APD-INFORMATIONEN 2/2017 - FEBRUAR 2017

4.652 Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz

Zürich/Schweiz | 27.02.2017 | APD | Schweiz

Ende Dezember 2016 lebten 4.652 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz. Das sind 68 Mitglieder mehr als im Jahr zuvor. In den letzten fünf Jahren, von Ende 2011 bis 2016, hat die Mitgliederzahl um 294 Personen zugenommen. In 54 Gemeinden und fünf Gruppen feiern die Adventisten in der Schweiz den Gottesdienst jeweils am Samstag (Sabbat), dem biblischen Ruhetag. Mitglied werde man nicht durch die Säuglings- oder Kleinkindertaufe, welche die Adventisten nicht praktizierten, sondern nach Unterweisung und auf eigenen Wunsch durch ein Bekenntnis beziehungsweise durch die Glaubenstaufe, teilte die Kommunikationsabteilung der Schweizer Kirchenleitung mit.

Das Mitgliederwachstum verteile sich gleichmässig auf die Landesteile und sei einerseits auf Adventisten zurückzuführen, die aus dem Ausland in die Schweiz gezogen seien (Transferwachstum) als auch auf Menschen, die sich durch die Glaubenstaufe der Kirche angeschlossen hätten (Bekehrungswachstum), so Herbert Bodenmann, Mediensprecher der Adventisten.

Kinder und ungetaufte Jugendliche werden nicht als Mitglieder gezählt
Rund 700 Kinder bis 16 Jahre, die in adventistischen Familien aufgewachsen und am kirchlichen Leben teilnehmen würden, seien laut Mediensprecher nicht in der Mitgliederzahl enthalten. Die protestantische Freikirche taufe keine Kinder und zähle sie deshalb ebenso wenig wie ungetaufte Jugendliche als Mitglieder. Adventistischen Jugendlichen bleibe es freigestellt durch die Glaubenstaufe der Kirche beizutreten, sofern sie dies wollten.

Die Mitgliederzahlen von Bekenntniskirchen, deren Mitglied man nur durch freiwilligen Beitritt in entscheidungsfähigem Alter wird, mit Mitgliedszahlen von Volkskirchen, die Säuglinge taufen und sie als Mitglieder zählen, seien schlecht vergleichbar, so Bodenmann.

Schweizer Adventisten als Verein organisiert
Die Schweizer Adventisten sind nach dem Vereinsrecht organisiert und teilen sich in zwei Kirchenregionen: die Deutschschweizerische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (DSV), mit Sitz in Zürich und die Fédération des Eglises Adventistes du 7e jour de la Suisse romande et du Tessin (FSRT), mit Sitz in Renens/VD. Beide Verwaltungsregionen bilden gemeinsam die Schweizer Kirchenleitung (Schweizer Union) mit Sitz in Zürich.

Institutionen und Werke in den Sprachregionen
Die Adventisten in der Schweiz führen die „Privatschule A bis Z“ in Zürich, zwei Jugendhäuser, in St. Stephan/BE und Les Diablerets/VD, drei Alters- und Pflegeheime in Krattigen/BE, Oron-la-Ville und Epalinges bei Lausanne, den Advent-Verlag in Krattigen/BE sowie eine Versandstelle für französische Bücher in Renens/VD. Im Weiteren unterhalten sie das "Hope Bibelstudien-Institut" (HBI) und das „Religionspädagogische Institut“ (RPI) in Zürich sowie das „Institut d'Etude de la Bible par Correspondance“ (IEBC) in Renens. In Gland/VD befindet sich die Klinik „La Lignière“, die auf Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen, neurologischen, orthopädischen und rheumatischen Erkrankungen sowie auf Nachbehandlung bei Krebs spezialisiert ist.

Gesamtschweizerische Institutionen der Adventisten
Zu den gesamtschweizerischen Werken zählt die „Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe“ ADRA Schweiz mit Sitz in Zürich, ein ZEWO-zertifiziertes Partnerhilfswerk der Glückskette. Das Hilfswerk ist in der Schweiz mit rund 30 Ortsgruppen im sozialen Bereich tätig und im Ausland mit Katastrophen- und Entwicklungshilfeprojekten. Der „Adventistische Pressedienst“ APD Schweiz, Basel, richtet seine Dienste vor allem an säkulare und kirchliche Medien. Die Schweizerische Liga Leben und Gesundheit LLG, Zürich, bietet mit ihren Seminaren in rund 40 Ortsgruppen ganzheitliche Gesundheitsförderung an: körperlich, seelisch, spirituell und sozial.

Ökumenische Kontakte
Die Adventisten sind Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) und haben den Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH). In drei kantonalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen sind sie Mitglieder und in drei weiteren haben sie den Gaststatus.

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Forum für offene Katholizität: „Säkularer Anti-Christianismus“

Luzern/Schweiz | 27.02.2017 | APD | Schweiz

Am 44. Dialog des Forums für offene Katholizität (FOK), der am 30. Januar im RomeroHaus in Luzern durchgeführt wurde, lautete eine These: Anti-Christianismus ist in den Schweizer Medien verbreitet, wird aber nicht als Problem wahrgenommen. Dies führt zu einem Malaise in der Bevölkerung und begünstigt konservativ-populistische Politik. Höchste Zeit, die vitalen und bis heute revolutionären Traditionen des Christentums hervorzuheben!

Der Dialog stand unter dem Titel „Säkularer Anti-Christianismus“ und war der dritte der Reihe des Bildungsjahres 2016/2017, die dem Thema „Säkularimus als Herausforderung“ gewidmet ist.

Laut dem Pressebericht von Paul Jeannerat auf der FOK-Webseite referierte zuerst der promovierte Theologe Thomas Staubli. Er lehrt an der Universität Freiburg/Schweiz Theologie des Altes Testaments und wirkt als Seelsorger in der Pfarrei Bösingen FR - Laupen/BE.

Halbwissen und Vorurteile zum Christentum führen zu falscher Berichterstattung
Für Jeannerat klangen die Thesen von Staubli provokant: Demnach wird das Christentum in seinem Selbstverständnis und Engagement in den Schweizer Medien häufig nicht sachgerecht dargestellt. Unwissenheit und Vorurteile führen zu unpräziser und falscher Berichterstattung. Dem Christentum werden Eigenschaften angehängt, die gerade nicht christlich, sondern typisch für die konservativ bürgerliche Gesellschaft sind. Auf diese Weise wird subtil Anti-Christianismus verbreitet. Dieser Vorgang geht weitgehend unbemerkt und auch unkommentiert vor sich und wird darum nicht als Problem erkannt, sondern als Teil einer quasi „natürlichen“ Säkularisierung hingenommen. Progressiv christliches Gedankengut und Engagement wird kaum wahrgenommen und es fehlt an einer angemessenen Empathie mit dem Christentum als weltweit verfolgter Religion.

Thomas Staubli belegte diese Beobachtungen mit einem Beispiel aus einem renommierten Forschungsmagazin, das eine verzerrte Form des Christentums als Negativfolie zur pointierten Darstellung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen verwendet hat. Und mit einem Beispiel aus einer Boulevardzeitung: Mit dem Foto einer Kirche und der Überschrift „Pädophiler (90) betastet Mädchen in der Kirche“, wird suggeriert, dass sich „schon wieder“ ein Kirchenmann eines sexuellen Übergriffs schuldig gemacht hat. Solche Beispiele gibt es viele. Staubli fügte an: „Dies ist nur die Spitze des Eisbergs!“

Subtiler Anti-Christianismus in den Medien verbreitet
Josef Estermann, zuständig für Grundlagen und Forschung bei Commundo im RomeroHaus, leitete anschliessend das Podiumsgespräch mit Thomas Staubli und dem ehemaligen Fernsehjournalisten Erwin Koller sowie mit rund 40 Teilnehmenden.

Die Feststellung, dass weltweit Christen verfolgt werden, weil sie Christen sind, habe die die Anwesenden beeindruckt, schreibt Jeannerat. Diese Tatsache sei noch kaum ins Bewusstsein eingeflossen, da die mediale Information darüber hierzulande nur dürftig sei.

Im Podiumsgespräch sei auch erwähnt worden, dass ein subtiler Anti-Christianismus in den Medien verbreitet sei, der aber tendenziell nicht als Problem wahrgenommen werde, was das religiöse Nicht-, Halb- und Falschwissen fördere. Dies führe zu einem Malaise in der christlichen Bevölkerung und schlimmstenfalls zu einer gefährlichen Verbindung von christlicher Abendlandromantik und populistisch-rassistischer Politik. Nicht nur in den USA, sondern auch in Polen, Frankreich - und in der Schweiz - drohe diese beängstigende Entwicklung. Medienschaffende würden Verantwortung tragen, sich gegen die Marginalisierung der christlichen Botschaft zu wehren und aufzuzeigen, dass das Grossartige des Glaubens wert sei, verteidigt zu werden.

Mehr zu den Dialogen des Forums für Offene Katholizität (FOK) unter:
www.fokdialoge.org.

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Kirchenbund verleiht Schweizer Predigtpreis

Bern/Schweiz | 27.02.2017 | APD | Schweiz

„Quer denken, frei handeln, neu glauben“ – unter diesem Motto des Reformationsjubiläums verleiht der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) 2017 zum zweiten Mal den mit 3.000 Franken dotierten Schweizer Predigtpreis.

Laut der SEK-Medienmitteilung gehen in den evangelischen Schweizer Kirchen mehr als zweitausend Predigerinnen und Prediger Sonntag für Sonntag auf die Kanzel, um Gottes Wort zu bezeugen und die Bedeutung des Evangeliums für heute zu reflektieren. „Die Predigt ist ein Gesamtkunstwerk aus Theologie, Lebenserfahrung und Sprachkraft“, so Kirchenbundspräsident Gottfried Locher: „Der Kirchenbund will mit seinem Preis die Predigtkunst würdigen und fördern.“

Eine Predigt hat ihren Ort im Gemeindegottesdienst im Kontext eines liturgischen Rahmens wie auch einer Gemeindewirklichkeit. Darum sucht der Kirchenbund Predigten, die im Moment der Eingabe bereits gehalten wurden. Zur Teilnahme am Predigtpreis ist eingeladen, wer über ein Mandat zum Predigen in einer Kirchgemeinde verfügt.

Der Schweizer Predigtpreis wird in zwei Sprachkategorien vergeben: Predigten in deutscher oder rätoromanischer Sprache und Predigten in französischer oder italienischer Sprache. Je eine Jury zeichnet die Trägerin oder den Träger des Predigtpreises aus. Der Schweizer Predigtpreis ist mit insgesamt 3.000 Franken dotiert und wird am 6. November 2017 in Bern verliehen.
Alle Informationen zum Schweizer Predigtpreis auf www.schweizer-predigtpreis.ch.

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Adventisten gratulieren Steinmeier

Hannover/Deutschland | 27.02.2017 | APD | International

Der erste Vorsitzende der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, Pastor Johannes Naether (Hannover), hat Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Namen der Freikirche in einem Schreiben zu dessen Wahl zum 12. Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gratuliert.

Steinmeier übernehme das Amt in „stürmischen Zeiten, in denen die Welt aus den Fugen zu geraten scheine", so Naether mit einem Zitat aus der Rede des designierten Bundespräsidenten. „In dieser Zeit eine klare Orientierung zu vermitteln, die keine trügerische Sicherheit durch markige Sprüche vorgaukelt, ist eine der herausfordernden Aufgaben, denen Sie gegenüberstehen.“ Naether wünschte Steinmeier dafür „eine Klarheit und Verständlichkeit, die das Wertvolle und Verbindende in unserer Gesellschaft aktuell und konkret ausspricht.“

Der Freikirchenleiter rief Steinmeier dazu auf, mit einer „Hartnäckigkeit“ ins Amt zu gehen, „die um das Fundament des Grundgesetzes weiss und der Werte, die sich aus dem christlichen Glauben speisen.“ Naether weiter: „Ich wünsche Ihnen weiterhin für Ihren Dienst an unserem Land ein frohes und dankbares Herz, das sich der betenden und solidarischen Unterstützung vieler Christinnen und Christen gewiss sein darf.“

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USA: Adventist spricht beim Nationalen Gebetsfrühstück

Washington, D.C./USA | 27.02.2017 | EUDNews/AR/APD | International

Der adventistische Pastor und US-Senatsgeistliche Barry Black hat am 2. Februar beim 65. Nationalen Gebetsfrühstück in Washington D.C. als Hauptredner gesprochen. Führende Persönlichkeiten aus der amerikanischen Politik und Öffentlichkeit, darunter auch US-Präsident Donald Trump, sowie internationale Führungspersönlichkeiten, darunter der jordanische König Abdullah II., nahmen daran teil.

Black sprach über die Wichtigkeit einer persönlichen Beziehung zu Gott und rief zum Gebet für die Regierenden auf. Seit 2003 hat Barry Black das Amt des Senatsgeistlichen inne. Er ist der erste Siebenten-Tags-Adventist, der diese Position bekleidet. Vorher diente er als Militärseelsorger. Black ist der zweite Siebenten-Tags-Adventist, der als Hauptredner zum Gebetsfrühstück eingeladen wurde. Zuvor hatte bereits zweimal der Neurochirurg Dr. Benjamin S. Carson, designierter US-Minister für Wohnbau und Stadtentwicklung, beim Gebetsfrühstück gesprochen.

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Niederländische Kirchen fordern „sportlichen“ Wahlkampf

Amersfoort/Niederlande | 27.02.2017 | APD | International

Der Rat der Kirchen in den Niederlanden hat in einer „Botschaft“ zur Parlamentswahl am 15. März einen informativen und erhellenden Wahlkampf gefordert. Auch bei heftig geführten Debatten gelte es „sportlich“ zu bleiben. Die Wähler werden aufgefordert die Politiker kritisch zu anzuhören.

Den richtigen Ton wählen
Etwa 13 Millionen Niederländer sind am 15. März aufgerufen, die 150 Abgeordneten der „Zeiten Kammer der Generalstaaten“ zu wählen. Das Wahlrecht sei ein kostbares Gut und ein wertvoller Aspekt der Freiheit, mit dem es gelte vorsichtig und sorgsam umzugehen, so der Rat der Kirchen. „Es wäre bedauerlich, wenn die Form den Inhalt ersetzen würde.“ Das könne geschehen, wenn Verrohung und der Mangel an Respekt vor dem Gegner so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden, dass der Inhalt verloren gehe. Die Parteien und Politiker werden deshalb aufgefordert, „den Ton zu wählen der einer guten argumentativen Debatte angemessen ist“. Qualitativ starke Argumente hätten Überzeugungskraft. Schlagworte und Effekthascherei lenkten vom Inhalt ab.

