APD-INFORMATIONEN 1/2018 - JANUAR 2018

Justitia et Pax: Keine Abschaffung des gebührenfinanzierten Service Public

Fribourg/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Schweiz

Die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax, beratende Kommission der Schweizer Bischofskonferenz, empfiehlt ein Nein bei der Abstimmung über die "No Billag"-Initiative. Die demokratische Willens- und Meinungsbildung brauche Vielfalt. Die Folgen bei der Annahme der Initiative wären für die Demokratie und für die Minderheiten in der Schweiz gravierend: Information und Meinungsbildung würden immer mehr zu einer Frage finanzkräftiger Investoren, eine ausgewogene Berichterstattung müsste zusehends politischen und wirtschaftlichen Interessen weichen, und die Vielfalt und Qualität der sprachregionalen Angebote wären in Frage gestellt.

Die Schweiz lebe von ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt, heisst es in der Medienmitteilung von Justitia et Pax. Wesentlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für das Funktionieren der Demokratie sei, dass sich diese Vielfalt auch im Angebot des Service Public widerspiegle. Die "No Billag"-Initiative wolle jedoch die Angebote bei Radio, Fernsehen und Neuen Medien stärker an marktwirtschaftlichen Kriterien ausrichten, die laute: Wer sehen, hören und konsumieren will, kann und soll dafür ein Abo für die entsprechenden Dienstleistungen lösen. Doch nicht alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche liessen sich nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage sinnvoll organisieren, schreibt Justitia et Pax. Mit der Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren könnten nicht mehr in allen Sprachregionen gleichwertige Angebote zur Verfügung gestellt werden. Der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Schweiz würde darunter leiden.

In der Vergangenheit habe sich der gebührenfinanzierte Service Public über die Sprach- und Kulturgrenzen hinweg bewährt. Eine Querfinanzierung sei erwünscht, damit auch Angebots- und Meinungsvielfalt in kleineren Sprachregionen und für Minderheiten gegeben seien. Die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren würde laut Justitia et Pax einen ähnlichen Konzentrationsprozess hervorrufen, wie er gegenwärtig intensiv und verstärkt in den Printmedien zu beobachten sei. Demokratie und Qualitätsjournalismus würden darunter leiden.

Aus sozialethischer Perspektive, die neben einem Schutz von Minderheiten immer auch das Gemeinwohl im Blick habe, erschwere diese Initiative ausgewogene Informations- und Meinungsbildung für alle. Bürgerinnen und Bürger und besonders Minderheiten brauchten in einer funktionierenden Demokratie einen gleichberechtigten Zugang zu ausgewogenen Informationen - unabhängig von ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lage. Die Schweizer Bischöfe haben bereits Anfang Dezember 2017 vor der Annahme der "No-Billag"-Initiative gewarnt.

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund: Nein zur "No Billag"-Initiative
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) lehnt die "No-Billag"-Initiative ab. Eine demokratische Schweiz brauche öffentlich-rechtliche Medien mit einer ausgewogenen Berichterstattung und mit der Stimme der Minderheiten und der Schwachen. Hinzu komme, dass kirchliche Sendungen in Radio und Fernsehen christliche Werte transportieren würden. "Wird die No-Billag-Initiative angenommen, verliert die Kirche eine wichtige Kanzel", sagte SEK-Präsident Gottfried Locher.

Evangelisch-methodistischen Kirche: Nein zur "No Billag"-Initiative
Der Ausschuss "Kirche und Gesellschaft" der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) empfiehlt bei der Abstimmung über die "No-Billag"-Initiative am 4. März 2018, ein Nein in die Urne zu legen. "Die Argumente der Befürworter sind irreführend und verschleiern die Konsequenzen für sprachliche Vielfalt, Kultur und auch für christliche Sender und Angebote in der Schweiz", heisst es in der Medienmitteilung.

Schweizerische Evangelische Allianaz: Nein zur "No Billag"-Initiative
Auch die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) empfiehlt ein Nein zur "No-Billag"-Initiative. Mit einer Annahme würden kirchliche Inhalte aus Radio und Fernsehen verschwinden, argumentiert die Allianz.

Man reisse ein Haus nicht ab, wenn ein Fenster kaputt sei, so die SEA. Man pflichte zwar den Initianten bei, dass die Verwaltung der SRG reduziert werden müsse und einige Inhalte gestrichen werden könnten. Insgesamt aber sei die Initiative zu radikal und bedeute "ziemlich sicher das Ende der sprachübergreifenden Medienvielfalt".

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Neuer Dachverband christlicher Jugendorganisationen startet klein

Zürich und Bern/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Schweiz

Ende März 2017 waren zehn christliche Jugendverbände darüber informiert worden, dass sie, teils nach jahrzehntelanger guter Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sport (BASPO), auf Ende Jahr aus dem Förderprogramm Jugend+Sport (J+S) ausgeschlossenen werden. Als Grund gab das BASPO an, die Verbände würden vorwiegend religiös-missionarische Ziele verfolgen und hätten nicht die Förderung von Bewegung und Sport von Kindern und Jugendlichen als primäres Ziel. In den vergangenen Monaten hat eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den betroffenen christlichen J+S-Verbänden in Zusammenarbeit mit dem BASPO Lösungen erarbeitet. Grundlage dafür waren die Ergebnisse eines "Runden Tisches" vom 22. Mai 2017. Nun soll ein neuer J+S- Dachverband gegründet werden, schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz in einer Medienmitteilung, an dem sich weniger Verbände als erwartet beteiligen würden.

Am Treffen vom 18. Dezember in Bern wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppe den Verantwortlichen aus Verbänden und Kirchen präsentiert. Diskutiert wurden insbesondere die erarbeiteten Grundlagen für den geplanten Ausbildungsverband "Ausbildung+" und die Musterstatuten für lokale Jungscharen. Die betroffenen christlichen Jugendverbände kamen zu unterschiedlichen Einschätzungen, weshalb der geplante Ausbildungsverband "Ausbildung+" nicht in der erwarteten Grösse lanciert werden kann.

Bewährte Zusammenarbeit beibehalten
Einige Verbände werden im Januar 2018 den Ausbildungsdachverband gründen. Nach Abschluss einer Partnerschaftsvereinbarung mit dem BASPO wird dieser Verband berechtigt sein, J+S- Kaderbildung durchzuführen. Die lokalen Jungschargruppen müssen Jugendvereine gründen und können so wieder von den Leistungen von J+S profitieren. Zu den Gründungsverbänden gehören youthnet, Youthplus und verschiedene Westschweizer Verbände (LLB, Cyfoje etc.). Weitere Organisationen, wie z.B. die Adventjugend, prüfen das Mitwirken im Dachverband "Ausbildung+". Inhaltlich wird sich der geplante Dachverband auf die Charta der christlichen Kinder- und Jugendarbeit (cckj) und die Ethik-Charta im Schweizer Sport berufen. Dank dem geplanten Ausbildungsverband rechnen die beteiligten christlichen Jugendverbände damit, dass sie ihre ganzheitliche Jugendarbeit weiterführen und sowie von Ausbildung, finanzieller Unterstützung und Material von J+S profitieren können.

Neuer Dachverband ohne JEMK und BESJ
Die Jungschar EMK (JEMK), welche unter dem Dach des Vereins Evangelisch methodistische Kirche Schweiz (EMK) tätig ist, plant laut deren Vertreter, sich am Konvent ihrer Jungscharen im März 2018 aufzulösen. Es wurde bereits Statuten erarbeitet, um einen neuen, eigenständigen Verein gründen zu können. In den Vorabklärungen dazu wurden auch verschiedene Optionen für die Kaderbildung geprüft. Angestrebt wird eine Schulungszusammenarbeit mit dem drittgrössten Schweizer Jugendverband "CEVI".

Der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ) bietet ein "ausserschulisches Freizeitangebot von Freikirchen und evang.-ref. Kirchgemeinden" an, wie es auf der BESJ-Webseite heisst. Die Jugendorganisation setzt auf enge Zusammenarbeit zwischen ihren Ortsgruppen und der Lokalkirche. Eine institutionelle Trennung der Jungschararbeit von der Kirche und das Gründen lokaler Jungscharvereine kommt für den BESJ deshalb nicht in Frage. Damit wird der BESJ dem neuen Dachverband "Ausbildung+" nicht beitreten. Für jene Ortsgruppen, die keinen Verein gründen, bedeutet dieser Entscheid, dass sie ab 2018 nicht mehr durch J+S finanziell unterstützt werden. Davon sind Freizeitangebote nicht nur von Freikirchen sondern auch von evang.-ref. Kirchgemeinden betroffen.

"Stark glaubensbasierte Verbände"
Die grossen christlichen Jugendverbände seien nicht vom Entzug der BASPO-Fördergelder und der J+S-Ausbildungsmöglichkeit von Kaderkursen betroffen, hält Herbert Bodenmann, Abteilungsleiter für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, fest. In ihren Zielsetzungen würden ebenso wenig wie bei den evangelikalen Jugendverbänden die Förderung von Bewegung und Sport als primäres Ziel genannt. Christliche Jugendverbände seien keine Sportverbände, das sei dem BASPO seit der Einführung der Sportart "Lagersport/Trekking" (LS/T) im 1991 bewusst gewesen. Der BASPO-Begründung für den Entzug der Förderung, freikirchliche Jugendverbände seien "stark glaubensbasierte Verbände", lägen keine objektiven und nachvollziehbaren Kriterien zugrunde, so Bodenmann. Es sei auch schlecht vermittelbar, dass mehr als 25 Jahre lang die Sportart "Lagersport/Trekking" (LS/T) in mehrtägigen Lagern christlicher Jugendverbände das Programm bestimmt habe und dies nun für einen Teil der Jugendverbände nicht mehr möglich sein soll, obwohl die Vorgaben von J+S erwiesenermassen eingehalten worden seien.

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"Mut zum Frieden" - Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918

Ostfildern/Deutschland | 30.01.2018 | APD | International

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland hat zum einhundertsten Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkriegs die Erklärung "Mut zum Frieden" beschlossen. Sie wurde in der Februar-Ausgabe 2018 der Kirchenzeitschrift "Adventisten heute" veröffentlicht. Die Freikirchenleitung empfiehlt in der Erklärung ihren Mitgliedern, sich weder direkt noch indirekt an einem Krieg zu beteiligen.

Mit der Erfahrung "Wenn ein Krieg endet, heisst das nicht, dass damit der Frieden begonnen hat", leitet die Erklärung ein. Das sei eine Lehre aus dem Ersten Weltkrieg, der erst der Auftakt einer modernen Kriegsführung gewesen sei. Heute habe sich die Art und Weise, wie Kriege geführt würden, durch Cyberkrieg, Drohnenangriffe, autonome Waffensysteme, Bedrohung durch ABC-Waffen und weltweitem Terrorismus noch einmal drastisch verändert. Dabei seien die Konfliktlinien und Kriegsparteien oft nicht mehr eindeutig auszumachen.

