübertragung seitens der Gemeinde an die Pastoren und Pastorinnen, sagte Günther Maurer. Die Gemeinde anerkenne damit die Berufung Gottes und Befähigung der einzelnen Person zum Pastorendienst und sende sie gleichzeitig. Damit sei nach adventistischem Verständnis keine höhere Weihe verbunden, sondern eine funktionale Beauftragung, so Maurer. Pastoren seien Verkündiger und Multiplikatoren der Freude und des Friedens Gottes, die ihren Grund in der Heilserfahrung, der unverdienten Zuwendung Gottes zum Menschen, habe.

Das Segnungsgebet wurde bei jedem Pastor und der Pastorin von einem ordinierten Kollegen gesprochen, der ihnen nahe steht. Mit der einzusegnenden Person knieten auch die Partner beziehungsweise deren Kinder beim Segnungsgebet und wurden fürbittend einbezogen.

Der Nachmittag wurde mit Liedern des Jugendchors der Deutschschweizerischen Vereinigung abgeschlossen. Das Programm wurde in Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch übersetzt.

Die Kollekte im ersten Teil des Gottesdienstes war für die solidarische Finanzierung des weltweiten adventistischen Missionswerks bestimmt. Es wurden dafür rund 7.500 Franken gespendet.

Die Kollekte im zweiten Gottesdienstteil finanziert den Einsatz von sogenannten „HisHands“-Freiwilligen, die in der Schweiz mit ihren Gaben und Fähigkeiten - meist für ein bis zwei Jahre - einer Ortsgemeinde mithelfen, den Auftrag der Kirche zu erfüllen. Für die „HisHands“-Freiwilligen wurden rund 18.700 Franken eingelegt. Seit 2010 wurden in adventistischen Kirchgemeinden der Deutschschweiz 18 Freiwillige eingesetzt.

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Podiumsgespräch zu Fragen des religiösen Pluralismus in der Schweiz

Luzern/Schweiz | 22.03.2016 | APD | Schweiz

Am Podiumsgespräch zu Fragen des religiösen Pluralismus in der Schweiz, sagte Nationalrat Alfred Heer (SVP/Zürich), er sei gegen die Burka-Initiative. Der Staat sei nicht für Kleidervorschriften zuständig. Am Podium wurde über die Potenziale diskutiert, welche Religionen in einer säkularen Gesellschaft entfalten und welches die Chancen und Herausforderungen des interreligiösen Dialogs sind. Das Gespräch wurde am 1. März vom Ökumenischen Institut und der Professur für Dogmatik der Universität Luzern organisiert. Es diskutierten unter der Leitung von Gabriela Amgarten, Abt Urban Federer, Einsiedeln; Nationalrat Alfred Heer, Zürich; Dr. Gottfried Locher, Bern; Prof. Dr. Abbas Poya, Zürich; Dr. Lilo Roost Vischer, Basel.

Auf die Frage, weshalb es in der Schweiz vorwiegend Probleme mit dem Islam, aber nicht mit Buddhismus oder Hinduismus gebe, sagte Gottfried Locher, Präsident des Evangelischen Kirchenbundes der Schweiz, das habe auch mit Zahlen zu tun. Der Islam entwickle sich am schnellsten in einem Umfeld, das diese Religion nicht wirklich gekannt habe. Dann mache auch der Krieg im Nahen Osten Angst.

Burka-Initiative: Der Staat ist nicht für Kleidervorschriften zuständig
Nationalrat Alfred Heer, Parteipräsident der SVP im Kanton Zürich, hielt fest, dass er gegen die Burka-Initiative sei, weil seines Erachtens der Staat nicht für Kleidervorschriften zuständig sei. Die Burka sei kein Problem und die Lancierung dieser Initiative sei ihm unverständlich, so Heer.

Konkrete und diffuse Ängste
Es sei die grosse Anzahl muslimischer Flüchtlinge, welche gegenwärtig Ängste in der Bevölkerung hervorriefen, sagte Abbas Poya, Gastprofessor für Islamische Theologie und Bildung am Asien-Orient-Institut der Uni Zürich. Zudem kämen den Schweizern muslimische Gewohnheiten und Lebenspraktiken, wie Frauen mit Kopftuch oder die Tatsache, dass die meisten Muslime keinen Alkohol trinken und kein Schweinefleisch essen würden, fremd vor. Hinzu komme, dass es Personen gäbe, die mit solchen Ängsten politische „Geschäfte“ machten. Auch die Muslime müssten Schritte machen und sich zu demokratischen, liberalen Spielregeln bekennen. Pluralismus habe einen Preis. Theologisch-religiöser Pluralismus bedeute die Anerkennung der anderen Religionen, sagte Poya.

Die Ängste in der Bevölkerung in Bezug auf den Islam seien recht konkret, meinte Alfred Heer, speziell nach den Terroranschlägen in Paris. Es kämen aber auch diffuse Ängste hinzu, ergänzte Locher. Um die Ängste abbauen zu können, müsse man definieren, was man unter Vielfalt verstehe und sich klare Spielregeln geben. Vor allem dürfe man Probleme nicht „religionisieren“, wie dies oft gemacht werde, so Lilo Roost Vischer, Koordinatorin für Religionsfragen in der Fachstelle Diversität und Integration des Kantons Basel-Stadt. Man müsse auf der Sachebene bleiben.

Spielregeln zur Integration
Die neu Zugewanderten sollen sich „technisch“ integrieren, indem sie die Sprache erlernten oder Kenntnisse über politische Abläufe aneignen würden, sagte Gottfried Locher. Sie müssten aber auch die hier gültigen Spielregeln und den Wertekanon übernehmen und zwar unabhängig von der eigenen Religion. Dies betreffe zum Beispiel den Minderheitenschutz oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Interreligiöser Dialog
Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass das gegenseitige Kennenlernen im interreligiösen Dialog entscheidend sei, weil damit Beziehungen zwischen Menschen entstünden. Es handle sich dabei um eine zivilgesellschaftliche Diskussion und nicht um eine staatliche. Dafür brauche es eine Bereitschaft, differenziert zu denken, das schwarz-weiss Denken aufzubrechen und die Integration zu fördern. „Wenn sich nicht mehr Leute am interreligiösen Dialog beteiligen, wird es schwierig“, sagte Abt Urban Federer. Einheimische hätten oft Ängste, die nicht abgebaut werden könnten, solange sie sich dem Dialog nicht aussetzen wollten, ergänzte Lilo Roost Vischer.

Anerkennung des Islam
Vischer erwähnte, dass sich 70 Prozent der Bevölkerung des Kantons Basel-Stadt als „konfessionslos“ bezeichne. Ein Grossteil von ihnen verstehe sich aber weiterhin als Christen. Das seien die sogenannten „Oster-Weihnachts-Christen“. Die konfessionelle Bindung habe zwar abgenommen, Religion bleibe aber weiterhin ein Bauch- und Sachthema, so Vischer. Er sehe auch eine Distanzierung zur religiösen institutionellen Bindung, so Locher, eine Loslösung von religiösem Bewusstsein sei aber nicht zu erkennen.

Die Landeskirchen hätten Privilegien, wie die Kirchensteuer, verlören aber immer mehr Mitglieder, so Moderatorin, Gabriela Amgarten. Sie fragte, ob es nicht an der Zeit wäre, auch anderen, wachsenden religiösen Gemeinschaften den Zugang zu solchen Privilegien zu geben oder sie staatlich zu anerkennen.

In der Schweiz seien es die Kantone, welche die Anerkennung religiöser Gemeinschaften regelten, so Alfred Heer. Voraussetzungen seien unter anderem demokratische Verfassungen und die Gleichberechtigung in diesen Gemeinschaften. Dies könnten weder die orthodoxen Juden noch die Muslime leisten.

Die grossen Kirchen hätten während Jahrhunderten in einer Monopolsituation gelebt und viel Geld gehabt, sagte Gottfried Locher. Geld mache aber auch träge. Er sei dafür, dass mehr religiöse Gemeinschaften anerkannt würden, dafür brauche es aber klare Kriterien: Demokratische Verfassung, Minderheitenschutz, Gleichberechtigung, finanzielle Transparenz.

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Evangelische Allianz SEA: Öffentliche Entwicklungshilfe nicht kürzen

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | Schweiz

Die Bundesgelder der Schweiz für die öffentliche Entwicklungshilfe jetzt kürzen zu wollen, sei ein Schritt in die falsche Richtung und angesichts der weltweiten Herausforderungen verantwortungslos, schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz SEA in einer Medienmitteilung.

Die SEA reagiert mit ihrer Forderung auf die Entscheidung der Finanzkommission des Nationalrats welche am 19. Februar mit 11 zu 10 Stimmen empfohlen hat, die Entwicklungshilfe bis 2020 um zwei Milliarden Franken, von 0,5 Prozent auf rund 0,3 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) zu kürzen. „Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA ist enttäuscht über diese Haltung, die vor allem die ärmsten Menschen in der Welt treffen würde.“

Dringend nötige Entwicklungshilfe
Im Jahr 2014 hat die Entwicklungshilfe aufgrund eines früheren Parlamentsentscheides gerade 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens erreicht. Das sind jährlich über drei Milliarden Franken, - rund sechs Prozent der gesamten Bundesausgaben. Für etwas mehr Gerechtigkeit in der Welt und Hilfe für die Ärmsten der Weltbevölkerung sei dies ein wichtiger Tropfen auf den heissen Stein, so die Evangelische Allianz. Vielen Menschen sichere diese Hilfe das Überleben, gebe Hoffnung und verbessere die Zukunftsperspektiven für sie und ihre Kinder.

Sinnvolle Entwicklungshilfe
Die Entwicklungshilfe gerade jetzt wieder zu kürzen, wo sie die 0,5 Prozent-Marke des BNE erreicht habe, sei höchst fragwürdig und würde wohl auch seitens der internationalen Gemeinschaft wenig verstanden. Der von der UNO empfohlene Beitrag zur Entwicklungshilfe liegt bei 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens eines Landes.

Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation werde laut der Schweizerischen Evangelischen Allianz immer offensichtlicher, dass extreme Armut nicht nur grosses Unrecht bedeute, sondern auch weitreichende Konsequenzen haben und zudem weitere hohe Kosten verursachen könne. Die SEA ist der Meinung, dass es durchaus sinnvoll sein könne, „mit Entwicklungshilfe auch dem Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich entgegenzuhalten“. Dies sei für die Mehrheit der Weltbevölkerung mittelfristig ein besserer Weg.

Bund und Private tragen Verantwortung
Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA engagiere sich mit ihren Arbeitsgemeinschaften und Fachgruppen (StopArmut, Interaction, Hoffnungsnetz, Arbeitsgemeinschaft Klima, Energie, Umwelt) für eine nachhaltige und gerechte Entwicklung, sowohl in der Schweiz als auch weltweit. Diese Arbeitsgemeinschaften und ihre Fachgremien befürworteten eine solide öffentliche Entwicklungshilfe. Es sei notwendig, sinnvoll und effizient, dass sowohl private Akteure als auch die öffentliche Hand ihren Beitrag zur Bekämpfung der Armut und für die Entwicklung armer Bevölkerungsgruppen leisten würden. Der Einsatz für Solidarität und für mehr globale Gerechtigkeit sei Ausdruck einer christlichen Haltung.

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Adventisten in Schweden ordinieren keine Pastoren mehr

Stockholm/Schweden | 22.03.2016 | APD | International

Am 13. März hat der Exekutivausschuss der adventistischen Kirchenleitung (Sjundedags Adventistsamfundet) in Schweden beschlossen, keine Ordinationen zum Pastorendienst mehr durchzuführen. Damit sollen Männer und Frauen im Pastorendienst gleich behandelt werden. Dies teilte die Kirche auf ihrer Webseite auf Schwedisch und Englisch mit.

Demnach ist anlässlich einer ordentlichen Sitzung des Exekutivausschusses der adventistischen Kirchenleitung in Schweden am 13. März beschlossen worden, dass keine Männer mehr zum Pastorendienst ordiniert werden sollen. Im August 2015 habe das Gremium beschlossen, alle im Pastorendienst tätigen Personen von deren „Anstellung bis zu einer öffentlichen Anerkennung“ gleich zu behandeln. Zudem sei auch ein Komitee beauftragt worden im Rahmen der Arbeitsrichtlinien der adventistischen Weltkirchenleitung (Working Policy) Wege zu finden, die volle Gleichheit ermöglichten ohne die Begriffe „Ordination“, für ordinerte Pastoren und „Segnung“ (commissioning), für segnend beauftragte Pastorinnen, zu verwenden.

„Unethische und diskriminierende Entscheidung“
Die adventistische Weltsynode in San Antonio, Texas/USA, hat es im Juli 2015 abgelehnt, den weltweit dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) zu gestatten, in ihrem Gebiet tätige adventistische Pastorinnen zu ordinieren. Die Adventisten in Schweden akzeptierten diese Entscheidung. Sie habe aber das Problem der ungleichen Behandlung von Pastoren und Pastorinnen nicht gelöst.

„In Schweden wird diese Ungleichbehandlung von vielen als unethisch und diskriminierend empfunden und kann auch rechtlich angefochten werden, was das Vertrauen in unsere Botschaft und unseren Dienst gefährden kann“, heisst es im Begleitschreiben. Die Adventisten in Schweden zögen aus Respekt vor der Entscheidung der Weltsynode 2015 die vor vielen Jahren der Weltkirchenleitung unterbreitete Bitte, Pastorinnen ordinieren zu dürfen, zurück. Um der Arbeit der Kirche willen würden alle Pastoren in Schweden gleichgestellt und niemand mehr ordiniert. Damit solle ein geistliches Klima geschaffen werden, das es allen Mitgliedern ermöglichen soll, auf Gottes Berufung zum Dienst zu antworten. Dies biete der Kirche ein optimales Potenzial, um ihrem Auftrag in Schweden nachzukommen.

