APD-INFORMATIONEN 2/2019 - FEBRUAR 2019

Synagoge Basel - Gotteshaus der Juden in der Region Basel mit hohen Sicherheitskosten © Foto: Herbert Bodenmann/APD Schweiz

Bund bewilligt 500.000 Franken zum Schutz gefährdeter Minderheiten

Bern/Schweiz | 19.02.2019 | APD | Schweiz

Der Bundesrat beschloss am 30. Januar, sich jährlich mit bis zu 500 000 Franken an den Sicherheitskosten für Minderheiten zu beteiligen, die besonders gefährdet sind, zum Ziel von Terrorismus oder gewalttätigem Extremismus zu werden. Mit der Unterstützung baulicher und technischer Sicherheitsmassnahmen sollen Straftaten vor allem bei jüdischen und muslimischen Gemeinschaften, bei Fahrenden sowie Gruppierungen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung einer Minderheit angehören, verhindert werden.

Laut Medienmitteilung des Bundesrats hat er an seiner Sitzung vom 30. Januar die entsprechende Verordnung in die Vernehmlassung geschickt, die bis zum 7. Mai dauert.

Bauliche-, technische- und Sensibilisierungs-Massnahmen
Zu den baulichen oder technischen Massnahmen, an deren Kosten sich der Bund beteiligen kann, zählen etwa Zäune, Mauern oder Eingangssicherungen bzw. Überwachungskameras oder Alarmanlagen. Zudem kann der Bund auch die Ausbildung in den Bereichen Risikoerkennung und Bedrohungsabwehr finanziell unterstützen. Ebenfalls möglich sind finanzielle Hilfen für die Sensibilisierung oder die Information breiter Bevölkerungskreise.

Kosten für Ausbildung an Waffen sind ausgeschlossen
Der Bund beteiligt sich aber nicht an den Kosten für das Sicherheitspersonal. Laut dem erläuternden Bericht zur Verordnung kann sich der Bund auch an Ausbildungskosten zur Selbstverteidigung beteiligen, «allerdings ohne Waffen. Die Ausbildung an Waffen ist ausgeschlossen».

Bund erwartet auch Kostenbeteiligung der Kantone
Laut dem erläuternden Bericht erwartet der Bund, «dass die Kantone Leistungen in gleicher Höhe erbringen. Kantonale Unterstützungen können durchaus komplementär sein und müssen keineswegs im selben Bereich wie die gestützt auf diese Verordnung erbrachten Leistungen des Bundes erfolgen.»

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Religiöse Symbole © Grafik: GDJ / pixabay.com

Schweiz: Religionslosigkeit, «andere christliche» sowie «islamische» Glaubensgemeinschaften wachsen

Neuenburg/Schweiz | 19.02.2019 | APD | Schweiz

Die Religionslosigkeit der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in der Schweiz nimmt laut einer Veröffentlichung des Bundesamts für Statistik (BFS) vom 29. Januar massiv zu. Der Anteil der Wohnbevölkerung, die sich als religionslos bezeichnet, nahm von knapp vier Prozent im Jahr 1980 auf 26 Prozent im 2017 zu.

Ständiger Mitgliederverlust bei den zwei grossen Landeskirchen
1980 waren über 91 Prozent der Wohnbevölkerung Mitglieder der evangelisch-reformierten (ERK) oder der römisch-katholischen (RKK) Landeskirche, 2017 waren es noch knapp 60 Prozent; ERK 1.675.630; RKK 2.524.414 Personen.

Mitgliederwachstum bei den «anderen christliche Glaubensgemeinschaften»
Im gleichen Zeitraum hat sich die Mitgliedschaft der «anderen christlichen Glaubensgemeinschaften», zu denen evangelische Freikirchen, die Christkatholische Kirche und die Christlich-orthodoxen Kirchen gezählt werden, mehr als verdoppelt, von 2,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung im Jahr 1980 auf 5,9 Prozent, oder 399.455 Personen, im Jahr 2017. Die Statistik weist nicht aus, welche der drei in dieser Kategorie aufgeführten Gruppen wächst, stagniert oder Mitglieder verliert.

Anteil der islamischen Glaubensgemeinschaften wächst, jüdischer stagniert
Der Anteil der jüdischen Glaubensgemeinschaft an der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz verharrt seit 1980 bei 0,3 Prozent und beträgt 2017 laut BFS 18.092 Personen. Die Islamischen Glaubensgemeinschaften haben in diesem Zeitraum von 0,7 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung auf 5,4 Prozent oder 379.748 Personen im 2017 zugenommen.

Mehr Infos zu den vom BFS publizierten Statistiken:
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home.gnpdetail.2019-0054.html

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Die Glückskette finanzierte ein Nothilfeprojekt des Partnerhilfswerks ADRA für Tsunamiopfer in Indonesien mit © Foto: ADRA Schweiz

Glückskette: Schwerpunkt 2018 auf der Kinderhilfe

Zürich/Schweiz | 19.02.2019 | APD | Schweiz

«Im vergangenen Jahr hat die Glückskette hunderttausende Kinder und Jugendliche im In- und Ausland unterstützt», heisst es in der Medienmitteilung der Glückskette, die eine erste Bilanz für das 2018 zieht. Mit verschiedenen Aktionen, wie «Jeder Rappen zählt», habe die Stiftung zum ersten Mal auch für Kinder in der Schweiz, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, Spendengelder gesammelt. 2018 erhielt die Glückskette insgesamt 32,2 Millionen Franken Spenden und engagierte sich in 39 Ländern.

2018 sei der Schwerpunkt der Stiftung auf dem Engagement zugunsten von Kindern in Not gelegen. Im Ausland seien mehr als 738.000 Kinder mit 21 Hilfsprojekten in 15 Ländern geschützt, gebildet und gesundheitlich gefördert worden. «Der Kampf gegen Kinderarbeit in den Minen von Burkina Faso, die Pflege von mangelernährten Kindern in Afghanistan oder Hilfe für Kinder mit einer Behinderung in Guatemala sind nur einige Hilfsprojekte, welche die Partner der Glückskette mit dieser finanziellen Unterstützung umsetzen konnten», schreibt die Stiftung.

In der Schweiz habe die Glückskette mehr als 400 Kinder und Jugendliche bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung gefördert. Die Spendengelder dafür waren Ende 2017 in Zusammenarbeit mit der SRG dank den Sammelaktionen «Jeder Rappen zählt», «Cœur à Cœur» und «Ogni centesimo conta» gesammelt worden. Im Rahmen derselben Kampagnen sammelte die Stiftung dann Ende 2018 zum ersten Mal in ihrer Geschichte für Kinder in der Schweiz, die Opfer oder Zeugen von Gewalt in der Familie geworden sind, wofür 3,8 Millionen Franken Spendengelder eingesetzt werden.

Sonderfonds «Innovation» ermöglicht neuartige Ansätze
Dank dem neuen Innovationsfonds habe die Glückskette vier Hilfsprojekte mit neuartigen Ansätzen unterstützen können. Es gehe dabei um die Entwicklung einer effizienteren humanitären Hilfe, den Einsatz fortschrittlicher Technologien zur Unterstützung medizinischer Diagnostik in abgelegenen Gesundheitszentren, den Aufbau eines Netzwerks von Ambulanz-Lastendreirädern, für schwangere Frauen in ländlichen Gebieten von Mosambik oder die Einrichtung eines Wasserleitungsnetzwerks in Nigeria, welches das Wasser automatisch rezykliere.

Die Arbeit der Glückskette werde ermöglicht durch die Zusammenarbeit mit 26 Schweizer Partnerhilfswerken sowie 45 Organisationen, die sich für die Kinder- und Jugendhilfeprojekte in der Schweiz einsetzen.

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Symbolbild © Foto: hpgruesen/pixabay.com

Mennonitisches Hilfswerk solidarisch mit Seenotrettern im Mittelmeer

Ludwigshafen am Rhein/Deutschland | 19.02.2019 | APD | International

Das Mennonitische Hilfswerk e.V. (MH) in Deutschland unterstütze die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye e.V. seit Anfang 2017. Mitglieder aus mennonitischen Kirchengemeinden hätten an Rettungseinsätzen im Mittelmeer teilgenommen. Anlässlich der Vorstandssitzung des Mennonitischen Hilfswerks. Anfang Februar 2019 in Ingolstadt bekundete der Vorstand seine Solidarität mit Sea-Eye und anderen Seenotrettungsorganisationen. „Ihnen gelten unser Respekt und unsere Anerkennung“, heisst es in einer Solidaritätserklärung des Mennonitischen Hilfswerks.

Als christliche Organisation gehe es dem Mennonitischen Hilfswerk e.V. nach dem Auftrag Jesu Christi darum, Schwachen und Verfolgten zu helfen und für Gerechtigkeit einzutreten. Der Vorstand sei dankbar für die Arbeit von Sea-Eye, die allen Beteiligten bisher viel abverlange. Es gelte in Erinnerung zu rufen, wie schlimm es ist, wenn Schiffe von Nichtregierungsorganisationen (NGO) mit Geretteten nicht in einen sicheren Hafen einlaufen dürfen. Der Vorstand des Mennonitischen Hilfswerkes wolle es nicht unwidersprochen hinnehmen, wie Retter schikaniert und kriminalisiert würden.

Die Schiffe von Sea-Eye liefen jetzt unter deutscher Flagge. Daher müsse es selbstverständlich sein, dass sich die deutsche Politik solidarisch mit dem Anliegen von Sea-Eye zeige und die Seenotretter als legal handelnde Hilfsorganisation unterstütze. Es könne nicht sein, dass politische Verhandlungen über Verteilungsquoten in Europa auf dem Rücken von Seenotrettern ausgetragen würden.

Forderungen des MH-Vorstandes
Deshalb fordert der MH-Vorstand die Bundesregierung auf, sich europaweit dafür einzusetzen, dass NGOs wie Sea-Eye als legal handelnde Organisationen nicht weiter schikaniert würden. Dazu gehöre national und international deutlich zu machen, dass Sea-Eye rechtskonform handle. Auch gelte es das Angebot deutscher Städte, gerettete Menschen zusätzlich aufzunehmen, wahrzunehmen. Zudem sollte von NGOs nicht verlangt werden, mit libyschen „Küstenwachen“ zusammenzuarbeiten, deren rechtlicher Status nicht geklärt sei.

Das Mennonitische Hilfswerk arbeitet im Rahmen der „Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland“ (AMG). Weitere Informationen unter https://www.menno-hilfswerk.de/

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Gary Blanchard, Jugendabteilungsleiter der adventistischen Weltkirchenleitung, am Eröffnungsabend © Foto: Jens Mohr/APD Deutschland

3. Bildungskongress für adventistische Jugendleiter aus Europa

Schwäbisch Gmünd/Deutschland | 19.02.2019 | APD | International

Vom 6. bis 10. Februar fand bereits zum dritten Mal der internationale Jugendleiterkongress der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten „PULSE.gmeet“ in Schwäbisch Gmünd/Deutschland statt. Die 330 Teilnehmenden aus ganz Europa trafen sich unter dem Motto «My Church. My Home. My Mission – Building together» zu Fachvorträgen, Diskussion und Austausch.

Bei diesem Motto ‘Meine Gemeinde. Mein Zuhause. Meine Mission – gemeinsam bauen’ «geht es um das gemeinsame Bauen an meiner Gemeinde, die Belebung meines alltäglichen Glaubens und das Schärfen der persönlichen Berufung. Neben den Plenumsveranstaltungen liefern Seminare, Workshops und ‚Best-Practice‘-Beispiele frische Ideen für die Arbeit vor Ort», teilte Pastor Ruben Grieco, Leiter der Jugendabteilung der überregionalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Süddeutschland, im Vorfeld des Kongresses mit.