Kein gerechter Krieg
Im Gedenken an die Beendigung des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 und in Wahrnehmung der neuen Gefährdungspotentiale wolle die deutsche Freikirchenleitung, wie schon in ihrer Stellungnahme "Schuld und Versagen" von 2014, an ihre christlich-adventistische Haltung erinnern. Dabei gelte zu bedenken, dass Krieg nicht gerecht sei. "Hinter jedem militärischen Konflikt stecken offene und versteckte Interessen, die nicht vom reinen Streben nach Gerechtigkeit getrieben sind." Das Schicksal der Menschen in Konfliktgebieten sei häufig zweitrangig. Deshalb hätten bereits im Dezember 1983 die Ausschüsse des damaligen Westdeutschen und des Süddeutschen Verbandes der Adventisten betont: "Wir lehnen heute Krieg in jeder Form ab." Krieg und Bedrohung schürten Angst und führten immer wieder zu einer neuen Aufrüstungsspirale, sodass der Friede ständig bedroht sei. Aber auch ein übersteigerter Nationalismus mit aggressiver Abgrenzung von anderen Nationen schüre Angst und bedrohe den Frieden. Zudem sei die industrielle Fertigung von Kriegsmitteln ein Wirtschaftsfaktor.

Botschafter des Friedens und der Versöhnung
"Jesus Christus hat seine Nachfolger zu Friedensstiftern berufen", wird in der Erklärung hervorgehoben. Wo Menschen im Frieden mit Gott lebten, suchten sie auch den Frieden mit Menschen; denn der Friede sei unteilbar und durchdringe alle Lebensbereiche. Deshalb heisse es auch in der Erklärung der deutschen Freikirchenleitung von 2014 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren: "Wir glauben, dass Nachfolger Jesu den Aussagen der Heiligen Schrift am besten Folge leisten, wenn sie in ihrer Umgebung als Botschafter des Friedens und der Versöhnung wirken."

Kein freiwilliger Dienst in der Bundeswehr
Daher empfiehlt die Freikirchenleitung ihren Mitgliedern sowie den Mitgliedern der Adventjugend, "sich weder direkt an einem Krieg im Rahmen des freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr noch indirekt bei der Vorbereitung eines Kriegs durch Mitwirkung an der Waffen- und Zubehörproduktion sowie an der Informationstechnik zu beteiligen." Seit Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland im Jahr 2011 biete die Bundeswehr Anreize, sich freiwillig für die Streitkräfte zu verpflichten, etwa eine Berufsausbildung oder ein Studium. Trotzdem "ermutigt unsere Kirche aufgrund des nichtkämpferischen Grundgedankens der Bibel … niemanden, sich dem Militär anzuschliessen", wird der Präsident der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), Pastor Ted N. C. Wilson, zitiert. Er macht darauf aufmerksam, dass die Siebenten-Tags-Adventisten "ihr historisches Zeugnis für den Frieden und den Dienst ohne Waffen" seit ihrem Bestehen nicht aufgegeben hätten.

Friedensstifter beginnen im eigenen Umfeld
"Frieden zu stiften fängt in den menschlichen Beziehungen des eigenen Umfelds an und setzt sich von dort fort bis in gesellschaftspolitische Verantwortungsübernahme", so die deutsche Freikirchenleitung in ihrer Erklärung. Zum Frieden beitragen könne daher auch der Einsatz für die Religionsfreiheit, Armutsbekämpfung durch Bildung, Erhaltung der Gesundheit durch Krankenhäuser und Gesundheitsaufklärung, Unterstützung von Lebensqualität durch die Arbeit der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) sowie des Advent-Wohlfahrtswerks (AWW). Versöhnung, Vergebung, Frieden und Gerechtigkeit würden nur auf dem Boden einer gewaltfreien Lebensart gedeihen; so, wie es Jesus Christus, in seinem Leben und Sterben vorgelebt habe. Deshalb werden die Mitglieder der Freikirche aufgefordert, ihre Verantwortung in dieser Welt gewaltfrei auszuüben. Da Adventisten glauben, dass mit Jesu Wiederkunft das Friedensreich Gottes "auf uns zukommt", sollten sie diesem Friedensreich schon heute durch ihr Verhalten entgegengehen.

Ein fast einstimmiger Beschluss
Die Erklärung "Mut zum Frieden" wurde während der Jahressitzung des Ausschusses der adventistischen Freikirche in Deutschland am 4. Dezember 2017 in Altena/Westfalen mit nur einer Gegenstimme von den 51 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern beschlossen und zur Veröffentlichung freigegeben. Vorsitzender des Ausschusses ist Pastor Werner Dullinger (Ostfildern bei Stuttgart), Präsident des Süddeutschen Verbandes, und Stellvertretender Vorsitzender Pastor Johannes Naether (Hannover), Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche. Stimmberechtigte Mitglieder des Ausschusses sind die Mitglieder der beiden Verbandsausschüsse. In Deutschland gibt es rund 35.000 Siebenten-Tags-Adventisten in 558 Kirchengemeinden.

Nichtkämpfer schon im Amerikanischen Bürgerkrieg
Laut Pastor Holger Teubert, Leiter des Referats Kriegsdienstverweigerung und Frieden der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, organisierte sich die adventistische Kirche während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865). Damals habe es nur 3.500 Adventisten gegeben, die alle in den Unionsstaaten (Nordstaaten) der USA lebten. Sie seien entschiedene Gegner der Sklaverei gewesen. Doch sie hätten es aufgrund ihrer christlichen Überzeugung abgelehnt, mit Waffengewalt die Beendigung der Sklaverei zu erzwingen. Die Unionsregierung habe sie als "Nichtkämpfer" anerkannt, sodass wehrpflichtige Adventisten als Nichtkombattanten einen waffenlosen Sanitätsdienst leisten konnten. Doch es sei vorgekommen, dass Adventisten dies von untergeordneten Offizieren verweigert wurde, sodass sie gegen ihren Willen zur kämpfenden Truppe kamen. Wer sich weigerte, die Waffe in die Hand zu nehmen, dem habe Kriegsgericht und Erschiessung gedroht. In solch einer Situation wäre es der persönlichen Gewissensentscheidung des Einberufenen überlassen worden, ob er den Befehlen seiner Vorgesetzten gehorcht.

Im Ersten Weltkrieg am Nichtkämpferstandpunkt festgehalten - ausser in Deutschland
Diese Haltung zum Militärdienst präge die Adventisten bis heute, erläuterte Teubert. Im Ersten Weltkrieg hätten die adventistischen Kirchenleitungen in den USA, in Grossbritannien und in anderen Ländern am Nichtkämpferstandpunkt festgehalten. In England leisteten rund 130 wehrpflichtige Adventisten Nichtkämpferdienste. Einige von ihnen seien in das berüchtigte Gefängnis in Dartmoor gekommen, wo sie schwere Misshandlungen erlitten hätten. In Russland wurden etwa 500 Adventisten zur Armee einberufen. Die meisten seien Nichtkämpfer gewesen. Etwa 70 von ihnen wären wegen ihrer Weigerung, eine Waffe in die Hand zu nehmen, ins Gefängnis oder in Arbeitslager gekommen.

Die adventistische Kirchenleitung in Deutschland sowie in Österreich-Ungarn empfahl dagegen in einem Rundschreiben vom 2. August 1914 ihren wehrpflichtigen Mitgliedern "unsere militärischen Pflichten freudig und von Herzen [zu] erfüllen", "von den Kriegswaffen Gebrauch" zu machen "und auch am Sabbat den Kriegsdienst [zu] versehen". Nicht alle Adventisten seien mit dieser Haltung einverstanden gewesen. Wer allerdings den Kriegsdienst mit der Waffe verweigerte, den erwarteten harte Konsequenzen. Von den in Deutschland im Ersten Weltkrieg zu Festungshaft verurteilten bekannten 20 Adventisten seien aufgrund von Misshandlungen fünf im Gefängnis oder bald nach ihrer Entlassung gestorben, berichtete Pastor Teubert.

Bereits 1920 hätten die verantwortlichen deutschen Freikirchenleiter ihre Erklärungen zum Kriegsdienst zurückgezogen und bedauert, so Teubert. Dennoch griff die deutsche Freikirchenleitung 2014 in ihrer Stellungnahme "Schuld und Versagen" das Thema zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erneut auf. Sie bekannte, dass die damalig Leitung "ihrer Verantwortung gegenüber den Gemeinden nicht gerecht wurde und Glaubensgeschwister, die ihrer Meinung widersprachen" und am Nichtkämpferstandpunkt festhielten, "zu Unrecht des ‚Abfalls' bezichtigte und in einzelnen Fällen sogar von staatlichen Behörden verfolgen liess". Die Freikirchenleitung entschuldigte sich bei den "Kindern und Nachkommen" der damals zu Unrecht Beschuldigten für ihr "Versagen" im Krieg: "Wir haben aus unserer leid- und schmerzvollen Geschichte gelernt, dass Kinder Gottes berufen sind, Menschen des Friedens zu sein und jede Form von Gewaltanwendung gegenüber Unschuldigen abzulehnen."

Zivildienst und Bausoldaten
Da es in der Bundesrepublik Deutschland keinen waffenlosen Sanitätsdienst gibt, habe die westdeutsche Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten ihren wehrpflichtigen Mitgliedern empfohlen, von ihrem Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen Gebrauch zu machen und Zivildienst zu leisten. Das hätten laut Teubert fast alle wehrpflichtigen Adventisten getan. In der DDR gab es keinen Zivildienst, sondern nur die Möglichkeit, als waffenlose Bausoldaten zu dienen. Die meisten wehrpflichtigen Adventisten seien zu den Bausoldaten gegangen, obwohl sie dadurch eine Reihe von beruflichen Nachteilen hatten.

Die Erklärung "Mut zum Frieden" kann im Internet unter http://ow.ly/duye30i57x9
heruntergeladen werden.

Die Erklärung von 2014 "Schuld und Versagen" ist unter http://ow.ly/bi0630i5833
zu finden.

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ÖRK: Zukunft Jerusalems muss eine gemeinsame sein

Genf/Schweiz | 30.01.2018 | APD | International

Laut einer Medienmitteilung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat dessen Generalsekretär, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, auf einer internationalen Konferenz zur Unterstützung Jerusalems zum Status der Stadt festgehalten, dass die Zukunft Jerusalems eine gemeinsame sein müsse. Die "World Conference in Support of Jerusalem", die vom 17. bis 18. Januar in Kairo (Ägypten) stattgefunden hat, wurde vom Grossimam der Al-Azhar Moschee, Scheich al-Tayyeb, organisiert und stand unter der Schirmherrschaft des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi.

In seiner Ansprache betonte Tveit demnach, dass "die Zukunft Jerusalems eine gemeinsame sein muss. Die Stadt kann nicht exklusiv nur einer Religion gehören, nicht die Stadt nur eines Volkes sein. Jerusalem ist eine Stadt mit drei Religionen und zwei Völkern und muss dies auch bleiben."

"Jerusalem wird von allen drei abrahamitischen Religionen - von jüdischen, christlichen und muslimischen Gläubigen - als heilige Stadt angesehen und geliebt, wahrhaftig und innig geliebt", sagte Tveit. "Diese Liebe und tiefe Verbundenheit aller muss in jedem Lösungsansatz, den wir hier ins Auge fassen könnten, beachtet und bekräftigt werden, wenn er tragfähig sein soll", so Tveit.