Die Adventisten in Schweden hätten seit mehr als 40-Jahren das Studium adventistischer Theologen bezüglich Leiterschaft von Frauen in der Kirche verfolgt. Sowohl die Bibel als auch die Aussagen der Mitbegründerin der adventistischen Kirche, Ellen G. White, bestätigten, dass Frauen von Gott zu geistlicher Leiterschaft berufen wurden. Deshalb sei es auch seit 1975 möglich, Frauen als Gemeindeälteste in Ortsgemeinden zu segnen und seit 1992, wie auch schon in der Frühgeschichte der Kirche, könnten Frauen mit Legitimationen (Berechtigungen) als Pastorinnen arbeiten. In der Frage der Ordination von Pastorinnen habe sich die Weltkirche aber noch nicht einigen können.

Für die Adventisten in Schweden sei klar, „dass die Autorität das Abendmahl, Taufen und Hochzeiten durchzuführen, Älteste und Diakone einzusetzen, Kirchgemeinden zu gründen und kirchliche Aufgabenbereiche zu leiten, Dienstfunktionen sind und nicht Ausdruck von Macht oder Status“, heisst es im Schreiben der Adventisten in Schweden.

Wo die Arbeitsrichtlinien der Weltkirchenleitung widersprüchlich seien, würden sie die Grundsätze der Gleichheit und Einheit bevorzugen, wie dies im Glaubensartikel Nr. 14 zum Ausdruck komme: „... Unterschiede zwischen Mann und Frau dürfen unter uns nicht trennend wirken.“

Beschlüsse
In der adventistischen Kirche in Schweden würden Pastoren und Pastorinnen, auch die bereits ordinierten, dieselben Legitimationen und Bezeichnungen erhalten: „Commissioned Minister License“ als Legitimationen für den lokalen und „Commissioned Minister Credentials“ für den nationalen Bereich. Die Legitimation „ordinierter Pastor“ entfalle.

Diese Beschlüsse sollen bei den Adventisten in Schweden gültig bleiben, bis die Weltkirchenleitung eine neue Regelung für die Legitimierung von Pastoren schaffe, die den Grundsätzen von Einheit und Gleichheit entspreche sowie alle einbeziehe, die durch Gottes Geist zum Dienst berufen und von Gott für den Dienst ausgerüstet würden.

Adventisten in Schweden
In Schweden leben 2.805 Siebenten-Tags-Adventisten, die in 33 Kirchgemeinden am biblischen Ruhetag, dem Samstag (Sabbat), Gottesdienst feiern. Die Adventisten unterhalten ein Gymnasium, ein Medienzentrum sowie das Hilfswerk ADRA Schweden.

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Theologische Hochschule Friedensau befürwortet Ordination von Frauen

Friedensau bei Magdeburg/Deutschland | 22.03.2016 | APD | International

Die Theologen der Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg sind davon überzeugt, dass die geltende Ordinationspraxis der Freikirche aufgrund der Heiligen Schrift einer Korrektur bedarf. Der Fachbereichsrat Theologie der Theologischen Hochschule sprach sich in einer Stellungnahme am 16. März einstimmig dafür aus, die volle Gleichstellung von Männern und Frauen im pastoralen Dienst herzustellen.

Das Neue Testament bezeuge eine vom Geschlecht unabhängige Beauftragung zu leitenden Diensten in der Kirche. Allerdings gelte es auf die jeweilige kulturelle Situation in einem Land Rücksicht zu nehmen, um die Verkündigung des Evangeliums nicht einzuschränken. Da Frauen in der adventistischen Kirche nicht als Pastorinnen ordiniert werden können, werde hierzulande die Ausbreitung des Evangeliums in zweifacher Weise behindert: „Einerseits, weil ihre Geistesgaben und Führungsfähigkeiten zum Teil ungenutzt bleiben, andererseits, weil eine Kirche in der modernen Gesellschaft unglaubwürdig wird, wenn sie Menschenrechte missachtet, die auf der biblisch-christlichen Tradition beruhen“, so die Friedensauer Theologen.

Ordination als Einführung in einen Dienst
Zudem werde in der adventistischen Kirche, abweichend vom urchristlichen Verständnis, Ordination häufig weniger als Einführung in einen Dienst verstanden, sondern mehr als Übergang in einen neuen Status. Das zeige sich unter anderem daran, dass Frauen zwar praktisch alle Tätigkeiten eines Pastors ausüben dürften, aber für ihre Aufgaben nicht ordiniert würden, und dass nur ordinierte Amtsträger andere ordinierten. In neutestamentlicher Zeit sei die Ordination eine öffentliche Übertragung eines Dienstes gewesen, um durch Handauflegung auf die gewählte Person um den Segen Gottes für die Amtsführung zu bitten. Diese Handlung sei von jenen vorgenommen worden, welche über die Berufung entschieden hätten. Dabei wäre es nicht entscheidend gewesen, ob jene selbst ordiniert waren oder nicht. Das Geschlecht habe dabei keine Rolle gespielt, ausser die Ordination hätte die Verkündigung des Evangeliums behindert.

Da die Ordination an einen Dienstauftrag gebunden sei, hinter dem beauftragte Gremien stünden, gelte sie nur für den von diesen Gremien verantworteten Bereich. Eine Ordination als Pastor oder Pastorin in einem Gebiet schliesse nicht automatisch das Recht auf eine über dieses Gebiet hinausreichende Tätigkeit ein. Werde jemand zum Dienst in einem ausgedehnteren Verantwortungsbereich gerufen, etwa vom Pastor zum Vorsteher, müsse eine erneute Wahl und Ordination durchgeführt werden.

Ordination von Frauen fördert Mission und Dienst der Freikirche
Der Fachbereich Theologie der Friedensauer Hochschule äusserte die Überzeugung, dass die Mission und der Dienst der Freikirche durch die Ordination von Pastorinnen gefördert würden. Er appellierte an den Nord- und Süddeutschen Verband sowie an die Intereuropäische Division als teilkontinentale Kirchenleitung, dafür Sorge zu tragen, dass die Ordination nach biblischen Prinzipien gehandhabt werde. Die Theologen seien bereit, sich aktiv in „die Suche nach Lösungsmöglichkeiten weiter einzubringen und dazu beizutragen, dass unsere Freikirche ein glaubwürdiges Zeugnis in der Gesellschaft ablegen kann“.

Adventistische Weltsynode lehnt Ordination von Pastorinnen ab
Am 8. Juli 2015 hatten es die rund 2.300 Delegierten der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) in San Antonio, Texas/USA, als oberstes Gremium der Freikirche mit rund 40 zu 60 Prozent abgelehnt, den weltweit dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Kompetenz zu erteilen, adventistische Pastorinnen in ihrem Verwaltungsgebiet zum Pastorendienst zu ordinieren.

Adventistische Frauen können nach dieser Entscheidung der Weltsynode zwar weiterhin nach ihrem mehrjährigen Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ beziehungsweise einer „Union“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung), berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Diskussion über Frauenordination seit über 130 Jahren
Die Diskussion über die Frauenordination begann in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten vor mehr als 130 Jahren und hat sich seit den 1970er Jahren intensiviert. Das besonders in jenen Ländern, in denen sich Kirchenmitglieder für Veränderungen einsetzten, so in den USA, Europa, Neuseeland und Australien. So beschloss 1974 der Exekutivausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), dass Frauen als örtliche, ehrenamtliche Gemeindeälteste ordiniert werden dürfen. 1977 beschloss der Exekutivausschuss, dass „beauftragte“, aber noch nicht ordinierte hauptamtliche Pastoren auch Funktionen eines ordinierten Pastors, wie Taufe und Abendmahl, in einer Ortsgemeinde ausüben können, wenn sie als Gemeindeälteste ordiniert wurden. Dadurch erhielten auch als Gemeindeälteste ordinierte Frauen die Möglichkeit, als hauptamtliche Pastorinnen „beauftragt“ zu werden und bestimmte Funktionen in einer Ortsgemeinde auszuüben. Voraussetzung war, dass sie wie ihre männlichen Kollegen ein Theologiestudium absolviert hatten.

Die Weltsynoden 1985 in New Orleans, Louisiana/USA, und 1995 in Utrecht/Niederlande bestätigten diese Praxis. Die Weltsynode 2010 in Atlanta, Georgia/USA, beschloss zudem die Ordination von Frauen als Diakoninnen. Männliche und weibliche Diakone sind in den Ortsgemeinden ehrenamtlich tätig. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen blieb weiterhin umstritten.

Dennoch gab es bereits vor der Entscheidung vom 8. Juli 2015 in San Antonio in folgenden Ländern Beschlüsse zur Ordinationen adventistischer Pastorinnen auf regionaler Ebene: Dänemark, Deutschland (Norddeutscher Verband), Niederlande, Norwegen und USA (Pacific Union Conference und Columbia Union Conference). Auch der Exekutivausschuss der Intereuropäischen Division, die adventistische Kirchenleitung in West- und Südeuropa, sprach sich in seiner Herbstsitzung im November 2013 in Madrid einstimmig dafür aus, Frauen zum Pastorenamt „unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der unterschiedlichen Länder/Verbände“ zu ordinieren.

Deutsche Freikirchenleitung für Frauen als vollbeauftragte Pastorinnen
Die Vorstände des Nord- und Süddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bedauerten die Entscheidung der adventistischen Delegierten der 60. Generalkonferenz-Vollversammlung in San Antonio zur Frauenordination. In ihrer Stellungnahme vom 14. Juli 2015 heisst es: „Eine positive Antwort wäre aus unserer Sicht angemessen und überfällig gewesen und hätte dem mutigen (Pionier-)Geist der Adventbewegung besser entsprochen.“ Während die Vorstände den Willen der Mehrheit der Vollversammlung respektierten, würden sie jedoch entschieden jeder Form der Diskriminierung von Frauen entgegentreten. „Wir glauben, dass Männer wie Frauen mit denselben Gaben ausgestattet werden, die für den Dienst als Pastor/Pastorin erforderlich sind. Deshalb werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Frauen als vollbeauftragte Pastorinnen in unseren Gemeinden einzusetzen“, so die Vorstände. Die deutschen Freikirchenleiter ermutigten junge Frauen, sich an der adventistischen Theologischen Hochschule in Friedensau bei Magdeburg zum Dienst als Pastorin ausbilden zu lassen.

Unterschiedliche Reaktionen
Nach der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 zur Kompetenzregelung bezüglich der Frauenordination reagierten die überregionalen adventistischen Kirchenleitungen (Unionen) in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Slowakei, Tschechien und in den USA auf unterschiedliche Weise.

Norwegen
Am 20. September 2015 beschloss der Exekutivausschuss der nationalen, adventistischen Kirchenleitung in Norwegen (NORUC), künftig keine Pastoren mehr zu ordinieren. Sowohl Pastoren als auch Pastorinnen sollen mit einem Fürbittgebet in den vollen Pastorendienst eingeführt werden.

Dänemark
Der Exekutivausschuss der Adventisten in Dänemark (DUChC) beschloss am gleichen Tag, nach Abschluss der Pastoralassistenzzeit, ausschliesslich den Begriff „Pastor/Pastorin“, ohne die Bezeichnung „ordiniert“ oder „gesegnet“, gleichermassen für Männer und Frauen zu verwenden.

Niederlande
Adventisten in den Niederlanden wollen Frauen auch in Zukunft ordinieren. In einer Erklärung nach dem Beschluss der Weltsynode hält die niederländische Kirchenleitung fest: „Die Delegierten der adventistischen Kirchgemeinden in den Niederlanden haben im Herbst 2012 beschlossen, Frauen in gleicher Weise wie ihre männlichen Kollegen zum Pastorendienst zu ordinieren. Dieser Beschluss trat im Juni 2013 in Kraft und bleibt es weiterhin. Die Entscheidung der Generalkonferenz-Vollversammlung von San Antonio ändert daran nichts.“

Italien
Die Kirchenleitung der Adventisten in Italien (UICCA) hat am 16. September 2015 „ein respektvolles, aber starkes Zeichen des Dissenses und des Protests“ gegenüber der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) zur Frauenordination veröffentlich und geeignete administrative Massnahmen angekündigt.

Frankreich und Belgien
Der Exekutivausschuss der Siebenten-Tags-Adventisten in Frankreich und Belgien (Union Franco-Belge, UFB) stimmte am 11. November 2015 in Paris einer Erklärung zu, die einen allmählichen Gesinnungswandel anstossen will, um künftig die geschlechtsunabhängige Ordination zum Pastorendienst zu ermöglichen. Die Kirchenleitung will auch die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit adventistische Pastorinnen dasselbe Gehalt wie ihre männlichen, ordinierten Kollegen beziehen.

Slowakei und Tschechien
Der Exekutivausschuss der adventistischen Kirchenleitung für Tschechien und die Slowakei (Církev adventistu sedmého dne Cesko-Slovenská unie) verabschiedete am 11. November 2015 eine Erklärung welche den Beschluss der adventistischen Weltsynode vom Juli 2015 zur Frauenordination bedauert. Der Beschluss der Generalkonferenz-Vollversammlung basiere auf kirchlicher Autorität, stehe aber nicht in Übereinstimmung mit dem biblischen Befund sowie im Widerspruch zu Artikel 14 der adventistischen Glaubensüberzeugungen, der betont, dass „Unterschiede zwischen Mann und Frau … unter uns nicht trennend wirken“ dürften. Deshalb würden Frauen ermutigt, sich auch im Pastorendienst zu engagieren.

