APD-INFORMATIONEN 11/2017 - NOVEMBER 2017

500 Jahre danach - Christen plakatieren im Stile Luthers

Zürich/Schweiz | 26.11.2017 | APD | Schweiz

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte der junge Theologe Martin Luther an der Schlosskirche in Wittenberg 95 Thesen zur Erneuerung der Kirche. Am 31. Oktober 2017, exakt 500 Jahre danach, haben Christen in rund 140 Orten der Deutschschweiz den Thesenanschlag von Luther imitiert. Laut einer Medienmitteilung der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) wurden in den frühen Morgenstunden rund 10.000 Plakate an öffentlichen Gebäuden und Wänden anbracht. Mit dieser von der SEA initiierten Aktion wollten Christinnen und Christen zu einer neuen Reformation aufrufen.

Laut SEA nahmen die Freiwilligen aus Landes- und Freikirchen das Jubiläum von Luthers Thesenanschlag zum Anlass, um auf kreative Art die zentralen Fragen des Lebens und Glaubens öffentlich ins Gespräch zu bringen. Die Plakate nähmen Bezug auf vier der fünf reformatorischen Prinzipien, die sogenannten Soli: Sola fide – allein aus Glauben; Sola scriptura – allein die Bibel; Solus Christus – allein Jesus Christus; Sola gratia – allein aus Gnade und das fünfte: Soli Deo Gloria - allein Gott gehört die Ehre. Damit fassten die Reformatoren ihre theologischen Prinzipien gegenüber dem Autoritätsanspruch sowie der Behauptung der römisch-katholischen Kirche zusammen, die einzig wahre apostolische Kirche zu sein.

Zeit, über den Glauben zu sprechen
„Was die Geschichte damals nachhaltig reformiert hat, ist auch heute noch relevant“, heisst es in der SEA-Medienmitteilung. Am 500. Jubiläum der Thesenveröffentlichung sei es an der Zeit, erneut über den Inhalt des christlichen Glaubens zu sprechen. Genau das wolle die Aktion #Thesenanschlag2.

„Es geht um eine Reformation der Herzen. Luthers Thesen stellten die damalige Kirchenpraxis in Frage und rückten die wesentlichen Punkte des christlichen Glaubens wieder ins Zentrum“, sagte Matthias Spiess, Initiator der Aktion und SEA-Generalsekretär. Luther habe den Glauben in den Alltag der Menschen gebracht und habe über Jahre gefestigte Strukturen verändert. Diese Aktion in den frühen Morgenstunden des 31. Oktobers wolle dieses Anliegen auf unkonventionelle Art zurück in die Herzen der Menschen rücken, so die SEA.

Der #Thesenanschlag2 vom 31. Oktober 2017 orientiere sich an den reformatorischen Prinzipien und stelle vier thematisch passende Thesen zur Diskussion. Es würden dabei gängige Klischees aufgenommen und mit neuen Inhalten ergänzt, um auf das Jubiläum des Thesenanschlags aufmerksam zu machen.

Die Webseite zum #Thesenanschlag2: www.thesenanschlag2.ch

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Justitia et Pax: Keine Schweizer Waffenexporte in Bürgerkriegsländer

Fribourg/Schweiz | 26.11.2017 | APD | Schweiz

Justitia et Pax appellierte an die Mitglieder der sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats, einer Lockerung des Waffenexportverbots nicht zuzustimmen. Justitia et Pax ist eine Stabskommission der Schweizer Bischofskonferenz, die sich mit Fragen von Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechte und Schöpfungsverantwortung befasst.

Am 10. November haben sich die Mitglieder der sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats mit Vertretern der Rüstungsindustrie, um eine Lockerung des Waffenexportverbots zu erörtern, berichtete Justitia et Pax in einer Medienmitteilung.

Die Stabskommission der Bischofskonferenz engagiert sich für Gerechtigkeit und Frieden in der Schweiz und in der ganzen Welt. Heute sind Schweizer Waffenexporte in Bürgerkriegsländer per Kriegsmaterialverordnung verboten. Eine Lockerung dieses Verbots würde die Verfügbarkeit von Waffen in den unzähligen Krisenherden dieser Welt in unverantwortlicher Weise erhöhen, so Justitia et Pax.

„Als eines der reichsten Länder dieser Erde kann es sich die Schweiz leisten, nicht den Profit, sondern die Not der Menschen in den Vordergrund zu stellen“, heisst es in der Medienmitteilung. Die grösste Herausforderung in der Welt von heute bestehe nicht darin, einen Krieg zu gewinnen, sondern der vielfältigen Not der Menschen und dem Klimawandel zu begegnen. Die Schweiz könnte hier mit ihrer humanitären Tradition eine Vorreiterrolle einnehmen: statt Rüstungs- und Kriegsmaterialexporte zu erleichtern, sollte die Transformation der Rüstungsindustrie in zukunftsweisende Technologiebranchen vorangetrieben werden. Noch mehr Waffen machten – wie unzählige schmerzhafte Erfahrungen zeigen würden – die Welt nicht sicherer, sondern treibe sie immer wieder in neue Krisensituationen. Diese Krisensituationen seien mit ein Grund dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssten und in Europa Zuflucht suchten.

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„Alles Fake?“ Forum von ChristNet zu „Wahrheit in Politik und Medien“

Basel und Genf/Schweiz | 26.11.2017 | APD | Schweiz

Was bedeutet es, als Christen in einer «alternativ-faktischen» Postmoderne zu leben und sich der Wahrheit verpflichtet zu sehen? Dieser Frage, und wie man sie in Politik und Medien umsetzen kann, sind laut einer Medienmitteilung von ChristNet am 11. November mehr als 20 Teilnehmende am ChristNetForum «Alles Fake?» in Biel nachgegangen. Veranstalter war ChristNet, das nach eigenen Angaben als Denkfabrik für eine Erneuerung der Nächstenliebe in Politik und Gesellschaft einsteht.

In Impulsreferaten zu Medien und Politik sei die Brisanz des Themas entfaltet, in Workshops darum gerungen und in einer Podiums- und Publikumsdiskussion mit einer Nationalrätin, einem Alt-Nationalrat, einem Journalisten und einem Theologen vertieft worden, so ChristNet.

Mauern überwinden
Christen, die ihre Identität in Christus verankert hätten, seien frei, sich miteinander für die Wahrheit, die an die Person Jesus gebunden sei, zu engagieren, sagte Michal Gonin, Ethiker. Man müsse sich dann auch nicht mehr hinter Mauern verschanzen, wie auch immer diese sich nennen würden: links oder rechts, katholisch oder evangelisch, charismatisch oder anticharismatisch, so der Ethiker. Michal Gonin, lehrt in St-Légier (VD) Theologie und fördert in der Wirtschaft soziales Unternehmertum.

Gilt «Du sollst kein falsch Zeugnis reden» nicht mehr?
Wenn das Problem nur bei Trump oder «den Russen» gesucht werde, man sich gleichzeitig aber nicht wirklich in den eigenen Gewissheiten stören liesse, dann sei man selbst Teil eines «Fake-News-Systems», so Markus Meury, Soziologe aus Lausanne. Er erinnerte daran, dass 81 Prozent der US-Evangelikalen für Trump gestimmt hätten, obschon dessen Aussagen laut diversen Analysen deutlich weniger Wahrheitsgehalt aufgewiesen hätten als jene bei allen früheren Präsidentschaftskandidaten. Meury habe dazu ermutigte, im Sinne von Paulus «alles zu prüfen», sauberer nach Quellen zu suchen, Rechenschaft abzulegen und auch einzufordern. Meury fragte, ob das 9. Gebot, wonach man nicht falsch Zeugnis reden soll, irrelevant oder weniger wichtiger geworden sei.

Christen sollen Verschwörungstheorien das Wasser abgraben
Wenn Fakten nur noch als Meinung gälten, so sei das problematisch, weil dann das grösste Megaphon, die beste Social-Media-Plattform darüber entscheide, was Wahrheit sei. Unwahrheit aber wirke zersetzend. Wahrheit hingegen meine Verlässlichkeit und Faktentreue.

Meury regte an, dass Gemeinden unabhängige Medien und das Vertrauen in die Wissenschaft fördern könnten. Es gehe darum, der Weltangst, die den Urgrund von Verschwörungstheorien bilde, ohne Druck und Machtanspruch das Wasser abzugraben.

«Als Christen wollen wir neu unsere Stellung als ‹Wahrheitsspezialisten› wahrnehmen. Wir wollen lernen, die Welt wahrhaftig zu lieben, unsere Blase zu verlassen, Andersdenkenden zuzuhören. Wir wollen uns in unserem Weltbild stören lassen und auch andere stören», so Samuel Ninck-Lehmann, Koordinator von ChristNet.

Qualitätsjournalismus fördern
In einem Podiums- und Publikumsgespräch, das Vertreter aus Theologie, Journalismus und Politik versammelte, ermutigte Jean-Pierre Graber, ehemaliger SVP-Nationalrat, anhand konkreter Beispiele dazu, politische Mandate mutig und kraftvoll zu übernehmen.

Marianne Streiff-Feller, EVP-Nationalrätin, bestätigte, dass in ihrer Arbeit nicht immer die Suche nach Konsens im Mittelpunkt stehe. Politisches Handwerk beinhalte auch den Ansatz, die anderen von der eigenen Meinung überzeugen zu wollen. Aber es sei wichtig, die Beziehung mit Ratskollegen zu pflegen und damit parteipolitische Gräben zu überwinden.

Florian Wüthrich, Journalist und Leiter bei «Livenet», betonte, wie schwierig es sei, auf einer Online-Plattform wie «Livenet», Qualitätsjournalismus bezahlt und damit auch gefördert zu bekommen.

Mehr zum Forum ChristNet: www.ChristNet.ch

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„Hier stehe ich“ - Beiträge der Adventisten in Deutschland und der Deutschschweiz zum Reformationsjubiläum 2017

Ostfildern/Deutschland und Zürich/Schweiz, | 26.11.2017 | APD | Schweiz

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und in der Deutschschweiz hat sich während des Jahres mit verschiedenen Beiträgen am 500. Reformationsjubiläum beteiligt. Neben bundesweiten Aktivitäten, Veröffentlichungen und Fernsehsendungen zum Thema „Reformation“ führten verschiedene adventistische Kirchengemeinden vor Ort sowohl in Deutschland als auch in der Deutschschweiz ebenfalls besondere Aktionen durch.

Die Theologische Hochschule Friedensau (ThHF) bei Magdeburg hatte bereits im Mai 2016 als Auftakt zum Jubiläumsjahr ein Symposium mit dem Titel „Perceptions of the Protestant Reformation in Seventh-day Adventism“ (die Wahrnehmung der protestantischen Reformation in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten) durchgeführt. Verschiedene Experten aus dem In- und Ausland beleuchteten diverse Bezüge zwischen der protestantischen Reformation und den Adventisten. Die Beiträge werden in einem gleichnamigen (englischsprachigen) Sammelband veröffentlicht.