Der Kongress hatte das Ziel, eine hochwertige Ausbildung für Haupt- und Ehrenamtliche in der kirchlichen Jugend- und Gemeindearbeit mit professionellen Impulsen und spiritueller Motivation zu bieten. Ebenso bot er eine internationale Plattform, auf der junge Menschen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Bulgarien, Tschechien, der Slowakei, Frankreich, Belgien, Italien, Portugal, Rumänien, Norwegen, Ungarn, Dänemark, Grossbritannien und Spanien reflektieren und diskutieren konnten. Die Teilnehmenden sollten in ihrem Potenzial bestärkt werden, sich in ihren örtlichen Kirchengemeinden helfend und unterstützend einzubringen.

Das Themenspektrum reichte von sozialer Gerechtigkeit über Weitergabe von Werten bis zum Thema Bedeutung von Gemeinschaft. Überblick der Workshop-Themen unter: http://2019.aypulse.org/event/workshops/. Veranstaltet wurde «PULSE.meet» von der Jugendabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa.

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Kardinal Mario Zenari (2016) © Foto: Centro Televisivo Vaticano/Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

«Christen machen nur noch zwei Prozent der syrischen Bevölkerung aus»

Budapest/Ungarn | 19.02.2019 | APD | International

Laut Fides News, Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke, hat Kardinal Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien, anlässlich seines kürzlichen Besuchs in Ungarn gesagt, dass der christliche Anteil in der syrischen Bevölkerung auf rund zwei Prozent gefallen sei. Dies habe die Ungarische Botschaft beim Heiligen Stuhl in einem Blogeintrag über Zenaris Besuch in Budapest geschrieben.

Demnach laufe die christliche Präsenz im Nahen Osten Gefahr, ganz zu verschwinden. Gründe seien nicht so sehr die vielen zerstörten Kirchen. Es sei vielmehr so, dass die Männer auswanderten und Familien, die aus einem christlichen sowie einem muslimischen Ehepartner bestünden, meistens dem Islam folgten, erklärte Kardinal Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien.

Über den gegenwärtigen Zustand der christlichen Gemeinden in Syrien sprach Kardinal Zenari bei einer Konferenz in der Katholischen Universität Péter Pázmány (PPKE) in Budapest. Zum «Exodus» der Christen betonte der Kardinal, dass ihr Anteil nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch 25 Prozent der syrischen Bevölkerung ausgemacht habe. Der Prozentsatz sei jedoch bereits vor dem Konflikt auf sechs Prozent gefallen. Als eine der Ursachen für diesen Rückgang habe der Nuntius auch die niedrige Geburtenrate christlicher Familien erwähnt, so Fides News.

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Eröffnung des Multifunktionsgebäudes «Battambang Essential Life Center» © Foto: Kevin Costello

Kambodscha: Adventisten eröffnen Multifunktionsgebäude

Silang, Cavite/Philippinen | 19.02.2019 | APD | International

Am 22. Januar weihte die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Kambodscha das erste Multifunktionsgebäude, das «Battambang Essential Life Center» ein. Im Zentrum sollen die Stadtbewohner mit einem ganzheitlichen Lebensstil vertraut gemacht werden. Battambang ist mit rund 200.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Kambodschas und liegt knapp 300 Kilometer nordwestlich von Phnom Penh.

Das Zentrum ist mit Pflanzen begrünt, enthält ein Fitnessstudio, ein vegetarisches Restaurant, einem Spielplatz für Kinder und Teens sowie einen Gottesdienstraum. Im Multifunktionsgebäude werden zukünftig Gesundheitskurse, eine Sprachschule für Jugendliche sowie Musikunterricht angeboten. Derzeit bieten Freiwillige kostenlose medizinische Dienste für die Kommune an.

«Wir danken Gott, dass das Gebäude nun fertig gestellt ist», sagte Pastor Lim Pheng, Kirchenleiter der Adventisten in Kambodscha. Er hoffe, dass das Gebäude auf Besucher anziehend wirke und Menschen durch die Begegnungen und Aktivitäten Jesus kennenlernten, berichtete die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Adventisten im südasiatisch-pazifischen Raum.

Adventisten in Kambodscha
In Kambodscha, mit 16 Millionen Einwohnern, feiern die Siebenten-Tags-Adventisten in sechs Kirchgemeinden und 32 Gruppen jeweils am Samstag, dem biblischen Ruhetag, den Gottesdienst. In der Hauptstadt Phnom Penh unterhalten die Adventisten die «Adventist Cambodia School», eine Internatsschule.

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Dr. Lincoln Edwards, Präsident der NCU © Foto: Nigel Coke/Inter-American Division

Jamaika: Adventistische Universität erhält institutionelle Akkreditierung

Miami, Florida/USA | 19.02.2019 | APD | International

Die adventistische Northern Caribbean University (NCU) in Mandeville/Jamaika wurde vom University Council of Jamaica, der zuständigen Akkreditierungsbehörde, als Institution akkreditiert. Der neue Status tritt ab 17. Februar 2019 in Kraft und gilt für einen Zeitraum von sieben Jahren. Wie die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Mittelamerika (Inter-American Division, IAD) berichtete, ist die NCU eine von lediglich drei Hochschulen in Jamaica mit diesem Status.

„Die wesentliche Bedeutung einen institutionellen Akkreditierungsstatus zu erlangen besteht darin, dass die NCU nun über die Berechtigung, Kompetenz und Kapazität verfügt, Studiengänge zu entwickeln und anzubieten, ohne dass dazu die Genehmigung des University Council of Jamaica erforderlich ist“, so Dr. Lincoln Edwards, Präsident der Universität. Die NCU sei neben der University of the West Indies (UWI) und der University of Technology (UTECH) nun eine von drei Hochschulen in Jamaika, die den Status einer institutionellen Akkreditierung geniesse. Die institutionelle Akkreditierung sei ein Qualitätssicherungsverfahren, bei dem Dienstleistungen und Betriebsabläufe von Bildungseinrichtungen oder Bildungsprogrammen von einer externen Stelle bewertet werden, um festzustellen, ob die geltenden Standards eingehalten werden, so IAD News.

Northern Caribbean University
Die 1907 als West Indian Training School gegründete Northern Caribbean University (NCU) ist die älteste private Hochschule Jamaikas. Sie wird von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten getragen und erhielt 1999 den Universitätsstatus von der jamaikanischen Regierung. Derzeit bietet die Universität über 70 Studiengänge an, darunter Graduiertenprogramme in den Bereichen Naturwissenschaften, Wirtschaft und Bildung. Zurzeit sind dort insgesamt mehr als 3.400 Studierende eingeschrieben.

Mehr zur Northern Caribbean University: https://www.ncu.edu.jm/

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Carlyle Walton, AHPA-Präsident (rechts), Helen Jung, LLHU-Analystin (Mitte), Keila Byass, Assistentin © Foto: Loma Linda University Health

Adventistische Gesundheitsorganisation will mehr Einfluss auf Gesundheitspolitik der US-Regierung nehmen

Loma Linda, Kalifornien/USA | 19.02.2019 | APD | International

Nur wenige Schritte vom US-Kapitol entfernt, hat die «Adventist Health Policy Association» (AHPA), eine Vereinigung von fünf adventistischen Gesundheitssystemen in den USA, darunter die «Loma Linda University Health» (LLUH), ein Büro in Washington, D.C. eröffnet. Die AHPA will damit einen grösseren Einfluss auf die Gesundheitspolitik der US-Regierung nehmen.

«Der Vorstand der AHPA hat kürzlich entschieden, dass es wichtig ist, eine Präsenz in Washington, D.C. zu entwickeln, um den von uns angestrebten Einfluss auf nationaler Ebene zu erlangen», sagte Richard Hart, Präsident der adventistischen Loma Linda University Health und Vorstandsmitglied der AHPA. «Wir legen klare Ziele für die Mitgestaltung der Bundesagenda fest.»

AHPA-Präsident Carlyle Walton leitet in Washington, D.C. die Bemühungen der Vereinigung. Er soll wichtige strategische Anliegen vortragen und dafür lobbyieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die AHPA-Mitgliedskliniken eine qualitativ hochwertige und zugängliche Gesundheitsversorgung anbieten können, heisst es in der Medienmitteilung von Loma Linda University Health.

«Krankenhäuser der Siebenten-Tage-Adventisten stellen einen wichtigen Sektor des US-Gesundheitssystems dar. Die Zusammenarbeit bei Schlüsselfragen ermöglicht es uns, einen bedeutenden Einfluss bei der Erstellung und Weiterentwicklung einer ganzheitlichen, patientenorientierten nationalen Gesundheitsagenda zu haben, die einen starken Beitrag zu den Richtlinien und Themen leistet, die unser Gesundheitssystem betreffen», sagte AHPA-Präsident Carlyle Walton.

Die Loma Linda University Health stellt die wichtigste Forschungs- und akademische Verbindung der Vereinigung über das Institute for Health Policy and Leadership dar, das sich innovativen Forschungen und Dienstleistungen in der Gesundheitspolitik widmet. Das Loma Linda Institut beteilige sich an den nationalen Bemühungen der AHPA, indem es politisches Fachwissen mobilisiere, evidenzbasierte Diskussionen anrege und praktische Ideen entwickle, welche die Gesundheit ganzer Kommunen verbessern, schreibt LLUH.

«Adventist Health Policy Association» lobbyiert für mehr als 90 Krankenhäuser
AHPA agiert auf dem politischen Parkett und lobbyiert für mehr als 90 Krankenhäuser in 17 US-Bundesstaaten. Zu den angeschlossene Gesundheitseinrichtungen gehören mehr als 350 andere Anbieterorganisationen wie assoziierte medizinische Gruppenpraxen, Pflegeheime, Polikliniken und Hauspflegeeinrichtungen. Die Organisation zielt darauf ab, sicherzustellen, dass bestehende und neue Bundesgesetze, Richtlinien und Regeln es den AHPA-Mitgliedern ermöglichen, ihren Auftrag einer herausragenden, glaubensorientierten Gesundheitsversorgung zu erfüllen. Im Weiteren sollen auch die Auswirkungen geplanter Richtlinien und Vorschriften auf adventistische Krankenhäuser analysiert werden, wobei sich die AHPA auf fünf bis sechs Themen pro Jahr konzentriert. Zudem soll die Vereinigung als einheitliche Stimme für jene gesundheitspolitischen Fragen auftreten, an denen die AHPA-Mitglieder gemeinsame Interessen haben.

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Flyer zur Ausstellung © Grafik: Theologische Hochschule Friedensau (ThHF)

Deutschland: Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ an adventistischer Hochschule

Friedensau/Deutschland | 19.02.2019 | APD | International

Am 8. März eröffnet die Theologische Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau/Deutschland (ThHF) eine Ausstellung in der Hochschulbibliothek mit dem Thema „Mütter des Grundgesetzes“. Sie beginnt am Internationalen Frauentag und würdigt insbesondere die Verdienste von vier Frauen, die sich vor rund 70 Jahren in der politischen Arbeit des Parlamentarischen Rates für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern engagierten.

Am 1. September 1948 fand sich erstmals der „Parlamentarische Rat“, bestehend aus 65 Frauen und Männern, in Bonn zusammen, um den Text des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zu formulieren. Aus den Reihen der Zentrumspartei setzten sich Helene Wessel, von der SPD Elisabeth Selbert und Frieda Nadig sowie Helene Weber von der CDU für die Formulierung und Aufnahme des Artikels 3 Absatz 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ein.

Doch in jener Zeit stiess ihr Einsatz auf Ablehnung, Kritik und Unverständnis. Unbeirrt und auf der Basis eines langen, auch internationalen Kampfes erwirkten sie dennoch die Aufnahme der Formulierung. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz unterzeichnet. Dieser vier Frauen zu gedenken und sie für ihr Engagement zu würdigen, ist das Anliegen der Ausstellung, so Andrea Cramer von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der ThHF.

Hochschule in Friedensau
Die Theologische Hochschule Friedensau ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Hier können acht Bachelor- und Master-Studiengänge – zum Teil berufsbegleitend – in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ belegt werden. Mehr als 30 Nationen sind nach Angaben der Hochschule unter den rund 200 Studierenden vertreten.