Der Rat wendet sich auch an die „wachsende Gruppe unserer Landsleute“, die das Gefühl hätten, keinen Zugang zu den Autoritäten und Politikern zu haben. Trotz deren Frustration und Ärger wollten die Kirchen weiterhin in Solidarität und Verbundenheit mit ihnen Anwalt dieser Menschen und ihrer Gefühle sein und deren Stimme verstärken.

Eine neue Zweite Kammer
Die Kirchen hofften auf eine neue Zweite Kammer, die nicht in erster Linie von Vertretern mit Eigeninteressen bestimmt würden, sondern von „Volksvertretern im wahren Sinn des Wortes“. Der Rat habe Respekt vor „mutigen Politikern“, die bereit zur konstruktiven Gestaltung wären, ob in der Regierung oder in der Opposition. Es gehe nicht um kurzfristige Interessen von Gruppen, sondern um die Werte, „auf denen unsere Gesellschaft als Ganzes aufgebaut ist“. Dabei gehe es unter anderem um Freiheit im Allgemeinen, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, die Achtung der Privatsphäre und der Sicherheit, aber auch Solidarität, Gastfreundschaft und ein soziales Verhalten. All dies sollte im Mittelpunkt stehen, „wenn die wirklich langfristigen Probleme wahrgenommen werden“. Das gelte auch für Europa und die ganze Welt, von der die Niederlande ein Teil ausmachten.

Der Kirchenrat
Der Rat der Kirchen in den Niederlanden wurde 1968 gegründet und hat seinen Sitz in Amersfoort. Mitgliedskirchen sind die Alt-katholische Kirche, die Anglikanische Kirche, die Allgemeine Mennonitische Sozietät, die Heilsarmee, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Orthodoxen Kirche, der Bund der Freien Evangelischen Kirche, die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker), die Remonstrantische Bruderschaft, die Evangelische Brüdergemeinde, die Orthodoxe Kirche und die Neuapostolische Kirche. Zu den assoziierten Mitgliedern zählen die Basisbewegung von kritischen Gruppen und Gemeinden in den Niederlanden, die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die Freie Glaubensgemeinschaft (NPB).

Parlament mit zwei Kammern
Die 150 Abgeordneten der Zweiten Kammer des Parlaments werden in den Niederlanden alle vier Jahre vom Volk gewählt. Sie ist das eigentliche Gesetzgebungsorgan, während die Erste Kammer, auch Senat genannt, Gesetzentwürfe nur bestätigen oder ablehnen kann. Die 75 Senatoren werden ebenfalls alle vier Jahre von den Provinzparlamenten gewählt.

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Argentinien: Adventistische Kirchenleiter zurückgetreten

Sandy, Oregon und Roseville, Kalifornien/USA | 27.02.2017 | Adventist Today/SPECTRUM/APD | International

Laut Adventist Today und SPECTRUM, zwei unabhängigen adventistischen Zeitschriften in den USA, sind am 22. Februar der Präsident, der Finanzvorstand sowie der Rechtsvertreter der adventistischen Kirchenleitung in Argentinien sowie der Präsident der River Plate Adventist University und deren stellvertretender Direktor für Entwicklung zurückgetreten. Demnach würden ihnen die argentinischen Behörden vorwerfen, dass sie hochwertige Elektronikgeräte sowie neues medizinisches Zubehör in einem Container falsch deklariert einführen wollten, dessen Inhalt als gebrauchte, gespendete Gegenstände für die River Plate Adventist University gekennzeichnet gewesen sei.

Infobae, ein online Newsservice in Argentinien sowie die Zeitung La Nacion, veröffentlichten am 17. Februar Berichte über Anschuldigungen gegen adventistische Kirchenleiter. Journalisten berichteten, dass im Juli 2016 die Zollbeamten einen Container von gespendeten Gegenständen öffneten, der für die River Plate Adventist University bestimmt war. Darin hätten sie hochwertige, anspruchsvolle Elektronikgeräte gefunden, die falsch deklariert gewesen seien, um die Einfuhrsteuern zu umgehen. Die Kommunikationsmittel von Pastor Jorge de Sousa Matias, Vizepräsident für Entwicklung an der Universität, sei von der Polizei abgehört worden. Daraufhin sei er wegen beabsichtigter Einflussnahme auf die Untersuchungen von der Polizei verhaftet worden.

Am 18. Februar hat Pastor Carlos Gill, Präsident und Kirchenleiter der Adventisten in Argentinien (Verband/Union) ein Video auf Facebook und YouTube veröffentlicht, in dem er die Sachlage schilderte. Er sagte, dass die Kirche die von einem Richter eingereichten Anklagen bestreiten würde, weil sie "Auslassungen ... Übertreibungen" und ungenaue Informationen enthielten. Gill erklärte auch, dass Sousa Matias und Dr. Oscar Ramos, der Universitätspräsident, zurückgetreten seien. Er informierte, dass sowohl die argentinische Kirchenleitung als auch die teilkontinentale Kirchenleitung der Adventisten in Südamerika (Südamerikanische Division) Ausschüsse bestellt hätten, um die Situation zu untersuchen. Er liess offen, ob die Vertreter der Kirche eine Straftat begangen hatten. Das Video habe viele negative und bittere Kommentare generiert, sodass es nach einem Tag wieder entfernt worden sei.

Am 22. Februar habe laut Adventist Today und SPECTRUM die adventistische Kirchenleitung in Argentinien eine Erklärung sowie einen Bericht veröffentlicht. In der Erklärung schreibt die argentinische Kirchenleitung: "Die Kirche bedauert zutiefst diese Situation, die unsere Glaubensgemeinschaft und die argentinische Gesellschaft betrifft, da die Kirche ethische und moralische Werte auf der Grundlage der Bibel unterstützt, welche die Einhaltung der Gesetze fördern... Sie bekräftigt ihre Zusammenarbeit mit den Behörden."

Pastor Carlos Gill, Präsident und Carlos Gimenez, Finanzvorstand sowie Roberto Giaccrini, Rechtsvertreter der adventistischen Kirchenleitung in Argentinien, seien zurückgetreten, heisst es im gleichzeitig publizierten Bericht. Auch zwei leitende Angestellte der River Plate Adventist University seien zurückgetreten: Dr. Oscar Ramos, Präsident und Sousa Matia, Vizepräsident für die Entwicklung der Universität. Damit stünden den Angeschuldigten alle rechtlichen Möglichkeiten offen, sich zu verteidigen.

Der Exekutivausschuss der überregionalen argentinischen Kirchenleitung hat demnach einen neuen Präsidenten und Finanzvorstand gewählt: Dr. Dario Caviglione, bisher Präsident der regionalen Kirchenleitung in Zentral-Argentinien wurde zum neuen Präsidenten der Adventisten in Argentinien gewählt und Raul Kahl, bisher Finanzvorstand der regionalen Kirchenleitung im Süden von Argentinien, wurde zum neuen Finanzvorstand ernannt.

Adventisten in Argentinien
In Argentinien, mit 44 Millionen Einwohnern leben mehr als 150.000 Adventisten. Es gibt mehr als tausend Kirchgemeinden, sowie die Universität, die 400 Kilometer nördlich von Buenos Aires liegt, ein College, 15 Sekundarschulen, drei Krankenhäuser und sechs Radiosender.

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Seit 490 Jahren wieder eine internationale Täuferkonferenz in Augsburg

Augsburg/Deutschland | 27.02.2017 | APD | International

Die Stadt Augsburg war in den Jahren der Reformation ab 1526 auch Zentrum der Täuferbewegung und damit ein Entstehungsort der heutigen Freikirchen. Im August 1527 trafen sich in der Fuggerstadt führende Vertreter der Täufer aus Süddeutschland, der Schweiz und Österreich. Sie tagten an wechselnden Orten, um der Verfolgung durch den Stadtrat zu entgehen. Die meisten Teilnehmer wurden jedoch auf der Heimreise gefangengenommen und hingerichtet. Dadurch erhielt das Treffen die Bezeichnung „Märtyrersynode“. Später vertrieb die Obrigkeit alle Täufer aus der Stadt. Die am 12. Februar in Augsburg eröffnete Dekade „Renewal 2027“ (Erneuerung 2027) ist eine auf zehn Jahre angelegte Veranstaltungsreihe der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK). Sie will an die Anfänge der Täuferbewegung vor 500 Jahren erinnern und zugleich die weltweite „Geschwisterschaft“ der heutigen täuferisch-mennonitischen Gemeinden betonen.

Mennoniten damals und heute
Die grossen Umwälzungen innerhalb der Kirche während des 16. Jahrhunderts brachten nicht nur die lutherische und reformierte Tradition hervor, sondern auch die wesentlich kleinere Täuferbewegung, erläuterte Alfred Neufeld, Vorsitzender der Kommission für Glauben und Leben der MWK und Leiter des Planungskomitees „Renewal 2027“. „Die Täufer waren nicht mehr römisch-katholisch, aber auch nicht ganz einverstanden mit den typischen Schwerpunkten der Reformatoren. Stattdessen teilten sie Aspekte beider Traditionen.“ Von Anfang an hätten sie aber auch zusätzliche Aspekte des christlichen Glaubens betont, die sie als tief in der Bibel verwurzelt sahen. Neufeld nannte die persönliche Verpflichtung zur Nachfolge Jesu, die Taufe von Erwachsenen auf das freie Bekenntnis des Glaubens, ein gemeinschaftlicher Ansatz in der Lektüre und Auslegung der Heiligen Schrift, eine Verpflichtung zur Versöhnung und Feindesliebe sowie die Ablehnung der Staatskirche.

Seit jener Zeit hätten sich die anstehenden Fragen und Begleiterscheinungen verändert. Deshalb stellten sich laut Neufeld verschiedene Fragen: Was bleibt? Was sollte überdacht und neu formuliert werden? Wo gibt es Lücken in der Theologie und im Handeln der Mennoniten? Wo ist die Tradition starr geworden? Wo haben sich Angewohnheiten eines falsch verstandenen Rückzugs aus der Welt eingeschlichen oder gar ein Hang zum Narzissmus? Diese Themen sollten in den kommenden zehn Jahren in weltweiter Gemeinschaft diskutiert und bearbeitet werden.

Dekade beginnt mit der Bibel
Zum Auftakt der Dekade befasste sich „Renewal 2027“ mit dem Thema „Verändert durch das Wort: Die Bibel lesen aus täuferischen Perspektiven“. Zu der öffentlichen Veranstaltung kamen am 12. Februar etwa 200 Teilnehmer in das katholische Tagungshotel Haus Sankt Ulrich in Augsburg. Darunter waren rund 80 ausländische Vertreter der Mennonitischen Weltkonferenz. 500 Jahre nachdem Martin Luther mit seinem Aufruf „sola scriptura“ (allein die Schrift) die Reformation angestossen hat, wollte auch die MWK „sich auf die Suche danach machen, wie Täufer und Mennoniten in der ganzen Welt sich in der Vergangenheit mit der Bibel beschäftigt haben und wie die Bibel ihre Bedeutung bis heute behalten hat“, so Dr. Alfred Neufeld, der auch der Präsident der Protestantischen Universität Paraguays in Asunción und Dekan der dortigen Theologischen Fakultät ist.

Die Täufer deuteten die Bibel vielfältig und unterschiedlich
Hanspeter Jecker, Schweiz, Mitglied der MWK-Kommission für Glaube und Leben, und Astrid von Schlachta aus Deutschland vom Mennonitischen Geschichtsverein befassten sich mit den vielfältigen Deutungen der Heiligen Schrift unter den damaligen Täufern. Diese wollten als mündige Christen die Bibel lesen. Für sie schien es selbstverständlich, dass gerade einfache Leute durch das Wort Gottes angesprochen wurden, während kirchliche Würdenträger kein Interesse an der Bibel zu haben schienen. Es habe allerdings auch Täufer gegeben, die das Wort zum Schwert machen wollten. Im Frühjahr 1528 erwarteten sie die Wiederkunft Jesu in Erfurt. Sie meinten aus den prophetischen Büchern Daniel und Offenbarung der Bibel zu erkennen, dass die Endzeit unmittelbar bevorstehe. Sie seien bereit gewesen zur Errichtung des von ihnen erwarteten Reiches Christi der Gerechtigkeit auch zu den Waffen zu greifen. Die späteren Täufer hätten ihre Mühe gehabt sich von diesen Vorstellungen zu befreien. Die Täufer wollten auch mit alten Gewohnheiten brechen. Die neuen Erkenntnisse gewannen sie gemeinsam. Da alle zum Verständnis der Bibel beitragen konnten, kam es immer wieder zu Spaltungen, sodass die Einheit der Christen aus dem Blick geraten sei.

Es habe auch das Bestreben gegeben, Christus nachzufolgen indem man die Verfolger segne. Da damals viele Menschen Analphabeten waren, wurde die Predigt zur Belehrung wichtig und die Bibel trat in den Hintergrund, da man sie nicht lesen konnte. Das habe im Extremfall dazu geführt, dass die Bibel von manchen sogar, nach dem Motto „der Buchstabe tötet, Gottes Geist macht lebendig“, buchstäblich verbrannt worden sei. Die Täufer bemühten sich allerdings nicht nur zu lehren, sondern die Lehre auch mit dem Leben in Übereinstimmung zu bringen. Ein Teil der Täufer war davon überzeugt, dass die Bibel die Gütergemeinschaft der Christen lehre. Bibeltexte, die etwas anderes aussagten, hätte sie so lange interpretiert, bis sie zu ihrem Weltbild zu passen schienen. Dass die menschliche Erkenntnis „Stückwerk“ sei, so ein Bibelwort, habe andererseits zur Behauptung geführt, dass es bei dem bleiben solle, was einmal als richtig erkannt worden sei. Man solle sich hüten etwas Neues einzuführen.