"Im Neuen Testament lesen wir, wie Jesus Christus voller Liebe und Sehnsucht über diese Stadt weint: ‚Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient!'", zitierte Tveit aus dem Lukas-Evangeliums 19,42 und führte weiter aus: "Jesu Wort und Beispiel zu folgen, bedeutet, die Wahrheit auszusprechen, nach Gerechtigkeit zu streben, und Frieden zu stiften in den Konflikten und Auseinandersetzungen dieser Welt."

Aber, so Tveit, "gleichzeitig müssen wir die aussergewöhnliche Komplexität der Geschichte und Kultur Jerusalems verstehen und berücksichtigen. Die Geschichte zeigt, dass das Zusammenwirken der drei Religionen in dieser Region noch keinen gerechten Frieden für alle gebracht hat. Traurigerweise bis heute nicht", analysierte er.

"Wir alle glauben an den einen allmächtigen Gott und sollten daher gemeinsam herausfinden, wie wir die Liebe Gottes in diesem Konflikt, an dem alle drei monotheistischen Religionen und ihre Anhängerinnen und Anhänger beteiligt und von dem alle betroffen sind, zum Ausdruck bringen können. In Jerusalem wird es keinen Frieden geben, wenn nicht alle drei Religionen sich gegenseitig respektieren und an der Lösung beteiligt sind", führte Tveit aus.

"Lassen Sie uns gemeinsam auf einen gerechten Frieden hinarbeiten und nicht dazu beitragen, dass der Konflikt immer weiter andauert", rief Tveit die Anwesenden auf.

An der Konferenz nahmen namhafte Vertreter des Landes, der Region und der ganzen Welt teil, darunter Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Papst von Alexandrien und Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche Tawadros II, der Vorsitzende des arabischen Parlaments, Meshaal bin Fahm al-Salmi, der Präsident der Nationalversammlung von Kuwait, Marzouq Al-Ghanim, sowie Botschafter Ahmed Abul Gheit, Generalsekretär der Arabischen Liga.

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Deutscher Militärbischof kritisiert Frührekrutierung Jugendlicher

Berlin/Deutschland | 30.01.2018 | APD | International

Der Evangelische Militärbischof Dr. Sigurd Rink (Berlin) hat die Rekrutierung von "Kindersoldaten" für die Bundeswehr abgelehnt. 2017 wurden laut Pressemeldungen 2.128 Minderjährige an der Waffe ausgebildet, darunter auch 448 junge Frauen. Das sei die höchste Zahl seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011.

Keine Kindersoldaten bei der Bundeswehr
"Kindersoldaten darf es bei der Bundeswehr nicht geben", stellte Rink fest. Die Ausbildung Jugendlicher zu Soldaten sei brisant, weil dies die Idee der Parlamentsarmee zumindest in Frage stelle, wenn Menschen ohne Wahlrecht Soldaten werden. Mit Eintritt in die Bundeswehr erklärten die Minderjährigen sich unter Einwilligung der Eltern per Unterschrift zu bewaffneten Auslandseinsätzen prinzipiell bereit. Das geschähe in einem Alter, in dem sie die vollen politischen Rechte des Staatsbürgers nicht besässen und weitreichenden Jugendschutzbestimmungen unterlägen. In Auslandseinsätze der Bundeswehr würden junge Soldatinnen und Soldaten jedoch erst geschickt, wenn sie volljährig sind.

Allerdings sei zu bedenken, dass die Anhebung des Eintrittsalters auf 18 Jahre die Bundeswehr für viele junge Leute berufsbiografisch weniger attraktiv mache. Dem Militärbischof sei klar, dass es nicht zielführend ist, Jugendliche in Warteschleifen an Schulen zu belassen, bis sie ihre Volljährigkeit erreicht haben. Rink schlug vor, Schulabgänger in ein soziales Jahr zu schicken, um sie bei der Berufsfindung zu orientieren. Ein solcher Weg könne dann auch in die Bundeswehr führen, "deren personeller Aufbau unbestritten stattfinden" müsse.

Evangelischer Friedensverband ebenfalls gegen Rekrutierung Minderjähriger
Auch die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hatte bereits im letzten Jahr die Rekrutierung Minderjähriger für die Bundeswehr erneut kritisiert. "Es ist nicht hinnehmbar, wenn die Bundeswehr aufgrund eines offenbar grösser werdenden Personal- und Nachwuchsmangels zunehmend offensiver unter Jugendlichen Werbung macht. Wenn wir in Europa den Einsatz von Kindersoldaten in Asien oder Afrika kritisieren, dürfen wir nicht übersehen, dass in Deutschland Minderjährige rekrutiert werden", betonte Dr. Christoph Münchow, Vorsitzender der EAK.

Sorge bereite die jährlich steigende Zahl minderjähriger Soldaten und Soldatinnen in der Bundeswehr. "Denn viele Jugendliche sind noch nicht in der Lage, wirklich die Konsequenzen eines freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr zu erkennen", mahnte Münchow. Darum sollten auch Werbeeinsätze der Bundeswehr an Schulen eingestellt werden. Auf Kritik stosse bei der EAK zudem die Aussage der Bundesregierung, wonach die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes bezüglich der zulässigen Wochenarbeitszeit auf minderjährige Soldatinnen und Soldaten keine Anwendung fänden. "Das zeigt deutlich, dass der Soldatenberuf nicht mit anderen Berufen vergleichbar und die Armee keine normale Arbeitgeberin ist", so der EAK-Vorsitzende. Die EAK ist innerhalb der "Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)" der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung und Friedensarbeit zuständig sind.

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Liberia: Präsidentin weiht adventistische Einrichtung ein

Monrovia/Liberia | 30.01.2018 | APD | International

Am 20. Dezember 2017 weihte die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf in der Hauptstadt Monrovia das Millennium Guest House and Suites, eine adventistische Einrichtung, ein. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sei seit der Unabhängigkeit des Landes einer der stärksten Partner der Regierung gewesen, so Sirleaf bei der Einweihungsfeier. Dies berichtete der unabhängige journalistische Dienst Adventist Today Anfang Januar.

Die Präsidentin gratulierte den Mitgliedern der Siebenten-Tags-Adventisten, die mit ihren Spenden den Bau des Gästehauses ermöglicht hätten. Weiter sprach sie über die Entwicklung adventistischer Schulen in städtischen und ländlichen Gebieten des Landes. Sie erwähnte darüber hinaus positiv die Präsenz adventistischer Missionare, die Solidarität zeigen und die Menschen zum Gebet aufrufen würden. Liberia gehörte zu den westafrikanischen Ländern, welche 2014 von der Ebolafieber-Epidemie heimgesucht wurden. In Liberia gebe es über 17.000 Adventisten bei einer Gesamtbevölkerung von 4,6 Millionen, so Adventist Today.

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Rumänien: Adventistisches Theologisches Institut wird zur Adventus Universität

Bern/Schweiz | 30.01.2018 | APD | International

Ende November wurde das Adventistische Theologische Institut in Cernica/Rumänien erstmalig Teil des nationalen Bildungssystems. Damit erhalte die einzige Hochschuleinrichtung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Rumänien die gleichen Rechte wie andere rumänische Universitäten. Das Institut werde zur Adventus Universität, berichtete die Kommunikationsabteilung der Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa (EUD NEWS).

Nachdem das Adventistische Theologische Institut im April 2015 die institutionelle Akkreditierung von ARACIS, dem rumänischen Nationalrat für akademische Evaluierung und Akkreditierung von Hochschulen, erlangt hatte, wurde ein Gesetzgebungsverfahren zur Gründung der Adventus Universität in Cernica (bei Bukarest) initiiert. Der Gesetzesentwurf wurde von beiden Kammern des rumänischen Parlaments verabschiedet und am 29. November 2017 veröffentlicht.

Damit erhalte die adventistische Bildungseinrichtung die gleichen Rechte wie andere akkreditierte Universitäten in Rumänien, so EUD NEWS. Das schliesse das Recht ein, Bachelorprüfungen zu organisieren und Masterprogramme durchzuführen. Die Namensänderung des Adventistischen Theologischen Instituts in Adventus Universität stehe im Einklang mit dem Bildungsangebot der Einrichtung, die neben dem pastoralen Theologieprogramm auch zukünftige Sozialarbeiter und Pädagogen ausbildet.

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USA: Kunstausstellung „Instabile Konstruktionen“ an adventistischer Universität

Chattanooga, Tennessee/USA | 30.01.2018 | APD | International

Vom 18. Januar bis zum 12. Februar werden in der John C. Williams Galerie auf dem Campus der Southern Adventist University in Collegedale, Tennessee/USA, Werke des US-amerikanischen Künstlers Donald Keefe ausgestellt. Keefe ist Assistenzprofessor für Kunst an der genannten adventistischen Universität. Die Ausstellung trägt den Titel "Instabile Konstruktionen" (Precarious Structures) und zeigt Zeichnungen und Ölgemälde. Dies berichtete die Zeitung Chattanooga Times Free Press.

"Durch meine Kunstwerke versuche ich zu vermitteln, dass Schönheit, Glaube, Hoffnung und Zufriedenheit im Leben existieren können, wenn die eigenen Unterstützungsstrukturen geschwächt, durcheinander, zusammengebrochen, wieder aufgebaut - oder zum ersten Mal erbaut werden", so Keefe. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Arbeiten, die zwischen 2011 und 2018 entstanden sind.

Keefe selbst werde von Strukturen angezogen, die zusammengebrochen, verlassen oder im Bau befindlich sind; er lasse sich oft von der biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel inspirieren, so Chattanooga Times Free Press unter Berufung auf eine Pressemitteilung. "Bilder von ruinierter Architektur und durcheinander gewürfelten Blöcken in meinen Arbeiten suggerieren eine Spannung zwischen Auf- und Abbau. Ich gieße diese Formen in dramatisches Hell-Dunkel oder farbiges Licht, um Schönheit, Hoffnung und, in Anspielung auf die Verwendung von Licht durch die Romantik, die Gegenwart des Göttlichen zu suggerieren."

Kurzbiographie
Geboren in Iowa, begann Donald Keefe bereits als Kind zu zeichnen. Später studierte er Anthropologie und Kunst. Er erhielt akademische Abschlüsse von den Universitäten von Kentucky und Florida. Keefe stellte unter anderem in der Manifest Gallery in Cincinnati, Ohio, dem Painting Center in New York City, der Lexington Art League in Kentucky und der Catskill Art Society in Livingston Manor, New York, aus. Letzten Sommer waren zwei seiner Arbeiten im Huntsville Museum of Art in Alabama zu sehen. Seine Arbeiten wurden auch in mehreren Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Weitere Informationen: www.donaldkeefe.com

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USA: Kunstausstellung „Instabile Konstruktionen“ an adventistischer Universität

Chattanooga, Tennessee/USA | 30.01.2018 | APD | International

Vom 18. Januar bis zum 12. Februar werden in der John C. Williams Galerie auf dem Campus der Southern Adventist University in Collegedale, Tennessee/USA, Werke des US-amerikanischen Künstlers Donald Keefe ausgestellt. Keefe ist Assistenzprofessor für Kunst an der genannten adventistischen Universität. Die Ausstellung trägt den Titel "Instabile Konstruktionen" (Precarious Structures) und zeigt Zeichnungen und Ölgemälde. Dies berichtete die Zeitung Chattanooga Times Free Press.