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© Grafik: Aktion Weisses Friedensband e.V.

Evangelischer Friedensverband und SOS-Kinderdörfer gegen minderjährige Soldaten

Bonn/Deutschland und Bern/Schweiz | 19.02.2019 | APD | International

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) in Deutschland hat erneut die Anwerbung und den Dienst von Minderjährigen bei der Bundeswehr kritisiert. „Die Bundeswehr hat seit 2011 rund 12.000 Minderjährige an der Waffe ausgebildet. Auch wenn im vergangenen Jahr die Zahl der verpflichteten Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist, so ist immer noch jeder zwölfte Rekrut in der Truppe minderjährig. Das ist nicht akzeptabel“, betonte Wolfgang Buff, Sprecher der EAK, zum diesjährigen „Red Hand Day“, dem Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, der seit 2002 jährlich am 12. Februar begangen wird. In der Schweiz demonstrieren die Kinder der SOS-Kinderdörfer zu diesem Anlass mit roten Handrücken gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten.

Angesichts der nach wie vor hohen Zahl Minderjähriger bei der Bundeswehr sollte nach Ansicht der EAK das Bundesverteidigungsministerium die sehr offensive Werbung der Bundeswehr in Schulen und sozialen Medien überdenken. „Es ist bedenklich, wenn angesichts des offensichtlich grösser werdenden Nachwuchsmangels der Rekruten-Alltag in der Werbung als Abenteuerurlaub dargestellt wird, aber die gefährlichen Einsätze ausgeblendet werden. Damit wird der Beruf des Soldaten erschreckend verharmlost, gerade auch bei jungen Menschen“, betonte EAK-Sprecher Wolfgang Buff.

„Unter 18 nie und unter 18 nirgendwo“
Die EAK sehe sich in ihrer Kritik vom Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags bestätigt. „In seinem Ende Januar vorlegten Bericht hat der Wehrbeauftragte unterstrichen, dass es eine besondere Ausnahme bleiben muss, 17-Jährige als freiwillige Soldatinnen und Soldaten in die Bundeswehr einzuziehen, da es in der Truppe keine besonderen Schutzbereiche für Jugendliche gibt und sogar eine missbräuchliche Verwendung in Einzelfällen bekannt wurde“, so Wolfgang Buff. Für die EAK könne das nur heissen: „Unter 18 nie und unter 18 nirgendwo.“

Der Wehrbeauftragte habe ebenso die Werbung für die Bundeswehr in den Blick genommen und gefordert, dass die Bundeswehr in Bezug auf Minderjährige zurückhaltender agieren und ihre personalisierte Werbung überdenken solle, wobei er ausdrücklich auch YouTube-Serien erwähnte. „Dies sollte sich das Verteidigungsministerium zu Herzen nehmen“, meinte der Sprecher des evangelischen Friedensverbandes.

Auch SOS-Kinderdörfer der Schweiz demonstrieren am «Red Hands Day»
Weltweit demonstrieren SOS-Kinderdörfer am 12. Februar mit roten Handabdrücken gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten. Anlass ist der sogenannte «Red Hand Day». Die SOS-Kinderdörfer in der Schweiz schreiben auf der zentralen Webseite: «Tausende Mädchen und Jungen werden weltweit in Konflikten als Soldaten missbraucht: ‘Stopp! Kein Einsatz von Kindern als Soldaten!’». Mit dieser Aktion wollen Menschen auf der ganzen Welt Politikerinnen und Politiker daran erinnern, ihren Einfluss geltend zu machen, um den schändlichen Missbrauch von Kindern als Soldaten zu beenden, so die SOS-Kinderdörfer.

EAK
Die EAK ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung und Friedensarbeit zuständig sind. Sie ist Mitglied der „Aktion Rote Hand“, die sich gegen den Einsatz von Kindersoldaten engagiert. Die EAK kritisiert seit Jahren die hohe Zahl von Minderjährigen in der Bundeswehr.

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Melva Robinson giesst Saft für eines der Dutzenden Schulkinder in ihrer Suppenküche ab © Foto: Omar de la Fuente Jr./IAD

Belize: Adventisten betreiben Suppenküche für arme Schulkinder

Belize City/Belize | 19.02.2019 | APD | International

Seit drei Jahren führt Melva Robinson (67) jeden Dienstag und Donnerstag eine Suppenküche in Belize-City, einer Hafenstadt von Belize, das an der Ostküste Mittelamerikas liegt.

«Ich arbeite gerne in der Küche, weil es immer ein lebenslanger Traum von mir war, Kindern in Not zu helfen», sagte Robinson. Die Suppenküche, mit einem monatlichen Kostenaufwand von 600 Franken, wird finanziell von Mitgliedern der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und durch Spenden aus der Privatwirtschaft unterstützt. Das Essen bestehe vorwiegend aus Reis und Bohnen. Es wird an Kinder von sechs Grundschulen in Belize City abgegeben, die von den Schulleitungen als bedürftig eingestuft wurden, wie die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen adventistischen Kirchenleitung für Mittelamerika (IAD) berichtet. Die Schüler kämen in Schichten zum Mittagessen in die Suppenküche, die in einer Grossküche eingemietet sei. Melva Robinson bekomme Hilfe von Freiwilligen aus der Kirche, die auch Mahlzeiten an Kinder in Schulen lieferten, die weiter entfernt lägen, so der Bericht.

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Aussenfassade mit Logo der Neuapostolischen Kirche (NAK) © Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Dülmen, Neuapostolische Kirche -- 2018 -- 1888” / CC BY-SA 4.0

Neuapostolische Kirche wird Gastmitglied der ACK Deutschland

Frankfurt am Main/Deutschland und Zürich/Schweiz | 19.02.2019 | APD | Ökumene

Während der kommenden Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am 2. und 3. April in Hofgeismar wird die Neuapostolische Kirche (NAK) als neues Gastmitglied der ACK aufgenommen. Dem haben die ACK-Mitgliedskirchen mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zugestimmt. Vorausgegangen war ein mehrjähriger Prozess der Reflexion und Kommunikation.

Bereits im letzten Jahr hatte die Mitgliederversammlung den Mitgliedskirchen der ACK empfohlen, die Neuapostolische Kirche als Gastmitglied der ACK in Deutschland aufzunehmen. Nach einem über mehrere Jahre andauernden Kommunikationsprozess hatte die Kirche einen Antrag auf Gastmitgliedschaft gestellt. In einem schriftlichen Verfahren haben nun die Leitungen der 17 Mitgliedskirchen den Antrag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit befürwortet, teilte die Ökumenische Centrale (ÖC) in Frankfurt/Main, die Geschäftsstelle der ACK Deutschland, mit. Die NAK hat in Deutschland rund 350.000 Mitglieder in 1.700 Kirchengemeinden.

Gespräche seit 2001
Die regelmässigen Gespräche zwischen der NAK und der ACK reichen bis ins Jahr 2001 zurück, als es zu ersten Kontakten auf regionaler Ebene kam. Dabei sei deutlich geworden, dass es in der NAK einen Öffnungs- und Wandlungsprozess gegeben habe. 2006 wurde in Memmingen erstmals eine NAK-Gemeinde Gastmitglied einer örtlichen ACK. 2008 nahm der Vorstand der ACK in Deutschland Gespräche mit der NAK auf. Von der ACK Baden-Württemberg und der NAK wurde 2008 eine gemeinsame Orientierungshilfe zum Verhältnis der ACK-Kirchen zur NAK veröffentlicht. Während mehrerer Studientagungen, an denen auch das Konfessionskundliche Institut Bensheim, die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen Berlin und das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik Paderborn beteiligt waren, sei laut der ÖC die ökumenische Zusammenarbeit gefestigt worden.

2011 beschloss die Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland offizielle theologische Gespräche mit der NAK zu führen. Die ökumenische Öffnung der NAK sei nachhaltig durch die Herausgabe des NAK-Katechismus im Dezember 2012 unterstützt worden. Das dort beschriebene Kirchenverständnis mache deutlich, so die ÖC, dass sich die NAK den Glaubensbekenntnissen der Alten Kirche verpflichtet fühle und die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Kirchen als wichtige Aufgabe betrachte.

Gemeinsame Orientierungshilfe
Im Jahr 2013 hatte die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland die Ergebnisse des Dialogs entgegengenommen und eine Phase der „Kommunikation und der Reflexion, ggf. der Kooperation“ beschlossen. 2015 wurde die ursprünglich für Baden-Württemberg verfasste gemeinsame Orientierungshilfe überarbeitet und von der ACK auf Bundesebene zusammen mit der NAK unter dem Titel „Schritte aufeinander zu“ veröffentlicht. In mehreren regionalen sowie lokalen ACKs in der Bundesrepublik ist die NAK bereits Gastmitglied, in einigen örtlichen ACKs ist sie auch Vollmitglied.

NAK in anderen Ländern
In die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) wurde die Neuapostolische Kirche im April 2014 als Kirche im Gaststatus aufgenommen. In Österreich ist die NAK seit 2014 Vollmitglied des Ökumenischen Jugendrates (ÖJRiÖ) nachdem sie dort einen zweijährigen Beobachterstatus hatte. Im April 2014 veröffentlichten der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Neuapostolische Kirche Österreich gemeinsam eine „Orientierungshilfe für die Gemeinden“. Das Informationsblatt ist sowohl für interessierte Mitglieder der NAK und wie auch für Angehörige der im ÖRKÖ vertretenen Kirchen gedacht. Im September 2016 wurde die NAK Mitglied im Rat der Kirchen in den Niederlanden, nachdem sie dort bereits 2014 einen Beobachterstatus hatte. Die NAK ist seit Oktober 2017 auch Vollmitglied im Rat Christlicher Kirchen (RCK) in Luxemburg. Eine Gastmitgliedschaft gab es im RCK ab 2015.

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Adventistische Delegation beim Neujahrsempfang (Bildlegende am Ende des Artikels) © Foto: Jan Kot/tedNEWS

Adventisten am Neujahrsempfang des polnischen Präsidenten

St. Albans/England | 19.02.2019 | APD | Religion + Staat

Am 19. Januar nahmen Verantwortliche der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Polen am Neujahrsempfang des Staatspräsidenten mit Vertretern aller grossen Kirchen, religiösen Vereinigungen sowie ethnischer und nationaler Minderheiten teil. Wie die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen adventistischen Kirchenleitung in Nord- und Südosteuropa (tedNEWS) mitteilte, zeige dies die Anerkennung des religiösen Pluralismus auf höchster staatlicher Ebene.

„Trotz der Unterschiede in Glauben und ethnischer Zugehörigkeit schaffen wir eine nationale Gemeinschaft von Menschen auf polnischem Boden“, betonte Präsident Andrzej Duda. „Der Neujahrempfang des Präsidenten der Republik Polen mit Vertretern verschiedener Kirchen ist ein wichtiges Ereignis in unserem Land“, sagte Pastor Ryszard Jankowski, Kirchenleiter der Siebenten-Tags-Adventisten in Polen, „eingeladen zu sein bedeutet, dass wir als Religionsgemeinschaft wahrgenommen und geschätzt werden. Unser Beitrag zu Gesundheits-, Sozial- und Wohltätigkeitsprogrammen wird wahrgenommen.“

Im Rahmen des Empfangs hatten die Vertreter der Siebenten-Tags-Adventisten Gelegenheit, dem Präsidenten während eines kurzen Gesprächs neben einem Buch über das Leben Jesu auch eine CD mit 100 adventistischen Beiträgen zu überreichen - ein Verweis auf die jüngsten Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Polens, so tedNEWS.

Es gäbe immer wieder Adventisten, die solche Zusammentreffen von Kirchenführern mit Politikern kritisch sähen, sagte Marek Chełmiński, Mitglied im Vorstand der regionalen Kirchenleitung in Westpolen. "Wir Adventisten haben zwei Heimatländer - das wichtigste und ewige – das himmlische, sowie das temporäre, die gegenwärtige Gemeinschaft der Menschen, in der wir leben. Die Nichtteilnahme an solchen Treffen führt zu einer Art Selbstausgrenzung und verpasst Chancen für einen positiven Dialog." Die Bibel enthalte viele Beispiele solcher Dialoge, so Chełmiński.