TV-Gottesdienste, die über den Hope Channel der Freikirche ausgestrahlt wurden, thematisierten Gedanken zur Reformation. Das adventistische Studienheft zur Bibel widmete sich in je 13 Lektionen dem grossen reformatorischen Thema der Erlösung aus Gnade im Galaterbrief (Juli bis September 2017) und im Römerbrief (Oktober bis Dezember 2017). Die Lesungen zur weltweiten Gebetswoche der Adventisten stehen im November 2017 ebenfalls unter dem Thema Reformation. Verschiedene Veranstaltungen wie Camps und Kongresse im Jungend- und Pfadfinderbereich gingen ebenso auf Luthers Gedanken ein.

Adventistische Veröffentlichungen
Anlässlich des Reformationsjubiläums gab es eine Reihe adventistischer Veröffentlichungen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, das Anliegen der Reformation wach zu halten. So gab der Leiter des Historischen Archivs der Adventisten in Europa mit Sitz an der ThHF, Dr. Daniel Heinz, den Sammelband „So komm noch diese Stunde!“ heraus, der Luthers Reformation aus Sicht der Siebenten-Tags-Adventisten darstellt.

Die Freikirche der Adventisten in Deutschland veröffentlichte die Broschüre „Reformation heute: nachlesen. diskutieren. erneuern.“, in der verschiedene Autoren der Frage nachgehen, was die Erinnerung an die Reformation für das heutige Glaubensleben und Bibelverständnis bringt. Der Advent-Verlag in Lüneburg widmete mehrere Ausgaben der Zeitschrift „Zeichen der Zeit“ sowie der Gemeindezeitschrift „Adventisten heute“ dem Thema Reformation.

Sendungen des Hope Channel
Der adventistische Fernsehsender Hope Channel hat im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 unterschiedliche Formate rund um das Thema Reformation im Programm, wie beispielsweise die Sendungen „Tischreden“, „Lutherspaziergang“ oder „Laut gedacht – Reformation“. Bereits ausgestrahlte Sendungen können über die Hope Channel-Mediathek im Internet abgerufen werden:
http://www.hopechannel.de/tv/service/events/reformation-spezial/

Aktivitäten lokaler Kirchengemeinden
Unterschiedliche Veranstaltungen für die Öffentlichkeit meldeten auch verschiedene adventistische Kirchengemeinden vor Ort. Neben Vorträgen und Themenabenden zur Reformation gab es die Möglichkeit, an interaktiven Diskussionsrunden und Meinungsumfragen teilzunehmen. Thematische Familienveranstaltungen und Führungen an Orten, die zur Reformation in Bezug stehen standen auf dem Programm. In der Adventgemeinde Berlin-Lichtenberg wurde zum Beispiel mit „Sagenhafter Luther“ Kleinkunst-Theater eine Bühne geboten.

Musikalische und mediale Angebote kamen ebenfalls nicht zu kurz. Einige Kirchengemeinden zeigten öffentlich Filme rund um die Reformation und Martin Luther. Es gab in mehreren Kirchengemeinden Ausstellungen zu sehen wie die „Prophetie-Expo“ und die Playmobil-Wanderausstellung „Martin Luther im Kinderzimmer“. Weitere kreative Angebote umfassten beispielsweise das Wandern des Lutherwegs in Mittweida, Themendinner, die Pflanzung einer Luther-Eiche auf dem Ottenstein im Schwarzwald oder die Weihe eine Reformationsbuche in Stadtroda.

Adventisten in der Deutschschweiz
Neun lokale Kirchgemeinden der Adventisten in der Deutschschweiz haben je eine neunteilige Serie von öffentlichen Veranstaltungen zur Reformationsthematik unter dem Titel „Hier stehe ich“ angeboten, so u. a. in Lotzwil, Luzern, St. Gallen und Solothurn sowie im Kanton Thurgau. In Zürich wurde ein Thementag und Themenabende zur Reformation durchgeführt, der letzte Abend soll am 29. November stattfinden: „Das Erbe der Reformation“. Der Advent-Verlag Zürich hat eine Broschüre mit 116 Seiten publiziert „(ein)blick: Die Unvollendete – Der Reformation auf der Spur“. (4'748 Zeichen)

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„Allein durch Gnade“ - Gebetswoche der Adventisten

Ostfildern/Deutschland und Zürich/Schweiz | 26.11.2017 | APD | Schweiz

Die jährliche, weltweite Gebetswoche der evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat in der Deutschschweiz vom 11. bis 18. und in Deutschland vom 18. bis 25. November zum Thema „Allein durch Gnade“ stattgefunden. In den 32 deutschschweizer und über 500 deutschen Kirchengemeinden sind Mitglieder und Gäste zu besonderen Gebetsversammlungen eingeladen.

Im Anschluss an das Reformationsjubiläum wurde die diesjährige Gebetslesung der Adventisten in den einzelnen Kirchgemeinden unter dem Generalthema „Allein aus Gnade“ abgehalten. Die Lesung bestand aus acht Themen, die von dem Präsidenten der Freikirche, Pastor Ted N. C. Wilson, dem österreichischen Theologen Dr. Hans (Johann) Heinz sowie der Mitbegründerin der Freikirche, Ellen G. White (1827-1915), verfasst wurden. „Die diesjährige Gebetswoche hebt das Evangelium als Grundlage unserer Erlösung allein durch Christus hervor“, heisst es in dem Lesungsheft der Freikirche.

Das erste Thema stand unter dem Titel „Gottes Wort – Grundlage unseres Glaubens“ und wurde von Ted Wilson geschrieben. Die nachfolgenden Themen wurden von Hans Heinz verfasst: „Das Evangelium lernen“, „Die Grundlage unserer Erlösung“, „Gerechtigkeit – eine praktische Sache“, „Gottes Gebote – ein Spiegel seines Charakters“, „Rechtfertigung aus dem Glauben – heute“ und „Der Sommer, der nie enden wird“. Der Beitrag von Ellen G. White zum Thema „Die Gewissheit der Erlösung“ wurde einem ihrer Bücher entnommen.

Zum Abschlussgottesdienst der Gebetswoche am 18. bzw. 25. November gehörte auch die traditionelle Opfersammlung für die weltweite Mission der Freikirche. Im letzten Jahr betrugen die sogenannten „Gebetstagsgaben“ der 2.600 Adventisten in der Deutschschweiz 80.600 Franken und der knapp 35.000 Adventisten in Deutschland rund 650.000 Euro (760.000 Franken).

Zur Person des Hauptautors
Hans Heinz wurde 1930 in Wien geboren und arbeitete nach Abschluss seines Theologiestudiums ab 1953 als Pastor sowie als Lehrer am Seminar Schloss Bogenhofen in Österreich. Nach dem Promotionsstudium an der Andrews-Universität (USA) war er von 1982 bis 1995 Dekan des Theologischen Seminars Marienhöhe in Darmstadt. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel über Theologie und Kirchengeschichte.

Das Lesungsheft kann kostenlos heruntergeladen werden:
www.advent-verlag.de/cms/cms/front_content.php?idcat=217

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Weltkirchenrat verurteilt Attacke auf Moschee in Ägypten

Genf/Schweiz | 26.11.2017 | APD | International

Laut dem Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (örkö) und CBS KULTUR INFO, Basel, hat der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pfarrer Olav Fykse Tveit, in scharfen Worten die Attacke auf die Al-Rawdah-Moschee, in Al-Arisch, im nördlichen Sinai, verurteilt. Bei dem Anschlag wurden am 24. November 305 Teilnehmer des Freitagsgebets, darunter 27 Kinder, ermordet. Die Moschee wird der mystischen Sufi-Bewegung zugerechnet, Sufi-Gotteshäuser und Grabmäler sind bevorzugte Ziele der IS-Terroristen. Ein Oberster Rat der Sufi-Orden (al-Madschlis al-aʿlā li-t-turuq as-sūfīya) wurde in Ägypten bereits im Jahr 1895 gegründet. Heute gibt es in der ganzen islamischen Welt etwa. 70 verschiedene Sufi-Gemeinschaften.

Fykse Tveit appellierte zur Einmütigkeit in der Auseinandersetzung mit der Gewalt: „Wir müssen diese Attacke auf unsere muslimischen Brüder und Schwestern als eine empörende Verachtung des menschlichen Lebens verurteilen. Diese Verachtung ist umso schmerzvoller, wenn betende Menschen getroffen werden. Wir stehen den Muslimen zur Seite, wir gehen mit ihnen und wir werden nicht erlauben, dass diese ruchlose Tat uns trennt“.

In einem Kondolenzschreiben an den Grossimam der Al-Azhar, Ahmad al-Tayyeb, versicherte Fykse Tveit, dass er für die Getöteten und die Verletzten bete. Wörtlich stellte der Generalsekretär fest: "Wir verurteilen zutiefst diesen tragischen Angriff auf unsere muslimischen Brüder während der Gebetszeit, in einem Gotteshaus, das dem Frieden und der Anbetung dient".

Solche Verbrechen gegen Gläubige unterschiedlicher Religionen, gegen Kirchen und Moscheen, zeigten, dass Gewalt niemals mit Religion verbunden sein kann, im Gegenteil, diese Verbrechen zielten darauf ab, die Botschaft der Nächstenliebe, die allen Religionen gemeinsam sei, zu zerstören, betonte Fykse Tveit: „Wir sind überzeugt, dass das Böse nicht über Gottes Licht und Güte triumphieren kann. Wir appellieren an Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi, an die religiösen Führungspersönlichkeiten und die Regierungspolitiker in der Region, die Sicherheit angesichts der Gewalt und Gerechtigkeit für alle Menschen zu garantieren.“

Der ÖRK-Generalsekretär Tveit sicherte Al-Azhar die Unterstützung des Weltkirchenrats bei den Anstrengungen zur Bekämpfung der extremistischen Ideologie zu. Die Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus im Nahen Osten sei eine „gemeinsame Verantwortung“. Der Weltkirchenrat stehe für die gemeinsame Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt ein.

Hintergrund: Sufismus
Die Traditionen des Sufismus führen sich zurück bis auf Abraham, der in Ägypten in die alten Mysterienkulte eingeweiht worden sei. Der Sufismus breitete sich in der ganzen islamischen Welt aus, vor allem in Persien und Indien, wo er eine grosse Entfaltung in Mystik und Dichtung erlebte. Das Wort „Sufi“ wird in Verbindung gebracht mit dem griechischen Wort "Sophia" - Weisheit, andere leiten es von dem arabischen Wort „Suf“ her, einer Bezeichnung für Wolle, weil die Sufis reinwollene Gewänder trugen. Das Wort „Sufi“ taucht erstmals zur Zeit des Propheten Mohammeds auf. Die Lehre des Sufismus ist eine Mischung aus Religion, Mystik und Philosophie und kann auch als eine „spirituelle Charakterschule“ bezeichnet werden.

Lage der Sufi-Muslime in Ägypten heute
Auch nach dem „Arabischen Frühling“ ist das Verhältnis zwischen den Religionen in Ägypten ein wunder Punkt geblieben. Nach vorsichtigen Schätzungen sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung Sufis. Viele andere Ägypter nehmen an der einen oder anderen Sufi-Übung teil, jedoch ohne sich dieser Glaubensrichtung zugehörig zu fühlen. Sufi-Muslime verehren ihre Heiligen und deren Schreine. Für viele orthodoxe Islamisten ist dieser volksislamische Kult ein Dorn im Auge.

