APD-INFORMATIONEN 8/2021 - AUGUST 2021

Die Evangelische Allianz will die Ehe, auch um der Kinder Willen, nicht für homosexuell empfindende Paare öffnen. © Foto: John-Mark Smith on Unsplash

«Ehe für alle»: Rechte der Kinder kommen vor Wünschen der Erwachsenen

Zürich/Schweiz | 30.08.2021 | APD | Schweiz

In wenigen Wochen befindet das Schweizer Stimmvolk über die Öffnung der Ehe und der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare sowie der Samenspende für lesbische Paare. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA-RES verstehe den Wunsch homosexueller Paare nach rechtlicher Absicherung, schreibt sie in einer Medienmitteilung. Dieser dürfe aber nicht auf Kosten der Rechte und des Wohls der Kinder realisiert werden. Für die SEA-RES ist deshalb die vorgeschlagene Gesetzesänderung zur «Ehe für alle» der falsche Weg.

SEA-RES begrüsst rechtliche Absicherung von Personen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung
In den vergangenen Jahrzehnten ist laut SEA-RES die Benachteiligung von Personen mit gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung in der Gesellschaft in verschiedener Hinsicht beseitigt und die rechtliche Absicherung verbessert worden. Sie begrüsse diese Entwicklung ausdrücklich, denn Benachteiligung bis hin zu Stigmatisierung, Hass oder gar Gewalt gegen homosexuell empfindende Menschen seien mit dem im christlichen Glauben zentralen Gebot der Nächstenliebe und dem Respekt vor Wert und Würde jedes Menschen unvereinbar.

Kinder haben das Recht, die Eltern zu kennen – Ein Recht auf Kinder gibt es nicht
Allerdings geht es gemäss SEA-RES bei der am 26. September zur Abstimmung stehenden Gesetzesvorlage nicht primär um die rechtliche Situation der Beziehung zwischen zwei erwachsenen Personen. Durch die Ausweitung der Samenspende auf lesbische Paare sowie der gemeinschaftlichen Adoption auf homosexuelle Paare seien insbesondere Kinder und deren Rechte betroffen. Kinder haben gemäss der «UN-Konvention über die Rechte des Kindes» das Recht, «soweit möglich ihre Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden». Ein Recht auf ein Kind gebe es hingegen nicht, schreibt SEA-RES. Zudem dürften Kinder nicht zum Objekt der Selbstverwirklichung von Erwachsenen werden.

Keine Frau kann einen Vater ersetzen und kein Mann eine Mutter
Mit der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare, der Samenspende für lesbische Paare – und vermutlich in absehbarer Zeit auch der Leihmutterschaft für schwule Paare – würde ohne Not auf Diversität bei den Eltern verzichtet. «Es erstaunt, dass eine Gesellschaft, die zu Recht in zahlreichen Bereichen wie Wirtschaft, Schule oder Politik mehr Geschlechterdiversität fordert, bei der Kindererziehung plötzlich keine Notwendigkeit mehr dafür sieht», stellt SEA-Generalsekretär Marc Jost fest. «Damit in keiner Art und Weise gesagt, dass homosexuelle Eltern schlechter Kinder erziehen oder ihnen keine Nähe und Geborgenheit vermitteln können. Aber Männer sind die besseren Väter und Frauen sind die besseren Mütter», schreibt SEA-RES.

SEA-RES: Samenspende für lesbische Paare fördert vaterlose Gesellschaft
Mehrere weitere Gründe sprechen aus Sicht der Schweizerischen Evangelischen Allianz gegen die Öffnung der Samenspende für lesbische Paare. Sie fördere eine vaterlose Gesellschaft und mache ein problematisches Vaterbild zum gesetzlichen Regelfall: ein Vater, der Kinder zeugt, aber keine Verantwortung für sie übernimmt. Sie führe bei Kindern zu Unsicherheit bezüglich ihrer eigenen Identität, weil diese bei der Samenspende in eine biologische und soziale Elternschaft entzweit werde. Die Samenspende für lesbische Paare ist laut SEA-RES verfassungswidrig, weil die Bundesverfassung medizinisch unterstützte Fortpflanzung nur dann zulasse, wenn eine Unfruchtbarkeit oder die Gefahr der Übertragung einer schweren Krankheit nicht anders behoben werden könne.

SEA-RES: Ehe allein für heterosexuelle Paare ist legitime Ungleichbehandlung von ungleichen Partnerschaftsformen
Das Verständnis der Ehe als eine auf Dauer, Verlässlichkeit und Intimität angelegte Partnerschaft zwischen Mann und Frau ist nicht nur in der jüdisch-christlichen Tradition tief verankert. Das kommt nicht von ungefähr: Hetero- und homosexuelle Partnerschaften unterscheiden sich grundlegend schon darin, dass nur ersteren die Zeugung von Nachkommen möglich ist. Die Ehe als Rechtsinstitut ist deshalb nicht bloss langfristig für die Fortpflanzung des Menschengeschlechts von Bedeutung, sondern ebenso für die finanzielle und soziale Altersvorsorge der Eltern- und Grosselterngeneration wichtig. Folglich handelt es sich nicht um eine Benachteiligung, sondern um eine legitime Ungleichbehandlung von ungleichen Partnerschaftsformen, wenn die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten bleibt.

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Symbolbild – Abstandsregel im Gottesdienst. © Foto: Klaus Prange from Pixabay

Freikirchen.ch fordert die Aufhebung der Kapazitätsbeschränkung bei Gottesdiensten

Pfäffikon, ZH/Schweiz | 30.08.2021 | APD | Schweiz

Gottesdienste dürfen gemäss den bestehenden Einschränkungen im Zusammenhang mit Covid-19 nur mit zwei Dritteln der möglichen Besucherzahl durchgeführt werden. Die epidemiologische Lage lasse es zu, dass nun die Normalisierungsphase eingeleitet werden könne, fordert der Dachverband der Freikirchen und christlichen Gemeinschaften in der Schweiz in einer Medienmitteilung.

Am 15. August enden in vielen Kantonen die Sommerferien. Am Sonntag vor dem Schulstart gestalteten viele Frei- und Landeskirchen einen besonderen Gottesdienst für Schülerinnen und Schüler, Lernende und Lehrpersonen, in dem um «Gottes Beistand für das neue Schuljahr und für ein gelingendes Miteinander» gebetet werde, schreibt Freikirchen.ch. «Wir fordern daher die Aufhebung der Zwei-Drittel-Beschränkung für Gottesdienste. Denn wir möchten allen die Zusage Gottes für den Schulstart mitgeben», erklärt Peter Schneeberger, Präsident von Freikirchen.ch.

Auch Fachleute fordern das Einläuten der Normalisierungsphase
Die Normalisierungsphase in der Pandemie solle beginnen, sobald alle impfwilligen erwachsenen Personen vollständig geimpft seien, schreibt Freikirchen.ch. Dies habe der Bundesrat im Frühling bekannt gegeben und festgehalten: «Der Bundesrat ist der Ansicht, dass dann keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen mehr zu rechtfertigen sind. Die verbleibenden Massnahmen (Zugangs- und Kapazitätsbeschränkungen) sollen schrittweise aufgehoben werden. (…) An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen den Erwartungen tief bleibt.»

Marcel Tanner, Epidemiologe, der früher Mitglied der wissenschaftlichen Task-Force des Bundes war, sagte gegenüber der «Sonntags-Zeitung» am 1. August: «Jeder und jede hat nun die Gelegenheit gehabt, sich impfen zu lassen. Deshalb ist der Zeitpunkt gekommen, dass der Staat die Vorschriften lockert und nach und nach fallen lassen kann. (…) Die derzeitige epidemiologische Lage erlaubt es, dass der Bundesrat noch im Verlaufe des Augusts die Normalisierungsphase einläutet.»

Trotz Maskenpflicht: Sitzabstand verringern und Händedruck ermöglichen
Da in Kirchen noch länger Masken getragen werden müssten, wäre es nach Einschätzung des Dachverbands möglich, den Sitzabstand zu reduzieren und eine Normalbestuhlung einzuführen. Man könne auch überlegen, ob die Maskenpflicht aufgehoben werden könnte, sobald die Gottesdienstteilnehmenden am Platz sitzen.

Schneeberger: «Auch merken wir, dass nach eineinhalb Jahren ohne Begrüssungsritual viel an Freundlichkeit und Willkommenskultur verloren ging. Darum würden wir solche Begrüssungsrituale gerne in den Frei-/Kirchen wieder einführen. Sie zeigen etwas davon, wie wir Menschen im Blick haben und in einem Gottesdienst willkommen heissen oder auch segnend mit einem Händedruck verabschieden.»

Freikirchen.ch
Freikirchen.ch ist der Dachverband der Freikirchen und christlicher Gemeinschaften in der Schweiz. Er ist ein nationaler Kirchenverband mit 19 freikirchlichen Bewegungen aus der Deutschschweiz, zu denen über 750 örtliche Kirchen mit ihren diakonischen Werken gehören. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist im Beobachterstatus. Neben der Schweizer Bischofskonferenz und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund versteht sich der Dachverband Freikirchen.ch als dritte Kraft der christlichen Kirchen in der Schweiz und als Sprachrohr für die gemeinsamen Anliegen der Freikirchen.

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Gottfried Locher, 2018 in Basel. © Foto: GEKE

Reformierte Kirche Schweiz: Vorwürfe gegen Ex-Präsidenten sind glaubwürdig

Bern/Schweiz | 30.08.2021 | APD | Schweiz

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS setzte im Juni 2020 eine nichtständige Untersuchungskommission mit dem Auftrag ein, einen Bericht zu den Vorfällen im Zusammenhang mit der Beschwerde rund um den ehemaligen Präsidenten Gottfried Locher vorzubereiten. An einer Medienkonferenz in Bern stellten die Kommissionsmitglieder am 4. August die Ergebnisse vor. Rita Famos, EKS-Präsidentin, entschuldigte sich an der Medienkonferenz laut kath.ch bei der Beschwerdeführerin «für das erfahrene Leid und den langen Weg, sich Gehör zu verschaffen». Die Synode befindet Anfang September über den Bericht und das weitere Vorgehen.

Laut einer EKS-Medienmitteilung geht die Untersuchung auf eine Beschwerde zurück, die im vergangenen Frühjahr bei der EKS eingegangen ist sowie auf die Rücktritte eines Ratsmitglieds und des damaligen Präsidenten der EKS. Eine nichtständige Untersuchungskommission wurde daraufhin von der Synode im Juni 2020 eingesetzt und beauftragt, die Situation zuhanden der Septembersynode 2021 aufzubereiten. Basis für die Aufarbeitung bildeten die vorliegenden Ergebnisse einer externen Untersuchung durch eine mandatierte Anwaltskanzlei. An der Medienkonferenz vom 4. August in Bern hat die Kommission, vertreten durch Kommissionspräsidentin Marie-Claude Ischer und Vizepräsident Roland Stach, ihre Ergebnisse öffentlich präsentiert.

Vorgebrachte Vorwürfe der Beschwerdeführerin sind glaubwürdig
Die nichtständige Untersuchungskommission kommt in ihrem Bericht zum Schluss, dass die vorgebrachten Vorwürfe der Beschwerdeführerin zulasten des damaligen Präsidenten glaubwürdig sind und dessen Verhalten der EKS, damals Kirchenbund, angerechnet werden kann. Teilweise sind die Versäumnisse auf damals fehlende Prozesse und Verfahren in der Institution zurückzuführen. Die Kommission stellt fest, dass der Rat im Umgang mit der Beschwerde umsichtig und unter Berücksichtigung der geltenden Vorgehensregeln gehandelt hat.

Insgesamt formuliert die nichtständige Untersuchungskommission 17 Empfehlungen zuhanden der Synode. Gemäss Marie-Claude Ischer sind die Empfehlungen institutioneller, verfahrensethischer, rechtlicher und finanzrechtlicher Natur und umfassen auch den Bereich Krisenmanagement.

Synode berät den Bericht Anfang September
Der Bericht wird laut EKS in der ausserordentlichen Synode vom 5./6. September 2021 in Bern traktandiert. Dort werden sich die Synodalen in einer Detailberatung mit dem Bericht und den Empfehlungen befassen.

Für Rita Famos, Präsidentin der EKS seit Anfang 2021, ist klar, dass die geforderten Optimierungen zwingend angegangen werden müssen und die EKS in der Pflicht steht: «Der Rat begrüsst diese Massnahmen auch deshalb, weil sie so auf nationaler Ebene sorgfältig erarbeitet und umgesetzt werden können, damit sie auch den Mitgliedkirchen zur Verfügung gestellt werden können.»

