APD-INFORMATIONEN 9/2019 - SEPTEMBER 2019

Pfarrer Christoph Sigirst beim Referat über Zwingli © Foto: Herbert Bodenmann/APD Schweiz

Zürich: Grossmünsterpfarrer referiert bei Adventisten über Zwingli

Zürich/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Christoph Sigrist, Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche am Grossmünster, hat am 21. September die Veranstaltungsreihe der Siebenten-Tags-Adventisten in Zürich im Rahmen des Jubiläums «500 JAHRE REFORMATION» eröffnet. Das Referat stand unter der Aufforderung von Zwingli «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes» - Wirkungen und Auswirkungen der Reformation durch Huldrich Zwingli. Sigrist zeichnete das Wirken des Reformators in drei Linien auf: Spiritualität, Soziales und Politik.

Einleitend hielt Pfarrer Sigrist fest, dass die Aufforderung von Zwingli «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes» nicht im ursprünglichen Zusammenhang verwendet werden könne, da es ein Aufruf gewesen sei, im Krieg endlich mutig zu kämpfen. Bezüglich des Referats als Zürcher Reformationsbotschafter bei den Adventisten sagte Sigirist, dass dies sein erster Kontakt mit dieser Freikirche sei und er keine Konkurrenz zwischen Adventisten und seiner Kirche sehe. Da Adventisten kirchengeschichtlich in der Tradition der Baptisten und Methodisten stünden wolle er auch gleich zu Beginn festhalten, dass das, was Zwingli den Täufern angetan habe, falsch war und seine Kirche dafür bei den Täufern 2004 um Entschuldigung gebeten habe.

Spiritualität
Zwingli habe zwar in einer sechsjährigen Arbeit die Bibel übersetzt, wollte aber nicht, dass sein Name aufscheint. Deshalb heisse sie «Zürcher Bibel» und nicht «Zwingli Bibel», so Sigrist. Das Wort Gottes habe für Zwingli nicht an und für sich bestanden, sondern Wort Gottes sei es geworden bzw. ereigne sich, wenn man sich je von Aussagen der Bibel getroffen wisse. Spiritualität sei Resonanzraum.

Soziales
Laut dem Grossmünsterpfarrer sei sein Vorgänger vor 500 Jahren ein Meister der sozialen Umwälzung in der Stadt Zürich gewesen. Zwingli habe die bestehende Ungerechtigkeit umgetrieben und wie man das menschliche Recht als Spiegel der göttlichen Gerechtigkeit gestalten könne. Sigrist bezeichnete Zwinglis Einsatz im sozialen Bereich als «reformatorischen Dreisatz». Zuerst sei es Zwingli um eine theologische Frage gegangen, motiviert von der Erkenntnis, dass Gott parteiisch für die Armen einstehe. Zweitens ging es ihm um eine ökonomische Frage, dass den Armen in der Stadt, die in einer «himmelschreienden Armut» lebten, Geld zukommen müsse. Geld sei diakonisch gewaschen worden, so Sigrist. Zwingli habe sich auch für die Auflösung der sieben Klöster in der Stadt, den «Fetttaugen in der Armensuppe», und deren Übergabe an die Stadt Zürich eingesetzt. Als dritten Schritt sei es ihm um die soziale Ordnung gegangen, die er 1525 mit der Almosenordnung umgesetzt habe. Er habe eine Solidarkultur gefördert bei der unter anderem die Klöster als Spitäler umgenutzt und Schulen errichtet worden seien.

Politik
Für Zwingli sei Kirche, Bibel und Evangelium öffentlich und damit politisch gewesen, sagte Pfarrer Sigrist. Er habe aber alles gemeinsam mit dem Rat von Zürich umgesetzt und nicht im Alleingang. Damit habe die Reformation der Kirche zur Transformation der Gesellschaft geführt. Zwingli habe 1524 den Zölibat abgeschafft, 1525 selbst geheiratet und ebenfalls Ehegesetze implementiert, bei der die Ehe von der Kirche gelöst und auf der zivilen Ebene geregelt worden sei.

Die Veranstaltungsreihe der Adventisten an der Cramerstrasse 11 in Zürich zu «500 JAHRE REFORMATION» wird mit folgenden Themen fortgesetzt:
27. September 2019, 19:30 h: «Verstehst du auch, was du liest»
30. September 2019, 19:30 h: «Der Mythos einer einheitlichen und fromme Reformation»
3. Oktober 2019, 19:30 h: «Der Kalligraph des Bischofs»

Weitere Infos zur Veranstaltungsreihe:
https://zuerich.adventgemeinde.ch/uploaded_assets/267610-Zwingli_Plakat_A4Homepage_.jpg?thumbnail=original&1566644284

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Jacqueline Fehr, Regierungsrätin des Kantons Zürich, leitet die Direktion der Justiz und des Innern © Foto: Herbert Bodenmann/APD Schweiz

Regierungsrätin Fehr: „Was die Gesellschaft an den Kirchen hat“

Zürich/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Am 24. September hielt die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr, auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Kanton Zürich AGCK.ZH, am Hirschengraben 50 in Zürich einen Vortrag zum Thema: „Was die Gesellschaft an den Kirchen hat“. Dabei erläuterte sie einige der sieben „Leitsätze zum Verhältnis von Staat und Religion“ vertieft, die der Zürcher Regierungsrat im November 2017 verabschiedet hatte. Sie betonte die Wichtigkeit der Religionsgemeinschaften für Staat und Gesellschaft sowie die Bedeutung der sieben Leitsätze für kleinere, nicht öffentlich anerkannte Kirchen.

Pfarrerin Bettina Lichtler, Präsidentin der AGCK im Kanton Zürich, erwähnte in der Einleitung, dass die Arbeitsgemeinschaft im Kanton Zürich 1965 gegründet und damit das älteste dieser kantonalen ökumenischen Gremien sei. Die 21 Mitgliedskirchen sowie die drei Kirchen im Gaststatus pflegten gegenseitige Offenheit, arbeiteten an gemeinsamen Zielen und könnten damit auch allfällige Konflikte untereinander bearbeiten und vermeiden.

Nächstenliebe und Solidarität sind wichtige Werte in der Gesellschaft
«Religiöse Überzeugungen bilden eine wichtige Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens», zitierte die Regierungsrätin den ersten Leitsatz und fügte an, dass Religionsgemeinschaften für den Staat wichtig seien. Sie hätten eine besondere Rolle in der Gesellschaft, weil religiöse Überzeugungen Haltungen, Einstellungen und innere Werte prägten. Der Staat baue zwar auf ihnen auf, könne diese aber nicht selbst vermitteln. Als spezifisch christliche Werte erwähnte Fehr die Nächstenliebe, die den Egoismus eindämme, Solidarität mit den Armen sowie Aufrichtigkeit. Christen hätten auch eine besondere Sicht bezüglich der Umweltproblematik, da sie die Erde als Schöpfung Gottes bewahren wollten. Jacqueline Fehr ermutigte die anwesenden Kirchenvertreter, in Predigt und Blog etc. öffentlich ihre Stimme zu erheben.

«Zum Umgang mit verfassungsrechtlich nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften braucht es klare Handlungsgrundlagen», heisst es im 7. Leitsatz. Der Regierungsrat strebe mit nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften mehr Verbindlichkeit an, so Fehr. Es seien Ausbildungslehrgänge für muslimisch Seelsorger geschaffen worden und die orthodoxen Kirchen hätten einen Dachverband gegründet mit einem Beirat von Vertretern der anerkannten Kirchen. Es gelte aber auch zu verhindern, dass «religiöse Milieus entstehen, die unsere Rechtsordnung missachten oder Parallelstrukturen dazu aufbauen», heisst es in den Erläuterungen zum 7. Leitsatz. Mit Bezug auf den 2. Leitsatz, dass die religiösen Gemeinschaften den öffentlichen Frieden wahren sollen, sprach Fehr auch Grenzen im Umgang mit Religionsgemeinschaften an.

7 Leitsätze zu «Staat und Religion im Kanton Zürich»
http://ow.ly/k9oq30pBkPj

Orientierung: «Staat und Religion im Kanton Zürich»
http://ow.ly/TBAq30pBkPX

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Symbolbild - Erwachsenentaufe in öffentlichem Gewässer © Foto: Elisey Vavulin on Unsplash

Rekurs gegen das Genfer Laizitätsgesetz eingereicht

Zürich/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Die Evangelische Allianz Genf (Réseau évangélique de Genève) erhebt laut «SEA aktuell», Newsletter der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA, Rekurs gegen zwei Artikel des kantonalen Laizitätsgesetzes. Die Evangelische Allianz Genf habe ihre Argumente für eine Teilrevision dieses neuen Gesetzes beim Verfassungsgericht deponiert, wie das Réseau évangélique suisse RES, das den Rekurs unterstützt, in einer Mitteilung schreibt.

Das Laizitätsgesetz, das vom Stimmvolk des Kantons Genf im Februar dieses Jahres gutgeheissen worden ist, soll die Glaubensfreiheit schützen, den religiösen Frieden sichern und die religiöse Neutralität des Staates garantieren. Das Réseau évangélique suisse RES, das Westschweizer Pendant zur Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA, unterstützt diese Ziele und erachtet sie in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft als fundamental wichtig. Das Gesetz bringe gewisse nützliche Klärungen hinsichtlich der Trennung von Kirche und Staat und der Glaubensfreiheit für alle, unabhängig ihrer Weltanschauung oder Konfession. Das Gesetz verfehle aber das Ziel und gleite in zwei Artikeln in ein dogmatisches Verständnis der Laizität ab, so die Evangelische Allianz Genf.

Kantons- und Gemeindeangestellte sollen keine sichtbaren religiösen Symbole tragen
Der Rekurs der Genfer Allianz bezieht sich auf diese beiden Artikel. Zum einen ficht sie das Verbot für Mitglieder der Legislative auf kantonaler wie kommmunaler Ebene an, von aussen sichtbare religiöse Symbole zu tragen. Sie argumentiert, diese Personen seien vom Volk gewählt und repräsentierten deshalb nicht den religiös neutralen Staat, sondern die Bevölkerung in ihrer – mitunter religiösen –Vielfalt. Das neue Gesetz fordert im Übrigen dasselbe Verbot auch für alle kantonalen Beamten, wenn sie mit der Öffentlichkeit in Kontakt stehen, so etwa auch für Museumsaufseher und Angestellte des öffentlichen Verkehrs. Ihnen wird zudem verboten, während der Arbeit in der Öffentlichkeit über ihren Glauben zu sprechen. Die Genfer Allianz erachtet dies als unverhältnismässig und wenig pragmatisch.

Keine kultischen Veranstaltungen im öffentlichen Raum
Zum anderen verbannt das neue Gesetz im Grundsatz kultische Veranstaltungen aus dem öffentlichen Raum. Damit ist zu befürchten, dass künftig beispielsweise Taufen am Seeufer, wie sie viele evangelische Kirchen und Gemeinden traditionell veranstalten, nicht mehr bewilligt würden. Dies sei unnötig, argumentiert die Evangelische Allianz Genf, da solche Veranstaltungen keine Gefahr für den religiösen Frieden darstellten. Im Gegenteil, sie zeugten von einer pluralen und toleranten Gesellschaft, in der jede und jeder frei ist, den Glauben zu leben, ohne ihn anderen aufzuzwingen.

Mit der Unterstützung des Rekurses stelle sich das Réseau évangélique suisse RES nicht gegen den Willen des Stimmvolks, welches das Laizitätsgesetz angenommen habe. Es fordere lediglich, dass diejenigen Bestimmungen korrigiert werden, die gegen die Menschenrechte verstossen.

Zur Mitteilung (auf Französisch) des Réseau évangélique suisse RES:
https://evangelique.ch/lle-replique-du-reg/

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Keyvisual der KVI-Initianten © Foto: Konzernverantwortungsinitative/konzern-initiative.ch

Rat des Kirchenbundes unterstützt die Konzernverantwortungsinitiative

Bern/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Da bis heute keine politische Lösung in Sachen «Konzernverantwortung» zustande gekommen sei, hat der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK beschlossen, die Konzernverantwortungsinitiative zu unterstützen. Der Rat des SEK appelliert an die Rechtskommission des Ständerates, an ihrer Sitzung vom 3. September einem griffigen Gegenentwurf zum Durchbruch zu verhelfen. Nur bei einem Gegenentwurf, der die wichtigsten Forderungen übernimmt, gelingt der Brückenschlag zwischen Parlament und Initianten. Der Ständerat könne mit einem griffigen Gegenentwurf die Blockade lösen, heisst es in der SEK-Medienmitteilung vom 2. September.

Demnach sind Kirchen und kirchliche Hilfswerke die treibende Kraft hinter der Konzernverantwortungsinitiative. Nach Annahme der Initiative haftet ein Konzern mit Sitz in der Schweiz für den Schaden, den eine Tochterfirma im Ausland begangen hat, ausser der Konzern kann aufzeigen, dass er alle nötigen Massnahmen ergriffen hat, um den Schaden zu verhindern.

Nachdem die Politik bis heute noch keine Antwort auf die Initiative gefunden habe und die Lösungsfindung blockiert sei, sage nun auch der Rat des Kirchenbundes Ja zu den Forderungen der Konzernverantwortungsinitiative. «Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen. Deshalb wird der Kirchenbund immer seine Stimme erheben, um die Schweiz an ihre Verantwortung für die Menschen im globalen Süden zu erinnern», so Gottfried Locher, Ratspräsident des Kirchenbundes. Die Menschenrechte sind nach der Meinung des Rats nicht verhandelbar.

Appell an den Ständerat: Hauptforderungen müssen in Lösung enthalten sein
Unter anderem auch verschiedene Wirtschaftsverbände vertreten die Haltung, dass es eine politische Antwort auf die Konzernverantwortungsinitiative brauche.