Interessanterweise ist das offizielle religiöse Establishment Ägyptens stark durch den Sufismus geprägt. So gehören die Professoren der über tausendjährigen Al-Azhar Moschee mit ihrer islamischen Universität normalerweise einer Sufi-Bruderschaft an. Die gemässigten Sufis stehen seit der Revolution an der Seite der Übergangsregierungen und identifizieren sich mit den Einrichtungen der Al-Azhar, die in religiösen Fragen eine gemässigte Haltung einnehmen.

Heute fürchten die Sufi-Muslime, dass ein zu grosser Einfluss der Islamisten und vor allem der Salafisten im neuen Ägypten ihre Glaubenspraxis beschränken und ihre Stellung in der Gesellschaft bedrohen könnte.

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Hilfsorganisationen fordern sofortige Aufhebung der Blockade im Jemen

Weiterstadt/Deutschland | 26.11.2017 | APD | International

Eine Gruppe deutscher Hilfsorganisationen fordert angesichts der massiven humanitären Krise im Jemen die umgehende, komplette Öffnung der See-, Luft- und Landwege in den Jemen. Wenn die Blockade aufrechterhalten werde, könnten Millionen von Menschen in Folge einer Hungersnot sterben, warnen unter anderem die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA, Aktion gegen den Hunger, Ärzte der Welt, CARE, Handicap International, Oxfam und World Relief Deutschland.

Die Hilfsorganisationen äusserten sich sehr besorgt über den erneuten Ausbruch von Cholera und anderer Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. Das UN-Kinderhilfswerk warne, dass nur noch wenige Impfstoffe gegen Diphterie vorrätig seien. Ende November sollte eine neue Lieferung eintreffen, die Einfuhr sei aber bis jetzt noch nicht genehmigt. Wenn der Impfstoff nicht ins Land gelange, drohten Millionen von Kindern schwere Schäden durch eine eigentlich vermeidbare Krankheit.

Folgen des Treibstoffmangels
Die Treibstoffknappheit im Jemen verschlimmere zudem den Mangel an sauberem Wasser. Wasserpumpen würden abgeschaltet und Leitungen lägen trocken. Damit wären der Schulunterricht und vor allem der Betrieb von Krankenhäusern stark bedroht. Ärzte und Pfleger bemühten sich zwar, den Betrieb von Operationssälen und Intensivstationen aufrecht zu erhalten, doch andere Stationen müssten geschlossen und Kühlvorrichtungen für Medikamente immer wieder stundenweise abgeschaltet werden, um Treibstoff für Stromgeneratoren zu sparen. Hinzu käme, dass vielen Ärztinnen und Ärzten seit über zehn Monaten kein Lohn gezahlt worden sei. Die meisten Hilfsorganisationen hätten inzwischen weniger als einen Monat Treibstoff auf Vorrat.

Wenn Frachtschiffe in den nächsten Tagen keine Erlaubnis erhielten, ihre Ladung in Hodeidah zu löschen, würden die im Land vorhandenen Reserven an Weizen und Zucker in den nächsten drei Monaten aufgebraucht sein. Der Tiefwasserhafen von Hodeidah, über den 80 Prozent der Importe laufen, sowie der Flughafen von Sanaa müssten unverzüglich wieder geöffnet werden, um Nahrung, Treibstoff und Medikamente einführen zu können. Jeder weitere Tag der Blockade bedeute mehr Hunger und Krankheiten für tausende Jemeniten.

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Ruanda: Adventisten für gesellschaftliches Engagement gewürdigt

Silver Spring, Maryland/USA | 26.11.2017 | APD | International

Die Mitglieder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ruanda sind von einem Regierungsvertreter für ihren Einsatz für die Gesellschaft gelobt worden. Wie die nordamerikanische Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR) berichtete, leisten Adventisten dort jeden letzten Sonntag im Monat gemeinnützige Dienste.

Ruandas Staatsminister für sozioökonomische Entwicklung, Harelimana Cyriaque, lobte die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ruanda für ihren signifikanten Beitrag zur Entwicklung des Landes. Ende Oktober erklärte er vor Tausenden von Mitgliedern der Freikirche im Distrikt Kicukiro der Provinz Kigali: „Ich freue mich bei euch Adventisten zu sein, wenn wir diesen Monat gemeinnützige Dienste leisten.“ „Adventisten sind Partner der Regierung von Ruanda geworden, als es darum ging, diesen Ort sicherer zu machen.“

Dieses Engagement sei mit Geld nicht aufzuwiegen, so der Staatsminister laut AR. Früher hätte die Bevölkerung Angst gehabt, an dem Gebiet vorbei zu gehen, wo Adventisten ihre gemeinnützigen Dienste leisten, da es ein „Räuberparadies“ gewesen sei. Doch seit 2003, als die Adventisten damit begonnen haben, das Überwuchern zu beseitigen, hätten die Leute keine Angst mehr, dort auch nachts vorbeizukommen, wenn sie spazieren gehen oder joggen. Der Staatsminister forderte die Adventisten auch auf, Korruption zu bekämpfen, eine Kultur der Bewahrung zu pflegen und auf Sauberkeit und Hygiene zu achten, wo immer sie sich befänden.

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Bundesstaat São Paulo erklärt 22. Oktober zum „Tag der Adventisten“

Silver Spring, Maryland/USA | 26.11.2017 | APD | International

Der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates São Paulo, Geraldo Alckmin, hat am 16. Oktober 2017 einen Gesetzesentwurf unterzeichnet, der den 22. Oktober jeden Jahres zum „Tag der Adventisten“ erklärt. Wie die nordamerikanische Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR) berichtet, werde damit das Engagement der dortigen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Religionsfreiheit und Gesellschaftsentwicklung gewürdigt.

Seit Februar 2016 habe der Gesetzesentwurf bereits auf der Tagesordnung der gesetzgebenden Versammlung des brasilianischen Bundesstaates gestanden, so AR. Am 17. Oktober 2017 wurde die unterzeichnete Version amtlich bekanntgegeben. Das Gesetz macht den 22. Oktober zum „Tag der Adventisten“ und wurde dem Veranstaltungskalender des Bundesstaates São Paulo hinzugefügt.

Kirchengeschichtliche Relevanz
Das Datum ist für Siebenten-Tags-Adventisten deshalb von Bedeutung, da der 22. Oktober 1844 als „grosse Enttäuschung“ in die Geschichte der Freikirche eingegangen ist. Im Amerika des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Erweckungsbewegung um den Baptistenprediger William Miller, welche die Wiederkunft Jesu am 22. Oktober 1844 erwartete. Nachdem das erwartete Ereignis ausblieb, zerfiel die Bewegung. Eine kleine Gruppe von Christen interpretierte das Geschehen neu und formierte sich später zur heutigen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.

Adventisten in São Paulo
São Paulo ist mit geschätzten 45 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste und wirtschaftlich bedeutendste Bundesstaat Brasiliens. Mit über 262.000 getauften Mitgliedern der Freikirche ist dort jeder 172. Bewohner Adventist. Siebenten-Tags-Adventisten seien dafür bekannt, aktive Christen zu sein, die nicht zögern würden, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, teilte Adventist Review mit. Verschiedene Projekte der Freikirche seien von den Medien aufgegriffen worden, wie die Zusammenarbeit von Freikirche und Kommunal-Regierung der Stadt São Paulo im Winternothilfeprogramm für die Mega-City. Auch die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Brasilien ist zurzeit in 24 humanitäre Projekte allein im Bundesstatt São Paulo involviert.

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Migrantion: Europarats-Tagung würdigt Beitrag von Religionsgemeinschaften

Strassburg/Frankreich | 26.11.2017 | APD | International

Überaus positiv wurde laut Stiftung Pro Oriente (poi), Wien/Österreich, und CBS KULTUR INFO, Basel/Schweiz, bei einer Tagung des Europarates in Strassburg über die „Religiöse Dimension des interkulturellen Dialogs“ die Rolle der religiösen NGOs beurteilt. Zur Tagung stellte Tomas Bocek, Repräsentant des Generalsekretärs des Europarates für Fragen der Migration und des Flüchtlingswesens, ein Dokument über „Migranten und Flüchtlinge: Herausforderungen und Chancen“ vor.

Das Dokument analysiert die laufende Debatte über Religion und Migration. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Religion im Zusammenhang von Migration vielfältige Dimensionen hat, vor allem, aber nicht nur, im Hinblick auf die humanitäre Hilfe. Dabei wird betont, dass die Aufwendungen einiger religiös inspirierten Organisationen in der humanitären Hilfe gleich hoch sind wie die humanitärer Organisationen „oder sie sogar übertreffen“. Ein weiterer Aspekt sei die Widerstandsfähigkeit, die Religion und Spiritualität Personen auf der Flucht verleihen. Dies helfe den Flüchtlingen, die „Last des Schmerzes“ zu tragen und könne auch die Integration erleichtern. In dieser Hinsicht gehe es darum, einen Mittelweg zwischen „ekzessiver Betonung“ der religiösen Identität der Migranten und ihrer „völligen Nichtbeachtung“ zu finden.

Wesentliche Rolle religiöser Führungspersönlichkeiten
Das Dokument unterstreicht die wesentliche Rolle religiöser Führungspersönlichkeiten im Hinblick auf die Haltung von Bevölkerungen gegenüber den Flüchtlingen. Auch die Interaktion mit der Migrationspolitik der Regierungen sei wichtig, hänge aber von den „formalen und informellen Beziehungen zwischen den Behörden der einzelnen Staaten und den Religionsgemeinschaften ab“. Die „politische“ Rolle der religiösen Organisationen betreffe aber auch die Förderung der Gastfreundlichkeit, die Verurteilung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und die Hilfe für die Migranten bei den „komplexen Prozessen der Integration“ auf allen Ebenen.

Die verschiedenen Beiträge und Dokumente in englischer Sprache können heruntergeladen werden unter: www.coe.int/en/web/cm/november-2017/-/asset_publisher/OSNLQ48UIZh6/content/2017-exchange-france?_101_INSTANCE_OSNLQ48UIZh6

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Ökumenischer Studientag: „Hoffnung auf ewiges Leben?“

Fribourg/Schweiz | 26.11.2017 | APD | Ökumene

Am 3. November fand an der Universität Fribourg ein Studientag zur Glaubens- und Lebenspraxis verschiedener kirchlicher Traditionen statt. Die Tagung thematisierte die theologischen Grundlagen für den Umgang mit Tod und Sterben sowie der Hoffnung über den Tod hinaus. Der Anstoss zum Studientag sei aus einer Gesprächsgruppe der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) mit der Neuapostolischen Kirche (NAK) entstanden, sagte Claudia Haslebacher, Mitorganisatorin seitens der AGCK.CH.

Hoffnung auf ewiges Leben – eine reformierte Perspektive
Ralph Kunz, Professor für praktische Theologie an der Universität Zürich, zitierte einleitend Wittgenstein: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Die Mehrheit der Reformierten würden zur Frage der letzten Dinge, wie „ewiges Leben“, schweigen. Bei Abdankungen werde nur vage eine Jenseitshoffnung vermittelt. Hinter der reformierten Zurückhaltung stehe die Sehnsucht dessen, was man nicht sehe. „Unsere Existenz mündet im Sein vor Gott“, so Kunz.