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Symbolbild - Eine erfüllende Partnerschaft ist zu keiner Zeit ein Selbstläufer. © Foto: LOGAN WEAVER on Unsplash

Liebe braucht Pflege: Ehe-Kurse sind hoch im Kurs

Zürich/Schweiz | 30.08.2021 | APD | Schweiz

Der bekannte Ehe-Kurs von «FamilyLife» wurde neu verfilmt und auf Deutsch übersetzt. Er wird von über 30 römisch-katholischen und reformierten Kirchen sowie von Freikirchen nach den Sommerferien in der Schweiz, hybrid – also online oder physisch – angeboten. «FamilyLife» ist einer von 20 Arbeitsbereichen von «Campus für Christus», einer Schulungs- und Missionsbewegung, die Christinnen und Christen aus allen Kirchen fördert und vernetzt.

«Viele halten die Liebe für selbstverständlich»
Scheidungen machten auch nicht vor Superreichen halt, schreibt «FamilyLife» in der Medienmitteilung: Amazon-Gründer Jeff Bezos und seine Frau MacKenzie Scott seien geschieden, auch Bill und Melinda Gates hätten ihre Scheidung angekündigt. «Graue Scheidung» ist ein Trend und beschreibt das Auseinandergehen von Paaren im Alter.

«Viele halten die Liebe für selbstverständlich. Liebe sei etwas, das einem bleibt, da muss man nur daran glauben. Aber Liebe ist wie eine Pflanze. Diese Pflanze muss man düngen, wässern, in den Schatten oder ans Licht stellen, man muss Zeit für sie haben und sich Mühe geben, das Pflänzchen zu umsorgen. Liebe ist ein schönes Geschenk, das man aber auch pflegen muss», erklärt Guy Bodenmann, der seit 2008 als ordentlicher Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien an der Universität Zürich tätig ist.

30 Schweizer Kirchen lancieren Ehe-Kurs
Nach den Sommerferien lancieren in der Schweiz 30 Kirchen von diversen Denominationen nach dem Motto «7 Date Nights for your relationship» den Ehe-Kurs von «FamilyLife». Sie bieten die Neuverfilmung des Ehe-Kurses mit praktischen und effektiven Beziehungstipps, wahren Geschichten von Paaren aus aller Welt sowie Interviews mit renommierten Experten an. «Unsere Vision ist es, ein weites Netzwerk neuer Ehe-Kurse zu knüpfen, in dem die Kirchen selbst zu Kompetenz-Zentren für gute Ehen werden - in Städten und Dörfern, in Pfarrsälen, bei netten Gastgebern zuhause im Wohnzimmer und als Online-Kurse», erklärt Alexandra Kämpf, Projektleiterin bei FamilyLife.

Der Ehe-Kurs, eine internationale Erfolgsgeschichte
Der Ehe-Kurs sei eine internationale Erfolgsgeschichte heisst es in der Medienmitteilung. Allein in der Schweiz hätten seit 2008 über 10.000 Personen einen Ehe-Kurs besucht und so in ihre Beziehung investiert. Der Ehe-Kurs unterstützt demnach verheiratete und unverheiratete Paare, die eine gesunde Beziehung bauen und Neues aneinander entdecken wollen. Im Kurs wird grosser Wert auf die Privatsphäre gelegt: Es finden keine Gruppengespräche statt. Jedes Paar kann die Inputs für sich alleine diskutieren.

Zwei von Fünf Ehen werden geschieden
Laut dem Bundesamt für Statistik (BfS) gingen 2020 sowohl die Anzahl Eheschliessungen als auch die der Scheidungen zurück: Insgesamt wurden 34.940 Ehen geschlossen (-10,4 Prozent) und 16.091 Scheidungen ausgesprochen (-4,7 Prozent). Dadurch erhöhte sich die Scheidungsrate aber auf 46,0 Prozent (Vorjahr 43,3 Prozent). Bei Fortsetzung der 2020 beobachteten Trends ist laut BfS davon auszugehen, dass zwei von fünf Ehen (39,2 Prozent) irgendwann mit einer Scheidung enden. Der Ehe-Kurs könne auch als «Scheidungsvermeidungskurs» eingestuft werden, schreibt «FamilyLife».

Über den Ehe-Kurs
Der Ehe-Kurs wurde 1996 vom anglikanischen Pfarrer Nicholas «Nicky» Lee und seiner Frau Sila Lee entwickelt. Sie sind seit 1976 verheiratet und Teil der Holy Trinity Brompton Church (HTB) - einer anglikanischen Kirchgemeinde in London. Der Ehe-Kurs zeige sowohl die Realität der Herausforderungen der Ehe als auch die Möglichkeit der Veränderung, schreibt «FamilyLife». Die Inhalte basieren auf aktuellen Erkenntnissen der Paarforschung und deckt Themen wie Kommunikation, Vergebung oder guten Sex ab. In der Schweiz ist «FamilyLife» Träger des Kurses. Die Organisation arbeitet überkonfessionell. Der Ehe-Kurs ist für alle offen.

Weitere Information sind verfügbar auf https://themarriagecourse.org und https://www.familylife.ch.

Zum Trailer: https://vimeo.com/499629288

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Auch in christlichen Kreisen finden Verschwörungsmythen aufgrund der Pandemie vermehrt Anklang. © Abbildung: Matryx - pixabay.com

Verschwörungsmythen nicht erst seit Covid-19

Hannover/Deutschland | 30.08.2021 | APD | International

Verschwörungsmythen und Verschwörungsglaube sind nicht erst seit Covid-19 eine besondere Herausforderung für die kirchliche Weltanschauungsarbeit. Der Informations- und Beratungsbedarf hierzu habe deutlich zugenommen, beobachtet Kirchenrat Dr. Matthias Pöhlmann, der Vorsitzende des Ausschusses „Religiöse Gemeinschaften“ der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Vor diesem Hintergrund hat der Ausschuss den Beitrag „Verschwörungsmythen und Verschwörungsglaube“ erarbeitet, der jetzt als Nr. 191 der Texte aus der VELKD erschienen ist.

Der Beitrag informiert detailliert über weltanschauliche Strömungen, Narrative und Begriffe, verbunden mit einer Einschätzung aus evangelisch-lutherischer Sicht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf seelsorgerlichem Rat und Hilfen für den Umgang mit Menschen, die Verschwörungsmythen verbreiten oder ihnen anhängen. Ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis rundet diese Ausgabe der Texte aus der VELKD ab.

„Verschwörungserzählungen müssen durch sachliche und differenzierte Wirklichkeitsdeutungen dechiffriert werden. Die Vielfalt der Argumente und die Informationen aus verschiedensten Quellen sind sorgfältig zu sichten und abzuwiegen. Dabei sollten das Gespräch und die Diskussion mit der Anhängerschaft von Verschwörungstheoretikern zum selbstverständlichen Auftrag der Kirche gehören“, beschreibt der Leitende Bischof und Vorsitzende der Kirchenleitung der VELKD, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), die Absicht des Beitrags.

Der VELKD-Text 191 kann als PDF-Datei heruntergeladen werden: www.velkd.de/velkd-texte-191-Verschwoerungsmythen-Verschwoerungsglaube

VELKD
Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) ist ein Zusammenschluss von sieben Landeskirchen mit insgesamt rund 8,4 Millionen Mitgliedern. Ihr gehören an: die Ev.-Luth. Kirche in Bayern, die Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig, die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, die Ev. Kirche in Mitteldeutschland, die Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland, die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und die Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe. Informationen: www.velkd.de

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Mutinta Shepande Hichilema (li.), Frau von Hakainde Sammy Hichilema, 2020 in der Uniform der adventistischen Pfadfinder. © Foto: Lusaka Conference Youth Department

Neuer gewählter Präsident von Sambia ist Adventist

Silver Spring, Maryland/USA | 30.08.2021 | APD | International

Richter Esau Chulu, Vorsitzender der Wahlkommission von Sambia hat Hakainde Sammy Hichilema zum ordnungsgemäss gewählten siebten Präsidenten der Republik Sambia erklärt. Sambia ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika mit 73 Stämmen. Im Land leben rund 18 Millionen Menschen. In der Wahl vom 12. August erhielt Hakainde Sammy Hichilema 2.810.757 Stimmen und damit rund eine Million Stimmen mehr als der amtierende Präsident Edgar Chagwa Lungu, berichtet «Adventist Review», Zeitschrift der adventistischen Weltkirchenleitung. Der neugewählte Präsident Hichilema ist Mitglied der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und hat versprochen, das Land zu vereinen sowie die Religionsfreiheit zu wahren. Er wurde bei seinem sechsten Versuch, an die Spitze des Landes zu gelangen, gewählt.

Während seiner Wahlkampagne versprach Hichilema, die Religionsfreiheit für alle Glaubensrichtungen im Land zu fördern und fügte hinzu, dass er niemanden zwingen werde, seiner Kirche beizutreten, wie dies von seinen politischen Gegnern behauptet wurde. Hichilema und seine Frau, Mutinta Shepande Hichilema, sind getaufte Mitglieder des Kirchgemeinde Chilanga im Gebiet der regionalen adventistischen Kirchenleitung der Hauptstadt Lusaka.

Werdegang
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurde der 59-jährige Hichilema im Süden Sambias in einer armen Familie geboren. Er besuchte die Universität von Sambia mit einem Regierungsstipendium und studierte später Wirtschaft und Finanzen an der Universität von Birmingham/Grossbritannien. Heute ist er ein bekannter Geschäftsmann, zu dessen Portfolio Immobilienverwaltung, Viehzucht und Finanzberatung gehören.

Glückwünsche
Joyce Motsoeneng, Mitglied der adventistischen Kirche, schrieb: «Herzlichen Glückwunsch! Möge der Herr dich auf deinem ganzen Weg leiten. Möge er deinem Leben Gunst und Weisheit verleihen, wie er es bei König Salomon tat. Mögest du im Namen Jesu Christi mit Integrität führen. Möge das Volk von Sambia durch dich Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, kennenlernen.»

Adventisten in Sambia
In Sambia mit knapp 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern feiern 1.353.682 adventistische Christen jeweils am Samstag, dem biblischen Ruhetag, den Gottesdienst in 3.239 Kirchgemeinden. Die protestantische Kirche unterhält 25 Primar- und 10 Sekundarschulen, ein Berufsbildungszentrum, eine Universität, ein Augenspital, zwei allgemeine Krankenhäuser, 15 Ambulatorien sowie einen Verlag.

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Verletzte des Erdbebens warten im «Haiti Adventist Hospital» auf Behandlung. © Foto: Scott Nelson

Haiti: Überlastetes adventistisches Spital hilft mit orthopädischen Operationen

Silver Spring, Maryland/USA | 30.08.2021 | APD | International

Das adventistische Krankenhaus liegt in Diquini, Carrefour, in der Hauptstadt Port-au-Prince. Es sei überlastet, da es nach dem Erdbeben am 14. August ununterbrochen Patienten aufgenommen habe, die ihnen überwiesen worden seien, sagte Scott Nelson, leitender Arzt und orthopädischer Chirurg der adventistischen Gesundheitseinrichtung in Haiti. Tag und Nacht seien vor allem orthopädische Operationen durchgeführt worden. Ausserhalb des Krankenhauses wurden sechs Zelte aufgestellt, um den Zustrom verletzter Patienten zu meistern.

«Loma Linda University Health», medizinisches Ausbildungszentrum der Adventisten in den USA, werde Ärzte und Pflegepersonal für Operationen entsenden. Zudem würden medizinische Hilfsgüter geliefert. Die Hilfe werde zwischen Krankenhaus, der adventistischen Kirchenleitung sowie dem Hilfswerk ADRA, das kurz nach dem Erdbeben vor Ort gewesen sei, koordiniert, sagte Jere Chrispens, Verwalter des «Haiti Adventist Hospital».

Adventistisches Krankenhaus spezialisiert in Traumachirurgie
«Unser Krankenhaus ist auf Traumachirurgie spezialisiert und konzentriert sich auf Patienten, die sich schnell erholen können», sagte Jere Chrispens, Verwalter des «Haiti Adventist Hospital».

Die adventistische Kirchenleitung in Haiti entsandte aus der Hauptstadt ein Team von Ärzten und Krankenschwestern zusammen mit einigen Mitarbeitern des «Haiti Adventist Hospital» nach Les Cayes, einer Küstenstadt auf der südlichen Halbinsel, die vom Erdbeben schwer getroffen wurde, berichtet «Adventist Review», Zeitschrift der Weltkirchenleitung. «Unsere Operationsteams arbeiten 16 bis 20 Stunden pro Tag in jedem der drei Operationssäle des Krankenhauses», so Chrispens. Das könne sich über Wochen hinziehen.