Adventisten in Polen
Von den 38,5 Millionen Einwohnern Polens betrachten sich laut Index Mundi 87,2 Prozent als römisch-katholisch. Lediglich 0,4 Prozent seien protestantisch, hauptsächlich evangelikal oder pfingstkirchlich geprägt. Die 5.796 Adventisten im Land (Stand 31.12.2017) sind Teil dieser 0,4 Prozent.

Bildlegende: Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Polen war am Neujahrsempfang des polnischen Präsidenten, am Samstag, 19. Januar, mit einer Delegation aus folgenden Personen vertreten: (von links) Pastor Andrzej Siciński, Chefredaktor des adventistischen Verlags "Znaki Czasu"; Pastor Ryszard Jankowski, Präsident der Adventisten in Polen; Jan Kot, Programmdirektor des TV-Senders ORTV; Marek Chełmiński, Mitglied im Vorstand der regionalen Kirchenleitung in Westpolen.

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Luftaufnahme der Navesau Adventist High School auf Fidschi, mit rund 200 Internatsschülern © Foto: Adventist Record

Fidschi: Glaube soll Anstellungskriterium an religiösen Schulen werden, fordern Adventisten und Katholiken

Wahroonga, NSW/Australien | 19.02.2019 | APD | Religion + Staat

Die Regierung auf Fidschi hat im Jahr 2016 das «Open Merit Recruitment Selection System» (OMRSS) eingeführt. Demnach sollen Leitungs- und Lehrpersonen auch an religiösen Schulen aufgrund eines transparenten, leistungsbasierten Auswahlverfahrens angestellt werden. Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die Römisch-katholische Kirche fordern von der Regierung, für religiöse Schulen auch den Glauben als Anstellungskriterium ins Auswahlverfahren aufzunehmen, wie Adventist Record (AR), australische Kirchenzeitschrift, berichtete.

Laut AR sind mehr als 95 Prozent der Schulen in Fidschi im Besitz oder werden von religiösen Organisationen geführt. Weil die mehrjährigen Bemühungen beim Premierminister und beim Bildungsminister um Aufnahme des Glaubens als zusätzlichem Kriterium bei religiösen Schulen im OMRSS-Anstellungssystem zu keiner Einigung führten, haben die Adventisten die «Navesau Adventist High School» in Wainibuka, mit 200 Internats- und zusätzlichen Tagesschülern, auf das Schuljahr 2019 privatisiert. Die Adventisten stünden in dieser Angelegenheit nicht alleine, sie seien aber die erste Kirche auf Fidschi, die eine Schule deshalb privatisiert habe, schreibt AR.

«Die Rolle der Lehrer und insbesondere der Schulleiter beim Betrieb von Schulen ist entscheidend für die Gesamtentwicklung eines Kindes, geistig, körperlich, sozial und moralisch», sagte Dr. Nemani Tausere, Leiter der Erziehungsabteilung der adventistischen Kirche auf Fidschi.

Es sei zunehmend schwieriger geworden den Bibelunterricht im Stundenplan einzuplanen. Zuletzt sei nur noch die Zeit von 8:00 bis 8:40 Uhr dafür zur Verfügung gestanden. Weil die Tagesschüler aber erst 8:30 Uhr zur Schule kämen, sei dies inakzeptabel gewesen, sagte Bev Norman, Leiter der Bildungsabteilung der Adventisten im Südpazifik (SPD).

Katholiken erheben dieselbe Forderung
«Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten unterstützt den Aufruf des Oberhauptes der katholischen Kirche, den Glauben als Kriterium bei der Auswahl von Leitern für religiöse Schulen zu berücksichtigen», sagte Pastor Joe Talemaitoga, Generalsekretär der Adventistischen Kirche auf Fidschi.

Einführung von Schulgebühren
Die Regierung erhebe den Anspruch, eine flächendeckende kostenlose Ausbildung auf Fidschi anzubieten, da sie die Löhne der Schulleitungs- und Lehrpersonen bezahle. Diese Lohnfinanzierung sei nach der Privatisierung der «Navesau Adventist High School», laut Dr. Nemani Tausere, nicht mehr der Fall, sodass sie nun Schulgebühren einführen müsse.

Adventisten auf Fidschi
Der südpazifische Inselstaat Fidschi, mit mehr als 300 Inseln, hat eine Bevölkerung von 889.000 Personen. Die Siebenten-Tags-Adventisten unterhalten dort 166 Kirchen, in denen am Samstag, dem biblischen Ruhetag, 26.558 Kirchenmitglieder den Gottesdienst feiern. Die Kirche unterhält auf Fidschi zwei Bildungsinstitutionen, das «Suva Adventist College» mit der «Suva Adventist Primary School» in der Hauptstadt Suva sowie die «Navesau Adventist High School» in Wainibuka.

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Asia Bibi © Foto: British Pakistani Association / “Kirche in Not”

Pakistan: Endgültiger Freispruch für Asia Bibi

Islamabad/Pakistan | 19.02.2019 | APD | Religionsfreiheit

Das Oberste Gericht in Pakistan hat am 29. Januar den Freispruch der Katholikin Asia Bibi von der Todesstrafe wegen angeblicher Gotteslästerung bestätigt, wie das katholische Hilfswerk «Kirche in Not» (KIN) berichtete. Die pakistanische Christin wurde 2010 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt und am 31. Oktober 2018 freigesprochen. Auf der Grundlage einer vom Gesetzgeber eingeräumten Möglichkeit legte die Anklage Berufung ein und beantragte die Bestätigung der Todesstrafe, so Fides News, Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke.

Ein dreiköpfiges Richterkollegium unter Vorsitz des neuen Präsidenten des Gerichts, Asif Saeed Khosa, hörte den Anwalt der Anklage an, der vor Gericht den Imam Qari Muhammad Salaam vertrat, der Asia Bibi einst wegen Blasphemie angeklagt hatte. Am Ende des kurzen Berufungsverfahrens habe der Richter den Antrag auf eine Revision des Urteils als «abgelehnt» erklärt und damit den endgültigen Freispruch für Asia Bibi bestätigt, so Fides News.

«Die heutige Gerichtsentscheidung ist ein Triumph der Menschenreche über religiöse Intoleranz, ein Sieg des Rechts über den Hass der Fanatiker – vor allem aber ein persönliches Glück und eine grosse Freude für Asia Bibi und ihre Familie», kommentierte Philipp Ozores, Generalsekretär des Hilfswerks «Kirche in Not» (ACN International) den Freispruch.

Weitere 187 pakistanische Christen wegen Blasphemie-Anklage inhaftiert
Laut KIN sind weitere 187 pakistanische Christen wegen Blasphemie angeklagt und inhaftiert. Sie würden in Gefängnissen ihre Strafe absitzen oder auf ihre Hinrichtung warten. «Für ihre baldige Freilassung wird ‘Kirche in Not’ zusammen mit anderen Organisationen und Projektpartnern in Pakistan weiterhin beten und arbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung des Gerichts endlich auch ein Umdenken der Regierung zufolge hat und die Blasphemiegesetze gelockert oder ganz aufgehoben werden», schreibt das katholische Hilfswerk.

Hintergrund
Zum Hintergrund schreibt «Kirche in Not»: «Die Katholikin Asia Bibi (51) war vor acht Jahren zum Tod verurteilt worden. Das Gericht befand sie für schuldig, im Gespräch mit Nachbarinnen den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Im islamisch geprägten Pakistan gilt ein strenges Blasphemiegesetz. Über Jahre hinweg hatten sich zahlreiche Politiker und Kirchenführer für die Freilassung von Asia Bibi eingesetzt, darunter auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus. Nach jahrelangen Verzögerungen hatte das Oberste Gericht in Pakistan am 31. Oktober 2018 das Todesurteil aufgehoben. Daraufhin kam es in einigen pakistanischen Städten zu gewalttätigen Demonstrationen islamischer Extremisten. Die Regierung sagte schliesslich zu, Asia Bibis Ausreise zu verhindern und einen erneuten Revisionsantrag zu zulassen. Diesen hat das Gericht am 29. Januar abgelehnt.»

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Oberstes Gericht Südkoreas in Seocho © Foto: Rémi Cormier/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Südkorea: Adventist muss laut Oberstem Gericht am Samstag keine Prüfungen schreiben

Silver Spring, Maryland/USA | 19.02.2019 | APD | Religionsfreiheit

Nach zweijährigen juristischen Prozessen hat das Oberste Gericht Südkoreas am 31. Januar entschieden, dass der adventistische Medizinstudent Han Ji Man ausserhalb des Sabbats (Samstag) die Universitätsprüfungen ablegen darf. Der Sabbat beginnt für die Mitglieder der protestantischen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit Sonnenuntergang am Freitag und endet bei Sonnenuntergang am Samstag. Adventisten hoffen, dass dieses Urteil eine neue Ära gesetzlichen Schutzes für Sabbathalter und andere Gläubige in Südkorea einläuten werde, berichtet die Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit (PARL) der adventistischen Weltkirchenleitung.

«Dieses Urteil ist historisch wichtig für koreanische Adventisten und bietet einen Präzedenzfall, der für zukünftige Klagen zu Fragen des Sabbathaltens herangezogen werden kann», sagte Sun Hwan Kim, Abteilungsleiter für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der teilkontinentalen adventistischen Kirchenleitung im Nordasien-Pazifik-Raum. «Dieses wunderbare Urteil», fügte er hinzu, «wäre nicht zustande gekommen, wenn ein treuer adventistischer Jugendlicher, Bruder Han, nicht treu zu seinem Glauben gestanden wäre».

Laut PARL haben Adventisten in Südkorea lange Zeit mit Schwierigkeiten beim Sabbathalten zu kämpfen gehabt, da die Akkreditierungsprüfungen an Universitäten und Fachhochschulen oft samstags stattfinden. Im Laufe der Jahre hätten deshalb viele Gemeindeglieder den Bildungs- oder Karrierefortschritt geopfert, um ihrer Überzeugung treu zu bleiben, so PARL. Obwohl die koreanische Verfassung Diskriminierung aufgrund der Religion verbietet, haben die Gerichte diesen Schutz bisher nicht auf die Frage der Sabbathaltung ausgedehnt.

Einsatz für gesetzlichen Schutz des Ruhetages
Han Ji Man's Rechtsstreit begann bereits als Medizinstudent im ersten Studienjahr, als er entdeckte, dass am Samstag eine Reihe von wichtigen Prüfungen anstehen. Er reichte seine Klage gegen die medizinische Fakultät erst nach ergebnislosen Gesprächen mit seinen Professoren und Schulverwaltungen ein. Sein Appell an die nationale Menschenrechtskommission Südkoreas konnte seine Schwierigkeiten auch nicht lösen.

Nachdem er seinen Fall beim ersten Gericht verloren hatte, legte Han Ji Man bei der nächst höheren Instanz Berufung ein und gewann. Die medizinische Fakultät legte gegen diesen Entscheid Berufung beim Obersten Gericht des Landes ein und verlor den Fall. Damit hat die Religionsfreiheit in Südkorea «einen solideren verfassungsmässigen Schutz» erhalten, schreibt PARL. Mit diesem Urteil hofften die Adventisten in Südkorea, dass Übereinkünfte bezüglich des Sabbathaltens für die Kirchenmitglieder in vielen Bereichen der koreanischen Gesellschaft zukünftig leichter zu erreichen sein werden.

Adventisten in Südkorea
In Südkorea gibt es über 253.000 mündig getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 703 Kirchengemeinden. Die Freikirche unterhält dort eine Universität, eine Medizinische Hochschule, acht höhere Schulen, zehn Grundschulen, 30 englische Sprachschulen, 30 Gemeinschafts- und Dienstleistungszentren, drei Gesundkostbetriebe, ein Altenheim, ein Verlagshaus und ein Medienzentrum zur Produktion von Radio- und Fernsehsendungen.