Schweden
Am 13. März 2016 hat der Exekutivausschuss der adventistischen Kirchenleitung (Sjundedags Adventistsamfundet) in Schweden beschlossen, keine Ordinationen zum Pastorendienst mehr durchzuführen. Damit sollen Männer und Frauen im Pastorendienst gleich behandelt werden.

USA
In den USA haben im Oktober 2015 neun Theologieprofessoren der renommierten adventistischen Andrews-Universität in Berrien Springs, Michigan, die gleichzeitig ordinierte Pastoren waren, als Reaktion auf den ablehnenden Beschluss der Weltsynode ihre Ordinationsurkunden zurückgegeben. Sie baten, für sie Legitimationen als „gesegnete/beauftragte“ Pastoren, wie für adventistische Pastorinnen, auszustellen.

In den USA wurden im Gebiet der überregionalen Kirchenleitungen der Columbia Union Conference im Osten und der Pacific Union Conference im Westen der USA bereits vor der Generalkonferenz-Vollversammlung von 2015 Frauen als Pastorinnen ordiniert. Diese Ordinationen wurden bisher nicht zurückgenommen.

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Tauftheologien und Taufpraxis im Wandel

Bensheim/Deutschland | 22.03.2016 | APD | International

Mit Tauftheologien und Taufpraxis im Wandel befasste sich die 60. Europäische Tagung für Konfessionskunde, die vom 4. bis 5. März in Bensheim/Deutschland stattfand. Ziel war es, sich mit Veränderungen im Taufverständnis, der Taufanerkennung und der Taufpraxis in verschiedenen christlichen Kirchen zu beschäftigen.

Das Thema „Taufe“ werde heute weder ökumenisch noch innerevangelisch einheitlich gedeutet und praktiziert. Darauf verwies Jörg Bickelhaupt, Referent für interkonfessionelle Theologie am Zentrum Ökumene in Frankfurt am Main/Deutschland. Die Spannung zwischen Gläubigentaufe und Säuglingstaufe sei theologisch bis heute wirksam. Die Aspekte Bekehrung und Lebensänderung in Verbindung mit der Taufe würden vielfach aus dem Blick geraten. Bickelhaupt benannte drei hinter den unterschiedlichen Auffassungen stehende Grundfragen, die der ökumenischen Klärung bedürften: In welchem Zusammenhang stehen Willensfreiheit und (geschenkter) Glaube? Wird die Taufe als effektiv wirksame Handlung oder zeichenhaft verstanden? Und sind die Kirchen - auch bei unterschiedlicher Beantwortung grundsätzlicher Fragen - dazu bereit, die liturgische Praxis und theologische Auffassungen anderer Kirchen anzuerkennen?

Taufvorbereitung Erwachsener in der römisch-katholischen Kirche
Hubertus Schönemann, Leiter der Katholischen Arbeitsstelle „Missionarisch Kirche sein“ in Erfurt, referierte über die Erfahrungen mit der Taufvorbereitung Erwachsener im Bereich der römisch-katholischen Kirche. Den Erwachsenen stehe ein „gestalteter Weg des Christwerdens“ offen, mit den Schritten Vorkatechumenat, Gebet um Befreiung, Einschreibung zur Taufe, den unmittelbaren Vorbereitungen, der Buss- und Stärkungsfeier und schliesslich mit der Taufe in der Osternacht als Höhepunkt. Ziel sei es, „den individuellen Glaubensvollzug zu entwickeln und zu stärken, die eigene Berufung als Teil der Sendung des Gottesvolkes zu entdecken.“

Entwicklungen in der baptistischen Tauftheologie: Taufe als „Initiationsritus“
Neue Entwicklungen in der baptistischen Tauftheologie und Taufpraxis stellte Oliver Pilnei, Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal, vor. Er plädierte dafür, die Taufe als „Initiationsritus“ aufzufassen, der einen lebenslangen Glaubensweg begründe. Dies dürfe von Baptisten nicht als „Behelfsbrücke“ zur Anerkennung der Säuglingstaufe gesehen werden sondern als Möglichkeit, die als Säugling getauften Christen in ihre Gemeinde aufzunehmen. Die Volkskirche hingegen müsse darüber nachdenken, den Zusammenhang von Säuglingstaufe und Kirchenmitgliedschaft zu entkoppeln.

Taufritus in der Russisch-orthodoxen Kirche
Der Taufritus in der Russisch-orthodoxen Kirche bestehe seit dem vierten Jahrhundert fast unverändert, wie Evgeny Pilipenko referierte, der am Kyrill-und-Method Postgraduierteninstitut des Moskauer Patriarchates lehrt und Mitarbeiter des Kirchlich-Wissenschaftlichen Zentrums „Orthodoxe Enzyklopädie“ in Moskau ist. Die Lehrbildung zur Taufe sei in der Orthodoxie nicht sehr ausgeprägt und führe zu einem gewissen Freiraum für liturgische Entscheidungen der lokalen Priester, erläuterte Pilipenko. Allerdings bestehe in vielen russischen Familien ein traditionsgebundenes oder magisches Verständnis. Pilipenko stellte für westliche Hörer und Hörerinnen ungewöhnliche Aspekte dar, z.B. dass die orthodoxe Schöpfungslehre Taufen von Säuglingen verneint, die mit Hilfe von Leihmutterschaft gezeugt wurden, es sei denn Eltern bekennen ihre schwere Schuld und unterziehen sich einer Kirchenbusse.

Ungebrochenen Trend zur Kindertaufe bei Evangelischen
Einen ungebrochenen Trend zur Kindertaufe stellte Regina Sommer, Professorin für Praktische Theologie an der Philipps-Universität Marburg, in ihrem nicht persönlich verlesenen Referat fest. Nahezu 89% aller Evangelischen würden sich für die Taufe eines Kindes entscheiden. Allerdings nehme diese Zustimmung bei Jüngeren ab, von den 20-29 Jährigen würden nur noch ein Fünftel ihr Kind taufen lassen, so die Ergebnisse der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Daraus ergäben sich nach Sommer neue Aufgaben für Theologie und Religionspädagogik. Kirche müsse die Beteiligten zunächst in ihrer Lebenssituation wahrnehmen und bei der Gestaltung der Tauffeier einbeziehen. Dabei sei eine Flexibilisierung der Orte und Zeiten erforderlich. Die Taufe sei „mehr als ein naiv-freundliches Lebensbegrüssungs- und Segensfest, ihr theologischer Tiefensinn macht sie attraktiv.“ Nötig sei nach Sommer auch, „den Zusammenhang von Taufe und Kirchenmitgliedschaft weiter zu denken.“

Taufe darf nicht allein dem „Eventcharakter“ verpflichtet sein
Den Zusammenhang von Wasserritual und gesprochenem Wort beleuchtete Jörg Neijenhuis, Professor für Praktische Theologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Taufe dürfe nicht dem „Eventcharakter“ allein verpflichtet sein. Kenntnisse über Bedeutung von Ritualen und Orten im Zusammenhang mit der Taufe würden verschwinden, wenn man unter freiem Himmel etwa am Badesee oder Flussufer taufe.

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Freikirchen in Europa und reformatorische Identität

Wittenberg/Deutschland | 22.03.2016 | APD | International

Mit dem Thema „Reformatorische Identität im europäischen Freikirchentum“ befasste sich die Frühjahrstagung des Vereins für Freikirchenforschung (VFF) am 12. und 13. März in der Lutherstadt Wittenberg. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Evangelischen Wittenberg-Stiftung in der früheren kursächsischen Landesuniversität Leucorea statt, an der auch der Reformator Martin Luther und sein engster Vertrauter Philipp Melanchthon lehrten.

Der Vorsitzende des VFF, Dr. Christoph Raedel, ein evangelisch-methodistischer Theologe, der an der Freien Theologischen Hochschule Giessen (FTH) als Professor für Systematische Theologie lehrt, betonte in der Einführung zur Tagung, dass die Freikirchen in Deutschland sich im Namen oder im Selbstverständnis nahezu ausnahmslos als „evangelisch“ bezeichneten. Geschichtlich gesehen habe diese Identität vor allem im Gegenüber zu den Landeskirchen gestanden. Es sollte ausgedrückt werden: „Wir sind zwar keine evangelischen Landeskirchen, aber wir sind auch gut evangelisch.“ Dennoch stellten sich zum Attribut „evangelisch“ im Blick auf die Freikirchen einige Fragen: Wie verhalten sich reformatorisches Erbe und erweckliche Prägung zueinander? Wie greifen Theologie, Frömmigkeit und Kultur in der Ausbildung freikirchlicher Identität ineinander? Und welchen Beitrag können Freikirchen mit ihrem Verständnis von „evangelisch“ leisten? Mit diesen Fragen befassten sich auch die Referenten.

Den Dissentern in Grossbritannien war die Reformation nicht radikal genug
Dr. David Bebbington, ein Baptist, Professor für Geschichte an der schottischen Universität Stirling nordwestlich von Edinburgh, sprach über „Reformation und rivalisierende Identitäten im britischen Dissent“. Die Dissenter („Widersprechenden“ oder „Abweichler“) waren in Grossbritannien Protestanten, die ausserhalb der Church of England und der Church of Scotland ihre Gottesdienste feierten. Während die etablierten Kirchen vom Königshaus und vom Parlament unterstützt wurden, lehnten die Dissenter eine staatlich begünstigte Religion ab.

Im 17. Jahrhundert gab es von ihnen drei Gruppen. Die Presbyterianer lehnten eine bischöfliche Verfassung ab, hielten jedoch an einer gegenüber den örtlichen Gemeinden höhergestellte Führung durch Kirchengremien fest. Die Independents („Unabhängigen“) oder auch Kongregationalisten genannt, kämpften für die Unabhängigkeit zwischen allen örtlichen Kirchengemeinden, damit sie die Vollmacht besassen, ihre eigenen Angelegenheiten selbst regeln zu können. Die letzte dieser drei Gruppen waren die Baptisten, die in ihrer Organisationsform mit den Independents fast identisch waren, jedoch nur die Taufe von Gläubigen praktizierten. Eine vierte Gruppe, die Society of Friends („Religiöse Gesellschaft der Freunde“), existierte zwar auch ausserhalb der Church of England, wurde jedoch von den anderen drei Gruppen für gewöhnlich als häretisch verworfen. Im 18. Jahrhundert entstand innerhalb der Church of England mit dem Methodismus eine weitere Bewegung, die sich jedoch gegen Ende des Jahrhunderts grösstenteils aus der nationalen Kirche hinausbewegte.

Laut David Bebbington stand bei den Dissentern in Grossbritannien die Reformation in wechselndem Ansehen. Sie verdankten ihre Existenz zwar der Reformation, blickten jedoch nur mit grosser Reserviertheit auf sie die zurück. Die kontinentale Reformation war für die meisten von ihnen nicht radikal genug, und die englische Reformation war von Staatswegen her durchgesetzt worden. Vom 18. Jahrhundert an war es vor allem die Erweckung, die ihr Gemeinschaftsleben prägte, sodass die Reformation nur gelegentlich und in begrenzter Weise ihre Identität prägte.

Auch die Freikirchen berufen sich auf die Reformation
Rainer W. Burkart, Pastor der Mennonitengemeinde in Enkenbach östlich von Kaiserslautern, hatte das Thema „Den Weg der Versöhnung gehen. Die Überwindung früherer Konflikte in den Dokumenten der bilateralen Konsensökumene“. Er wies darauf hin, dass es durchaus Dialoge zwischen den evangelischen Kirchen und den Freikirchen, wie Baptisten, Methodisten, Mennoniten, Adventisten und Pfingstlern, gebe. Auch untereinander führten die Freikirchen bilaterale Gespräche, etwa Mennoniten und Baptisten oder Adventisten und Mennoniten.

Burkart stellte fest, dass besonders die Mennoniten auf der südlichen Halbkugel der Erde immer mehr Interesse an ihren täuferischen Wurzeln hätten, die bis in die Reformationszeit reichten. Der Pastor befasste sich in seinem Referat mit den Dialogen, welche die Mennoniten mit Vertretern reformierter und lutherischer Kirchen führten. Er erinnerte an die massenhafte Vertreibung, Verfolgung und Inhaftierung von Täufern und Täuferinnen in der Kirchengeschichte. Schätzungsweise 2.000 bis 3.000 Exekutionen von Taufgesinnten liessen sich in Europa anhand der Quellen nachweisen.

Schuldbekenntnis der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
Am 26. Juni 2004 verlasen Vertreter der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich anlässlich des 500. Geburtstages des Schweizer Reformators Heinrich Bullinger ein Schuldbekenntnis zum Verhältnis der reformierten Kirchen zu den Kirchen der täuferischen Tradition in einem Gottesdienst im Grossmünster in Zürich. Damit wurde ein seit den 1980er Jahren geführter Dialogprozess feierlich abgeschlossen. Interessant sei, so Burkart, dass gerade Jubiläen den Auftakt zu derartigen intensiv geführten Dialogen über die konfliktreiche Geschichte der beteiligten Kirchen bildeten.