Medizinische Folgen des Erdbebens von 2010 hat Fachkompetenz vergrössert
«Die Verletzungen, die wir sehen, sind uns nicht fremd, da wir seit 11 Jahren viel Erfahrung haben», sagte Nelson, leitender Arzt. Er habe seit 2010 Hunderte von orthopädischen Operationen durchgeführt. «Der Unterschied ist, dass das Krankenhaus und die Mitarbeiter viel besser darauf vorbereitet sind, diese Krise zu bewältigen und den von dieser Katastrophe betroffenen Menschen zu helfen.»

«Überwältigt von Trauer»
Er sei «überwältigt von Trauer», sagte Pierre Caporal, Präsident der Adventisten in Haiti. «Ich bin erschüttert von all den Berichten und Fotos, die uns von unserer Kirchenleitung im südlichen Kirchengebiet erreichen. Wir wissen nicht, wo sich viele unserer Mitglieder aufhalten, da Strassen und Ortschaften aufgrund der enormen Schäden durch das Erdbeben nicht passierbar sind.»

12 adventistische Christen unter den Toten – zerstörte kirchliche Einrichtungen
Am 17. August bestätigte die adventistische Kirchenleitung in Haiti, dass 12 Adventisten unter den mehr als 1.400 Todesopfern und 21 Kirchenmitglieder verletzt seien. Weiterhin würden Mitglieder vermisst. 20 Häuser von adventistischen Christen seien zerstört worden. Laut Pierre Caporal wurden fünf adventistische Kirchen zerstört und sieben weitere sowie sechs Schulen teilweise beschädigt.

Adventisten in Haiti
In Haiti mit 11,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern feiern 479.848 adventistische Christen jeweils am Samstag, dem biblischen Ruhetag, den Gottesdienst in 615 Kirchgemeinden und 502 Gruppen. Die protestantische Kirche unterhält sieben Sekundarschulen, eine Universität, ein Krankenhaus, einen Verlag sowie das Hilfswerk ADRA Haiti.

Aktuelle Bilder aus Haiti: https://tinyurl.com/r6ex82fd

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Der neue «Dennis and Carol Troesh Medical Campus» in Loma Linda, Kalifornien. © Foto: Loma Linda University News

USA: Adventisten eröffnen Krankenhaus für Erwachsene und erweitern Kinderkrankenhaus

Loma Linda, Kalifornien/USA | 30.08.2021 | APD | International

Die «Loma Linda University Health» (LLUH) in Loma Linda, Kalifornien, hat am 6. August den «Dennis and Carol Troesh Medical Campus» eröffnet. Er umfasst ein neues hochmodernes Krankenhaus für Erwachsene sowie die Erweiterung des Kinderkrankenhauses. «Loma Linda University Health» ist ein akademisches medizinisches Zentrum der Siebenten-Tags-Adventisten, das acht Ausbildungsstätten, sechs Krankenhäuser, eine Arztpraxisgesellschaft, abgelegene Kliniken im Westen der Vereinigten Staaten sowie angeschlossene Organisationen auf der ganzen Welt betreibt.

Das neue 16-stöckige medizinische Zentrum des LLUH und der 9-stöckige Turm des Kinderkrankenhauses wurden laut «Adventist Review», nordamerikanische Kirchenzeitschrift, nach den neuesten seismischen Vorschriften für Akutkrankenhäuser gebaut. Der Campus hat neuste Erkenntnisse in den Bereichen Patientensicherheit und -komfort integriert und wurde entworfen, um das 115-jährige Erbe der Organisation in Bezug auf Pflege und Ausbildung im Gesundheitswesen in einer der medizinisch komplexesten Regionen der Vereinigten Staaten fortzuführen. Das Akutkrankenhaus, das auf 126 Basisisolatoren gebaut wurde, um die Auswirkungen seismischer Aktivitäten zu verringern, ist das zweithöchste Krankenhaus in Kalifornien. Das Medical Center verfügt über 320 zugelassene Betten, während die Erweiterung des Kinderkrankenhauses die Gesamtzahl der Betten auf 84 erhöht.

Der neue Campus wurde zum Teil durch eine Spende von 100 Millionen US-Dollar (85 Mio. Euro / 92 Mio. Franken) der Philanthropen Dennis und Carol Troesh ermöglicht, deren Beitrag an der Eröffnung verdankt wurde.

«Dies ist wahrlich ein historischer Tag im Vermächtnis der Loma Linda University Health», sagte Richard Hart, Präsident von Loma Linda University Health. «Es gibt keine Worte, welche die aufrichtige Dankbarkeit und die Begeisterung, die wir empfinden, wenn wir diese Türen für die Öffentlichkeit aufschliessen, angemessen ausdrücken könnten.»

Kalifornische Finanzministerin dankt für Beharrlichkeit bei Umsetzung
Die Verantwortlichen des LLUH dankten dem Staat Kalifornien für seine Unterstützung in Höhe von 165 Millionen US-Dollar (140 Mio. Euro / 152 Mio. Franken). Fiona Ma, Finanzministerin des Bundesstaates Kalifornien, drückte bei der Zeremonie ihre Wertschätzung aus: «Ich möchte der Loma-Linda-Gemeinschaft für all ihre gute Arbeit und ihre Beharrlichkeit danken, mit der sie dies möglich gemacht haben».

Indigener Stamm spendet 25 Millionen US-Dollar
Eine weitere besondere Zeremonie fand im fünften Stock der neuen Einrichtung für den «San Manuel Maternity Pavilion» statt. Die Verantwortlichen dankten der «San Manuel Band of Mission Indians» für ihren Projektbeitrag von 25 Millionen US-Dollar (21.3 Mio. Euro / 23 Mio. Franken). Die Spende, die grösste in der Geschichte des Stammes, ist eine Anerkennung der mehr als hundert Jahren andauernden Partnerschaft zwischen dem adventistischen Krankenhaus und dem Stamm.

Loma Linda University Health
Die «Loma Linda University Health» umfasst acht Ausbildungstätten, sechs Krankenhäuser und etwa 17.000 Mitarbeitende. Die LLUH ist das Flaggschiff der akademischen Gesundheitswissenschaften der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Sie hat zahlreiche Missionare entsandt und als Berater bei der Gründung der sechs anderen medizinischen Schulen der Siebenten-Tags-Adventisten weltweit fungiert.

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«Luzeiro XXVI» und «Luzeiro XXX» an der Schiffsanlegestelle des «Northwest Mission Institute» bei Manaus. © Foto: Henrique Rodrigues

Seit 90 Jahren adventistische Missionsschiffe auf dem Amazonas

Silver Spring, Maryland/USA | 30.08.2021 | APD | International

Die Siebenten-Tags-Adventisten Leo und Jessie Halliwell starteten 1931 mit ihrem Missionsschiff «Luzeiro I» (Licht) auf den weit verästelten Zuflüssen und Nebenarmen des Amazonas. Sie vermittelten Tausenden von Menschen, die in den Ufergemeinden des Amazonas lebten, Hoffnung, medizinische Hilfe sowie Hinweise für eine gesündere Lebensweise. Kürzlich feierte in Manaus, Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas/Brasilien, eine Gruppe adventistischer Kirchenleiter sowie ehemalige und jetzige Projektmitarbeitende den 90. Jahrestag dieser, bis dahin einmaligen, Initiative, wie Adventist Review, Zeitschrift der Weltkirchenleitung, berichtete.

Ziel der 90-Jahrfeier sei es gewesen, die Geschichte der Missionsboote in der Amazonasregion bekannt zu machen und dadurch neue adventistische Freiwillige zu ermutigen, mindestens ein Jahr ihres Lebens mit ihren Fähigkeiten und beruflichen Qualifikationen den Menschen im brasilianischen Amazonasgebiet zu dienen.

Gegenwärtig stehen «Luzeiro XXVI» und «Luzeiro XXX» im Einsatz
Im adventistischen «Northwest Mission Institute» (NMI) bei Manaus werden Missionsboote eingerichtet und Freiwillige für die Arbeit auf den Schiffen ausgebildet. Gegenwärtig stehen zwei Luzeiro-Missionsschiffe im Amazonasgebiet im Einsatz: «Luzeiro XXVI» und «Luzeiro XXX». Sie sind die Erben einer langen Tradition ähnlicher Boote in der Region und verkehren derzeit auf den Flüssen Rio Negro und Solimões.

Breites Spektrum beruflicher Qualifikationen der Luzeiro-Freiwilligen
Die Bevölkerung in den Flussgebieten leide im Allgemeinen unter schlechter Gesundheit und sozialer Benachteiligung, schreibt NMI auf der Luzeiro-Webseite. «Wir versuchen, Teams zu bilden, die aus Menschen mit unterschiedlichen Profilen bestehen und die den Bedürfnissen dieser Bevölkerungsgruppen gerecht werden können. Deshalb suchen wir Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten, aber auch mit unterschiedlichen Berufen. Auf den Luzeiros brauchen wir Ärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern, Psychologen und Ernährungsberater. Zusätzlich zu diesen Gesundheitsfachleuten benötigen wir auch Bibelarbeiter, Lehrer und alle anderen, die den indigenen Völkern und den Menschen am Flussufer des Amazonas Wissen und Liebe bringen wollen.»

Was Freiwillige mitbringen sollten
Die Luzeiro-Projektverantwortlichen erwarten von den Freiwilligen: Anpassungsfähigkeit, Dienstbereitschaft, Teamfähigkeit, Respekt und Toleranz sowie Motivation und Engagement.

Mehr Informationen zum Luzeiro-Projekt – auf Englisch:
https://www.amazonlifesavers.org/#luzeiro

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Philip Potter auf der 9. ÖRK-Vollversammlung in Porto Alegre, Brasilien, 2006. Foto: Igor Sperotto/ÖRK

Ökumenischer Rat der Kirchen ehrt Leben von Philip Potter, ehemaliger ÖRK-Generalsekretär

Genf/Schweiz | 30.08.2021 | APD | Ökumene

In einem Brief an Potters Frau, die emeritierte Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, würdigte der amtierende ÖRK-Generalsekretär Pastor Prof. Dr. Joan Sauca die lebenslange Arbeit Potters im Diente der ökumenischen Bewegung. Am 19. August jährte sich sein Geburtstag zum 100 Mal. Pastor Dr. Philip Potter leitete den ÖRK von 1972 bis 1984, in einer Zeit des globalen religiösen und gesellschaftspolitischen Wandels.

«Als erster ÖRK-Generalsekretär aus dem globalen Süden hat er dem Rat in dieser Zeit des Wandels eine entscheidende Führungsrolle verliehen, die sich auf seine tiefe Spiritualität und seinen christlichen Glauben stützt, und dafür danken wir Gott», sagte der amtierende ÖRK-Generalsekretär Pfarrer Prof. Dr. Ioan Sauca.

«Von der Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im Jahr 1948, wo er im Namen der Jugenddelegierten vor der Vollversammlung sprach, durch seine Arbeit als Mitarbeiter in der ÖRK-Jugendabteilung und später als Direktor der Kommission für Weltmission und Evangelisation, bevor er ÖRK-Generalsekretär wurde, war Philip Potter eine Schlüsselfigur in der ökumenischen Bewegung und blieb dies auch nach Abschluss seines Mandats als Generalsekretär», betonte Sauca.

Sauca erinnerte in seinem Brief daran, dass Potter Generalsekretär in einer Zeit der Kontroverse über das ÖRK-Programm zur Bekämpfung von Rassismus war, dessen Sonderfonds humanitäre Zuschüsse für Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika gewährte. Seine kompromisslose Haltung gegen Rassismus hatte seinerzeit zum Teil heftige Kritik von einigen grösserer Mitgliedskirchen ausgelöst.

Der amtierende ÖRK-Generalsekretär lobte Potter ferner für sein Engagement für den Dialog mit Menschen anderen Glaubens, für die Einheit der Kirche und für die Anliegen von Kirche und Gesellschaft und die Art und Weise, wie er der ökumenischen Gemeinschaft half, ein wirklich globales Verständnis von Mission zu entwickeln.

«Wir erinnern uns besonders an Philip Potters unaufhörliche Unterstützung für Frauen in Führungspositionen im ÖRK, an seine Aussage von 1974, dass 'Sexismus, wie Rassismus, eine Sünde ist' und an die Führung, die zur Studie und Weltkonferenz über die Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche führte», hielt Sauca fest.

Professor Sauca wörtlich: «Vor allem aber erinnern wir uns an Philip Potters Liebe zur Heiligen Schrift und an die biblische Darstellung, die oft den Kern seiner Berichte an die ÖRK-Leitungsgremien bildete».

Philip Potter wurde auf der Karibikinsel Dominica geboren. Nachdem er zunächst in einer Anwaltskammer und als juristischer Assistent des Generalstaatsanwalts von Dominica gearbeitet hatte, absolvierte er eine Ausbildung für den methodistischen Dienst in Jamaika und später in Grossbritannien. Er vertrat die jamaikanische christliche Studentenbewegung auf der zweiten Weltkonferenz der christlichen Jugend in Oslo 1947, einem Wendepunkt in seinem Leben, der ihn in die internationale ökumenische Bewegung trieb.