Bei der Frage nach ewigem Leben verwies Ralph Kurz auf Kurt Marti, reformierter Pfarrer und Schriftsteller, der gefragt habe: „Ist der Wunsch, ewig zu leben, nicht ohnehin der menschliche Urfrevel (1. Mose 3,5), so sein zu wollen wie Gott, der allein Ewige?“ Ewigkeit als unendlich ausgedehnte Zeit, könne nur als langweilig vorgestellt werden, so Kunz. Das habe nichts mit Hoffnung zu tun. Leben nach dem Tod zu definieren sei nicht möglich. Es gebe kein Denken oder Wissen für diesen Bereich: „Es gibt nur ein Glaubenswissen“, so Kunz. Deshalb heisse es im Apostolikum auch nicht „Ich weiss...“, sondern „ich glaube...“

Es gehe beim ewigen Leben nicht um eine Endlosschlaufe, sondern um einen Bund, um die Verbindung von Gott und Mensch. „Wir werden nicht zu unsterblichen Göttern“, sagte Kunz, aber wir werden in Ewigkeit mit ihm verbunden sein. In der christlichen Auferstehung gehe es um Gemeinschaft mit Gott.

Kunz schloss seine Ausführungen mit einem Text von Jochen Klepper, deutscher Theologe und Dichter, der 1937 gegen das „tausendjährigen Reich“ gedichtet habe: „Der du allein der Ewge heisst / und Anfang und Ende und Mitte weisst / im Fluge unsrer Zeiten: / bleib du uns gnädig zugewandt / und führe uns an deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.

Eine neuapostolische Perspektive
Reinhard Kiefer, Literaturwissenschaftler und Leiter der Theologischen Dienste der NAK International, erläuterte, dass das Entschlafenenwesen in der Neuapostolischen Kirche alles umfasse, was mit Verstorbenen zu tun habe. „Unsterblichkeit der Seelen ist Glaube der NAK“, führte Kiefer aus.

Der neuapostolische Glaube gehe nicht davon aus, dass mit dem Tod bereits alles entschieden sei. Die Taufe und Versiegelungen für Verstorbene seien von Apostel Schwarz gegen Ende des 19. Jh. eingeführt worden. Anstoss sei ein seelsorgerliches Handeln in einer tragischen Familiensituation gewesen, als ein Kind ungetauft verstorben sei. Das Wesen der sogenannte Vikariatstaufe für Verstorbene sei Stellvertretung. Später sei auch das Abendmahl für Verstorbene zugänglich gemacht worden.

Kiefer zeigte Verständnis dafür, dass es für viele andere Christen unverständlich sei, dass nach neuapostolischem Glauben auch Verstorbene Zugang zu den Sakramenten hätten. Die sakramentale Hinwendung zu den Entschlafenen dürfe aber nicht als Spiritismus verstanden werden, so Kiefer. Den Zustand der Toten umschrieb er so, dass die Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz zwar mit dem Tod beendet sei, die Personalität der Toten stehe aber in unauflösbarer Kontinuität zu ihrem Leben.

Eine freikirchliche Perspektive
Die Sicht der Freikirchen wurde von Stefan Schweyer, Assistenzprofessor für Praktische Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel), dargestellt. Schweyer ist Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG). Theologische Basis freikirchlicher Christen für die Sicht bzw. den Umgang mit den letzten Dingen sei die Bibel. Ausdruck finde dies im Weiteren im Apostolischen Glaubensbekenntnis, der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz sowie in der Lausanner Verpflichtung.

Nach freikirchlichem Verständnis gebe es „ein Leben nach dem Tod in einem doppelten Ausgang: der ewigen Trennung von Gott oder der ewigen Gemeinschaft mit ihm“. Für die ewige Zukunft sei der Glaube an Gott vor dem Tod entscheidend. Wer an Jesus Christus glaube, könne damit auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben haben. Dieser Glaube finde seinen „stärksten Ausdruck in der Umkehr bzw. Bekehrung und einer auf Gottes Willens ausgerichtete Lebensführung“, so Schweyer. Die Auferstehung zum ewigen Leben beginne mit der Bekehrung, mitten im Leben, wenn sich der Mensch von Gottes Wirklichkeit erfassen lasse. Die eigentliche Auferstehung finde bei der Wiederkunft Christi statt.

Da freikirchlich orientierte Christen intensive Sozialkontakte pflegten, nähmen an Abdankungsgottesdiensten meist viele Mitchristen teil. Dabei werde das Leben, aber auch der Glaube des Verstorbenen gewürdigt und oft auch dessen Auferstehungshoffnung. Die Hoffnung auf ewiges Leben werde dabei „explizit verbalisiert“, sagte Schweyer. Es gebe aber keine Gebete für Verstorbene bei freikirchlichen Abdankungen.

Eine römisch-katholische Perspektive
Die römisch-katholische Sicht bezüglich Tod und ewigem Leben wurde von der Theologin und Spitalseelsorgerin in Lausanne, Annette Mayer-Gebhardt, dargestellt. Sie verteilte dazu einen Auszug aus dem Katechismus der römisch-katholischen Kirche. Demnach glauben römisch-katholische Christen an die Auferstehung der Toten, an ein ewiges Leben mit Gott, aber auch an eine abschliessende Läuterung, im Purgatorium [Fegefeuer] (1031). Bezüglich der Ablässe wird ausgeführt, dies sei ein „Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der Christusgläubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet“ (1471).

In weiteren Artikeln sind Ausführungen über Sündenstrafen enthalten. Demnach muss jede Sünde geläutert werden, was während dem Leben oder auch „nach dem Tod im sogenannten Purgatorium [Läuterungszustand]“ geschehen könne (1472). Verstorbenen Gläubigen, „die sich auf dem Läuterungsweg befinden“ könnten lebende Gläubige dadurch zur Hilfe kommen, „dass wir Ablässe für sie erlangen“ (1479). Nach römisch-katholischer Lehre erlässt Gott Sündenstrafen durch die Kirche.

Eine orthodoxe Perspektive
Die orthodoxe Position wurde von Augustin Sokolovsi, Theologe und Priester der Russisch-Orthodoxen Kirche dargestellt. Im Westen werde vieles bezüglich des christlichen Glaubens uminterpretiert. Orthodoxe Christen hätten kaum Probleme mit der Vorstellung einer körperlichen Auferstehung.

Organisatoren
Organisatoren der Tagung waren Claudia Haslebacher, Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH), Andreas Grossglauser, Neuapostolische Kirche in der Schweiz (NAK) sowie von Barabara Hallensleben, Professorin der Dogmatik und Theologie der Ökumene, Institut für Ökumenische Studien der Universität Fribourg.

Eine adventistische Perspektive
Adventisten verstehen den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist, der nur in dieser Ganzheitlichkeit existiert. Sie glauben nicht an eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod weiterlebt. Ihr Verständnis des Menschen im Tod kann mit „Seelenschlaf“, einer Bezeichnung, die von anderen Christen verwendet wird, dargestellt werden. Adventisten glauben an die körperliche Auferstehung des Menschen bei der realen Wiederkunft Christi. Sie glauben auch an einen doppelten Ausgang nach dem Tod, sei es in Form eines ewigen Lebens mit Gott, oder der Nichtexistenz, „ewiger Tod“. Adventisten glauben nicht an ein immerwährendes Leben in der Hölle.

Detaillierte Informationen zum adventistischen Verständnis bezüglich Tod und ewiges Leben sind in den 28 Glaubensüberzeugungen ausgeführt:
25. Die Wiederkunft Christi:
www.adventisten.ch/adventisten/ueber-gott-glauben/28-glaubensueberzeugungen/25-die-wiederkunft-christi/
26. Tod und Auferstehung:
www.adventisten.ch/adventisten/ueber-gott-glauben/28-glaubensueberzeugungen/26-tod-und-auferstehung/
27. Das Millennium und das Ende der Sünde:
www.adventisten.ch/adventisten/ueber-gott-glauben/28-glaubensueberzeugungen/27-das-millenium-und-das-ende-der-suende/

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Adventistischer Weltkirchenleiter feiert Reformationsjubiläum in Russland

Moskau/Russland | 26.11.2017 | APD | Ökumene

Am 31. Oktober fand in Moskau, im Paschkow-Haus, einem Kultur- und Ausstellungskomplex, gegenüber dem Borowizki-Tor des Kremls, die 500-Jahrfeier der Reformation statt. An der Festveranstaltung nahmen rund 200 Vertreter diverser Kirchen und Religionsgemeinschaften, staatlicher Behörden sowie politisch Amtsträger teil, darunter auch Pastor Ted Wilson, adventistischer Weltkirchenleiter. Die Feier sei massgeblich von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland organisiert worden, berichteten Blagovest-Info und Adventist News Network (ANN).

In seiner kurzen Ansprache habe sich Ted Wilson im Namen seiner Kirche dankbar gezeigt für die reformatorischen Prinzipien: allein die Bibel, Erlösung allein durch Jesus Christus und allein durch Gnade sowie Gott allein die Ehre, schreibt ANN. Er habe auch der Regierung Russlands für den Schutz der Religionsfreiheit in einem Teil der Welt gedankt, in dem es für Protestanten nicht immer einfach sei, das Evangelium weiterzugeben.

Wilson sei laut ANN einer von 15 Rednern am Anlass gewesen, darunter auch Sergei Kirijenko, stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung, der Grüsse von Präsident Putin überbracht habe. Die Reformation habe „einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Weltkultur, Wissenschaft und Bildung gehabt. Sie hat die wirtschaftliche und rechtliche Struktur von Staaten und Gesellschaften radikal verändert". Kirijenko habe auch versichert, dass „die Regierung der Russischen Föderation, die Protestanten als integralen Bestandteil der traditionellen Religionsgemeinschaften versteht“, und vor allem ihre Qualitäten zu schätzen wisse, wie „Fleiss, Patriotismus und moralisches Verhalten, schreibt Blagovest-Info.

Weitere Redner waren Dietrich Brauer, Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der laut Blagovest-Info daran erinnerte, dass Luther mit seinen 95 Thesen Missbräuche in der Kirche kritisiert habe, aber keine neue Kirche gründen, sondern die bestehende reformieren wollte. Brauer habe auch die fruchtbare Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Konfessionen gewürdigt. Rüdiger von Fritsch, Botschafter von Deutschland in Russland, habe in seiner Rede die Bedeutung der Reformation für die deutsche und die Weltkultur betont.

Volokolamsky Ilarion, Vorsitzender der Abteilung für kirchliche Aussenbeziehungen (DECR) des Moskauer Patriarchats habe den Protestanten im Namen des Patriarchen Kyrill I. gratuliert. Kyrill I. ist der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Der Erzbischof Celestino Migliore, Apostolischer Nuntius in der Russischen Föderation, habe laut Blagovest-Info über die Einheit der Christen gesprochen. Er sei stolz, dass Papst Franziskus an den Feierlichkeiten anlässlich des Jahrestages der Reformation teilgenommen habe. Der Vatikan-Diplomat habe zwei Hauptthemen der protestantischen Theologie betont, die wichtig seien, dass sie von Christen anderer Konfessionen verstanden würden: die Religionsfreiheit und die Zentralität des Wortes Gottes.

Laut Blagovest-Info sprachen weitere Vertreter des Staats sowie christlicher Kirchen, darunter von der Armenisch Apostolischen Kirche; der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten sowie von den Pfingstgemeinden.