Aber gerade weil kein Mensch alles weiss, gelte es nach wie vor die Bibel gemeinsam zu lesen, um sich gegenseitig auch korrigieren zu lassen, so Hanspeter Jecker und Astrid von Schlachta als Schlussfolgerung hinsichtlich der vielfältigen Deutung der Heiligen Schrift in der Vergangenheit der Täufer. Das wurde während der Tagung auch praktiziert, indem die Teilnehmer in kleinen Gruppen einen Bibeltext aus der Apostelgeschichte lasen und gemeinsam auslegten.

Junge Generation zur Mission und Zukunft ihrer Gemeinschaften
Der Präsident des Mennonitischen Weltkomitees, Nelson Kraybill, USA, stellte junge Erwachsene aus den Philippinen, Simbabwe, Paraguay, den Niederlanden und den USA vor, die in ihren täuferischen Gemeinschaften Verantwortung übernommen haben und als nachrückende Generation berichteten, was es für sie in ihren Ländern bedeute heute dem Missionsauftrag der Bibel nachzukommen und den Menschen von Jesus zu erzählen. In einer zweiten Runde sprachen andere junge Männer und Frauen aus Äthiopien, Guatemala, den USA, Spanien und den Philippinen darüber, vor welchen Herausforderungen ihre Gemeinden gegenwärtig stünden und wie ein Blick in die Zukunft aussehen könnte.

Die Bibel auch mit Christen anderer Konfessionen lesen
Dass man auch mit Christen anderer Konfessionen die Bibel lesen kann, wurde durch die eingeladenen Gäste anschaulich. Luis Augusto Castro Quiroga, Erzbischof von Tunja und Vorsitzender der römisch-katholischen Kolumbianischen Bischofskonferenz, sprach den Friedensprozess zwischen der Regierung und den Rebellengruppen FARC und ELN in seinem Land an. Die katholische Kirche begleite den Prozess. Castro würdigte ausdrücklich die Unterstützung durch den US-amerikanischen Friedensforscher und Professor für International Peacebuilding an der University of Notre Dame, Indiana, John Paul Lederach. Er ist Mennonit, der die Bischofskonferenz berate. „Die Guerilla muss lernen, für ihre Taten um Entschuldigung zu bitten und sich im Rahmen der Übergangsjustiz für sie verantworten“, sagte der Erzbischof. Das fordere die Gerechtigkeit. Doch es gehe neben dem äusseren Frieden auch um den inneren Frieden. Dieser sei jedoch nach der Bibel nur durch Barmherzigkeit und Vergebung möglich.

Pastor Bernd Densky, Baptist und Freikirchlicher Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), betonte, dass die Baptisten sich als Bibelbewegung verstünden. Die Heilige Schrift sei für sie oberste Instanz für Glauben und Handeln. Der Heilige Geist helfe bei der Bibelauslegung zum Verständnis der Schrift. Um voneinander zu lernen und sich gegebenenfalls auch zu korrigieren wäre ein gemeinsames Lesen der Bibel notwendig. Es gelte aber auch, das, was man als wegweisend erkannt habe, anderen mitzuteilen.

Heinrich Klassen, Vorsitzender des Bundes Taufgesinnter Gemeinden in Deutschland, wies darauf hin, dass in der ehemaligen Sowjetunion die Bibel ein kostbares Gut gewesen sei. Nur wenige hätten damals eine vollständige Bibel besessen. Umso mehr würde jetzt nach der Übersiedelung nach Deutschland die Bibel im Gottesdienst ausgelegt und in Gruppen studiert. Dabei gehe es auch um die Frage, welchen Auftrag die Gemeindemitglieder in der Bundesrepublik für die Gesellschaft hätten.

Friederike Nuessel, Professorin für Systematische Theologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Mitglied der Kammer für Theologie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), verwies auf Martin Luther, der durch das Studium der Briefe des Apostels Paulus Antwort auf seine Fragen fand: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie werde ich vor Gott gerecht?“ Das Lesen der Bibel habe aus ihm einen neuen Menschen gemacht. Die Theologin erinnerte auch an die Verfolgung der Täufer durch die Lutheraner. Während der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) 2010 in Stuttgart hätten sich in einem Bussgottesdienst der LWB und die Mennonitische Weltkonferenz versöhnt. Vorausgegangen sei ein einstimmig gefasstes Schuldbekenntnis der Vollversammlung des Lutherischen Weltbunde gegenüber den Täufern.

Jedes Jahr ein neues Thema
Neben der Eröffnung der Dekade fand in Augsburg auch die jährliche Tagung des Exekutivkomitees der Mennonitischen Weltkonferenz statt. 2018 liegt die Betonung von „Renewal 2027“ auf dem Heiligen Geist. Im April 2018 ist eine entsprechende Veranstaltung im Rahmen des Exekutivkomitee-Treffens in Kisumu/Kenia geplant. Weitere thematische Schritte sollen parallel zu den regulären MWK-Treffen in Lateinamerika 2019, Nordamerika 2020, und Indonesien 2021 geschehen.

Zwar soll es 2025 in Europa eine besondere Feier zum Gedenken an den 500. Jahrestag der ersten Bekenntnistaufen geben. Doch das Planungskomitee habe laut Alfred Neufeld bewusst das Jahr 2027 als Höhepunkt der Erinnerungsdekade gewählt. 2027 markiere zum einen den 500. Jahrestag des „Schleitheimer Bekenntnisses“ vom Januar 1527, das der frühen Täuferbewegung Struktur gegeben habe, zum anderen der „Märtyrersynode“ in Augsburg, wo sich führende Täufer trafen, um eine Missionsstrategie zu beraten. Die meisten von ihnen wurden bald danach hingerichtet. „Den Schlussakkord und Höhepunkt von ‚Renewal 2027‘ setzt dann im selben Jahr die 18. MWK-Weltversammlung“, informierte Neufeld.

Trilaterale Dialoggruppe zum Thema „Taufe“
In Augsburg tagte auch die trilaterale Dialoggruppe mit Vertretern des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, des Lutherischen Weltbundes und der Mennonitischen Weltkonferenz zur abschliessenden Sitzung zum Thema „Taufe“. Erzbischof Castro und Professorin Nuessel gehören der Gesprächsgruppe an.

Mennoniten weltweit
Zu den Mitgliedern der MWK gehören 102 Mitgliedskirchen von Mennoniten- und Brethren-in-Christ-Gemeinden in 57 Ländern mit 1,4 Millionen getauften Gläubigen. Etwa zwei Drittel der getauften Mitglieder leben in Afrika, Asien oder Lateinamerika, ein Drittel in Europa und Nordamerika. Nach einer Statistik der MWK aus dem Jahr 2015 gibt es weltweit insgesamt über 2,1 Millionen Christen täuferischer Tradition (in Deutschland 47.202, in der Schweiz 2.350 und in Österreich 369). Etliche dieser Kirchen, besonders auch die Amish-Gemeinschaften in den USA, haben sich laut Neufeld nicht der MWK angeschlossen.

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Mehr Friedensförderung durch glaubensbasierte Organisationen

Silver Spring, Maryland/USA | 27.02.2017 | AR/APD | International

Am 23. Januar fand im UNO-Gebäude in New York das dritte jährlich stattfindende Symposium zur Rolle von Religionen und glaubensbasierten Organisationen bei internationalen Angelegenheiten statt. Dabei sagte Ganoune Diop, Direktor der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der adventistischen Weltkirchenleitung, dass Frieden „weit mehr“ als die Abwesenheit von Krieg sei. Am Symposium, das neben zwei anderen Organisationen von der adventistischen Weltkirche gefördert wurde, nahmen mehr als 130 Vertreter diverser UN-Organisationen sowie von glaubensbasierten und Nichtregierungsorganisationen teil.

Frieden erfordere zwar das Fehlen von Gewalt, so Ganoune Diop, aber auch das Vorhandensein von allem, was zur Unterstützung der Menschenwürde notwendig sei. „Voraussetzungen für den Frieden schliessen Lebensnotwendigkeiten mit ein, wie Unterkunft, Essen, Arbeit und ebenso, dass man ohne Zwang oder Angst leben kann“, sagte Diop.

Opfer von Konflikten – Zahl der Toten nimmt zu
Dr. Jeffrey Haynes, Direktor des Zentrums für das Studium von religiösen Konflikten und Zusammenarbeit (Centre for the Study of Religious Conflict and Cooperation CSRCC) an der London Metropolitan University habe in seinem Referat festgehalten, dass Friedenstifter heute mehr gebraucht würden als früher, schreibt die nordamerikanischen Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR). Statistiken zeigten, dass im Jahr 2008 weltweit rund 56.000 Menschen an Konflikten gestorben seien. Diese Zahl sei Im 2014 auf 125.000 Opfer gestiegen. Im 2015 seien schätzungsweise 180.000 Menschen als direkte Folge von Konflikten gestorben. Das sei die höchste Zahl seit dem Völkermord in Ruanda 1994, so Jeffrey Haynes.

Führungsrolle der glaubensbasierten Organisationen bei der Friedensförderung
Laut Adventist Review haben andere Referenten am Symposium den enormen Beitrag, den religiöse und glaubensbasierte Organisationen leisten können, betont. Dies betreffe sowohl die Vermittlung bei Konflikten als auch beim Aufbau starker und stabiler Gesellschaften, die den Frieden unterstützten.

Adama Dieng, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für die Verhütung von Völkermord, forderte die Zivilorganisationen, einschliesslich die religiösen Organisationen dazu auf, die Regierungen bei der Information über die Menschenrechte zu unterstützen. Sie sollten auch den Schutz der Menschenrechte der Bürger einfordern und mithelfen, friedliche sowie integrative Gesellschaften aufzubauen. Der UN-Sonderberater zur Verhütung von Völkermord hat laut AR den breiten Einfluss religiöser Organisationen in der Gesellschaft betont und glaubensbasierte Organisationen ermutigt, eine Führungsrolle bei der Förderung des Friedens zu übernehmen. „Das Handeln eines Individuums mag zwar unbedeutend erscheinen", sagte der Senegalese Adama Dieng, „aber gemeinsam können wir bedeutende Schritte in Richtung Frieden vollbringen."

Beiträge der Adventisten zur Förderung von Frieden und Menschenwürde
Die Adventisten hätten praktische und theologische Beiträge, die sie in die öffentliche Diskussion über Friedensstiftung und zur Förderung der Menschenwürde einbringen könnten", sagte der Senegalese Ganuone Diop. „Als global tätige Organisation haben wir ein Portfolio von Dienstleistungen - darunter Bildung, spirituelle, gesundheitliche und humanitäre Hilfe -, die dazu beitragen, gesunde Gemeinschaften zu fördern.“ Alle diese Institutionen und Dienste, so Diop, seien Ausdruck der Bemühungen der Adventisten, das Leben der Menschen zu verbessern und den Wert eines jeden Menschen hervorzuheben.

Organisatoren
Das Symposium wurde organisiert von der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der adventistischen Weltkirchenleitung, der interorganisatorischen UN-Taskforce für das Engagement von glaubensbasierten Organisationen und das US-Büro für Genozidprävention.

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Deutschland: Adventistisches Aktionsbündnis für Flüchtlinge zieht Bilanz

Weiterstadt/Deutschland | 27.02.2017 | APD | International

Das 2015 gegründete Aktionsbündnis Gemeinsam für Flüchtlinge der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, des Advent-Wohlfahrtswerks (AWW), der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und der Theologische Hochschule Friedensau hat im Februar Zwischenbilanz seiner Arbeit gezogen. Bis Ende Januar 2017 sind bundesweit 42 Projekte für Geflüchtete mit einem Gesamtumfang von 145.000 Euro (155.000 Franken) finanziell gefördert worden.

Die inhaltliche Ausrichtung der Mehrzahl dieser Projekte liege im Angebot von Sprachkursen, Lotsendiensten sowie Begegnungstreffen und würden von Flüchtlingen gerne wahrgenommen, berichtete Pastor Michael Götz, Bundesbeauftragter für Flüchtlingshilfe des AWW. Die Fördermittel kämen überwiegend aus Spendeneinnahmen des Aktionsbündnisses Deutschland Hilft und würden über ADRA-Deutschland an die Projektgruppen ausgereicht. Inzwischen seien deutschlandweit etwa 80 Initiativen entstanden, in denen sich Adventisten in eigenen Projekten oder in lokalen Netzwerken für geflüchtete Menschen und deren Integration in die Gesellschaft einsetzten, so Götz.

Einsatz und Vorbehalte
Neben dem beachtlichen ehrenamtlichen Engagement beobachte das Aktionsbündnis Gemeinsam für Flüchtlinge auch innerhalb von adventistischen Kirchengemeinden Tendenzen, die von Skepsis gegenüber Fremden geprägt seien und von der Sorge, dass durch die Zuwanderung die eigene Kultur und die eigenen religiösen Überzeugungen bedroht seien, teilte Götz mit. Aufgrund dieser Wahrnehmung habe das Aktionsbündnis der Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland empfohlen, den Kirchengemeinden eine Orientierungshilfe zur theologischen Vergewisserung und ethischen Orientierung angesichts von Flucht und Migration zur Verfügung zu stellen und Angebote zur gesellschaftspolitischen Bildung zu unterbreiten. Weitere Informationen: www.gemeinsamfuerfluechtlinge.de

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Zentrum zur Verständigung über Weltreligionen eröffnet

Loma Linda, Kalifornien/USA | 27.02.2017 | AR/APD | International

Am 28. Januar eröffnete Loma Linda University Health das „William Johnsson Zentrum zur Verständigung über Weltreligionen“. Mit der Namensgebung würden die langjährigen Aktivitäten und Beiträge von William Johnsson gewürdigt, der die zwischenkirchliche und interreligiöse Verständigung innerhalb der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten gefördert habe. Der Zweck des Zentrums bestehe darin, vorerst jährlich zwei Veranstaltungen durchzuführen, bei denen man sich je mit der Lehre einer Religion und deren Anhängern beschäftige, die an der Universität angestellt seien, berichtet die nordamerikanische Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR).

William Johnsson war sieben Jahre Assistent des ehemaligen adventistischen Weltkirchenleiters Jan Paulsen für zwischenkirchliche und interreligiöse Beziehungen. Davor war er viele Jahre Chefredaktor der Kirchenzeitschrift Adventist Review. Er ist seit 2014 in Loma Linda, Kalifornien, im Ruhestand, unterrichtet aber weiterhin Kurse über Religion an der Universität und schreibt Bücher.