Neben seiner Zeit in der ÖRK-Jugendabteilung von 1954 bis 1960 und als Direktor der ÖRK-Kommission für Weltmission und Evangelisation von 1967 bis 1972, unmittelbar vor seinem Amtsantritt als ÖRK-Generalsekretär, arbeitete Potter als methodistischer Missionar in Haiti und für die Methodist Missionary Society (MMS) in London.

Potter war von 1956 bis zu ihrem Tod 1980 mit Doreen (Cousins), einer bekannten Musikerin und Komponistin, verheiratet. 1984 heiratete er Bärbel von Wartenberg und zog mit ihr 1985 in die Karibik, um bis 1990 als Dozent und Universitätsseelsorger zu arbeiten. Das Paar liess sich dann in Deutschland nieder, wo Potter am 31. März 2015 im Alter von 93 Jahren starb.

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Symbolbild – Digitaler Impfausweis © Foto: Wilfried Pohnke auf Pixabay

Dachverband Freikirchen.ch lehnt Zertifizierungspflicht für religiöse Veranstaltungen ab

Pfäffikon, ZH/Schweiz | 30.08.2021 | APD | Religion + Staat

Der Dachverband Freikirchen.ch setzt sich mit Nachdruck dafür ein, keine Zertifikationspflicht für religiöse Veranstaltungen als Eingangskontrolle einzuführen, schreibt er in einer Stellungnahme vom 27. August. Gottesdienste seien ein Ausdruck der freien Religionsausübung und dürften nicht durch eine Identitätskontrolle jeglicher Art reglementiert werden.

Ausgangslage
«Der Dachverband Freikirchen.ch hat schon Ende April 2020 ein Corona-Schutzkonzept ausgearbeitet, damit im Rahmen der geltenden Schutzmassnahmen wieder Kirchenanlässe im üblichen Rahmen stattfinden können.» Die Umsetzung der Schutzmassnahmen sei so vorbildlich gemacht worden, dass es in den eineinhalb Jahren Pandemiezeit keine Ansteckungscluster in Freikirchen gegeben habe. Die Freikirchen hielten sich an den Slogan AHAL: Abstand, Hygienemassnahmen, Alltagsmasken und Lüften. Diese vier Massnahmen hätten den grössten Effekt auf eine mögliche Ausbreitung des Covid-19 Virus. Laufend wurde das Schutzkonzept den aktuellen Verordnungen angepasst, heisst es in der Stellungnahme.

Am 26. Juni 2021 habe der Dachverband Freikirchen.ch ein komplett neues Schutzkonzept mit einem Massnahmenkatalog verfasst.

Am 4. Januar 2021 hat der Dachverband eine Impfempfehlung an seine Mitglieder ausgesprochen. «Aus Sicht des Dachverbandes ist die Impfung der effektivste Weg die Pandemie einzudämmen.

Am 25. August 2021 habe der Bundesrat informiert, dass er nach einer Vernehmlassung das Covid-Zertifikat für weitere Orte und Veranstaltungen einführen könne und dies auch tun möchte. «Dies würde für Freikirchen bedeuten, dass sie ab 30 Teilnehmenden an ihren Veranstaltungen eine Zertifikationspflicht einführen müssten.»

Dachverband lehnt Covid-Zertifikat als Zugangskontrolle für Gottesdienste ab
Der Dachverband Freikirchen.ch habe sich schon bei der Einführung der Zertifikationspflicht für Grossveranstaltungen gegen eine Zertifikationspflicht ausgesprochen, heisst es in der Stellungnahme. «Aufgrund der Bewertung dieses Argumentariums lehnt die Leiterkonferenz des Dachverbandes Freikirchen.ch das Covid-Zertifikat als Zugangskontrolle für Gottesdienste mit Nachdruck ab.»

Begründung
«Gottesdienste sind ein Ausdruck der freien Religionsausübung und dürfen nicht durch eine Identitätskontrolle jeglicher Art reglementiert werden.» Dies mache ein Gerichtsurteil vom 6. Mai 2021 am Cour de Justice, Chambre constitutionnelle, des Kantons Genf deutlich.

«Die Freikirchen können mit dem Schutzkonzept und AHAL einen sicheren Besuch ihrer Veranstaltungen garantieren», schreibt der Dachverband in der Stellungnahme. Es sei unverhältnismässig eine Zertifikationspflicht einzuführen und «Pastoren zu Hilfspolizisten an der Eingangstüre» zu machen.

Aufgrund der leiblichen Erfahrung im Gottesdienst (Abendmahl und Singen) könne der Gottesdienst nicht einfach in die digitale Welt verschoben werden. Im Gegensatz zu einem Restaurantbesuch sei die Gottesdienstteilnahme für Christen elementar und müsse anders bewertet werden. Freikirchen.ch plädiere deshalb dafür in der vom Bundesrat am 11. August 2021 ausgerufenen Normalisierungsphase auch den Veranstaltern grössere Freiheit zuzusprechen. Deutschland habe bei der Einführung der Zertifikationspflicht am 23. August 2021 die Kirchen bewusst von dieser ausgeschlossen.

Zukunft
«Wir plädieren dafür, dass sich Kirchen ihre Regeln zur Pandemiebekämpfung selbst geben können und aufgrund der Ablehnung der Zertifikationspflicht nicht das Gemeindeleben verunmöglicht wird», so der Dachverband Freikirchen.ch. Mit über 200.000 Gottesdienstteilnehmenden müssten die Freikirchen mit der Teilnahmebeschränkung auf zwei Drittel der Sitzplatzkapazität nach wie vor vielen Personen das leibliche Gottesdiensterlebnis vorenthalten.

Religionsfreiheit
«Die Religionsfreiheit schützt nicht nur jeden Einzelnen. Auch den Religionsgemeinschaften steht dieses Grundrecht zu», so der Dachverband. Grundsätzlich dürften sich Religionsgemeinschaften selber organisieren. Dazu gehöre auch das Recht, selbst zu entscheiden, welche Regeln in Kirchen, Synagogen oder Moscheen gelten würden. Der Staat dürfe aber sehr wohl die Kirchen und Religionsgemeinschaften verpflichten, mit eigenen Regeln für Infektionsschutz zu sorgen, schreibt der Dachverband Freikirchen.ch.

Freikirchen.ch
Freikirchen.ch ist der Dachverband der Freikirchen und christlicher Gemeinschaften in der Schweiz. Er ist ein nationaler Kirchenverband mit 19 freikirchlichen Bewegungen aus der Deutschschweiz, zu denen über 750 örtliche Kirchen mit ihren diakonischen Werken gehören. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Deutschschweiz ist im Beobachterstatus des Dachverbands. Neben der Schweizer Bischofskonferenz und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund versteht sich der Dachverband Freikirchen.ch als dritte Kraft der christlichen Kirchen in der Schweiz und als Sprachrohr für die gemeinsamen Anliegen der Freikirchen sowie christlicher Gemeinschaften.

Impfempfehlung des Dachverbands Freikirchen.ch vom 4. Januar 2021:
https://tinyurl.com/m5dzfr2d

Corona-Schutzkonzept für Freikirchen:
https://freikirchen.ch/corona-schutzkonzept-fuer-freikirchen/

Entscheidung der Chambre Constitutionnelle des Kantons Genf
https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/cst/show/2681272?doc=

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Stolperstein vor dem Adventhaus in Leipzig zum Gedenken an Manfred Wachenheimer, der 1942 im KZ Buchenwald ermordet wurde. © Foto: Adventgemeinde Leipzig

Stolperstein vor dem Kirchengebäude der Adventisten in Leipzig

Lüneburg/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Menschenrechte

Die Adventgemeinde Leipzig der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland hat einen Stolperstein für Manfred Wachenheimer vor ihrem Kirchengebäude in der Karl-Heine-Strasse 8 verlegt. Es handelt sich dabei um eine kleine Gedenktafel, mit der an das Schicksal von Menschen erinnert werden soll, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Wachenheimer wurde 1942 im KZ Buchenwald ermordet.

Geboren 1886 in Karlsruhe/Deutschland, verbrachte Wachenheimer dort seine Kindheit und Jugend. Später war er als Kaufmann und Korrespondent in mehreren Firmen tätig. So kam er nach Leipzig. 1934 heiratete er seine Frau Maria, geb. Hass. Laut einem Bericht von Dieter Wache in der August-Ausgabe der Kirchenzeitschrift «Adventisten heute» war Manfred Wachenheimer von 1933 bis 1939 wegen seiner jüdischen Abstammung erwerbslos. Am 4. Februar 1939 wurde er für zehn Tage wegen des Nichttragens des Jugendsterns inhaftiert. Ab 1939 musste er Zwangsarbeit verrichten.

Adventisten schlossen Wachenheimer «pro forma» aus der Kirche aus
In seiner Leipziger Zeit kam er mit der Adventgemeinde in Kontakt und wurde Siebenten-Tags-Adventist. Auch seine Frau gab nach 1945 an, dass sie Adventistin sei. Auf Drängen einzelner Gemeindemitglieder wurde Manfred Wachenheimer aus der Adventgemeinde Leipzig ausgeschlossen. Es wurde behauptet, dass dieser Schritt nur «pro forma» sei, um den staatlichen Vorschriften zu genügen. Wachenheimer besuchte aber weiterhin den Gottesdienst. Als ihm auch das verwehrt werden sollte, intervenierte der Pastor der Gemeinde, Hermann Kobs. Daraufhin wurde auch er aus den Reihen seiner eigenen Gemeinde denunziert. Kobs wurde am 18. März 1942 von der Gestapo inhaftiert, blieb bis zum 7. April 1942 im Gefängnis und wurde anschliessend mit anderen Häftlingen dienstverpflichtet. Dabei begegnete er Manfred Wachenheimer erneut. Hermann Kobs wurde von seinem Dienst als Pastor in Leipzig suspendiert. Die Entlassung wurde von der Gemeindeleitung veranlasst und – so die offizielle Begründung – als «Vorsichtsmassnahme» deklariert.

Durch Giftspritze ermordet
Am 21. März 1942 wurde für Manfred Wachenheimer „Schutzhaft“ durch die Gestapo Leipzig angeordnet. Grund: Unerlaubte religiöse Betätigung, da er als „Nichtarier“ unter „arischen Menschen“ am Gottesdienst teilgenommen habe. Am 4. Juni 1942 kam er in das KZ nach Buchenwald. Dort starb er am 4. Juli 1942 um 7:55 Uhr an einer Gelbkreuzgiftgas-Spritze.

Stolperstein soll an Ermordete, Deportierte und Vertriebene erinnern
2012 hatten Mitglieder der Adventgemeinde Leipzig die Idee, einen Stolperstein für Manfred Wachenheimer zu verlegen, nachdem sie sich mit der Geschichte der Adventisten im «Dritten Reich» befasst hatten. Durch einen Vortrag des Kirchenhistorikers Dr. Johannes Hartlapp, Dozent an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg/Deutschland, nahm das Projekt an Fahrt auf, denn Hartlapp stellte der Gemeinde auch Kopien von hilfreichen Dokumenten zur Verfügung. Am 16. Juni 2021 konnte die Gedenktafel mit Unterstützung der „AG Stolpersteine in Leipzig“ in einem „würdigen Rahmen“ auf dem Gehweg vor dem Adventhaus verlegt werden.

Geschichtlicher Hintergrund
Im November/Dezember 1933 wurde die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten von der Gestapo in Preussen, Hessen, Sachsen und anderen Ländern verboten. Zwar wurde das Verbot bereits am 6. Dezember 1933 wieder aufgehoben, doch ab Januar 1934 wurden die Adventgemeinden verstärkt polizeilich überwacht. Dazu schreibt Johannes Hartlapp in seinem 684-seitigen Buch Siebenten-Tags-Adventisten im Nationalsozialismus (V & R unipress Göttingen, 2008): «Die Angst bestimmte von nun an alle weiteren Entscheidungen … Die Gemeinschaft als Ganzes war damit – in der Terminologie des Nationalsozialismus – weitgehend gleichgeschaltet. Dass es Einzelne gab, die sich diesem Trend widersetzten und ungeachtet der Konsequenzen die Kurskorrektur nicht mitmachen konnten oder wollten, zeigte sich schon bald» (321.322). Hartlapp erläutert: «Gemeindemitglieder wie Alexander Mannesmann gehörten zu den Siebenten-Tags-Adventisten, die später die brutale Macht des Staates zu spüren bekamen und für ihr Glaubenszeugnis den Verlust der Arbeitsstelle oder Inhaftierung in Kauf nehmen mussten» (322). Aufgrund ihrer Haltung wurden beispielsweise Emil Biegmann im KZ Dachau und A. Eschrich im KZ Buchenwald umgebracht (457). Es sind auch zwei adventistische Kriegsdienstverweigerer, Franz Partes und Franz Dlugosch, bekannt, die ihren Standpunkt mit dem Tod bezahlten (463). Hartlapp erinnert ebenfalls stellvertretend an zwei adventistische Pastoren, die für ihre Worte mit dem Leben bezahlten: Rudolf Harress aus Oldenburg starb am 6. Juli 1942 im KZ Gross-Rosen bei Breslau und Rudolf Schäfer kam im Februar 1945 im Zuchthaus in Dresden ums Leben (472). Doch «alle, die sich gegen jede Form von Anpassung und damit ‚Gleichschaltung‘ innerhalb der eigenen Kirche wehrten, standen plötzlich weitgehend allein da» (472), beklagt der Kirchenhistoriker Dr. Johannes Hartlapp.