"Durch meine Kunstwerke versuche ich zu vermitteln, dass Schönheit, Glaube, Hoffnung und Zufriedenheit im Leben existieren können, wenn die eigenen Unterstützungsstrukturen geschwächt, durcheinander, zusammengebrochen, wieder aufgebaut - oder zum ersten Mal erbaut werden", so Keefe. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Arbeiten, die zwischen 2011 und 2018 entstanden sind.

Keefe selbst werde von Strukturen angezogen, die zusammengebrochen, verlassen oder im Bau befindlich sind; er lasse sich oft von der biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel inspirieren, so Chattanooga Times Free Press unter Berufung auf eine Pressemitteilung. "Bilder von ruinierter Architektur und durcheinander gewürfelten Blöcken in meinen Arbeiten suggerieren eine Spannung zwischen Auf- und Abbau. Ich gieße diese Formen in dramatisches Hell-Dunkel oder farbiges Licht, um Schönheit, Hoffnung und, in Anspielung auf die Verwendung von Licht durch die Romantik, die Gegenwart des Göttlichen zu suggerieren."

Kurzbiographie
Geboren in Iowa, begann Donald Keefe bereits als Kind zu zeichnen. Später studierte er Anthropologie und Kunst. Er erhielt akademische Abschlüsse von den Universitäten von Kentucky und Florida. Keefe stellte unter anderem in der Manifest Gallery in Cincinnati, Ohio, dem Painting Center in New York City, der Lexington Art League in Kentucky und der Catskill Art Society in Livingston Manor, New York, aus. Letzten Sommer waren zwei seiner Arbeiten im Huntsville Museum of Art in Alabama zu sehen. Seine Arbeiten wurden auch in mehreren Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Weitere Informationen: www.donaldkeefe.com

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Deutschland: Orthodoxe Bischöfe mit Brief an Jugend zu Liebe und Sexualität

Dortmund/Deutschland | 30.01.2018 | APD | Orthodoxie

Nach dreijähriger Vorarbeit hat die in Frankfurt am Main tagende Herbstvollversammlung der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) am 12. Dezember einen "Brief der Bischöfe der orthodoxen Kirche in Deutschland an die Jugend über Liebe - Sexualität - Ehe" beschlossen. Er soll jungen orthodoxen Christen eine Orientierungshilfe zu "einigen aktuellen Themen" bieten. Die OBKD ist der Zusammenschluss der Bischöfe aller orthodoxen Diözesen Deutschlands und damit das höchste Gremium der Orthodoxen Kirche in der Bundesrepublik.

Ein Ja zur Freiheit
In dem fünfseitigen "Brief an die Jugend" wird betont, dass Deutschland ein Land ist, "in dem der Einzelne die Möglichkeit hat, sich in Freiheit und Menschenwürde zu entfalten". Dass in Deutschland Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde zum Allgemeingut gehören, "können wir als Segen Gottes betrachten". Vor dem Hintergrund eines religiösen Extremismus, der sich an vielen Orten zu verstärken drohe, seien Christen aufgerufen, diese Werte "mit aller Kraft zu verteidigen". Sie stünden im Einklang mit dem Menschenbild, das in der Heiligen Schrift und in der Tradition der orthodoxen Kirche zum Ausdruck käme. Der Mensch, erschaffen "nach dem Bilde Gottes", habe die Fähigkeit, sich frei zu entscheiden.

Kein Freibrief für sexuelle Freizügigkeit
Doch Freiheit bedeute auch Verantwortung und betreffe alle Lebensbereiche. Wenn in dem Dokument von "Liebe" die Rede ist, sei damit mehr gemeint, als "Schmetterlinge im Bauch". Liebe bedeute die bedingungslose Zuwendung zu einer Person. Es gehe dabei nicht um einen "Freibrief für sexuelle Freizügigkeit", sondern um Verantwortung zur eigenen Sexualität und der des Partners beziehungsweise der Partnerin. Die Liebe sollte durch "eine kirchliche Ehe gekrönt" werden, damit dadurch eine christliche Familie entstehe. Dabei solle auch das neu entstehende Leben geschützt werden, denn der Embryo sei "ab der Zeit der Empfängnis" ein menschliches Wesen.

Abtreibung kommt für orthodoxe Christen nicht in Betracht
In dem Brief bekennen sich die Bischöfe zur Zivilehe, da somit Mann und Frau zivilrechtlich abgesichert seien. Doch hätten christliche Eheleute auch den Wunsch, ihre Gemeinschaft "als ein Geschenk Gottes anzunehmen", was in einem Traugottesdienst mit dem Versprechen "lebenslanger Treue" deutlich werde. Dabei segne die orthodoxe Kirche auch den Kinderwunsch und betrachte das Kind als Geschenk Gottes. "Doch auch ohne Kinder ist eine Ehe heilig und vollkommen." Es gelte aber zu bedenken, dass Abtreibung "für den orthodoxen Christen weder in der Familienplanung noch anderweitig in Betracht kommen kann und darf". Die Ehe zwischen Orthodoxen und anderen Christen habe ihre Herausforderungen. Der gemeinsame Empfang der heiligen Kommunion sei nicht möglich, da keine vollständige Einheit im Glauben bestehe. Noch komplizierter wäre es bei einer Ehe mit einem nicht christlichen Partner. Hier bilde die Zivilehe "einen gangbaren Weg".

Homosexuelle mit Respekt behandeln
Da nach orthodoxem Verständnis das "Mysterium der Ehe" eine Verbindung zwischen Mann und Frau voraussetze, "ist die Eheschliessung von homosexuellen Paaren in unserer Kirche nicht möglich". Offene Fragen in Bezug auf homosexuelle Menschen gehörten in den Bereich der Seelsorge und der taktvollen Begleitung durch die Kirche. Es wird in dem Brief betont, dass alle Menschen nach dem Bild Gottes erschaffen seien. Deshalb werden auch die orthodoxen Kirchengemeinden dazu aufgefordert, "allen Menschen Liebe und Respekt entgegenzubringen".

Die Bischofskonferenz weist darauf hin, dass durch die ständigen Veränderungen in der Gesellschaft auch die traditionelle Familie heute "vor radikalen Herausforderungen" stehe. Die Bischöfe sehen ihre Aufgabe darin, orthodoxe Gläubige "mit geistlichem Rat zu begleiten und nicht Vorschriften mechanisch zu formulieren".

Die Bischöfe beschäftigten sich bei ihrer Herbstvollversammlung auch mit der Situation des orthodoxen Religionsunterrichts. Sie verabschiedeten dazu ein weiteres Hirtenwort, und zwar "An das orthodoxe Kirchenvolk in Deutschland". Darin wird die Notwendigkeit eines solchen Unterrichtes für alle orthodoxen Kinder unabhängig von ihrer Nationalität und Diözesanzugehörigkeit betont, denn dieser "leistet einen wichtigen Beitrag zum Zusammenwachsen der orthodoxen Christinnen und Christen in der Bundesrepublik. Hier begegnen sich unsere Kinder und nehmen sich gegenseitig als Geschwister im gemeinsamen orthodoxen Glauben wahr." Vorgestellt wurde in Frankfurt ein Modell der Ausbildung von orthodoxen Religionslehrern, das von der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Universität München vorgelegt wurde und ihre Billigung erhielt.

Orthodoxe Bischofskonferenz
Die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) wurde eingerichtet zur Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, zu gegenseitiger Beratung, zur Koordinierung der kirchlichen Arbeit, zum gemeinsamen Erlass von Entscheidungen sowie zur Kontaktpflege zu anderen Bischofskonferenzen. Zu ihr gehören die jeweiligen für Deutschland zuständigen Bischöfe folgender Autokephaler Orthodoxer Kirchen: Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel, Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien sowie Russische, Serbische, Rumänische, Bulgarische und Georgische Orthodoxe Kirche.

Oberstes Gremium der OBKD ist die Vollversammlung aller Bischöfe, die regelmässig im Frühjahr und Herbst zusammentritt. Den Vorsitz der OBKD hat immer der Vertreter des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel (derzeit Metropolit Augoustinos von Deutschland, Exarch von Zentraleuropa), Generalsekretär ist Ipodiakon Nikolaj Thon (Russische Orthodoxe Kirche). In Deutschland gibt es über 1,5 Millionen orthodoxe Christen, die damit die drittgrösste christliche Konfession in der Bundesrepublik bilden.

"Ein Brief der Bischöfe der orthodoxen Kirche in Deutschland an die Jugend über Liebe - Sexualität - Ehe" steht im Internet als PDF-Datei unter www.obkd.de/Texte/Brief%20OBKD%20an%20die%20Jugend.pdf zur Verfügung.
Das "Hirtenwort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland zum Religionsunterricht. An das orthodoxe Kirchenvolk in Deutschland" ist unter www.obkd.de/Texte/OBKD%20Hirtenbrief%20zum%20ORU.pdf zu finden.

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Oecumenica-Label 2018 für Gebetswache während dem WEF

Bern/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Ökumene

Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) hat am 22. Januar das Oecumenica-Label dem Projekt "Schweigen und Beten" der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos (AKiD) verliehen. Seit 1999 wird jedes Jahr während dem Weltwirtschaftsforum (WEF) eine tägliche ökumenische Gebetswache von 18 bis 21 Uhr in der Kirche St. Johann in Davos organisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beten für die Opfer des Neoliberalismus und für die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Kirchen.

Die Übergabe des Labels erfolgte im Davoser Rathaus unter Anwesenheit des Davoser Landammanns (Gemeindepräsidenten), Tarzisius Caviezel, sowie zahlreicher eingeladener Gäste, heisst es in der Medienmitteilung der AGCK.CH.

Demnach steht das Projekt der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos im Geist der grossen ökumenischen Versammlungen in Europa, die den Anliegen des Friedens, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet sind, sowie der von den Schweizer Kirchen im Jahr 2005 unterzeichneten Charta Oecumenica.

Das Projekt biete einen Raum der Einkehr als Kontrast zur Hektik, die das jährliche Treffen der führenden Wirtschaftskapitäne und Spitzenpolitiker im Rahmen des WEF begleite. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werde die Gelegenheit geboten, über die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Handlungen nachzudenken.

Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos (AKiD) organisiere zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums eine Feier für Gerechtigkeit und Frieden und arbeitet dabei mit zahlreichen Institutionen und Einzelpersonen zusammen. Damit erlangten diese Gebetswachen im Januar eine lokale und nationale Ausstrahlung, ganz im Sinne des Theologen Albert Schweitzer (1875-1965): "Beten verändert Menschen, und Menschen ändern die Welt".

Zur AKiD gehören folgende Mitgliedskirchen:
Katholische Pfarrei Davos; evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Davos Platz; evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Davos Dorf/Laret; evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Davos Altein; Freie Evangelische Gemeinde Davos; Evangelisch-methodistische Kirche Davos; Heilsarmee Davos; Pfingstgemeinde Davos.
Webseite der AKiD: www.feg-davos.ch/akid--arbeitsgemeinschft-kirchen-in-davos/index.html

Oecumenica-Label
Das Oecumenica-Label wurde 2008 von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz ins Leben gerufen, um Projekte auszuzeichnen, die von mindestens drei Kirchen im Geist der Charta Oecumenica gemeinsam durchgeführt werden. Die Projekte haben Vorbildcharakter und sollen vergleichbare Unternehmungen an anderen Orten in der Schweiz inspirieren.