„Dr. Johnssons Wissen und Leidenschaft für die Weltreligionen waren von unschätzbarem Wert für unseren Campus", sagt Richard Hart, Präsident der Loma Linda University Health.

Die zentrale Aufgabe einer Universität bestehe darin, den Austausch und das Verständnis unterschiedlicher Ideen zu fördern, auch jenes über andere religiöse Auffassungen, sagt Jon Paulien, Dekan der Fakultät Religion an der Loma Linda University Health.

Bei den zwei Veranstaltungen pro Jahr, die in der ersten Phase als Aktivität des Zentrums geplant seien, gehe es nicht nur um die theoretische Auseinandersetzung mit einer anderen Religion. Es sollen dabei auch Angehörige dieser Religion zu Wort kommen unter anderem auch solche, die als Angestellte der Loma Linda University Health arbeiteten, sagte Jon Paulien.

Eröffnungsfeier
An der Eröffnungsfeier rezitierte Nahidh Hasaniya, Assistenzprofessor der medizinischen Fakultät, einen Text aus dem Koran, der durch Shamel Abd-Allah, Professor medizinischen Fakultät, übersetzt wurde.

Jihad Turk, Präsident des Bayan Claremont Seminars, das muslimische Gelehrte und Imame ausbildet, referierte zum Thema: „Warum ich Muslim bin“.

Zwei weitere Professoren der Loma Linda University Health, Mahmoud Torabinejad, zahnmedizinische Fakultät und Eba Hathout, medizinische Fakultät, sprachen zum Thema: „Wie es ist, als Moslem an der Loma Linda University zu sein.“

An der anschliessenden Podiumsdiskussion tauschten sich Studenten und Professoren darüber aus, wie sich Christen und Muslime gegenseitig besser verstehen können.

Loma Linda University
Die Loma Linda University wurde 1905 von der Kirche der Siebente-Tags-Adventisten gegründet. Im Herbst 2016 waren 4.444 Studierende eingeschrieben, die von 1.478 Vollzeit-Mitarbeitenden betreut werden. Es sind Abschlüsse und Zertifikate in 132 Bereichen möglich: Heilberufe (Allied health professions); Verhaltensgesundheit (Behavioral health); Zahnmedizin; Humanmedizin; Pflege; Pharmazie; Volksgesundheit; Religion.
Mehr Informationen über Loma Linda University: www.home.llu.edu

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El Salvador: Adventisten helfen bei Alphabetisierung der Bevölkerung

Silver Spring, Maryland/USA | 27.02.2017 | ANN/APD | International

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in El Salvador feierte vor kurzem das zehnjährige Bestehen ihres Programms zur Alphabetisierung. Wie Adventist News Network (ANN) mitteilte, können knapp elf Prozent der über 15-Jährigen in El Salvador nicht lesen und schreiben.

„Heute ist ein historischer Tag für unsere adventistische Kirche, denn viele Wunschträume bezüglich der Alphabetisierung von Erwachsenen in unserem Land sind erfüllt worden“, so der Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in El Salvador, Pastor Abel Pacheco. Über 500 Personen erhielten in der Zentral-Adventgemeinde in San Salvador bei einer speziellen Feier am 17. Januar ihr Abschlusszertifikat. Das Alphabetisierungs-Programm dauert acht Monate und wird in kleinen Klassen von ehrenamtlichen Lehrern und Lernbegleitern durchgeführt. Die Teilnehmer bestünden zu mehr als 80 Prozent aus älteren Erwachsenen, so Pacheco. Im Schnitt hätten rund 2.500 Personen das Programm jährlich absolviert.

Die Verantwortliche für Erwachsenenbildung im Bildungsministerium von El Salvador, Angelica de Paniagua, dankte der Freikirche und den Ehrenamtlichen für ihren Beitrag im Kampf gegen den Analphabetismus im Land. Nach Angaben des Bildungsministeriums lag die Rate der Analphabeten der über 15-Jährigen im Jahr 2015 bei 10,83 Prozent. Das Bildungsministerium stellt Lehrbücher und Schulmaterialien, Gemeinschaftsräume, Schulen und Lernbegleiter, während die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ebenfalls Versammlungsräume wie Kirchengebäude und Schulen sowie Freiwillige an mehreren Tagen pro Woche zu Verfügung stellt.

In El Salvador gibt es mehr als 198.700 Siebenten-Tags-Adventisten, die in 757 Kirchengemeinden Gottesdienst feiern.

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USA: Präsidentenberater am Sabbat nicht erreichbar

Silver Spring, Maryland/USA | 27.02.2017 | AR/APD | International

Als Donald Trump am Freitag, den 20. Januar in sein Präsidentenamt eingeführt wurde, waren sein Schwiegersohn Jared Kushner und seine Tochter Ivanka von Freitagabend bis Samstagabend weder per SMS, telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Sie feierten ihren wöchentlichen Ruhetag, den Sabbat.

Laut der nordamerikanischen Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR) stammt der Geschäftsmann und jetzige „Senior-Berater“ des neuen US-Präsidenten, Jared Kushner, aus einer orthodox jüdischen Familie. Ivanka, zweites Kind aus der ersten Ehe von Donald Trump, wuchs in einem christlich presbyterianischen Elternhaus auf und konvertierte 2009 bei ihrer Heirat zum Judentum. Das Paar hat drei Kinder. Der in den Zehn Geboten genannte Sabbat ist nach der Bibel der siebte Tag der Woche. Der Ruhetag, an dem man „keine Arbeit tun“ sollte, beginnt am Freitagabend bei Sonnenuntergang und endet bei Sonnenuntergang am Samstag.

Weltweit gibt es etwa 15 Millionen Juden. Die meisten leben in Israel und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zehn bis 15 Prozent von ihnen werden der jüdischen Orthodoxie zugerechnet. Es gibt auch christliche Gemeinschaften, die nicht den Sonntag, sondern den Sabbat als Ruhetag feiern. Die grösste von ihnen ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit weltweit über 19 Millionen erwachsen getauften Mitgliedern in 215 Ländern.

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Norwegen: Vereinigung adventistischer Gesundheitsfachleute gegründet

Royse/Norwegen | 27.02.2017 | APD | International

Junge Erwachsene haben an einer Tagung von 150 Gesundheitsfachleuten und Pastoren am 5. Februar in Oslo/Norwegen die Initiative ergriffen und die Vereinigung adventistischer Gesundheitsfachleute in Norwegen gegründet (Syvendedags Adventistenes Helsearbeiderforening SAHA). Laut einem Bericht der Kommunikationsabteilung der Adventisten in Norwegen soll damit die Zusammenarbeit von Gesundheitsfachleuten und Pastoren gefördert werden, um den Bedürfnissen der Menschen in den Kommunen besser entsprechen zu können.

Demnach gehe den Ärzten, Physiotherapeuten, Ernährungsberatern, dem Pflegepersonal und den Pastoren darum, mit höchsten ethischen Standards Behandlungen und Gesundheitswissen weiterzugeben sowie den Menschen und deren Bedürfnissen zu dienen. Als Jesu Nachfolger gehe es schlicht darum, den Menschen und ihren gesundheitlichen Bedürfnissen zu dienen, ohne versteckte Motive.

„Es ist wichtig, dass wir uns nicht unlauter verhalten, wenn wir bedürftigen Menschen medizinische Hilfestellungen anbieten“, sagte Dr. Peter Landless, Direktor der Gesundheitsabteilung der adventistischen Weltkirchenleitung, Silver Spring, Maryland/USA. Adventistisches medizinisches Personal solle die Behandlungen ohne Bedingungen anbieten, so Landless. “Was wir machen, tun wir, weil es das Richtige und Nötige ist und Jesus es uns geboten hat.“

„Ich bin dankbar für das hochqualifizierte, medizinische Fachpersonal unserer Kirche“, sagte Pastor Reidar Kvinge, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Norwegen. „Die neu gegründete Vereinigung wird uns helfen, den Menschen in den Kommunen wirksamer zu dienen.“

Adventisten in Norwegen
In Norwegen, mit 5,2 Millionen Einwohnern, feiern 4.556 Adventisten in 62 Kirchgemeinden jeweils samstags den Gottesdienst. Die Adventisten in Norwegen unterhalten ein Gymnasium, ein Gesundheits- und Rehabilitationszentrum, ein Altersheim, einen Verlag sowie ein Radiostudio. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Norwegen hat laut dem Jahresbericht 2014 rund 4,1 Millionen Franken / 3,8 Millionen Euro für Projekte und Betrieb aufgewendet.

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Evangelische Allianz und Freikirchenverband eröffnen „Clearing-Stelle“

Zürich/Schweiz | 27.02.2017 | sb/CBS KULTUR INFO/APD | Ökumene

Zwei kirchliche Dachorganisationen in der Schweiz, die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) und Freikirchenverband (VFG) haben für Menschen, die in ihren Reihen enttäuscht worden sind, eine Anlaufs- und Beratungsstelle geschaffen. Die „Clearing-Stelle“ wird durch erfahrene, unabhängige Persönlichkeiten besetzt und soll zu mehr Transparenz im Umgang mit Missständen beitragen.

Laut der Medienmitteilung der Schweizerischen Evangelischen Allianz und des Verbands der evangelischen Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz (VFG), machen „Manipulation und Machtmissbrauch vor den Toren christlicher Gemeinden und Gruppierungen nicht halt“. Sie wollten daher das ihnen mögliche dazu beitragen, damit konkreten Vorwürfen und Vorkommnissen nachgegangen wird. Ausserdem wollen sie dafür sorgen, „dass Missstände aufgedeckt, aufgearbeitet, beseitigt und für die Zukunft so gut als möglich ausgeschlossen werden.“ Die beiden Dachverbände evangelischer Christen in der Schweiz haben dazu mit der «Clearing-Stelle» eine unabhängige Anlaufstelle geschaffen.

Fünf Persönlichkeiten - "Clearing-Beauftragte" - als Anlaufstelle
Menschen, die in einer Gemeinde, Gruppe oder Organisation innerhalb von SEA und VFG Erfahrungen gemacht haben, die sie aufarbeiten und klären möchten, können sich an eine der fünf Persönlichkeiten wenden, die sich bereit erklärt haben, Anfragen und Beschwerden entgegenzunehmen. Sie kommen aus den Bereichen Kirche, Recht, Wirtschaft und Politik. Sie haben selbst schon Verantwortung in kirchlichen Gremien wahrgenommen, verfügen jedoch aktuell über keine Interessenbindung zu Kirchen und kirchlichen Organisationen.

Problemlösung als primäres Ziel
Sie können damit unabhängig arbeiten, Ratsuchende anhören und ihnen Wege zur Aufarbeitung und Problemlösung aufzeigen. Wo nötig, können sie im Einvernehmen mit den Ratsuchenden auch in Kontakt mit Leitenden von involvierten Gemeinden oder Organisationen treten. Dies, um Vorfälle und Sachverhalte zu klären und allenfalls weitere Schritte einzuleiten, die zur Problemlösung führen können.

Die Kontaktpersonen arbeiten ehrenamtlich und haben keinen seelsorgerlichen oder therapeutischen Auftrag. Sie können Ratsuchende aber auf Beratungsstellen oder Seelsorgerinnen hinweisen.

Ratsuchende finden die Ansprechpartner sowie ein Kontaktformular auf: https://freikirchen.ch/clearing-stelle oder: http://each.ch/wer-wir-sind/clearing-stelle

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Erklärung von ÖRK, ACT Alliance und LWB zum US-Einreisestopp

Genf/Schweiz | 27.02.2017 | APD | Menschenrechte

Am 31. Januar publizierte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) gemeinsam mit ACT Alliance (ACT) und Lutherischem Weltbund (LWB) eine Erklärung zum US-amerikanischen präsidentiellen Dekret „Schutz der Nation vor der Einreise ausländischer Terroristen in die Vereinigten Staaten“ und dessen Auswirkungen auf Flüchtlinge.

Die Erklärung wird nachstehend in vollem Wortlaut wiedergegeben:

„Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), die ACT Alliance (ACT) und der Lutherische Weltbund (LWB) bekräftigen gemeinsam ihre Überzeugung, dass wir und alle Christinnen und Christen aufgrund unseres Glaubens verpflichtet sind, Fremde, Flüchtlinge, Binnenvertriebene, den „Anderen“ zu lieben und willkommen zu heissen. Wir sind aufgerufen, ihn oder sie genauso zu behandeln, wie wir behandelt werden möchten. Die Bibel und die Lehren unseres Herrn Jesus Christus sind in dieser Hinsicht eindeutig.

3 Mos 19,33-34:
Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der Herr, euer Gott.

5 Mos 23,16-17:
Du sollst den Knecht nicht seinem Herrn ausliefern, der von ihm zu dir geflüchtet ist. Er soll bei dir bleiben an dem Ort, den er erwählt, in einer deiner Städte, wo es ihm gefällt. Du sollst ihn nicht bedrücken.

Mt 25,34-36:
Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Als Christinnen und Christen, die danach streben, diese Berufung zu leben und anderen zu dienen, schliessen wir uns den Bedenken an, die von zahlreichen führenden Kirchenvertretern in den USA und weltweit zu den am 27. Januar 2017 angekündigten Massnahmen zum Ausdruck gebracht worden sind: Die Aussetzung des gesamten US-amerikanischen Flüchtlingsaufnahmeprogramms für die Dauer von 120 Tagen, das Einreiseverbot auf unbestimmte Zeit für syrische Flüchtlinge und für Staatsangehörige von sieben Ländern mit muslimischer Mehrheit.

Diese Massnahmen wurden damit begründet, die USA vor der Einreise von Terroristen schützen zu wollen. Aber wir sind der Ansicht, dass dieses Dekret in der Praxis denjenigen noch mehr schadet, die Opfer von Terrorismus, Völkermord, religiöser und geschlechtsbasierter Verfolgung und Bürgerkrieg geworden sind.

Teilnehmende einer ÖRK-Delegation in den Irak trafen sich vom 20. bis 25. Januar mit vielen Terrorismusopfern in dem Land - mit Christen, Jesiden, Muslimen und Mitgliedern anderer religiöser Gemeinschaften. Alle diese Menschen müssen sich aufgrund dieser Massnahmen nun doppelt als Opfer fühlen.