In diesem Sinne appelliere der Rat des SEK an den Ständerat, Farbe für Menschenrechte und Umweltschutz zu bekennen. Die politische Blockade müsse aufgehoben und Hand geboten werden für eine rasche und tragfähige Lösung. Die Dringlichkeit einer massgeblichen Verbesserung der Situation für die betroffenen Menschen sei zu hoch, um einen Stillstand zu riskieren.

Unbestritten sei für den Rat des SEK, dass bei einem möglichen Gegenvorschlag die Hauptforderungen der Initiative erfüllt sein müssten. Im Zentrum stehe dabei die Haftungsfrage, die nicht ausgeklammert werden könne, schreibt die SEK.

Rückzug der Initiative nur bei griffigem Gegenvorschlag möglich
Die Initiantinnen und Initianten haben ihre Bereitschaft kundgetan, die Konzernverantwortungsinitiative zurückzuziehen, sollte sich das Parlament auf einen tragfähigen Gegenvorschlag einigen. Es sei nun an der Rechtskommission des Ständerats, hier die notwendigen Entscheide zu fällen. Für den Rat des Kirchenbundes sei es wichtig, dass eine rasche und rechtlich bindende Lösung gefunden werden könne, die im Interesse der Menschen und der Umwelt stehe.

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Symbolbild © Foto: Steve Buissinne/Pixabay

Berner EVP fordert italienisches Kirchensteuermodell für Unternehmen

Bern/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

In der Septembersession berät der Grosse Rat des Kantons Bern einen Vorstoss, der die Kirchensteuer für Unternehmen freiwillig machen will. Als Antwort darauf hat gemäss Livenet, Webportal von Schweizer Christen, die Berner EVP-Fraktion ein Postulat eingereicht, das den Regierungsrat auffordert, das italienische Kirchensteuermodell «otto per mille», eine Mandatssteuer, zu prüfen.

Überholtes Modell
Die EVP könne nachvollziehen, schreibt sie in einer Pressemitteilung, «dass in unserer Gesellschaft, die gerade auch in religiöser Hinsicht immer vielfältiger wird, das Verständnis dafür schwindet, dass nur die drei Landeskirchen von der Unternehmenssteuer profitieren sollen». Denn das Personal in Firmen sei heute in unterschiedlichen Religionsgemeinschaften oder auch gar keiner daheim.

Mandatssteuer «otto per mille
Die EVP greift daher das italienische Modell der Mandatssteuer für Unternehmen, «otto per mille» auf. Laut Wikipedia ist «die Mandatssteuer eine Steuer zugunsten von Religionsgemeinschaften oder sozialen, kulturellen und humanitären Zwecken». Italienische Steuerzahler können selbst bestimmen, welche staatlich anerkannte religiöse Organisation oder welches staatliche Sozialprogramm die obligatorischen 0.8 Prozent («otto per mille») ihrer jährlichen Einkommenssteuer erhalten soll. Dieses Geld kann von den begünstigten Organisationen für religiöse, wohltätige, soziale und karitative Zwecke verwendet werden.

Dem Vernehmen nach hat in Italien zum Beispiel die Waldenserkirche stark von dieser Regelung profitiert. Auch die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten (Chiesa Cristiana Avventista del Settimo Giorno) profitiert nach eigenen Angaben überproportional von der Mandatssteuer zur Durchführung zahlreicher sozialer, humanitärer, kultureller Projekte sowie für Präventions- und Sensibilisierungskampagnen im Bereich Gesundheit und Sucht im In- und Ausland. Die eingehenden Beträge würden aber nicht für religiöse oder kultische Zwecke verwendet, schreibt die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten auf ihrer Informationsseite «8x1000 zur Unterstützung sozialer Projekte».
https://ottopermilleavventisti.it/

Ausweitung der Mandatssteuer auf natürliche Personen möglich
Marc Jost, EVP-Grossrat, hofft bei diesem Vorschlag vor allem auf die Unterstützung der liberalen und sozialen Parteien. Er ergänzt dazu, dass dieses Modell der Mandatssteuer grundsätzlich auch auf natürliche Personen angewendet werden könnte, die keinen Bezug mehr zu einer Kirche haben.

Die Religionsgemeinschaften müssten laut EVP gewisse Minimalstandards erfüllen, um den Genuss von Steuergeldern zu kommen. Eine Grundlage dafür könnte eine Charta der Religionsgemeinschaften sein, wie sie die EVP Schweiz am 22. August vorgestellt hat.

Charta der Religionsgemeinschaften
Die EVP Schweiz hat am 22. August zum internationalen UNO-Gedenktag für die Opfer religiöser Gewalt in Bern eine Charta der Religionsgemeinschaften vorgestellt. Sie wolle damit eine religionspolitische Antwort auf die zunehmende Religionsvielfalt in der Schweiz und ihre Herausforderungen geben, betonte sie an einer Pressekonferenz. Mit der Charta stellt die EVP konkrete Leitsätze für ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in der Schweiz zur Diskussion.

Mehr zur Charta der Religionsgemeinschaften:
https://www.apd.media/news/archiv/13317.html

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Bundeshaus in Bern © Foto: Viola ‘/Pixabay

Politisches Engagement der anderen Art

Zürich und Genf/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA und das Réseau Evangélique Suisse RES haben «Pray for Switzerland» lanciert, eine Gebets-Initiative für Land und Politik in der Schweiz. Im Blick auf die Wahlen vom 20. Oktober werden Christinnen und Christen aus Landes- und Freikirchen aufgefordert, für Politikerinnen und Politiker in der Schweiz zu beten.

Eine funktionierende Demokratie brauche Frieden, gegenseitigen Respekt und Wohlwollen, schreiben SEA.RES in einer Medienmitteilung. Das Ziel von «Pray for Switzerland» bestehe darin, «Politikerinnen und Politiker in der Schweiz verbindlich im Gebet zu unterstützen sowie die Politik unter Gottes Führung und Segen zu stellen». Darin liege eine besondere Kraft und Hoffnung für das Land.

Wählen und beten
Die Initiative tritt ökumenisch und politisch neutral auf: «Das Gebet bewegt und eint alle Konfessionen und es geht nicht um Parteipolitik». Der Generalsekretär der SEA, Matthias Spiess, erläutert: «Christinnen und Christen nehmen ihre Verantwortung wahr, gehen an die Urne und beten.»

Die Idee stammt aus Österreich: Dort initiierte eine Auslandschweizerin kürzlich die Gebets-Initiative «Pray for Austria», deren Wunsch auch die SEA.RES für die Schweiz teilt: eine kraftvolle Gebetsbewegung für die Schweiz und die Politik.

So funktioniert es
Alle Interessierten sind aufgerufen, die Initiative «Pray for Switzerland» mitzutragen und zu verbreiten. Die Teilnehmenden werden aufgerufen einen Kanton und einen Bundesrat auszuwählen, für die sie beten möchten. Die Häufigkeit und die Art des Gebets bestimmt jede und jeder für sich: einmal am Tag, einmal die Woche, mit Liedern, Bibellesen oder Fasten. Auf der Webseite sind vielfältige Formen des Gebets aus verschiedenen christlichen Konfessionen beschrieben und erklärt. Das sei auch eine gute Gelegenheit, neue Formen des Gebets für sich zu entdecken, schreibt SEA.RES.

Zur Webseite der Initiative: https://prayforswitzerland.ch/

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Nelly Mukazayire, Ökonomin und ehemalige Beraterin im Stab des ruandischen Präsidenten © Foto: Herbert Bodenmann/APD

Bettagsbegegnung thematisiert Frieden, Versöhnung und Solidarität

Bern/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Ziel der überkonfessionellen «Bettagsbegegnung» vom 12. September im Bundeshaus bestand darin, sich anlässlich des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags vom dritten Sonntag im September der Werte wie Friedensförderung, Versöhnung und Solidarität zu besinnen und sie zu stärken. Diese Werte hätten eine traditionell starke Verankerung in der Geschichte der Schweiz, heisst es in der Medienmitteilung der Organisatoren. Am Anlass, der unter dem Patronat von sechs Mitgliedern des eidgenössischen Parlaments stand, sprachen Bundesrat Ignazio Cassis, Aussenminister der Schweiz, Alojz Peterle, ehemaliger Ministerpräsident Sloweniens und die Ruanderin, Nelly Mukazayire, Ökonomin und ehemalige Beraterin im Stab des Präsidenten, über Brücken für den Frieden.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag gehört in der Schweiz zu den höchsten Feiertagen und hat eine lange Tradition. Laut den Organisatoren komme dem Feiertag angesichts der zunehmenden Säkularisierung die Aufgabe zu, an die christlichen Wurzeln des Landes zu erinnern und die Dankbarkeit für den Segen in Vergangenheit und Gegenwart wach zu halten. Eine der Absichten des Bettages bestehe auch darin, den Respekt vor Andersdenkenden zu fördern, sagte Nationalrat Philipp Hadorn /SP), der mit Nationalrätin Marianne Streiff (EVP) den Event moderierte. Die Stärke eines Volkes messe sich am Verhalten den Schwachen gegenüber, so Hadorn.

Ignazio Cassis
Bundesrat Ignazio Cassis erinnerte in seinem Grusswort zur Bettagsbegegnung daran, wie nach dem Sonderbundskrieg, einem einmonatigen Bürgerkrieg in der Schweiz (1847), beiden Parteien, die liberalen, mehrheitlich reformierten Kantone sowie die konservativ, vorwiegend katholischen Kantone, aufeinander zugingen, um gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Das Resultat sei die Verfassung von 1848 gewesen.

Alojz Peterle
Alojz Peterle, ehemaliger Ministerpräsidenten von Slowenien, rief dazu auf, die Menschenwürde in der heutigen globalisierten Welt hochzuhalten: «Wir sind alle gleich, was unsere Würde angeht; niemand hat eine grössere, höhere, bessere Würde. Das ist die Basis für Dialog und – politisch gesprochen – für Kompromisse.»

Nelly Mukazayire
Nelly Mukazayire, Ökonomin und ehemalige Beraterin im Stab des Präsidenten von Ruanda, schilderte, wie nach dem Völkermord 1994, bei dem in einem Monat eine Million Menschen getötet wurden, durch Aufarbeitung und Benennung des Geschehenen, Versöhnung zwischen Tätern und Opfern angestrebt wurde. Ihre Mutter sitze als eine der Täterinnen in der Hauptstadt Kigali eine lebenslange Gefängnisstrafe ab. Als Tochter einer Täterin sei sie durch verschiedene Phasen gegangen: von Verdrängen über Identitätsverlust, sich der Wahrheit zu stellen, der Mutter zu vergeben und sich auszusöhnen. Sie lebe davon, dass Kinder nicht für das verantwortlich gemacht würden, was ihre Eltern verbrochen hätten, sagte Nelly Mukazayire.

Umrahmt waren die Referate von einem Mittagessen, einer Lesung aus der Bibel durch Pfarrer Alfred Aeppli, Gebet und Fürbitte durch Mitglieder des Patronatskomitees. Rund 70 Personen aus Bundespolitik und -verwaltung, Botschafterkreisen, internationaler Politik, Wirtschaft und Kirchen folgten in diesem Jahr der Einladung zur Bettagsbegegnung.

Patronat
Die überkonfessionelle Bettagsbegegnung fand zum zweiten Mal statt und wird von fünf Nationalräten und einer Nationalrätin aus fünf politischen Parteien getragen: Marianne Streiff (EVP), Philipp Hadorn und Eric Nussbaumer (beide SP), Erich von Siebenthal (SVP), Laurent Wehrli (FDP) sowie Christian Lohr (CVP). Ihr gemeinsames Anliegen ist es, Dankbarkeit, Friedensförderung und Versöhnung sowie Gebet auch im politischen Alltag als Quelle der Hoffnung und Ermutigung zu stärken.

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In der Form eines Speed-Datings tauschen sich Studentinnen und Studenten über einen Bibeltext aus © Foto: Michael Gross/tsc

Theologisches Seminar St. Chrischona startet Studienjahr mit 50 Neuen

Bettingen/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Schweiz

Das Theologische Seminar St. Chrischona tsc in Bettingen bei Basel ist mit 32 neuen Studierenden sowie 18 neuen Gasthörerinnen und Gasthörern ins 180. Studienjahr gestartet. Laut einer tsc-Medienmitteilung umfasst die Studiengemeinschaft 141 Personen.

Vor dem Unterrichtsbeginn am 2. September hatte die Studiengemeinschaft am tsc ein viertägiges Einführungsprogramm erlebt mit Infoanlässen, Lobpreiszeiten, Gottesdiensten, Bibelarbeiten und einem grossen Fest. «Theologie studieren am tsc ist mehr als akademische Ausbildung. Es ist auch Persönlichkeitsentwicklung – und ein geistlicher Weg, den wir als Studiengemeinschaft gemeinsam gehen wollen», erläuterte Rektor Benedikt Walker die Idee hinter den abwechslungsreichen Einführungstagen.

Hohe Studienqualität und lebendige christlicher Gemeinschaft sind attraktiv
Die Mischung aus hoher Studienqualität und lebendiger christlicher Gemeinschaft sei für viele der neuen Studierenden ausschlaggebend gewesen, sich für einen der drei theologischen Bachelorstudiengänge oder den Jahreskurs am tsc zu bewerben, heisst es in der Mitteilung.

Demnach habe sich die Studiengemeinschaft unter anderem während den geistlichen Einführungstagen in einem «Speed-Dating» paarweise über Bibeltexte ausgetauscht. Manche der neuen Studierenden seien positiv überrascht gewesen, wie kreativ die Einführungstage gestaltet gewesen seien. «Die Kommunikative Theologie, die am tsc gelehrt und erarbeitet wird, wirkt sich auch auf die Methodik aus», heisst es in der tsc-Medienmitteilung.

Zum Studienjahr 2019/20 haben 32 neue Studierende einen Bachelorstudiengang oder den Jahreskurs am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) begonnen. Sechs neue Fernstudierenden absolvieren den Bachelorstudiengang Kommunikative Theologie.

Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc)
Das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) bietet seit 1840 theologische Aus- und Weiterbildung an. Das tsc-Studienangebot umfasst die Bachelorstudiengänge Kommunikative Theologie (Präsenz- und Fernstudium), Theologie & Pädagogik, Theologie & Musik sowie den tsc-Jahreskurs.

Mehr zum tsc: https://tsc.education/

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Marco Trüeb, (2.v.l.), Eva Herzog (3. v.l.), Urs Schwaller und Lukas Kundert (4. und 5. v.l.) © Foto: Evang.-ref. Kirche Basel–Stadt

«Briefmarken und das Münster sind beides Wertzeichen»

Basel/Schweiz | 27.09.2019 | Basel | Schweiz

Die Schweizerische Post ediert zum 1000-Jahre-Jubiläum des Basler Münsters eine Sondermarke. Laut einer Medienmitteilung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel–Stadt enthüllte der Verwaltungsratspräsident der Post, Urs Schwaller, die Marke am 5. September im Beisein von Regierungsrätin Eva Herzog und Kirchenratspräsident Pfarrer Lukas Kundert. Die Marke zeigt Kaiser Heinrich II., der vor 1000 Jahren das Münster stiftete, und das ursprüngliche Heinrichsmünster.

Vor leuchtendem, hellblauem Hintergrund zeigt die neue Sondermarke der Schweizerischen Post die Statue von Kaiser Heinrich II., eine Rekonstruktion der romanischen Fassade des Münsters und im Hintergrund die Türme des Basler Münsters, wie sie bis heute das Stadtbild von Basel prägen. Gestaltet hat die Sondermarke zum Münsterjubiläum der Basler Grafiker Marco Trüeb vom Basler Büro T'Sign. An der Vernissage der Sonderbriefmarke erklärte Trüeb, er sehe Kaiser Heinrich II. als Visionär.

Wertzeichen für die Welt
Kirchenratspräsident Pfarrer Lukas Kundert und Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller unterstrichen im Basler Münster, wie viele Aspekte Post und Kirche miteinander verbinden. «Briefmarken und das Münster sind beides Wertzeichen – es sind Zeichen, die für ganz bestimmte Werte stehen», erklärte Kundert. Bei Kirche und Post gehe es zudem um das Senden einer Botschaft: «Die Post sendet Briefe, die Kirche sendet Menschen mit einer Botschaft in die Welt hinaus.»

Einladung ins Münster
«Bevor es die Post gab, trafen sich die Menschen auf zentralen Plätzen wie dem Münsterplatz. Bis heute sind die Kirchenglocken ein Kommunikationsmittel», erklärt Post-Verwaltungspräsident Urs Schwaller. Die Briefpost spiele auch in der digitalen Zeit eine wichtige Rolle. Die Briefmarken auf den Briefen erzählen laut Schwaller Geschichten. «Nun gehört auch das Basler Münster dazu. Möge es eine Einladung ins Münster sein.»

Regierungsrätin Eva Herzog freute sich sehr, dass «unser Münster auf einer Briefmarke zu sehen ist, die so das Basler Münster in alle Welt trägt.» Sie betonte, wie wichtig das Basler Münster in der Geschichte der Stadt gewesen sei – und wie wichtig es bis heute für Basel ist. Zwar sei vieles heute digital, am Digital Day habe sie aber gemerkt, dass auch der Griff zum Handy letztlich «ein Ausdruck dafür ist, wie wichtig für uns alle Kommunikation ist und bleibt».

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Sitz der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, Silver Spring, Maryland/USA © Foto: Matthias Müller/churchphoto

Weltkirchenleitung der Adventisten klärt Haltung zur Abtreibung

Silver Spring, Maryland/USA | 27.09.2019 | APD | International

Laut Adventist News Network ANN ist eine Expertengruppe aus adventistischen Medizinern, Gesundheitsfachleuten, Theologen und Ethikern daran, die Haltung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten bezüglich Abtreibung zu klären und anschliessend eine offizielle Stellungnahme zur Beschlussfassung zu unterbreiten. 1992 hat die Weltkirchenleitung Richtlinien (Guidelines) und somit keine offizielle Erklärung zur Abtreibungsfrage publiziert.

Das Bibelforschungsinstitut (Biblical Research Institute BRI) der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), das für die Kirche in vielen Gebieten biblische und theologische Fragen bearbeitet und entsprechende Erkenntnisse publiziert, wurde vor zwei Jahren mit der Ausarbeitung einer Stellungnahme beauftragt, die biblische Prinzipien widerspiegelt, die für die Diskussion über Abtreibung relevant sind. Der BRI-Ethikausschuss hat mehrere Entwürfe für eine Stellungnahme zur Abtreibungsfrage entwickelt, die in ständigem Dialog mit der Gesundheitsabteilung der Weltkirche sowie mit dem Bioethikausschuss der Weltkirchenleitung reflektiert wurden. Zum Bioethikausschuss gehören Vertreter der adventistischen Universitätsspitäler und medizinischer Einrichtungen der Kirche sowie von der Kirche unabhängige adventistische Gesundheitsfachkräfte und Praktiker.

Zusammensetzung der Arbeitsgruppe zur Entwicklung der offiziellen Stellungnahme
Am 27. August hat der Verwaltungsausschuss der Weltkirchenleitung (General Conference Administrative Committee ADCOM) eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Entwicklung der offiziellen Stellungnahme zur Abtreibung fortzusetzen. Sie steht unter der Leitung von Arthur Stele, einem der sechs Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung. Die 26-köpfige Gruppe besteht aus 20 Vertretern und sechs Vertreterinnen folgender kirchlicher Abteilungen: Gesundheit und Medizin, Frauen, Familien, Bildung, Kinder. Es arbeiten auch Fachleute aus folgenden Bereichen mit: Ellen G. White Nachlassverwaltung, Bibelforschungsinstitut BRI, adventistische Seelsorger an Institutionen (Chaplaincy Ministeries), Rechtsdienst der Weltkirchenleitung, Öffentlichkeitsarbeit, Senior Administration, Kommunikationsabteilung und Adventist Review, Kirchenzeitschrift in Nordamerika. Die 26 Mitglieder der Arbeitsgruppe stammen aus 24 Ländern.

Aufgaben der Arbeitsgruppe und weiteres Vorgehen
Die Aufgabe der Arbeitsgruppe besteht laut Stele darin, die 1992 publizierten Richtlinien (Guidelines) zur Abtreibung sowie den vorliegenden Entwurf des BRI-Ethikausschusses zu studieren sowie «Beiträge und Rückmeldungen aus einer Vielzahl von Quellen, einschliesslich jener des Bioethikausschusses der Weltkirchenleitung, zu untersuchen und zu berücksichtigen». Im Weiteren gehe es darum «einen Entwurf einer einheitlichen Stellungnahme vorzubereiten, der eindeutig auf biblischen Prinzipien basiert, welche die Heiligkeit des Lebens unterstreichen und die aussergewöhnlich schwierigen Fälle/Anomalien berücksichtigen, mit denen Frauen konfrontiert sind».

Dieses von der Arbeitsgruppe erstellte Dokument soll am 1. Oktober dem Verwaltungsausschuss der Weltkirchenleitung (General Conference Administrative Committee ADCOM) vorgelegt werden, welcher entscheidet, ob der dann vorliegende Vorschlag dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung (General Conference Executive Committee GC-EXCOM) anlässlich der Jahressitzung im Herbst, vom 9. bis 16. Oktober, in Silver Spring, Maryland/USA, vorgelegt werden soll.

Richtlinien zum Thema Abtreibung (1992), auf Deutsch: http://ow.ly/IpGW30pscBv

Richtlinien zur Abtreibung (1992), auf Englisch:
https://www.adventist.org/en/information/official-statements/guidelines/article/go/-/abortion/

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Rev. Joseph Kassab, Präsident des Obersten Rates der Evangelischen Gemeinschaften in Syrien und im Libanon © Foto: reformatus.hu/Vargosz

Evangelische im Libanon distanzieren sich von «zionistischen Christen»

Beirut/Libanon | 27.09.2019 | APD | International

Laut einer Meldung von Fides News, Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke, appellierte Rev. Joseph Kassab, Präsident des Obersten Rates der Evangelischen Gemeinschaften in Syrien und im Libanon an die lokalen und internationalen Medien, Berichte zu vermeiden, die «evangelikale Christen» als Vertreter westlicher christlicher Gruppen ausweisen, die den Staat Israel unterstützen.

Diese Identifizierung - erklärte Kassab in einer offiziellen Erklärung, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurde - führe zu Missverständnissen in der öffentlichen Meinung zum Nachteil der evangelischen christlichen Gemeinschaften in Syrien und im Libanon, die dort auch für «die Unterstützung für der Sache der Palästinenser» eintreten. Evangelische Christen - so der in Aleppo geborene Christ in seiner Erklärung – dürften deshalb nicht mit «christliche Zionisten» gleichgestellt werden wie man auch den Islam nicht mit Positionen und Initiativen der des Terrorismus dschihadistischer Gruppen gleichstellen dürfe. Kassab betonte auch, dass die evangelischen Gemeinschaften in Syrien und im Libanon «ausserhalb der Länder, in denen sie leben, keinen theologischen, doktrinären oder administrativen Bezugspunkt haben».

Damit distanziert sich Kassab laut Fides News von christlichen Gruppen, die die Schaffung des Staates Israel in einem eschatologischen Schlüssel interpretieren und im Lichte der biblischen Prophezeiungen die Rückkehr aller Juden in das gelobte Land als eine zu erfüllende Bedingung betrachten, um das Ende der Zeit und das zweite Kommen Christi zu beschleunigen.

Der Fides Artikel wurde redaktionell bearbeitet gemäss CC BY 4.0 / Creative Commons Namensnennung 4.0

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Paul Kagame, Präsident von Ruanda, und Ehefrau Janet (erste Reihe, 6. und 7. v.l.) © Foto: East-Central Africa Division

Präsident von Ruanda eröffnet adventistische medizinische Fakultät

Silver Spring, Maryland/USA | 27.09.2019 | APD | International

Paul Kagame, Präsident der Republik Ruanda, und Pastor Ted N. C. Wilson, Weltkirchenleiter der Siebenten-Tags-Adventisten, eröffneten am 2. September in der ruandischen Hauptstadt Kigali, die neue adventistische medizinische Fakultät (Adventist Medical School) auf dem Campus der Adventistischen Universität von Zentral Afrika (Adventist University of Central Africa AUCA). Trägerin ist die teilkontinentale Kirchenleitung der Adventisten (East Central Africa Division ECD), mit Sitz in Nairobi, Kenia.

Während der Eröffnungszeremonie, an der regionale Kirchenführer, Kirchenmitglieder und Regierungsbeamte teilnahmen, hob Eustace Pennicook, Gründungsdekan der medizinischen Fakultät, die vier geplanten Phasen der Institution hervor und erklärte, dass damit die erste Phase abgeschlossen sei. Diese Phase besteht aus vier Hauptgebäuden, darunter ein Wissenschaftskomplex mit neun Labors und Klassenzimmern, die mit Computern und interaktiven Whiteboards ausgerüstet sind, ein Cafeteriagebäude, ein modernisierter Komplex für Studentenwohnheime und ein Gästehausbereich. Die ECD-Medizinfakultät befindet sich auf dem Gelände der adventistischen Universität von Zentralafrika (Adventist University of Central Africa AUCA) in Kigali, auf dem Masoro Hauptcampus, das 22 Hektaren umfasst.

Pastor Ruguri, ECD-Präsident, dankte Präsident Kagame, für die asphaltierte Strasse, welche die Regierung zum Campus gebaut hat. Gleichzeitig teilte Ruguri mit, dass die neue medizinische Fakultät ein Projekt sei, das die finanziellen Möglichkeiten der Adventisten in Ruanda übersteige. Er dankte deshalb der adventistischen Weltkirchenleitung sowie den Kirchenmitgliedern aus der ECD-Region für ihre Grosszügigkeit. Ruguri fügte an, dass sie jetzt noch mehr Land brauchten, um weitere Einrichtungen für die Institution zu bauen, darunter ein Universitäts-Lehrkrankenhaus. Die eröffnete medizinische Fakultät soll nebst Ruanda, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, Dschibuti, Eritrea, Kenia, Somalia, Südsudan, Tansania und Uganda als Kompetenzzentrum dienen.

Pastor Wilson dankte Präsident Kagame für die geteerte Zufahrtsstrasse und die Religionsfreiheit im Land. Er forderte die adventistische Kirchenleitung der ECD auf, nicht nur prächtige Gebäude zu bauen, sondern auch eine qualitativ hochwertige Ausbildung in ihnen anzustreben.

Kagame verspricht Land und Geld für den Bau eines Lehrkrankenhauses
Kagame, der von seiner Frau Janet begleitet wurde, lobte die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten dafür, dass sie die Gesundheit zu einer Säule der Evangelisation und Entwicklung gemacht habe. Die Adventisten hätten in Ruanda während 100 Jahren zur Entwicklung des Landes beigetragen. Was die medizinische Fakultät anbetreffe, so dankte er der Kirche dafür, dass sie ein ehrlicher Partner der Regierung Ruandas sei. «Ich verspreche, Land und Geld zur Verfügung zu stellen, um ein Lehrkrankenhaus für die medizinische Fakultät zu bauen», sagte Kagame.

Adventisten in Ruanda
In Ruanda, mit 13 Millionen Einwohnern, feiern 855.000 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 1.844 Kirchen und 691 Gruppen jeweils am Samstag, dem biblischen Ruhetag, den Gottesdienst. Die Adventisten unterhalten im Land 46 Primarschulen, 13 Sekundarschulen, eine Universität, eine medizinische Fakultät, ein Krankenhaus, neun Ambulatorien und eine Radio- und TV-Station.