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Weltkirchenrat vor 70 Jahren gegründet

Wien/Österreich und Genf/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Ökumene

Vor 70 Jahren wurde der Weltkirchenrat (Ökumenischer Rat der Kirchen, ÖRK) gegründet. Dem ÖRK gehören derzeit 348 evangelische, orthodoxe, anglikanische, altkatholische und altorientalische Kirchen an. Der Weltkirchenrat vertritt damit rund 500 Millionen Christen auf der ganzen Welt. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied, hält aber auf verschiedene Weisen engen Kontakt zum Weltkirchenrat, berichtete Kathpress, Katholische Presseagentur in Österreich.

In der Nieuwe Kerk von Amsterdam wurde am 23. August 1948 der Eröffnungsgottesdienst der ersten ÖRK-Vollversammlung abgehalten. Während die meisten der 147 Gründungsmitglieder europäische und nordamerikanische Kirchen waren, setzt sich die gegenwärtige Mitgliedschaft vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika sowie dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum zusammen.

Die römisch-katholische Kirche mit weltweit 1,27 Milliarden Kirchenmitgliedern ist kein Mitglied des Weltkirchenrats, hält aber enge Kontakte zu ihm und gehört einer der tragenden Säulen des ÖRK, der Kommission "Faith and Order" (Glaube und Kirchenverfassung), als Vollmitglied an. Seit 1965 gibt es auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Weltkirchenrats und des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit weltweit über 20 Millionen Kirchenmitgliedern ist kein Mitglied des Weltkirchenrats. Sie hat in Vergangenheit aber gelegentlich an Tagungen des ÖRK als "Berater" teilgenommen.

Der Weltkirchenrat hat seinen Sitz in Genf. Höchstes Entscheidungsgremium ist die Vollversammlung, die ungefähr alle acht Jahre zusammentritt. Die zehnte und bisher letzte Vollversammlung fand 2013 in Busan/Korea statt. Zwischen den Vollversammlungen tagt jedes zweite Jahr der Zentralausschuss. ÖRK-Generalsekretär ist derzeit der norwegische lutherische Pastor Olav Fykse Tveit.

Historischen Wurzeln
Die historischen Wurzeln des Ökumenischen Rates der Kirchen liegen in den Studenten- und Laienbewegungen des 19. Jahrhunderts, der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh und in einer Enzyklika des Patriarchen von Konstantinopel aus dem Jahr 1920, in der die Schaffung eines "Kirchenbundes" nach dem Vorbild des Völkerbundes vorgeschlagen wurde. Führende kirchliche Persönlichkeiten, die mehr als 100 Kirchen vertraten, beschlossen 1937/38, einen Ökumenischen Rat der Kirchen zu gründen, die Umsetzung dieses Beschlusses wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges jedoch aufgeschoben. 1948 war es dann schliesslich soweit.

Ein wichtiges Datum für den Weltkirchenrat war der Beitritt der russisch-orthodoxen Kirche im Jahr 1961. Durch die Ost-West-Bindung kam dem ÖRK in der Zeit des Kalten Krieges eine international beachtete Vermittlerrolle zu. Auch der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika zog die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf den Weltkirchenrat.

Einführung des Konsensverfahrens
Zwischen den orthodoxen und den reformatorischen Kirchen kam es in den 1990er-Jahren zu Spannungen. Die Orthodoxen fühlten sich mit dem damaligen Mehrheitswahlsystem bei vielen Entscheidungen benachteiligt, da mehrheitlich protestantische Kirchen vertreten waren. Seit 2006 herrscht das Konsenssystem, das diesen Streitpunkt ausgeräumt hat.

Zum Wesen des Konsensverfahrens heisst es in den "Richtlinien für die Ordnung der Sitzungen des ÖRK": "Konsens ist ein Verfahren, in dem die Übereinstimmung der Versammelten ohne Zuhilfenahme einer förmlichen Abstimmung gesucht wird. Konsens ist das Ergebnis eines aufrichtigen Dialogs, der von Respekt, gegenseitiger Unterstützung und Ermutigung getragen ist und in dem im Gebet danach getrachtet wird, Gottes Willen zu erkennen."

Infos: www.oikoumene.org/de/

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"Es gibt kein Recht auf einen Handschlag"

Basel/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Religionsfreiheit

An der Weiterbildungsveranstaltung der Juristischen Fakultät der Universität Basel, zum Thema "Recht, Religion und Arbeitswelt", nahmen am 24. Januar rund 75 Personen teil. Es ging um positive und negative Religionsfreiheit in privaten und öffentlichen Arbeitsverhältnissen, unter anderem auch um den Umgang mit religiösen Symbolen. Im Podiumsgespräch sagte Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) in Bezug auf den Fall Therwil/BL, bei dem zwei muslimische Schüler der Lehrerin den Handschlag verweigerten: "Es gibt kein Recht auf einen Handschlag".

Religionsfreiheit an öffentlichen Schulen
Ausgehend vom Fall Therwil meinte Zemp, dass bei Problemen in Sachen Religionsfreiheit zwischen Lehrpersonen und Schülern besser "pädagogische anstatt rechtliche Lösungsansätze" gesucht werden sollten. "Wir sollten Toleranz entwickeln und nicht gleich hyperventilieren".

Bei Problemen an Schulen, im Zusammenhang mit Religionsfreiheit, ortete Zemp bezüglich Lehrpersonen als Problemfelder die Kopftuchfrage sowie die stetige Zunahme von evangelikalen Lehrpersonen. Bei den Schülern gäbe es beim Schwimmunterricht, bei Klassenlagern, beim Handschlag sowie der Essenskultur am Mittagstisch in Tagesschulen, Stichwort Schweinefleisch, Probleme. Religionsfreiheit spiele aber auch beim Lehrplan 21 eine Rolle, wenn es um die Frage gehe, ob an den öffentlichen Schulen konfessioneller Religionsunterricht erteilt ("teaching in religion") oder Grundwissen über Religionen ("teaching about religion") vermittelt werden soll. Zusätzlich schwappe aus den USA die Diskussion in die Schweiz, was über den Ursprung gelehrt werden soll: "Intelligent design", der biblische Schöpfungsbericht oder die Evolutionstheorie.

Religionsfreiheit gilt grundsätzlich auch im privaten Arbeitsverhältnis
"Stündeler" oder "Fischli" haben Nachteile bei der Suche einer Arbeitsstelle, sagte Kurt Pärli, Professor für Soziales Privatrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel. Eine Kündigung wegen Kopftuchttragens, für die keine sachlichen Gründe angeführt werden könnten, wie zum Beispiel Hygiene, sei missbräuchlich. "Religionsfreiheit gilt grundsätzlich auch im privaten Arbeitsverhältnis", so Pärli, und könne vertraglich nicht gänzlich wegbedungen werden. Die Berufung auf die Religionsfreiheit seitens des Unternehmers als auch der Arbeitnehmenden dürfe nicht zur Diskriminierung anderer führen, wie zum Beispiel den Mitarbeitenden oder Kunden. "Man kann sich nicht auf Religionsfreiheit berufen, wenn man andere diskriminieren will", sagte Kurt Pärli. Wenn es zu keiner Einigung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber komme, müssten die kollidierenden Interessen von den Gerichten gegeneinander abgewogen werden, wobei der Kontext und die Verhältnismässigkeit zu beachten sei. Viele Probleme seien aber auf betrieblicher Ebene lösbar.

Religionsfreiheit im öffentlichen Dienstverhältnis
Andreas Stöckli, Professor für öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel, eröffnete sein Grundsatzreferat zur Religion im öffentlichen Dienstverhältnis mit einigen Fragen: Darf einem Angestellten im öffentlichen Dienst gekündigt werden, weil er sich weigert eine Halskette mit einem sichtbaren Kreuz abzulegen? Ist es zulässig, einer Person den Zugang zum öffentlichen Dienst bloss deshalb zu verweigern, weil sie einer "fundamentalistischen" Religionsgemeinschaft angehört? Darf sich ein Arbeitnehmer unter Berufung auf seinen Glauben weigern, bestimmte Amtshandlungen auszuführen, zum Beispiel Medizinalpersonen einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen oder Standesbeamte eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft einzutragen? Im Gesundheitsgesetz des Kantons Bern sei in Art. 23 die "Weigerung aus Gewissensgründen" für Fachpersonen beschrieben, sich nicht an einem Schwangerschaftsabbruch zu beteiligen: "Die Fachperson kann die Mitwirkung an einer Behandlung verweigern, die ihren ethischen oder religiösen Überzeugungen widerspricht..."

Zum Tragen religiöser Symbole und Kleidungsstücke von Personen im öffentlichen Dienst bzw. dem Aufhängen von religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden schlug Andreas Stöckli eine differenzierte Betrachtungsweise vor: Das Tragen des Kopftuches einer Lehrerin sei eine persönliche "Position" und könnte zugelassen werden, zumal kein religiöser Einfluss auf die Schüler belegbar sei. Das Aufhängen eines Kruzifixes in einem Schulzimmer sei aber eine "Aussage" bzw. eine "Position" des Staates, der in religiösen Belangen der Neutralität verpflichtet sei, was deshalb zu unterlassen sei.

Grundsätzlich gelte es der Verhältnismässigkeit bei Konflikten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezüglich der Gewährung der Religionsfreiheit viel Gewicht beizumessen, so Stöckli.

In drei Workshops am Nachmittag wurde die Rolle der Arbeitgeber in Verwaltung, Unternehmen, Schule, Kirchen und Religionsgemeinschaften thematisiert und diskutiert.

Referierende
Prof. Dr. Nathalie Amstutz, Dozentin für Diversity Management an der Hochschule für Wirtschaft, Fachhochschule Nordwestschweiz; Prof. Dr. iur. Denise Buser, Titularprofessorin für kantonales öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel; Prof. Dr. iur. Felix Hafner (Tagungsleitung), Professor für Öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel; Dr. phil. Christian Griss, Leiter Sekundarstufe und Leiter Dienste, Volksschulen, Erziehungsdepartment Basel-Stadt; Dr. iur. Claudia Kaufmann, Ombudsfrau der Stadt Zürich; Dr. iur. Anne Kühler, LL.M. (Tagungsleitung), Oberassistentin am Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich; Prof. Dr. iur. Karine Lempen, Professorin für Arbeitsrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Genf; Prof. Dr. iur. Matthias Mahlmann, Professor für Philosophie und Theorie des Rechts, Rechtssoziologie und Internationales Öffentliches Recht an der Universität Zürich; Dr. iur. Christoph Meyer, LL.M., Advokat, NEOVIUS AG Advokaten & Notare; Lehrbeauftragter an der Universität Basel; Prof. Dr. iur. Kurt Pärli, Professor für Soziales Privatrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel; Dr. phil. Lilo Roost Vischer, Ethnologin und Religionswissenschaftlerin, Dozentin und Beraterin; ehem. Koordinatorin für Religionsfragen im Präsidialdepartement Basel-Stadt und Leiterin des Runden Tischs der Religionen beider Basel; Pfr. Martin Stingelin, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Basel-Landschaft; Prof. Dr. iur. Andreas Stöckli (Tagungsleitung), Professor für Öffentliches Recht, insbesondere Öffentliches Wirtschaftsrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel; Diego Stoll, Advokat, Advokatur und Notariat Neidhart Vollenweider Joset Stoll Gysin Tschopp; Mitglied des Landrats des Kantons Basel-Landschaft; Prof. Dr. iur. Daniela Thurnherr, LL.M., Professorin für Öffentliches Verfahrensrecht, Verfassungsrecht und Verwaltungsrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel; dipl. math. Beat W. Zemp, Zentralpräsident Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH.