Wir bekräftigen und beharren darauf, dass gemäss geltendem humanitären Völkerrecht und den Menschenrechtsnormen all jene, die tatsächlich Zuflucht und internationalen Schutz benötigen, ein Recht darauf haben, unabhängig von ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit.

Wir beziehen uns erneut auf den kürzlich erfolgten Besuch der ÖRK-Delegation im Irak. In diesem Kontext Christen den Vorrang zu geben, schützt nicht unbedingt die im Irak wohnenden Christen, sondern kann stattdessen die Chancen für eine interreligiöse Versöhnung, die für deren Zukunft in ihrer angestammten Heimat absolut notwendig ist, dort weiter schmälern.

Als eines der wichtigsten Ziele weltweit für die Aufnahme von Flüchtlingen drängen wir die USA, ihre lange Tradition der Aufnahme von Flüchtlingen und deren internationalem Schutz gemäss ihren völkerrechtlichen Zusagen und Verpflichtungen weiterzuführen.

Die aktuelle Flüchtlingskrise ist die weltweit bedeutendste seit dem Zweiten Weltkrieg, und 86 Prozent aller Flüchtlinge sind in Entwicklungsländern untergekommen. Wenn die USA jetzt die Zahl der jährlich aufgenommenen Flüchtlinge um über die Hälfte reduzieren, wirkt sich das nicht nur negativ auf Menschen aus, die dringend eine Zuflucht benötigen, sondern ermutigt möglicherweise auch andere Industrieländer, sich an der Erosion internationaler Schutznormen für Flüchtlinge zu beteiligen.

Angesichts des anhaltenden Konflikts und der humanitären Krise in Syrien bedauern wir besonders das spezifische und zeitlich unbegrenzte Einreiseverbot für syrische Flüchtlinge. Diese Entscheidung lässt es auf entsetzliche Art an Mitgefühl und Verantwortung fehlen.

Zahlreiche Kirchenleitende in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt aus allen Konfessionen und Kirchenfamilien haben prinzipiell dieselben Bedenken geäussert und sich gegen diese Massnahmen ausgesprochen, und wir begrüssen die ökumenische Einheit in dieser Sache. Die Schwere der Situation und das Leid so vieler vertriebener Menschen weltweit verlangt nichts weniger als ein vereintes christliches Zeugnis für Menschenwürde und Gerechtigkeit, und eine Partnerschaft mit den vielen anderen aus anderen Glaubenstraditionen, die diese Massnahmen ebenfalls ablehnen.

Wir loben alle, einschliesslich Kirchen und kirchliche Organisationen, die sich unermüdlich für Menschen einsetzen, die weltweit vor Konflikten, Verfolgung und Elend fliehen - insbesondere aus Syrien und dem Nahen Osten - und ihnen nach ihrer Ankunft in den USA oder anderswo Unterstützung zukommen lassen. Wir schliessen uns all denen an, die eine sofortige Aufhebung dieses Dekrets fordern.“


Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK)
Der Ökumenische Rat der Kirchen umfasst mehr als 500 Millionen Christen in Kirchen, Denominationen und kirchlichen Gemeinschaften in aller Welt: zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen.

ACT Alliance
ACT Alliance ist eine Allianz von 143 Kirchen und kirchlichen Organisationen, die in mehr als 100 Ländern zusammenarbeiten, um im Leben von benachteiligen Bevölkerungsgruppen positive und nachhaötige Veränderungen zu bewirken, unabhängig von deren Releigion, politischen Ausrichtung, Geschlecht, sexuellen Orientierung, Rasse oder Nationalität.

Lutherischer Weltbund (LWB)
Der Lutherischer Weltbund ist die Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. Es zählen 145 Mitgliedskirchen dazu mit mehr als 72 Millionen lutherischen Christen in 98 Ländern.

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USA: Reaktion der Andrews Universität auf Einreiseverbot

Berrien Springs, Michigan/USA | 27.02.2017 | APD | Menschenrechte

Am 29. Januar veröffentlichte die adventistische Andrews Universität in Berrien Springs, Michigan/USA, eine Empfehlung an die Studierenden der Hochschule als Reaktion auf das neue Einreiseverbot. US-Präsident Trump hatte am Freitag, den 27. Januar verfügt, dass Bürger aus den Staaten Irak, Iran, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan und Syrien 90 Tage lang keine Visa erhalten.

Andrews-Studierende aus den betroffenen Ländern werden in dem von der Rektorin der Universität, Andrea Luxton, unterzeichneten Schreiben gebeten, nicht ausser Landes zu reisen, da ihre Wiedereinreise nicht gewährleistet werden könne. Stattdessen sollten sie im Land bleiben, solange es ihre Visa erlauben. Nach U.S. News & World Report 2016 ist die Andrews Universität eine der kulturell vielfältigsten Universitäten der USA. Die Studierenden kommen aus 92 Ländern.

„Die vielfältige Mischung, die ihr unserem Campus bringt, ist wesentlich für den Reichtum und die Stärke der Campusgemeinschaft der Andrews Universität. Wir freuen uns darauf, auch weiterhin Studierende aus der ganzen Welt auf unserem Campus in Berrien Springs willkommen zu heissen“, so Luxton in der Erklärung.

Die adventistische Andrews Universität wurde 1874 in Battle Creek (Michigan/USA) gegründet und später nach John Nevin Andrews (1829–1883), dem ersten Missionar der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa, benannt. Laut eigenen Angaben sind über 3.300 Studierende an den acht Fakultäten eingeschrieben, die rund 200 Studiengänge anbieten: Kunst und Wissenschaft, Luftfahrt, Architektur, Business Administration, Fernstudium, Pädagogik, Gesundheitswesen und Theologisches Seminar. Weitere Infos: www.andrews.edu

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Deutsche Evangelische Allianz weist auf Rechtslage bei Abtreibungen hin

Bad Blankenburg/Deutschland | 27.02.2017 | APD | Menschenrechte

Die Reaktionen um das „Nein“ von Thomas Börner, Chefarzt der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg/Niedersachsen, zu Abtreibungen veranlasst die Deutsche Evangelische Allianz zu dem Hinweis, dass nach der gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland eine Abtreibung „höchstens die Ausnahme“ sein könne, nicht jedoch die Regel. Das Netzwerk evangelisch-reformatorisch gesinnter Christen aus den verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften beklagt, dass es mit etwa 100.000 registrierten Abtreibungen in Deutschland pro Jahr bei den Schwangerschaftsabbrüchen nicht mehr um aussergewöhnlich begründete Notsituationen gehe, sondern ein „unkontrolliertes Massenphänomen“ eingetreten sei.

Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, und Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb, nehmen in einer Presseerklärung den Chefarzt in Schutz. Sie betonen: Börner habe mit seinem grundsätzlichen Nein angesichts der Gesetzes- und Rechtslage seine Verantwortung wahrgenommen und darüber hinaus von seiner Glaubens- und Gewissensfreiheit Gebrauch gemacht. Wenn jetzt zwar die Gewissensfreiheit für ihn selbst anerkannt werde, ihm aber untersagt werden sollte, seine Haltung auch für seinen Verantwortungsbereich gelten zu lassen, wäre das ein ethischer Skandal. „Selbstverständlich muss es einem Vorgesetzten möglich sein, die ethischen Rahmenrichtlinien für seine Mitarbeiter vorzugeben.“

„Abtreibungen kein Qualitätskriterium für Krankenhäuser“
Die Vorgänge um das entschlossene Nein von Chefarzt Thomas Börner in Dannenberg zu Abtreibungen müssten zu einer längst erforderlichen Überprüfung der Verfahrensweise führen, die das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom Mai 1993 gefordert habe, so die Evangelische Allianz. Deshalb erwarteten Vetter und Steeb von den Regierenden in Bund und Ländern sowie von den Verantwortlichen in Kirche, Diakonie und Caritas, dass sie öffentlich deutlich machten, dass es ein unumstössliches Recht auf Leben für jeden Menschen, auch für den Ungeborenen, gebe. Das Recht auf Beratung, Begleitung, Fürsorge und Hilfe für Schwangere in Notsituationen dürfe aber nicht durch ein Ja zur Tötung eines ungewollten, ungeplanten Kindes und als Konfliktlösung in Lebenslagen ersetzt werden. Es könne nicht sein, dass das Angebot von Abtreibungsmöglichkeiten als „Qualitätskriterium“ für Krankenhäuser angesehen und bei einer Ablehnung von Abtreibungen mit Subventionskürzungen seitens des Staates gedroht werde. Organisationen, die „von einem Recht auf Abtreibung“ redeten, dürften nicht länger mit der Beratung in Konfliktschwangerschaften betraut werden, „weil sie sich ganz offenbar nicht an Recht und Gesetz halten, es sogar ablehnen und offensichtlich umdeuten“, so der Vorsitzende und der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz.

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Adventisten begegnen Flüchtlingen auf Lampedusa

Bern/Schweiz | 27.02.2017 | EUDNews/APD | Menschenrechte

Eine kleine Delegation von Verantwortlichen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Italien hat die Mittelmeer-Insel Lampedusa und ein Flüchtlingsprojekt in Castel Volturno/Italien besucht, um sich über Möglichkeiten zur Mitarbeit und Hilfe bei der Flüchtlingsarbeit zu informieren.

Dag Pontvik, Geschäftsführer der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) Italien, Paolo Mariotti, Kameramann beim adventistischen Fernsehsender Hope Channel Italien, Daryl Gungadoo, Techniker für Adventist World Radio (AWR) Europa und Corrado Cozzi, Abteilungsleiter für Kommunikation der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa (EUD), evaluierten vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2017 die Flüchtingssituation auf der Insel Lampedusa. Vor Ort engagierten sich bereits viele Regierungs- und Nicht-Regierungs-Organisationen, wie beispielsweise die Freiwilligen-Organisation Mediterranean Hope.

„Es ist nicht nötig hierher zu kommen“, so Alberto Mollardo, Mit-Geschäftsführer von Mediterranean Hope. Was wirklich zähle sei die Aufnahme, die diese Flüchtlinge in den Zielländern ihres Aufbruchs erhalten. Auch Don Carmelo La Magra, Priester der römisch-katholischen Kirche auf Lampedusa, bestätigt diese Einschätzung. „Hier auf Lampedusa bekommen die Jugendlichen, - wie wir die Flüchtlinge bezeichnen -, spirituellen und materiellen Beistand.“ Viele seien von der Flucht traumatisiert. Die jungen Leute bekämen auch die Möglichkeit, mit ihren Familien und Freunden Kontakt per Computer aufzunehmen.

Am 3. und 4. Februar reiste die Delegation weiter auf das Festland, um dort ein ADRA-Projekt zu besuchen, das sich in Zusammenarbeit mit der Organisation Al di là dei Sogni zur Aufgabe gemacht hat, Geflüchtetem die Möglichkeit zu bieten, einen Beruf zu erlernen, den sie nach ihrer Rückkehr in ihrer Heimat ausführen können. „Wir würden gerne noch so viel mehr machen“, fasste Corrado Cozzi seine Eindrücke zusammen.

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„Internationales Zentrum für Religionsfreiheit und Aussenbeziehungen“ eröffnet

Collonges-sous-Salève/Frankreich | 27.02.2017 | APD | Religionsfreiheit

Am 4. Februar wurde in Collonges, auf dem „Campus Adventiste du Salève“, adventistische Universität in Frankreich, das erste Internationale Zentrum für Religionsfreiheit und Aussenbeziehungen der Adventisten eingeweiht.

Nach Angaben von Campus Adventiste haben Botschafter Ibrahim Salama, Direktor der Abteilung für Verträge im Zusammenhang mit Menschenrechten, am Büro des Hochkommissariats für Menschenrechte der UNO in Genf und Ganoune Diop, Direktor der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der adventistischen Weltkirchenleitung mit Sitz in Silver Spring, Maryland/USA, das Zentrum eröffnet. Geleitet wird das neue Zentrum durch Dr. John Graz, der von 1995 bis 2015 die Funktion von Ganoune Diop inne hatte und nun den aktiven Ruhestand im französischsprachigen Teil der Schweiz verbringt.

Jean-Philippe Lehmann, Direktor des „Campus Adventiste du Salève“ führte in der Eröffnungsansprache die historischen und geographischen Gründe an, die zur Einrichtung des Zentrums in Collonges geführt hatten. So habe der Adventist Dr. Jean Nussbaum 1946 in Paris die Internationale Vereinigung zur Verteidigung und Förderung der Religionsfreiheit (Association internationale pour la défense de la liberté religieuse (AIDLR) gegründet und ein anderer Adventist, Jean Weidner (“Righteous Among the Nations”), niederländischer Geschäftsmann und Diplomat, habe im Zweiten Weltkrieg das Fluchtnetzwerk Dutch-Paris gegründet und mehr als 1.000 verfolgte Menschen aus dem besetzten Westeuropa gerettete. Sein Vater hatte auf dem Campus Adventiste du Salève unterrichtet. Aus geographischer Sicht sei die Nähe zu Genf wichtig, die ein Zentrum der Reformation gewesen sei und den Sitz vieler internationaler Organisationen im Bereich der Verteidigung der Menschenrechte sei, so Lehmann.

Ganoune Diop sagte bei der Eröffnung, dass die Religionsfreiheit die erste aller Freiheiten sei. Sie schliesse die Gedanken-, Wahl-, Gewissens- und die Meinungsäusserungsfreiheit ein. Menschenrechte seien ineinandergreifend und unteilbar.

Das Internationale Zentrum für Religionsfreiheit und Aussenbeziehungen werde laut Jean-Philippe Lehmann Forschung betreiben, Publikationen veröffentlichen, Veranstaltungen organisieren und zur Ausbildung der Studenten beitragen.

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Moskau und Rom wollen gemeinsam mehr für verfolgte Christen tun

Bern und Freiburg/Schweiz | 27.02.2017 | poi/CBS KULTUR INFO/APD | Religionsfreiheit

Der Heilige Stuhl und das Moskauer Patriarchat wollen ihre Zusammenarbeit im Hinblick auf die Situation der verfolgten Christen im Nahen Osten und anderen Weltregionen verstärken. Dies ist ein Ergebnis der Veranstaltung "Der Dialog geht weiter", die am 12. Februar auf Einladung der katholischen Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und des Instituts für Ökumenische Studien in Freiburg/Schweiz, eines der Kompetenzzentren der Theologischen Fakultät der dortigen Universität, zum ersten Jahrestag des aufsehenerregenden Treffens zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. stattgefunden hat.