Erklärung der Adventisten zur NS-Zeit
In einer gemeinsamen Erklärung zum 60. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges haben die Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und Österreich 2005 Stellung zum Verhalten der Freikirche im «Dritten Reich» genommen. Darin wird beklagt, dass auch Siebenten-Tags-Adventisten an «diesem furchtbaren Krieg beteiligt waren». Der Charakter der NS-Diktatur sei nicht rechtzeitig und deutlich genug erkannt worden. In adventistischen Veröffentlichungen hätten sich Aussagen befunden, «die Adolf Hitler huldigten und der rassistischen Ideologie des Antisemitismus in einer Weise Ausdruck gaben, die aus heutiger Sicht unfassbar ist». Deutsche und Österreicher seien zu «Komplizen des Rassenwahns geworden»; auch «viele Siebenten-Tags-Adventisten» hätten «an der Not und dem Leid ihrer jüdischen Mitbürger keinen Anteil» genommen, so dass sie «von uns ausgegrenzt und ausgeschlossen, sich selbst überlassen und so der Gefangenschaft, Vertreibung oder dem Tod ausgeliefert wurden».

«Aufrichtig» werde bekannt, «dass wir gegenüber dem jüdischen Volk, allen Verfolgten und vom Krieg Betroffenen und darüber hinaus auch gegenüber Adventisten in anderen Ländern durch unser Versagen schuldig geworden sind». Auch hätten «wir als Siebenten-Tags-Adventisten in jenen notvollen Zeiten trotz unserer Erkenntnis aus der Heiligen Schrift und dem prophetischen Wort nicht mutiger und konsequenter gehandelt und so in der Nachfolge unseres Herrn versagt». Adventisten seien denjenigen, «die in unseren Reihen mutig Widerstand geleistet haben und sich der Nazidiktatur weder gebeugt, noch mit ihr gemeinsame Sache gemacht haben, nicht mutig entschlossen genug gefolgt».

Die Freikirche wolle deshalb «nachdrücklich» dafür eintreten, dass nie wieder ein Krieg gegen andere Völker von Deutschland oder Österreich ausgehe und dass niemand aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität oder Geschlecht ausgegrenzt oder benachteiligt werde. Die Vergangenheit dürfe nicht in Vergessenheit geraten und der Gehorsam, «den wir der staatlichen Obrigkeit schulden, nicht zur Preisgabe von biblischen Überzeugungen und Werten» führen. Es gelte, den Glauben auch dann mutig zu bekennen und konsequent zu leben, «wenn wir unsererseits in die ‚Stunde der Versuchung‘ geraten», heisst es in der Erklärung zum 60. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland und Österreich.

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Transportflugzeug der US-Armee. © Foto: Nick Morales on Unsplash

US-Kommission für Religionsfreiheit: Auch religiöse Minderheiten aus Afghanistan evakuieren

Washington D.C./USA | 30.08.2021 | APD | Religionsfreiheit

Am 20. August hat die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) die Regierung der Vereinigten Staaten aufgefordert, religiöse Minderheitengemeinschaften, die stark gefährdet sind, in die Evakuierungen einzubeziehen, damit diese der Verfolgung durch die Taliban entgehen. Die Durchsetzung der harten und strengen Auslegung des Islams durch die Taliban in den von ihnen eroberten Gebieten verletze die Religions- und Weltanschauungsfreiheit der Afghanen, die diese Überzeugungen nicht teilen, heisst es in der USCIRF-Medienmitteilung.

«Die Berichte über die Suche der Taliban nach religiösen Minderheiten in Afghanistan sind zutiefst beunruhigend», erklärte die USCIRF-Vorsitzende Nadine Maenza. «USCIRF fordert die Regierung der Vereinigten Staaten dringend auf, die religiösen Minderheiten zu unterstützen, um ihnen die Ausreise zu ermöglichen und eine rasche Überstellung an einen sicheren Ort zu gewährleisten.»

Die grosse Mehrheit der Nicht-Muslime sei aus Afghanistan geflohen, nachdem die Taliban 1996 die Kontrolle über die Regierung übernommen hatten, während kleine Gruppen religiöser Minderheiten zurückblieben, schreibt USCIRF. Viele Angehörige religiöser Minderheiten, die im Land ausharrten, hätten ihren Glauben im Verborgenen praktiziert, weil sie Angst vor Angriffen oder Repressalien hatten. Der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion gelte als Apostasie [Abfall vom Glauben] und könne nach der Auslegung der Scharia durch die Taliban mit dem Tod bestraft werden.

«Während die Regierung der Vereinigten Staaten rund um die Uhr daran arbeitet, amerikanische Staatsbürger und Afghanen mit US-Bezug zu evakuieren, sind afghanische religiöse Minderheiten durch die Taliban extrem gefährdet und müssen in diese dringenden Bemühungen einbezogen werden», sagte USCIRF-Kommissar Frederick A. Davie.

In ihrem Jahresbericht 2021 empfahl die USCIRF dem US-Aussenministerium, die Taliban erneut als besonders besorgniserregende Organisation einzustufen, weil «sie systematische, anhaltende und entsetzliche Verstösse gegen die Religionsfreiheit begehen».

Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit
Die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) ist eine unabhängige, überparteiliche Einrichtung der Bundesregierung, die vom US-Kongress eingesetzt wurde, um die Religionsfreiheit im Ausland zu überwachen, zu analysieren und darüber zu berichten. Der USCIRF gibt aussenpolitische Empfehlungen an den Präsidenten, den Aussenminister und den Kongress ab, um religiöse Verfolgung zu verhindern und die Religions- sowie die Weltanschauungsfreiheit zu fördern.

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Ein afrikanisches Kind mit der Bibel in der Sprache seines Herzens. © Foto: Schweizerische Bibelgesellschaft

Weltweit weniger Bibeln verbreitet im Pandemie-Jahr 2020

Stuttgart/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Bibel

Die Corona-Pandemie hatte im vergangenen Jahr massive Auswirkungen auf die weltweite Bibelverbreitung. Das geht aus dem Bericht des Weltverbands der Bibelgesellschaften (United Bible Societies; UBS) für 2020 hervor. So konnten im vergangenen Jahr lediglich 30 Millionen vollständige Bibeln und damit ein Viertel weniger als noch im Jahr zuvor verbreitet werden.

„Die Coronazeit hat die Arbeit vieler Bibelgesellschaften stark eingeschränkt“, teilte Horst Scheurenbrand, Leiter der „Weltbibelhilfe“ der Deutschen Bibelgesellschaft, mit. „Zahlreiche Projekte konnten nicht realisiert werden, Veranstaltungen mussten wegen Kontaktverboten ausfallen, Produktions- und Lieferketten waren zeitweise eingeschränkt.“

Rückgang bei gedruckten Bibeln
Die Zahl der verbreiteten Vollbibel-Ausgaben ist laut dem „Scripture Distribution Report“ im Jahr 2020 auf 30 Millionen Exemplare gesunken, ein Rückgang um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch stärker war der Einbruch bei den Teil-Ausgaben: Nur 5 Millionen Neue Testamente (gegenüber 15 Millionen in 2019) und 155 Millionen Auswahlschriften (statt 261 Millionen in 2019) konnten im Pandemie-Jahr verbreitet werden. Insgesamt wurden 2020 damit 191 Millionen biblische Schriften verbreitet – rund 125.000 weniger als 2019.

Anstieg bei digitalen Bibeln
Von wachsender Bedeutung waren im Pandemie-Jahr die digitalen Bibelausgaben. 38 Prozent und damit mehr als jede dritte Vollbibel wurde 2020 aus dem Internet heruntergeladen. Die Zahl der Bibeln für Computer, Tablet und Smartphone hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Die häufigsten Downloads gab es in Brasilien gefolgt von den USA, Mexiko, Kolumbien und den Philippinen.

Bibelgesellschaften in Not
„Die weltweiten Verbreitungszahlen spiegeln die akute Krisensituation vieler Bibelgesellschaften in der Pandemie wider“, so Scheurenbrand. Von den aktuell 160 Bibelgesellschaften waren zwischenzeitlich 88 von einer Schliessung bedroht.“ Nur ein internationaler „Solidarity Fund“ in Höhe von 4,1 Millionen US-Dollar (3,5 Millionen Euro), habe ihr Bestehen sichern können, auch mithilfe von 100.000 Euro Spenden aus Deutschland.

Zahlen des Weltverbands der Bibelgesellschaften
Der jährlich erscheinende „Scripture Distribution Report“ berücksichtigt ausschliesslich die Zahlen von Verlagen und Organisationen, die dem Weltverband angehören. Der Weltverband der Bibelgesellschaften ist der internationale Zusammenschluss von 160 nationalen Bibelgesellschaften, zu denen auch die Deutsche sowie die Schweizerische Bibelgesellschaft gehört. Die Bibelgesellschaften sind in 184 Ländern aktiv. In Deutschland sammelt die „Weltbibelhilfe“ Spenden für diese internationale Arbeit.

Schweizerische Bibelgesellschaft: https://www.die-bibel.ch/
Deutsche Bibelgesellschaft: https://www.die-bibel.de/

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Die BasisBibel ist in verschiedenen Ausgabeformaten erhältlich. © Foto: www.die-bibel.de

Deutschland: 150.000 BasisBibeln in sechs Monaten verkauft

Stuttgart/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Bibel

Im ersten halben Jahr seit ihrem Erscheinen wurden über 150.000 Exemplare der BasisBibel mit Altem und Neuem Testament verkauft. Die erste Auflage mit rund 100.000 BasisBibeln war bereits nach wenigen Monaten vergriffen, sodass eine zweite Auflage nachgedruckt werden mussten. Eine dritte ist in Planung. Auch in den digitalen Medien war der Text der BasisBibel gefragt, teilte die Deutsche Bibelgesellschaft in Stuttgart mit.

Insgesamt über 750.000-mal sei die BasisBibel im ersten halben Jahr auf der Website www.die-bibel.de sowie in der gleichnamigen kostenlosen App geöffnet worden. Nur die Lutherbibel 2017 hätte im selben Zeitraum mehr Klicks verzeichnen können. „Die BasisBibel ist weltweit die erste Bibel, die bereits bei der Übersetzung die Anforderungen des digitalen Lesens berücksichtigt“, betonte der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Christoph Rösel. Mit ihrem innovativen Konzept von guter Verständlichkeit und sprachlicher Genauigkeit habe die BasisBibel schon heute bei vielen Menschen einen festen Platz in der kirchlichen Arbeit oder der persönlichen Lektüre gefunden.

BasisBibel
Die BasisBibel ist nach 17 Jahren Übersetzungsarbeit im Januar 2021 erschienen. Zuvor waren bereits ab 2010 das Neue Testament sowie Teile des Alten Testaments veröffentlicht worden. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) empfiehlt die BasisBibel für die Arbeit mit jungen Menschen und der Erstbegegnung mit der Bibel. Neben den Druckausgaben ist der vollständige Text der BasisBibel kostenlos im Internet verfügbar unter Die-Bibel.de sowie in der gleichnamigen App für Android und iOS.

Als gedrucktes Buch erscheint die BasisBibel in verschiedenen Layout-Varianten: Die Komfort-Ausgabe gibt den Bibeltext in jeder Sinneinheit auf einer eigenen Zeile wieder und erleichtert so das Erfassen und Verstehen des Textes. Die Kompaktausgabe setzt den Text fortlaufend einspaltig und entspricht damit dem gewohnten Lesefluss ähnlich einem Roman. Der Schriftsatz der „Kompakten“ ist damit platzsparender und ihr Umfang um rund ein Drittel geringer.