Eine peinliche Einladung
Als 1980 die deutschen Lutheraner den 450. Jahrestag der Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis) feierten, seien dazu auch die Mennoniten aufgrund ihrer festen Verankerung in der Ökumene eingeladen worden. Doch die Mennoniten hätten das „Hauptbekenntnis“ der lutherischen Konfessionsfamilie nur unter Vorbehalt mitfeiern können, da in dieser Urkunde die Verwerfung der Täufer einschliesslich ihrer ewigen Verdammnis festgeschrieben sei. Burkart: „Wir hätten unsere eigene Verdammung feiern sollen.“

Aufgrund der „peinlichen“ Situation des Jubiläums von 1980 entstanden in Deutschland, aber auch in Frankreich, Dialoginitiativen, die immer weitere Kreise zogen. Während der 11. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) am 22. Juli 2010 in Stuttgart baten die Lutheraner die Mennoniten um Vergebung für das den Täufern zugefügte Unrecht. Die Vertreter der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) nahmen die Versöhnungsbitte an. Eine internationale Studienkommission arbeite angesichts des bevorstehenden Reformationsjubiläums von 2017 weiter an der Konfliktgeschichte des 16. Jahrhunderts, um die „Heilung der Vergangenheit“ zu ermöglichen, so Burkart.

Ein Platz im Schatten
Er merkte jedoch kritisch an, dass das Täufertum trotz aller Beteuerungen des lutherisch-mennonitischen Versöhnungsprozesses auf Weltebene in den bisherigen Veröffentlichungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Reformationsjubiläum weitgehend unberücksichtigt geblieben sei. Sofern die Täufer erwähnt würden, werde ihnen eine Sonderstellung eingeräumt, so dass sie nicht wirklich zur Reformation dazu gehörten. Sie fänden daher keinen angemessenen Platz in den Jubiläumsfeierlichkeiten. Es stelle sich deshalb laut Burkart die Frage der Deutungshoheit: Wer definiert die Begriffe Reformation und evangelisch? Für den „linken“ Flügel der Reformation, nämlich die Täufer, bleibe wohl auch zum 500. Geburtstag wieder nur ein Platz im Schatten.

Begegnung auf Augenhöhe
Dr. Heike Miller, Pastorin der ghanaischen Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Frankfurt am Main, befasste sich mit der „Reformatorischen Identität in methodistischen Migrantengemeinden“. Sie geht davon aus, dass die Grundlagen der Reformation „solus Christus“ (allein Christus), „sola gratia“ (allein aus Gnade), „sola fide“ (allein aus Glauben) und „sola scriptura“ (allein die Heilige Schrift) auch heute besonders in Migrantengemeinden gelebt werden könnten. Migranten bräuchten sich daher nicht ständig für das entschuldigen, was sie aufgrund ihrer Kultur anders machten. Da sie von der Gnade lebten, könnten sie selbstbewusst Verantwortung übernehmen. Dazu gehöre auch, das Evangelium in der eigenen Sprache zu studieren und weiterzugeben. Wer nicht lesen könne, dem müsse entsprechend geholfen werden. Den Glauben gelte es nicht nur allgemeinverständlich zu verkündigen, sondern auch durch die eigene Lebensweise zu bezeugen.

Auch Migranten stünden in der Gefahr, „sich selbst zu genügen“, so Pastorin Miller. Sie müssten sich daher immer wieder die Frage stellen, ob sie eine Kirche oder lediglich einen kulturellen Club bildeten. Reformation bedeute zudem die ständige Erneuerung der Kirche. Dazu gehöre die „Begegnung auf Augenhöhe“, sowohl mit einheimischen Christen, wie auch mit Migranten aus anderen Kulturen. Es bestehe die Tendenz, dass die neu nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge von denen, die schon länger in der Bundesrepublik leben, abgelehnt würden: „Die nehmen uns nur die Aufmerksamkeit und die Arbeitsplätze weg“, hiesse es. Auch hier sei eine Begegnung auf Augenhöhe notwendig, denn gerade christliche Migranten hätten hierzulande eine spezielle Aufgabe.

Ein erweckliches Evangelium für den europäischen Kontinent
Dr. Manfred Henke aus Gross Grönau bei Lübeck, Mitglied der Neuapostolischen Kirche, stellte seinen Forschungsbericht zu „Internationale Verbindungen in der Entstehung deutscher Freikirchen“ bezüglich der Continental Society vor. 1819 gründeten Henry Drummond und Robert Haldane in London die evangelikale „Continental Society for the Diffusion of Religious Knowlegde over the Continent of Europe“, um auf dem europäischen Festland ein „erweckliches“ Evangelium zu verkündigen. Die Gesellschaft verstand sich als „überkonfessionell“ und finanzierte in verschiedenen europäischen Ländern „Agenten“, die selbständig arbeiten konnten und lediglich tagebuchartige Arbeitsberichte nach London senden mussten. 1823 wurde der deutsche Christ Johann Gerhard Oncken nach Hamburg gesandt. Er war in Nordwestdeutschland missionarisch aktiv und knüpfte viele Kontakte. Oncken wurde 1834 Baptist und in der Folgezeit zu einem der bedeutenden Kirchengründer im Europa des 19. Jahrhunderts. Auch die 1831 in England entstandene Katholisch-apostolische Kirche konnte durch die Kontakte der „Agenten“ ebenfalls auf dem europäischen Kontinent Fuss fassen, so Henke.

Zum Abschluss der Tagung informierte Edgar Lüllau, Leverkusen, Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, über die „Anfänge baptistischer Mission in Kamerun: Zwischen reformatorischer Identität und kultureller Prägung“. Die in Wittenberg gehaltenen Referate werden im Jahrbuch des Vereins für Freikirchenforschung dokumentiert, der 2017 erscheinen soll. Die VFF-Herbsttagung 2016 findet am 10. und 11. September auf dem Thomashof bei Karlsruhe zum Thema „Reformatio und Restitutio? Vorstellungen von Erneuerung der Kirche in der Geschichte der Freikirchen“ statt.

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Freikirchen in Deutschland unterstützen die „Allianz für Weltoffenheit“

Kassel/Deutschland | 22.03.2016 | APD | International

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) hat ihre Unterstützung für die Erklärung der „Allianz für Weltoffenheit“ zum Ausdruck gebracht. „Dieser Beschluss ist für uns sowohl ein Signal in die Öffentlichkeit als auch eine Selbstverpflichtung“, sagte VEF-Präsident Ansgar Hörsting am Rande der Mitgliederversammlung der Vereinigung in Kassel: „Als Freikirchen in Deutschland setzen wir uns für die Menschenwürde aller ein, die in unserem Land leben – ob sie hier geboren wurden oder erst seit kurzem hier leben. Und wir wenden uns klar gegen Intoleranz, Hass und jede Form von Ungleichbehandlung.“

Die ganz praktische Bedeutung dieses Themas für die Freikirchen sei gerade in der aktuellen Flüchtlingskrise deutlich geworden, so Hörsting: „Viele Ortsgemeinden setzen sich mit grossem Engagement für Flüchtlinge ein und leisten damit einen Beitrag in dieser durchaus herausfordernden gesellschaftlichen Situation.“ Damit, so Hörsting weiter, setzten die Gemeinden das in die Tat um, was in der Erklärung der „Allianz für Weltoffenheit“ als Fazit am Ende steht. Dort ist formuliert: „Gerade in Krisenzeiten dürfen wir die rechtsstaatlichen, sozialen und humanitären Errungenschaften unserer Gesellschaft nicht aufgeben. Die Würde des Menschen zu schützen, ist unser Ziel. Deshalb engagieren wir uns mit vereinten Kräften für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Deutschland und Europa.“

Die VEF stellte sich damit nach Angaben von Hörsting auch explizit hinter den Passus aus der Erklärung, der das Engagement aller gesellschaftlichen Gruppen fordert: „Die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen, ihre Integration und die Verhinderung von sozialer, kultureller und gesellschaftlicher Spaltung sind eine Gemeinschaftsaufgabe. Bund, Länder und Kommunen, Wirtschaft und Gewerkschaften, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Organisationen der Wohlfahrtspflege sowie die gesamte Zivilgesellschaft müssen auch weiterhin Verantwortung tragen.“ Für die Kirchen ergebe sich diese Forderung aus dem Auftrag der Bibel, so Hörsting: „In unseren Ortsgemeinden reden wir nicht nur über die Liebe Gottes zu den Menschen, sondern wir geben sie durch Taten weiter.“

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und zwei Gastkirchen, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, an. Verschiedene Arbeitsgruppen der VEF befassen sich mit Themen wie Evangelisation und missionarischer Gemeindeaufbau, gesellschaftliche Verantwortung, Rundfunkarbeit, Angebote für Kinder und Jugendliche oder theologische Aus- und Weiterbildung. Weitere Informationen: www.vef.de.

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Australien: Adventisten schaffen unabhängige Stelle für Kinderschutz

Wahroonga, NSW/Australien | 22.03.2016 | APD | International

Die teilkontinentale Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Australien (South Pacific Division SPD) hat eine unabhängige Stelle für Kinderschutz und gefährdete Personen geschaffen.

Nach Angaben der australischen Kirchenzeitschrift Adventist Record wurde Dean Banks als Projektleiter für den Aufbau der neuen, unabhängigen Stelle für Kinderschutz der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Australien ernannt, die Ende 2016 in Betrieb sein soll. Die staatlichen Richtlinien und geänderten Gesetze hätten die Schaffung einer zentral geführten und mit Kompetenzen ausgestatteten Stelle innerhalb der Kirche nahegelegt, die bei Problemen standardisierte Abläufe gewährleisten könne. Sie werde auch sicherstellen, dass Fachleute die Beschwerden behandeln würden und Interessenskonflikte ausgeschlossen seien.

„Zunächst entwickeln wir ein Modell für Australien und Neuseeland, welches die Grundlage für die Behandlung von Fragen des Missbrauchs im Südpazifik bieten wird“, sagte Dean Banks.

Die adventistische Kirchenleitung in Australien arbeite gegenwärtig an einer Reihe weiterer Initiativen in diesem Bereich, darunter seien Ausbildungsmodule für Pastoren, ein nationales Täterregister, ein nationales Entschädigungs- bzw. Wiedergutmachungssystem für Missbrauchsopfer sowie eine eLearning-Website zur permanenten Ausbildung von Angestellten und Freiwilligen der Kirche im Kinderschutz.

Kinderschutz bei Adventisten in der Schweiz
Mit der 2015 publizierten Broschüre "Wenn ich mal nicht weiterweiss..." wollen die Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz schulpflichtige Kinder der Freikirche über sexuelle Ausbeutung informieren und eine präventive Hilfestellung geben.
Download der Broschüre: http://ow.ly/Zdb2E

2012 haben die Adventisten in der Deutschschweiz bereits die Arbeitshilfe "Sexueller Ausbeutung begegnen" herausgegeben, um alle erwachsenen Mitglieder in der Deutschschweiz über dieses Thema zu informieren und dafür zu sensibilisieren.

Alle vollamtlichen Angestellten der Freikirche haben die Arbeitshilfe erhalten und mussten den darin enthaltenen Verhaltenskodex unterschrieben an den Arbeitgeber zurückzuschicken. Im Weiteren haben sich alle Kirchenvorstände in den Ortsgemeinden mit der Arbeitshilfe auseinandergesetzt und ihre Kirchenmitglieder mit Hilfe der aufliegenden Exemplare informiert.
Download der Broschüre:
http://www.adventjugend.ch/aj/files/3213/9695/6979/Broschuere_Missbrauch_CH_web.pdf

Zusammenarbeit mit deutschem Fachbeirat „Sexueller Gewalt begegnen“
Die Jugendabteilung sowie die Abteilung Frauen der Adventisten in der Deutschschweiz haben beide Infobroschüren gemeinsam mit dem Fachbeirat „Sexueller Gewalt begegnen“ in Deutschland sowie mit dem Religionspädagogischen Institut RPI bearbeitet und herausgegeben. Die Kirchenleitung der Adventisten in der Deutschschweiz arbeitet über Heidi Albisser, Ansprechperson für Fragen im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung, mit dem Fachbeirat in Deutschland eng zusammen. http://www.sexueller-gewalt-begegnen.de/

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4. Global Youth Day der Adventjugend ein voller Erfolg

Bern/Schweiz | 22.03.2016 | APD | International

Der vierte „Global Youth Day“ GYD, der am 19. März von der Adventjugend durchgeführt wurde, sei ein voller Erfolg gewesen, teilte die Kommunikationsabteilung der Adventisten in West- und Südeuropa mit. Es hätten möglicherweise Jugendliche aus über 130 Ländern der Welt mitgemacht. Gemäss dem Motto „Sei du selbst die Predigt“ („Be the Sermon“), hätten die Jugendlichen an ihrem Ruhetag, am Samstag (Sabbat), nicht den Gottesdienst besucht, sondern seien Passanten, Nachbarn und Freunden „sichtbare Hände und Füsse Jesu“ gewesen.

Die weltweite Aktion konnte während 23 Stunden auf Englisch per Livestream auf Hope Channel Fernsehen mitverfolgt werden. Das europäische Medienzentrum der Adventisten in Alsbach/Deutschland koordinierte die technische Abwicklung für alle Studios weltweit und die stündlichen live-Moderationen.

Bei den Einschaltungen berichtete Miroslav Milkov aus Bulgarien via Skype, dass die Jugendlichen in der Hauptstadt Sofia in zwei Altersheimen die Bewohner besucht und mit ihnen Lieder gesungen hätten.

In Aalborg/Dänemark hätten die Kirchenmitglieder Waffeln gebacken welche die Jugendlichen in einem Flüchtlingszentrum abgegeben sowie mit den Kindern dort gespielt hätten.