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Ted Wilson mit Ehefrau Nancy (Bildmitte) am 100-Jahre-Jubiläum der Adventisten in Kigali, Ruanda © Foto: East-Central Africa Division News

Adventisten feiern 100 Jahre Engagement in Ruanda

Silver Spring, Maryland/USA | 27.09.2019 | APD | International

Am 31. August haben über 40.000 Personen im Amahoro National Stadium in der ruandischen Hauptstadt Kigali, im Beisein des adventistischen Weltkirchenleiters Ted Wilson, 100 Jahre Präsenz der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ruanda gefeiert.

An der 100-Jahr-Feier wurde der adventistischen Missionare gedacht, die 1919 nach Ruanda kamen. Pastor Hesron Byilingiro, Präsident der adventistischen Kirche in Ruanda, sagte, dass ihr Vermächtnis nie vergessen werde. Sie hätten sich in eine Kultur integrieren müssen, die sie nicht kannten und eine neue Sprache lernen müssen. Das Evangelium, welches die Missionare durch Bildung und Gesundheitsarbeit gebracht hätten, sei eine Sprache gewesen, die keiner Übersetzung bedurft habe, so Byilingiro. Er schloss in seinen Dank auch die vielen Ruander ein, welche die Missionare unterstützt und mit ihnen Pionierarbeit geleistet hätten.

Adventisten – «guter Partner der Regierung»
Die Regierung Ruandas war durch zwei Minister und einen leitenden Regierungsbeamten an der Feier vertreten. Im Namen ihrer Regierung sagte Judith Uwizeye, Kabinettsministerin im Amt des Präsidenten, dass die adventistische Kirche wegen ihrer Rolle für Bildung, Gesundheit und Entwicklung ein guter Partner der Regierung Ruandas sei. Mit Bezug auf den grausamen Völkermord an der Volksgruppe der Tutsi im Jahr 1994, erinnerte sie daran, dass auch die Adventisten nicht verschont geblieben seien und dankte Gott, dass er die Nation gerettet habe.

Religionsfreiheit – Adventisten leisten monatlichen Zivildiensttag am Sonntag
Alle Ruander sind verpflichtet, sich am letzten Samstag im Monat gemeinnützig zu betätigen. Die Regierung hat den Adventisten erlaubt, ihren Teil für den monatlichen Zivildienst «Umuganda» an jedem ersten Sonntag im Monat zu leisten. Mitglieder der protestantischen Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten feiern den biblischen Ruhetag, den Samstag (Sabbat). Der Minister für Kommunalverwaltung, Anastase Shyaka, bekräftigte gegenüber dem adventistischen Weltkirchenleiter Ted Wilson, dass sich seine Regierung immer für die Religionsfreiheit einsetzen werde.

Adventisten in Ruanda
In Ruanda, mit 13 Millionen Einwohnern, feiern 855.000 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 1.844 Kirchen und 691 Gruppen jeweils am Samstag, dem biblischen Ruhetag, den Gottesdienst. Die Adventisten unterhalten im Land 46 Primarschulen, 13 Sekundarschulen, eine Universität, eine medizinische Fakultät, ein Krankenhaus, neun Ambulatorien und eine Radio- und TV-Station. Die statistischen Daten stammen vom Jahresbericht 2018 der Weltkirchenleitung.

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Interkulturelle Woche 2019 © Grafik: Ökumenischer Vorbereitungsausschuss zur Interkulturellen Woche

Deutschland: Adventistische Hochschule beteiligt sich an Interkultureller Woche

Friedensau/Deutschland | 27.09.2019 | APD | International

„Zusammen leben, zusammen wachsen“ - unter diesem Motto findet wieder deutschlandweit die Interkulturelle Woche (IKW) statt. In der Region Burg bei Magdeburg-Genthin wird sie mit einer Festveranstaltung am Sonntag, den 15. September, in den Burger Ihlegärten eröffnet. Der Aktionstag beginnt um 11 Uhr mit einem Gottesdienst. Ab 12.30 Uhr geben Vereine, Einrichtungen und Institutionen an Info-Ständen Einblick in ihre Arbeit. Die adventistische Theologische Hochschule Friedensau (ThHF) unterstützt wie in den letzten Jahren mit einem Info-Stand zur IKW den Gedanken von Toleranz und Menschlichkeit.

Laut der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der ThHF seien an der Hochschule Studierende aus 30 Nationen eingeschrieben. Es handele sich um einen Campus auf dem das interkulturelle Miteinander seit 120 Jahren gelinge. Insgesamt seien in Deutschland rund 5.000 Veranstaltungen in mehr als 500 Städten und Gemeinden geplant. Ein Höhepunkt sei in der Region Burg-Genthin am 3. Oktober das grosse Abschlussfest auf dem Genthiner Marktplatz.

Die bundesweit jährlich stattfindende Interkulturelle Woche ist eine Initiative der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie findet seit 1975 Ende September statt und wird von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen mitgetragen. „Der nationale ‚Tag des Flüchtlings‘, dieses Jahr am 27. September, ist Bestandteil der IKW“, so die Initiatoren.

Hochschule Friedensau
Die Theologische Hochschule Friedensau ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Hier können acht Bachelor- (B.A.) und Master-Studiengänge (M.A.), zum Teil berufsbegleitend, in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ belegt werden. Informationen: https://www.thh-friedensau.de

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Cover des Lesebuches © Cover: EVA Leipzig / EKD

EKD gibt friedenstheologisches Lesebuch heraus

Hannover/Deutschland | 27.09.2019 | APD | International

Das friedenstheologische Lesebuch „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist nun erhältlich. Der Sammelband bündelt die theologischen und ethischen Grundlagen zum Begriff der Gewaltfreiheit, wirft Schlaglichter auf die derzeitigen Herausforderungen für den Frieden sowie die aktuellen Debatten und bietet abschliessend Einblicke in die praktische Friedensarbeit in Deutschland und weltweit. Damit bildet der Sammelband eine Grundlage für die Beratungen der EKD-Synode vom 10. bis 13. November in Dresden, auf der die aktuellen friedenstheologischen Herausforderungen diskutiert werden sollen.

Ein Lesebuch für alle, die sich für den Frieden einsetzen
„Das Lesebuch ist aber nicht nur eine wunderbare Grundlage für eine engagierte Debatte auf der Synode“, betont Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der EKD. „Es bietet all denen innerhalb wie ausserhalb der evangelischen Kirche, die sich persönlich für den Frieden einsetzen wollen, einen guten Überblick und Ansatzpunkte für die eigenen Fragestellungen und Themen. Denn wer sich für den Frieden und die Gewaltfreiheit engagieren will, kann ja an ganz unterschiedlichen Stellen ansetzen. Etwa bei der Frage, wie wir uns im Alltag begegnen, beim Umgang miteinander im Netz, politisch im Einsatz für Demokratie und Menschenrechte, im Ausland in der Entwicklungszusammenarbeit oder bei der Frage nach Klimagerechtigkeit.“

Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, der die Entstehung des Buches massgeblich begleitet hat, hob die Aktualität der Fragestellung hervor: „Angesichts der aktuellen Friedensgefährdungen brauchen wir ein neues Nachdenken über den Frieden. Und wir brauchen gute Beispiele von Friedensstifterinnen und Friedensstiftern, damit deutlich wird, wie Frieden heute möglich ist. Deshalb verbindet das Buch beides: grundsätzliches Nachdenken und eine Fülle beispielhafter Projekte und Entwicklungen.“

Bezugsquelle
Das Buch „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens. Ein friedenstheologisches Lesebuch“ ist bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig erschienen und kostet 35 EUR. Die Printausgabe kann im Buchhandel (ISBN 978-3-374-06058-0) oder unter www.eva-leipzig.de bestellt werden. Online ist der Text unter https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Lesebuch-Synode-2019.pdf verfügbar.

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Symbolbild © Foto: Anemone123/Pixabay

Bilder entstehen in den Köpfen der Blinden

Alsbach-Hähnlein/Deutschland | 27.09.2019 | APD | International

Wozu eigentlich eine Freizeit für Blinde? Die sehen ja doch nichts. Lohnt es sich da überhaupt an andere Orte zu fahren? „Auf jeden Fall“, meint Pastor Andre Thäder. „Auch Blinde haben das Bedürfnis unterschiedliche Orte, Landschaften und Länder kennen zu lernen.“ Thäder, der die diesjährige Blindenfreizeit in Freudenstadt/Deutschland organisierte, ist der Leiter der Hope Hörbücherei, eine Einrichtung des adventistischen Medienzentrums Stimme der Hoffnung in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt.

Blinde spüren, was sie gerade erleben
Die Sprache und die Atmosphäre, die Kultur und das Klima wären nicht nur mit den Augen erfahrbar, sondern auch durch das Hören, Riechen und Schmecken, gibt Thäder zu bedenken. Aber was heisst das konkret? Jeder Ausflug der Blindenfreizeit werde vorab erst einmal ausführlich beschrieben. Ausserdem versuche das Team etwas vorzubereiten, was die Teilnehmer ertasten können. Zum Beispiel ein Fühlbild mit dem Grundriss der Stadt, die besucht werden soll oder mit Modellen von markanten Gebäuden. Dieses Jahr gab es laut Pastor Thäder unter anderem Ausflüge in die Strassburger Altstadt, ins Europaparlament sowie zu einem Baumwipfelpfad. Blinde könnten sehr genau spüren was sie gerade erleben: den Wind in den Baumwipfeln, die sakrale Stimmung einer Kirche oder die Atmosphäre eines Parlamentsgebäudes.

Alle zwei Jahre eine Blindenfreizeit
„Die Freizeitteilnehmer geniessen den Austausch unter Mitbetroffenen, ausserdem trauen sie sich in der Gruppe Dinge, die sie sich alleine nicht zutrauen“ so der Leiter der Hope Hörbücherei. Abends hätten sich die 19 Blinden und Sehbehinderten erzählt, was sie am Tag „gesehen“ haben. Denn in den Köpfen der Blinden entstünden Bilder der Dinge, die sie gespürt, gehört, gerochen und geschmeckt haben, erläutert Thäder. Die diesjährige Blindenfreizeit fand vom 1. bis 15. August im „Haus Schwarzwaldsonne“ in Freudenstadt statt. Die Teilnehmer kamen aus Deutschland und Österreich. Die Freizeit 2019 wurde durch die „Aktion Mensch“ gefördert.

„Alle zwei Jahre organisieren wir solch eine Freizeit“, so Thäder. Der Veranstalter ist das Advent-Wohlfahrtswerk, das Sozialwerk der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Verantwortlich für die Durchführung ist der Leiter der Hope Hörbücherei des Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“. Die nächste Blindenfreizeit ist für Sommer 2021 vorgesehen.

Hope Hörbücherei
Der Dienst der Hope Hörbücherei wurde 1964 als Blindenhörbücherei der STIMME DER HOFFNUNG ins Leben gerufen. Jeder, der sehbehindert oder blind ist, kann christliche Zeitschriften und andere Veröffentlichungen auf DAISY-CD, MP3-CD oder Audio-CD und Bücher auf DAISY-CD, MP3-CD gesprochen kostenlos ausleihen. Der Verleih von mehreren Hörbüchern auf einer SD-Karte ist möglich. Ältere Buchtitel gibt es auch noch auf Kassetten. Weitere Informationen unter: https://www.blindenhoer-buecherei.de/

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Kirchenneubau der Adventisten in Greifswald, Deutschland © Foto: Ulrich Faust/APD

Greifswald: Nach Brandanschlag weihen Adventisten neue Kirche ein

Greifswald/Deutschland | 27.09.2019 | APD | International

Am 14. September wurde nach zweijähriger Bauzeit und über fünf Jahre nach der Verwüstung durch einen Brandanschlag das neue Kirchengebäude der Siebenten-Tags-Adventisten in Greifswald, Hansestadt im Nordosten des deutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, eingeweiht. Etwa 140 Personen nahmen an dem Festgottesdienst in der Anklamer Strasse 13 teil.

Einweihungsfeier und Festgottesdienst
Bei strahlendem Sonnenschein kamen am Samstagnachmittag viele Gäste, um gemeinsam mit den Kirchenmitgliedern das neue Gemeindehaus einzuweihen. In Fragmenten wurde filmisch die Geschichte dieser weltweiten protestantischen Freikirche gezeigt. Einzelne Gruppen wie Pfadfinder, Senioren und die Lebensschule, ein Forum zum Menschsein, stellten sich vor. Den Abschluss des Tages bildete ein öffentlicher, kostenloser Kinoabend mit der Vorführung des schwedischen Musikfilm-Dramas „Wie im Himmel“ aus dem Jahr 2004 von Regisseur Kay Pollak mit Michael Nyqvist und Frida Hallgren in den Hauptrollen.

Zerstörung durch Brandstiftung
Kurz nach der Wende im Jahre 1994 erhielten die Mitglieder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Greifswald ihr erstes eigenes Kirchengebäude in der Anklamer Strasse. Zwanzig Jahre dienten diese Räumlichkeiten den Gemeindemitgliedern als Heimat für Gottesdienste, Feste, Spiele, Seminare und Gruppenstunden der Kinder, Jugendlichen und Pfadfinder. Am 29.07.2014 fiel das Haus durch Brandstiftung den Flammen zum Opfer und musste abgerissen werden.

Gegen 03:15 Uhr ging damals ein Notruf bei der Leitstelle der Polizei Neubrandenburg ein, der Eingangsbereich des Hauses in der Anklamer Straße würde brennen. Beim Eintreffen von Polizei und Feuerwehr stand bereits der Dachstuhl in Flammen. Die Beschädigungen waren so stark, dass das Gebäude nicht mehr zu retten war.

Neues Gebäude
Nach langwierigen Verhandlungen mit der Versicherung und mehr oder weniger geduldigem Warten auf die Baugenehmigung, so berichtet der damalige Pastor Markus Voss, konnte im September 2016 mit dem Neubau begonnen werden. Bereits am 16. März im darauffolgenden Jahr wurde Richtfest gefeiert.