Deutsche Bibelgesellschaft
Die Deutsche Bibelgesellschaft mit Sitz in Stuttgart übersetzt die biblischen Schriften und verbreitet Bibelausgaben. Sie ist eine eigenständige Stiftung. Zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gibt sie die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers heraus. International verantwortet sie die wissenschaftlichen Bibelausgaben in den Ursprachen. Neben Bibelausgaben finden sich im Programm weitere Bücher und Medien rund um das Thema Bibel. Durch die Weltbibelhilfe unterstützt sie in Zusammenarbeit mit dem Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) global die Übersetzung und Verbreitung der Heiligen Schrift, damit alle Menschen die Bibel in ihrer Sprache lesen können.

Zur Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft gehören Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Bibelgesellschaften sowie von evangelischen Freikirchen und christlichen Werken, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland.

Weitere Informationen: http://www.die-bibel.de/

Schweizerische Bibelgesellschaft
Die Schweizerische Bibelgesellschaft (SB) unterstützt und fördert die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung von Bibeln, Bibelteilen und biblischer Literatur im In- und Ausland. Seit 1955 setzt die SB sich dafür ein, die Bibel in verständlicher, moderner und den Bedürfnissen angepasster Form zu den Menschen zu bringen. Sie ist als Verein organisiert, zu ihren Mitgliedern zählen Kirchen, christliche Gemeinschaften und Werke, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz sowie Einzelpersonen.

Weitere Informationen: https://www.die-bibel.ch/

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Titelseite der diesjährigen Sonderausgabe des «Bibelreports» der Deutschen Bibelgesellschaft. © Foto: Deutsche Bibelgesellschaft

Die Bibel – ein verbotenes Buch

Stuttgart/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Bibel

In mehreren Ländern der Welt darf das «Buch der Bücher» weder gedruckt noch erworben werden. In anderen Ländern gelten für biblische Schriften besondere Einschränkungen. Die diesjährige Sonderausgabe der Zeitschrift «Bibelreport» geht der Frage nach, wie Bibelgesellschaften in Ländern eingeschränkter oder fehlender Religionsfreiheit arbeiten und schildert, wie Männer und Frauen trotz Verfolgung ihren Weg mit der Bibel gehen.

Der erste Beitrag liefert einen Überblick über die Situation der Bibel in Ländern mit eingeschränkter oder fehlender Religionsfreiheit. Dabei wird unterschieden zwischen Ländern, in denen die Bibel als Buch verboten ist und Länder, in denen sie aufgrund von Beschränkungen als «gefährdetes Buch» eingestuft werden muss. Die Länder Algerien, Iran, Irak und China werden dabei beispielhaft herausgegriffen und die dortige Situation für Christinnen und Christen sowie für die Arbeit mit und für die Bibel erläutert.

Wegen Bibel Flucht nach Deutschland
In einem persönlichen Artikel schildert Maryam Parikhahzarmehr die Situation in ihrem Heimatland Iran. Als Christen lebten sie und ihre Familie ihren Glauben heimlich. Der Besitz einer Bibel ist in der Islamischen Republik verboten. Als schliesslich bei ihr im Regal eine Bibel gefunden wurde, floh sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Es falle ihr schwer, zurückzublicken und das Erlebte wieder zu durchleben.

Dr. Hrayr Jebejian leitet die Bibelgesellschaft in den Golfstaaten und schildert die erschwerten Bedingungen für seine Organisation. Die Situation in der Golfregion sei «unvorhersehbar, unstabil, unsicher und launenhaft». So sei beispielsweise den Kirchen in Dubai ohne Vorankündigung die Existenzberechtigung entzogen worden, was Auswirkungen auf alle Partnerorganisationen habe. Auch würden Importgenehmigungen von heute auf morgen ausser Kraft gesetzt, was die Versorgung mit gedruckten Bibeln teils unplanbar mache.

Bibel per Smartphone
Welche Möglichkeiten die Digitalisierung für diese Länder mit sich bringe, berichtet die Theologin und Bibelreport-Redakteurin Eva Mündlein in ihrem Beitrag. Dank neuer Kommunikationstechnologie sei es einfacher geworden, das «Buch der Bücher» in abgelegene oder gefährliche Regionen zu bringen. Eine besondere Rolle spiele dabei das Smartphone. Bibeln hier herunterzuladen, zu lesen und zu verbreiten sei einfacher und für viele Menschen eine grosse Chance. Neben dem Internet spielten aber auch nach wie vor Fernsehen und Radio eine wichtige Rolle, um Christen in Ländern zu erreichen, wo die Bibel verboten oder schwer zugänglich sei.

«Bibelreport»
Der «Bibelreport» wird von der Deutschen Bibelgesellschaft herausgegeben und berichtet fünfmal im Jahr über Themen rund um das «Buch der Bücher». Ein Schwerpunkt der Zeitschrift ist die weltweite Arbeit der Bibelgesellschaften für die Verbreitung und Übersetzung der Heiligen Schrift. Der Bibelreport kann kostenlos auf www.die-bibel.de/shop oder mit einer Mail an bibelreport@dbg.de abonniert werden. Im Internet gibt es unter folgendem Link die digitale Ausgabe: www.die-bibel.de/bibelreport.

Weitere Informationen: http://www.die-bibel.de/

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Covid-19 Impfampulle. © Foto: Spencer Davis auf Pixabay

Adventisten publizieren biblisch-theologische Überlegungen zum Impfen

Silver Spring, Maryland/USA | 30.08.2021 | APD | Gesundheit & Ethik

Am 19. August hat die Gesundheitsabteilung (Adventist Health Ministries) der adventistischen Weltkirchenleitung biblisch-theologische Überlegungen zum Thema Impfen veröffentlicht. Der Autor ist Jiří Moskala (ThD, PhD), Professor für Altes Testament und Dekan des Theologischen Seminars der Andrews University der Siebenten-Tags-Adventisten in Berrien Springs, Michigan/USA. Auch wenn die Bibel nicht übers Impfen spreche, so enthalte sie dennoch wichtige Gesundheitsgrundsätze, die auch für moderne Fragen anwendbar seien. Die allgemeine Regel sei klar, so Moskala: «Erlaubt ist, was mit den biblischen Gesundheitsgrundsätzen in Einklang steht und ihnen nicht widerspricht.»

Erlaubtes und Verbotenes
Es gebe viele erlaubte Aktivitäten und Einrichtungen, die in Übereinstimmung mit der Offenbarung Gottes seien, auch wenn sie nicht direkt in der Bibel erwähnt würden. Der Theologe führt die Bibelgesprächskreise im ersten Teil des adventistischen Gottesdienstes an oder dass das Abendmahl alle drei Monate gefeiert werde, dass Schulen, Universitäten und Krankenhäuser unterhalten werden oder die Organisation der adventistischen Kirche in lokale Gemeinden und regionale, überregionale sowie teilkontinentale Kirchenleitungen. Laut Moskala ist das verboten, «was (1) im Widerspruch zum ausdrücklichen Gebot Gottes steht und (2) den allgemeinen Lebensgrundsätzen, die im Wort Gottes zum Ausdruck kommen, widerspricht».

Die Bedeutung von Impfungen aus biblisch-theologischer Perspektive kann gemäss dem Theologieprofessor aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt werden:

1. Gott ist der wahre Arzt
Gott ist der wahre Arzt, der unsere Krankheiten heilt. Medizin und verschiedene Heilmittel können hilfreich sein, aber nur der Herr bewahrt und stellt die Gesundheit wieder her.

2. Gott stattete den Menschen mit Verstand aus, damit er ihn anwendet
Gott hat die Menschen in seinem Ebenbild, als intelligente Wesen geschaffen, die ihren Verstand einsetzen sollen, um zu denken, Wissen zu erwerben und zu erkennen, was richtig, gut und nützlich ist. Demnach soll der Mensch auch den gesunden Menschenverstand bezüglich Herausforderungen des Lebens anwenden. «Die Impfung ist ein menschliches Produkt, aber ein Ergebnis der den Menschen von Gott gegebenen Fähigkeiten, zu denken und kreativ zu sein.»

3. Gott erledigt nicht, was der Mensch tun soll
Man kann nicht erwarten, dass Gott für uns arbeitet, wenn wir grundlegende Lebensprinzipien übersehen und nachlässig, voreingenommen oder faul sind, sie umzusetzen. Man könne nicht um Gottes Eingreifen bitten, um eine gute Ernte einzufahren und nicht bereit sein, hart für die Erhaltung der Ernte zu arbeiten.

4. Gott schenkt Gesundheit als Gabe, die Nächstenliebe ermöglicht
Gott möchte, dass wir unsere Gesundheit so gut wie möglich erhalten. Nicht nur, um länger zu leben, sondern auch, um anderen zu dienen und so lange wie möglich nützlich zu sein. Warum sollten wir vorzeitig sterben, nur weil wir Mittel vernachlässigen, die unser Leben schützen und verlängern und uns so in die Lage versetzen, ein Segen für andere zu sein?

5. Gott schützt das Leben. Impfen ist Nächstenliebe und Lebensschutz
Gott hat uns geboten, dass wir das Leben schützen und für die Gesundheit unserer Nächsten sorgen sollen (3 Mo 19,18; Hes 34,4). «Auch wenn es einige Unbekannte in der Langzeitforschung und ihren Auswirkungen gibt, überwiegen die Vorteile der Impfung die möglichen Probleme. Sich impfen zu lassen, ist ein Akt der Nächstenliebe, denn die Impfung trägt dazu bei, andere vor schweren Erkrankungen oder gar dem Tod zu bewahren und damit eine gemeinschaftliche Immunität oder Herdenimmunität aufzubauen.»

6. Gebet um Heilung schliesst Anwendung von Medikamenten nicht aus
«Gebete um Heilung und Vitalität heben die Anwendung verschiedener Heilmittel, Operationen, Medikamente oder Impfungen nicht auf. Wie man sie anwendet, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab.» Auch Impfstoffe seien Mittel, um die Gesundheit zu erhalten und die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, so Moskala. Ellen White, die Mitbegründerin der adventistischen Kirche, habe dies 1911 bekräftigt: «Es ist keine Verleugnung des Glaubens, angemessene Heilmittel vernünftig einzusetzen.».

7. Krankheiten zu vermeiden, ist eine biblische Verpflichtung
Vorbeugen sei immer wichtiger als heilen. Krankheiten zu vermeiden, sei eine biblische Verpflichtung, schreibt der Theologe. Die Motivation sollte demnach darin bestehen, gesund zu sein sowie Familie und Gesellschaft zu schützen. «Bei der Impfung geht es darum zu verhindern, dass sich ein Virus in uns und über uns auf andere ausbreitet, das tödlich sein kann. Eine Impfung ist nichts Magisches; sie muss durch intelligente Entscheidungen im Leben unterstützt werden.»

8. Medizinische Wissenschaft und Glaube sind komplementär
«Medizinische Wissenschaft und Glaube arbeiten eng zusammen und müssen Hand in Hand angewendet werden. Sie sind komplementär. Kreativität und Erfindergeist sind Gaben Gottes. Die Beweise der Wissenschaft sind eindeutig: Impfstoffe retten Leben, und die Nebenwirkungen sind meist geringfügig und kurzfristig. Die vielen positiven Aspekte überwiegen bei weitem die minimalen negativen Auswirkungen und Gesundheitsrisiken.»

Verschwörungserzählungen bei Adventisten
Diesen Überlegungen fügt Jiří Moskala, einige Klarstellungen zu Verschwörungserzählungen an, die bei einigen Adventisten grassieren und biblische Texte im Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen missbrauchen.

Ellen G. White liess sich gegen Pocken impfen
Diese biblisch-theologischen Überlegungen werden laut Moskala durch die Praxis von Ellen White unterstützt und bestätigt, da sie selbst [gegen Pocken] geimpft war und andere dazu ermutigte, dies aus zwei Gründen zu tun: «(1) die persönliche Gesundheit ermöglicht es uns, anderen effizient zu dienen; und (2) um Krankheiten nicht zu übertragen und andere anzustecken.»

Moskala führt dann weiter aus: «Es stimmt, dass Ellen White nichts über das Impfen geschrieben hat, nicht eine einzige Aussage. Wir wissen jedoch, dass sie andere ermutigte, sich gegen Pocken impfen zu lassen, und dass sie sich selbst impfen liess, wie der Augenzeuge D. E. Robinson, einer von Mrs. Whites Sekretären berichtet: Ellen White "wurde geimpft und drängte ihre Helfer, die mit ihr Kontakt hatten, sich impfen zu lassen" (2 SM 303). Sie war sich bewusst, dass dies sowohl sie als auch andere schützen würde: "Sie erkannte auch die Gefahr, dass sie andere anstecken könnten, wenn sie diese Vorsichtsmassnahme nicht ergreifen" (2 SM 303). Ellen White riet weise: "Diejenigen, die Heilung durch Gebet suchen, sollten es nicht versäumen, die ihnen zur Verfügung stehenden Heilmittel zu nutzen. Es ist keine Verleugnung des Glaubens, solche Mittel zu benutzen, die Gott bereitgestellt hat, um Schmerzen zu lindern und die Natur in ihrem Werk der Wiederherstellung zu unterstützen." (MH 231-232).»