In Estland hätten adventistische Jugendliche den ganzen Tag mit den Kindern in einem Waisenhaus verbracht.

Rund 300 Jugendliche hätten sich in Belgien bei rund 60 Aktionen beteiligt indem sie Blumen an Passanten verteilt oder Früchte im Austausch mit Zigaretten abgeben hätten. Eine belgische Gruppe habe an das Medienzentrum ein Foto mit der Meldung geschickt: „Wir wollen jeden Tag eine Predigt sein!“

Wie Bettler hätten sich in Finnland Jugendliche gekleidet und sich auf die Strasse gesetzt. Sie hätten aber nicht gebettelt, sondern all jenen einen Euro abgegeben, der ihnen ein persönliches Erlebnis erzählt habe.

In Montpellier/Frankreich hätten die Jugendlichen Bäume mit Hosen und Schuhen etc. eingekleidet. Wenn sie von Passanten darauf angesprochen worden seien, hätten sie auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Schöpfung Gottes zu bewahren

Der Global Youth Day konnte weltweit über den Livestream, eine Facebookseite sowie Apps verfolgt werden. Über 15.000 Mal sei auch mit den Hashtags #GlobalYouthDay, #GYD16 und #GYD getwittert worden, heisst es im Bericht.

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Mitgliederversammlung der ACK-Deutschland wählt Vorstand

Bergisch Gladbach/Deutschland | 22.03.2016 | APD | Ökumene

Auf ihrer Sitzung am 9. und 10. März 2016 in Bergisch Gladbach haben die Delegierten der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen in Deutschland (ACK) den Vorstand der ACK für die nächsten drei Jahre gewählt. Als Vorsitzender wurde Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) im Amt bestätigt. Zudem wurde der Ökumenepreis der ACK 2017 ausgerufen, um den sich ökumenische Initiativen und Projekte bewerben können. Mit einer Erklärung „Für ein weltoffenes Deutschland“ hat sich die ACK der „Allianz für Weltoffenheit“ angeschlossen.

Vorstand mit fünf Mitgliedern und fünf ständigen Stellvertretern
Alle drei Jahre wählt die Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland einen Vorstand, der sich aus einem Vorsitzenden, zwei Stellvertretungen sowie zwei weiteren Vorstandsmitgliedern zusammensetzt. Bei der Besetzung werden die Kirchenfamilien entsprechend berücksichtigt. Ausserdem wählt die Mitgliederversammlung fünf ständige stellvertretende Vorstandsmitglieder für die Dauer von drei Jahren. Eine Wiederwahl ist zulässig. Zuletzt wurde der Vorstand im März 2013 gewählt, die meisten der gewählten Vorstandsmitglieder traten daher erneut zur Wahl an. Neu in den Vorstand wurde Pfarrer Christopher Easthill von der anglikanischen Kirche gewählt. Er folgt auf Pastor Heinrich Lüchtenborg, der nach seinem Eintritt in den Ruhestand nicht mehr zur Wahl angetreten war.

Dem Vorstand gehören nun an: Bischof Karl-Heinz Wiesemann (römisch-katholische Kirche) als Vorsitzender, Bischöfin Rosemarie Wenner (Evangelisch-methodistische Kirche) und Bischof Martin Hein (Evangelische Kirche in Deutschland) als Stellvertretungen sowie Erzpriester Radu Constantin Miron (Orthodoxe Kirche) und Pfarrer Christopher Easthill (Anglikanische Kirche). Als ständige stellvertretende Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger (römisch-katholische Kirche), Generalsekretär Christoph Stiba (Bund Evangelisch-freikirchlicher Gemeinden), Bischöfin Petra Bosse-Huber (Evangelische Kirche in Deutschland), Erzpriester Merawi Tebege (Äthiopisch-orthodoxe Kirche) und Bischof Hans-Jörg Voigt (Selbstständig evangelisch-lutherische Kirche).

Ökumenepreis der ACK 2017
Die Mitgliederversammlung hat den Ökumenepreis 2017 ausgeschrieben. Alle zwei Jahre zeichnet die ACK in Deutschland mit ihrem Ökumenepreis Projekte und Initiativen aus, die zur Einheit der Christen beitragen und ein gemeinsames Engagement von Christinnen und Christen verschiedener Konfession fördern. Der Preis ist mit 3.000 Euro datiert. Das Preisgeld wird durch die Evangelische Bank und die Bank für Kirche und Caritas zur Verfügung gestellt. Schirmherr ist Bundestagspräsident Norbert Lammert. Verliehen wird der Preis im Anschluss an den zentralen Gottesdienst der ACK zur Gebetswoche für die Einheit der Christen am 22. Januar 2017 in Wittenberg. Bewerbungen sind online möglich unter www.oekumenepreis-der-ack.de. Dort finden sich auch weitere Informationen.

Erklärung zur „Allianz für Weltoffenheit“
Mit einer Erklärung „Für ein weltoffenes Deutschland“ hat sich die Mitgliederversammlung der „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt (www.allianz-fuer-weltoffenheit.de)“ angeschlossen. Diese war in Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland und in Europa von zehn Organisationen ins Leben gerufen worden. Die ACK in Deutschland begrüsst diese Initiative ausdrücklich. Mit dem Anschluss an die Initiative bringe sie das Anliegen aller in der ACK verbundenen Kirchen zum Ausdruck, sich gemeinsam für die Menschenwürde in Deutschland, in Europa und weltweit einzusetzen, heisst es in der Erklärung. Die Mitgliedskirchen der ACK plädieren nachdrücklich zusammen mit den Partnern der „Allianz für Weltoffenheit“ für ein weltoffenes, solidarisches, demokratisches und rechtsstaatliches Deutschland. Die Mitgliedskirchen distanzieren sich von allen, die Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt schüren, heißt es in der Erklärung.

Wort der ACK zu 500 Jahre Reformation
In einer ersten Lesung hat sich die Mitgliederversammlung mit einem Wort der ACK zu 500 Jahre Reformation beschäftigt. Mit dem Wort will die Mitgliederversammlung die ökumenische Dimension der Feierlichkeiten im Jahr 2017 stärken. Die ACK will dazu ermutigen, die Reformation und ihre Folgen gemeinsam zu reflektieren und Impulse aufzunehmen. Gleichzeitig mahnt sie dazu, die Kirchenspaltung und ihre Folgen gemeinsam zu bedenken und an einer „Heilung der leidvollen Erinnerungen“ zu arbeiten. Das Wort soll zusammen mit einer Arbeitshilfe auf der Mitgliederversammlung im Herbst 2016 veröffentlicht werden.

Die Mitgliederversammlung ist das oberste, beschlussfassende Leitungsorgan der ACK. Sie besteht aus den rund 50 Delegierten der Mitglieder, Gastmitglieder sowie der ständigen Beobachter. Der 1948 gegründeten Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland gehören 17 Kirchen an. Sechs Kirchen sind Gastmitglieder, vier ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Die ACK repräsentiert rund 50 Millionen Christen in Deutschland.

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Ägypten: „Missachtung des Islam“ - fünf Jahre Haft für koptische Schüler

Minya/Ägypten und Frankfurt am Main/Deutschland | 22.03.2016 | IGFM/APD | Religionsfreiheit

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, verurteilte ein ägyptisches Gericht in Minya am 25. Februar 2016 vier koptische Schüler zu fünfjährigen Haftstrafen wegen „Missachtung des Islams“. Albert Ashraf, Bassem Amgad Hanna, Muler Atef Daoud und Clinton Magdi Youssef hatten am 7. April 2015 mit ihren Mobiltelefonen einen Film von nur 37 Sekunden aufgenommen und über Facebook geteilt, der eine Hinrichtung durch den „Islamischen Staat“ parodiert. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, verurteilte das Urteil gegen die Jugendlichen als „grotesk unangemessen“. Die Frankfurter Menschenrechtsorganisation tritt für die Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes ein.

Drei der Schüler seien bereits 18 Jahre alt und sollen ihre Haftstrafe in einer gewöhnlichen Haftanstalt antreten, der noch minderjährige Clinton Magdi soll seine Strafe in einer Jugendhaftanstalt verbüssen.

Laut IGFM stellt Artikel 98f. des ägyptischen Strafgesetzbuches die Missachtung oder Abwertung der „himmlischen Religionen“ unter Strafe – gemeint sind Islam, Christentum und Judentum. Religionslosigkeit und alle anderen Religionen seien in Ägypten de facto verboten.

Das mögliche Strafmass bewege sich zwischen einer Geldstrafe von mindestens 500 ägyptischen Pfund, umgerechnet rund 60 Euro / 66 Franken, etwa einem niedrigen örtlichen Monatslohn, und einer Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.

Die IGFM fordert die sofortige und bedingungslose Aufhebung der Urteile. „Die Schüler haben nichts weiter getan, als ihr Menschenrecht auf freie Meinungsäusserung auszuüben. Sie deshalb zu einer langjährigen Haftstrafe zu verurteilen, verletzt internationale Menschenrechtsverträge. Das Urteil ist ein neuer Beweis für den Missbrauch der Blasphemie-Gesetzgebung“, so Lessenthin.

Blasphemiegesetze abschaffen
Die IGFM fordert die Regierungen der EU-Staaten auf, die kulturübergreifenden Menschenrechtsstandards der Vereinten Nationen offensiver zu verteidigen. Weltweit würden die Rechte von Millionen von Menschen durch Islamisten ausgehöhlt und verletzt. Wer Symbole des Islam oder das islamische Recht kritisiere, dem drohten lange Haftstrafen oder Hinrichtung wegen „Beleidigung des Islams“ oder „Blasphemie“. Die weltweite Abschaffung aller „Blasphemie-Gesetze“ wäre ein Meilenstein für den Schutz von Minderheiten und Andersdenkende, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Medhat Klada, Vorsitzender des koptischen Dachverbandes European Union of Coptic Organizations for Human Rights (EUCOHR), fordert laut IGFM die Abschaffung dieses Gesetzes, das in seiner Umsetzung ganz klar die koptische Minderheit Ägyptens diskriminiere. „Das Gesetz wird nahezu ausschliesslich gegen Christen und andere Nichtmuslime angewandt“, erläuterte Klada.

Hintergrund: Rechtliche Grundlagen
Artikel 98f des ägyptischen Strafgesetzbuches werde umgangssprachlich auch als Ägyptens „Blasphemie-Gesetz“ bezeichnet, so IGFM. Es sei 1982 in das ägyptische Strafgesetzbuch aufgenommen worden. Obwohl das Gesetz eigentlich für alle Religionen Gültigkeit habe, werde es in der Praxis nahezu ausschliesslich gegen Atheisten, Christen oder Andersgläubige, jedoch kaum gegen Muslime angewandt. Bereits unter dem früheren Diktator Mubarak sei Art. 98f von den Behörden dazu benutzt worden, religiöse Minderheiten und unbequeme Dissidenten sowie Künstler zu diskriminieren und zu unterdrücken.

Weitere Informationen zur Menschenrechtslage in Ägypten unter:
www.igfm.de/Aegypten

Weitere Informationen zum Thema Blasphemie:
www.igfm.de/blasphemie-und-beleidigung-des-islam

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Christinnen doppelt verfolgt: Wegen Glaube und Geschlecht

Bonn/Deutschland | 22.03.2016 | APD | Religionsfreiheit

An der internationalen Marcham-Konferenz, unter dem Titel „Frauen und Verfolgung“, die vom 11. bis 13. März in Oxford/England stattfand, wurden Lösungen für das wachsende Problem der gewalttätigen Verfolgung christlicher Frauen gesucht, so Bonner Querschnitte BQ in einer Pressemitteilung. Die wachsende islamische Radikalisierung fördere gezielt Gewaltverbrechen gegen Christinnen und verfolge sie doppelt, wegen ihrem Geschlecht und wegen ihrem Glauben. Christinnen erlebten aber auch in christlichen Kirchen Gewalt.

Die wachsende islamische Radikalisierung fördere Gewaltverbrechen gegen christliche Frauen als gezielt eingesetzte Kriegswaffe und Jihad-Taktik, um sie ihres Glaubens und ihrer Identität zu berauben. Christinnen sähen sich vielfältiger Formen von Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Dazu gehörten Vergewaltigung, Entführung, Zwangsverheiratung, Diskriminierung durch Gesetze, Vergeltung für Religionswechsel, sexuelle Belästigung, Kleidungsvorschriften und Einschränkung der Bewegungsfreiheit, falsche Anklage, Menschenhandel und berufliche Diskriminierung.

Laut Bonner Querschnitte griffen Radikale die Ehefrauen und Töchter christlicher Pastoren an, um diese einzuschüchtern und zu demoralisieren. „Das grösste Verbrechen und die grösste Gewalt, die man einer Gemeinschaft antun kann, ist Gewalt gegen Frauen und Kinder“, sagte Kate Ward [Name zum Schutz geändert], Organisatorin der Konferenz. „Einige dieser missbrauchten Frauen werden geliebt und akzeptiert, aber leider nicht alle. Andere werden, weil sie vergewaltigt worden sind, durch ihre eigenen Familien nochmals zu Opfern.“ Dies sei speziell in der Zentralafrikanischen Republik, in Nigeria und im Irak der Fall. Der Konflikt in Syrien habe die Realität von organisiertem Menschenhandel und der Versklavung von Flüchtlingen aufgedeckt.

Gewalt gegen Frauen auch innerhalb christlicher Kirchen
Das Problem von Gewalt gegen Frauen existiere auch innerhalb der Kirche. Es gebe Gegenden in der Welt, wo die vorherrschende Kultur zuerst durch eine biblische Weltsicht ersetzt werden muss, die Frauen achte, heisst es im BQ-Bericht.