Der von den Potsdamer Architekten Mayer-Winderlich und Martinez geplante Kirchenraum bietet Platz für 120 Personen und kann mit mobilen Wänden in kleinere Räume unterteilt werden. Auch eine Hausmeisterwohnung in einem Über-Eck-Anbau ist integriert.

Der grösste Teil der Baukosten wird mit der Versicherungssumme von 540.00 Euro / rund 600.00 Franken bestritten. Darüberhinausgehende Kosten fallen an, da der Neubau etwas grösser wird. Die Kirchenmitglieder haben sich verpflichtet, über die nächsten 10 Jahre einen Teil des fehlenden Geldes beizusteuern. Über 30.000 Euro sind bereits gespendet worden.

Dank für ökumenische Gastfreundschaft
Sehr dankbar sei man für die Gastfreundschaft der anderen Kirchengemeinden der Stadt, so Werner Hönes vom Kirchenrat. Besonders die Brüdergemeinde in der Marienstrasse hätte den rund 65 Adventisten in der überwiegenden Zeit ohne eigenes Gebäude Gottesdienste in ihren Räumen ermöglicht.

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Der neue Südflügel des Hauses Wittelsbach in Bad Aibling in Oberbayern, Deutschland © Foto: Alfred Kutscher/APD

Richtfest für Anbau am adventistischen Seniorenheim in Bad Aibling

Bad Aibling/Deutschland | 27.09.2019 | APD | International

Am 11. September feierte das Bad Aiblinger Senioren- und Pflegheim Haus Wittelsbach in Bad Aibling/Deutschland Richtfest und Baustellenbesichtigung. Einige Gebäudeteile des Hauses waren in die Jahre gekommen. Der Südflügel des Hauses als ältester Bauteil wurde vor knapp einem Jahr abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Neubau.

Heimleiter Michael Mocnik hat am 11. September zum Richtfest und gleichzeitig zur Baustellenbesichtigung eingeladen. Unter den zahlreichen Besuchern waren auch Bad Aiblings Erster Bürgermeister Felix Schwaller und Kurdirektor Thomas Jahn. Dieter Neef, Finanzvorstand des Trägervereins, begrüsste die Gäste mit den Worten aus der Bibel Psalm 23: „Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“. Darauf nahm Pastor Wolfgang Dorn, Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Bayern, in einer kurzen Andacht Bezug. Als kirchlicher Träger der Einrichtung wolle man auch den neuen Baukomplex dem Herrn widmen, in dem sich gut wohnen und bleiben lasse. Da ein derartiges Projekt erhebliche finanzielle Mittel erfordert, war auch Björn Stein angereist. Er repräsentiert die Bank für Kirche und Diakonie, die Teile der Massnahme finanziert. Mit viel Humor trug Hans Obermeyer den Richtspruch vor. Danach folgte eine zünftige Brotzeit.

Bei einem solchen Rundgang durch die Baustelle zeigte sich Bad Aiblings Erster Bürgermeister Felix Schwaller tief beeindruckt vom Neubau und dem pflegerischen Konzept, das Einzug halten wird. Für Kurdirektor Thomas Jahn ist eine Einrichtung wie das Haus Wittelsbach eine Werbung für Bad Aibling als attraktive Badestadt. Auch Architekt Thomas Otte und Projektleiter Joachim Vetter beantworteten fachkundig die Fragen der Besucher. Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung bildeten „die vier Hinterberger Musikanten“.

Haus Wittelsbach
Das Senioren- und Pflegheim Haus Wittelsbach im oberbayerischen Bad Aibling ist ein Seniorenheim mit vollstationärer Pflege und Kurzzeitpflege. Der Träger ist der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.V. mit Sitz in Bad Aibling. Der Verein ist Teil des Sozialwerkes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Das Haus ist eine „rauchfreie Zone“ und bietet 69 rüstigen und 125 pflegebedürftigen Senioren Platz.

Informationen zum Haus Wittelsbach unter:
https://www.seniorenheim-wittelsbach.de/

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Cover „Profile einer dynamischen Bewegung» - Schweizer Freikirchen © Cover: BoD Books on Demand

100 Jahre «VFG - Freikirchen Schweiz» und 500 Jahre Freikirchen

Pfäffikon, ZH/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Ökumene

Am 13. September feierte der Dachverband «VFG - Freikirchen Schweiz» (Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz) in Bern sein 100-jähriges Bestehen. Es nahmen daran der Vorstand, Verbandsleiter, ehemaligen Präsidenten und Gäste teil. Der VFG vernetzt die angeschlossenen Freikirchen und Bewegungen, äussert sich bei Vernehmlassungen des Bundes und setzt sich für christlich-ethische Werte ein. Dem Verband gehören 17 Freikirchen vor allem aus der Deutschschweiz als Mitglieder an, zwei im Gäste- und eine im Beobachterstatus. Das Jubiläum fällt zusammen mit dem 500-jährigen Bestehen von Freikirchen, deren erste 1519 in Zollikon am Zürichsee gegründet worden ist.

Von der Grippe-Epidemie 1919 ins 21. Jahrhundert
Um der Grippe-Epidemie Einhalt zu gebieten, beschlossen die Schweizer Behörden 1918 ein Versammlungs- und Gottesdienstverbot, welches die freikirchlichen Kreise im Kern traf. Das Gottesdienstverbot wurde als ungerecht empfunden, da die Landeskirchen davon nicht betroffen waren und Restaurants und Gasthäuser geöffnet bleiben durften. Da die Schweizerische Evangelische Allianz SEA von den Behörden nicht als Ansprechpartner akzeptiert wurde, veranlasste sie am 18. November 1919 in Aarau den «Verband unabhängiger evangelischer Korporationen (Kirchen, Gemeinschaften, Gesellschaften und Vereine) der Schweiz» zu gründen. Er sollte sich als rechtliche Körperschaft für die Interessen der Freikirchen, Gemeinschaften und evangelischen Werke einsetzen.

«VFG - Freikirchen Schweiz», dritte Kraft neben Kirchenbund und Bischofskonferenz
Seither engagiert sich der «VFG – Freikirchen Schweiz» als nationaler Kirchenverband für die Vernetzung unter den angeschlossenen freikirchlichen Bewegungen, betreibt Öffentlichkeitsarbeit, beteiligt sich politisch an Vernehmlassungen des Bundes und tritt für christlich-ethische Werte in der Gesellschaft ein. Der Verband «VFG – Freikirchen Schweiz» versteht sich als dritte Kraft der christlichen Kirchen neben dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK und der Schweizer Bischofskonferenz SB.

Verbunden mit der nationalen Ökumene
Am 12. September 2017 verlieh die Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) dem VFG einstimmig den Gaststatus. „Der VFG möchte im Gaststatus bei der AGCK.CH mitarbeiten, da die Kirchen in der Schweiz mit einem zunehmend säkularen Umfeld konfrontiert sind. Die Religionsfreiheit sei sehr wichtig“, sagte damals der heutige VFG-Präsident, Pastor Peter Schneeberger. Der Gaststatus würde ihm mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit intern wie auch gegen aussen verleihen.

500 Jahre Freikirchen
Das klassische, protestantische Freikirchentum hat seine Wurzeln in der Schweiz und ist 500 Jahre alt. Laut VFG-Webseite bezeichnete der Zürcher Kirchenhistoriker Fritz Blanke das Dorf Zollikon am Zürichsee als Ort, «wo innerhalb der protestantischen Geschichte zuerst versucht wurde, eine staatsfreie und auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhende christliche Gemeinschaft zu verwirklichen».

Vier Grundtypen von Freikirchen
Der VFG unterscheidet vier Grundtypen von Freikirchen. Die klassischen Freikirchen setzen sich für die Trennung von Kirche und Staat als auch die freiwillige Mitgliedschaft ein. Dazu gehören unter anderen die Baptisten und die Mennoniten.

Kirchen, die sich aufgrund eines Bekenntnisnotstandes von einer bestehenden Staatskirche getrennt und sich als Freikirche organisiert haben. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel die Freien Evangelischen Gemeinden.

Freikirchen, die sich aus innerkirchlichen Erneuerungsbewegungen gebildet haben (Gemeinschaftsbewegung, Methodismus, Pietismus). Dazu zählt man Kirchen wie die Chrischona, das Evangelische Gemeinschaftswerk oder die Heilsarmee.

Freikirchen, die aus pfingstlichen oder charismatischen Erneuerungsbewegungen im 20. Jahrhundert hervorgegangen sind. Dazu gehören unter anderen die BewegungPlus oder die Schweizerische Pfingstmission.

Mehr Infos zu Freikirchen in der Schweiz:
Buch: Jubiläumsbroschüre «Profile einer dynamischen Bewegung»
Schweizer Freikirchen – was sie seit 100 Jahren verbindet
https://www.bod.de/buchshop/profile-einer-dynamischen-bewegung-fritz-imhof-9783734774799

Radioserie von Life Channel zum Thema: 500 Jahre Freikirchen in der Schweiz
https://freikirchen.ch/life-channel-beitragsserie-500-jahre-freikirchen-schweiz/

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Stephan Sigg, Präsident der Adventisten in der Deutschschweiz © Foto: privat

Adventisten im Beobachterstatus des «VFG – Freikirchen Schweiz»

Bern/Schweiz | 27.09.2019 | APD | Ökumene

Am 13. September feierte der Dachverband «VFG - Freikirchen Schweiz» (Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz) in Bern sein 100-jähriges Bestehen. Die VFG-Leiterkonferenz hat an ihrer Sitzung vor der Feier zum 100-Jahre-Jubiläum den Antrag der International Christian Fellowship ICF, um Aufnahme als VFG-Mitglied, einstimmig gutgeheissen. Anschliessend wurde ebenfalls einstimmig dem Antrag der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz, um Aufnahme in den Beobachterstatus, zugestimmt. Der Aufnahme folgte ein Gebet für ICF und Adventisten.

Die Adventgemeinden in der Schweiz gehörten zur Familie der Freikirchen in der Schweiz, sagte Peter Schneeberger, VFG-Präsident. Das Ernstnehmen von Gott charakterisiere die adventistischen Christen, so Schneeberger und verwies dabei auf eine Aussage des alttestamentlichen Propheten Jesaja (Kapitel 33,6), der von der «Ehrfurcht vor dem Herrn» spricht. Die Weitergabe des Evangeliums, der guten Nachricht von Jesus Christus, sei ein gemeinsames Anliegen, das die Adventisten mit den anderen Christen in der Freikirchenfamilie teilten, sagte Stephan Sigg, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz.

Der VFG vernetzt die angeschlossenen Freikirchen und Bewegungen, äussert sich bei Vernehmlassungen des Bundes und setzt sich für christlich-ethische Werte ein. Dem Verband gehören jetzt 17 Freikirchen vor allem aus der Deutschschweiz als Mitglieder an, zwei im Gäste- und zwei im Beobachterstatus. Der VFG setzt sich seit der Gründung 1919 als rechtliche Körperschaft für die Interessen der Freikirchen, Gemeinschaften und evangelischen Werke ein. Er versteht sich als dritte Kraft der christlichen Kirchen neben dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK und der Schweizer Bischofskonferenz SB.

Der Beobachterstatus ermöglicht es Stephan Sigg, an den VFG-Leiterkonferenzen teilzunehmen, Ziele und Arbeitsweisen des VFG kennenzulernen sowie gegenseitige persönliche Begegnungen mit anderen Vertretern von Freikirchen zu führen. Eine regelmässige und verbindliche Teilnahme an den VFG-Leiterkonferenzen hilft, die Arbeitsweise kennenzulernen, um eine Entscheidung zur Vollmitgliedschaft nach Ablauf der vereinbarten Zeit zu treffen.

Der Jahresbeitrag für den Beobachterstatus wird durch die Leiterkonferenz festgelegt und beträgt zurzeit die Hälfte des Betrages der festen Mitgliedschaft. Der Status ist auf fünf Jahre beschränkt und kann um höchstens fünf weitere Jahre verlängert werden. «Spätestens nach Ablauf dieser Frist sollte es zu einer Vollmitgliedschaft kommen. Wenn dies nicht der Fall ist, erlöscht der Beobachterstatus», heisst es in den VFG-Bestimmungen zum Beobachterstatus.

Adventisten in der Schweiz
Die Schweizer Adventisten sind nach dem Vereinsrecht organisiert und teilen sich in zwei Kirchenregionen: die Deutschschweizerische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (DSV / *1901), mit Sitz in Zürich und die Fédération des Eglises Adventistes du 7e jour de la Suisse romande et du Tessin (FSRT / *1884), mit Sitz in Renens/VD. Beide Verwaltungsregionen bilden gemeinsam die Schweizer Kirchenleitung (Schweizer Union / * 1928) mit Sitz in Zürich. In der Schweiz lebten Ende 2018 gesamthaft 4.757 Mitglieder, davon in der Deutschschweiz 2.567 und in der Romandie sowie im Tessin 2.190.

Institutionen und Werke in den Sprachregionen
Die Adventisten in der Schweiz führen die „Privatschule A bis Z“ in Zürich, zwei Jugendhäuser, in St. Stephan/BE und Les Diablerets/VD, drei Alters- und Pflegeheime in Krattigen/BE, , Oron-la-Ville und Epalinges bei Lausanne, den Advent-Verlag in Krattigen sowie eine Versandstelle für französische Bücher in Renens. Im Weiteren unterhalten sie das "HopeBibelstudienInstitut" (HBI) und das „Religionspädagogische Institut“ (RPI) in Zürich sowie das „Institut d'Etude de la Bible par Correspondance“ (IEBC) in Renens. In Gland/VD befindet sich die Klinik „La Lignière“, die auf Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen spezialisiert ist.