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Hilfswerk Open Doors stellt "Weltverfolgungsindex 2018" vor

Kelkheim/Deutschland und Romanel-s-Lausanne/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Religionsfreiheit

Der "Weltverfolgungsindex 2018" (WVI 2018) wurde am 10. Januar vom überkonfessionellem Hilfswerk Open Doors veröffentlicht. Der Bericht führt nach Angaben des Hilfswerkes 50 Länder in einer Rangliste auf, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt und benachteiligt werden. Der neue Weltverfolgungsindex benennt als Hauptursache für Christenverfolgung die aufstrebenden islamistischen und nationalistischen Bewegungen mit besonders starker Ausprägung in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten.

Mit dem neuen Weltverfolgungsindex 2018 mache Open Doors auf die zunehmend bedrohliche und dramatische Lage von Christen in den 50 Ländern aufmerksam, in denen sie aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt würden, teilte das Hilfswerk mit. In diesen Ländern leben etwa 4,8 Milliarden Menschen, von denen sich mehr als 600 Millionen zum christlichen Glauben bekennen. Davon seien über 200 Millionen einem hohen Mass an Verfolgung ausgesetzt. Die erstgenannten Länder des Weltverfolgungsindex sind laut WVI 2018: 1. Nordkorea, 2. Afghanistan, 3. Somalia, 4. Sudan, 5. Pakistan, 6. Eritrea, 7. Libyen, 8. Irak, 9. Jemen und 10. Iran. Christen in diesen Ländern litten massiv unter Gewalt, müssten in Straflagern Zwangsarbeit leisten, würden verhaftet und Kirchengebäude abgerissen.

Gründe für Christenverfolgung
Als Gründe für die Verfolgung nennt Open Doors die Radikalisierung von Islamisten, den Bruderkampf zwischen Sunniten und Schiiten mit ihren Schutzmächten Saudi-Arabien und Iran, ideologisch geprägten Nationalismus auf Basis des Kommunismus, den Personenkult um die "Kim-Dynastie" sowie einen nationalistisch geprägten Hinduismus und Buddhismus. "Verfolgte Christen brauchen Zeichen der Hoffnung, gerade von den Ländern des christlichen Westens. Das gilt auch für die aus Syrien und dem Irak geflüchteten Christen. Die Stimme der Christen im Nahen Osten, die dort über Jahrhunderte Nächstenliebe und Vergebung gelebt haben, darf nicht verstummen", so Markus Rode, Vorstandsvorsitzender von Open Doors Deutschland.

Jährlich neuer Weltverfolgungsindex zeigt Dynamik von Christenverfolgung
Seit 1955 setzt sich das christliche Hilfswerk Open Doors mit umfangreichen Hilfsprojekten für verfolgte Christen aller Konfessionen ein, heute in über 60 Ländern. Nach eigenen Angaben sei der Weltverfolgungsindex die weltweit einzige Erhebung, für die verfolgte Christen anhand einer differenzierten und von Experten kontinuierlich weiterentwickelten Methodik jährlich direkt befragt würden. Damit solle ihre Situation möglichst genau erklärt und die Dynamik der Verfolgung verdeutlicht werden.

Weitere Informationen:
www.opendoors.ch/index-d

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USA nennen Staaten mit schlimmsten Verstössen gegen Religionsfreiheit

Washington, D.C./USA | 30.01.2018 | APD | Religionsfreiheit

Am 4. Januar hat das US-Aussenministerium die Liste der besonders Besorgnis erregenden Staaten (Countries of Particular Concern, CPCs) publiziert, in denen 2017 laut dem Ministerium die schlimmsten Verstösse gegen die Religionsfreiheit begangen wurden. Die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (U.S. Commission on International Religious Freedom USCIRF)" begrüsste die Publikation der Liste, sie "bleibt aber hinter dem zurück, was nötig wäre", kritisierte Dr. Daniel Mark, Vorsitzender der USCIRF, die Liste des Aussenministeriums.

Staaten mit den grössten Verstössen gegen die Religionsfreiheit im 2017
In der Liste der besonders Besorgnis erregenden Staaten (CPC) sind laut der USCIRF-Medienmitteilung Länder aufgelistet, die Religionsfreiheit in einer "systematischen, fortwährenden und ungeheuerlichen" Art und Weise verletzen. Dazu gehören Burma, China, Eritrea, Iran, Nordkorea, Saudi-Arabien, Sudan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan.

Weitere Länder würden zur Liste der CPC-Staaten gehören
Daniel Mark, Vorsitzender des USCIRF, sagte: "Die Benennung dieser Länder ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass sich die USA weiterhin für die internationale Religionsfreiheit einsetzen. Obwohl die USCIRF mit den zehn Ländern auf der Liste des Aussenministeriums übereinstimmt, ist die Liste zu wenig umfassend. Aussenminister Tillerson hätte auch Nigeria, Pakistan, Russland, Syrien, Vietnam und die Zentralafrikanische Republik benennen sollen."

"Special Watch List"
Das US-Aussenministerium habe laut USCIRF auch die Einführung einer besonderen Überwachungsliste (Special Watch List) angekündigt auf der jene Länder aufgeführt werden sollen, die schwere Verletzungen der Religionsfreiheit begehen oder tolerieren, aber nicht auf die Liste der CPC-Staaten gehören, die "systematisch, fortwährend und in ungeheuerlichen" Art und Weise die Religionsfreiheit verletzen. Das Aussenministerium habe nur Pakistan auf diese Special Watch List gesetzt.

Die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) fordere seit vielen Jahren, dass das US-Aussenministerium auch Pakistan auf die Liste der CPC-Staaten setzen sollte. "Pakistan belästigt weiterhin seine religiösen Minderheiten, hat staatlich sanktionierte Diskriminierungen gegen Gruppen wie die Ahmadis und toleriert aussergerichtliche Gewalt", so Daniel Mark. Deshalb sei es überraschend und enttäuschend, dass Pakistan in diesem Jahr nicht auf der Liste der CPC-Staaten sei.

Religionsfreiheit - ein amerikanischer Grundwert und universelles Menschenrecht
USCIRF lobt den US-Aussenminister Rex Tillerson für "die ausgezeichnete Erklärung, die er anlässlich der Veröffentlichung des Internationalen Berichts zur Religionsfreiheit im August 2017 abgegeben hat". Damals habe er erklärt, dass Religionsfreiheit ein "amerikanischer Grundwert... und universelles Menschenrecht" sei. Religionsfreiheit sei laut Tillerson für die Trump Administration eine "Menschenrechtspriorität.

Der International Religious Freedom Act von 1998 (IRFA) sieht vor, dass das Aussenministerium CPC-Staaten bezeichnet und dass die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) dem Aussenministerium entsprechende Empfehlungen gibt, welche Länder auf der Liste aufgeführt werden sollten. Im April 2017 empfahl die USCIRF 16 CPC-Länder: Burma, China, Eritrea, Iran, Nigeria, Nordkorea, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und die Zentralafrikanische Republik.

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ADRA Deutschland schickt über 34.500 Weihnachtspakete nach Osteuropa

Weiterstadt/Deutschland | 30.01.2018 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Seit 18 Jahren packen Kinder und Erwachsene in Deutschland bei der "Aktion Kinder helfen Kindern" der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland Geschenkpakete für bedürftige Kinder in Osteuropa. Die Weihnachtsaktion 2017 hat durch insgesamt 34.539 Pakete und 4.196 grosse Kisten mit zusätzlichen Spenden zahlreiche Kinderaugen strahlen lassen.

Die Pakete gingen nach Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Litauen, Mazedonien, Serbien und Weissrussland. Unter den Sendungen waren auch 1.864 Pakete und 50 Kisten aus den Niederlanden sowie 460 Pakete und 27 grosse Kartons aus Luxemburg.

Zusätzlich schickte ADRA Schweiz 3.355 Weihnachtspakete nach Moldawien. ADRA Österreich brachte 6.302 Geschenksendungen nach Albanien und Lettland.

Weitere Informationen: www.kinder-helfen-kindern.org

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Philippinen: ADRA leistet Hilfe nach Tropenstürmen

Silver Spring, Maryland/USA | 30.01.2018 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Tropenstürme Kai-Tak und Tembin haben im Dezember 2017 auf den Philippinen grosse Verwüstungen durch Überschwemmungen und Erdrutsche angerichtet. Mehr als 1,7 Millionen Menschen sind von der Katastrophe betroffen und über 250 Tote zu beklagen, berichtete die Kommunikationsabteilung der Weltkirchenleitung der Siebten-Tags-Adventisten (Adventist News Network, ANN) Anfang Januar. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Philippinen half zusammen mit Freiwilligen und dem Sozialdienst Adventist Community Services in der stark betroffenen Region Biliran.

Tropensturm Kai-Tak
Wie ANN berichtete, verwüstete der Tropensturm Kai-Tak ab dem 16. Dezember 2017 die Zentralregion der Philippinen. Überschwemmungen und Erdrutsche beschädigten Strassen und Brücken. 40 Tote seien gemeldet worden, weitere Menschen würden noch vermisst. Die Energieversorgungssysteme seien stark beschädigt worden. 1,7 Millionen Menschen seien betroffen.

Tropenstrum Tembin
Am 22. Dezember verursachte der Tropensturm Tembin Sturzfluten und Erdrutsche auf den südlichen Philippinen. Fast 270.000 Menschen seien davon betroffen, es gab laut ANN 200 Todesopfer. Das gesamte Ausmass der Schäden könne noch nicht vollständig abgeschätzt werden, da die Bewohner sich zunächst mit unmittelbaren Bedürfnissen wie Verlust oder Beschädigung ihrer Häuser und Lebensgrundlagen befassten.

ADRA Philippinen
Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Philippinen half zusammen mit Freiwilligen und dem Sozialdienst Adventist Community Services in der stark betroffenen Region Biliran. Etwa 500 betroffene Familien erhielten Lebensmittelpakete mit Lebensmitteln für eine Woche wie Reis und Konserven. "Der Taifun hat unsere gesamte Ernte ruiniert und wir wissen nicht, wo wir Lebensmittel herbekommen. Das [Lebensmittelpaket] wird eine grosse Hilfe für mich und meine Kinder sein", so ein Landwirt aus Biliran.

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Fidschi: Ärztekammer empfiehlt adventistisches Gesundheitsprogramm

Suva/Fidschi | 30.01.2018 | APD | Gesundheit & Ethik

Die Ärztekammer der südpazifischen Inselrepublik Fidschi (Fiji Medical Association, FMA) hat beschlossen, das adventistische "Programm zur Verbesserung umfassender Gesundheit" (Complete Health Improvement Program, CHIP) allen Ärzten auf Fidschi zur Verfügung stellen. Wie die Februar-Ausgabe 2018 der internationalen Kirchenzeitschrift "Adventist World" berichtet, sei CHIP entwickelt worden, um durch bessere Gesundheitsgewohnheiten und angemessene Änderungen des Lebensstils die Risikofaktoren für Krankheiten zu reduzieren.