Die Gewalt, der christliche Frauen in ihren Häusern, Familien und Kirchen begegneten, umfasse physischen, sexuellen, emotionellen, psychologischen, verbalen und geistlichen Missbrauch. Auch die Frauen christlicher Leiter seien davon betroffen.

Besonders verwundbar sind nach Angaben der Bonner Querschnitte christliche Frauen in Ländern, in denen sowohl ihr Glaube als auch ihr Geschlecht marginalisiert werden. In Pakistan landeten arme christliche Frauen und deren Familien oft in der Sklaverei. In den Fabriken würden Frauen von den Eigentümern von Ziegelbrennereien umgebracht, um ihre eigenen Verbrechen zu vertuschen.

Aufruf zum Handeln
Die Marcham Konferenz bereitet laut BQ einen Aufruf zum Handeln für die weltweite Kirche vor. Dazu gehöre die Forderung, dass die Kirche „das Ausmass und die Schwere der Gewalt gegen christliche Frauen“ öffentlich anerkenne. Es sollen Strategien zur Änderung gefunden werden, die in den unterschiedlichen Situationen rund um die Welt angewandt werden können.

Die Marcham Konferenz wurde vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit, der Religious Liberty Partnership und Release International, unter Mitarbeit von zahlreichen christlichen Organisationen und Netzwerken, organisiert, darunter Open Doors, Restored, Interserve, World Vision, Turkic Belt Ministries, ADF International, Voice of the Martyrs Kanada, Voice of the Martyrs USA, All Nations Christian College, World Watch Monitor.

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"Gewalt verurteilen, Religionsfreiheit achten, Dialog stärken"

Berlin/Deutschland | 22.03.2016 | APD | Religionsfreiheit

„Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden, denn er ist eine vitale Notwendigkeit, von der zum grossen Teil unsere Zukunft abhängt." Mit diesen Worten von Papst Benedikt XVI. bekräftigte der Vorsitzende der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der katholischen Deutschen Bischofskonferenz DKB, Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke (Hamburg), das verpflichtende Bekenntnis der römisch-katholischen Kirche weltweit zum Dialog mit dem Islam. Laut einer Pressemitteilung der DBK bekräftigte Weihbischof Jasche dies bei einer Begegnung mit Grossimam Dr. Ahmad at-Tayyib, Scheich der ehrwürdigen al-Azhar-Universität Kairo, am 14. März im Katholischen Büro in Berlin.

An der Begegnung nahmen auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, der Botschafter der Republik Ägypten, Badr Ahmed Mohamed Abdelatty, der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide sowie die Vertreter der Bevollmächtigten der katholischen und der evangelischen Kirche bei der Bundesregierung und weitere Experten der evangelischen und orthodoxen Kirchen teil.

Verhältnis von Kirche und Staat – Bekenntnis zur Religionsfreiheit
Weihbischof Jaschke erinnerte nach Angaben der DBK an Lernerfahrungen der Christen in ihrer Geschichte: Kirche und Staat stellten zwei Ordnungen dar, die sich gegenseitig begrenzen. Besondere Aufmerksamkeit lenkte er auf die vor 50 Jahren verabschiedete Konzilserklärung "Nostra aetate", in der die römisch-katholische Kirche ihr Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen dargelegt hat. Dem Zweiten Vatikanischen Konzil zufolge sind Christen den Muslimen in Hochachtung verbunden, in der Anerkennung ihrer Frömmigkeit und ihres Gottesglaubens. Auch habe die römisch-katholische Kirche auf dem Konzil ein eindeutiges Bekenntnis zur Religionsfreiheit abgelegt: „Jeder Mensch muss das Recht haben, sich frei zum Glauben zu bekennen.“

Heilige Pflicht zum Dialog
Weihbischof Jaschke unterstrich die bleibende Notwendigkeit des Dialogs zwischen Christen und Muslimen: „Dialog auf allen Ebenen schafft die Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis und die Überwindung von Vorurteilen.“ Christen und Muslime seien verpflichtet, sich öffentlich und entschieden gegen jede Form von Gewalt auszusprechen. „Wir sind gemeinsam in der Pflicht, eine Friedensmacht zu sein, die die Herzen der Menschen erreicht und Versöhnung stiftet. Die heilige Pflicht zum Dialog muss über allem stehen“, so Weihbischof Jaschke.

Religionen als Friedensstifter
Auch Grossimam at-Tayyib bekannte sich zur Friedensaufgabe von Islam und Christentum: „Unsere beiden Religionen müssen gemeinsam als Friedensstifter wirken. Erst wenn die Religionen untereinander in Frieden leben, können auch die Völker in Frieden leben.“

In der Begegnung wurde auch die Rolle der Muslime in Deutschland erörtert. Die christlichen Teilnehmer nannten es ein „Herzensanliegen, dass die Muslime in gleicher Weise an der deutschen Gesellschaft teilhaben können wie die Christen“. Ein wichtiger Baustein dafür sei die Einrichtung islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen.

Hintergrund
Der oberste ägyptische Imam ist traditionell der Leiter der Moschee der al-Azhar und gemäss einem Gesetz aus dem Jahr 1961 zugleich – mit dem Titel Scheich al-Azhar – geistliches Oberhaupt der Gesamtkörperschaft der al-Azhar, zu der der Oberste Rat der al-Azhar, die Akademie für islamische Untersuchungen, das Amt für Kultur und Islamische Studienmissionen und die al-Azhar-Universität gehören. Die Universität verfügt in Ägypten über zahlreiche Einrichtungen mit 43 theologischen und weltlichen Fakultäten für männliche Studenten und 26 Fakultäten für weibliche Studenten mit insgesamt rund 375.000 Studierenden. Hinzu kommt ein landesweites Netz von rund 7.000 Grund- und Oberschulen mit über einer Million Schülern.

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Dschihadistische Gruppen bedrohen religiösen Pluralismus im Nahen Osten

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | Religionsfreiheit

In weiten Teilen Syriens gebe es keine schiitischen Muslime, Christen, Alawiten und Drusen mehr. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht, sagte Fabrice Balanche, französischer Syrien-Experte, am 14. März an einer Veranstaltung von Christian Solidarity International CSI in Zürich.

Laut einer CSI-Medienmitteilung sagte Professor Fabrice Balanche am CSI-Anlass in Zürich: „Ich bin sehr pessimistisch, was den religiösen Pluralismus im Nahen Osten betrifft". Dieser werde von dschihadistischen Gruppen bedroht. Balanche ist Professor und Forschungsleiter an der Université Lyon 2 sowie Gastwissenschaftler am Washington Institute for Near East Policy. Er lebte zehn Jahre in Syrien und im Libanon.

Weite Gebiete Syriens religiös gesäubert
Religiöse Minderheiten seien nach Balanche die ersten Opfer im Konflikt. „In den Gebieten, die vom sogenannten Islamischen Staat oder der Jabhat al-Nusra [Al-Nusra-Front, dschihadistisch-salafistische Organisation] kontrolliert werden, leben keine Christen und Schiiten mehr", sagte Fabrice Balanche. Es gebe noch eine kleine drusische Minderheit, die aber zum sunnitischen Islam konvertieren musste. Bereits hätten 40 Prozent der syrischen Christen das Land verlassen, während sich Alawiten in die westlichen und Drusen in südliche Gebiete des Landes zurückzögen, in denen sie die Mehrheit stellten. Religiöse Minderheiten seien nun in Gebieten konzentriert, die von der Regierung kontrolliert würden und in denen auch viele sunnitische Flüchtlinge Zuflucht gefunden hätten, sagte der Syrien-Experte.

"Der religiöse Pluralismus wurde in autoritären Staaten aufrechterhalten, die Minderheiten schützten." Es seien dies Staaten, deren Führer selbst religiösen Minderheiten angehörten. Balanche betonte, dass die religiösen Minderheiten aufgrund ähnlicher Beispiele in der Vergangenheit fürchteten, „ausgeschlossen oder vernichtet" zu werden, wenn ihr Schicksal in den Händen einer religiös polarisierten sunnitischen Mehrheit läge. Laut Wikipedia gehört Baschar al-Assad, Staatspräsident Syriens, sowie weite Teile der syrischen Elite, der Religionsgemeinschaft der Alawiten an.

"Arabischer Frühling" von Anfang an auch ein Kampf gegen Minderheiten
Zwar hätten sozioökonomische Faktoren zum Gewaltausbruch in Syrien und im Irak beigetragen, doch spiele der Konfessionalismus eine weit wichtigere Rolle, so der Syrien-Experte. Für die Führungselite der sunnitischen Dschihadisten und weiterer Rebellengruppen sei der Wunsch, die verlorene sunnitische Vorherrschaft wiederherzustellen, viel bedeutender als sozioökonomische Missstände.

Bereits in der Anfangsphase des sogenannten „Arabischen Frühlings" 2011 sei die konfessionelle Prägung des Konflikts deutlich sichtbar gewesen, sagte Balanche, der Augenzeuge der Ereignisse war. Anti-Assad-Demonstrationen hätten vorwiegend in sunnitisch-muslimischen Gebieten stattgefunden und die Parolen hätten sich gleichzeitig auch gegen die Minderheiten gerichtet. Es sei deshalb nicht erstaunlich, dass die syrischen Alawiten, Christen und anderen religiösen Minderheiten sich eher auf die Seite von Präsident Assad und der syrischen Regierung stellten als auf jene der sunnitisch-islamistisch dominierten Rebellen.

Friede weit entfernt wegen sunnitisch-schiitischem Kampf um Vorherrschaft
Laut Balanche ist eine Lösung des Kriegs in weite Ferne gerückt, da die konfessionellen Spaltungen „von regionalen Mächten befeuert wurden, die ihren Einfluss in der Region ausbauen wollen". Er sehe im Konflikt einen Stellvertreterkrieg zwischen einer sunnitischen Achse - angeführt von der Türkei und Saudi-Arabien – und einer schiitisch iranischen Achse und verglich ihn mit dem Dreissigjährigen Krieg in Europa vor 400 Jahren.

Prof. Dr. Fabrice Balanche habe auch die amerikanische und französische „Besessenheit nach einem Regierungswechsel in Syrien" kritisiert und ihre stillschweigende Bereitschaft, das Verschwinden der religiösen Minderheiten im Interesse ihrer politischen Ziele zu dulden.

Weitere Infos
Interview im Tages-Anzeiger: «Putin ist notfalls schnell wieder da»
www.tagesanzeiger.ch/14104895

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Deutscher Bundestag verurteilt Verbrechen der nordkoreanischen Regierung

Frankfurt am Main/Deutschland | 22.03.2016 | APD | Menschenrechte

Der Menschenrechtsausschuss des deutschen Bundestags hat am 16. März die Verbrechen der nordkoreanischen Regierung an der eigenen Bevölkerung auf das schärfste verurteilt. Laut einer Medienmitteilung begrüsst die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte IGFM die gemeinsame Erklärung von CDU/CSU, SPD und Grünen nachdrücklich. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin betont: „Die Erklärung darf nicht ohne Folgen bleiben. Diejenigen, die mit dem Regime Geschäfte machen oder anderweitig von der Ausbeutung von nordkoreanischen Sklavenarbeiter profitieren, müssen mit Sanktionen belegt werden.“

Der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages verweist in der Erklärung auf Berichte der Vereinten Nationen. Eine UN-Untersuchungskommission zur Menschenrechtssituation in Nordkorea dokumentierte bereits im Jahr 2014 auf rund 400 Seiten „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ in einem Staat „ohne Vergleich in der Gegenwart“ mit einem riesigen Lagersystem. Versklavung, Folter, Mord, systematische Vergewaltigung, Zwangsabtreibungen, der planmässige Einsatz von Mangelernährung und „Verschwinden lassen“ sind an der Tagesordnung.

Groteske Schauprozesse
Auch ausländische Besucher wurden nach Angaben der IGFM bereits wiederholt willkürlich verhaftet, in grotesken Schauprozessen verurteilt und vom Regime als politische Geiseln im Verhandlungspoker mit seinen Nachbarn und den USA missbraucht. Zuletzt ereilte dieses Schicksal den kanadischen Pastor Hyeon Soo Lim und den 21-jährigen US-Studenten Otto Warmbier. Letzterer „bekannte“ sich laut nordkoreanischen Staatsmedien zur Entwendung eines politischen Plakates und wurde unter dem Vorwurf „feindlicher Aktivitäten“ am 16. März 2016 zu 15 Jahren Zwangsarbeit in einem Arbeitslager verurteilt.

Nutzniesser sind Komplizen Nordkoreas
Die Menschenrechtsorganisation kritisiert auf das Schärfste, dass sich verschiedene Staaten und Firmen an der Ausbeutung von nordkoreanischen Sklavenarbeitern beteiligen. „Nordkorea entzieht seiner eigenen Bevölkerung jegliche Persönlichkeitsrechte und ermutigt sogar im Ausland zu einer unmenschlichen Behandlung.“ Die Nutzniesser des Menschenhandels müssten ebenso zu Rechenschaft gezogen werden, wie die nordkoreanische Regierung selbst, so die IGFM.

Sklavenarbeit für Devisen
Um an dringend benötigte Devisen zu gelangen, schickt Nordkorea nach Angaben südkoreanischer Menschenrechtsorganisationen zwischen 50.000 und 60.000 Männer in verschiedene Länder, darunter Russland, Kuwait, die Vereinten Arabischen Emirate, Katar und China. Die Situation der Arbeiter ist katastrophal. 90 Prozent ihres Gehalts wird sofort nach Nordkorea geschickt, nur 10 Prozent des Lohns wird ihnen ausbezahlt – wenn überhaupt. Die verliehenen Arbeitssklaven besitzen keinen Arbeitsvertrag. Sie haben oftmals keinen einzigen freien Tag.