Die Feier ist musikalisch umrahmt worden vom staatlichen Akademischen Chor der Moskauer Region, dem Chor der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und dem Kammerorchester „Instrumental Capella“, die Werke von Bach, Mendelssohn, Bortnjanski sowie einen Teil des Oratoriums der „Matthäuspassion“ spielten.

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Immer noch Probleme für Kriegsdienstverweigerer in Europa

Bonn/Deutschland | 26.11.2017 | APD | Menschenrechte

In bestimmten Ländern Europas verschlechtere sich die Situation von Kriegsdienstverweigerern stellte die im zyprischen Nikosia tagende Mitgliederversammlung des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO) fest. Als EBCO-Präsident wurde Friedhelm Schneider für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt. EBCO mit Sitz in Brüssel ist eine Nichtregierungsorganisation mit Mitgliedsverbänden aus 20 europäischen Ländern.

Schneider, der erstmals 2011 als Präsident gewählt wurde, war langjähriger Leiter der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz. Der Theologe vertritt die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) bei EBCO. Die EAK ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für jene, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung (KDV) und Friedensarbeit zuständig sind.

Keine Kriegsdienstverweigerung in der Türkei
Die Mitgliederversammlung beklagte in Nikosia die zunehmende Verschlechterung der Situation von Kriegsdienstverweigerern in bestimmten europäischen Ländern, so in der Ukraine oder Litauen, wo die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde. Auch in weiteren Staaten werde die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert, die beispielsweise in Schweden und Kroatien zunächst nur für Freiwillige umgesetzt wird. Über massive Abschreckungsmassnahmen im Zivildienst gebe es derzeit in der Schweiz Beratungen. In Russland seien die Zeugen Jehovas, die bisher den grössten Teil der zu einem alternativen Zivildienst zugelassenen Personen im Land ausmachten, als subversive Organisation verboten worden, kritisierte Derek Brett, der Herausgeber des jährlichen EBCO-Jahresberichts über die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen in Europa. Zudem habe die Türkei, obwohl Mitglied des Europarates, weder die Möglichkeit einer Kriegsdienstverweigerung anerkannt noch sich verpflichtet, einen alternativen Zivildienst einzurichten, so Brett.

Mehr Geld für Bildung statt für Militär gefordert
Die EBCO-Delegierte beim Europäischen Jugendforum, Martina Lanza, forderte junge Menschen in Europa auf, sich gegen die Wehrpflicht zusammenzuschliessen und von ihren Regierungen mehr Investitionen in Bildung, Forschung, Soziales und Kultur statt in Wehrpflicht und Militär zu fordern. Sie kritisierte, dass noch in 17 Staaten des Europarates die Wehrpflicht bestehe, ebenso auch in international nicht anerkannten Gebieten Europas, etwa in Nordzypern.

Über EBCO
EBCO wurde 1979 in Brüssel als Dachverband für nationale Verbände von Kriegsdienstverweigerern in Europa gegründet, um das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen gegen die Vorbereitung und Teilnahme an Kriegen und militärischen Aktivitäten als Menschenrecht zu fördern. EBCO hat seit 1998 einen Beteiligungsstatus beim Europarat und ist seit 2005 Mitglied der Konferenz der internationalen Nichtregierungsorganisationen. Jährlich veröffentlicht EBCO einen Jahresbericht zur Situation der Kriegsdienstverweigerung in Europa. Es ist die umfassendste Dokumentation zu diesem Thema. Weitere Informationen zu EBCO unter: www.ebco-beoc.org

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Kasachstan: Adventistischer Pastor angeklagt aber nicht verurteilt

Oslo/Norwegen | 26.11.2017 | APD | Religionsfreiheit

Der adventistische Pastor Bondarenko, in Astana, Hauptstadt von Kasachstan, wurde von Almazbek Mambetov, Chefjurist des regionalen Departements für Religiöse Angelegenheiten (DRA), aufgrund einer Anzeige angeklagt, einem Minderjährigen die Teilnahme am Gottesdienst erlaubt zu haben. Der Sohn hatte gemeinsam mit seinem Vater, Marat Abzhanov, der kein Adventist ist, gegen den Willen der Mutter, ein einziges Mal am adventistischen Gottesdienst in Astana teilgenommen. Der adventistische Pastor wusste nichts von den Einwänden der Mutter. Richter Nurzhan Kayirbek habe die Klage gegen Pastor Bondarenko am 18. Oktober „wegen Abwesenheit einer administrativen Verfehlung“ abgewiesen, berichtete Forum 18, christliche Menschenrechtsorganisation aus Norwegen, die vor allem im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion tätig ist.

Gegenüber Forum 18 gab Almazbek Mambetov, Chefjurist des regionalen Departements für Religiöse Angelegenheiten (DRA) an, er habe den Fall nicht auf eigene Initiative eröffnet, sondern weil eine Beschwerde vorgelegen habe. Auf die Frage, weshalb er den Fall dennoch eröffnet habe, obwohl er gewusst habe, dass der Pastor nichts von den Einwänden der Mutter gewusst habe, antwortete Mambetov: „Meine Pflicht war es, die Angelegenheit vor Gericht zu bringen.“ Mambetov ergänzte, dass die Hauptaufgabe von DRAs darin bestehe, dafür zu sorgen, dass Religionsgemeinschaften gesetzeskonform arbeiten und ein friedliches Zusammenleben im Rahmen des Religionsabkommens in Kasachstan gewährleistet bleibe.

Die Teilnahme von Minderjährigen an Gottesdiensten von „ausländischen“ Religionsgemeinschaften gegen den Willen eines der Eltern oder deren gesetzlichen Vertreter, wird in Kasachstan mit 50 durchschnittlichen Monatsgehältern (MFI) bestraft, so Forum 18.

Adventisten in Kasachstan
Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten (adventist.su/) wurde 1917 in Kasachstan gegründet. Erste Gruppen von Adventisten sind laut der kasachischen Kirchenleitung bereits 1902 entstanden. Heute feiern im Land mit 18 Millionen Einwohnern rund 2.600 Adventisten in 42 Kirchen jeweils samstags den Gottesdienst. Die adventistische Kirchenmitgliedschaft schrumpft in Kasachstan mit 70 Prozent Muslimen und 26 Prozent Christen (Wikipedia).

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Religiöse Konflikte als Fluchtursache unterschätzt

Berlin/Deutschland | 26.11.2017 | APD | Religionsfreiheit

Eine der wichtigsten Ursachen für Elend und Flucht von Millionen Menschen wird nach Überzeugung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) weitgehend ausgeblendet. Sowohl religiöser Extremismus als auch tiefliegende Spannungen zwischen Religionsgruppen verursachen oder verschärfen weltweit Diskriminierung, Gewalt und zum Teil schwerste Menschenrechtsverletzungen an Minderheiten. Eine Verringerung solcher Spannungen sei möglich, betont Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. Ein wichtiger Beitrag Deutschlands zur Überwindung dieser Fluchtursachen sei die Berufung und das Wirken eines Beauftragten für Religionsfreiheit durch die Bundesregierung

Die Vorstellung der Jahrbücher „Religionsfreiheit 2017“ und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2017“ am 8. November nutzte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) als Anlass, von der deutschen Bunderegierung einen Beauftragten für Religionsfreiheit zu fordern. In den beiden vorgestellten Büchern ist eine Vielzahl von Beiträgen zu verschiedenen Ländern und Konflikten enthalten, aber auch zu Möglichkeiten, Probleme zu überwinden.

Zusammenarbeit von Deutschland, Österreich und der Schweiz
Beide Jahrbücher werden von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, dem Internationalen Institut für Religionsfreiheit und den Arbeitskreisen zur Religionsfreiheit der drei deutschsprachigen Allianzen, der Deutschen Evangelischen Allianz, der Schweizerischen Evangelischen Allianz und der Österreichischen Evangelischen Allianz herausgegeben.

Die Opfer gehören verschiedenen Religionen an
Das Jahrbuch Religionsfreiheit spiegele die Vielfalt und Bedrohung durch religiös motivierte oder staatlich initiierte Verfolgung und Diskriminierung wider, so die IGFM. Federführend bei der Herausgabe der beiden Bücher ist der Ethiker Prof. Thomas Schirrmacher, der selbst jahrelange praktische Erfahrung im interreligiösen Dialog hat und als Präsident des Internationalen Rates der IGFM fast alle beschriebenen Länder aus eigener Erfahrung kennt.

Laut der Menschenrechtsorganisation werden weltweit Millionen Menschen auf Grund ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt oder sogar getötet. Die Situation sei vor allem für Minderheiten in vielen Ländern dramatisch schlecht. Opfer seien Menschen aus unterschiedlichen Religionen. Demnach sind Täter einerseits politisch Mächtige in Diktaturen wie z.B. Nordkorea, China und Vietnam. Andererseits verfolgen religiöse Fanatiker wie Islamisten, Hindu-Extremisten oder auch militante Buddhisten religiöse Minderheiten.

Zu den bekanntesten Opfergruppen zählten z.B. orientalische und afrikanische Christen, Jesiden, Baha’i, muslimische Rohingya, Sufis und Ahmadiyya-Muslime, schreibt IGFM. Weitere Beispiele für religiös motivierte Menschenrechtsverletzungen seien die blutigen Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten im Irak und in Syrien. Dennoch gebe es Grund zur Hoffnung, wenn es gelinge, die moderaten Kräfte zu unterstützen, betont die IGFM.

Kostenloser Download beider Bücher:
Jahrbuch Religionsfreiheit 2017
50068.seu1.cleverreach.com/c/23929486/381cf747181a-oz3j1k

Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2017
50068.seu1.cleverreach.com/c/23929488/381cf747181a-oz3j1k

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Kongress „Christenverfolgung heute“

Schwäbisch Gmünd/Deutschland | 26.11.2017 | APD | Religionsfreiheit

Mit einem Gottesdienst ist der Kongress „Christenverfolgung heute“ vom 12. bis 15. November in Schwäbisch Gmünd zu Ende gegangen. In Zusammenarbeit mit 30 Kooperationspartnern und rund 50 Referenten aus verschiedenen Ländern wollten die Veranstalter auf die Herausforderungen der Christenverfolgung für die Öffentlichkeit und die Kirchengemeinden vor Ort aufmerksam machen.

In seiner Predigt im Rahmen des Abschlussgottesdienstes sprach Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Bischof der Nordkirche im Sprengel Mecklenburg und Pommern, über einen Bibeltext aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 5, Verse 5 bis 11. Dieser Text erwähnt unter anderem die Leiderfahrung von Christen. Abromeit zog einen Vergleich mit der Verfolgungssituation von Christen im Nahen Osten. Der Bischof thematisierte die Bereitschaft von Christen, Leid auf sich zu nehmen, zeigte aber auch auf, dass Christen aufgerufen seien, ihre Sorgen bei Gott abzugeben. Auch wenn wir im Alltag am Guten zweifelten, komme letztlich doch der gute Wille Gottes zur Vollendung: „Gott macht an vielen Orten auf dem Erdball seine Geschichte. Noch nie ist die Kirche Jesu Christi mehr gewachsten als in unseren Tagen.“

Inhalte und Resolution
Die insgesamt über 500 Teilnehmenden des Kongresses konnten in den Tagen vom 12. bis 15. November Berichte aus der weltweiten Christenheit hören, Begegnungen erleben sowie an rund 20 thematischen Foren teilnehmen. Inhaltlich ging es beispielsweise um „Nationalistische Bewegungen in Asien und ihre Bedeutung für die Religionsfreiheit“, um „Kirchen in der Türkei“ sowie um „Christliches Zeugnis unter Muslimen in Ostafrika“. Die Schirmherrschaft für den Kongress übernahm der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder. Der nächste Kongress „Christenverfolgung heute“ ist für den 10. bis 13. November 2019 geplant.