Während ihrer Jahrestagung habe sich die FMA mit dem Problem der nichtübertragbaren Krankheiten befasst. Zu diesen zählen auch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die im Inselstaat zunehmen würden. Dabei stellte der Sekretär der Ärztekammer, Alipate Vakamocea, der auch die Gesundheitsabteilung der Fidschi-Mission der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten leitet, das CHIP-Programm vor. Er wies darauf hin, dass im letzten Jahr vier fidschianische Ärzte an nichtübertragbaren Krankheiten gestorben seien, obwohl sie noch ziemlich jung waren, "zwischen Ende 20 und Anfang 40". Laut Vakamocea sei es an der Zeit, "dass wir Ärzte uns um unsere Gesundheit kümmern und das, was wir predigen, praktizieren".

Siebenten-Tags-Adventisten auf Fidschi
Die Fidschi-Mission der Adventisten befasst sich auch mit anderen Gesundheits-initiativen. So soll in der Hauptstadt Suva ein Wellnesszentrum mit Café, Reformhaus, Buchhandlung sowie medizinischen Untersuchungs- und Behandlungseinheiten entstehen. Von den rund 900.000 Einwohnern der Inselrepublik sind 24.200 erwachsen getaufte Adventisten in 159 Kirchengemeinden. Die Freikirche unterhält dort eine Hochschule, ein Gymnasium, eine Mittelschule und mehrere Grundschulen.

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Adventistischer TV-Kanal "Hope Channel Frankreich" auf Sendung

Paris/Frankreich | 30.01.2018 | APD | Medien

Am 13. Januar startete der adventistische Fernsehsender Hope Channel Frankreich (HCF) seine Ausstrahlungen, wie Jean-Paul Barquon, Exekutivsekretär der Kirchenleitung in Frankreich und Belgien (Union Franco Belge des Adventistes du septième Jour) berichtete. Hope Channel Frankreich ist Teil der Hope Channel Senderfamilie, die weltweit 47 Stationen betreibt und in 57 Sprachen sendet.

Unter der Leitung von Jethro Camille wird HCF die gute Nachricht des Evangeliums von Jesus Christus weitergeben, sagte Jean-Paul Barquon beim Sendebeginn. Die Programme sollen lzusätzlich die Bereiche Spiritualität, Gesundheit und Familie thematisieren sowie auf Fragen eingehen, die oft an Christen gestellt werden.

In Frankreich bezeichneten sich 15 Prozent der Bewohner als Atheisten. Das sei mit Ausnahme der Tschechischen Republik und der Gebiete in Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, die höchste Quote in Europa, heisst es in der Medienmitteilung der Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa (EUD NEWS). In Frankreich gibt es demnach zwei Minderheitengruppen, die Atheisten mit 15 Prozent und die praktizierenden Gläubigen, mit zehn Prozent. Dazwischen gebe es nach Ansicht von Experten einen immer grösser werdenden, unbestimmbaren Bereich von Menschen, die gegenüber Religion indifferent seien. Hope Channel Frankreich wolle auch programmliche Angebote für diese Personengruppe anbieten, so Barquon.

Die Programme der weltweit 47 Hope Channel Sender sind der lokalen Kultur angepasst und werden in 57 Sprachen ausgestrahlt, darunter Arabisch, Deutsch, Farsi, Hindi, Mandarin, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch, Tamil, Telugu, Ukrainisch. Mehr zu HCF: www.hopechannel.fr/

Der deutsche Fernsehsender Hope Channel gehört zum europäischen Medienzentrum Stimme der Hoffnung e.V. der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit Sitz in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt/Deutschland. Weitere Informationen unter: www.hopechannel.de/

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Frankreich: Adventisten mit neuer theologischer Zeitschrift

Bern/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Medien

Die theologische Fakultät der adventistischen Hochschule in Collonges-sous-Salève/Frankreich hat die erste Ausgabe einer neuen französischsprachigen theologischen Zeitschrift veröffentlicht. Sie trägt den Titel "Servir - Revue adventiste de théologie" (Dienen - Adventistische Zeitschrift für Theologie). Dies teilte die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa (EUD NEWS) mit.

Laut Gabriel Monet, Initiator dieses Projekts und seit letztem Sommer neuer Dekan der theologischen Fakultät der adventistischen Hochschule in Collonges-sous-Salève/Frankreich, füllt die Zeitschrift eine Lücke im französischsprachigen adventistischen Bereich. Zwar existieren für unterschiedliche Adressatenkreise verschiedene Zeitschriften, die Artikel zu verschiedenen theologischen Themen enthielten, diese hätten allerdings keinen wissenschaftlichen Anspruch. Französischsprachige adventistische Theologen würden daher in nicht-französischen oder nicht-adventistischen theologischen Zeitschriften publizieren.

Ziel der Zeitschrift
Die Zeitschrift "Servir" sei seriös und wissenschaftlich, solle aber nicht elitär oder zu technisch wirken, so EUD NEWS. Darüber hinaus soll die Zeitschrift Synergien zwischen den verschiedenen französischsprachigen adventistischen Fakultäten in Kamerun, Haiti, Madagaskar und Frankreich erzeugen. Die theologische Fakultät der adventistischen Hochschule in Collonges-sous-Salève hoffe, mit dieser Zeitschrift allen Bibelwissenschaftlern, Historikern, systematischen und praktischen Theologen eine Möglichkeit zu bieten ihre Forschung und Reflexionen zu veröffentlichen.

Titel der Zeitschrift
Der Titel "Servir" (Dienen) mache deutlich, dass theologische Forschung auch einen Beitrag zum Dienst leisten könne. Ein gleichnamiges Magazin wurde bereits vor etlichen Jahren von der Predigtamtsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa herausgegeben, im Jahr 1999 allerdings eingestellt. Die Zeichnung auf dem Cover der Zeitschrift vermittele die Idee, dass jede Handlung (symbolisiert durch die Hand) von Gott durch seinen Heiligen Geist (symbolisiert durch die Taube) unterstützt und inspiriert werden solle. Weitere Informationen: www.campusadventiste.edu/etudier/faculte-adventiste-de-theologie/revue-servir-91.html

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Neue TV-Dramaserie über Ereignisse in Waco vor 25 Jahren

Milton Freewater, Oregon/USA | 30.01.2018 | APD | Medien

Ab 24. Januar wird im Paramount Channel eine neue TV-Dramaserie mit dem Titel "Waco" gesendet. Sie thematisiert die 51-tägige Belagerung des Anwesens der US-amerikanischen "Branch Davidians" (Davidianischer Zweig) in Waco/Texas, die vom 28. Februar bis 19. April 1993 stattfand. Dabei starben neben 86 Davidianern vier Polizisten. Unter den Toten befanden sich auch etwa 20 Kinder. Der Anführer dieser Gruppe, David Koresh, war ehemaliges Mitglied der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gewesen, wurde allerdings bereits 1981 ausgeschlossen. Das berichtete der unabhängige Dienst Adventist Today (AT).

Die sechsteilige Fernseh-Miniserie "Waco" wurde von den Hollywood-Produzenten John und Drew Dowdle geschrieben und inszeniert. Das Drehbuch der Serie basiert auf zwei neueren Büchern, deren Autoren auch als Berater fungierten. Das Buch "Stalling for Time" wurde von Gary Noesner geschrieben, einem pensionierten Ermittlungsbeamten des FBI, der damals ein offizieller Unterhändler der Regierung gewesen war. "Waco: A Survivor's Story" wurde von David Thibodeau geschrieben, einem Ex-Adventisten, der Teil der "Branch Davidians" war.

Das Waco-Desaster
Der Inhalt der Serie ist einer wahren Begebenheit nachempfunden: David Koresh hatte sich in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts einer Splittergruppe der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten angeschlossen. Er übernahm später die Führung einer Abspaltung, mit Sitz in einem ländlichen Gebiet (Mount Carmel Center) ausserhalb von Waco, Texas/USA. Koresh zog eine wachsende Zahl von Adventisten aus der ganzen Welt an. Er interpretierte biblische Prophezeiungen neu und hortete Schusswaffen für die Endzeitschlacht "Harmageddon".

Bundesagenten untersuchten das Gelände des Mount Carmel Centers, nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika Kenntnis von Koreshs Kauf illegaler Schusswaffen erlangt hatte, so AT. In einem anschliessenden Feuergefecht wurden 23 Beamte verwundet und vier getötet. Nachdem die Behörden 51 Tage lang vergeblich versucht hatten mit Koresh zu verhandeln, stürmten sie das Gelände mit Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen. Ein anschiessendes Feuer zerstörte den Komplex. 86 Mitglieder der "Branch Davidians" starben, darunter etwa 20 Kinder und Koresh selbst. Während dieser Ereignisse wies die Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten immer wieder deutlich darauf hin, dass der Kult der "Branch Davidians" nichts mit der offiziellen Organisation der Freikirche zu tun habe.

Weitere Informationen: www.paramountnetwork.com/shows/waco

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England: Internationales adventistisches Malbuch für Erwachsene

St. Albans/England | 30.01.2018 | APD | Medien

Anfang Januar veröffentlichte die Abteilung Frauen der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Nord- und Südosteuropa (TED) ein Malbuch vornehmlich für Erwachsene. Es trägt den Titel "Malbuch - Frauen in der Bibel und ich" ("Colouring book - Women in the Bible and Me") und wurde von Künstlern aus drei verschiedenen Ländern gestaltet. Das Malbuch basiert auf dem gleichnamigen Studienheft "Women in the Bible and Me" und soll helfen, beim Bibelstudium die eigene Kreativität zu wecken, berichtete die Kommunikationsabteilung der TED (tedNEWS).

Das Malbuch ist eine Ergänzung zu den 14 Lektionen von "Women in the Bible and Me", die von der adventistischen Weltkirchenleitung herausgeben wurden. Die Lektionen beschäftigen sich mit Frauen der Bibel wie beispielsweise Debora, Hanna, Maria und anderen. Diese Studieneinheiten können einzeln oder in Kleingruppen im Rahmen des Bibelstudiums genutzt werden. "Das gleichzeitige Zuhören und Anmalen hilft, beide Gehirnhälften zu nutzen, was viele Vorteile hat", so Clair Sanches-Schutte, Leiterin der Abteilung Frauen und Kinder der TED. Ausmalen könne helfen, Stress und Ängste abzubauen, Kreativität zu entfalten sowie sich zu fokussieren. Das Buch würde sogar von Männern rezipiert, so Sanches-Schutte weiter.

Trend: Malbücher für Erwachsene
"Kreative Farbgestaltung kann uns auch helfen, als Christen spirituell zu wachsen. Wenn man malt und darüber nachdenkt, was man malt, kann dies eine ganz neue Welt des Bibelstudiums eröffnen. Es kann dabei helfen, sich auf das zu konzentrieren, was man gelesen hat und was man hört." Damit nimmt Sanches-Schutte Bezug auf einen neuen Trend, der in den letzten Jahren in den USA, Grossbritannien und Frankreich aufgekommen ist. "Adult Coloring" heisst das Phänomen, bei dem Erwachsene Malbücher gestalten: gegen Stress und zur Entspannung. Damit ist gleichzeitig auch ein neuer Absatzmarkt erschlossen worden: Unter den 100 meistverkauften deutschen Büchern des Onlinehändlers Amazon befänden sich zehn Malbücher für Erwachsene, teilte die Zeit mit.