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Osterevangelium in 15 Sprachen - Ökumenische Aktion der Deutschen Bibelgesellschaft und des Bibelwerks

Stuttgart/Deutschland | 22.03.2016 | APD | Bibel

Wie die Deutsche Bibelgesellschaft (DBG) mitteilte, kann die Osterbotschaft des Johannesevangeliums ab sofort kostenlos in 15 Sprachen von den Internetseiten www.die-bibel.de und www.bibelwerk.de heruntergeladen werden. Die vielsprachige Ausgabe haben die DBG und das Katholische Bibelwerk e.V. gemeinsam erstellt. Gegenüber der Vorjahresversion ist das aktuelle Dokument um die in Persien beheimatete Sprache Farsi und Deutsch in Leichter Sprache erweitert.

„Besonders in Gottesdiensten sowie in der Seelsorge für Flüchtlinge und Migranten haben sich mehrsprachige Bibeltexte bewährt“, sagte DBG-Generalsekretär Dr. Christoph Rösel. Über die Texte ins Gespräch zu kommen, in Gemeinden einzuladen und unterschiedliches Brauchtum zum Osterfest kennenzulernen, bereichere einheimische und fremde Christinnen und Christen. „Ostern ist ein Fest der Freude, die überall sichtbar werden sollte“, so Rösel.

Die internationalen Partner der DBG im Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies, UBS) haben das ökumenische Projekt durch ihre Übersetzungen unterstützt. Der Text aus Johannes 20,1-18 liegt nun ausser auf Farsi und Deutsch in Leichter Sprache auch auf Arabisch, Dari, Englisch, Französisch, Italienisch, Kurdisch, Russisch, Serbisch, Somali, Spanisch, Swahili, Türkisch und Urdu vor. Die Auswahl berücksichtigt die grössten europäischen Sprachen und eine Reihe von Sprachen anderer Länder, aus denen Menschen nach Deutschland als Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten gekommen sind.

Publikationen in den Sprachen von Migranten haben in der Arbeit der DBG eine zunehmende Bedeutung. Bereits erschienen ist die Broschüre "On the Road ..." in den fünf Sprachen Englisch, Arabisch, Französisch, Türkisch und Farsi. Die Schrift verbindet die Situation von Flüchtlingen und Migranten heute mit 33 Bibeltexten über Frauen und Männer, die ihre Heimat verlassen haben. In den nächsten Wochen soll eine deutsch-arabische Ausgabe des Lukasevangeliums erscheinen.

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ADRA verstärkt professionelle Hilfe in Idomeni

Weiterstadt/Deutschland | 22.03.2016 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Nach Angaben der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfsorganisation ADRA Deutschland seien die Zustände im Flüchtlingslager Idomenie, nahe der griechisch-mazedonischen Grenze, kaum zu beschreiben. ADRA zeige als eine der wenigen Hilfsorganisationen dauerhafte Präsenz und biete professionelle Hilfe an. In dem international besetzten ADRA-Team befänden sich ausgebildete Psychologen, Übersetzer und Nothilfespezialisten.

„Unter Planen leben Grossfamilien, der Boden ist ein einziger Schlammacker, immer wieder regnet es und das bei niedrigen Temperaturen. In Decken eingehüllte Paare, die zusammenstehen und sich wärmen, täuschen fast eine Festivalstimmung vor, wäre da nicht der Kampf ums nackte Überleben“, so die Eindrücke von ADRA-Pressesprecher Martin Haase, der sich selbst ein Bild vor Ort gemacht hat.

Neben der Lebensmittel- und Wasserversorgung, warmen und regensicheren Unterkünften sowie medizinischer Betreuung müssten Massnahmen gegen aufkommende Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit vorbereitet werden. ADRA Mitarbeiter würden das Camp durchkämmen, um auf die dringlichsten Herausforderungen reagieren zu können. Täglich werde ihr Konzept in gemeinsamen Besprechungen verfeinert.

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Schulprojekt für syrische Flüchtlingskinder im Libanon abgeschlossen

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklung- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz hat gemeinsam mit der Partnerorganisation ADRA Libanon in Bourshrieh, Distrikt El-Metn, östlich der libanesischen Hauptstadt Beirut, 110 syrischen Flüchtlingskindern sowie zehn libanesischen Kindern den Schulbesuch ermöglicht. Das Schul- und Integrationsprojekt dauerte von Anfang Dezember 2014 bis Ende August 2015 und wird gegenwärtig mit der finanziellen Unterstützung von ADRA Japan weitergeführt.

Für das Schulprojekt sei ein bestehender Kindergarten umgebaut worden, teilte ADRA Schweiz mit. Die syrischen Flüchtlingsfamilien hätten lange Zeit vergeblich nach einem Platz für ihre Kinder in einer Schule gesucht. Diese hätten sich zu Hause oder auf der Strasse aufgehalten oder hätten sich Arbeit gesucht. Einige der Lehrerinnen stammten selber aus Syrien. Sie hätten Ähnliches wie die Kinder erlebt und sich auch auf sprachlicher und kultureller Ebene sehr gut verstanden. In der Schule hätten die Kinder eine kleine Zwischenmahlzeit erhalten und gegebenenfalls auch Nachhilfeunterricht. Traumatisierten Kindern sei auch psychologische Betreuung angeboten worden, so ADRA Schweiz.

Im Stadtviertel der Schule habe ADRA Libanon acht Veranstaltungen wie Spielnachmittage, Suppentage, Verschönerungs- und Baumpflanzaktionen organisiert, um Begegnungen zwischen Libanesen und Syrern zu fördern und Spannungen abzubauen.

ADRA Libanon habe sich laufend mit den Behörden, der UNO und anderen Nichtregierungsorganisationen ausgetauscht. So sei sichergestellt worden, dass neue Erkenntnisse und Vorgaben laufend ins Projekt eingeflossen seien.

Von den 120 Kindern, die am Projekt beteiligt waren, erhielten 83 nach dem Ende des Schuljahrs im August 2015 einen Platz an einer öffentlichen Schule. Die restlichen 37 Kinder nehmen weiterhin am Schulunterricht im umgebauten Kindergarten teil. Das Projekt wird weitergeführt und derzeit von ADRA Japan finanziert. Die Gesamtprojektkosten des Schulprojekts haben 200.000 Franken / 184.000 Euro betragen. ADRA Schweiz hat davon 50.000 Franken / 46.000 Euro übernommen.

Nach Angaben von ADRA Schweiz organisiere das Hilfswerk zurzeit mit ADRA Libanon ein ähnliches, grösseres Projekt in einer anderen Kommune im Libanon.

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Somalia: ADRA Schweiz stärkte Widerstandsfähigkeit bei Katastrophen - Das Jahresprojekt wurde von der Glückskette unterstützt

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

In der Region Nugal, in den Teilstaaten Galmudug und Puntland/Somalia, hat die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz die Widerstandsfähigkeit oder Resilienz der Bauern gegenüber Katastrophen gestärkt. Aufbauend auf einem Vorläuferprojekt sollten die Bewohner durch dieses Jahresprojekt zukünftig fähig sein, gegen Dürren oder Stürme ohne fremde Hilfe zu bestehen. Begünstigt waren 14.570 Personen. Die Glückskette finanzierte einen Grossteil der Projektkosten von 150.000 Franken.

Dürren und tropische Wirbelstürme suchten das bitterarme Land immer wieder heim, schreibt das Hilfswerk ADRA Schweiz auf ihrer Website. Das abgeschlossene Jahresprojekt habe auf einem Vorgängerprojekt aufgebaut, das durch einen Wirbelsturm empfindlich zurückgeworfen worden sei. Um die Widerstandsfähigkeit der Bauern gegenüber Katastrophen zu erhöhen, sei vom Partnerhilfswerk ADRA Somalia bei diesem Projekt ein Ansatz gewählt worden, der verschiedene Bereiche betreffe.

So sei den Bauern Saatgut, Hilfsgeräte wie Spaten, Rechen und Spritzkannen verteilt worden und Landwirtschaftsfachleute hätten ihnen neue Anbautechniken gelehrt sowie Hinweise zur Anwendung von Pastiziden gegeben beziehungsweise Tipps bezüglich virenresistenter Sorten. Einige hätten zum Aufbau ihrer Herden auch Ziegen erhalten. Im Weiteren seien Bäume gepflanzt worden, um die Bodenerosion zu stoppen. Die Sanierung von drei Bohrlöchern und zwei Quellen habe ein Bewässerungssystem ermöglicht und erleichtere das Tränken der Tiere. Gleichzeitig reduziere es für Frauen und Mädchen, welche das Wasser schleppen müssten, die Distanz zur nächsten Wasserstelle. Mit den neuen Wasserkapazitäten könnten die Bauern Saat und Ernte azyklisch planen, um die Erzeugnisse nicht dann verkaufen zu müssen, wenn die Preise tief sind, so das Hilfswerk.

ADRA Somalia erhält zweifache Auszeichnung für Projektarbeit
Am 21. Februar hat ADRA Somalia vom Erziehungsministerium des Landes eine Auszeichnung für das grosse, langjährige Engagement für Projekte im Bereich Bildung erhalten. Bei der gleichen Gelegenheit überreichte auch das Landwirtschaftsministerium dem Hilfswerk eine Auszeichnung für den Kampf gegen Unterernährung und Armut sowie für die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen der Bauernfamilien.

ADRA Somalia ist seit 1992 im Land tätig, hat aber aus Sicherheitsgründen den Hauptsitz in Nairobi/Kenia. In dieser Zeit hat das Hilfswerk in Somalia über 50 Projekte in acht Bereichen verwirklicht: Wasser; Gesundheit; Bildung; Ernährungssicherheit; Infrastruktur; Aufbau institutioneller Kapazitäten; Mikrokredite; Katastrophenvorbeugung und –hilfe.

Wichtige Geldgeber für ADRA Projekte in Somalia sind die EU, das Ministerium für internationale Zusammenarbeit (DIFID) Grossbritanniens und die Norwegische Regierung (NORAD). Webseite von ADRA Somalia: http://www.adrasom.org/

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ADRA Slowenien für Flüchtlingshilfe vom Zivilschutzministerium geehrt

Ljubljana/Slowenien | 22.03.2016 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Am 1. März, dem weltweiten Zivilschutztag, ist die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Slowenien vom Verteidigungs- und Zivilschutzministerium des Landes für erbrachte und laufende Flüchtlingshilfe ausgezeichnet worden. Wenige Tage später hätten auch vier Freiwillige, die bei ADRA Slowenien im Einsatz für Flüchtlinge gestanden seien von einer regionalen Zivilschutzorganisation eine Auszeichnung erhalten. Dies teilte ADRA Slowenien am 13. März mit.

„Wir sind sehr dankbar für diese Auszeichnung unseres erfolgreichen Einsatzes für die Flüchtlinge“, sagte Maja Ahac, Geschäftsleiterin von ADRA Slowenien. „Wir sind stolz darauf und danken allen, die sich für diese umfangreichen, humanitären Einsatz engagiert haben. Der Preis gehört all jenen Freiwilligen von ADRA Slowenien, die in selbstloser Weise jeden Tag seit dem letzten Sommer bedürftigen Flüchtlingen und Migranten geholfen haben“, sagte Ahac.

Von Oktober 2015 bis Mitte März 2016 seien 477.791 Flüchtlinge in Slowenien eingereist. Das sei fast ein Viertel der 2,1 Millionen Bewohner des Landes. Die Mehrheit sei durch Brežice – Dobova gereist, wo ADRA Slowenien beim Empfang der Flüchtlinge am Grenzbahnhof Dobova gearbeitet habe. Von dort seien sie ins nahegelegene Camp zur Registration geleitet worden.

ADRA Slowenien habe Sachspenden der Bevölkerung organisiert und entgegengenommen. Dabei hätten Hygieneartikel und Produkte für Kleinkinder eine hohe Priorität gehabt.

Das Hilfswerk habe nicht nur in Slowenien selbst geholfen, sondern auch auf Lesbos/Griechenland, in Serbien und Mazedonien.

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ADRA Bücherbasar löst 2.300 Franken für syrische Kinder im Libanon

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Am 13. März fand im Zentrum Wolfswinkel in Zürich-Affoltern ein Bücherbasar statt, bei dem mehr als 2.300 Franken für ein Bildungsprojekt der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz für syrische Kinder im Libanon eingingen.

Neben dem Stöbern in Büchern habe es Livemusik sowie Getränke und Kuchen gegeben, teilte das Hilfswerk mit. Auch dieses Jahr hätten die Nachbarn viele Bücher gespendet, sodass den Besuchern eine grosse Auswahl zur Verfügung gestanden habe: Kinderbücher, Romane, fremdsprachige Bücher, Krimis, Literaturverfilmungen, sowie Ratgeber und Kochbücher.

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ADRA Schweiz: Gabriel Maurer betreut Spender und Fundraising

Zürich/Schweiz | 22.03.2016 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Wie die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz am 3. März auf ihrer Webseite mitteilte, wurde Gabriel Maurer angestellt, um den Bereich Donor Relations zu betreuen. Er kümmere sich dabei vor allem um institutionelle Spender und Stiftungen, so das Hilfswerk.