Im Rahmen des Kongresses wurde auch eine Resolution vorgestellt, die sich mit den Themenfeldern „IS Kämpfer auf deutschem Staatsgebiet“, „Christen im Nahen Osten eine Rückkehrperspektive bieten“, „Forderung eines Beauftragten zur Religionsfreiheit“, „Regelmässiger Bericht zur Religionsfreiheit nötig“ sowie „Asylsuchende Christen in Deutschland – Abschiebungen und Übergriffe“ befasst. Die Resolution soll an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages versandt werden.

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Somalia: Nothilfe von Glückskette und ADRA für 3.600 Hungernde

Zürich/Schweiz | 26.11.2017 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Laut der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz erlebt Somalia zurzeit die schlimmste Dürre seit 42 Jahren. Ende Februar hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Chronische Armut, Aufstände, Sicherheitsprobleme und im Land vertriebene Familien verschlimmern die Situation. Weil der saisonale Regen am Jahresanfang komplett ausgefallen ist, haben 6,2 Millionen Menschen in Somalia zu wenig zu essen und zu trinken. Die Glückskette und ADRA Schweiz versorgen 600 Familien oder 3.600 Personen bis Ende Jahr mit dem Notwendigsten.

Durch die Dürre sei viel Vieh, das Kapital der Bauern, verendet, schreibt das Hilfswerk. Die Situation sei vielerorts so verzweifelt, dass die Familien auf dem Land ihre Betriebe aufgegeben und sich in die Agglomeration der Städte begeben haben. Dort erhofften sie sich Hilfe von Verwandten oder von der internationalen Gemeinschaft. Die Regionen Nugal und Sool liegen beide in Puntland, einem autonomen Teilstaat im Nordosten Somalias. Auch da ist laut ADRA die Situation verzweifelt: Über 50 Prozent der Bevölkerung, ungefähr 2,1 Millionen Menschen, brauchten Unterstützung, damit sie nicht verhungerten.

Projekt
Bis Ende 2017 sollen dort 600 Haushalte Gutscheine erhalten, damit sie sich Wasser, Nahrungsmittel und weitere Utensilien kaufen können. Gemessen an den durchschnittlichen Lebenshaltungskosten könnten damit ungefähr 50 bis 70 Prozent der monatlichen Ausgaben abgedeckt werden, so ADRA Schweiz. Die Menschen seien sich gewohnt, mit weniger Wasser auszukommen, als empfohlen. Auch teilten sie die erhaltene Hilfe oft mit Nachbarn und Freunden. Daher gehen die Projektverantwortlichen davon aus, dass vom Wasser schlussendlich viel mehr Familien profitieren werden, als geplant.

Der Wert der Nahrungsmittelgutscheine sei so berechnet, dass sich die Begünstigten die wichtigsten Grundnahrungsmittel wie Reis, Pasta, Fleisch, Fisch, Zucker, Öl, Salz sowie Holz und allenfalls benötigte Kochutensilien kaufen könnten. Die Familien entschieden selber, was Priorität habe.

Projekt wird mit Hilfe von Mobiltelefonen umgesetzt
Bei der Registrierung müssen die Familien eine Telefonnummer angeben. Auf die Mobiltelefone könne ADRA Somalia, Partnerhilfswerk vor Ort, das Guthaben monatlich leicht überwiesen. Über die Telefonnummern könne das Projektteam auch einfach nachfragen, ob das Geld angekommen und ob alles in Ordnung sei.

Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und anderen Hilfswerken
ADRA arbeite mit den lokalen Behörden und den Dorfbewohnern zusammen. Diese würden Familien vorschlagen, welche besonders bedürftig seien. Durch die Koordination mit anderen Hilfswerken werde sichergestellt, dass Familien nicht doppelt profitierten.

Die Gesamtkosten des Nothilfeprojekts betragen über 242.000 Franken, wovon die Glückskette 194.000 und ADRA Schweiz 48.000 Franken finanzieren. Partnerorganisation vor Ort: ADRA Somalia www.adrasom.org/en/

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ADRA bereitet Hilfe für Erdbebenopfer im Grenzgebiet Irak/Iran vor

Silver Spring, Maryland/USA | 26.11.2017 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA hat Mitarbeiter in die vom Erdbeben betroffenen Regionen der südlichen Kurdengebiete gesandt, teilte die nordamerikanische Kirchenzeischrift Adventist Review (AR) mit. Am Abend des 12. November hatte ein Erdbeben der Stärke 7,3 das Grenzgebiet zwischen Irak und Iran getroffen. Nach Medieninformationen lag der Mittelpunkt des Bebens in der westiranischen Provinz Kermanschah - dabei wurden mehr als 400 Menschen getötet und rund 7.900 verletzt.

Das Erdbeben sei das mit den meisten Todesopfern in diesem Jahr gewesen und sei sogar in der Türkei und in Pakistan zu spüren gewesen. Nach Regierungsangaben seien etwa 500 Dörfer betroffen. Hilfsmassnahmen könnten Monate in Anspruch nehmen. Die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA würde die Situation vom Regionalbüro in Beirut/Libanon aus beobachten, so AR. ADRA Kurdistan habe vier Mitarbeiter nach Sulaimaniyya/Irak entsendet. Sie sollen sich dort mit Regierungsvertretern und anderen Hilfsorganisationen treffen, um abzuklären, welche Hilfe ADRA leisten könne.

ADRA Kurdistan wurde 2015 gegründet und ist vor allem in den Bereichen Bildung, Entwicklungszusammenarbeit, Ernährungssicherheit und Gesundheit tätig: www.adramena.org/

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25 Jahre Hilfswerk ADRA Österreich

Wien/Österreich | 26.11.2017 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Am 20. Oktober 1992 wurde die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich gegründet. Das Hilfswerk der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten konnte dieses Jahr den 25. Geburtstag feiern.

Von Anfang an in Österreich sozial tätig
Schon seit der Gründung der Kirche 1903 in der Donaumonarchie seien die dortigen Adventisten sozial tätig gewesen, berichtete der Geschäftsführer von ADRA Österreich, Marcel Wagner. 1907 wäre dazu eine „zentrale Armenkasse“ eingerichtet worden. Erste Fotos des sozialen Engagements der adventistischen Gemeinden in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg gebe es aus dem Jahr 1946. Die „Liebesgabensendungen“ von Adventisten aus den USA seien in der Nachkriegszeit von den österreichischen Kirchengemeinden besonders mit Waisenkindern und kinderreichen Familien geteilt worden. Bilder aus dem Hotel „Cobenzl“ in Wien zeigten Weihnachtsbeschenkungen mit bis zu 600 Kindern. 1956 hätten sich die Adventisten für ungarische Flüchtlinge eingesetzt und in den kommenden Jahren wären Kleiderkammern in verschiedenen Städten entstanden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe der Schwerpunkt der Arbeit in den 1990er Jahren auf der Osteuropahilfe gelegen. Zahlreiche Hilfstransporte seien durchgeführt worden und Jugendliche reisten zweimal nach Rumänien, wo sie bei der Renovierung eines Waisenheims mithalfen.

Hilfe in der ganzen Welt
Um bedürftigen Menschen auf der ganzen Welt zu helfen, sei laut Wagner 1992 ADRA Österreich gegründet worden. Erste Projekte hätten in Äthiopien und Mauretanien realisiert werden können. Ein Schwerpunkt sei auch die Roma-Siedlung in Kjustendil/Bulgarien gewesen. Seit 2002 trage ADRA Österreich das Spendengütesiegel. Das Hilfswerk ist Mitglied von Globale Verantwortung, der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe und erhält Förderungen verschiedener österreichischer Bundesländer, der Austrian Development Agency (ADA) und der Europäischen Union.

Durch den Bau von Brunnen und medizinische Betreuung habe ADRA mehrere Jahre die afro-indische Bevölkerung in Karnataka/Indien unterstützt. Nach dem Tsunami in Südostasien 2005 hätte sich ADRA dank grosszügiger Spenden und öffentlicher Förderungen für die betroffenen Menschen in Sri Lanka einsetzen und den Wiederaufbau unterstützen können.

Nepal: Männer können wieder zu Hause für ihre Familien sorgen
2014 habe ADRA Österreich erstmals eine Förderung durch die Europäische Union erhalten und entwickelte in den folgenden drei Jahren Marktsysteme und die Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit 16.000 Kleinbauern in Nepal. „Das Projekt war ein grosser Erfolg, denn heute können viele Männer, die im Ausland arbeiteten, wieder an der Seite ihrer Familien in den Bergen Nepals ein Einkommen verdienen“, stellte Marcel Wagner fest.

Mit der Flüchtlingsbewegung, die 2014 auch Österreich erreichte, hätte die soziale Arbeit der adventistischen Gemeinden einen neuen Schwerpunkt erhalten. Dank des grossen Einsatzes Freiwilliger „wurden die Adventgemeinden zu Anlaufstellen für geflüchtete Familien“.
Weitere Informationen zur Arbeit von ADRA Österreich im Internet unter: www.adra.at

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ADRA Europa mit 29 Büros in 32 Ländern

Brüssel/Belgien | 26.11.2017 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Europa, eine Einrichtung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, umfasst als Netzwerk 29 Büros in 32 europäischen Ländern. In ihnen arbeiten 225 hauptamtliche Kräfte. Über 11.000 Freiwillige unterstützen europäische und weltweite Projekte des Hilfswerks.

Koordinationsbüro in Brüssel
Noch vor zwei Jahren hätten die einzelnen ADRA-Länderbüros nur lose zusammengearbeitet, berichtete Victor Hulbert, Kommunikationsdirektor der Transeuropäischen Kirchenleitung der Adventisten für Nord- und Südosteuropa (TED). Für die Koordination der Büros seien bisher der ADRA-Direktor der TED mit Sitz in St. Albans nördlich von London und sein ADRA-Kollege in der Intereuropäischen Kirchenleitung der Adventisten für West- und Südeuropa (EUD) in Bern zuständig gewesen. Jetzt gebe es ein gemeinsames Netzwerk in Brüssel, dem Hauptsitz der Europäischen Union. So könnten von der EU mitfinanzierte Projekte der einzelnen Länderbüros besser koordiniert werden. Geleitet werde das ADRA Europa Büro von Joᾶo Martins, bisher ADRA-Direktor in Portugal. Programmdirektor sei Thomas Petracek, der vor kurzen noch für ADRA Deutschland gearbeitet habe. Jackie Mubedi Ngalula wirke als Büroassistentin.