Gesamtschweizerische Institutionen der Adventisten
Zu den gesamtschweizerischen Werken zählt die „Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe“ ADRA Schweiz mit Sitz in Zürich, ein ZEWO-zertifiziertes Partnerhilfswerk der Glückskette. Das Hilfswerk ist in der Schweiz mit rund 30 Ortsgruppen im sozialen Bereich tätig und im Ausland mit Katastrophen- und Entwicklungshilfeprojekten. Der „Adventistische Pressedienst“ APD Schweiz, Basel, richtet seine Dienste vor allem an säkulare und kirchliche Medien. Die Schweizerische Liga Leben und Gesundheit LLG, Zürich, bietet mit ihren Seminaren in rund 40 Ortsgruppen ganzheitliche Gesundheitsförderung an: körperlich, seelisch, spirituell und sozial.

Ökumenische Kontakte
Die Adventisten sind Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) und haben den Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH). In drei kantonalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (GE, VD, BS/BL) sind sie Mitglieder in vier anderen haben sie den Gaststatus (AG / SH / TI / ZH).

Pastorenausbildung
Die Pastoren und Pastorinnen der Deutschschweiz werden vor allem im Theologischen Seminar "Bogenhofen" in Oberösterreich ausgebildet, das von den Adventisten in der Deutschschweiz und Österreich gemeinsam getragen wird. Die Pastoren der welschen Schweiz lassen sich vorwiegend am Campus Adventiste du Salève in Collonges (Frankreich) in der Nähe von Genf ausbilden.

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Heinrich Bedford-Strohm auf dem Sommerempfang der KI in Bensheim © Foto: Jens Mohr/APD

„Aufbruch Ökumene“

Bensheim/Deutschland | 27.09.2019 | APD | Ökumene

Das Konfessionskundliche Institut (KI) des Evangelischen Bundes hat am 3. September seine Partner, welche die Arbeit des Instituts begleiten und unterstützen, zum Sommerempfang eingeladen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm, hielt den Impulsvortrag zum Thema „Aufbruch Ökumene“.

„Ich bete darum, dass der Heilige Geist uns zugleich Beine macht und den nötigen Rückenwind gibt“, sagte Bedford-Strohm in Bezug auf die Überwindung von Trennungen zwischen den Konfessionen am Beispiel des gemeinsamen Abendmahls. „Aufbruch Ökumene“ könne man sowohl beschreibend, als auch richtungsweisend verstehen. Der EKD-Ratsvorsitzende hob unterschiedliche Schlaglichter der zwischenkirchlichen Beziehungen in den letzten Jahren hervor. Gerade im diakonischen Handeln sei mehr Ökumene nötig und auch möglich.

Die Feier des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 habe sowohl den Schmerz über Trennung deutlich gemacht, als auch eine Spirale der Wertschätzung angestossen. Dies dürfe sich aber nicht allein auf die beiden grossen Kirchen in Deutschland beziehen: „Wir müssen uns noch mehr von der bilateralen zur multilateralen Ökumene bewegen!“, so der Ratsvorsitzende. Bedford-Strohm schloss mit einem Ausblick und persönlichen Wünschen für die Entwicklung zwischenkirchlicher Beziehungen in der Zukunft.

Konfessionskundliches Institut Bensheim
Das Konfessionskundliche Institut wurde 1947 in Bensheim an der Bergstraße gegründet. Träger des Instituts ist der Evangelische Bund e.V. Als ökumenewissenschaftliches Arbeitswerk beobachtet und bewertet es unter anderem die aktuellen Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen. Die Arbeit des Instituts wird zudem von der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Evangelischen Kirche der Pfalz finanziell getragen. Weitere Informationen: www.konfessionskundliches-institut.de

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Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, auf dem 10. ökumenischen Schöpfungstag in Heilbronn © Foto: Jens Mohr/APD

„Salz der Erde“ - 10. Ökumenischer Tag der Schöpfung

Heilbronn/Deutschland | 27.09.2019 | APD | Ökumene

Am 6. September luden die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland, die ACK in Baden-Württemberg und die ACK Heilbronn zur bundesweiten zentralen Feier des 10. ökumenischen Tages der Schöpfung auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Heilbronn unter dem Motto „Salz der Erde“ ein. Die Festrede wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), gehalten.

Das Motto des diesjährigen ökumenischen Tages der Schöpfung nahm zum einen Bezug auf das Jesuswort im Matthäus-Evangelium, Kapitel 5, Vers 13: „Ihr seid das Salz der Erde“. Zum anderen auf die grossen Salzvorkommen der Stadt. Eröffnet wurde die zentrale Feier vom Vorsitzenden der ACK Deutschland, Erzpriester Radu Konstantin Miron, sowie vom Vorsitzenden der ACK Baden-Württemberg, Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele. Ergänzt wurde das Programm durch Führungen, Aktionen, einer Filmpräsentation und einem Empfang.

Festrede Ministerpräsident Kretschmann
Ministerpräsident Kretschmann nahm in seiner Festrede Bezug auf das Motto „Salz der Erde“ und spendete geistlichen Zuspruch. „Jeder Mensch ist ein ,Initium‘ (lat. Anfang). Er kann kreativ sein und einen Neuanfang beginnen“, so Kretschmann. Er sprach jedoch auch den Umwelt- und Klimaschutz als globale und persönliche Verantwortung an, die es zu erkennen gelte. Darüber hinaus müsse sich der Mensch ein Urteil bilden und für Nachhaltigkeit einsetzen, da die Welt Gottes Gabe an den Menschen sei, die es zu pflegen gelte und die Ehrfurcht verdiene. Zuletzt thematisierte der Ministerpräsident die Wirkung und forderte die Kirchen auf, ihre Idee des guten Lebens in die säkulare Gesellschaft einzuspeisen und nachhaltiges Handeln ermutigend vorzuleben: „Ich glaube, wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir das Ruder noch herumreissen“.

Ökumenischer Festgottesdienst
Im Rahmen des ökumenischen Festgottesdienstes predigte Pastorin Andrea Schneider vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland ebenfalls über das Motto des Schöpfungstages. Niemand könne mehr behaupten, ahnungslos zu sein, wie wir die Natur ausbeuten, so Schneider. Angesichts der drängenden Zeit sei globales Umkehren und Umdenken nötig. Christen könnten „Salz sein“, indem sie beispielsweise auf den Geschmack eines sinnvollen Lebens bringen, verletzte Menschen heilsam behandeln, aber auch „Salz in die Wunden der Gesellschaft streuen“ und sich politisch einmischen. Konkrete Beispiele nannte die Rundfunkpastorin ferner in Bezug auf die Erhaltung der Schöpfung. In diesem Sinne werde eine „konservative Wende“ benötigt. „Damit das Leben Zukunft hat auf unserem schönen Planeten.“

Schöpfungstag an jedem ersten Freitag im September
Seit dem Jahr 2010 feiert die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland jährlich am ersten Freitag im September einen ökumenischen Tag der Schöpfung. Er geht auf eine Anregung des damaligen Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I., dem Ehrenoberhaupt der orthodoxen Weltkirche, zurück, einmal im Jahr „gemeinsam zum Schöpfer zu beten“. Dieser Tag wird bundesweit begangen und regt dazu an, das Lob des Schöpfers als Christen gemeinsam anzustimmen und gleichzeitig die eigenen Aufgaben für die Bewahrung der Schöpfung in den Blick zu nehmen.

ACK Deutschland
Der 1948 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland gehören 17 Kirchen an. Acht Kirchen, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, sind Gastmitglieder, fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Die ACK repräsentiert rund 50 Millionen Christen in Deutschland. Die Geschäftsstelle der ACK in Deutschland („Ökumenische Centrale“) hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Schwerpunkte der Arbeit der ACK in Deutschland sind das gemeinsame Gebet, die theologische Reflexion, das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sowie der Kontakt zu anderen ökumenischen Einrichtungen.

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Symbolbild © Foto: Valentin Petkov/Unsplash

US-Bericht: Bedrohung der Religionsfreiheit durch Überwachungsstaat in China

Washington D.C./USA | 27.09.2019 | APD | Religionsfreiheit

Die Kommission des US-Aussenministeriums für Internationale Religionsfreiheit (United States Commission on International Religious Freedom USCIRF) hat am 16. September einen Bericht über den Einsatz von Überwachungskameras, biometrischen Technologien und künstlicher Intelligenz durch die chinesische Regierung zur Überwachung und Einschüchterung von Religionsgemeinschaften veröffentlicht.

Der Bericht zeige auf, wie die chinesische Regierung Tausende von Kameras um Moscheen, Tempel und Kirchen installiert habe, um zu überwachen, wer an den Gottesdiensten teilnehme, heisst es in der USCIRF-Medienmitteilung. Chinesische Unternehmen hätten Gesichtserkennungstechnologie verkauft, welche die Fähigkeit habe, allenfalls anwesende uigurische Muslime oder tibetische Buddhisten zu identifizieren sowie die Sicherheitskräfte darüber zu informieren.

Missbrauch von Technologie fördert Überwachungsstaat
«Wir sind zutiefst beunruhigt über den Missbrauch von Technologie durch die chinesische Regierung zur Schaffung eines dystopischen Überwachungsstaates, der insbesondere auf Religionsgemeinschaften zielt», sagte USCIRF-Kommissar Gary Bauer.
Laut Wikipediea ist eine dystopische Gesellschaft «in der Regel charakterisiert durch eine diktatorische Herrschaftsform oder eine Form repressiver sozialer Kontrolle». «Wir fordern die US-Regierung und die amerikanischen Unternehmen auf, Massnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass der amerikanische technologische Fortschritt nicht von den chinesischen Behörden genutzt wird, um die Religionsfreiheit und die damit verbundenen Menschenrechte zu unterdrücken», so Bauer.

«Chinas Unterdrückung der Religion ist nicht neu, aber seine Fähigkeit, diese Technologien zu nutzen, hat das Ausmass und den Umfang der Bedrohung der Religionsfreiheit im Land erweitert», fügte Kommissarin Tenzin Dorjee hinzu.

USCIRF: Exportbeschränkungen für Technologien, die Religionsfreiheit einschränken
In seinem Jahresbericht 2019 empfahl die USCIRF der US-Regierung, die Exportbeschränkungen für Technologien zu erhöhen, welche die Fähigkeit der chinesischen Regierung zur Überwachung und Einschüchterung religiöser und ethnischer Gemeinschaften verbessert haben. Die USCIRF hat die Verabschiedung des «Uyghur Human Rights Policy Act» durch den US-Senat begrüsst, der den Direktor des nationalen Geheimdienstes verpflichten würde, über den Transfer oder die Entwicklung von Technologien zu berichten, die von chinesischen Behörden zur Überwachung und Inhaftierung uigurischer Muslime eingesetzt werden.

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ADRA-Mitarbeiter im Rohingya-Flüchtlingslager in Kutupalong Modhurchhara, Bangladesch © Foto: Screenshot Facebookseite ADRA Bangladesch

ADRA: Keine Beteiligung an politischer Demo in Rohingya-Lager

Silver Spring, Maryland/USA | 27.09.2019 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA International publizierte am 9. September eine Stellungnahme und verneinte darin die direkte und indirekte Beteiligung an einer politischen Kundgebung im Kutupalong's Modhurchhara Flüchtlingslager in Ukhiya, am 25. August bei Cox’s Bazar, Bangaldesch. Dabei protestierten die Flüchtlinge gegen ihre Rückführung aus den Camps in Bangladesch nach Burma. Die Anschuldigungen gegen ADRA stehen in einem Bericht eines dreiköpfigen Untersuchungsauschusses der Regierung, auf den sich die Dhaka Tribune, englischsprachige Zeitung in der Hauptstadt Dhaka, bei der Publikation bezog. Das Hilfswerk habe seine Tätigkeit in Bangladesch eingestellt und habe die Klärung der Situation im Kontakt mit Regierungsvertretern gesucht, heisst es in der Stellungnahme von ADRA dazu.

Die beiden Hilfswerke ADRA sowie die muslimische AL Markajul Islami Sangstha hätten T-Shirts und Banner für die Kundgebung gegen die Rückführung der Rohingya-Flüchtlinge nach Burma zur Verfügung gestellt, heisst es in dem Bericht.

Das Hilfswerk leugnet jegliches Fehlverhalten und ist weiterhin bestrebt, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um die Situation so schnell wie möglich zu klären und seine Rolle als Hilfswerk in der Verwaltung (Site Management Support SMS) in den südlichen Lagern am Cox's Bazar wieder aufzunehmen. Cox’s Bazar ist laut Wikipedia eine Stadt in Bangladesch mit 167.477 Einwohnern. Sie liegt mehr als 150 km südlich der Hafenstadt Chittagong am Golf von Bengalen und ist Verwaltungssitz des Distrikts Cox’s Bazar.

Neutralität
ADRA bekenne sich zum Grundsatz der Neutralität, heisst es in der Stellungnahme. Daher engagiere sich ADRA zu keinem Zeitpunkt bei Auseinandersetzungen politischer, rassischer, religiöser oder ideologischer Natur. Darüber hinaus stelle ADRA sicher, dass alle Partnerschaften mit anderen Organisationen nach diesem Prinzip gestaltet seien, so dass humanitäre Hilfe allein nach Bedarf geleistet werden könne.

In der Region um Cox's Bazar ist ADRA nach eigenen Angaben ein Hauptakteur, der die Regierung durch das Büro des Kommissars für Flüchtlinge, Nothilfe und Rückkehr (Office of the Refugee, Relief and Repatriation Commissioner RRRC) und das Camp in Charge (CIC) bei der lebensrettenden Hilfe in der Flüchtlingskrise unterstützt.

ADRA seit 1981 in Bangladesch präsent
Das Hilfswerk ADRA, das seit 1981 in Bangladesch präsent ist, ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die beim Büro für NGO Anliegen der Regierung von Bangladesch registriert ist. ADRA konzentriert sich vor allem auf Entwicklungsprojekte in den Bereichen Bildung, Resilienz, Rehabilitation und Entwicklung, Notfallhilfe und wirtschaftliche Entwicklung. In den letzten vier Jahrzehnten hat sich ADRA in Bangladesch vor allem darum bemüht, gefährdeten Einzelpersonen und Familien in ländlichen Gebieten Ressourcen und Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, die es ihnen ermöglichen, selbstständig zu sein.