Die Hauptreferate wurden von Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und Metropolit Hilarion (Alfejew), dem Leiter des Aussenamtes des Moskauer Patriarchats, gehalten. Der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Charles Morerod, und der orthodoxe Metropolit für die Schweiz, Jeremie (Kaligiorgis), begrüssten die Teilnehmenden. "Der gemeinsame Einsatz für die verfolgten Christen ist das wichtigste, was wir jetzt gemeinsam tun können", betonte Metropolit Hilarion.

Der Leiter des Aussenamtes des Moskauer Patriarchates stellte in seinem Referat fest, das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill am 12. Februar 2016 auf dem Flughafen von Havanna sei sofort zu Recht als "historisch" bezeichnet worden. Denn dieses Treffen habe auch gezeigt, welches Mass an Vertrauen und gegenseitigem Verständnis zwischen den beiden Kirchen bereits erzielt worden sei. Die gemeinsame Erklärung von Papst und Patriarch habe ehrlich von den "Problemen" gesprochen, die es in den Beziehungen zwischen den Kirchen nach wie vor gebe. Mit Bedauern werde in der Erklärung auch festgestellt, dass Katholiken und Orthodoxe seit nahezu tausend Jahren nicht mehr in der Gemeinschaft der Eucharistie vereint seien. Diese Trennung sei "in erster Linie und vor allem" die Konsequenz der menschlichen Schwäche und der Sünde, die gegen den Willen des Erlösers im Hinblick auf die Einheit seiner Jünger gerichtet sei. Daher hätten Papst und Patriarch ihre Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass das Treffen von Havanna zur Wiederherstellung der von Gott gewollten Einheit beitragen möge, so Metropolit Hilarion. Es sei kein Zufall, dass Franziskus und Kyrill die Leiden der Christen im Nahen Osten als "Martyrium" bezeichnet hätten, unterstrich der Leiter des Aussenamts des Moskauer Patriarchats. Denn durch ihr gemeinsames Leiden seien die Märtyrer ein "Unterpfand der Einheit der Christen".

Revival des Christentums in Osteuropa und Russland
Als wichtig bewertete Metropolit Hilarion die Tatsache, dass die gemeinsame Erklärung auf das "Revival" des Christentums in Russland und anderen osteuropäischen Ländern Bezug nehme. Heuer werde des 100. Jahrestags der Oktober-Revolution gedacht, die den Weg für die Verfolgung der orthodoxen Kirche und der anderen christlichen Konfessionen eröffnet habe. Das Martyrium der Glaubenszeugen habe nicht nur das Wiederaufleben des kirchlichen Lebens begründet, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Orthodoxen und Katholiken.

Fortschritte im Dialog zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche
Der Bereich dieser Zusammenarbeit sei in Russland in den letzten 25 Jahren ausgeweitet worden und betreffe heute verschiedene Aspekte des öffentlichen Lebens. Der Leiter des Aussenamts des Moskauer Patriarchats nahm in diesem Zusammenhang auf den Fortschritt des multilateralen theologischen Dialogs zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche Bezug und würdigte das bei der 14. Vollversammlung der Kommission für den katholisch-orthodoxen Dialog in Chieti verabschiedete Dokument "Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst der Einheit der Kirche". Er hoffe, so Metropolit Hilarion, dass in "nächster Zukunft" auch das Zentralthema der Trennung – Synodalität und Primat in den Kirchen des Ostens und des Westens im zweiten Jahrtausend – angegangen werden könne.

Der machtvolle Aufruf des Papstes und des Patriarchen in Havanna, die Gefahr des Extremismus gemeinsam zu bekämpfen, habe dann zu den russisch-amerikanischen Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Syrien geführt, hob der Metropolit hervor.

Verfolgung der Christen im Nahen Osten gemeinsam bekämpfen
Das Moskauer Patriarchat habe während der vergangenen Monate immer wieder auf die Verfolgung der Christen in der nahöstlichen Region verwiesen und "gemeinsame Anstrengungen" zur Bekämpfung des Terrorismus gefordert. In diesem Zusammenhang nannte Metropolit Hilarion auch die Pastoralreisen von Kyrill I. nach London und Paris, in deren Rahmen es Treffen mit Spitzenrepräsentanten der Regierungen gegeben habe sowie die Solidaritätserklärung des 5. Europäischen Katholisch-Orthodoxen Forums in Paris für die leidenden Christen im Nahen Osten und in anderen Gebieten.

Botschaft von Papst und Patriarch hören und Blutvergiessen in der Ukraine beenden
Der Leiter des Aussenamts des Moskauer Patriarchats brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Botschaft von Papst und Patriarch zur Einstellung des Blutvergiessens in der Ukraine endlich auch von allen gehört und der Friede in einem Land, "in dem Orthodoxe und Katholiken Seite an Seite leben", wiederhergestellt wird. Dieser Appell sei besonders dringlich, da in jüngster Zeit die Spannungen in der Ostukraine wieder zugenommen hätten, was auch zu Opfern unter der Zivilbevölkerung geführt habe. Sowohl Papst Franziskus als auch Patriarch Kyrill hätten in ihren Grussbotschaften zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine im August die Regierenden des Landes ersucht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eine friedliche Lösung für den Konflikt zu finden. Der einzige Weg, um die Konfrontation in der Ukraine zu überwinden, sei die Implementierung der Vereinbarungen von Minsk. Leider müsse man mitansehen, wie das Gegenteil geschehe, so Metropolit Hilarion. Wörtlich sagte der Metropolit weiter: „Es ist unmöglich, den Frieden herzustellen, wenn orthodoxe und griechisch-katholische Christen nicht ihre Anstrengungen vereinen, um die historische Feindschaft zu überwinden“.

Wieder Kritik an den Unierten
In diesem Zusammenhang kam Metropolit Hilarion allgemein auf die Unierten-Frage zu sprechen. Die Feststellung in der gemeinsamen Erklärung von Havanna, dass die Unionen kein Weg zur Wiederherstellung der Einheit der Kirchen sind, sei eine "wichtige Voraussetzung" für die Wiedergewinnung des Vertrauens von Seiten der orthodoxen Christen gewesen. Die gemeinsame Erklärung habe damit aber nur die Feststellungen des 1993 in Balamand verabschiedeten Dokuments der römisch-katholisch-orthodoxen Dialogkommission bestätigt. Trotzdem habe die Begegnung zwischen Papst und Patriarch und die Feststellungen über die Ukraine und die Unierten-Frage in der gemeinsamen Erklärung grosse Irritationen in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche ausgelöst: So habe der griechisch-katholische Grosserzbischof Swjatoslaw Schewtschuk gesagt, seine Kirche habe mehr als eine Erklärung dieser Art überlebt, sie werde auch diese überleben.

Trotz aller hochrangigen Übereinkünfte werde von Seiten der Unierten "Feindschaft und Hass" gesät, auf dem Weg der Versöhnung zwischen Ost und West würden Hindernisse aufgebaut, bedauerte der Leiter des Aussenamts des Moskauer Patriarchats. Daher müsse die begonnene, aber im Rahmen des theologischen Dialogs zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche nicht abgeschlossene Diskussion über die Unierten-Frage weitergeführt werden. Orthodoxe und Katholiken müssten erkennen, dass die althergebrachte Haltung auf der Basis von Rivalität und "Seelenfang" angesichts der Herausforderungen für die Kirchen brüderlicher Zusammenarbeit Platz machen müsse. Denn unter dem Vorwand der Förderung von Toleranz, Demokratie und liberalen Werten seien das Christentum und die traditionellen moralischen Werte einer tatsächlichen Verfolgung ausgesetzt. Metropolit Hilarion nannte u.a. ausdrücklich den Trend, "andere Formen des Zusammenlebens" auf dieselbe Ebene wie die traditionelle Familie zu stellen, sowie das "schreckliche Problem der Abtreibung". In Russland sei 1920, bald nach der antireligiösen Revolution, die Abtreibung erstmals legalisiert worden; heute werde pro Jahr in der Russischen Föderation rund einer Million ungeborener Kinder das Leben genommen. Um dieser inakzeptablen Praxis ein Ende zu bereiten, reichten gesetzliche Verbote aber nicht aus, vielmehr müsse in den Herzen der Menschen die Idee zurückgewiesen werden, dass es möglich sei, ein ungeborenes Kind zu töten.

Sich gegenseitig nicht als Konkurrenten sondern als Geschwister sehen
Im Hinblick auf die praktische Zusammenarbeit zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche hob Metropolit Hilarion u.a. die Wallfahrten von Katholiken und Orthodoxen in das jeweils andere Kirchengebiet und den Studentenaustausch im theologischen Bereich hervor. Diese regelmässigen Kontakte würden den Gläubigen beider Kirchen helfen, einander nicht als Konkurrenten, sondern als Geschwister zu sehen und zu lernen, miteinander in "Frieden, Liebe und Harmonie" zu leben. Das sei der einzige Weg, damit Orthodoxe und Katholiken bei der Verkündigung der "guten Nachricht der Erlösung" brüderlich zusammenarbeiten können. Die gemeinsame Erklärung von Papst und Patriarch sei nicht nur ein "Zeichen des Fortschritts in den Beziehungen zwischen den beiden Kirchen" gewesen, sondern sie habe auch – was noch viel wichtiger sei - den Weg für die weitere Entwicklung dieser Beziehungen aufgezeigt.

Copyright © Christian B. Schäffler (CBS KULTUR INFO) 2017. Mit News-Input der Stiftung Pro Oriente (poi), Wien.

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Den Islam anerkennen? - Jahresempfang der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin

Berlin/Deutschland | 27.02.2017 | APD | Religion + Staat

Der Jahresempfang der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) stand am 16. Februar unter dem Motto „Den Islam anerkennen?“. Im Rahmen des Empfangs diskutierten Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, kontrovers über den Status islamischer Interessensverbände in Deutschland.

Islamverbände keine Religionsgemeinschaften aber religiöse Vereine
Özdemir sprach in seinem Statement bezüglich muslimischer Interessensverbände in Deutschland von einer Menge Chancen aber auch von einigen Problemen: „Ich erwarte, dass sie sich zu inländischen Organisationen und zu Vertretungen von hier lebenden Muslimen verwandeln.“ Bereits 2015 hatten Cem Özdemir und Volker Beck (ebenfalls Bündnis 90/Die Grünen) ein religionspolitisches Positionspapier vorgelegt. Darin wird ausgeführt, dass die vier grossen muslimischen Interessensverbände (DITIB, Islamrat, Verband der islamischen Kulturzentren und Zentralrat der Muslime in Deutschland) bislang in ihrer Zusammensetzung national, politisch oder sprachlich, nicht aber bekenntnisförmig geprägt seien. „Wir sehen sie daher als religiöse Vereine und nicht als Religionsgemeinschaften“, so das Papier.

Von den vielen in Deutschland existierenden islamischen Verbänden und Vereinen ist nach Angaben von Wikipedia bisher einzig die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt und den christlichen Kirchen in dieser Hinsicht gleichgestellt.

Gewährung des Körperschaftsstatus – „Prozess läuft nicht im Schlafwagen“
Für die Gewährung des Körperschaftsstatus und den damit verbundenen Privilegien, wie beispielsweise die Erteilung von konfessionellem Religionsunterricht, seien bestimmte grundgesetzliche Voraussetzungen zu erfüllen, so Özdemir. „Davon nehmen wir nicht Abstand“, betonte der Bundesvorsitzende der Grünen. „Dieser Prozess läuft nicht im Schlafwagen.“ Özdemir wünsche sich von den Interessensverbänden, dass sie nicht nur Teil der Gesellschaft seien, sondern sich auch einbrächten: zum Beispiel in aktuelle Debatten oder wenn es darum geht, die Schöpfung zu bewahren.

Religion als Kerngeschäft
Bekir Altaş wies demgegenüber darauf hin, dass es in der Bundesrepublik Deutschland keine staatliche Anerkennung im Sinne eines „Ritterschlags“ für Religionsgemeinschaften gebe. Über den Status islamischer Religionsgemeinschaften werde bereits seit Jahrzehnten rechtlich diskutiert. Die Angehörigen einer Konfession seien dem Staat gegenüber nicht rechenschaftspflichtig, wenn und warum sie sich im Bekenntnis unterscheiden oder nicht.

Religionsgemeinschaften sei eine politische oder wirtschaftliche Aktivität nicht verwehrt. Dennoch sei die umfassende Pflege des religiösen Bekenntnisses Kerngeschäft der Islamverbände. Auch müsse Religion nicht von jeglichem ausländischen Einfluss frei sein.

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Die Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) mit Sitz in Berlin gehört zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie fördert nach Angaben ihres Leiters, Dr. Reinhard Hempelmann, eine Kultur der respektvollen Begegnung und informiert über Tendenzen der religiös-weltanschaulichen Landschaft.

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Zwei Bibelübersetzungen für ökumenische Gottesdienste

Stuttgart/Deutschland | 27.02.2017 | APD | Bibel

In einem ökumenischen Gottesdienst in Stuttgart haben sich der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford- Strohm, offiziell gegenseitig die beiden neuen Bibelübersetzungen überreicht. Lutherbibel und Einheitsübersetzung sollen künftig zusammen in ökumenischen Gottesdiensten verwendet werden.