Einkommensförderung, Gesundheit, Bildung
Laut Hulbert würden die europäischen ADRA-Büros jährlich 39,2 Millionen Euro (45,4 Millionen Franken) für Einkommensförderung und wirtschaftliche Entwicklung aufwenden. Zudem seien sie gegenwärtig mit acht Gesundheits- und Trinkwasserprojekten, neun Bildungsprogrammen und einem Umweltprojekt befasst. Zusammen mit Partnern versuchten sie die Lebensbedingungen unter anderem im Sudan, in Mali, Ruanda, Nepal und Vietnam zu verbessern. In Gokwe, einem ländlichen Gebiet in Simbabwe, sei die Müttersterblichkeit noch immer sehr hoch. Deshalb führe ADRA Grossbritannien ein 36 Monate dauerndes Programm durch, um schwangeren Frauen mit Gerätschaften und Aufklärung sowie mit Fort- und Ausbildungsmassnahmen für medizinische Kräfte langfristig zu helfen. 14 ADRA-Büros würden jährlich insgesamt 13,6 Millionen Euro (15,7 Millionen Franken) für Bedürftige, gesellschaftliche Probleme, Flüchtlinge und Gesundheitsvorsorge ausgeben. So gebe es beispielsweise in der Nähe des Belgrader Stadtzentrums eine Anlaufstelle für Flüchtlinge, Angehörige der Roma und bedürftige Serben.

Deutschsprachige ADRA-Organisationen
ADRA Deutschland hat laut eigenen Angaben seit Gründung im Jahr 1987 in über 40 Ländern mehr als 3.000 Projekte durchgeführt. Derzeit ist das Hilfswerk in 76 verschiedenen Projekten weltweit tätig. So beteilige sich ADRA Deutschland auch an der Nothilfe für muslimische Rohingya, die aus dem vorwiegend buddhistischen Myanmar nach Bangladesch geflohen sind. ADRA unterstütze Geflüchtete in zwei Flüchtlingslagern, um die Grundbedürfnisse nach Schutz, Nahrung und sauberem Trinkwasser zu stillen und versorge Betroffene mit Schlafmatten, Plastikplanen, Hygieneartikel, Moskitonetzen, Kleidung und Grundausstattung zum Kochen für die Familien. Bereits seit Jahren engagiere sich ADRA Deutschland mit finanzieller Förderung durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik auch im Jemen. Im Regierungsbezirk Hudaidah sei ADRA mit zwei mobilen medizinischen Einheiten tätig.

ADRA Österreich feierte kürzlich das 25-jährige Jubiläum. Als neues Projekt möchte sich das Hilfswerk zusammen mit ADRA Uganda der „Batwa“, einem Pygmäenstamm, annehmen. Dabei soll ein „lebendiges Museum“ aufgebaut werden. Um die Geschichte des Volkes weiterzutragen, sei vorgesehen, durch Organisation, Training und dem Aufbau eines Veranstaltungsortes mit Tanz, Musik und Theater ausländische und lokale Touristen, aber auch Schulklassen und Studenten, für die Kultur der Batwa zu interessieren. So sollen die Pygmäen in der Lage sein, ihr Geld zu verdienen, ohne dabei ausgebeutet zu werden. Von den Einnahmen des lebendigen Museums werde ein Fonds angelegt, der den Schulbesuch von Batwa-Kindern finanziell unterstütze. Auch ein Alphabetisierungstraining für Erwachsene sei vorgesehen, um Lese-, Schreib- und unternehmerische Kenntnisse zu fördern. Die im Museum involvierten Batwa würden zusätzlich Englischkenntnisse erwerben, um mit den Touristen kommunizieren zu können. Eine „Schaf-Bank“ und Hilfestellung für die eigene Lebensmittelversorgung ergänzten das Vorhaben für die Batwa. Die Stadt Wien unterstütze diese ADRA-Arbeit finanziell.

ADRA Schweiz möchte in Zusammenarbeit mit ADRA Somalia die Kindersterblichkeit in dem ostafrikanischen Land senken. Deshalb sollen mehr Menschen in Unter-Juba, einer Küstenregion im Süden Somalias an der Grenze zu Kenia, Zugang zu genügend sauberem Wasser erhalten. Bei dem auf zwei Jahre angelegten Projekt gelte es, bestehende Wasserversorgungssysteme zu verbessern. Bei kleineren Brunnen soll die Bevölkerung selber Hand anlegen. Zudem sei geplant, 50 Latrinen mit Waschmöglichkeiten zu bauen. Zehn Schulen, fünf Gesundheitszentren und fünfzehn Gemeinden sollen diese erhalten.

Alle drei deutschsprachigen ADRA-Organisationen führen auch wieder die „Aktion Kinder helfen Kindern“ durch. Seit dem Jahr2000 transportiert ADRA mit der Aktion jedes Jahr in der Weihnachtszeit tausende Geschenkpakete in osteuropäische Länder, um Kindern, denen es dort oft nicht so gut geht wie den Kindern im deutschsprachigen Europa, „ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“.

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„Making Technology Creative“ – 6. MEDIA-DAY der Adventisten

Alsbach-Hähnlein/Deutschland | 26.11.2017 | APD | Medien

Unter dem Titel „Making Technology Creative“ fand am 12. November im europäischen Medienzentrum Stimme der Hoffnung e.V. in Alsbach-Hähnlein/Deutschland der 6. MEDIA-DAY der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten statt. Der Event will Adventisten, die beruflich oder in der Freizeit mit Medien arbeiten eine Austausch- und Vernetzungsplattform bieten.

Terry Benedict, einer der Produzenten des Films „Hacksaw Ridge“, gab als Gastreferent sowohl fachliches Know-how weiter als auch Einblicke in seine Motivation als Christ, Filme zu produzieren und bei Hollywood-Filmen mitzuarbeiten. Benedict hat die Shae-Stiftung gegründet, die motivierte junge Menschen und NGOs mittels Mentoren fördert und begleitet. Er wolle ihnen helfen, ihre Story gut zu erzählen und damit den positiven Einfluss ihres Schaffens zu optimieren. www.shaefoundation.org.

Wie man einen guten Film macht
Bei den Hinweisen, wie man gute Filme produziert, sagte Benedict, dass man nicht multitasken, sondern sich auf eine Sache konzentrieren soll. Einen weiteren Aspekt formulierte er provozierend: „Truth doesn’t matter“ - es kommt nicht auf die Wahrheit an. Es gehe vielmehr darum, wie die Wahrheit erzählt bzw. weitergegeben werde. Um einen guten Film zu machen, könne man nicht wie ein Journalist agieren, der kurz auftauche und die Infos abhole, sondern man müsse sich und vor allem den Protagonisten Zeit geben und eine Beziehung aufbauen. Es gehe darum „eine Geschichte atmen lassen“. Wichtig sei auch, dass alle, die an einem Filmprojekt mitarbeiten, ihr Ego draussen lassen und bereit zur Zusammenarbeit seien.

Project Slam
Die rund 90 Teilnehmenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Berufsleute oder stehen in Ausbildung bzw. im Studium der Bereiche Film, Fernsehen, Radio, Design, Fotografie, Journalismus, Kommunikation und Internet. Im Bereich „Project Slam“ nutzten 17 von ihnen die Möglichkeit, in Beiträgen von zehn Minuten Dauer, ihre Projekte vorzustellen. Viele dieser Projekte drehten sich um die Frage, wie im Medienzeitalter die gute Nachricht von Jesus Christus säkularisierten Zeitgenossen mittels heutiger Technik vermittelt werden kann.

Das Spektrum der Project Slam-Beiträge war breit: Hilfestellung und Mentoring für Video Tutorials und Programmieren - „prototipe.me“; Videoandachten auf YouTube - „3min Videos“; „Artventist.com“ vernetzt weltweit adventistische Künstler; „TRIpastor“ verbindet sportliche Betätigung mit Werbung für den christlichen TV-Sender Hope Channel; ein Bibeltelefon-Projekt in Deutschland wurde vorgestellt; Filmmusik – „manueligler.com“; Videoclips zu 28 Glaubensüberzeugungen der Adventisten; Design, Fotografie – „momento.agency“; Filmprojekt - „twistedreality.ch“, Start im Februar 2018; Gesundheitstipps „healthyandhappy.de“; Mediendienstleister und Kameramann – „skywardproduction.de“; Kurzvideos zur Gebetswoche der Adventisten 2017 – „gebetswoche.online“. Mit dem MEDIA-DAY-Preis wurde das Lichtprojekt von Samuel Klein, von „momento.agency“, ausgezeichnet.

Hope Channel
Der deutsche christliche Fernsehsender Hope Channel ist einer von mehr als 50 Sendern der internationalen Senderfamilie Hope Channel. Er gehört zum europäischen Medienzentrum Stimme der Hoffnung e.V. der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit Sitz in Alsbach-Hähnlein.

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Facebook verliert bei Jugendlichen an Bedeutung

Stuttgart/Deutschland | 26.11.2017 | APD | Medien

94 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren in Deutschland tauschen sich regelmässig über WhatsApp aus. Auf Platz zwei der mindestens mehrmals pro Woche genutzten Kommunikationsanwendungen steht Instagram (57 Prozent), knapp dahinter liegt Snapchat mit 49 Prozent regelmässigen Nutzern. Facebook (25 Prozent) wird nur noch von einem Viertel der Jugendlichen regelmässig genutzt. Das sind erste Ergebnisse der JIM-Studie 2017 (Jugend, Information, [Multi-] Media) in Deutschland des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs), die am 30. November veröffentlicht wird.

Jugendliche auf Snapchat am aktivsten
Der Detailvergleich der Nutzer von Instagram und Snapchat zeigt, dass Jugendliche auf Snapchat deutlich aktiver sind: Zwei Drittel der Snapchat-Nutzer verschicken selbst häufig Snaps, während bei Instagram nur jeder fünfte Nutzer häufig selbst Inhalte postet. Auf beiden Plattformen sind die Zwölf- bis 19-Jährigen am häufigsten Follower von Leuten, die sie persönlich kennen. Während bei Instagram auch Accounts zu einem bestimmten Thema, von Internet-Stars oder anderen Stars und Prominenten, etwa aus der Musik- oder Sportbranche, eine Rolle spielen, steht bei Snapchat der persönliche Aspekt im Vordergrund, Snaps von Stars spielen eine untergeordnete Rolle.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte Instagram mit 57 Prozent regelmässigen Nutzern (2016: 51 Prozent) seine Position im Medienalltag der Jugendlichen leicht ausbauen, auch bei Snapchat (2017: 49 Prozent, 2016: 45 Prozent) ist der Anteil regelmässiger Nutzer unter den Jugendlichen leicht gestiegen. Bei Facebook hingegen (2017: 25 Prozent, 2016: 43 Prozent) ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

WhatsApp vorn
Bei der konkreten Frage nach den generell für sie persönlich wichtigsten Apps (bis zu drei Nennungen waren möglich) zeigt sich ein ähnliches Bild: Für neun von zehn Jugendlichen, die Apps auf dem Handy installiert haben, zählt WhatsApp (88 Prozent) zu den wichtigsten Angeboten. 39 Prozent nennen Instagram. Snapchat (34 Prozent) und YouTube (32 Prozent) zählen für je ein Drittel der Jugendlichen zu den unverzichtbaren Anwendungen auf dem Smartphone. Facebook wird nur von 13 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen genannt.