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Fassade und Dach der Freeport Adventist Church in Freeport, Grand Bahama, sind zerstört. © Foto: Eric D. Clarke/ATCU

Bahamas: ADRA und die adventistische Kirche helfen den Opfern

Miami, Florida/USA | 27.09.2019 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Kirchenleiter der Siebenten-Tags-Adventisten auf den Bahamas, mit rund 700 Inseln, warten auch fünf Tage nach den 40-stündigen verheerenden Verwüstungen des Hurrikans «Dorian» auf Informationen über das Schicksal Hunderter Kirchenmitglieder. Dies berichtete die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung (IAD) der Adventisten in Zentralamerika und in der Karibik. Schulen und Kirchengebäude seien überflutet, beschädigt oder zerstört worden. ADRA, das adventistische Hilfswerk, macht eine Einschätzung der Lage und koordiniert die Hilfe für Betroffene im Katastrophengebiet.

«Dorian», ein Hurrikan der Kategorie 5, hat ab dem 1. September während 40 Stunden die Inseln Abaco, Grand Bahama, Bimini und die Beereninseln auf den Bahamas am härtesten betroffen. Winde von mehr als 300 Kilometern pro Stunde seien laut IAD über die nördlichen Bahamas gefegt und haben laut Premierminister Hubert Minnis bis am 5. September 30 Menschen das Leben gekostet. Viele werden noch vermisst.

Die Kommunikation sei schwierig, besonders auf den Abaco-Inseln, nördlich der Hauptstadt Nassau, wo sich fünf Kirchen und mehr als 900 Mitglieder befinden. Zwei grosse Kirchen im Zentrum von Abaco, seien völlig vom Süden der Insel abgeschnitten, wo sich zwei weitere Kirchen befänden, sagte Pastor Peter Kerr, Präsident der überregionalen Kirchenleitung der atlantischen Karibik (Atlantic Caribbean Union).

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA koordiniert aus der Hauptstadt Nassau die Nothilfe für die Opfer des Hurrikans. Die nationale Katastrophenhilfeorganisation der Bahamas hat die Adventistische Kirche gebeten, Baby- und Kinderbekleidung zu liefern. Laut Pastor Kerr werde die Kirche die Hilfspakete bereitstellen und die Mitglieder der Ortsgemeinden mobilisieren, um die Bemühungen zu unterstützen. «Eines der dringendsten Bedürfnisse ist Geld», sagte Kerr. «Unser Hauptziel besteht darin, Trinkwasser, Nahrung und Unterkunft, Kleidung sowie Zelte für diejenigen bereitzustellen, die alles verloren haben.» Die Kirche richte Suppenküchen ein und werde Toilettenartikel, Betten, Zelte, Mückenschutzmittel, Netze und Generatoren für Schulen und Kirchen verteilen. Gleichzeitig werde auch eine Datenbank von Adventisten erstellt, die bereit seien, jene bei sich aufzunehmen, die keine Unterkunft mehr hätten.

Adventisten auf den Bahamas
Auf den Bahamas, mit rund 354.000 Bewohnern, feiern 20.400 Siebenten-Tags-Adventisten in knapp 60 Kirchen jeweils samstags den Gottesdienst.

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ADRA-Aktionsstand beim Weltkindertag in Darmstadt © Foto: ADRA Deutschland

„Aktion Kinder helfen Kindern!“ deutschlandweit am Weltkindertag eröffnet

Darmstadt/Deutschland | 27.09.2019 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Anlässlich des Weltkindertages wurde am 22. September die deutschlandweite „Aktion Kinder helfen Kindern!“ auf dem Luisenplatz in Darmstadt gestartet. Gleichzeitig feiert die Paketaktion ihr 20-jähriges Engagement für Kinder und Jugendliche in Osteuropa.

Paketaktion
An vielen Orten in Deutschland gibt es Aktivgruppen, die sich an der „Aktion Kinder helfen Kindern!“ beteiligen. Dort erhalten die Kinder ein leeres Paket (oder auch mehrere) und füllen es zuhause; meistens gemeinsam mit den Eltern. Mit einer Spende von 5 Euro für den Pakettransport wird das Paket dann wieder zur Sammelstelle zurückgebracht. Von dort geht es mit LKWs in die verschiedenen Länder in Osteuropa, um rechtzeitig vor Weihnachten einzutreffen.

20-jähriges Jubiläum
Als die „Aktion Kinder helfen Kindern!“ vor 20 Jahren als „Weihnachts-Spendenaktion“ startete, ahnte niemand, wohin sich das Projekt entwickeln würde. Dank der unermüdlichen Mithilfe vieler Ehrenamtlicher und Mitarbeiter von ADRA Deutschland e.V. konnten in ganz Deutschland Pakete für Mädchen und Jungen in Osteuropa gesammelt werden. Mit hunderttausenden Päckchen wurden bisher über 600.000 Kinder glücklich gemacht.

Ehrenamtliche Helfer
„Wir sind unseren vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unendlich dankbar! Ohne sie wäre die ‚Aktion Kinder helfen Kindern!‘ in keinem Jahr möglich gewesen. Wir laden alle ein, uns auch in diesem Jahr zu unterstützen“, so Anja Emrich, Leiterin des Projekts bei ADRA Deutschland in Weiterstadt bei Darmstadt.

Solidarität zwischen Europa und Osteuropa
Die diesjährige Spendenaktion endet am 24. November. Im Aktionszeitraum baut ADRA eine Brücke zwischen den Kindern in Deutschland undin Osteuropa. Kinder in Deutschland erfahren mehr über das Leben in anderen Teilen unseres Kontinentes und zeigen Mitgefühl für Gleichaltrige. Die Kinder in Deutschland verschenken Schul- und Spielsachen, Kuscheltiere und andere nützliche Dinge. Was für die Kinder hier oft nur Kleinigkeiten sind, ist für die beschenkten Kinder etwas ganz Besonderes. So bekommen sie nicht nur Unterstützung, sondern erfahren europäische Solidarität. Im letzten Jahr konnten so fast 35.000 Pakete von Deutschland aus verschickt werden. Jedes Paket stehe für ein Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, so ADRA Deutschland.

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Manfred Böttcher © Foto: Tobias Koch/Theologische Hochschule Friedensau

Theologische Hochschule Friedensau trauert um Manfred Böttcher

Friedensau/Deutschland | 27.09.2019 | APD | Personen

Die Theologische Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg trauert um Dr. h.c. Manfred Böttcher. Er verstarb am 12. September im Alter von 94 Jahren. Böttcher war von 1982 bis 1990 Direktor des Theologischen Seminars Friedensau und Leiter der Friedensauer Anstalten.

Manfred Böttcher, in Stettin geboren, studierte von 1947 bis 1950 am damaligen adventistischen Missionsseminar Friedensau. Er war als Pastor in Leipzig und Dresden tätig und wurde 1955 ordiniert. Böttcher wirkte als Abteilungsleiter und Sekretär (Geschäftsführer) in der Nordostsächsischen Vereinigung der Siebenten-Tags-Adventisten, danach im Ostdeutschen Verband und dann als Präsident der Thüringischen Vereinigung. Von 1968 bis 1982 war er Präsident der Freikirche in der DDR und leitete in schwierigen Zeiten die Geschicke der dortigen Adventgemeinden.

In seiner Zeit als Direktor am Theologischen Seminar Friedensau (1982-1990) trug er zur akademischen Weiterentwicklung bei und machte die Bildungsstätte auch für Studierende aus Mosambik, der Sowjetunion, Angola und Jugoslawien zugänglich, so der Rektor der Theologischen Hochschule Friedensau, Professor Dr. Roland E. Fischer. 1988 wurde ihm die Ehrendoktorwürde in Theologie der adventistischen Andrews University in Berrien Springs, Michigan/USA, verliehen. In der Wendezeit 1989/90 bemühte sich Böttcher erfolgreich um die staatliche Anerkennung des Theologischen Seminars als Hochschule.

Im Rentenalter war er laut Roland E. Fischer Gastdozent an der Theologischen Hochschule Friedensau und engagierte sich ehrenamtlich in der Hochschulbibliothek. Manfred Böttcher veröffentlichte eine Reihe von Büchern, unter anderem „Weg und Ziel der Gemeinde Jesu“ (1978), „Wagnis des Glaubens, Dialog und Zeugnis der Adventgemeinde in der DDR“ (2001), „Die Adventgemeinde in der DDR, eine Gratwanderung von 1949 bis 1990“ (2007) und „Schlüssel zur Bibel: Erkunden, Erkennen, Erfahren“ (2002). Gleichzeitig hatte er ein hohes Interesse an der praktischen Gemeindearbeit, die er selbst durch seine Predigttätigkeit unterstützte. Er nahm noch im hohen Alter Anteil am Ergehen der Freikirche und der Entwicklung der Hochschule, berichtete Fischer.

Friedensauer Hochschule
Die Theologische Hochschule Friedensau wurde 1899 gegründet und ist seit 1990 eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. In den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie können acht Bachelor- und Master-Studiengänge, zum Teil berufsbegleitend, sowie der Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ belegt werden. Weitere Informationen unter: www.thh-friedensau.de

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Eingangsbereich des Medienzentrums HopeMedia in Alsbach-Hähnlein © Foto: Stephan G. Brass/APD

Medienzentrum feiert 10 Jahre Fernsehen im Zeichen der Hoffnung

Alsbach-Hähnlein/Deutschland | 27.09.2019 | APD | Medien

Am 22. September feierte das Medienzentrum HopeMedia in Alsbach-Hähnlein/Deutschland, Jubiläum. Im Mittelpunkt stand der christliche Fernsehsender HopeTV. Unter dem Motto „Am Leben interessiert“, startete HopeTV vor zehn Jahren sein 24-Stunden-Programm.

Jubiläumsfeier
Am Event führte Diplompädagoge, Kabarettist und HopeTV-Moderator der Sendung „2 weiter“, Bernd Hock, durch die Geburtstagsshow, stellte Produzenten und Moderatoren der Sendungen vor und warf einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gab er den Personen hinter den Fernseh-Formaten, die seit zehn Jahren auf HopeTV laufen, ein Gesicht.

Sebastian Bubenzer, Bürgermeister von Alsbach-Hähnlein, zehn Kilometer südlich von Darmstadt, bezeichnete das Programm von HopeTV als wohltuende Ausnahme gegenüber den Sendungen und Formaten an einem ganz normalen Fernsehabend in Deutschland. Seit über einem Jahrzehnt gelänge es dem Sender, „rund um die Uhr Qualitäts-Fernsehen in die Haushalte der Republik - und auch darüber hinaus“ zu bringen.

Neue Projekte
Das Medienzentrum HopeMedia wolle mit seinen medialen Angeboten eine Brücke zu tragfähigen sozialen Verbindungen mitgestalten und einen Beitrag der Hoffnung für eine werteorientierte Gesellschaft leisten, so Geschäftsführer Klaus Popa.

Marc Naumann, Leiter für Neuentwicklungen, Kooperationen und Fundraising bezog sich im Gespräch auf fünf Werte, die den Deutschen laut aktuellem Werte-Index am wichtigsten seien: Natur, Gesundheit, Familie, Freiheit und Sicherheit. Aufgrund dieser Werte nannte er sieben förderungswürdige Hope-Projekte, die eine Alternative zu den gängigen Medieninhalten böten. Dazu gehörten Produktionen und Serien wie z.B. die Kochserie „Lust auf Lecker“, die TV-Serie „Meine tierischen Begegnungen“ mit dem dazugehörigen Film „Pura Vida“, eine neue Web- und TV-Realitydoku „Refresh“ für einen ganzheitlich gesunden Lebensstil, die Serie „Beziehungskiste“ über Partnerschaft, Beziehung und Familie und die Kindersendung „Fribos Dachboden“, bei der Kinder die Welt und die Bibel besser kennenlernen könnten. 14 Episoden inklusive Online-Kurs über das Bibelbuch Daniel für das 21. Jahrhundert sind ebenfalls in der Planung.

Eine Marke wird etabliert
Im Laufe der letzten Jahre seien alle Dienste des Medienzentrums umbenannt worden. Damit würde die Marke Hope etabliert. So heisst das „Internationale Bibelstudien-Institut“ seit September 2015 Hope Bibelstudien-Institut und die „Blindenhörbücherei“ seit Januar 2017 Hope Hörbücherei. Die Audioangebote laufen unter dem Namen Hope Podcasts. Das, was alle seit der Vereinsgründung der „Stimme der Hoffnung“ e.V. im Jahr 1948 vereine, sei Hope, die Hoffnung. Diese Zusammengehörigkeit werde nun am gemeinsamen Namen Hope erkennbar, informierte PR-Redakteurin Judith Olsen. Nachdem 2018 die Marke HopeMedia als Name für alle Angebote des adventistischen Medienzentrums „Stimme der Hoffnung“ e.V. eingeführt worden sei, würde jetzt auch der Name des christlichen Fernsehsenders „Hope Channel“ in HopeTV geändert. Unabhängig von der Umbenennung des Medienzentrums bleibe aber der Verein, der Träger der Hope-Angebote ist, weiterhin die „Stimme der Hoffnung“ e.V., der zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gehört.

Internationales Netzwerk
Seit 2009 wird bei HopeTV ein vielseitiges Programm mit Gottesdiensten, Andachten, Talksendungen und Sportformaten, Koch- und Kindersendungen produziert. Der hauptsächlich durch Spenden finanzierte Sender gehört zur internationalen Senderfamilie „Hope Channel“, die 2003 in den USA gegründet wurde und aus mittlerweile 52 nationalen Sendern besteht.