Die Bibel eine „sprudelnde Quelle“
Kardinal Marx betonte in seiner Einführung in der katholischen St. Eberhard Kirche in
Stuttgart, dass die Beschäftigung mit der Bibel keine Saisonaufgabe sei. „Sie ist eine sprudelnde Quelle. Das Wasser, das aus ihr geschöpft wird, wird nicht weniger, sondern mehr. Je mehr wir uns mit der Heiligen Schrift auseinandersetzen, desto mehr erfahren wir das Geheimnis Christi“, so Kardinal Marx. „Es freut mich sehr, dass wir in einem solch ökumenisch bedeutsamen Jahr 2017, in dem wir uns gemeinsam an die Ereignisse der Reformation vor 500 Jahren erinnern und sie heute als Christusfest feiern, Gottes Wort in unsere Mitte stellen.“

Die Bibel das „Buch der Bücher“
In seiner Predigt sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Bedford-Strohm: „Es gibt nichts, was es nicht in der Bibel gibt, sie schreitet den Rand und die Mitte der menschlichen Existenz ab und stellt alles vor Gott. Deswegen gilt für mich: Die Bibel ist das Buch der Bücher und die Quelle der Humanität, ja die Quelle allen erfüllten Lebens, denn sie kennt den diesseitigen Menschen in allen Aspekten, aber sie reduziert ihn nicht auf`s Diesseits, sondern erschliesst die Quellen des Lebens, die aus der Ewigkeit kommen.“

Ökumene mit zwei Bibeln
In den vergangenen Jahren wurden die Einheitsübersetzung und die Lutherbibel jeweils einer eingehenden Überprüfung und Revision unterzogen. Bei der Überreichung der neuen Bibeln sagten Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm: „Mit den neuen Übersetzungen erinnern wir uns an unsere gemeinsame Grundlage – die Heilige Schrift – und bringen gleichzeitig unsere Wertschätzung für die jeweils andere Übersetzung zum Ausdruck. Für die ökumenischen Gottesdienste auf den verschiedenen Ebenen empfehlen wir, auf die Texte der revidierten Einheitsübersetzung und Lutherbibel zurückzugreifen und wenn möglich auch beide Übersetzungen zu Gehör zu bringen.“

Die Geschichte der Einheitsübersetzung
Die erste Idee zu einer einheitlichen deutschen Übersetzung der Bibel kam 1960 auf. Als das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) eine biblische Erneuerung von Seelsorge und Liturgie forderte, machte es auch den Weg frei für die Liturgie in den Volkssprachen. Wollte man dem Wunsch des Konzils gerecht werden, wurden getreue und praxistaugliche Bibelübersetzungen benötigt. Deshalb beschlossen die katholischen Bischöfe des deutschen Sprachgebiets sich am Projekt „Einheitsübersetzung“ zu beteiligen. 1979 erschien schliesslich die Einheitsübersetzung in verbindlicher Fassung als offizielle Bibelausgabe der römisch-katholischen Kirche im deutschen Sprachgebiet.

An der Einheitsübersetzung, die ursprünglich nur als gemeinsame Bibel für den katholischen Gottesdienst im deutschsprachigen Raum gedacht war, hatten von Beginn an auch evangelische Theologen mitgearbeitet. An der Übersetzung der Psalmen und des Neuen Testaments wirkte dann auf Bitten der Deutschen Bischofskonferenz die EKD offiziell mit. 1970 schlossen Bischofskonferenz und EKD einen Vertrag über die gemeinsame Arbeit an der neuen Bibel. Seit 1980 war diese auch für den Gebrauch in der evangelischen Kirche freigegeben und wurde insbesondere in ökumenischen Veranstaltungen neben der Lutherbibel verwendet.

Aufkündigung der Zusammenarbeit
Im Zuge der Revisionsarbeiten kam es jedoch zu einem Konflikt zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Seite, in dessen Folge die EKD den 1970 geschlossenen Vertrag im Jahr 2005 aufkündigte. Als entscheidendes Hindernis einer weiteren evangelisch-katholischen Zusammenarbeit an dem Projekt bezeichnete damals die EKD in einer Presseerklärung die vatikanische Instruktion über den „Gebrauch der Volkssprache bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie“ vom 28. März 2001. Dort seien Kriterien enthalten, „die von evangelischer Seite nicht mitgetragen werden können“. Der damalige EKD-Ratsvorsitzende und Berliner Landesbischof Wolfgang Huber wies darauf hin, dass in dem Vatikan-Text betont werde, dass bei einer Bibelübersetzung auch die katholische Glaubenslehre Berücksichtigung finden müsse. Im Protestantismus dagegen gelte allein die Heilige Schrift als Grundlage des Glaubens. Ausserdem befürchtete die EKD, dass die evangelischen Vertreter in strittigen Übersetzungsfragen überstimmt werden könnten.

Der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, erklärte 2005 zur Absage des Rates des EKD, dass es „eine erhebliche Belastung“ sei, „wenn gerade im Land der Reformation, wo wir über ein Vierteljahrhundert schon auf eine gemeinsame Übersetzung zurückgreifen konnten, dieses gemeinsame Zeugnis unterbrochen wird, während viele Nachbarn in anderen Ländern inzwischen ökumenisch vereinbarte Übersetzungen geschaffen haben“. Die neue Einheitsübersetzung ist daher keine ökumenische Bibel mehr, sondern wird allein von der römisch-katholischen Kirche verantwortet.

Neue Lutherbibel seit Oktober 2016 im Handel
Nach fünfjähriger Arbeit wurde bereits im September 2015 die Revision der Lutherbibel abgeschlossen. Dazu hatte der Rat der EKD zur Koordination einen Lenkungsausschuss eingesetzt, in dem rund 70 exegetische Wissenschaftler, praktische Theologen sowie kirchleitende Personen vertreten waren. Die Deutsche Bibelgesellschaft wurde mit der Herstellung und Verbreitung der neuen Bibel betraut. Die neue Bibel erschien zum Reformationstag 2016, der offizielle Verkaufsstart war der 19. Oktober 2016.

Die Geschichte der Lutherbibel
Die Lutherbibel geht auf die Übersetzungen des Reformators Martin Luther und seiner Mitarbeiter in den Jahren 1521 bis 1545 zurück. Die Übersetzung des Neuen Testaments erschien im September 1522 (Septembertestament). In den folgenden Jahren wurden kontinuierlich weitere Bücher der Bibel übersetzt, bis 1534 die erste Gesamtausgabe des Alten und Neuen Testaments erschien. Im Jahr 1545 kam die letzte von Luther selbst durchgesehene Gesamtausgabe heraus.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man die Bibelübersetzungen, die auf Martin Luther zurückgingen, sich aber durchaus unterschieden, kritisch durchzusehen und eine erste Revision vorzunehmen. Sie hatte das Ziel, den ursprünglichen Luthertext wiederherzustellen und diesen an jenen Stellen, wo er nicht mehr verständlich oder unklar war, an den allgemeinen Sprachgebrauch anzugleichen. Immer noch in Gemeinde-Gebrauch ist der Text der zweiten Revision von 1912.

Die dritte und letzte Revision wurde in den Jahren 1964 (Altes Testament), 1970 (Apokryphen) und 1984 (Neues Testament) abgeschlossen. Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es im Zuge der Revisionsarbeiten im Jahr 1975. Der damals vorgelegte revidierte Text des Neuen Testaments stiess in weiten Teilen der evangelischen Kirche auf zum Teil massive Kritik. Man vermisste vor allem die „Treue gegenüber der Sprache Luthers“. Es wurde eine „Nach-Revision“ vorgenommen, sodass der gesamte Prozess der Revision erst 1984 zum Abschluss kam. Im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Rechtschreibung 1999 wurde der Text noch einmal durchgesehen.

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Bibeltexte in französischer Gebärdensprache

Bern/Schweiz | 27.02.2017 | APD | Bibel

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK.CH hat Anfang Februar das oekumenische Projekt der Gehörlosenseelsorge-Organisation GOEDARDS mit dem Oecumenica-Label für vorbildliche Ökumene ausgezeichnet. Laut der AGCK.CH-Medienmitteilung hat GOEDARDS wichtige Texte für Gottesdienst und religiöse Bildung in die französische Gebärdensprache übertragen und auf DVD’s visuell zugänglich gemacht.

Weil Menschen, die schwer oder gar nicht hören, einer Bibellesung nicht folgen können, haben die Schwerhörigenseelsorger in der Romandie in einem ökumenischen Projekt Übertragungen wichtiger Texte für Gottesdienst und religiöse Bildung in die französische Gebärdensprache erstellt und auf DVD’s visuell zugänglich gemacht. Das Präsidium der AGCK.CH hat das Projekt der Gehörlosenseelsorgerorganisation GOEDARDS mit dem Oecumenica-Label für vorbildliche Ökumene ausgezeichnet. Die Übergabe der Urkunde erfolgt am 1. April in einem Gottesdienst in Genf.

„Diese Menschen stehen am Rand der Gesellschaft und der Kirche. Ihre Begeisterung für diese religiöse Arbeit berührt mich tief. Alle haben ihre Ressourcen eingebracht für diesen wichtigen Schritt zur Gemeinschaft in der Kirche“, sagte Pfarrerin Anne-Lise Nerfin.

„Die frohe Botschaft des Evangeliums muss in allen möglichen Formen verkündigt werden, die den Menschen erlauben, sie aufzunehmen, zu verstehen und umzusetzen. Die Gebärdensprache ist ein unentbehrlicher pastoraler Auftrag, der einem wichtigen Bedürfnis entspricht“, sagte Bischof Denis, Präsident der AGCK.CH.

Bibeltexte sichtbar gemacht
Zu Beginn stand 2007 die Übertragung des Lukas-Evangeliums einer internationalen frankophonen Gruppe in die französische Gebärdensprache. Seither setzen die Seelsorger und Seelsorgerinnen in der Romandie die Arbeit fort. Sie stützen sich dabei auf die Vorgaben der Schweizerischen Bibelgesellschaft und die Übersetzungskriterien des Weltbundes der Bibelgesellschaften.

Als Visualisierung der Bibeltexte auf DVD sind bereits erschienen und auf der Homepage www.bible-lsf.org: Das Lukasevangelium; Das Buch Jonas; Genesis 1-11; ein Lexikon. In Vorbereitung befindet sich laut AGCK.CH ein oekumenisches Lektionar A, B und C.

Warum eine Bibelübersetzung in Zeichensprache?
Die Übertragung der Texte und deren Visualisierung sei ein Brückenschlag zwischen den Gehörlosen und den Normalhörenden, so die Arbeitsgemeinschaft. Die Filme seien mit Untertiteln sowie einer Off-Stimme versehen damit alle dem Bibeltext folgen könnten und gehörlosen Menschen nicht ausgeschlossen würden.

Das Oecumenica-Label
Die AGCK.CH hat das Label 2008 zur Umsetzung der Charta Oecumenica geschaffen. Damit werden wegweisende ökumenische Projekte ausgezeichnet. Die Projekte werden von einer Kommission geprüft; danach entscheidet das Präsidium der AGCK.CH über deren Auszeichnung. Das Logo macht vorbildliche Ökumene sichtbar und will zur Zusammenarbeit ermutigen.
Die Filme der Übersetzungen in Gebärdensprache sind zu sehen auf www.bible-lsf.org

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„Die Bibel ist etwas ungeheuer Kostbares“

Nürnberg/Deutschland | 27.02.2017 | DBG/APD | Bibel

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, hat im Rahmen des Kongresses christlicher Führungskräfte in Nürnberg seine Schmuckschuber-Edition der Lutherbibel 2017 präsentiert. In der Reihe der Schmuckschuber erscheinen zeitlich limitierte, von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gestaltete Sammler-Editionen.

„Die Bibel ist etwas ungeheuer Kostbares“, so Professor Dr. Bedford-Strohm bei der Präsentation. Dies werde nun durch den kostbar anmutenden Schmuckschuber unterstrichen. Zur Gestaltung diente eine Bildskulptur des Coburger Künstlers Gerd Kanz.

Als Bibelvers für den Schuber wählte Bedford-Strohm sein Bischofsmotto aus dem zweiten Korintherbrief, Kapitel 3, Vers 17: „Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ „Dieser Vers hat mich einen Grossteil meines Lebens begleitet“, bemerkte der Landesbischof.

Lutherbibel 2017
Eingeführt wurde die revidierte Lutherbibel gemeinsam von der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bibelgesellschaft. Zehn Jahre dauerte die inhaltliche Bearbeitung von der ersten Anfrage über die Arbeit einer EKD-Kommission bis zur Drucklegung. Die Lutherbibel 2017 erscheint zum 500. Reformationsjubiläum, das seit dem 31. Oktober 2016 gefeiert wird.

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ADRA unterstützt Nothilfekoordinatoren auf Inseln im Südpazifik

Wahroonga, NSW/Australien | 27.02.2017 | AR/APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Zum ersten Mal wird die international tätige adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Nothilfekoordinatoren als Vollzeitkräfte für die Länder Fidschi, Vanuatu, Papua-Neuguinea, Samoa und die Salomoninseln einstellen. Dies berichtete die australische Kirchenzeitschrift Adventist Record (AR).

Diese Stellen sollen helfen, besser auf Krisen vorbereitet zu sein sowie das Notfall-Management der ADRA-Niederlassungen in den genannten Ländern stärken. Sie wurden finanziell von den ADRA-Niederlassungen in Australien, Neuseeland und Deutschland sowie der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in der Südpazifik-Region unterstützt.

„ADRA arbeitet sehr eng mit der Kirche zusammen, um auf Katastrophen zu reagieren. Wenn uns die Menschen brauchen, sind wir bereits da, und diese Stellen werden unsere Reichweite sogar noch erhöhen“, so Mark Webster, Geschäftsführer von ADRA Australien gemäss Adventist Record. „Unsere Botschaft lautet: Wartet nicht, bis es zu spät ist.“ Vorbereitung sei von zentraler Bedeutung die Auswirkungen einer Krise abzuschwächen, so Webster.

Pazifische Inselregion besonders anfällig
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sind die pazifischen Inselstaaten besonders anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels. Bereits heute litten die Bewohner vieler Inseln unter extremen Wetterereignissen wie Wirbelstürmen, Dürren, starken Regenfällen und Überschwemmungen.

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Slowenien: ADRA unterstützt Flüchtlinge in Griechenland

St. Albans/England | 27.02.2017 | tedNEWS/APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Slowenien startete aufgrund des kalten Winters das Hilfsprogramm „Let‘s warm them!“ („Lasst uns sie wärmen!“) für die Flüchtlingsarbeit in Griechenland. In drei Wochen wurden dafür mehr als 20.000 Euro gesammelt. Wie die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Nord- und Südosteuropa (tedNEWS) mitteilte, würden noch weitere Spenden eingehen.

Die aussergewöhnlich kalten Temperaturen in Europa hätten viele Opfer gefordert, so tedNEWS. Aufgrund dessen sammelte die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Slowenien für Flüchtlinge in Griechenland Kleidung, Schuhe und Beheizung. Dieses Projekt wurde von mehreren prominenten Persönlichkeiten unterstützt, darunter der ehemalige slowenische Staatspräsident Danilo Türk, das Europaparlamentsmitglied Ivo Vajgl und Nikolas Protonotarios, griechischer Botschafter in Slowenien.