Maurer sei mehrsprachig und habe zuvor knapp zwei Jahrzehnte in der transkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten West- und Südeuropas (Intereuropäische Division EUD) in Bern gearbeitet. In seiner letzten Funktion war er dort Exekutivsekretär und Vorstandsmitglied. Gabriel Maurer habe in dieser Tätigkeit in den Bereichen Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen, Publikation und Medien Erfahrungen sammeln können. Die globale Anbindung der Organisation habe es mit sich gebracht, dass er rege internationale Kontakte zu Personen unterschiedlichster Kulturen pflegen konnte. Maurer sei in dieser Funktion auch als Vorstandsmitglied verschiedener Landesbüros in Europa, Asien und Afrika tätig gewesen und habe Einblick in die Funktionsweise des Hilfswerks sowie dessen internationale Netzwerkstruktur gehabt.

„Ich freue mich auf diese Tätigkeit, die ich als neue und angenehme Herausforderung sehe. Persönlich mag ich Menschen und bin immer froh, wenn ich mit ihnen zusammen arbeiten und mich für ihr Wohl in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen einsetzen kann“, sagte Gabriel Maurer.

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Das beliebteste alkoholische Getränk in der Schweiz: Wein

Lausanne/Schweiz | 22.03.2016 | APD | Gesundheit & Ethik

Jugendliche in der Schweiz konsumieren mehr als die Hälfte des Alkohols in Form von Bier, vor allem am Wochenende, schreibt Sucht Schweiz in einer Medienmitteilung. Mit steigendem Alter wird der Wein wichtiger. Wein ist das am meisten konsumierte alkoholische Getränk in der Schweiz.

Das Suchtmonitoring zeige, dass Wein das beliebteste alkoholische Getränk in der Schweiz sei. Fast 60 Prozent des in der Schweiz konsumierten Reinalkohols werde in Form von Wein (inkl. Sekt) konsumiert. Weitere 30 Prozent werden demnach in Form von Bier getrunken, fünf Prozent als Spirituosen, drei Prozent als Aperitifs oder Cocktails und rund ein Prozent als Alkopops, - vorgefertigte alkoholische Mischgetränke.

Suchtmonitoring: Männer trinken deutlich mehr Alkohol als Frauen
Erneut zeige sich, dass Männer deutlich mehr alkoholische Getränke trinken würden als Frauen, so die Stiftung. Der jüngste Bericht im Rahmen des Suchtmonitorings zum getränkespezifischen Alkoholkonsum zeige die Vorlieben der Schweizerinnen und Schweizer im Detail. Zusätzlich zu den Verkaufszahlen der Eidgenössischen Alkoholverwaltung liefere die Befragung Informationen zum Konsum der einzelnen Getränke nach Alter, Geschlecht oder Sprachregion.

Junge trinken vorwiegend Bier - Alte bevorzugen Wein
Demnach trinken junge Menschen am liebsten Bier: Bei den 15- bis 24-Jährigen werde mehr als die Hälfte des konsumierten Reinalkohols in Form von Bier getrunken. Verglichen mit den anderen Altersgruppen würden sie auch häufiger Spirituosen, Cocktails sowie Alkopops trinken. Mit steigendem Alter nehme der Anteil von Wein deutlich zu (15 bis 19 Jahre: 16 Prozent, 75+ Jahre: 84 Prozent), die Anteile von Bier (15 bis 19 Jahre: 53 Prozent, 75+ Jahre: 11 Prozent) und der anderen alkoholischen Getränke nehme mit dem Alter deutlich ab.

60 Prozent mehr Alkohol am Wochenende konsumiert als unter der Woche
Getrunken wird laut der Präventionsorganisation vor allem am Wochenende: Gut 60 Prozent mehr als unter der Woche und anteilsmässig mehr Spirituosen und Bier als Wein. Vor allem die jüngeren Altersgruppen konsumierten deutlich mehr Alkohol am Wochenende als unter der Woche. Mit zunehmendem Alter würde die Bevölkerung der Schweiz am Wochenende weniger Alkohol trinken, dafür mehr unter der Woche, so Sucht Schweiz.

Frauen trinken 2015 etwas mehr Wein als 2011
Zwischen dem Jahr 2011 und 2015 gäbe es nur geringfügige Unterschiede. Frauen konsumierten im Jahr 2015 im Vergleich zu 2011 anteilsmässig mehr Wein (2011: 69 Prozent; 2015: 78 Prozent) und dafür weniger Bier (2011: 17 Prozent; 2015: 11 Prozent). Bei Männern seien diese Anteile unverändert.

Höherer Alkoholkonsum in Romandie und Tessin als in Deutschschweiz
Die jüngsten Daten aus dem Suchtmonitoring bestätigten, dass in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz insgesamt mehr Alkohol und vor allem mehr Wein getrunken werde als in der deutschsprachigen Schweiz. Anteilsmässig mache der Wein in der deutschsprachigen Schweiz 56 Prozent aus, in der Romandie seien es 69 Prozent.

1.600 Tote durch alkoholbedingte Verletzungen und Krankheiten wie Krebs
Bei der Publikation des ersten Schweizer Suchtpanoramas im Februar 2015 schrieb Sucht Schweiz, dass die alkoholbezogene Problemlast in der Schweiz mit 1.600 Toten pro Jahr und schätzungsweise 250.000 abhängigen Menschen unverändert hoch sei. Krebserkrankungen, Krankheiten des Verdauungssystems sowie Unfälle und Verletzungen machten den Grossteil der alkoholbedingten Todesfälle aus. Bei Männern der Altersgruppe der 15- bis 34-jährigen sei jeder fünfte Todesfall auf Alkohol zurückzuführen.

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Andrea Luxton als neue Präsidentin der Andrews University designiert

Berrien Springs, Michigan/USA | 22.03.2016 | APD | Personen

Das Kuratorium der adventistischen Andrews University, Berrien Springs, Michigan/USA, hat am 1. März Andrea Luxton als sechste Präsidentin der Universität designiert. Die Bestätigung der Wahl soll formell durch das neu gewählte Kuratorium, am 2. Juni, erfolgen. Dies teilte die Universität auf ihrer Webseite mit. Der Berufung von Andrea Luxton sei seit September 2015 ein monatelanger Findungsprozess vorausgegangen.

Andrews University gilt als „Flaggschiff“ adventistischer Ausbildungsstätten für religiöse Leiter der Kirche und ist eine Institution der Weltkirchenleitung. Luxton folgt in dieser Position auf Niels-Erik Andreasen, der sich im Frühjahr, nach 22 Jahren im Amt, pensionieren lassen wird. Seit Gründung des Battle Creek College 1874, aus dem sich später die Andrews University entwickelte, ist Luxton die 24. Person im Präsidentenamt. In der Universität sind 3.516 Studenten und Studentinnen eingeschrieben, die von einem Lehrkorps von 292 Personen unterrichtet werden.

Mehr Frauen in Leitungspositionen an adventistischen Bildungseinrichtungen
Nach Angaben von SPECTRUM, Zeitschrift der Vereinigung adventistischer Foren (AF), wird Luxton mit dieser Berufung Teil einer wachsenden Zahl von Frauen, die Präsidentinnen höherer adventistischer Bildungsinstitutionen in Nordamerika sind: Dr. Avis Hendrickson, Atlantic Union College, Lancaster/Massachusetts, Dr. Heather Knight, Pacific Union College, Angwin/Kalifornien und Dr. Vinita Sauder, Union College, Lincoln/Nebraska.

Werdegang
Seit 2010 hat Andrea Luxton als Kanzlerin der Universität gearbeitet. Vor ihrer Zeit an der Andrews University hat sie am adventistischen Canadian University College, jetzt Burman University, Lacombe/Kanada, die akademische Administration geleitet, in der Abteilung Erziehung der Weltkirchenleitung als Vizedirektorin gedient und davor als Präsidentin des Newbold College, Bracknell/England. Sie hat ein Doktorat in Englisch der Catholic University of America, Washington, D.C. An der Universität Twente/Niederlande hat sie ein postgraduales Studium in Institutionellem Management und Veränderung abgeschlossen.

„Ich freue mich auf die Möglichkeit, das grosse Erbe von Dr. Andreasen zu übernehmen, der zwei Jahrzehnte die Leitung der Andrews Universität inne hatte“, sagte Luxton. „Ich möchte hilfreiche und zielführende Wege finden, um die Trägerschaft der Andrews University sowohl auf dem Campus in Berrien Springs als auch die Ableger der Andrews University auf der ganzen Welt zu unterstützen und ihnen zu dienen.“

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Miroslav Kiš, adventistischer Theologe und Ethiker, gestorben

Silver Spring, Maryland/USA | 22.03.2016 | APD | Personen

Miroslav Kiš (73), adventistischer Theologe und Ethiker, ist nach Angaben der Andrews University, Berrien Springs, Michigan/USA, am 23. Februar nach einem Herzinfarkt in seinem Heim, nahe bei der Universität, gestorben.

Miroslav Kiš sei im Sommer 2015, nach 31 Jahren im Dienst der adventistischen Andrews University, in den Ruhestand getreten. Zuletzt habe er als Professor für christliche Ethik unterrichtet und den Lehrstuhl für Theologie und christliche Philosophie inne gehabt, wie die nordamerikanische Kirchenzeitschrift Adventist Review AR mitteilte. „Bitte seid mit euren Gedanken und Gebeten bei der ganzen Familie Kiš, welche eine schwierige Zeit mit dem unerwarteten Verlust durchmacht“, heisst es in der Nachricht der Universität.

Miroslav Kiš werde von ihm nahestehenden Personen als engagierter Professor und Freund beschrieben, der nie Kompromisse bezüglich biblischer Prinzipien eingegangen sei und auch entsprechend gelebt habe, so AR.

„Er war ein hervorragender Ausleger biblisch-theologisch-ethischer Inhalte“, sagte Jiří Moskala, Dekan des Theologischen Seminars der Andrews Universität, der Kiš seit mehr als 20 Jahren kannte. Kiš habe es verstanden, alte Wahrheiten auf neue und fesselnde Weise zu vermitteln. „Er ist bezüglich biblischer Prinzipien keine Kompromisse eingegangen, auch dann nicht, wenn es unbequem wurde. Notlügen gab es für ihn nicht“, sagte Moskala. Es sei Kiš nicht um Ansehen gegangen, sondern um biblische und theologische Wahrheit.

„Freiwillige Waise“
Miroslav Kiš wurde am 6. November 1942 als zehntes von elf Kindern in Mikluševci/Kroatien, in eine adventistische Familie ukrainischer Herkunft, geboren. Als Miroslav zwei Jahre alt war, starb sein Vater, was laut AR sein Unabhängigkeit und Selbstverantwortung gefördert habe.

Während des Theologiestudiums am adventistischen Campus Adventiste du Salève, Collonges/Frankreich, habe sein Schwiegervater aus den USA verschiedentlich angerufen, um die Bedürfnisse des jungen Paares abzuklären. Miroslav habe ihre angespannte finanzielle Lage nicht offenlegen wollen, um die Unabhängigkeit von der Hilfe des Schwiegervaters weiterhin zu bewahren. Auf entsprechende Fragen habe er ausweichend geantwortet. Eines Tages habe das Paar aber einen namhaften Check erhalten. Der Schwiegervater habe telefonisch nachgefragt, ob sie den Check erhalten hätten. Miroslav dachte, dass der Schwiegervater meine, er könne dessen Tochter finanziell nicht genügend bieten und fragte verteidigend, warum er ihnen den Check geschickt habe. „Weil du mich Vater nennst“, kam die Antwort. Mirolsaw habe nicht mehr sprechen können und den Hörer seiner Frau gegeben.

Diese Episode aus seinem Leben habe Miroslav Kiš seinen Studenten erzählt, um ihnen sein Konzept der „freiwilligen Waisen“ zu illustrieren, sagte Stephen Bauer, Professor für Theologie und Ethik an der Southern Adventist University, Collegedale, Tennessee/USA. Viele Menschen machten sich auch Gott gegenüber vorsätzlich zu „freiwilligen Waisen“, habe Kiš erläutert. Man wolle sich nicht zugestehen, einen Vater zu brauchen und sei zu stolz, zuzugeben, dass etwas Hilfe gut tun würde. Das Konzept der „freiwilligen Waisen“, sei ein wichtiger und prägender Einfluss in seinem Leben gewesen, so Bauer. Es habe das Wesen der Liebe und Gnade Gottes treffend illustriert.

Pastor, Professor und Ethiker
Miroslav Kiš hat bis 1973 Theologie am Campus Adventiste du Salève, Collonges/Frankreich studiert und drei Jahre später an der Andrews University den Master gemacht. Er hat anschliessend als Pastor in Kalifornien/USA sowie in der kanadischen Provinz Quebec gearbeitet. 1983 hat Kiš den Doktor in philosophischer Ethik an der McGill University, Montreal/Kanada gemacht und ist im gleichen Jahr Mitarbeiter an der Andrews University, Michigan/USA geworden, wo er bis zu seiner Pensionierung wirkte. Miroslav Kiš war in den letzten Jahren Mitglied der Ethikkommission des Biblischen-Forschungs-Instituts (BRI) der adventistischen Weltkirchenleitung. Er setzte sich bei der Weltkirchenleitung auch dafür ein, dass ein ständiges ethisches Komitee geschaffen wird, das sich mit komplexen ethischen Fragen beschäftigt, zu denen die Kirche Stellung nehmen muss.

Kiš hinterlässt seine Frau Brenda Bond Kiš sowie zwei erwachsene Söhne mit Schwiegertöchtern und drei Grosskinder.

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