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Kind mit Spielzeug aus dem ADRA-Weihnachtspaket © Foto: ADRA Schweiz

3.000 Weihnachtspakete von ADRA Schweiz in Moldawien verteilt

Zürich/Schweiz | 19.02.2019 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz hat per Eisenbahn über 3.000 Weihnachtspakete nach Moldawien transportiert. Die Pakete der Aktion «Kinder helfen Kindern» wurden in der Schweiz von Eltern mit ihren Kindern, ADRA-Ortsgruppen und adventistischen Kirchgemeinden gepackt. Die Verteilung übernahm das Partnerhilfswerk ADRA Moldawien.

Vom 7. bis 10. Januar haben Monika Stirnimann und Emanuela Schilling von ADRA Schweiz die Paketverteilung bei acht Familien, dem Kinderheim «Rainbow of Hope» und in einer Schule im Umland der Hauptstadt Chisinau begleitet. «In diesen Familien leben teilweise Kinder mit Behinderungen, die kaum staatliche Unterstützung erhalten», erklärt Monika Stirnimann. «Umso grösser ist die Freude, wenn sie Geschenke für die Kinder und zusätzlich Lebensmittel erhalten.»

Moldawien gehört zu den ärmsten Ländern Europas. In den letzten Jahren habe sich vieles verbessert. Vor allem in den Städten sei viel investiert worden. Der Wandel sei sichtbar, so Stirnimann. Kaum sichtbar sei jedoch die Armut. Insbesondere in den Randgebieten der Städte und auf dem Land sei sie nach wie vor vorhanden.

«Oft leben alleinerziehende Frauen mit mehreren Kindern in kleinen Wohnungen, die kaum geheizt sind und wo es in vielen Fällen sogar am Nötigsten fehlt», sagte die ADRA Projektleiterin. Wenn Mitte Dezember ein Eisenbahnwagen mit über 3.000 Paketen und rund 30 grossen Kartons mit Winterkleidung in der Hauptstadt Chisinau eintreffe, seien das für viele dieser Benachteiligten einige freudvolle Momente. Die Verteilung per Lastwagen sei mit den Sozialämtern vor Ort koordiniert, damit soziale Einrichtungen und arme Familien bedacht werden könnten.

Sponsoren
Sowohl «SBB Cargo» als auch die Firma «TTS Transport & Terminal Services AG» in Buchs/SG, die den Transport organisiert hat, finanzieren einen Teil der Frachtkosten. Auch die «Rail Cargo Austria» und die «Ungarn GYSEV Cargo» beteiligen sich an den Transportkosten.

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Lutherbibel 2017 © Foto: Deutsche Bibelgesellschaft

Lutherbibel 2017 weiterhin ein Bestseller

Stuttgart/Deutschland | 19.02.2019 | APD | Bibel

Seit Erscheinen der revidierten Ausgabe im Oktober 2016 hat die Deutsche Bibelgesellschaft die von ihr herausgegebene „Lutherbibel 2017“ mehr als 670.000 mal verkauft, 173.000 davon im Jahr 2018. Der Klassiker unter den deutschen Bibelübersetzungen bleibe damit ein Bestseller. Insgesamt verbreitete die Bibelgesellschaft im vergangenen Jahr 255.000 deutsch- und fremdsprachige Bibeln.

„Auch im dritten Jahr nach Herausgabe der revidierten Fassung bleiben die Verkaufszahlen der Lutherbibel auf erhöhtem Niveau“, erläuterte der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Christoph Rösel. Die Zahlen lägen weiter über denen vor der Revision. Im Jahr 2015 habe die Bibelgesellschaft 135.000 Lutherbibeln verbreitet.

Lutherbibel auch als App
„Wir arbeiten weiter daran, die Vielfalt und Qualität der Bibelausgaben zu erhalten und zu stärken“, so Rösel. Die Lutherbibel bleibe ein Herzensanliegen für die Deutsche Bibelgesellschaft. Inzwischen hätten mehr als 250.000 Menschen die kostenlose App mit der Lutherübersetzung für Smartphones und Tablets heruntergeladen. „Das zeigt, dass viele auch digital nicht auf die Lutherbibel verzichten wollen“, meinte der Theologe. Im Internet steht der Text frei zugänglich unter www.die-bibel.de zur Verfügung. Die App „Die-Bibel.de“ wird für Geräte mit den Betriebssystemen Android und iOS im jeweiligen Store angeboten. Sie enthält neben der Lutherbibel auch die „Gute Nachricht Bibel“ und die „BasisBibel“.

„Gute Nachricht Bibel“ und „BasisBibel“
Als zweite vollständige Bibelübersetzung mit dem Alten und dem Neuen Testament erscheint bei der Deutschen Bibelgesellschaft die moderne „Gute Nachricht Bibel“. Sie sei die einzige durchgängig interkonfessionelle Übersetzung auf Deutsch. Als weitere Übersetzung werde in den nächsten beiden Jahren die „BasisBibel“ fertiggestellt. In dieser Übersetzung liegen bisher bereits das vollständige Neue Testament und Teile des Alten Testaments vor.

Wissenschaftliche Bibelausgaben
Ein wichtiger Schwerpunkt im Programm der Deutschen Bibelgesellschaft seien nach wie vor die wissenschaftlichen Ausgaben in den Ursprachen. Sie seien weltweit und bei allen Konfessionen die Grundlage für die theologische Wissenschaft und Bibelübersetzung. Dazu gehörten die „Biblia Hebraica Stuttgartensia“ und die „Biblia Hebraica Quinta“, das „Greek New Testament“ und das „Novum Testamentum Graece“ (Nestle-Aland). Zum Kinder- und Jugendprogramm der Bibelgesellschaft zählten Kinderbibeln und Bilderbücher für alle Altersgruppen, Hörbibeln und Bibeln für Unterricht und Freizeit.

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In 3.988 Sprachen der Welt ist die Bibel weder ganz noch teilweise übersetzt © Grafik: Schweizerische Bibelgesellschaft

Die vollständige Bibel jetzt in 692 Sprachen übersetzt

Biel/Schweiz und Swindon/England | 19.02.2019 | APD | Bibel

Die vollständige Bibel kann jetzt in 692 Sprachen gelesen werden. Dies teilt der Weltbund der Bibelgesellschaften United Bible Societies UBS im «Weltweiten Zugangsbericht zur Bibel» («Global Scripture Access Report») mit. Damit ist die ganze Bibel in 18 Sprachen mehr als im Vorjahr zugänglich. Etwa 5,6 Milliarden Menschen haben damit laut UBS Zugang zu allen Texten des Alten und Neuen Testaments in ihrer Muttersprache.

Das Neue Testament ist zusätzlich in 1.547 weitere Sprachen übersetzt und einzelne biblische Schriften in 1.123 Sprachen. Damit gibt es in 3.362 Sprachen mindestens ein Buch der Bibel, das sind 38 Sprachen mehr als im Vorjahr. Die Bibelgesellschaften gehen von weltweit rund 7.350 Sprachen aus, zu denen auch 245 Zeichensprachen für Gehörlose gezählt werden. Folglich gibt es noch rund 4.000 Sprachen, in die kein Buch der Bibel übersetzt ist.

«Wir leben in einer Zeit, in der die Botschaft der Bibel von Barmherzigkeit, Versöhnung, Gerechtigkeit, Frieden und Liebe dringend gebraucht wird», betont Alexander M. Schweitzer, Leiter der UBS-Übersetzungsabteilung. «Deshalb ist es wichtig sicherzustellen, dass alle unabhängig von der Sprache selbst auf die Schrift zugreifen können.» Die Zusammenarbeit der Bibelgesellschaften und Bibelwerke sei effektiver als je zuvor, und technologische Entwicklungen eröffneten ungeahnte Möglichkeiten, schreibt die Schweizerische Bibelgesellschaft.

Im Jahr 2018 hat der Weltbund der Bibelgesellschaften in 66 Übersetzungsprojekten neue Ausgaben der Bibel, des Neuen Testaments oder einzelner Schriften veröffentlicht. Zu den neuen Bibelsprachen gehören Blin und Gondi. Blin ist eine kuschitische Sprache, die in Eritrea rund 112.000 Personen nutzen. Gondi wird in Mittelindien von rund 300.000 Menschen gesprochen und gehört zur dravidischen Sprachfamilie. Für beide Sprachen liegt jetzt ein Neues Testament vor.

Biblische Schriften für Gehörlose
Für gehörlose Menschen wurden 2018 biblische Schriften in Zeichensprache in Ungarn, Litauen, Japan, Thailand und Guatemala publiziert. Die Bibelgesellschaften setzen laut Sprachen-Report einen verstärkten Fokus auf Zeichensprachen, um den 70 Millionen Gehörlosen weltweit einen Zugang zur biblischen Botschaft zu ermöglichen.

Bibeln für Sehbehinderte und Blinde
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Arbeit für blinde und sehbehinderte Menschen. Im Jahr 2018 erschien die 45. komplette Bibel in der Punktschrift Braille. Es handelt sich um die Sprache Luganda, die im ostafrikanischen Uganda gesprochen wird.

Weltbund der Bibelgesellschaften
Der Weltbund der Bibelgesellschaften zählt rund 150 Mitglieder und ist in etwa 240 Ländern und Territorien aktiv. Zu den Mitgliedern gehört auch die Schweizerische Bibelgesellschaft. Aufgaben sind die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Heiligen Schrift.

Schweizerische Bibelgesellschaft
Die Schweizerische Bibelgesellschaft (SB) ist als Verein organisiert. Ihre Mitglieder sind Kirchen, christliche Gemeinschaften und Werke sowie Einzelpersonen in der Schweiz. Die Schweizerische Bibelgesellschaft unterstützt und fördert wissenschaftlich fundierte Übersetzungen und Revisionen der biblischen Texte. Sie beteiligt sich auch an der Herstellung und Verbreitung der Bibel in von Kirchen gewünschten Sprachen und Ausgaben in der Schweiz und im Ausland. Sie engagiert sich für einen offenen Dialog über die Bibel in der heutigen Gesellschaft. Sie finanziert ihre Arbeit durch Mitglieder-beiträge, Spendengelder, Kollekten, institutionelle Beiträge und den Verkauf ihrer Produkte.

Mehr Infos:
https://www.die-bibel.ch/aktuelles/die-bibel/bibeluebersetzung/bibel-in-692-sprachen/

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Symbolbild © Foto: FirmBee/pixabay.com

„Handysektor“ erklärt AGB von WhatsApp, Instagram und Snapchat

Stuttgart/Deutschland | 19.02.2019 | APD | Medien

Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärungen in Apps und Onlinediensten sind fast immer lang, kompliziert formuliert und schwer verständlich. Gerade junge Nutzer werfen deshalb nur selten einen Blick hinein und haben kaum eine Chance, die komplexen Inhalte zu verstehen. „Handysektor“ stellt die wichtigsten Aspekte der Nutzungsbedingungen populärer Apps im neuen Material „Nutzungsbedingungen kurzgefasst“ vor.

Was vielen Nutzern nicht immer bewusst zu sein scheint: Geschäftsbedingungen (AGB) zuzustimmen bedeutet, mit App- und Dienste-Anbietern ein verbindliches Verhältnis einzugehen und möglicherweise eine Erlaubnis zu weitreichender Datenverarbeitung zu geben. Mit dem neuen Material will „Handysektor“ Nutzern dabei helfen, mehr über die Lieblings-Apps zu lernen und sie kritischer bewerten zu können. Die ersten drei Ausgaben der Reihe widmen sich dabei den gerade bei Jugendlichen sehr beliebten Kommunikations-Apps WhatsApp, Instagram und Snapchat.