Schweiz
In der Schweiz können die Sendungen von HopeTV auf Swisscom TV plus oder über den Satelliten ASTRA empfangen werden.
Weitere Informationen: www.hope-channel.de

Die Geburtstagsshow wird am 28. September um 20:15 Uhr auf HopeTV übertragen und ist anschliessend in der Mediathek abrufbar. Ebenso das Konzert von Alex Jacobowitz. Weitere Infos unter: www.hopetv.de.

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Symbolbild © Foto: pexels/pixabay

Buchrezension: Kirchliche Minderheiten im Schatten der lutherischen Reformation

Ostfildern/Deutschland | 27.09.2019 | APD | Buchrezensionen

Karl Heinz Voigt, Kirchliche Minderheiten im Schatten der lutherischen Reformation vor 1517 bis nach 2017, (Kirche – Konfession – Religion, Band 73), Göttingen: V & R unipress 2018, 382 Seiten, 40 Euro, gebunden, ISBN 978-3-8471-0803-0

Karl Heinz Voigt, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche, weist in seinem neuen Buch nach, dass die frühen religionspolitischen Entscheidungen von 1530 und 1555 in Augsburg sowie 1648 im Westfälischen Frieden ihre Auswirkungen bis heute haben. Bereits zuvor im Jahr 1529 hatte der Reichstag zu Speyer entschieden, die Wiedertaufe mit der Todesstrafe zu ahnden. Diese drastische Massnahme gegen Andersgläubige machte deutlich, wohin der konfessionelle Weg in Deutschland gehen sollte.

Das Augsburger Bekenntnis wurde am 25. Juni 1530 in Augsburg vor Kaiser Karl V. und dem versammelten Reichstag lateinisch und deutsch verlesen und von einer Gruppe evangelischer Fürsten und Reichsstädte unterzeichnet. Die „Confessio Augustana“ (CA) führte zur Bildung einer neuen Konfession und vereint bis heute als Grundüberzeugung das weltweite Luthertum. Die CA hatte laut Voigt dauerhaft Einfluss auf die Beziehungen von Lutheranern zu anderen, erst später anerkannten oder auch neu entstandenen Kirchen. Sie führte zu einem ausgeprägten konfessionellen lutherischen Selbstbewusstsein, das über Jahrhunderte nicht nur von Abgrenzungen und Verwerfungen, sondern gegenüber den Täufern sogar von Verdammungen geprägt war.

Der Augsburger Reichstag von 1555 hob die Aufsicht der katholisch bischöflichen Jurisdiktion über solche Länder auf, deren Herrscher sich zum evangelischen Verständnis der Kirche bekannten. Katholiken und Lutheraner waren jetzt im Reich gleichberechtigt anerkannt. Zwar gab es „Religionsfreiheit“, doch diese stand nur dem Fürsten als „Landesvater“ zu. Bekannte er sich zum Luthertum, mussten alle seine Untertanen auch Lutheraner werden. Wer das nicht wollte, dem blieb nur die beschwerliche Auswanderung in ein Land seiner konfessionellen Wahl. Die Reformierten spielten in dieser Grundsatzvereinbarung nur insofern eine Rolle, als durch eine offizielle Erklärung zugesichert wurde, dass sie in einem lutherischen Gebiet weder zur Konversion gezwungen noch zur Auswanderung gepresst werden konnten. Die lutherischen Kirchen waren territorial organisierte Kirchen. Sie hatten weder eine gemeinsame Ordnung noch eine gemeinsame „Kirchenregierung“. Diese Territorialkirchen lebten von der Abgrenzung nicht nur gegenüber anderen Konfessionen, sondern mehrheitlich sogar gegenüber der eigenen konfessionellen Tradition im benachbarten Kleinstaat. Es handelte sich um Staatskirchen, deren Oberhaupt der Landesherr war. Dieses evangelische „Landesherrliche Kirchenregiment“ hielt sich in Deutschland über alle einschneidenden politischen Veränderungen hinweg bis zur grundlegenden Neuordnung durch die Weimarer Nationalversammlung im 20. Jahrhundert.

Im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) sollen in den deutschen Ländern etwa 40 Prozent der Bevölkerung ums Leben gekommen sein. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde festgelegt, dass es in Deutschland keine konfessionelle Vielfalt geben darf. Geduldet wurden nur drei Konfessionen: Katholiken, Lutheraner und Reformierte. Im Vertragswerk hiess es ausdrücklich am Ende des Artikels VII: „Ausser den zuvor erwähnten Bekenntnissen soll jedoch im Heiligen Römischen Reich kein anderes angenommen und geduldet werden.“ Die „Religionsfreiheit“ galt demnach nur für Angehörige der drei anerkannten Konfessionen.

Die im Vertragswerk nicht anerkannten Kirchen und Gemeinden mussten sich auflösen oder sie wurden, da ohne Rechtsgrundlage, in den Untergrund gedrängt. Einige konnten innerhalb kirchlicher Territorien überleben, weil dieser oder jener Landesherr durch spezielle Erlaubnis ihnen eine Art Asyl gewährte und damit bereit war, gegen die Beschlüsse von 1648 zu handeln. Andere nahmen die risikoreiche Auswanderung in aussereuropäische Gebiete in Kauf. In einem eigenen Kapitel legt der Autor dar, wie beispielsweise in der Pfalz, in Krefeld und Neuwied vertriebene Mennoniten Aufnahme fanden. In Württemberg und Hessen wurde den Waldensern die freie Religionsausübung erlaubt. In Waldeck-Pyrmont gab es für die Quäker eine spezielle „Duldungsakte“. Die Böhmischen Brüder fanden in Herrnhut und in der Wetterau Zuflucht. Doch das waren Ausnahmen.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in machen deutschen Staaten durch neue Grenzziehungen konfessionell gemischten Territorien. Protestantische und katholische Gemeinden kamen gemeinsam unter eine Regierung. Dadurch konnte der Grundsatz, dass der Landesherr die Konfession seiner Untertanten bestimmt, nicht mehr aufrechterhalten werden. Trotzdem gab es nur drei anerkannte Staatskirchen. Doch mit den Baptisten, Methodisten und anderen kamen neue, staatsunabhängige Kirchen ins Land. Für sie war es unvorstellbar, dass sie sich in Kirchenfragen an den Staat wenden mussten. Vergeblich forderten sie Glaubens- und Gewissensfreiheit. Karl Heinz Voigt macht an Beispielen deutlich, wie mit diesen Freikirchen umgegangen wurde: „Wenn baptistische Eltern die Taufe eines Kindes durch den Ortspfarrer ablehnten, führte das an manchen Orten unter dramatischen Umständen zur Zwangstaufe“ (195). „Die nicht staatlichen Minderheitskirchen [mussten] mit Kontrollen, polizeilichen Überwachungen, Versammlungsverboten und Ausweisungen rechnen“ (209). Im Zeitalter des Nationalismus wurden die Freikirchen als „fremde“ und „nichtdeutsche Sekten“ diskriminiert.

Selbst als es möglich wurde, aus einer Staatskirche auszutreten und sich einer Minderheitskirche anzuschliessen, bedeutete das „noch lange keine konfessionelle Gleichberechtigung“ (222). „Es gab spezielle Bauvorschriften für nicht staatliche Religionsgemeinschaften. In Berlin war es beispielsweise den nichtanerkannten Kirchen nicht erlaubt, ihre Gebäude mit Turm und Glocke zu errichten. Sie durften nicht einmal als ‚Kirchen‘ bezeichnet werden. Also bauten sie schlichte Kapellen. Auch in der Wahl ihrer Bauplätze waren sie nicht frei. Von der Strassenfront waren sie verbannt in die Reihe dahinter…“ (227). Eingehend befasst sich Voigt mit den Problemen, die sich für Mitglieder von Freikirchen bei der Bestattung auf Friedhöfen in konfessionellem Eigentum ergaben. Sie waren von einer christlichen Bestattung ausgeschlossen. Die Trauergemeinde stand „nicht am normalen Reihengrab, sondern im äussersten Friedhofswinkel an der Begrenzungsmauer“ (240). Den freikirchlichen Geistlichen war auf dem Friedhof das Halten von Grabreden oder sogar ein Gebet oft untersagt. Fast ein Jahrhundert lang gab es diese Probleme. „Nachdem 1948 die ‚Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen‘ (ACK) gebildet war, wurden nacheinander zwischenkirchliche Problemzonen aufgebarbeitet. Das erste (!) Feld, das thematisiert wurde, waren die Probleme auf kirchlichen Friedhöfen“ (235). In der Regel wurden die Freikirchen als „Sekten“ diskriminiert, „wo es aber um Geld ging, waren sie ‚Evangelische‘“, denn deren Mitglieder sollten an die Landeskirchen Kirchensteuer zahlen (233).

„Es ist heute schwer vorstellbar, dass bis 1919 in den Bundesländern die Ausübung eines politischen Mandats, die berufliche Tätigkeit als Beamter im Staatsdienst und auch die Berufung auf einen Lehrstuhl, egal welcher Fakultät, an die Mitgliedschaft in einer der drei anerkannten Konfessionen gebunden war. Lediglich der Militärdienst machte für die unteren Ränge eine Ausnahme“, so Voigt (245). Erst die Weimarer Verfassung sicherte allen Bewohnern des Deutschen Reichs die „volle Glaubens- und Gewissensfreiheit“ sowie eine „ungestörte Religionsausübung“ zu. Erstmals waren weder bürgerliche Rechte noch die Zulassung zu öffentlichen Ämtern an eine Konfession gebunden. Die Freikirchen konnten die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts beantragen und wurden durch deren Verleihung den bisher anerkannten Kirchen rechtlich gleichgestellt. „Für die Freikirchen erwies sich das Ende des Kaiserreichs in rechtlicher Hinsicht“, laut Karl Heinz Voigt, „als ein Quantensprung. Dagegen war für die bisherigen Staatskirchen das Ende einer jahrhundertelangen Tradition kurzfristig gesehen ein Schrecken auslösender Verlust“ (249f.). Doch über lange Zeiträume eingeübte Verhaltensweisen und Mentalitäten veränderten sich nicht so schnell. Auch dies belegt der Autor durch eine Reihe von Beispielen. Er beleuchtet in einem weiteren Kapitel die Schwierigkeiten, die sich in der NS-Zeit für die Freikirchen ergaben, um sich anschliessend mit der Nachkriegszeit zu befassen.

Es waren vor allem Freikirchen aus den USA, wie die Quäker, Baptisten und Methodisten, die Hilfsgüter in das zerstörte Deutschland sandten. So entstand für die Verteilung ein gemeinsames „Hilfswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland“, in dessen Leitungsorgan die Mitgliedskirchen der freikirchlichen Vereinigung (VEF) und der evangelischen Landeskirchen gleichberechtigt vertreten waren. 1948 wurde die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ (ACK) gegründet, zu der die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und einige Freikirchen gehörten. Als Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) trat auch die römisch-katholische Kirche 1974 der ACK bei. Im selben Jahr folgte die Griechisch-Orthodoxe Metropolie. Voigt geht kurz auf die Leuenberger Konkordie von 1973 mit der Abendmahlsgemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten ein. 1987 kam es erstmals in Deutschland auch zu einer Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit einer Freikirche, nämlich zwischen den Gliedkirchen der EKD und der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Der Autor spricht beim Staatskirchentum von einem „europäischen Unikat“ und „Sonderweg“ (311), dessen in Jahrhunderten gezogene Spuren durch die Verfassungsänderung von 1919 nicht ausgelöscht wurden. Die Entfaltung reformatorischen Denkens führte in den verschiedenen Kontinenten durch die völlig anderen Lebens- und Gestaltungsbedingungen zu einem konfessionellen und denominationellen Pluralismus. „Es ist weder in den USA noch in einem afrikanischen Staat nachvollziehbar, wie durch einen Umzug einer Familie aus Itzehoe an einen neuen Arbeitsplatz nach Berlin beim Überschreiten der unsichtbaren Landesgrenzen aus Lutheranern unversehens Unierte werden“, so Voigt (310). Auch dass der Staat die Kirchensteuer berechnet und nach Abzug eines Entgelts an die für Berlin zuständige neue Kirche weiterleitet, erscheint unverständlich. Denn die Kirchen vertrauten den Behörden, dass sie nur solche Zuzüge an die Kirchen weitermeldeten, welche die Taufe empfangen haben. „Leider sind die Meldungen an die Kirchen manchmal fehlerhaft, so dass es bei Freikirchlern immer wieder einmal zu unfreiwilligen Konfessionswechseln kommt, die in manchen Regionen nur durch einen formellen Austritt nach dem unfreiwilligen Eintritt geregelt werden können“, beklagt Karl Heinz Voigt (310).

In seinen Schlussgedanken betont der Autor: „Wer im 21. Jahrhundert über die Einheit nachdenkt, darf sich nicht auf die Bilder der römisch-katholischen und der lutherischen Kirchen konzentrieren“ (335). Denn in England gebe es nur eine „Handvoll Lutheraner“ und in den USA gehöre ein beachtlicher Teil der Christenheit zu den unabhängigen Kirchen. Baptisten, Methodisten, Adventisten und viele andere, die in Deutschland kirchliche Minderheiten sind, bilden in anderen Ländern und Kontinenten Mehrheiten, die in ihren jeweiligen Ländern mit allen christlichen Kirchen auf Augenhöhe leben. Voigt skizziert in einigen Thesen, welche theologischen und gesellschaftlichen Verluste dadurch entstanden seien, dass seit 1648 ein einziger Satz in den Beschlüssen des Westfälischen Friedens kirchliche Minderheiten marginalisiert und damit ausgelöscht hat. So wird als „Sonderweg“ deutlich, warum die Freikirchen in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern und Kontinenten, „im Schatten der lutherischen Reformation“ blieben. Es ist zu wünschen, dass das neue Buch von Karl Heinz Voigt, welches den Blick über den kirchlichen Horizont in Deutschland hinaus weitet, nicht nur bei Theologen und Historikern Beachtung findet.

Holger Teubert

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