Zum ausführlichen Text dieser Überlegungen auf Englisch:
https://www.healthministries.com/vaccination-biblical-theological-reflection/

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Der bisherige APD-Chefredakteur Stephan G. Brass (li.) und der neue Chefredakteur Thomas Lobitz. © Foto: Steve Kamatis / APD

Wechsel in der Chefredaktion von APD-Deutschland

Lüneburg und Ostfildern/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Medien

Am 1. August hat Thomas Lobitz die Chefredaktion des Adventistischen Pressedienstes Deutschland (APD) übernommen. Stephan G. Brass wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet

Mit Thomas Lobitz (53) übernimmt ein erfahrener Journalist die Chefredaktion. Er arbeitet seit 2005 als Zeitschriftenredakteur im Advent-Verlag, Lüneburg und übernahm 2016 die Chefredaktion der Kirchenzeitschrift «Adventisten heute». In dieser Funktion wird er auch weiterhin tätig sein. Durch den personellen Wechsel wird der APD künftig von Lüneburg aus geleitet, der Sitz bleibt vorerst in Ostfildern.

Als stellvertretender Chefredakteur fungiert Jens-Oliver Mohr, der auch Pressesprecher der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland ist. Von 2015 bis 2019 leitete er als Chefredakteur den APD. Ein besonderer Dank gilt Holger Teubert, der im Jahr 1986 und danach von 1991 bis 2015 Chefredakteur des APD war. Er wird weiterhin in der Redaktion tätig sein.

Stephan G. Brass (67) war seit 2017 Beauftragter für Kommunikation für die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Nach Personalveränderungen innerhalb der Kirche übernahm er vor zwei Jahren zusätzlich die Chefredaktion des APD. Brass gehörte zu den ersten Nutzern des Internets in Deutschland, angefangen mit den Feldversuchen unter dem damaligen Bildschirmtext (BTX). Während seines Dienstes als Pastor betreute er in den jeweiligen Bundesländern die regionalen Kirchenleitungen als Pressesprecher oder als Beauftragter in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

APD
Die Nachrichtenagentur Adventistischer Pressedienst Deutschland (APD) ist eine Einrichtung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie wurde ursprünglich 1974 in der Schweiz gegründet und publiziert seit 1984 auch in Deutschland. APD Schweiz und APD Deutschland pflegen eine enge redaktionelle Zusammenarbeit.

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Michel-André Kanor übernimmt im November die Leitung von ADRA Schweiz. © Foto: ADRA Schweiz

Neuer Geschäftsführer bei ADRA Schweiz

Der Vorstand der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz hat laut einer Mitteilung auf der Webseite Michel-André Kanor zum neuen Geschäftsführer ernannt. Der 47-jährige folgt damit auf Mike Perekrestenko, der ADRA Schweiz im Frühling, nach fünf Jahren, verlassen hat. Michel-André Kanor wird die Stelle per 1. November 2021 antreten. Bis dahin wird weiterhin Jörg Fehr die Hilfsorganisation interimsweise leiten.

«Wir freuen uns sehr, dass wir Michel-André Kanor für diese Position gewinnen konnten», sagt Olivier Rigaud, Präsident des Vorstandes von ADRA Schweiz.

Werdegang
Michel-André Kanor ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Nach zwei Jahren Studium der Rechtswissenschaften in Strassburg hat er an der Theologischen Hochschule in Collonges/Frankreich Theologie studiert und abgeschlossen. Zudem verfügt er über einen Master of Science in Administration (Major in International Development) der Andrews University/USA.

Er verfügt über 12 Jahre Erfahrung im Bereich der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Projektmanagement, strategische Planung und interkulturelle Kommunikation und Führung. So hat er unter anderem etliche Jahre als ADRA-Direktor im Kongo und in Senegal gearbeitet.

Kanor ist mit einer Schweizerin verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er wird seinen Wohnsitz im Herbst von Deutschland in die Schweiz verlegen und per 1. November seine Arbeit bei ADRA Schweiz in Aarau aufnehmen.

«Es ist für mich ein Privileg, den Menschen in dieser Position zu dienen und ich freue mich auf meine neue Aufgabe», kommentierte Michel-André Kanor seine Ernennung.

ADRA Schweiz
ADRA Schweiz wurde 1987 als Hilfswerk der protestantischen Freikirche der Siebtenten-Tags-Adventisten in der Schweiz gegründet. Es ist ein im Handelsregister eingetragener Verein, mit Sitz in Zürich und Büro in Aarau. Das Hilfswerk geniesst Steuerfreiheit und wurde 2017 von der schweizerischen Fachstelle für Spenden sammelnde, gemeinnützige Institutionen (ZEWO) für weitere fünf Jahre rezertifiziert. ADRA Schweiz zählt zu den Partner-Hilfswerken der Schweizer Glückskette: www.glueckskette.ch und hat in der Schweiz rund 50 Ortsgruppen. Das ADRA Netzwerk besteht weltweit aus rund 130 regionalen und nationalen Landesbüros. ADRA gewährt Hilfe unabhängig von Rasse, ethnischer Herkunft, des Geschlechtes, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Mehr zum Hilfswerk: www.adra.ch

Zu den Leitlinien des Engagements von ADRA Schweiz:
https://www.adra.ch/ueber-adra/unsere-leitlinien/

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ADRA arbeitet vor Ort mit lokalen Helfergruppen zusammen, z. Bsp. mit den Event-Alltagshelden (www.event-alltagshelden.de © Foto: ADRA Deutschland e. V.

Unwetter: ADRA Deutschland hat über 500.000 Euro Spenden für Flutopfer erhalten

Weiterstadt/Deutschland | 30.08.2021 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Bei der Hilfsorganisation ADRA Deutschland e. V. sind bislang über 1600 Spenden zugunsten der Opfer der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli in mehreren Bundesländern eingegangen. Der Gesamtbetrag der Spenden liegt bei über einer halben Million Euro.

Bislang wurden 22 soziale Einrichtungen (Kindergärten, Seniorenheime und Pflegeheime sowie Sportstätten und Tierheime) und drei lokale Helfergruppen mit 365.300 Euro unterstützt. Dieser Betrag erhöhe sich täglich um mehrere tausend Euro, da weitere Anträge gestellt und unterschrieben würden, teilte ADRA Deutschland mit.

ADRA-Projektbetreuende stellen sicher, dass Bedürftige die Gelder bekommen
ADRA-Projektbetreuer treffen sich regelmässig mit Vertreten von lokalen Helfergruppen und sozialer Einrichtungen, um sicherzustellen, dass die Spendengelder dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Auch mit Bürgermeistern und Ortsvorstehern werde geklärt, wie eine saubere und gerechte finanzielle Unterstützung von betroffenen Haushalten stattfinden könne, so ADRA Deutschland in einer Rundmail.

Es würden zusätzlich auch Spendengelder der Aktion Deutschland Hilft (ADH) die Arbeit von ADRA Deutschland e.V. unterstützen. ADRA Deutschland ist Gründungsmitglied von ADH.

ADRA Deutschland e.V.
ADRA Deutschland e.V. ist eine weltweit tätige Hilfsorganisation, die Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe durchführt. Die unabhängige Nichtregierungsorganisation wurde 1987 gegründet und steht der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten nahe. ADRA ist Mitglied des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“. Das Bündnis schliesst sich im Fall von Katastrophen zusammen, koordiniert und bündelt die vorhandenen Kräfte, um schnelle und effektive Hilfe leisten zu können.

Spenden an ADRA Schweiz für die Wiederaufbauhilfe in Deutschland

PC-Konto: 80-26526-3
IBAN: CH17 0900 0000 8002 6526 3
BIC: POFICHBEXXX
Spendenzweck: Überschwemmungen Deutschland

Onlinespenden: www.adra.ch
Verwendungszweck «Überschwemmungen Deutschland» anklicken.
https://www.adra.ch/mithelfen/spenden/

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ADRA-Mitarbeiter besichtigt ein zerstörtes Haus in Saint Louis de Sud, Haiti. © Foto: Evan Bernardini, ADRA in Haiti

Haiti: ADRA organisiert Hilfe nach dem Erdbeben der Stärke 7,2

Silver Spring, Maryland/USA | 30.08.2021 | APD | ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Am 14. August erschütterte gegen 8:30 Uhr ein Erdbeben der Stärke 7,2 die südlichen Gebiete Haitis, dem mehrere Nachbeben folgten. Die Erschütterungen waren bis ins 320 km (200 Meilen) entfernte Jamaika zu spüren, schreibt die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA. Die Zahl der Todesopfer liegt derzeit bei mehr als 1.300 und mindestens 5.700 Verletzten. ADRA Haiti klärt die Bedürfnisse und organisiert die nötige Hilfe.

«ADRA war eine der ersten Hilfsorganisationen, die das betroffene Gebiet von Saint-Louis de Sud in Haiti erreichte», sagte Elian Giaccarini, ADRA-Koordinator für Katastrophenmanagement in der Karibik. «Nach unseren Einschätzungen ist das Hauptanliegen die Versorgung der Verletzten. Zurzeit werden die Schäden bewertet. Eine der grössten Herausforderungen ist die extreme Komplexität der von Banden beherrschten Gebiete, die keinen einfachen Zugang zu den betroffenen Gebieten zulassen. Wir sind auch besorgt wegen des bevorstehenden Sturms Grace und der ohnehin schon heiklen Lage in Haiti aufgrund der Gewalt und der massiven Vertreibung der Bevölkerung. Die Situation ist äusserst komplex", berichtete er.

Ausnahmezustand für einen Monat ausgerufen
Die örtlichen Behörden haben für einen Monat den Ausnahmezustand ausgerufen und bitten um humanitäre Hilfe. Berichten zufolge sind die Krankenhäuser in Haiti, die den betroffenen Regionen am nächsten liegen, überlastet.

Die Bewohner der betroffenen Städte haben versucht, vermisste oder totgeglaubte Familienangehörige und Freunde ausfindig zu machen. Suchtrupps haben nach Menschen gegraben, die unter den Trümmern versteckt waren.

Vier oder fünf Kirchen der Adventisten zerstört – Kirchenmitglieder obdachlos
Ersten Berichten zufolge wurden mindestens vier oder fünf Kirchen der Siebenten-Tags-Adventisten zerstört, und viele weitere wurden durch das Beben beschädigt, schreibt «Adventist Review», nordamerikanische Kirchenzeitschrift. Zahllose Menschen, darunter auch Kirchenmitglieder, hätten ihre Häuser verloren und seien mittellos.

Adventistischer Weltkirchenleiter nimmt Anteil: «Was für eine Tragödie!»
Mit grosser Trauer habe ich heute die Nachricht vernommen, dass die Menschen in Haiti eine weitere Tragödie erlebt haben, schreibt Pastor Ted Wilson, adventistischer Weltkirchenleiter, zum Erdbeben in Haiti: «Was für eine Tragödie, die zu all dem hinzukommt, was Haiti bereits durchmachen musste! Es ist schwer, sich das Leid und den Schmerz dieser lieben Menschen vorzustellen, deren Welt im wahrsten Sinne des Wortes heftig erschüttert worden ist!»

«An unsere lieben Brüder und Schwestern in Haiti: Bitte wisst, dass eure Kirchenfamilie auf der ganzen Welt für euch betet! Darüber hinaus wird über ADRA, über das adventistische Krankenhaus in Haiti sowie über die Interamerikanische Kirchenleitung (IAD) und die Weltkirchenleitung Hilfe organisiert. Wir lieben Sie, kümmern uns um Sie und beten für Sie!», schreibt Wilson.

ADRA Haiti
ADRA ist seit mehr als 30 Jahren in Haiti tätig und unterstützt Programme in den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft, Wasser und Grundschulbildung im Norden und Nordosten des Landes, die mehr als eine Million Menschen erreichen.

Dies ist das zweite Mal innerhalb von zehn Jahren, dass Haiti von einem schweren Erdbeben heimgesucht wird. Im Jahr 2010 kamen bei einem Erdbeben der Stärke 7,0 bis zu 200.000 Menschen ums Leben.