Herausfinden was wichtig ist
Eine der grössten Herausforderungen beim Lesen von Nutzungsbedingungen ist, genau die Informationen zu entdecken, die im Alltag tatsächlich relevant sind. Daher geben die neuen Informationsblätter von „Handysektor“ einen Überblick, was den Nutzungsbedingungen zu wichtigen Kategorien wie Privatsphäre, Sicherheit oder Kosten zu entnehmen ist. Zudem wird zusammengefasst, auf welche Weise die Dienste private Daten nach eigenen Angaben weiterverwenden oder gar an Dritte weitergeben. Auch die in Apps vorgegebenen Umgangsregeln, beispielsweise ein Verbot zum Versenden von Kettenbriefen in WhatsApp, werden thematisiert.

Umgang mit dem Datenschutz
Keiner der drei Dienste kommt ohne Erhebung von privaten Daten (beispielsweise Handynummer oder E-Mail-Adresse) aus. Insbesondere WhatsApp und Instagram würden als Tochterunternehmen von Facebook auch Daten innerhalb des Konzerns weitergeben, so Handysektor. Zudem nutzten Instagram und Snapchat private Daten auch für Werbezwecke. Besonders problematisch sei das bei sehr jungen Nutzern, denn das Mindestalter der Nutzer werde in keinem der Dienste effektiv kontrolliert.

Kostenloses Material
Die drei Materialien der Reihe „Nutzungsbedingungen kurzgefasst“ zu den Apps WhatsApp, Instagram und Snapchat stehen interessierten Nutzern auf „Handysektor“ kostenfrei zum Download und zur Bestellung in gedruckter Form zur Verfügung: https://www.handysektor.de/mediathek/nutzungsbedingungen-kurzgefasst/

Handysektor
„Handysektor“ ist eine unabhängige Anlaufstelle für den digitalen Alltag mit Tipps und Informationenrund um Smartphones, Tablets und Apps. Die Webseite ist ein gemeinschaftliches Projekt der Landesanstalt für Medien NRW in Deutschland und des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs).

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Holger Teubert und Dr. Horst Sebastian (v.l.) © Foto: Hans-Eckard Nagel/APD

Wechsel im Referat Kriegsdienstverweigerung und Frieden der Adventisten in Deutschland

Hamburg/Deutschland | 19.02.2019 | APD | Personen

Dr. Horst Sebastian (47) ist neuer Leiter des Referats Kriegsdienstverweigerung und Frieden der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist Deutschland. Er tritt die Nachfolge von Pastor Holger Teubert an, der seit den 1980er Jahren Kriegsdienstverweigerer beraten hat.

Theologe aus Australien
Horst Sebastian stammt aus Whyalla im australischen Bundesstaat South Australia. 1998 schloss er sein Studium als Diplom-Theologe an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg ab. Von 1998 bis 2015 war er Pastor verschiedener adventistischer Kirchengemeinden in Hamburg und Lübeck. 2011 promovierte er als Theologe im Fachbereich Missionswissenschaften bei Professor Dr. Johannes Reimer an der Universität von Südafrika (UNISA) mit einer Arbeit über „Mission als Mediation: Vermittlung und soziale Transformation als Aufgabe der Kirche“.

Zudem war der Theologe Lehrbeauftragter beim Studiengang „Peace and Security Studies (M.A.)“ des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) an der Universität Hamburg sowie im Fachbereich Christliches Sozialwesen der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg. Gegenwärtig leitet er auch die Abteilung Religionsfreiheit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (Hansa-Vereinigung).

Kürzlich hat der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) Sebastian zur Mitarbeit in ihren neuen „Arbeitskreis Frieden und Versöhnung“ berufen. Der Theologe wird die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten auch in der Mitgliederversammlung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) vertreten. Die EAK ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung und Friedensarbeit zuständig sind.

Dr. Horst Sebastian wohnt in Hamburg, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Bisheriger Amtsinhaber
Sebastian übernahm in Teilzeit die Leitung des Referats Kriegsdienstverweigerung und Frieden von dem Diplom-Theologen und Kommunikationswirt Holger Teubert (69). Teubert hatte bereits als Gemeindepastor seit Anfang der 1980er Jahre Kriegsdienstverweigerer beraten und sie als Beistand bei den damaligen Prüfungsausschüssen, Prüfungskammern und dem Verwaltungsgericht begleitet. 1986 veröffentlichte die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Bundesrepublik Deutschland seine 172-seitige „Handreichung für Kriegsdienstverweigerer“. 1991 wurde Teubert beauftragt, für seine Freikirche in Deutschland eine Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ein Referat für zwischenkirchliche Beziehungen und eine Zentralstelle für Weltanschauungsfragen aufzubauen. Zusätzlich erhielt er auch die Leitung des Referats Kriegsdienstverweigerung (KDV). Als er im April 2015 in den Ruhestand ging, war er weiterhin ehrenamtlich für das Referat KDV und Frieden zuständig. Seit 1997 arbeitete er als freikirchlicher Vertreter auch in der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) mit. Zunächst vertrat er dabei die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) nur in der EAK-Mitgliederversammlung, von 2001 bis 2018 auch im EAK-Vorstand.

„Schuld und Versagen“ sowie „Mut zum Frieden“
Teubert setzte sich unter anderem dafür ein, dass die adventistische Freikirchenleitung in Deutschland anlässlich des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erneut Stellung zum Thema Kriegsdienst nahm. Kurz nach der allgemeinen Mobilmachung hatte die damalige mitteleuropäische Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Hamburg am 2. August 1914 den einberufenen Adventisten in einem Rundschreiben empfohlen, ihre „militärischen Pflichten freudig und von Herzen [zu] erfüllen“, von den Kriegswaffen Gebrauch zu machen und auch am Sabbat den Kriegsdienst zu versehen. Das Schreiben und weitere derartige Veröffentlichungen riefen während des Ersten Weltkriegs in den Gemeinden einen vielschichtigen Protest hervor, der zu Spannungen führte.

Daran erinnert eine Stellungnahme zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, welche die Ausschüsse des Süd- und Norddeutschen Verbandes der Freikirche am 6. und 13. April 2014 beschlossen und in der Kirchenzeitschrift „Adventisten heute“ (Mai 2014) unter dem Titel „Schuld und Versagen“ veröffentlichten. „Heute erkennen und bekennen wir“, so die beiden deutschen Ausschüsse der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, „dass unsere Väter in diesen Auseinandersetzungen oftmals nicht im Geist der Liebe und Versöhnung gemäss dem Vorbild Jesu gehandelt haben.“ Aus Sorge um den Bestand der Glaubensgemeinschaft seien Ratschläge erteilt worden, die dem Wort Gottes widersprochen und zu tiefgreifenden Verletzungen geführt hätten. Die damalige adventistische Leitung sei ihrer Verantwortung gegenüber den Gemeinden nicht gerecht geworden. Sie habe Glaubensgeschwister, die ihrer Meinung widersprachen, zu Unrecht des „Abfalls“ vom wahren Glauben bezichtigt und in einzelnen Fällen sogar von staatlichen Behörden verfolgen lassen.

In der Stellungnahme vom April 2014 wird zwar darauf hingewiesen, dass die damaligen Verantwortungsträger bereits 1920 und erneut 1923 ihre Erklärungen zum Kriegsdienst als „fehlerhaft“ zurückgenommen und bedauert hätten, „dass solche Dokumente herausgegeben worden sind“. Dennoch bekräftigen die beiden jetzigen deutschen Freikirchenleitungen: „Auch wenn heute niemand der damals Beteiligten mehr am Leben ist, so bitten wir doch ihre Kinder und Nachkommen … um Entschuldigung für unser Versagen. Wir haben aus unserer leid- und schmerzvollen Geschichte gelernt, dass Kinder Gottes berufen sind, Menschen des Friedens zu sein und jede Form von Gewaltanwendung gegenüber Unschuldigen abzulehnen. Wir glauben, dass Nachfolger Jesu den Aussagen der Heiligen Schrift am besten Folge leisten, wenn sie in ihrer Umgebung als Botschafter des Friedens und der Versöhnung wirken.“

„Mut zum Frieden“ lautet die Stellungnahme der Adventisten zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Sie wurde bereits am 4. Dezember 2017 während der Jahressitzung des Ausschusses der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland beschlossen und in der Februar-Ausgabe 2018 der Kirchenzeitschrift „Adventisten heute“ veröffentlicht. Die Freikirchenleitung empfiehlt in der Erklärung ihren Mitgliedern, sich weder direkt noch indirekt an einem Krieg zu beteiligen. „Jesus Christus hat seine Nachfolger zu Friedensstiftern berufen“, wird in der Stellungnahme hervorgehoben. Wo Menschen im Frieden mit Gott lebten, suchten sie auch den Frieden mit Menschen; denn der Friede sei unteilbar und durchdringe alle Lebensbereiche. Daher empfiehlt die Freikirchenleitung ihren Mitgliedern sowie den Mitgliedern der Adventjugend in Deutschland, „sich weder direkt an einem Krieg im Rahmen des freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr noch indirekt bei der Vorbereitung eines Kriegs durch Mitwirkung an der Waffen- und Zubehörproduktion sowie an der Informationstechnik zu beteiligen.“

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Rektor Prof. Dr. Roland Fischer verabschiedet Prof. Dr. Edgar Voltmer (rechts) © Foto: Andrea Cramer/ThHF

Professor Dr. med. Edgar Voltmer wechselt von Friedensau nach Lübeck

Friedensau/Deutschland | 19.02.2019 | APD | Personen

Zum 31. Januar hat Professor Dr. med. Edgar Voltmer die Theologische Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg (ThHF) verlassen. Wie die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der ThHF mitteilte, nahm Voltmer zum 1. Februar einen Ruf der Universität zu Lübeck auf die Professur (W3) für Gesundheitsförderung in Studium und Beruf an.

Professor Voltmer war seit 2002 an der Friedensauer Hochschule tätig, zunächst als Dozent, nach seiner Habilitation am Institut für Musikermedizin an der medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg als Professor für Gesundheits-wissenschaften am Fachbereich Christliches Sozialwesen der ThHF. Seine Forschungsschwerpunkte waren berufsbezogene, psychosoziale Belastungen und Ansätze zur berufsspezifischen Prävention und Gesundheitsförderung. Das werde auch der Schwerpunkt an seiner neuen Wirkungsstätte sein.

„Ich habe die Zeit mit den Studierenden, den Kolleginnen und Kollegen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hochschule in Friedensau sehr genossen“, so Professor Voltmer, „aber nach 17 Jahren schien mir die Zeit reif, noch einmal einen neuen Aufbruch zu wagen. Mit der Universität zu Lübeck verbindet mich bereits eine langjährige Forschungskooperation, die mit der Übernahme der Professur jetzt eine sehr schöne Erfüllung findet.“ Über die Nachfolge von Professor Voltmer an der Theologischen Hochschule Friedensau ist noch nicht entschieden.

Friedensauer Hochschule
Die Theologische Hochschule Friedensau ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Hier können acht Bachelor- und Master-Studiengänge – zum Teil berufsbegleitend – in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ belegt werden. Mehr als 30 Nationen sind nach Angaben der Hochschule unter den rund 200 Studierenden vertreten.

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Klaus Otto Wilhelm Siebelhoff © Foto: privat/ThHF

Friedensau trauert um ehemaligen Dozenten und Bürgermeister

Friedensau/Deutschland | 19.02.2019 | APD | Personen

Am 7. Februar verstarb Klaus Siebelhoff in seinem 83. Lebensjahr nach kurzer Krankheit. Er wirkte zwischen 1993 und 2004 am Fachbereich Christliches Sozialwesen der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg/Deutschland als Dozent für die institutionellen und rechtlichen Grundlagen der Sozialen Arbeit. Zugleich war Siebelhoff von 1993 bis 2004 Bürgermeister der politischen Gemeinde Friedensau, die hauptsächlich von Adventisten bewohnt wird.