Zusätzliche Infos auf Englisch: https://ted.adventist.org/women-s-ministries/women-in-the-bible-and-me

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Adventgemeinde Zürich-City mit neuem Pastor

Zürich/Schweiz | 30.01.2018 | APD | Personen

Per 1. Januar hat Roland Dell'mour (34) als Pastor in der Gemeinde Zürich-Cramerstrasse (Zürich I) der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten die Arbeit aufgenommen. Er arbeitet mit dem Bezirkspastor Günther Maurer zusammen, der im Sommer 2018 in Pension gehen wird.

"Ich bin davon überzeugt, dass die Bibel speziell in unserer heutigen Zeit die entscheidenden Richtlinien für ein gelingendes Leben enthält", sagte Dell'mour gegenüber APD. "Ich möchte deshalb den Kirchenmitgliedern und den Menschen, mit denen ich zu tun haben werde, als Freund zur Seite stehen, damit sie dem Gott der Bibel und ihrer eigenen Bestimmung näherkommen."

Zusammen mit seiner Frau Cornelia wolle er ein besonderes Augenmerk auf die Förderung und Begleitung von Menschen legen und Angebote für Familien mit kleinen Kindern machen. Ausserdem sei es ihm ein Anliegen, die Adventgemeinde an der Cramerstrasse in ihren vielseitigen Einsatzbereichen zu unterstützen, so Dell'mour.

Darüber hinaus begleitet Roland Dell'mour das Jugend-Evangelisationsprojekt "Twisted Reality", das Filmbegeisterten jungen Menschen einen Zugang zur Bibel eröffnen möchte. www.twistedreality.ch/

Werdegang
Der 34-jährige Österreicher schloss an der Fachhochschule Salzburg den Studiengang "Multi Media Art" mit einem Magister (FH) ab und war danach insgesamt fünf Jahre als 3D-Graphikdesigner tätig. Das vierjährige Theologiestudium schloss er 2013 am adventistischen Seminar Schloss Bogenhofen/Oberösterreich ab. Im zweijährigen praktischen Teil der Theologieausbildung arbeitete Dell'mour von 2015 bis 2017 als Pastoralassistent in den Adventgemeinden Bern, Burgdorf und Murten.

In der Freizeit entwerfe er gerne Spielzeug für seine Kinder, die er mit einem eigenen 3D-Printer ausdrucke oder er gehe auch gerne Sportklettern, so Dell'mour. Er ist verheiratet mit Cornelia. Das Ehepaar hat zwei Kinder.

Adventgemeinde Zürich-Cramerstrasse (Zürich I)
Die adventistische Kirchgemeinde Zürich-Cramerstrasse (Zürich I), in der City, hat 268 Mitglieder, darunter auch eine Gruppe Englischsprachiger. Er werde nebst den üblichen pastoralen Tätigkeiten in der Seelsorge und beim Predigen, auch individuellen Religions- oder Bibelunterricht erteilen, sagte Roland Dell'mour. Im Weiteren werde er sich auch in der Bezirksjugendarbeit sowie in jener der Deutschschweiz, bei Lagern und Events, engagieren.

Webseite der Adventgemeinde Zürich-Cramerstrasse:
zuerich.adventgemeinde.ch/

Verein Inklusiv, "Chrischtehüsli"
Im Gebäude der Freikirche an der Cramerstrasse 11 betreibt der Verein Inklusiv, "Chrischtehüsli", an fünf Wochentagen eine Anlauf- und Beratungsstelle für randständige Menschen. Migranten sowie Menschen mit Suchtproblemen erhalten in einem Tagesraum sowie in Nebenräumen Informationen, werden beraten, begleitet und integriert. Der Verein unterhält einen Computerraum, einen Mittagstisch sowie "Crami", eine Kinderspielgruppe. www.chrischtehuesli.ch

Ökumenische Kontakte
Die Adventisten sind Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) und haben den Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH). In sechs kantonalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (BL/BS, GE, SH, TI, VD, ZH) sind sie Mitglieder oder haben den Gaststatus.

Adventisten in der Schweiz
Eine Vorläufergemeinde der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten entsteht 1867 in Tramelan/Jura. 1883 wurden in Basel und Tramelan die ersten Gemeinden gegründet. Im Jahre 1901 wurden die Kirchengemeinden in der Schweiz entsprechend der Sprachzugehörigkeit in zwei "Vereinigungen" aufgeteilt: in die "Deutschschweizerische Vereinigung" mit Sitz in Zürich und in die "Fédération de la Suisse Romande et du Tessin" mit Sitz in Renens/VD. Beide Verwaltungsregionen bilden gemeinsam die nationale Kirchenleitung "Schweizer Union".

Ende Dezember 2016 lebten 4.652 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz. Einige Hundert Kinder und Jugendliche sind in der Mitgliederzahl nicht enthalten, da die protestantische Freikirche keine Kinder tauft, sondern ihnen den Entscheid zum Kirchenbeitritt in einem Alter überlässt, wenn sie sich selbst entscheiden können. Die Adventisten feiern den Gottesdienst am biblischen Ruhetag, dem Samstag (Sabbat), in 54 Kirchgemeinden und fünf Gruppen. Weltweit sind mehr als 20 Millionen Personen durch die Glaubenstaufe Mitglieder der Kirche geworden.

Mehr Informationen über die Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz:
www.adventisten.ch/adventisten/

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Hans Heinz, Endzeit und Endziel: Martin Luther und die Zukunft der Welt

| 30.01.2018 | APD | Buchrezensionen

Hans Heinz, Endzeit und Endziel: Martin Luther und die Zukunft der Welt Hoffnung heute: Wissen - Orientierung - Zeugnis, Band 2, Krattigen: Advent-Verlag 2017, 192 Seiten, Paperback, 15,50 CHF/Euro, ISBN 978-3906309156

Luther und die urchristliche Endzeiterwartung
Das vorzustellende Buch ist der zweite Band in der kleinen Schriftenreihe "Hoffnung heute" zur Theologie, Geschichte und Weltsicht der Siebenten-Tags-Adventisten (Band 1 thematisierte die religiöse Herausforderung der Begegnung von Christentum und Islam). In 17 Kapiteln beschäftigt sich der promovierte adventistische Theologe Hans Heinz mit dem Leben Martin Luthers und seiner Botschaft.

Das Buch beginnt mit einer zeitlichen Einordnung, um dann unverzüglich zum eigentlichen Thema zu kommen: Luthers Sicht von der Zukunft der Welt. Luther predigte immer wieder gern aus dem 21. Kapitel des Lukasevangeliums, in dem zukünftige Ereignisse thematisiert werden. Ihm ging es dabei stets um die christliche Adventhoffnung: "Hilf, lieber Herr Gott, dass der selige Tag deiner heiligen Zukunft bald komme." Die Welt betrachtete er dabei mit einem biblischen Realismus. Sie ist von Gott getrennt und unfähig, sich selbst zu retten. Rettung sei nur durch den wiederkehrenden Christus zu erfahren. Auf den langen Winter müsse ein ewiger Sommer folgen.

"Apokalyptischer Luther"
Heinz' These lautet: Die moderne Lutherforschung wird der kühnen Haltung des Reformators im Hinblick auf seine Eschatologie (Lehre von der Endzeit) nicht gerecht. Eher stünde die Kritik an Luther im Vordergrund als die Würdigung dieser konsequent biblischen Ausrichtung seiner Lehre. Entweder ignoriere man Luthers endzeitliche Erwartungshaltung oder relativiere sie. Luthers biblische Sichtweise von der Wiederkunft Christi sei aber eine durchgehende Konstante in seiner Lehre. "Er [Luther] hat damit deutlich gemacht, dass authentisches Christentum nicht nur an der Vergangenheit hängen kann und auch nicht ganz in der Gegenwart aufgehen darf, sondern auf die Zukunft hin ausgerichtet sein muss" (S.15).

Im Laufe der Zeit sei diese eschatologisch-apokalyptische Perspektive ausgedünnt worden (S. 23). Der Neo-Protestantismus habe sich von der Welt der Reformation und ihren ursprünglichen Glaubensüberzeugungen verabschiedet. Schuld daran trage der moderne Anthropozentrismus (der Mensch steht im Mittelpunkt), dem es mehr um die Frage nach dem Menschen als um Gott gehe (S. 40). Die apokalyptische Welt gelte zudem als verpönt, als phantastisch (Bultmann) oder als versunken (Küng). Endzeitsehnsucht und Jenseitshoffnung seien generell utopisch und somit problematisch.

Mit dieser Hyperkritik würden die Fundamente des christlichen Glaubens angegriffen, denn für Jesus von Nazareth war das Kommen des Gottesreiches zentral und tiefverwurzelt in der alttestamentlichen Apokalyptik seiner Zeit. Kreuz und Wiederkunft seien die "Urdaten" einer eschatologischen Weltsicht.

Luther als "Prophet des Endes"
Luther war gewiss: "Das Ende der Welt steht vor der Tür" (S. 82). Seine eigenen Endzeiterwartungen seien dabei sicherlich von den zeitgeschichtlichen Auseinandersetzungen mit Papst, Kaiser und Sultan geprägt worden. Nicht jedoch die enthusiastische Nächsterwartung mancher Schwärmer, sondern eine nüchterne Naherwartung hätten den Reformer bis zu seinem Tod geprägt. Auch wenn Luther selbst einige Extreme in seiner Haltung aufweist: So war er der Meinung, dass die Weltzeit in fünf bis sechs Jahren zu Ende gehen werde (S. 147) und stellte eigene Endzeitberechnungen an (S.84).

Dabei seien Weltuntergangsängste in der damaligen Zeit nichts Neues gewesen, doch fehlte den "mittelalterlichen Zukunftserwartungen die urchristliche Qualität der Freude". (S.36) Luther sei in der Lage gewesen, durch die Wiederentdeckung der persönlichen Heilsgewissheit mit dieser ängstlichen und resignativen Haltung im Blick auf das Weltende zu brechen. Den Wittenberger zeichne neben seiner Zukunftshoffnung auch eine transzendente Sinndeutung der Geschichte aus (S.57), in der Gott die Weichen stelle. Doch nie der reine Historismus hätte Luther bewegt, sondern stets eine theologisch-pastorale Perspektive. Er war gewiss: Gott gibt sein Volk nicht auf.

Leseempfehlung
Interessante theologische Auseinandersetzungen, wie die von Luther mit Erasmus über den Humanismus oder mit den Täufern und Thomas von Aquin werden zudem kurz geschildert und anschaulich auf den Punkt gebracht. Der Autor versteht es, Luther neu darzustellen. Zugleich kritisiert er damit die moderne Lutherforschung und macht deutlich, dass Luthers Botschaft ohne seinen eschatologischen Ausblick nicht zur Gänze verstanden werden kann. Viele Originalzitate, eine kluge Gliederung, der kappe und verständliche Einblick in komplexe Thematiken innerhalb der einzelnen Kapitel machen das Buch für alle interessierten Leser zu einer gewinnbringenden Lektüre.
Claudia Mohr

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