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Drei ADRA-Freiwillige bei einer Fotopause. © Foto: ADRA Schweiz

ADRA-Freiwilligenwochen: 40 Personen helfen zwei Bauernfamilien

Vom 8. bis 20. August haben insgesamt 40 Männer und Frauen aus der ganzen Schweiz auf zwei Baustellen, eine in Riggisberg und eine in Milken, bei Schwarzenburg, Bauernfamilien beim Umbau ihrer Häuser, Stallungen und Umgebungsarbeiten geholfen. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz führt diese Direkthilfe seit bald 30 Jahren in der Schweiz für Menschen durch, denen es an den nötigen finanziellen Mitteln fehlt, ihr Haus oder ihren Stall zu renovieren oder auszubauen. Zusammen mit den «Bergversetzern», besser bekannt unter dem ehemaligen Namen SAB (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berghilfe), wählt ADRA jedes Jahr die passenden Einsatzorte aus.

Riggisberg/BE
In Riggisberg wird eine am Haus angebaute Scheune zu einem zusätzlichen Zimmer mit Durchgang ausgebaut. Damit können die beiden Töchter der Witwe, die den Bauernhof führt, bald je ein eigenes Zimmer beziehen können. Gleichzeitig wurde eine Garage neu eingedeckt und eine alte Stallmauer wieder in Stand gesetzt.

Milken/BE
Parallel dazu hat ein zweites Team in Milken, bei Schwarzenburg, unweit von Riggisberg, auf einer Alpakafarm einen Betonboden grunderneuert, elektrische Anlagen fertiggestellt, Holzwände eingezogen sowie Zufahrten und Parkplätze erweitert. Die Familie möchte sich eine Existenz aufbauen, indem sie Alpakas züchtet und aus der Wolle verschiedene Produkte wie Duvets bzw. Seife herstellt. Das Alpaka ist laut Wikipedia eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform.

Projektpartner
Die Organisation „Bergversetzer“, ein Gemeinschaftsprojekt der „Schweizer Berghilfe“ und der „Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete“, hat ADRA Schweiz auf dieses Projekt aufmerksam gemacht. „Bergversetzer“ und ADRA Schweiz arbeiten seit mehreren Jahren eng zusammen und realisieren einmal pro Jahr ein gemeinsames Projekt dieser Art mit Freiwilligen.

ADRA Schweiz
ADRA steht für Adventist Development and Relief Agency (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe). Das Hilfswerk fördert Projekte der Entwicklungszusammenarbeit sowie der humanitären Hilfe in Katastrophenfällen. ADRA Schweiz ist organisatorisch und juristisch ein eigenständiger Verein und ist im Handelsregister eingetragen. ADRA Schweiz ist ein Partnerhilfswerk der Glückskette und ist von der Zewo zertifiziert.

ADRA Schweiz realisiert Projekte in folgenden vier Bereichen:
• Katastrophenhilfe & Prävention
• Existenzsicherung
• Bildung
• Soziales Engagement

Mehr zu ADRA Schweiz: www.adra.ch

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Richard Elofer, Leiter des «Jüdisch-adventistischen Freundschaftszentrums», geht in Pension. © Foto: ANN

Leiter des «Jüdisch-adventistischen Freundschaftszentrums» geht in Pension

Silver Spring, Maryland/USA | 30.08.2021 | APD | Personen

Dr. Richard Elofer, Leiter des «Jüdisch-adventistischen Freundschaftszentrums» (Jewish-Adventist Friendship Center - WJAFC) geht Ende August in den Ruhestand. Elofer, der selbst Jude ist, hat seit mehr als 21 Jahren das Freundschaftszentrum geleitet und die adventistische «Kirche immer wieder daran erinnert, wie wichtig diese Mission ist und wie wichtig ein respektvoller und informierter Umgang mit seinem Volk ist», schreibt Gary Krause, Direktor von «Adventist Mission» der Weltkirchenleitung, und: «Seine Stimme wird vermisst werden».

Werdegang und Tätigkeit
Richard Elofer wurde in Casablanca/Marokko, in einer orthodoxen jüdischen Familie geboren und trat im Alter von 19 Jahren, als er in Paris lebte, den Siebenten-Tags-Adventisten bei. Danach war er 15 Jahre lang als Aussendienstmitarbeiter des adventistischen Verlags sowie als Gemeindepastor tätig, bevor er Kirchenleiter des Israel-Feldes wurde. Während seines Dienstes in Israel wurde er im Jahr 2000 auch zum Direktor des «Jüdisch-adventistischen Freundschaftszentrums» ernannt. Im Jahr 2012 zogen er und seine Frau Liliane nach Frankreich, wo er sich ganz seiner Arbeit als Leiter des Zentrums widmen konnte.

«Mit unermüdlicher Leidenschaft in der jüdischen Diaspora gedient»
Richard Elofer hat sich laut Krause mit Leib und Seele in seine Arbeit gestürzt. Er habe Tausende von Seiten geschrieben, Hunderte von Seminaren und Predigten gehalten und jüdische Dienste und Gemeinden auf der ganzen Welt gefördert und betreut. «Richard hat mit unermüdlicher Leidenschaft in der jüdischen Diaspora gedient», sagte Dr. G. T. Ng, ehemaliger Exekutivsekretär der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz). «Sein hartnäckiges Engagement und sein Durchhaltevermögen in der Mission sind eine Inspiration für uns alle.»

Jüdischen Menschen in ihrem kulturellen Kontext begegnen
Elofer habe sich laut Adventist News Network (ANN) dafür eingesetzt, jüdischen Menschen in ihrem kulturellen Kontext zu begegnen, und habe die Kirche immer wieder daran erinnert, dass Jesus ein Jude war, der Juden diente. «Richards jüdisches Erbe hat ihn dazu befähigt, der Kirche wichtige Einsichten zu vermitteln, die sie dazu veranlasst haben, kontextbezogene Materialien und Methoden zu entwickeln und anzuwenden», sagte Dr. Mike Ryan, ehemaliger Direktor von Global Mission.

«Richard reiht sich in die Liste jener Siebenten-Tags-Adventisten ein, die sich leidenschaftlich dafür einsetzten und daran glaubten, dass das jüdische Volk nicht nur von Gott auserwählt ist, sondern von Gott geliebt wird und durch die Gnade Jesu für immer im neuen Jerusalem leben wird», sagte Dr. Ryan.

Wöchentlicher Newsletter während 18 Jahren
18 Jahre lang verschickte Richard Elofer ununterbrochen jede Woche einen Newsletter - insgesamt 916 Ausgaben - in mehreren Sprachen. Im März dieses Jahres teilte er seinen 1.500 Abonnenten mit, dass dies die letzte Ausgabe unter seiner Leitung sein würde.

Mehr zum «Jüdisch-adventistischen Freundschaftszentrum»:
https://www.jewishadventist.org/

Der Newsletter des Freundschaftszentrums kann kostenlos abonniert werden auf: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch:
https://www.jewishadventist.org/

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Brigitte Rottach, Leiterin der Adventgemeinde Augsburg, beim 8. Augsburger Predigtslam. © Foto: Wolfgang Dorn, Adventisten Bayern

Adventistin gewinnt ersten Preis beim Augsburger Predigtslam

Augsburg/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Personen

Beim diesjährigen Predigtslam des Augsburger Friedensfestes gewann die Adventistin Brigitte Rottach den ersten Preis und den Publikumspreis.

Am 4. August fand bereits zum achten Mal der Augsburger Predigtslam statt. Er ist ein fester Bestandteil des jährlichen Augsburger Friedensfestes und wird von der Gruppe «Biblia Viva Augustana» veranstaltet. Das Friedensfest selbst wird von der «Friedensstadt Augsburg» getragen, einem Netzwerk aus Vereinen, gemeinnützigen Organisationen und Religionsgemeinschaften.

Predigtslam 2021 zum Thema «Barmherzigkeit»
Der diesjährige Predigtslam stand unter dem Thema „Barmherzigkeit“. Sieben Sprecherinnen und Sprecher hatten jeweils sieben Minuten Zeit, eine Predigt zu einem biblischen Text vorzutragen, der von Barmherzigkeit handelt. Eine Jury aus Theologinnen und Theologen kürte am Ende die Beiträge. Den ersten Preis erhielt Brigitte Rottach, Leiterin der Adventgemeinde Augsburg, für ihre in Reimform gehaltene Predigt mit Fragen wie: „Ist es ein Akt der Barmherzigkeit, wenn ich meine abgelegten Kleider in einen Container werfe?“ Oder: „Kann ich einen Messerstecher lieben?“ Auch der Publikumspreis ging an Brigitte Rottach.

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Symbolbild - Buchrezension © Foto: pexels/pixabay

Buchrezension: „Al-Aqsa oder Tempelberg: Der ewige Kampf um Jerusalems heilige Stätten“

Ostfildern/Deutschland | 30.08.2021 | APD | Buchrezensionen

Buchrezension: Joseph Croitoru: «Al-Aqsa oder Tempelberg: Der ewige Kampf um Jerusalems heilige Stätten», Verlag H.C. Beck, 1. Auflage, (22. Februar 2021), 365 Seiten, Gebundenes Buch: 26,95 Euro / Fr. 30,80, Ebook/Kindle: 19,99 Euro, ISBN-10: ‎3406765858, ISBN-13: ‎978-3406765858

Die Kuppel des Felsendoms in Jerusalem glänzt wie ein goldener Apfel – und vergiftet die Atmosphäre in der Stadt. Der Journalist und Historiker Joseph Croitoru widmet sich in seinem neusten Buch dem alten Konflikt um Jerusalems heilige Stätten. Detailliert und faktenreich schildert er Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, die sich stets aufs Neue um den Tempelberg entzünden. Es scheint, als werde hier der Nahostkonflikt im Miniformat ausgetragen. Seit der Entstehung des jüdischen Nationalstaates wird der jüdische Einfluss grösser und die Spannungen nehmen zu. Die Hoffnung des Lesers auf eine friedliche Einigung wird nach der Lektüre des Buches schwinden. Man kann sich eher wundern, dass dort überhaupt noch etwas steht.

3000 Jahre Geschichte
Auf der Grundlage hebräischer und arabischer Quellen erzählt Croitoru die Geschichte des ewigen Kampfes um den heiligen Berg, der durch die politisch-religiöse Gemengelage über Jahrhunderte enorme Sprengkraft entwickelte. In sechs Kapiteln wird die Vergangenheit – beginnend von der Zeit des Alten Testaments über die spätosmanische Zeit und die britische Besatzungszeit bis in die Gegenwart hinein – dargestellt. Das letzte Kapitel führt aus, warum Frieden dort aufgrund der bewegten Vergangenheit unmöglich scheint, und gibt keinen Anlass zum Optimismus.

Alle bekannten Ereignisse wie die blitzschnelle Räumung des Maghrebiner-Viertels nach dem Sechstagekrieg 1967, die Anschläge von Extremisten, Aktivisten und Terroristen und der Streit um archäologische Grabungen werden aufgeführt. Jedoch hält sich der in Haifa geborene Autor mit den Bewertungen zurück und zeigt, dass bewusste Provokationen stets von beiden Seiten ausgingen. Manchmal mag der Zank über die Bänke an der Klagemauer, über das Singen von Nationalhymnen oder das Schofarblasen kleinlich erscheinen, doch vor dem geschichtlichen Hintergrund kann er verständlich werden.

Besonders erwähnenswert in diesem Kampf ist neben den nationalstaatlichen Interessen auch der religiöse Eifer, der ein friedliches Nebeneinander der Religionen praktisch unmöglich macht. Nicht nur Juden und Muslime knüpfen historisch gewachsene Heilsvorstellungen an den Tempelberg, sondern auch manche evangelikale Christen, die im Bau des dritten Tempels ein Vorzeichen der baldigen Wiederkunft Christi sehen. Die Grenze zwischen religiösem Eifer und Wahn scheint fliessend und gipfelt in Gewalttaten. Die Stadt wirkt mitunter sogar krankhaft auf die Psyche, denn jährlich befällt etwa 100 Besucher das sogenannte „Jerusalem-Syndrom“, das mit religiösen Wahnvorstellungen einhergeht.

Friedensträume
Mit viel Bildmaterial, einer Zeittafel und umfangreichen Anmerkungen bekommt der Lesende einen guten Überblick über den Sachverhalt. Die bewusst objektive Darstellung lässt manchmal nur erahnen, mit welcher Gewalt die Geschehnisse um den Tempelberg ihre Kreise zogen. Auch besteht bei der nüchternen Lektüre die Gefahr, sich in geschichtlichen Details zu verlieren oder eine unbewusste Parteilichkeit zu entwickeln. Doch wird diesen Streit so schnell niemand schlichten können, kein Jude, kein Moslem und kein Christ. Der Tempelberg wird ein Zankapfel bleiben – solange er besteht.
Claudia Mohr

Die Rezension kann als Dokument heruntergeladen werden:
https://www.apd.info/wp-content/uploads/2021/07/164-2021-Rezension-Croituru.pdf

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Impressum

| 30.08.2021 | APD | Impressum

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