Vor dem Studium der Theologie am adventistischen Predigerseminar Marienhöhe in Darmstadt von 1967 bis 1969 war Klaus Siebelhoff als Verwaltungsangestellter in Nordrhein-Westfalen tätig. Nach einer kurzen Dienstzeit als Pastor kehrte er in den Öffentlichen Dienst zurück. Seit 1974 lehrte Siebelhoff an der Badischen Gemeindeverwaltungsschule „Staats- und Verwaltungskunde“, bevor er 1977 zum Bürgermeister der Stadt Marne in Schleswig-Holstein gewählt wurde. 1993 folgte er dem Ruf der Theologischen Hochschule Friedensau und unterrichtete am neu gegründeten Fachbereich Christliches Sozialwesen Sozial- und Verwaltungsrecht bis 2004. In seiner väterlichen Art war er ein besonders beliebter Ansprechpartner der internationalen Studierenden, so die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule.

Als Bürgermeister in Friedensau gestaltete Klaus Siebelhoff die Gemeindegebietsreform mit, vertrat als Vorsitzender des Verwaltungsgemeinschaftsausschusses die Interessen der Ortschaften gegenüber der Stadt Möckern. Er war fünf Jahre Vorsitzender des Wasserverbandes „Im Burger Land“ und verbesserte die Infrastruktur des Ortes Friedensau durch den Bau eines modernen Feuerwehrgerätehauses, den Anschluss an das öffentliche Abwassersystem und die Erschliessung des Zeltplatzes.

Die Ortschaft Friedensau
1899 gründeten die Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau ein Theologisches Seminar und ein Sanatorium. Friedensau wurde 1920 eine eigenständige politische Gemeinde. Mit der Gemeindegebietsreform verlor die Ortschaft 2002 ihre Selbständigkeit und wurde Ortsteil der Stadt Möckern. Erhalten blieben ein Ortsbürgermeister und ein Ortschaftsrat. 1990 wurde das Seminar als Theologische Hochschule staatlich anerkannt. Zu den Einrichtungen in Friedensau zählen neben der Hochschule ein Seniorheim mit 122 Plätzen in der Trägerschaft des Advent-Wohlfahrtswerks, ein Pfadfinder-Zeltplatz mit dem grössten Hochseilgarten des Landes Sachsen-Anhalt, ein Agrartechnik-Freilandmuseum, ein historischer Friedhof und der „Park der biblischen Pflanzen“. Die Einwohnerzahl beträgt 419 Personen (Stand 31.12.2018).

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Symbolbild © Foto: pexels-pixabay.com

"Und jetzt? Ökumene nach dem Reformationsjubiläum" (Teil 1 & 2)

| 19.02.2019 | APD | Buchrezensionen

"Und jetzt? Ökumene nach dem Reformationsjubiläum", Claudia Keller, Stefan Orth (Hg.), HERDER KORRESPONDENZ Edition, Verlag Herder, Freiburg – Basel – Wien; 123 Seiten, CHF 21.50, EUR 15.00; ISBN 978-3-451-02735-2; Zu beziehen über den Buchhandel.

Teil 1: Huber, Junge und Kardinal Walter Kasper

Im Jubiläumsjahr der Reformation 2017 gab es bemerkenswerte ökumenische Akzente und deutliche Zeichen der Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken. So viel wertgeschätzt wurde noch nie, auch noch nie so viel ehrliche Reue und Busse gezeigt angesichts der Gewalt und der Verletzungen, die man einander in der Vergangenheit zugefügt hat, so betonen die Herausgeber im Vorwort. Die Publizisten Claudia Keller und Stefan Orth fragten katholische und evangelische Theologen, welche Schritte zu mehr "sichtbarer Einheit" die Kirchen jetzt gehen sollten und haben dazu Antworten bekommen.

Zu den ausgewählten Autoren zählen Wolfgang Huber, Martin Junge, Kardinal Walter Kasper, Peter Knauer SJ, Ulrich H.J. Körtner, Dorothea Sattler, Thomas Söding und Kardinal Rainer Maria Woelki.

Der frühere EKD-Ratsvorsitzende und Bischof Wolfgang Huber plädiert in seinem Beitrag "Reformation und Katholizität – In der Verschiedenheit zusammengehören" für ein neues Verständnis von Katholizität und "katholisch" in der evangelischen Kirche. "Wenn das Wort 'katholisch' einen verständlichen Sinn haben soll, dann taugt es überhaupt nicht als Konfessionsbezeichnung. Denn 'katholisch' bedeutet 'allumfassend' und zielt weiter, nicht nur auf alle Christen, sondern auf alle Menschen." Katholisch sei ein Verheissungswort, nicht eine Konfessionsbezeichnung. Eigentlich müssten, so Huber, gerade Evangelische Sinn dafür haben, dass Katholizität die Vielfalt in der Einheit bedeutet. Eine Gemeinschaft der Kirchen in der Vielfalt dürfe nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum verstanden werden. Huber schliesst seinen Beitrag mit der Zuversicht: "Wenn wir uns um Jesus Christus versammeln und an sein Wort halten, brauchen wir vor der Vielfalt keine Angst zu haben. Wenn diese Angst vergeht, erkennen wir, dass wir in unserer Verschiedenheit zusammengehören. Dann sind wir alle – in unserer bleibenden Verschiedenheit – evangelisch und katholisch zugleich."

Mit "Schritte vom Konflikt zur Gemeinschaft – Wie sich Freiräume in der internationalen lutherisch-katholischen Verständigung eröffnen" beschäftigt sich Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB). Der Autor geht ausführlich auf die verschiedenen Wege der Umsetzung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von Lutheranern und Katholiken ein, der inzwischen auch Methodisten, Anglikaner und Reformierte beigetreten sind. Auch das gemeinsame Reformationsgedenken am 31. Oktober 2016 in Lund und Malmö wird bewertet, an dem Papst Franziskus und die Spitzen des LWB teilgenommen haben. Mit dem Hinweis auf die nächste Phase im lutherisch-katholischen Dialog über den Themenkomplex über die offenen Fragen "Amt, Kirche und Eucharistie" blickt Junge – vor dem Hintergrund einer erstaunlichen ökumenischen Dynamik - mit grosser Hoffnung in die Zukunft.

Auf eine bedeutsame Wende der katholischen Lutherforschung des 20. Jahrhunderts, die zur Anerkennung des religiösen Anliegens Luthers führte, weist Kardinal Walter Kasper, früherer Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hin. Sein Beitrag "Ökumene ist ein Lernprozess – Das Erbe Martin Luthers neu entdecken" befasst sich mit folgenden Unterthemen: "Luther als Reformkatholik", "Von der Reform zur Reformation", "Martin Luther in ökumenischer Perspektive", "Wo stehen wir in der Ökumene?" und "Blick nach vorne". Nach Meinung Kaspers gibt es heute in der wissenschaftlichen historischen Bewertung Luthers und der Reformation kaum mehr konfessionelle Unterschiede. Luthers 95. Ablassthesen von 1517 seien kein revolutionäres Dokument, so Kasper, sondern ein "Dokument der Reform, aber nicht der Reformation."
Luther ging es nicht um eine neue separate Reformkirche. Er wollte die Erneuerung der ganzen Christenheit. Der junge Luther war sozusagen ein Reform-Katholik. Heute würde man von neuer Evangelisierung sprechen.

Luthers ökumenischer "Stellenwert" für die heutigen Katholiken umreisst der Kardinal wie folgt: "Luther ist für uns ein Zeuge des gemeinsamen Glaubens an Jesus Christus. Er ist ein Bruder in Christus und als solcher ein mutiger und dazuhin wort-gewaltiger Zeuge Jesu Christi." (Zitat aus einem lutherisch-/katholischen Kommissionsdokument von 1983).
Gleichzeitig hat die katholische Kirche dankbar von Luther die Wertschätzung des Wortes Gottes und der Heiligen Schrift gelernt. In Sachen Ökumene stünden Katholiken und Lutheraner – und in erweitertem Sinne auch die Evangelischen – heute vor folgenden Fragen: Was verstehen wir unter Kirche, was unter Kircheneinheit, und welche Kircheneinheit wollen wir? Das katholische Modell der Kircheneinheit bestehe aus einer Einheit in Wort und Sakrament und dem diesen zugeordneten Amt, besonders das für die Einheit konstitutive Bischofsamt wie das Petrusamt (->Papsttum). Hier fehlt bis heute eine Komptabilität mit dem evangelischen Modell (-> Leuenberger Konkordie, 1973).

Ein Rückzug auf den Konfessionalismus – so Kasper im "Blick nach vorne" – wäre eine Katastrophe! Die Kirchen können es sich gar nicht mehr leisten, gegen- oder auch selbstgenügsam nebeneinander zu stehen; sie müssen miteinander leben und aufeinander zugehen. Zwar habe das Zweite Vatikanum diesen unumkehrbaren Weg eingeschlagen, doch ist die Verwirklichung auch nach mehr als 50 Jahren nicht abgeschlossen.

Der Kardinal fordert auch Lutheraner müssen sich auf den Weg machen. Die Rezeptionsgeschichte Luthers sei noch nicht zu Ende. "Es gibt eine evangelische Luthervergessenheit, Lutherfremdheit und einseitig-konfessionalistische Lutherinterpretation. Luther wollte keine separate Kirche, sondern eine gesamtkirchliche Erneuerung im Licht des Evangeliums. Und der Autor kommt zur nüchternen Erkenntnis: "Wir können die Ökumene nicht 'machen', nicht organisieren oder forcieren. Wir müssen tun, was wir können; aber am Ende ist die Einheit ein Geschenk des Heiligen Geistes."


Teil 2: Knauer, Körtner, Kardinal Rainer Maria Woelki, Sattler, Söding

Mit dem "Balken im katholischen Auge" befasst sich Peter Knauer, emeritierter Professor für Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, einer privaten – von Jesuiten getragenen – Hochschuleinrichtung. Er hält im Untertitel seines Beitrags fest: "Der christliche Glaube setzt sich nicht additiv zusammen". Auch Knauer geht wie Wolfgang Huber auf den Begriff "katholisch" und ergänzend dazu "ökumenisch" ein. Semantisch haben beide Wörter die gleiche Bedeutung: "den ganzen Erdkreis" beziehungsweise "den bewohnten Erdkreis" angehend. Eine Kirche – so Knauer – ist aber nur dann "katholisch", wenn sie die christliche Botschaft allgemein-verständlich verkündet. Dies ist ein sehr anspruchsvolles Kriterium; zu seiner Erfüllung genügt es nicht, sich "katholisch" zu nennen. "Katholische" Kirche müsste eine Kirche sein, die sich am meisten um die Verständigung und Einheit überhaupt aller Christen bemüht, ja sich als "Sakrament, das heisst Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" erweist (Kirchenkonstitution des II. Vatikanums "Lumen Gentium", Nr. 1). Knauer verweist auf den Bibeltext in Lukas 6, 41-42 als Hilfe zur Verständigung im Glauben (Vergleich Splitter/Balken im Auge) und frägt, gibt es vielleicht einen solchen Balken im römisch-katholischen Auge. Was die ökumenische Verständigung anbelangt, könnte der Balken im katholischen Auge darin bestehen, dass der christliche Glaube additiv zusammengesetzt sei. Der Theologe folgert: Denn nur dann hat man den fragwürdigen "Vorteil", jederzeit sagen zu können, dass bei anderen zum vollständigen Glauben noch etwas fehle. Bezeichnend für ein ausdrückliches additives Denken in der römisch-katholischen Kirche sei beispielsweise die Formulierung des sogenannten Amtseides, wo zusätzlich zum Grossen Glaubensbekenntnis weitere Gehorsamsverpflichtungen verlangt werden.