„Das Projekt ‚Let’s warm them!‘ ist eine wertvolle humanitäre Initiative“, so Danilo Türk. „Darüber hinaus erinnert es uns auch daran, dass wir als Bürger der Europäischen Union eine Chance haben, etwas Gutes für die Armen am anderen Ende unserer gemeinsamen europäischen Heimat zu tun.“ Nach Europaparlamentsmitglied Vajgl sei es wichtig, die Ursachen und nicht nur die Konsequenzen dieser humanitären Krise zu bekämpfen. Er begrüsste die slowenische Initiative, weil diese die Solidarität stärke, einen Grundwert der europäischen Union.

Situation vor Ort
Das Wetter sei nach Angaben von tedNEWS weiter sehr kalt und die Infrastruktur belastet, mit Ausfällen der Wasser- und Stromversorgung. Einige Flüchtlingslager seien in der letzten Zeit auf internationalen Druck hin bereits vorübergehend evakuiert worden, doch viele Flüchtlinge seien noch in Lagern. Zwei Freiwillige von ADRA Slowenien arbeiten als Teil eines Nothilfeteams bereits in Griechenland, welches von der griechischen Regierung unterstützt wird. Sie hätten bereits warme Kleidung im Flüchtlingslager in Nea Kevala Polykastro verteilt und einem anderen Lager warme Schuhe. Weitere Informationen unter: www.adra.si

ADRA Deutschland betreut neues Flüchtlingslager in Griechenland
Mitte Januar teilte ADRA Deutschland mit, dass das Hilfswerk mit der griechischen Regierung einen Vertrag zur Betreuung des Flüchtlingslagers in Ktima Iraklis, im Norden Griechenlands, unterzeichnet habe. Das Camp biete rund 550 Personen Platz.
Mehr Informationen dazu: http://www.stanet.ch/apd/news/archiv/11528.html

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Aus Überzeugung leben - zum Kinostart des Films Hacksaw Ridge (Kommentar)

Moosburg/Deutschland | 27.02.2017 | APD | Medien

Der am 26. Januar in den deutschen [und deutschschweizer] Kinos angelaufene Film „Hacksaw Ridge – die Entscheidung“ erzählt die wahre Geschichte von Desmond T. Doss, einem Siebenten-Tags-Adventisten, der im 2. Weltkrieg aus Glaubens- und Gewissensgründen den Gebrauch der Waffe in der US-Armee strikt ablehnt. Ob Zufall oder Fügung, jedenfalls ist es schon bezeichnend, dass dieser Film gerade zu Beginn der Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum der Reformation in die Kinos kommt. Auch sie lebte von einem Mutigen wie Überzeugten, hier Martin Luther.

Der US-Soldat Desmond Doss meldete sich freiwillig zur Armee, um seinem Land als Sanitäter zu dienen. Regisseur Mel Gibson zeigt im ersten Teil des Films den jungen Doss mit seinen Werten und Überzeugungen, die sich sowohl im familiären Umfeld als auch im Soldatenalltag zu bewähren haben. Als Spinner, Weltfremder und Verrückter abgestempelt zu werden sind noch die geringsten Herausforderungen. Der Vorwurf der Dienstverweigerung, Gefängnisstrafen und angedrohte unehrenhafte Entlassung aus der Armee sind da schon heftiger. Doch Desmond Doss meistert sie alle.

Es wäre kein Gibson-Werk, wenn es nicht grausam, brutal und blutig zuging. So scheint der Regisseur in dem erst ab 16 Jahren freigegebenen Streifen im zweiten Teil nicht genug zu bekommen von der Darstellung kriegerischen Gemetzels. Aber hier folgt er seinem bekannten Muster, um seinen Helden mittels exzessiver Gewaltszenen aufzubauen. Das war so mit William Williams in „Braveheart“ und dem Christus in „Die Passion Christi“. Wahrscheinlich wird Gibson der Kritik an den Gewaltdarstellungen in Hacksaw Ridge ähnlich begegnen, wie bereits in seinem letzten Streifen, wo er in einem ABC-Interview meinte, er müsse die angenommene massive Gewalt gegen Jesus zeigen und den Zuschauer „über eine gewisse Grenze hinaus“ bringen, um ihm so die „enorme Grösse des Opfers“ begreiflich zu machen.

Gibson zeigt in der Verfilmung der Schlacht von Okinawa einen von seinen Soldaten völlig verkannten und überaus mutigen Doss, der in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges 75 seiner Kameraden aus der Hölle der Hacksaw Ridge (einer Geländeformation auf der Insel) in heldenhafter Selbstlosigkeit rettet. Auch einige seiner Kameraden und Vorgesetzten waren darunter, die ihn zuvor heftig abgelehnt hatten.

Für seinen heldenhaften Einsatz wurde Doss am 12. Oktober 1945 im Weissen Haus von US-Präsident Harry S. Truman mit der Medal of Honor (Ehrenmedaille) ausgezeichnet. Er war der erste Soldat, der mit dieser höchsten Auszeichnung der US-Streitkräfte geehrt wurde, ohne je einen Schuss im Krieg abgefeuert zu haben.

Der Film endet mit Interviewbeiträgen von Überlebenden des Geschehens in Okinawa. Sie beschreiben den selbstlosen, aber von starken Überzeugungen getriebenen Menschen Doss. Am Ende ein Appell, persönliche Überzeugungen und Gewissensfreiheit zu respektieren.

So bildet das Thema Glaube, Überzeugung und Gewissensfreiheit den angemessenen Abschluss eines nach den Worten des Filmkritikers Carsten Baumgart zugegebenermassen unbändig-radikal inszenierten Kriegsdramas mit einem explosiven Gemisch aus Glaube und Gewalt. Eine Empfehlung zum Besuch des Films wird an dieser Stelle bewusst nicht ausgesprochen. Nachdenklich macht er allemal.
Stephan G. Brass

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Film „Hacksaw Ridge“, über Adventist Desmond Doss, erhält zwei Oscars

Los Angeles, Kalifornien/USA | 27.02.2017 | APD | Medien

Bei der 89. Oscar-Verleihung am 26. Februar im Dolby Theatre, Los Angeles, erhielt das Kriegsdrama „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ von Regisseur Mel Gibson zwei Oscars. Der Film wurde in den Kategorien „Bester Schnitt“ (John Gilbert) und „Bester Ton“ (Kevin O’Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace) ausgezeichnet. Weltweit hatte „Hacksaw Ridge“ bereits mehrfach Auszeichnungen erhalten.

Am 26. Januar 2017 lief „Hacksaw Ridge“ in den Kinos der Deutschschweiz an. Der Film stellt das Leben des Siebenten-Tags-Adventisten Desmond Doss (1919-2006) wahrheitsgetreu dar, der als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg aus Glaubengründen seinen Militärdienst als unbewaffneter Sanitäter leistete. Für seinen heldenhaften Einsatz auf Okinawa/Japan, wo er 75 Verwundete unter Einsatz seines Lebens rettete, indem er sie über eine hohe Felskante (Hacksaw Ridge) abseilte, wurde Desmond Doss vom US-Präsidenten Harry S. Truman die Ehrenmedaille des US-Kongresses überreicht.

Keine PR-Kampagne für die Kirche
„Auf der einen Seite freuen wir uns natürlich, dass hier ein Film entstanden ist, der das Leben und auch die Einstellung von unserem Mitglied Desmond Doss gut wiedergibt“, so der Pressesprecher der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Jens-Oliver Mohr, in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur zum Kinostart in Deutschland. „Auf der anderen Seite hat Mel Gibson sicher nicht unsere Kirche im Blick gehabt, die er promoten wollte. Wir sind auch gegen das, was man da sieht: Wir sind eine Kirche für den Frieden und keine Kirche für Gewalt, Krieg und Gemetzel.“
Weitere Informationen: www.desmonddoss.de

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Daniel Heinz (Hg.), So komm noch diese Stunde!

| 27.02.2017 | APD | Buchrezensionen

Daniel Heinz (Hg.), So komm noch diese Stunde! - Luthers Reformation aus Sicht der Siebenten-Tags-Adventisten, Lüneburg: Advent-Verlag, 2016, 361 Seiten, 19,80 Euro, Paperback, ISBN 978-3-8150-1959-7

Der Sammelband ist anlässlich des 500. Reformationsjubiläums entstanden, und wurde von Dr. Daniel Heinz, Dozent für Kirchengeschichte an der Theologischen Hochschule Friedensau und zugleich Leiter des Historischen Archivs der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa, herausgegeben. Das Buch umfasst Beiträge von 13 Autoren und hat es sich zum Ziel gesetzt, das Erbe Luthers aus adventistischer Sicht kritisch zu hinterfragen und dankbar zu würdigen. Dabei liegt der Fokus auf der Hoffnung der Wiederkunft Christi, die sowohl der große Reformator als auch die Mitglieder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten teilen.

Zum Inhalt
Das Werk ist neben Vorwort, Einführung und Nachwort in drei große Teile gegliedert, die mit „Besinnen“, „Bewerten“ und „Bewahren“ überschrieben sind. Im ersten Teil „Tu Buße, Deutschland, in der Gnadenzeit!“ werden unter anderem Luthers Werdegang, die „Hammerschläge“, seine Lebensstationen, die Übersetzung der Bibel, seine Lieder und sein Selbstverständnis thematisiert.

Im zweiten Teil „Die Bibel allein ist der rechte Herr und Meister“ gehen verschiedene Autoren auf die reformatorischen Inhalte Luthers ein: die Rechtfertigungslehre, das Taufverständnis Luthers, der Abendmahlsstreit, Fragen der Eschatologie sowie Luthers Haltung zur Bilderfrage.

Der dritte Teil „Dass die Zeit mit seinem Reich bald komme!“ stellt einen Gegenwartsbezug her. Einige Beispiele: Dr. Rolf Pöhler, Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, geht auf die Bedeutung Luthers für heute ein. Dr. Christian Noack, Schulleiter am Schulzentrum Marienhöhe in Darmstadt, widmet sich den Themen „Der befreite Mensch“ und „Glaube als Wirkung der Liebe Gottes“ (mit Daniel Heinz). Denis Kaiser, Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Andrews Universität (USA), schreibt über die Darstellung Luthers im Werk der adventistischen Kirchenmitbegründerin Ellen White.
Ein Anhang mit Zeittafel zu Luthers Leben und Wirken sowie ein Autorenverzeichnis komplementieren das Werk.

Luther und die Adventisten
Schon im Vorwort wird deutlich, dass die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten eine grundsätzliche Hochachtung vor der Reformation als Erneuerungsbewegung hat, diese jedoch nicht als abgeschlossen sieht. Das wird unter anderem in den kritischen Ausführungen zum Sabbat, zur Kindertaufe und zum Abendmahlsverständnis deutlich. Dr. Hans Heinz, Leiter des früheren Theologischen Seminars Marienhöhe in Darmstadt, führt zur Illustration die Täuferbewegung an. Die sabbathaltenden Täufer „gaben den Anstoß dafür, Reformation nicht als einen abgeschlossenen Prozess zu betrachten.“ (S. 188).

Luthers Glaube und die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten lassen jedoch auch einige Gemeinsamkeiten erkennen: Die Betonung der Bibel als Grundlage für Glauben und Lebenspraxis, die Feststellung, dass die Heilige Schrift sich selbst auslegt, die Überzeugung von einer engen Beziehung zwischen Altem und Neuem Testament, die zentrale Rolle des Erlösungswerkes Christi am Kreuz sowie eine ausgeprägte eschatologische Perspektive haben Siebenten-Tags-Adventisten mit dem Wittenberger grundsätzlich gemein (vgl. S. 309).

Hoffnung neu entdeckt
Luthers Wiederkunftserwartung, die Hoffnung auf das Kommen des Jüngsten Tages als „ganz dicht am Kern der reformatorischen Verkündigung“ (S. 193), spielt in der Adventbewegung ebenfalls eine zentrale Rolle. Neu bei Luther war seine veränderte innere Haltung dem Endzeitgeschehen gegenüber. Durch die persönliche Heilsgewißheit kann der Reformator dem Endgericht freudig und ohne Furcht entgegensehen und sagen: „Komm, lieber Jüngster Tag!“ (S. 316). Im 19. Jahrhundert nahm die Millerbewegung in den USA die Verheißung des zweiten Kommens Christi wieder genau so ernst wie einst Luther, der bis zum Schluss mit dieser urchristlichen Zukunftshoffnung lebte.

Deutungsmatrix der Weltgeschichte
Doch mehr noch als bloße Übereinstimmungen in theologischen Grundlagen lässt sich bei Luther und der Adventbewegung ein ähnliches Deutungsschema des gesamten Ablaufs der Weltgeschichte erkennen. Die Metaerzählung vom „großen Kampf zwischen Licht und Finsternis“ ist als grundlegende Deutungsmatrix in den Schriften der Kirchenmitbegründerin Ellen White immer wieder zu finden. Auch Martin Luther kannte dieses Motiv: „Für ihn war klar, dass in der Geschichte ein unerbittlicher Kampf zwischen Gott und Teufel tobt.“ (S. 191). Luther redet ganz frei und unbefangen von dem Wirken Gottes und des Teufels in der Geschichte und das mit einer Selbstverständlichkeit, die uns heute fremd ist. Bei aller theologischen Disputation verlor Luther „die große, übergreifende geistliche Dimension des apokalyptischen Kampfes zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gut und Böse auf der Weltbühne nie aus den Augen.“ (S. 227).

In Kürze
Der Sammelband ist kurzweilig, inhaltsreich und für eine breite Leserschaft geschrieben. Die übersichtliche Gliederung hilft, sich einen guten Überblick zum Thema „Luther und die Siebenten-Tags-Adventisten“ zu verschaffen. Die verschiedenen Autoren legen unterschiedliche Schwerpunkte in Darstellung und Bewertung von Luthers Reformation sowie ihren Auswirkungen auf die Gegenwart. Die kritische Sichtweise gepaart mit einer pointierten Würdigung macht das Werk ausgewogen. Die starke Betonung eschatologischer Inhalte kann den Leser motivieren, sich dieser Thematik neu zu widmen und mit Luther zu beten: „Hilf, lieber Herr Gott, dass der selige Tag deiner heiligen Zukunft bald komme.“ (S. 350).
Claudia Mohr

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