Studienreihe JIM
Die Studienreihe JIM wird in Deutschland vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Für die Erhebung wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren im Frühsommer 2017 telefonisch befragt.

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„Tell the World“: deutschsprachige TV-Premiere über Anfänge der Adventisten

Alsbach-Hähnlein/Deutschland | 26.11.2017 | APD | Medien

Am 17. und 24. November 2017 zeigte der christliche Fernsehsender Hope Channel den zweiteiligen Spielfilm „Tell the World“ (deutsch: „Sagt es der Welt“). Das Historiendrama handelt von den Anfängen der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und fusst auf einer wahren Begebenheit, teilte der Sender mit.

Der Film zeigt die ernsthafte Suche der adventistischen Pioniere nach Wahrheit, die intensiv geführten theologischen Debatten sowie die Rolle, welche der Mitgründerin der Kirche, Ellen Gould White, in der Entstehungszeit dieser evangelischen Freikirche zukam. Um die damalige Realität so getreu wie möglich abzubilden, haben adventistische Historiker das Drehbuch und die Szenen genau überprüft. Ein Teil der Szenen wurde in einem historischen Dorf in Kanada gedreht, was eine hohe Authentizität ermöglicht.

Deutschsprachige TV-Premiere - in der Schweiz über Swisscom TV plus
Der Hope Channel zeigte den Zweiteiler am Freitag, den 17. November, sowie am Freitag, den 24. November, jeweils um 20.15 Uhr. Der Spielfilm wird im Dezember zusätzlich auch als sechsteilige Serie von Samstag, den 2. Dezember, bis Donnerstag, den 7. Dezember, jeweils um 19.00 Uhr auf dem Hope Channel zu sehen sein. In der Schweiz ist der Hope Channel In auf der Senderliste von Swisscom TV plus enthalten. Film und Serienepisoden sind ab der jeweiligen TV-Ausstrahlung in der Hope Channel-Mediathek abrufbar: www.tell-the-world.eu, www.hopechannel.de.

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Jamaika: blinder Senator erhält Doktortitel

Miami, Florida/USA | 26.11.2017 | APD | Personen

Am 3. November erhielt der blinde adventistische Senator Floyd Morris einen Doktortitel im Fachbereich Philosophie von der Universität der Westindischen Inseln in Kingston/Jamaika. Dies berichtete die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Mittel-Amerika (Inter-American Division, IAD). Morris ist der zweite Blinde, welcher in der 69-jährigen Geschichte der Universität mit dem höchsten dort verliehenen akademischen Grad ausgezeichnet wurde.

„Der Erfolg, den ich bislang hatte, ist auf meinen Glauben an Gott, Familie und Freunde, sowie auf eine klare Vision zurückzuführen“, erklärte Morris. „Es ist nicht so, dass ich klüger als andere bin, aber das Blindsein zwingt mich dazu sehr fokussiert zu sein. Ich lasse mich nicht von all den Ablenkungen einholen, die die Welt zu bieten hat“. Morris Dissertation trägt den Titel: „Vermittelte politische Kommunikation im modernen Jamaika am Beispiel von Michael Manley, Edward Seaga und P. J. Patterson“ (frühere Premierminister von Jamaika). Während seiner Erstellung der Arbeit erhielt Morris beim Lesen und der Recherche Unterstützung.

Politischer Werdegang
1998 wurde Morris erstmals zum Senator gewählt. 2013 wurde er als erster Blinder Präsident des Senats von Jamaika. Morris sei in seinem Land für seinen Einsatz für Menschen mit Behinderung bekannt, so IAD News. Ihm wurde die Verabschiedung mehrerer Gesetzesvorlagen und Programme zugeschrieben, die sich positiv auf die Behindertengemeinschaft ausgewirkt haben und noch immer positiv auswirken. Auch seitens der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten wurde dem Senator 2015 Anerkennung für seinen Dienst für sein Land und seine Treue zur Kirche ausgesprochen.

Biographischer Hintergrund
Floyd Morris wurde 1969 in Bailey’s Vale im Nordosten Jamaikas als Sohn eines Feuerwehrmannes und einer Schneiderin geboren und wuchs mit sieben Geschwistern auf. Als Morris 17 Jahre alt war, liess sein Sehvermögen aufgrund von grünem Star nach, bis er 1989 vollständig erblindete. Nach diesem Trauma entschied Morris sich 1991 sein Leben neu zu gestalten. Mithilfe der Jamaikanischen Blindengesellschaft lernte er Braille. Später erlangte er akademische Grade in Kommunikationswissenschaften (Bachelor of Arts) und in Philosophie (Master of Arts). Morris ist seit 2011 verheiratet. Er ist Mitglied einer Kirchengemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten in Kingston.

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Birgit Kelle, Muttertier: Eine Ansage

| 26.11.2017 | APD | Buchrezensionen

Birgit Kelle, Muttertier: Eine Ansage, Basel: Fontis 2017, 240 Seiten, Hardcover, 20 Euro, ISBN 978-3-03848-124-9

Das zu besprechende Werk ist dezidiert kein sachliches Buch, es ist eine Streitschrift. Für die Mutter. Nein, nicht für die Mutterrolle, sondern für die biologische Mutter in persona, das „Muttertier“. Ganz pathetisch ist schon im Vorwort zu lesen: „Wir sind. Wir waren schon immer. Und wir werden auch dann noch sein, wenn die letzte kinderlose Emanzipationsbewegte sich ihr selbstdefiniertes Gender-Geschlecht auf den Grabstein hat gravieren lassen“ (S. 12). Kelle behandelt grosse Themen wie Demographie, Politik und Ideologie. Deutliche Worte, klare Ansagen, scharfe Argumentation.

„Krieg“ entbrannt
Es könnte fast wie eine neuzeitliche Verschwörungstheorie klingen. Kelles Befund: Die Nachkriegsgeneration sei vaterlos aufgewachsen, die heutige Generation werde mutterlos gross (S. 227). Schuld daran sei das moderne Frauenbild und die heutige Familienpolitik. Der Duktus des Buches ist dabei selbst eine Kampfansage an den Zeitgeist mit ausdrücklicher Kriegsmetaphorik: „Es wird Zeit, dass wir als Mütter unsere Feinde kennen und benennen“ (S. 20). Es ist vom „Geschlechterkrieg“ (S. 79) die Rede, von den „Schlachtfeldern des Lebens“ (S. 218) und dem Ruf „Frauen an die Waffen“ (S. 81).

Zum Inhalt
Die einzelnen Kapitel des Buches widmen sich mehr oder weniger ausführlich den diversen „Kriegsstrategien“ der Gegenwart: Man liest von der Zerlegung eindeutiger Weiblichkeit durch Gender-Dogmatik, von der systematischen Entkopplung von Liebe und Umsorgen sowie von früher Fremdbetreuung als Erziehungsnormalität. Dabei nehme die Diffamierung der Mutterrolle ebenso zu wie das Verschwinden der Hausfrauenrolle aus dem öffentlichen Leben. Die finanzielle Benachteiligung von Müttern durch den Staat kommt zur Sprache, sowie die Verzerrung von Forschungsergebnissen zum Thema Elternwünsche und Arbeitszeit. Stattdessen würden systematisch Mütter-Ersatz-Strukturen geschaffen und Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit pathologisiert. Offen thematisiert werden zum Schluss die Folgen der Entkopplung von biologischer Abstammung und Elternschaft sowie der unsäglichen Trennung von Liebe und Sexualität.

Ideologische Überfrachtung
Kelle kritisiert, dass das Thema Mutterschaft ideologisch überfrachtet sei, da es hier um nichts Geringeres als die Zukunft der Nation gehe (vgl. S. 42). Deswegen sei moderne Familien- und Frauenpolitik generell auch als Ausdruck von ideologisch geprägter Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zu verstehen (S. 119). Dabei scheut sich Kelle nicht, diese Ideologie auch zu benennen: „Was als moderne Familienpolitik verpackt wird, ist nichts anderes als die Urbarmachung kindlicher Seelen für die Visionen kommunistischer Gleichheitsfantasien“ (S. 138). Das kranke System werde erst kollabieren, wenn das Geld ausgehe oder die kritische Masse überschritten werde (S. 138).

Es wird herausgearbeitet, dass es im Kern um die „knallharte Durchsetzung einer politischen Ideologie“ (S. 89) geht. In Kapitel 5 „Nimm endlich teil!“ werden dazu Aussagen von prominenten Feministinnen wie Simone de Beauvoir oder Alice Schwarzer auf den Punkt gebracht. Man liest über Abwertung der Mütter zu „Milchkühen“, „Glucken“, „Rabenmüttern“ und „Bruthennen“ (S. 84) und über Diffamierung der engen Mutter-Kind-Beziehung als „Affenliebe“ (S. 88). Auch die Ikone der Frauenbewegung, Simone de Beauvoir, wird als „totalitär“ (S. 91) beschrieben. Ziel der feministischen Befreiungsbewegung sei nach Kelle letztlich die „Dekonstruktion“ des Menschen - als „Befreiung“ schöngeredet (S. 90).

Weibliche Frauen – männliche Männer
Gelebte Mutterschaft sei Widerstandskampf gegen ein verderbtes System (S. 231). „Mütter, die noch Zeit haben, sind das letzte Bollwerk gegen die Mechanismen einer effizienten Gesellschaft und den verschlingenden Zugriff eines kapitalistischen Marktes“ (S. 75). Die Autorin ist deshalb bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Meinung: Ja, aber nicht gleichzeitig, sondern hintereinander (S. 221). Nicht deutlich ausgesprochen, doch implizit zwischen den Zeilen zu lesen: Kelles eigene Biographie beweist ganz nebenbei, dass Karriere selbst bei vier Kindern nach der Erziehungsarbeit immer noch möglich ist.

Die Autorin ruft dazu auf, sich als Frauen gegenseitig stehen zu lassen. Der „ideologisch überladene Zickenalarm“ (S. 219) möge doch endlich aufhören. Verschiedene Lebenskonzepte hätten ihren eigenen Wert, jeder dürfe sein Leben (vorurteils-)frei gestalten. Keine (Haus-)Frau dürfe aufgrund ihrer Wahl von Geschlechtsgenossinnen oder gesellschaftlichen Systemen benachteiligt werden. Abschliessend werden sowohl Frau als auch Mann aufgefordert, sich der geschlechtertypischen Eigenarten als Stärke bewusst zu werden und diese konsequent auszuleben.

Die grosse Empörung
Kelles Streitschrift polarisiert. Der Leser wird sich hier nicht aufgrund einer ausgewogenen Faktenpräsentation seine eigene Meinung bilden können. Die persönliche Meinungsäusserung der Autorin ist grundsätzlich Aussage und Ansage dieses Buches. Birgit Kelles Argumentationen sind klug, werden jedoch polemisch vorgetragen. Man kann sich darüber ärgern oder ihr zustimmen. Angesprochen fühlen dürfen sich dabei alle, die sich in irgendeiner Weise betroffen wähnen - als Benachteiligte oder Gescholtene. Das macht „Muttertier“ zur Gesellschaftskritik der eigenen Art, mit spitzer Zunge und bisweilen derb vorgetragen. Auf jeden Fall ganz und gar nicht politisch korrekt formuliert.
Claudia Mohr

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