Im Weiteren äussert sich Knauer zum heutigen Amtsverständnis der Kirche und geht der Frage nach, ob die ganze Fülle der Heilsmittel nur in der katholischen Kirche zu finden sei. Über mehrere Seiten untersucht er ferner Inhalte des Glaubensbekenntnisses unter Hinweis auf "Lumen Gentium" und beklagt, dass "weitere Texte des Zweiten Vatikanums", deren logische Implikationen "auch nach mehr als 50 Jahren immer noch nicht genügend gesehen zu werden scheinen." Zur Kommuniongemeinschaft der Glaubenden untereinander zieht der Jesuit die Schlussfolgerung: So ist für mich nur schwer nachzuvollziehen, mit welchem Recht man anderen Christen, die wirklich an Jesus Christus als den Sohn Gottes glauben, den Empfang des Leibes Christi in unserer Kirche weiterhin verweigern zu müssen meint. Kann eine Kirche sich wirklich als Zeichen der Einheit der ganzen Menschheit erweisen, solange sie Menschen ausgrenzt, obwohl sie an Christus als den Sohn Gottes glauben und damit in Wirklichkeit den ganzen Glauben haben? Es gibt keinen nur halben Glauben.

Der reformierte Theologe Ulrich H.J. Körtner plädiert in seinen Ausführungen für "Klarheit, Redlichkeit und Nüchternheit" und fordert "die reformatorische Theologie darf nicht weichgespült werden." Er geht kritisch auf die Studie "Vom Konflikt zur Gemeinschaft" ein, die 1973 vom Lutherischen Weltbund und der römischen Kirche vorgelegt wurde. In dieser Studie verschwinde – so Körtner - das Proprium der Reformation im Nebel einer ökumenischen Theologie, welche das Ziel einer sichtbaren Einheit der Kirchen vor die Suche nach theologischer Wahrheit stellt. Dies sei besorgniserregend. Man frage sich auch sonst, was eigentlich vom reformatorischen Erbe der evangelischen Kirche geblieben ist.

Zur "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" (GER) von Lutheranern und Katholiken von 1977, der später auch Methodisten, Anglikaner und Reformierte beigetreten sind, formuliert der reformierte Theologe deutliche Kritik. Weil das evangelische Kirchenverständnis mit dem römisch-katholischen bis heute nicht vereinbar ist, nimmt es nicht wunder, dass die GER ekklesiologisch – also in der dogmatischen Lehre von der Kirche – und kirchenpolitisch folgenlos geblieben ist. Körnter wörtlich: "Dass nun die von Kurienkardinal Koch und Vertretern des Luthertums die Idee einer Gemeinsamen Erklärung zum Kirchenverständnis, Amt und Eucharistie aufgebracht worden ist, stimmt angesichts dieses Befundes keineswegs optimistisch, sondern lässt eher befürchten, dass ein orientierungsloses Luthertum weiter ins Schlingern gerät."

In Bezug auf den Höhepunkt des Reformationsgedenken am 31. Oktober 2016 mit Papst Franziskus in Lund (Schweden) schreibt Körtner: "Dass der Papst diesen Gottesdienst mitgefeiert hat, soll man nicht geringschätzen, wenn man in Rechnung stellt, dass schon diese symbolische Geste an die Schmerzgrenze der Hardliner im Vatikan gegangen sein dürfte. Doch in substanzieller Hinsicht hat der Papstbesuch in Lund keinen Fortschritt für die Ökumene gebracht. Franziskus zeigte sich einmal mehr als Meister der Symbole und Gesten. Aber echte Geschenke hatte er nicht im Gepäck. Von der Anerkennung der Lutheraner als Kirche im Vollsinn des Wortes ist man unverändert weit entfernt, von der Anerkennung der anderen aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen ganz zu schweigen."

Auf mehreren Seiten befasst sich Körtner ferner mit dem sogenannten Hildesheimer Buss- und Versöhnungsritual im März 2017, dem er "ernste theologische Mängel" vorwirft. Das Dokument "Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen", welches von der Evangelischen Kirche (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) 2016 aus der Taufe gehoben wurde, schaffe keine Klarheit, "weil es einerseits die entstandenen Konfessionskirchen als komplementäre und somit gleichermassen legitime Gestalten des Christentums interpretiert, andererseits aber die verlorene und neu zu suchende 'sichtbare Einheit' der Kirche im Singular beschwört."

Zur Frage "Gemeinsames Abendmahl?" weist Körtner darauf hin, dass sich viele katholische und evangelische Christen schon längst nicht mehr um theologische Lehrsätze und Verbote scheren. "Sie gehen nicht nur gemeinsam zum evangelischen Abendmahl, zu dem alle Getauften seit Jahrzehnten offiziell zugelassen sind, sondern auch zur katholischen Eucharistie, und viele katholische Priester billigen dies, ohne genauer nachzufragen." Katholische Theologen sehen als ein entscheidendes Kriterium für die Zulassung von Nichtkatholiken zur katholischen Eucharistiefeier darin, ob sie über das gemeinsame Glaubensbekenntnis hinaus auch das eucharistische Hochgebet innerlich mitbeten können. Mit den Worten des Hochgebetes – so präzisiert der reformierte Professor – bekennt man sich zur Verehrung Marias als allzeit jungfräulicher Gottesmutter und aller Apostel, Märtyrer und Heiligen, um deren himmlische Fürsprache Gott gebeten wird. Gleichzeitig feiere man die Eucharistie auch "mit dem Bischof von Rom, der als "unser Papst' bezeichnet wird. Wenn man das katholische Hochgebet als gut evangelisch verkaufen wollte, so sei dies – um mit dem katholischen Kardinal Woelki zu sprechen -, ein glatter Etikettenschwindel.

Im letzten Abschnitt widmet sich Körtner den ethischen Differenzen in der Ökumene und schlussfolgert: "Zu einer ehrlichen Bilanz der gegenwärtigen ökumenischen Beziehungen gehört das Eingeständnis, dass in moral- und sozialethischen Fragen zwischen den Kirchen ein zunehmender Dissens besteht." Die gängige Behauptung eines differenzierten Konsenses in der Ethik halte der ökumenischen Realität nicht stand.

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki skizziert unter dem Titel "Mehr Ehrlichkeit in der Ökumene" das Verhältnis von Katholiken und Lutheranern im Reformationsjahr. Woelki plädiert für eine ehrliche Bilanz und das freimütige Benennen von Anfragen und Sorgen. Wie schon der reformierte Theologe Ulrich H.J. Körtner beklagt Woelki "einen zunehmenden Dissens in moral- und sozialethischen Fragen", unter Anführung einiger Beispiele. Für den Kardinal muss die Einheit des Bekenntnisses Voraussetzung sein. Die Kirche kann daher ihre Einheit nicht auf einer unsichtbaren oder eschatologischen Ebene ansiedeln.

Der Hauptteil seiner Darlegungen befasst sich mit dem sensiblen Thema "eucharistische Gastfreundschaft", das von manchen Unterstellungen und vielen Vorurteilen belastet sei. Dabei erläutert er das – unabänderliche - römisch-katholische Eucharistieverständnis und bezieht sich auch auf die anderen Sakramente (Taufe, Firmung, Ordo). Woelki stellt klar: "Wer auf Grund seiner Konfessionsverschiedenheit nicht zum Empfang der Eucharistie zugelassen ist, kann trotzdem tiefer mit Christus verbunden sein als ein Katholik, der täglich die Eucharistie empfangt. Der Grad der sakramentalen Kongruenz mit dem Bekenntnis der eigenen Kirche entscheidet nicht über den Grad der Christusverbundenheit." Die Mission der Kirche aber sei es, darauf zu achten, dass ihre Mitglieder nicht öffentlich das Gegenteil von dem leben, was die Kirche als verbindliches Bekenntnis oder verbindliche Lebensregel verkündet. Und jetzt? Für den Kölner Erzbischof liegt der Schlüssel zur Einheit in der Bekehrung zu Christus, in der täglichen Kommunikation mit ihm.

In einer Replik auf Kardinal Rainer Maria Woelki’s Beitrag "Mehr Ehrlichkeit in der Ökumene", der bereits in der HERDER KORRESPONDENZ im Oktober 2017 (S. 13-16) erschien und in diesem Buch ("Und jetzt? Ökumene nach dem Reformationsjubiläum") nachgedruckt wurde, geht die katholische Theologin Dorothea Sattler nur zögerlich auf die Grundintention Woelkis ein. Sattler wörtlich zu Woelkis Sicht der Reformation: "So einfach darf man die Schuldgeschichte der Spaltungen nicht in eine Wirkungsgeschichte der Gnade umschreiben." Weiter rätselt die Theologin darüber, welches Einheitsmodell Woelki für theologisch begründet erachtet, denn er schliesst eine eschatologische Lösung der ökumenischen Frage aus und votiert für die Suche nach der vollen sichtbaren Einheit der Kirche bereits in irdischer Zeit. In einem längeren Abschnitt setzt sich Professor Sattler mit der hohen Zahl an Fehlern auseinander, die in Woelkis Darstellung aufscheinen und bezeichnet 2017 als "ein sehr gutes Jahr für die Ökumene". Dorothea Sattler stellt in Sachen ökumenischem Gesamtüberblick klar: "Keine Einzelpersönlichkeit kann in der weltweiten Ökumene heute im Gesamt wahrnehmen, welche Annäherungen zwischen den Konfessionen inzwischen erreicht worden sind." Die weltweit vielfältigen ökumenischen Bemühungen bedürfen einer neuen Anstrengung zur Koordination. Und jetzt? Sattler zieht - unter Bezug auf Jesu Mahnung zur Einheit in seiner Nachfolge (Johannes 17,21) – das Fazit: "Die Kirchen sind alternativlos auf einem nicht selbst gewählten, vielmehr von Gott gewünschten Weg zur vollen sichtbaren Einheit."

Für den katholischen Theologen Thomas Söding ist die Klärung ökumenischer Zielvorstellungen ein Schlüssel dafür, die Glaubwürdigkeitskrise zu überwinden, die durch die Kirchenspaltung verursacht ist. In seinem Beitrag "Mehr Ehrgeiz" illustriert er unter anderem die katholische Weite und Enge im Verhältnis zu den anderen Kirchen. So macht es den Anschein, als sei die katholische Kirche an keiner anderen Stelle dogmatisch so streng wie im Verhältnis zum Protestantismus. Im Verhältnis zu anderen Konfessionen sei die katholische Kirche weit offener. So werden die Orthodoxen selbstverständlich als Kirche anerkannt, auch wenn sie den Papst nicht als ihr Oberhaupt sehen.

In weiteren Kapiteln wie "Theologische Charakteristik – und Profilneurose", "Ökumenischer Reichtum – und Auftrag", Missionarischer Aufbruch – und Dialog", "Kirchliche Gemeinschaft - und Reform", "Konfessionelle Vielfalt – und Sichtbarkeit" sowie "Christliche Mission – und Demut" analysiert Söding die katholischen und evangelischen Positionen, weist auf die jeweils eigenen Identitäten und Traditionen sowie auf Verletzungen und Verwundungen hin. Und jetzt? Da kommt auch noch der Papst ins Spiel: "Solange es aber an einer Klärung in der Amtstheologie fehlt, muss der Bischof von Rom stellvertretend für alle Christusgläubigen die Stimme erheben – und es so tun, dass nicht die Spezialinteressen der katholischen Kirche verfolgt, sondern die Beiträge der Christenheit zur Humanisierung der Welt gebündelt und verstärkt werden." Auch Thomas Söding bezieht sich im Schlusswort auf ein Zitat von Jesus von Nazareth (Johannes 10,9: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden…) und schreibt: "Diese Verheissung zu konkretisieren, ist Weg und Ziel der Ökumene."

Nach so viel Zielvorstellungen der Einheit der Kirchen bleibt die Frage weiterhin offen: Können sich Katholiken und Protestanten überhaupt (einmal) einigen? Ein Weiterdenken ist auch nach dem Reformationsjubiläum angesagt. Mit Thomas Södings‘ Worten wünscht man sich dabei mehr "souveräne Gelassenheit!"

Das kleine Buch richtet sich an jeden an der Ökumene interessierten Christenmenschen.

Christian B. Schäffler, CBS KULTUR INFO, Basel

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